{"id":81803,"date":"2025-03-19T08:36:52","date_gmt":"2025-03-19T07:36:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=81803"},"modified":"2025-05-12T18:32:43","modified_gmt":"2025-05-12T16:32:43","slug":"ben-becker-in-manche-rolle-darf-man-nicht-zu-tief-eintauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/03\/19\/ben-becker-in-manche-rolle-darf-man-nicht-zu-tief-eintauchen\/","title":{"rendered":"Ben Becker: In manche Rolle darf man nicht zu tief eintauchen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_82024\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82024 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BB_Pressefoto_copyrightDanielaPfeil-1.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"616\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der gro\u00dfe Schauspieler und Charakterdarsteller Ben Becker &#8211; ein Mann mit vielen Gesichtern und vielen Talenten &#8211; \u00a9 Daniela Pfeil<\/span><\/div>\n<p>Ben Becker liebt den direkten Kontakt zum Publikum, als Musiker, aber auch als Schauspieler. Daf\u00fcr ist ihm keine Herausforderung zu gro\u00df. In denen letzten Jahren war er mit dem komplexen, tiefgr\u00fcndigen Ein-Personen-St\u00fcck &#8222;Ich, Judas&#8220; von Walter Jens unterwegs.<\/p>\n<p>Auf seiner aktuellen Tour pr\u00e4sentiert er das Drama &#8222;Das Todesduell&#8220; des englischen Schriftsteller John Donne aus dem Jahr 1631, dem Todesjahr des Dichters. Am 01. M\u00e4rz war er mit dem St\u00fcck in der Wuppertaler Friedhofkirche (Hochstra\u00dfe) zu Gast. Veranstalterin: Csilla Letay und ihr &#8222;Salon Knallenfalls&#8220;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Wir haben uns im Rahmen unserer Interview-Reihe &#8222;Hand aufs Herz&#8220; mit dem beliebten Film- &amp; TV-Schauspieler unterhalten.<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben immer noch eine jugendhafte Ausstrahlung, sind aber im Dezember runde 60 Jahre alt geworden. Wird man dann ruhiger, reifer, vern\u00fcnftiger?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas wird man automatisch. Das bringt das Leben so mit sich. Man wird \u00e4lter, hat hier und da ein Zipperlein. Man passt mehr auf sich auf, wird einfach ruhiger. Aber das macht ja auch Spa\u00df.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie drehen Filme, stehen erfolgreich auf der Theaterb\u00fchne, Sie sind Regisseur, Synchronsprecher, Erz\u00e4hler und Musiker. Wie schaffen Sie es, in allen diesen Genres auf so hohem Niveau unterwegs zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eAls Synchronsprecher arbeitete ich inzwischen\u00a0 weniger. Ich plane jedes einzelne Projekt gut durch und \u00fcberlege mir im Vorfeld ganz genau, wof\u00fcr ich meine Zeit einsetzen m\u00f6chte. Ich bin keiner, der auf 1.000 Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Das hat nichts mit meinem Alter zu tun, das mochte ich noch nie. Ich konzentriere mich auf jedes einzelne Projekt und gebe dann daf\u00fcr immer 100 Prozent. Ich nehme meine Arbeit wirklich sehr ernst und dabei muss ich sehr fokussiert bleiben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie spielen oft schwierige, undurchsichtige Typen wie in \u201eSchlafes Bruder\u201c oder wie den korrupten Polzisten im \u201eTatort \u2013 Die Pfalz von oben\u201c mit Ulrike Folkerts &#8211;\u00a0 um nur zwei Beispiele zu nennen. Was reizt Sie an solchen Rollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas Verbotene als Solches hat seinen Reiz. Und das darf ich in diesen Rollen ausleben. Ich kann dabei ausloten und hinterfragen, warum sich der Charakter, den ich darstelle, im Leben verirrt hat. Das gibt mir als Schauspieler sehr viel Material und Gestaltungsm\u00f6glichkeit an die Hand. Solche Figuren zu spielen, liegt mir mehr, als den glatten Liebhaber von nebenan. Das war schon immer so. Aber es gibt aber auch immer wieder Rollenangebote, wo ich schrille Typen darstellen soll, die v\u00f6llig aus dem Rahmen fallen. Dann sage ich: \u201aLeute, jetzt ist aber gut!\u2018\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81815\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81815 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/BenBecker_JohnDonne_04059_64x36cmCredits_300dpi6to9Cut_\u00a9FacelandCom-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1713\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ben Becker interpretiert die Predigt &#8222;Das Todesduell&#8220; von John Donne &#8211; \u00a9 Faceland Com.<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie haben einmal gesagt, ich kann die zwielichtigen, b\u00f6sen Charaktere spielen, weil ich Angst vor dem B\u00f6sen habe, ich selbst bin ja nicht b\u00f6se. Solche Rollen zu spielen, ist das f\u00fcr Sie dann so etwas wie das Pfeifen im Walde?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas kann man so sagen. Das B\u00f6se macht mir Angst. Dann will ich wissen, wovor habe ich Angst und warum? Das B\u00f6se \u00fcbt schon eine gewisse Faszination aus, die ich in solchen Rollen verarbeiten und ausleben kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche war die bislang anspruchsvollste, schwierigste Rolle, die Sie in Ihrer Karriere als Schauspieler verk\u00f6rpert haben?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas kann ich gar nicht sagen. Jede Rolle ist eine neue Herausforderung. Immer wieder liegt die Latte hoch und immer wieder ist es die gleiche Auseinandersetzung mit der Figur, die man spielt. Bei den Film- und TV-Produktionen gibt es heute einen ungeheuren Zeitdruck. Deshalb liebe ich meine Theaterproduktionen so sehr, bei denen ich mit dem Publikum in einen Dialog treten kann. Da kann ich Geschichten erz\u00e4hlen, die mich wirklich besch\u00e4ftigen. Oder Literatur vorstellen, die mich fasziniert, bei der ich gro\u00dfe Freude empfinde als Geschichtenerz\u00e4hler, denn so sehe ich meine Rolle. Ich pr\u00e4sentiere den Leuten teilweise Geschichten und Stoffe, die schwer zu vermitteln sind. Ich suche dann einen Weg, um die Zuh\u00f6rer mit auf eine Reise zu nehmen. Dabei verlange ich dem Publikum sehr viel ab &#8211; und mir selber nat\u00fcrlich auch.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: K\u00f6nnen Sie einmal ein konkretes Beispiel nennen?<\/strong><\/p>\n<p>Benn Becker: \u201eBeispielsweise meine aktuelle Produktion \u201eDas Todesduell\u201c. Diesen Text zu erarbeiten und den Versuch zu unternehmen, ihn einigerma\u00dfen zu hinterfragen, ihn zu verstehen, das war sehr viel Arbeit. Aber genau das hat mich so sehr daran gereizt. Und ich freue mich dar\u00fcber, dass mir die Leute auf eine unheimliche sch\u00f6ne und konzentrierte Weise folgen. Ich bin sehr dankbar daf\u00fcr, dass dieses in der heutigen, schnelllebigen Welt \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Als Schauspieler sind Sie in die Fu\u00dfstapfen Ihres Vaters Rolf Becker und ihres Stiefvaters Otto Sander getreten: Fluch oder Segen?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eEhrlich gesagt, war es manchmal schon schwer, gerade was meinen Ziehvater Otto Sander angeht. Er ist ja ein Denkmal. Und das war er auch schon zu Lebzeiten. Das macht es nicht unbedingt einfacher. Irgendwann muss man sich aber davon l\u00f6sen, wenn man sich f\u00fcr diesen Beruf entschieden hat und auf eigenen Beinen stehen will. Denn dann kann einem keiner mehr helfen \u2013 auch kein noch so ber\u00fchmter Vater oder Ziehvater. Irgendwann steht die Entscheidung an: Habe ich das Talent f\u00fcr diesen Beruf oder nicht! Ich habe viel gelernt von den beiden Herrschaften. Rolf Becker ist ein gro\u00dfartiger Dramaturg. Otto Sander habe ich sehr genau bei der Arbeit zugeschaut. Ich war sehr oft bei seinen Vorstellungen im Theater. Ich durfte auch selbst mit ihm vor der Kamera stehen und habe auch gemeinsam Lesungen mit ihm gemacht. Schon als 17 Jahre alter B\u00fchnenarbeiter habe ich ihn genau beobachtet: Wie er sich auf der B\u00fchne bewegte, wie er seine Rolle anlegte. Das hat mich sehr gepr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben vermutlich auch aufgrund Ihrer Familiengeschichte eine klassische Schauspiel-Ausbildung absolviert, im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen heute, die Seiteneinsteiger sind. Wie wichtig war Ihnen diese k\u00fcnstlerische Grundausbildung?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas will ich nicht verallgemeinern. Mir haben die Kontinuit\u00e4t der Ausbildung und der Wille und der Ehrgeiz, das durchzuziehen, sehr gutgetan. Ich wei\u00df nicht, wie man mittlerweile mit den Sch\u00fclern auf Schauspielschulen verf\u00e4hrt, aber ich glaube, das ist teilweise sehr schwierig. Auf der anderen Seite muss man als Autodidakt schon sehr viel Talent und Gesp\u00fcr mitbringen, um erfolgreich zu sein. Ich m\u00f6chte meine klassische Ausbildung nicht missen. Ich habe die Schauspielerei noch von der Pieke auf gelernt, mit Theatergeschichte, Fechten, Reiten und auch Ballett &#8211; das volle Programm also. Beim Gedanken an Ballett muss ich jetzt aber ein wenig schmunzeln.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81823\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-81823\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/BenBecker_JohnDonne_03681_64x36cmCredits_300dpi_16to9Cut_6_\u00a9FacelandCom-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1434\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ben Becker als Protagonist in dem 1631 von Schriftsteller John Donne geschriebenen Drama &#8222;Das Todesduell&#8220; &#8211; \u00a9 Faceland Com.<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Erst \u201eIch, Judas\u201c von Walter Jens, jetzt \u201eDas Todesduell\u201c von\u00a0 John Donne, die wohl ber\u00fchmteste Predigt der Welt, die der Dichter John Donne 1631 kurz vor seinem Tod hielt. Beides sehr anspruchsvolle Ein-Personen-St\u00fccke. Allein den Text zu lernen, ist schon eine echte Herausforderung, diesen dann \u00fcberzeugend und einf\u00fchlsam auf der B\u00fchne r\u00fcber zu bringen, bedeutet eine Herkules-Aufgabe. Wie schaffen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDaran habe ich sehr lange gearbeitet. Und das mit voller \u00dcberzeugung, weil ich diese Texte f\u00fcr sehr wichtig halte. Die Arbeit daran hat mir gro\u00dfe Freude und Genugtuung bereitet. Ich habe ja das Gl\u00fcck, dass mir eine gewisse Ausstrahlung, Pr\u00e4senz und Charisma auf der B\u00fchne mit in die Wiege gelegt wurde. Ich bin also \u00dcberzeugungst\u00e4ter.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehr haben Sie sich vorher mit der Figur und der Vita von Judas und von John Donne besch\u00e4ftigt?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eEigentlich haben die Texte mich gefunden, ich habe sie nicht wirklich gesucht. Bei \u201aJudas\u2018 war es ein ganz kleiner Buchverlag, der mit dem Stoff auf mich zukam. Und ich habe gesagt: \u201aDieser Text ist gro\u00dfartig, der muss auf die B\u00fchne\u2018.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Und wie war es bei Ihrem aktuellen Projekt, dem \u201eTodesduell\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDer Text von John Donne ist mir vor etwa 15 Jahre erstmals bei den Salzburger Festspielen begegnet. Dort habe ich den \u201eTod\u201c im &#8222;Jedermann&#8220; gespielt. Der Intendant der Festspiele hat mir den Text von John Donne damals ans Herz gelegt. Ich konnte ihn gerade so lesen, dennoch habe ich ihn bei der Er\u00f6ffnungsveranstaltung des Festivals im Mozart-Haus erstmals vorgetragen. Und das habe ich nie vergessen. Und als dann die Leitung des Berliner Doms anfragte, ob ich nicht Lust h\u00e4tte, neben \u201eJudas\u201c noch ein weiteres St\u00fcck darzubieten, ist mir der John Donne-Text wieder eingefallen. Ich habe dann sehr lange zuhause daran\u00a0 gearbeitet und auch ein B\u00fchnenbild gebastelt, um das St\u00fcck als Inszenierung im Altarraum des Berliner Doms zu pr\u00e4sentieren. Mittlerweile bin ich mit dem \u201eTodesduell\u201c Deutschland weit auf Tournee, trage den Text in Kirchen, aber auch auf normalen B\u00fchnen vor.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sind Sie eigentlich ein gl\u00e4ubiger Mensch?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: &#8222;Ich bin schon irgendwie ein gl\u00e4ubiger Mensch, auch wenn ich keiner Konfession angeh\u00f6re. Ich glaube wie die Indianer an die spirituelle Kraft der Natur. Im Grunde bin ich ein gl\u00e4ubiger Kommunist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Im &#8222;Todesduell&#8220; steht &#8211; wie der Titel bereits verr\u00e4t &#8211; der Tod im Mittelpunkt. Hat sich durch die Auseinandersetzung mit dem Tex von John Donne Ihr Verh\u00e4ltnis zum Thema Tod ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: &#8222;Eigentlich nicht, ich bin damit ja schon durch den Tod meines Ziehvaters Otto Sander damit in Ber\u00fchrung gekommen und das Thema wird mich auch irgendwann beim Tod meines leiblichen Vaters Rolf Becker wieder einholen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie weit tauchen Sie auf der B\u00fchne in solche schwierigen, anspruchsvollen Charaktere ein?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: &#8222;Manchmal taucht man besser nicht zu tief in den Text und die Geschichte ein. Bei John Donne stelle ja auch nicht den dahin siechenden Priester dar. Sondern ich versuche, dem Publikum mitzuteilen, wie ich diesen Text, der bildgewaltig daher kommt, interpretiere und verstehe. Wenn man dann selber noch einen draufsetzt und sagt, jetzt spiele ich die Figur auch noch, das w\u00e4re dann einfach zu viel und k\u00f6nnte dann sogar peinlich wirken. Aber sich zur\u00fcckzuhalten und den Verfasser und seinen Text in den Vordergrund zu r\u00fccken, das ist auch eine hohe Kunst. Und der Text wirkt beim Publikum sicher lange nach.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81818\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81818 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/BenBecker_JohnDonne_03935_24x36cmCredits_300dpi_\u00a9FacelandCom.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"643\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ben Becker als \u00fcberzeugender Darsteller in dem Drama &#8222;Das Todesduell&#8220; &#8211; \u00a9 Faceland Com.<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Was bedeuten Ihnen Auszeichnungen wie der \u201eAdolf-Grimme-Preis\u201c, die \u201eGoldene Kamera\u201c oder der \u201eBayerische Filmpreis\u201c, die Sie alle schon einkassiert haben?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eIch gucke gerade hoch auf mein B\u00fccherregal, die Preise stehen alle da oben. Das zaubert mir ein L\u00e4cheln ins\u00a0 Gesicht. Ich freue mich nat\u00fcrlich dar\u00fcber, denn das ist ja so eine Art Danksagung an meine Arbeit.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Auf der einen Seite sehr anspruchsvolle Rollen wie in \u201eSchlafes Bruder\u201c, \u201eComedian Harmonists\u201c, \u201eEin ganz gew\u00f6hnlicher Jude\u201c, \u201eDer Einstein des Sex\u201c,\u00a0 \u201eWerk ohne Autor\u201c, \u201eLuther \u2013Kampf mit dem Teufel\u201c, \u201eDer gleiche Himmel\u201c, \u201eHabermann\u201c\u00a0 oder \u201eRex Gildo \u2013 Der letzte Tanz\u201c \u2013um nur einige zu nennen. Auf der anderen Seite gab es aber auch leichtere Kost wie Auftritte in \u201eIn aller Freundschaft\u201c, \u201eDas Traumschiff\u201c oder \u201eNotruf Hafenkante\u201c. Muss man solche Rollen heute annehmen, weil man auch als Schauspieler Rechnungen zu bezahlen hat?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eIch muss das zum Gl\u00fcck nicht. Beim Gastauftritt in der ARD-Serie \u201eIn aller Freundschaft\u201c habe ich das meinem Vater Rolf Becker zuliebe getan. Beim \u201eTraumschiff\u201c waren Otto Sander und ich mit an Bord, weil das Thema Seefahrt uns beide begeisterte. Die Reise nach Fidschi hat uns auch viel Spa\u00df bereitet. Aber daf\u00fcr muss man sich ja nicht entschuldigen. Und mein Auftritt bei \u201eNotruf Hafenkante\u201c war mehr oder weniger ein Geschenk an die Regisseurin. Doch dass ich da jetzt h\u00e4ngen bleibe und eine nach der anderen Rolle in einer Vorabend-Serie spiele, daf\u00fcr bin ich nicht gemacht.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Viele halten Schauspielerei f\u00fcr einen Traumberuf, das ist er aber vielfach nicht. Viele Ihrer Kollegen haben finanzielle Probleme und m\u00fcssen jedes Serien-Angebot annehmen\u2026 <\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas ist nat\u00fcrlich ihr gutes Recht. Ich bin wirklich der Letzte, der sich hochn\u00e4sig dar\u00fcber stellt und von sich sagt, ich mache aber etwas Intellektuelles. Zum Gl\u00fcck kann ich noch von den Rollen leben, die mir Spa\u00df machen. Und ich bin auch der vollen \u00dcberzeugung, dass das meine Bestimmung ist. Ich w\u00e4re ich todungl\u00fccklich, wenn ich jetzt auf eine feste Rolle beim \u201eBergdoktor\u201c angewiesen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehen Sie die Entwicklung in der Schauspielbranche?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: &#8222;Die Situation ist sehr schwierig. Das sehe ich auch bei mir. Es ist nicht so, dass ich mich vor guten, lukrativen Angeboten nicht retten kann. Manchmal kommen so haneb\u00fcchene Sachen rein, die mich absolut nicht interessieren und die auch noch unterbezahlt sind. Dann sage ich: \u201aNein danke, tut mir leid!\u2018 Ich brauche Geschichten, die mehr Futter haben und bin dankbar f\u00fcr die drei \u201eTatort\u201c-Folgen, die ich mit Ulrike Folkerts gedreht habe. Ich durfte jetzt auch zwei Kunstfilme mit dem bildenden K\u00fcnstler Albert \u00d6ehlen machen. Das spricht sicher nicht die breite \u00d6ffentlichkeit an. Geschichten mit Hand und Fu\u00df werden heute leider immer weniger produziert. Und wenn doch, sieht man immer die gleichen Gesichter. Dass die Gagen heutzutage sinken, h\u00f6rt man inzwischen auch von Kollegen, von denen man das nicht glauben w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81819\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81819 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/BenBecker_JohnDonne_04052_24x36cmCredits_300dpi_\u00a9FacelandCom.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"710\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Das Todesduell&#8220; &#8211; eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr den begnadete Schauspieler Ben Becker &#8211; \u00a9 Faceland Com.<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie haben in vielen \u201eTatorten\u201c oder \u201ePolizeiruf 110\u201c-Folgen B\u00f6sewichte gespielt. K\u00f6nnten Sie sich auch vorstellen, wie Ihr Kollegen Wotan Wilke M\u00f6hring, fest einen Tatort-Kommissar darzustellen?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas k\u00f6nnte ich mir mittlerweile wirklich vorstellen. Jetzt, wo ich ein wenig \u00e4lter bin und viel Zeit auf dem Land verbringe, f\u00e4nde ich so eine Festanstellung gar nicht so unspannend. Das allerdings unter der Pr\u00e4misse, dass mich die Kommissar-Figur, die ich spielen soll, auch wirklich interessiert und ich sie mit entwickeln darf. Mir da einfach nur eine Pistole umzuh\u00e4ngen, dazu bin ich zu alt. Kung Fu geht auch nicht mehr. Aber einen Ermittler mit einer starken Pers\u00f6nlichkeit darzustellen, das w\u00fcrde mich durchaus reizen. Das m\u00fcsste dann so eine Art \u201aKommissar Columbo\u2018 sein.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es \u00fcberhaupt so etwas wie eine Traumrolle f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDie Traumrolle schlechthin gab es f\u00fcr mich eigentlich nie. Ich wollte immer mal den \u201aHamlet\u2018 spielen. Daf\u00fcr bin ich eigentlich jetzt zu alt. Aber egal, vielleicht mache ich das noch einmal als \u201aOne-Man-Show\u2018. Gut m\u00f6glich, dass ich auch \u201eRichard III.\u201c noch einmal auf die B\u00fchne bringe.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie oft haben Sie eigentlich schon mit Ihrer Schwester Meret vor der Kamera oder auf der B\u00fchne gestanden?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDas kann ich an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen. Wir verstehen uns sehr gut. Gemeinsame Auftritte vor der Kamera sind aber eine Frage der Notwendigkeit. Wenn beispielsweise ein Produzent ankommt und sagt: \u201aIch will Euch unbedingt beide f\u00fcr ein Projekt haben\u2018. Kein Problem. Wir machen aber demn\u00e4chst wieder gemeinsam eine Lesung. Da geht es um deutsche Gedichte und Balladen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie sich eigentlich eine Deadline gesetzt, wann Sie in Rente gehen wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eGanz klar: Ich spiele so lange es geht. Ich kann mir momentan gar nicht vorstellen, aufzuh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was ist denn demn\u00e4chst als Musiker von Ihnen zu h\u00f6ren?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: &#8222;Da ist etwas ganz vage im Gespr\u00e4ch. Es kann sein, dass sich dahingehend in diesem Jahr oder 2026 etwas tut. Sicher ist aber: Die Musik l\u00e4sst mich nicht los \u2013 und ich lasse sie nicht gehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sehen Sie eine Gefahr f\u00fcr unsere Demokratie?<\/strong><\/p>\n<p>Ben Becker: \u201eDie sehe ich schon seit einiger Zeit. Ich zucke immer zusammen, wenn die Frau Weidel auftritt. Ich bin ja noch mehr oder weniger in einer heilen Welt aufgewachsen. Und jetzt sehe ich, dass Vieles auseinanderbricht. Und das macht mir durchaus Angst.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das offene, ehrliche und spannende Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte PETER PIONKE<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_81825\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 460px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81825 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/BB_Pressefoto_copyrightDanielaPfeil-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"352\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Erfolgreich und selbstbewusst: Der Schauspieler Ben Becker &#8211; \u00a9 Daniela Pfeil<\/span><\/div>\n<h4>DIE VITA VON BEN BECKER<\/h4>\n<p>Ben Becker wurde am 19. Dezember 1964 in Bremen geboren. Er stammt aus einer K\u00fcnstlerfamilie. Seine Eltern sind die Schauspielerin Monika Hansen und der Schauspieler Rolf Becker. Meret Becker ist seine Schwester. Seine Eltern trennten sich, als Ben zehn Jahre alt war. Als Stiefsohn von Schauspiel-Legende Otto Sander wuchs er in Hamburg, Stuttgart und Berlin auf. Ben Becker hat \u00fcbrigens auch ein\u00a0 ber\u00fchmte Gro\u00dfmutter: Die Komikerin Claire Schlichting. Sein Gro\u00dfvater war T\u00e4nzer.<\/p>\n<p>Schon als Kind wirkte Ben Becker in H\u00f6rspielen mit und bekam erste, kleine Filmrollen. Nach dem Schulabschluss war er zun\u00e4chst als B\u00fchnenarbeiter t\u00e4tig und nahm von 1985 bis 1987 Schauspielunterricht in Bremen. Sein erstes festes Engagement bekam er am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Es folgten Engagements an weiteren renommierten deutschen Theatern wie das Staatstheater Stuttgart, das Schauspielhaus D\u00fcsseldorf, das Deutsche Schauspielhaus Hamburg oder das Maxim-Gorki-Theater Berlin.<\/p>\n<p>Von 2009 bis 2012 spielte Ben Becker bei den Salzburger Festspielen im Klassiker \u201eJedermann\u201c (Hugo von Hofmannsthal) den \u201eTod\u201c.<\/p>\n<p>Die bekanntesten Film- &amp; TV-Filme, in denen Ben Becker u.a. mitspielte: \u201eDas serbische M\u00e4dchen\u201c (1991), \u201eSchlafes Bruder\u201c (Joseph Vilsmaier \u2013 1995), \u201eComedian Harmonists\u201c (1997), \u201eDer Einstein des Sex\u201c (Rosa von Praunheim \u2013 1999), \u201eLuther &#8211; Kampf mit dem Teufel\u201c (2007), \u201eDer gleiche Himmel\u201c (2017), \u201eWerk ohne Autor\u201c (Florian Henckel von Donnersmarck \u2013 2018), \u201eRex Gildo \u2013 Der letzte Tanz\u201c (Rosa von Praunheim \u2013 2022). Au\u00dferdem war Ben Becker in einer Reihe Folgen der ARD-Erfolgs-Krimi-Serie \u201eTatort\u201c zu sehen \u2013 wie beispielweise im \u201eTatort Ludwigshafen \u2013 Die Pfalz von oben\u201c mit Ulrike Folkerts (2019) oder auch in der Primetime-Serie \u201ePolizeiruf 110\u201c.<\/p>\n<p>Ben Becker ist auch als Musiker erfolgreich. 1997 ver\u00f6ffentlichte er das Album \u201eUnd lautlos fliegt der Kopf weg\u201c, 2001 die CD \u201eWir heben ab\u201c. Bei beiden Projekten waren Mitglieder der \u201eZero Tolerance Band\u201c als Musiker im Aufnahmestudio aktiv.<\/p>\n<p>Positive Schlagzeilen machte Ben Becker auch mit seinen Ein-Mann-B\u00fchnen-Produktionen \u201eIch, Judas\u201c (Walter Jens) und aktuell mit \u201eDas Todesduell\u201c von John Donne.<\/p>\n<p>Ben Becker erhielt f\u00fcr seine schauspielerischen Leistungen zahlreiche Auszeichnungen \u2013 u.a. den \u201eAdolf-Grimme-Preis\u201c (1991 \u2013 1995), den \u201eBerliner B\u00e4r\u201c (1997), die \u201eGoldene Kamera\u201c (1998), den \u201eBayerischen Filmpreis\u201c (1998).<\/p>\n<p>Becker ist seit 2012 verheiratet, hat eine 24 Jahre alte Tochter und lebt in Berlin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch Rebellen werden \u00e4lter und gelassener! Film-Star Ben Becker feierte am 19. Dezember 2024 seinen 60. Geburtstag. Doch k\u00fcnstlerisch ist der Schauspieler, Regisseur und Musiker ein Grenzg\u00e4nger und Abenteurer geblieben. Er traut sich an Rollen heran, verk\u00f6rpert Charaktere, bei denen viele Kollegen m\u00fcde l\u00e4chelnd abwinken w\u00fcrden. Ihn reizen die schwierigen, undurchsichtigen Typen, bei denen die Grenzen zwischen Gut und B\u00f6se verschwimmen.   <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-81803","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 01:59:52","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81803"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83837,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81803\/revisions\/83837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}