{"id":81700,"date":"2025-02-17T13:48:38","date_gmt":"2025-02-17T12:48:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=81700"},"modified":"2025-02-17T13:48:38","modified_gmt":"2025-02-17T12:48:38","slug":"till-soerensen-siebel-menschen-nicht-gegeneinander-ausspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/02\/17\/till-soerensen-siebel-menschen-nicht-gegeneinander-ausspielen\/","title":{"rendered":"Till S\u00f6rensen-Siebel: Menschen nicht gegeneinander ausspielen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_81736\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81736 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Till-Soerensen-Siebel-Julian-von-Brocke-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1725\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Till S\u00f6rensen-Siebel kandidiert f\u00fcr die Partei &#8222;Die Linke&#8220; im Wahlkreis Wuppertal I &#8211; \u00a9 Julian von Brocke<\/span><\/div>\n<p>Der junge Politiker m\u00f6chte in erster Linie die Perspektiven seiner Generation in den Bundestag einbringen. \u201eIch werde mich daf\u00fcr einsetzen, dass wir eine gesicherte Zukunft auf einem gesunden friedlichen Planeten haben und gute Zukunftschancen, die nicht vom Geldbeutel oder dem Bildungsstand der Eltern abh\u00e4ngen. Privatisierung und \u00d6konomisierung haben in der Bildung genau so wenig zu suchen, wie die Bundeswehr! Wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum f\u00fcr Auszubildende und Studierende\u201c, benennt Till S\u00f6rensen-Siebel seine politischen Ziele.<\/p>\n<p>Er ist AStA-Vorsitzender und damit Stimme von \u00fcber 20.000 Studierenden in Wuppertal und kenne er deren Sorgen, N\u00f6te und Existenz\u00e4ngste. So m\u00fcssten 80 Prozent der Vollzeitstudierenden der Bergischen Universit\u00e4t nebenbei arbeiten, um \u00fcber die Runden zu kommen. Sie w\u00fcrden in vor sich hingammelnden Wohnheimen und \u00fcberteuerten WGs wohnen.<\/p>\n<p>Seine steilen Thesen: \u201eEs ist nicht erw\u00fcnscht, dass progressiv denkende Menschen die neoliberalen Denkmuster des akademischen Betriebs angreifen. Es ist nicht erw\u00fcnscht, dass Bildung gelebt wird. Formung f\u00fcr den Dienst im Kapitalismus ist genug.\u201c<\/p>\n<p>Im Rahmen unserer Kandidaten-Vorstellung f\u00fcr die Bundestagswahl am 23. Februar haben wir uns mit Till S\u00f6rensen-Siebel unterhalten.<\/p>\n<p><strong>DS: Kurz, aber heftig \u2013 h\u00e4tten Sie sich lieber einen l\u00e4ngeren Wahlkampf als nur rund 50 Tage gew\u00fcnscht?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eJa ich h\u00e4tte mir einen l\u00e4ngeren Wahlkampf gew\u00fcnscht. Die Informationsveranstaltungen an Schulen bed\u00fcrfen beispielsweise einer gewissen Vorbereitungszeit seitens der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und bieten die Gelegenheit, mit den Menschen, die \u00fcber ihre Zukunft mitentscheiden, Fragen zu stellen. Au\u00dferdem gehen wir als Linke an die Haust\u00fcren der Menschen, um zu h\u00f6ren, was sie bedr\u00fcckt. Wir waren in diesem Wahlkampf schon an weit \u00fcber 100.000 Haust\u00fcren; ich h\u00e4tte aber gerne noch mehr Zeit gehabt um mit den Menschen zu sprechen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie gro\u00df ist Ihre Sorge, dass es in der Schlussphase ein noch h\u00e4rterer, sogar schmutziger Wahlkampf wird?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eIch f\u00fcrchte mich nicht vor harten Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner, auch nicht, wenn ich rhetorisch hart angegangen werde. Ich bin davon \u00fcberzeugt, das bessere Argument zu haben und dass wird man mir mit \u201eschmutziger\u201c Rhetorik nicht streitig machen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Hands aufs Herz: Trauen Sie Bundeskanzler Scholz noch eine gro\u00dfe Aufholjagd zu?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eNein.<\/p>\n<p><strong>DS: Wie wollen Sie der Politik-M\u00fcdigkeit und den Verlust der Glaubw\u00fcrdigkeit in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung begegnen?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eIch sehe diese M\u00fcdigkeit nicht. Die Linke hat allein in diesem Jahr \u00fcber 23.000 Mitglieder dazugewonnen. Das sind Menschen, die sich f\u00fcr eine sozial gerechte Welt einsetzen und k\u00e4mpfen wollen. Ich k\u00e4mpfe mit ihnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: AfD und BSW sind auf den Sozial Media-Kan\u00e4len sehr pr\u00e4sent. YouTube beispielsweise wird von diesen Parteien regelrecht dominiert: Dort wird hemmungslos indoktriniert, werden Statements aus Talkshows und Bundestagssitzungen sinnverf\u00e4lscht so zusammengeschnitten, dass ein v\u00f6llig anderer Eindruck entsteht. Warum haben die etablierten Parteien der Mitte diesen Trend verschlafen oder einfach das Feld, auf dem gerade viele junge Menschen unterwegs sind, kampflos den Extremen \u00fcberlassen?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eIch habe nicht den Eindruck, dass wir als Linke das aktuell noch tun. Sei es Heidi Reichinnek oder Jan van Aken, die aufkl\u00e4rerisch und erfolgreich auch die sozialen Medien bespielen. Wir sind aktiv und sichtbar, wie auch die Aufruf-Zahlen verdeutlichen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Es wird h\u00e4ufig bem\u00e4ngelt, dass viele der heutigen Politikerinnen und Politiker keinen \u201enormalen\u201c Beruf mehr erlernt haben, sondern gleich nach Schule und Uni eine Politikerkarriere eingeschlagen haben und sich so gar nicht mehr in die Lebensverh\u00e4ltnisse eines Normalb\u00fcrger hinein f\u00fchlen k\u00f6nnen. Wie stehen Sie dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eWir als Linke wollen aktiv Menschen mit genau diesen \u201enormalen\u201c Biographien in den Bundestag schicken. Die NRW-Landesliste wird z.B. von einer Sozialarbeiterin und einem gelernten Krankenpfleger angef\u00fchrt. Ich pers\u00f6nlich bin Student und angehender Lehrer, w\u00fcrde aber auch nicht sagen, dass der Lehrerberuf eine abgehobene Berufslaufbahn darstellt.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81738\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81738 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Till-Soerensen-Siebel-2-Julian-von-Brocke.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"674\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bundestagskandidat f\u00fcr die Partei &#8222;Die Linke&#8220;: Till S\u00f6rensen-Siebel &#8211; \u00a9 Julian von Brocke<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Heutzutage als Politiker unterwegs zu sein, ist ja nicht unbedingt Vergn\u00fcgungssteuerpflichtig. Man ist Anfeindungen und Beleidigungen ausgesetzt wie noch nie. Welchen Anteil haben Ihrer Meinung nach die Parteien an R\u00e4ndern rechts und links an dieser Entwicklung?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eIch wei\u00df nicht, ob sie Die Linke als \u201elinken Rand\u201c bezeichnen w\u00fcrden, kann aber versichern, dass wir diese Anfeindungen nicht aktiv betreiben oder f\u00f6rdern. Von rechts habe auch ich schon Bedrohungen erlebt, und wenn man bedenkt, dass der M\u00f6rder von Walter L\u00fcbke AfD-Wahlhelfer war, kann man wohl nicht leugnen, dass diese rechtsextreme Partei Gewalt f\u00f6rdert.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehr \u00fcberzeugt sind Sie von Kernthemen mit denen Ihre Partei in den Wahlkampf gezogen ist?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201cIch bin sehr davon \u00fcberzeugt, dass wir mit einem bundesweiten Mietendeckel, der Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel und der Steuererleichterung f\u00fcr Einkommen bis 6.500 \u20ac im Monat die Probleme der Menschen adressieren und zeigen, dass wir f\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit der Menschen hierzulande k\u00e4mpfen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehr begr\u00fc\u00dfen oder bedauern Sie es, dass die illegale Migration doch noch zum Hauptwahlkampfthema geworden ist?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eWas bitte ist \u201eillegale Migration\u201c? Ich finde dieses Framing uns\u00e4glich. CDU, FDP, Gr\u00fcne und SPD sehen sich offenbar gezwungen, den rechtsextremen von der AfD nachzulaufen und schmei\u00dfen damit 14 Mio. Menschen vor den Bus, die in diesem rassistisch aufgeheizten Klima leben m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Klimawandel hin \u2013 Klimawandel her! Das von Kanzler Scholz versprochene \u201eGr\u00fcne Wirtschaftswunder\u201c ist nachweislich ausgeblieben. Wie wird sich das vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme in den n\u00e4chsten Jahren auf die Akzeptanz gr\u00fcner Politik auswirken?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eSehr negativ, da die Ampel-Regierung nicht begriffen hat, dass man, um eine klimagerechte Wirtschaftswende hinzubekommen nicht kleckern darf, sondern klotzen muss. Zukunftsinvestitionen zu verschlafen kommt einer Arbeitsverweigerung der Ampel gleich.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Falls Sie gew\u00e4hlt werden: Was d\u00fcrfen die Wuppertaler B\u00fcrger und die B\u00fcrger der Bergischen Region von Ihnen in den n\u00e4chsten \u2013 vermutlich &#8211; vier Jahren erwarten?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eSie d\u00fcrfen erwarten, dass ich f\u00fcr meine Heimat brenne, mich daf\u00fcr einsetzen werde, dass mehr Geld in Bildung und den \u00d6PNV investiert wird und die Kommunen entschuldet werden, da hier die Demokratie zum Anfassen stattfindet.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Koalition w\u00fcnschen Sie sich?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eAngesichts der aktuellen Umfragen graut es mir vor den m\u00f6glichen Regierungskoalitionen. Ich halte nach Merz\u00b4 Zusammenarbeit mit der AfD im Bundestag auch das nicht mehr f\u00fcr ausgeschlossen, dass sich die CDU mit Unterst\u00fctzung der AfD ins Kanzleramt bringen l\u00e4sst. Aber auch SPD und Gr\u00fcne werden sich unter Merz nicht f\u00fcr eine solidarische und klimagerechte Politik einsetzen. Die einzige Regierung, die gerade wirklich etwas zum Guten ver\u00e4ndern k\u00f6nnte, w\u00e4re rot-rot-gr\u00fcn, aber davon sind wir meilenweit entfernt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was muss aus Ihrer Sicht passieren, dass die Parteien der Mitte auch 2029 noch die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler stellen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Till S\u00f6rensen-Siebel: \u201eDie Parteien m\u00fcssten aufh\u00f6ren, die Menschen im Lande gegeneinander auszuspielen und lediglich als verl\u00e4ngerter Arm wirtschaftsnaher Lobbyisten zu handeln. Parteien m\u00fcssen integrativ wirken und R\u00e4ume schaffen, dass Menschen Demokratie als probleml\u00f6send und partizipativ erleben. Daf\u00fcr m\u00fcssen diese Parteien zum Beispiel auch aufh\u00f6ren, die Narrativen der AfD zu st\u00e4rken. Wenn SPD und Gr\u00fcne mit ihrer GEAS-Reform Kinder in Lager an den EU-Au\u00dfengrenzen stecken, die CDU und FDP mit der AfD Gesetze durchzudr\u00fccken versuchen, dann sch\u00fcrt das nur diffuse Vorurteile, dass die Migration die \u201eMutter aller Problem\u201c dieser Tage sei, wie es Horst Seehofer einst ausdr\u00fcckte. Das ist sie aber nicht und am Ende werden die Menschen immer das Original w\u00e4hlen. Als h\u00e4tten Rentner und Niedrigl\u00f6hner oder auch B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger, all diejenigen, die v\u00f6llig nachvollziehbar \u00c4ngste vor sozialem Abstieg haben, auch nur einen Cent mehr in der Tasche, als w\u00e4re die \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge bedarfsdeckender, wenn weniger Migranten nach Deutschland k\u00e4men. Das sind bewusste politische Entscheidungen, die Armut und Unterversorgung verst\u00e4rken. Wir als Linke stehen zu unserem Programm und zu unserem Wort. Wir machen den W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern ein ehrliches Angebot, bei dem man wei\u00df, was man bekommt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das offene, informative Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte PETER PIONKE<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Till S\u00f6rensen-Siebel bewirbt sich bei der Bundestagswahl am Sonntag (23.02.) \u00a0auf Vorschlag des Kreisverbandes Die LINKE f\u00fcr ein Bundestagsmandat im Wahlkreis 101 (Wuppertal I). Der 29j\u00e4hrige Student steht auf Listenplatz 4.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-81700","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-25 13:58:46","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81700"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81740,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81700\/revisions\/81740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}