{"id":81571,"date":"2025-02-10T12:34:51","date_gmt":"2025-02-10T11:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=81571"},"modified":"2025-02-10T12:34:51","modified_gmt":"2025-02-10T11:34:51","slug":"tattoos-ein-hauch-von-abenteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/02\/10\/tattoos-ein-hauch-von-abenteuer\/","title":{"rendered":"Tattoos &#8211; Ein Hauch von Abenteuer"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_81575\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 873px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81575 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Foto-Pfeiffer.jpg\" alt=\"\" width=\"863\" height=\"561\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Kunstprofessorin Katja Pfeiffer von der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p><strong>Warum lassen sich Menschen t\u00e4towieren?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer: &#8222;Ich bin keine ausgewiesene Tattoo Expertin, und mein Interesse gilt vor allem den Schnittstellen von T\u00e4towierung und Kunst.Die schlichte, aber unbefriedigende Antwort auf die Frage, warum sich Menschen t\u00e4towieren lassen, lautet: \u201eAus genauso vielen verschiedenen Gr\u00fcnden, wie es unterschiedliche Tattoos gibt.\u201c Das kann man schon aus der Beobachtung ableiten, wenn man sich die Bandbreite betroffener K\u00f6rperstellen und die abwechslungsreiche Motivpalette ansieht. Es gibt sicher f\u00fcr jedes \u201eArschgeweih\u201c einen Ausl\u00f6ser, f\u00fcr Tr\u00e4nen am Augenrand gibt es ber\u00fcchtigte Anl\u00e4sse, f\u00fcr eint\u00e4towierte Namen und Geburtsdaten von Partnerinnen, Partnern und Kindern mag der Verewigungsaspekt auch von au\u00dfen betrachtet, leicht nachvollziehbar sein.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es dar\u00fcber hinaus Befragungen, nationale sowie internationale und nach Geschlechtern unterschiedene bzw. nach Motiven forschende Perspektiven auf die T\u00e4towierung als Ph\u00e4nomen. Diese Studien fragen einerseits aus der Perspektive derer, die t\u00e4towiert sind, andererseits aber auch aus der Sicht der Betrachterinnen und Betrachter. Durch solche Untersuchungen wird den unterschiedlichen Motivationen nachgesp\u00fcrt und auch den Folgen im sozialen Umfeld. In Deutschland ist etwa jeder zehnte Mensch t\u00e4towiert und ca. 5 Prozent der Befragten sind irgendwann nicht mehr sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber. Das kann dann auch sehr verschiedene Gr\u00fcnde haben. Etwa das Gef\u00fchl, nur noch lang\u00e4rmlig an der Arbeitsstelle erscheinen zu k\u00f6nnen, um nicht unangenehm aufzufallen oder den Namen einer l\u00e4ngst vergangenen Liaison einer neuen Partnerschaft nicht stets pr\u00e4sent halten zu wollen.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Ich war bei der Recherche \u00fcberrascht wie kleinteilig hier alles Erdenkliche untersucht wird bis hin zum Konsumverhalten und den Vorlieben f\u00fcr experimentelle Lebens- und Beziehungsmodelle, die angeblich bei T\u00e4towierten etwas h\u00f6her liegen als im Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung. Weiterhin haftet der T\u00e4towierung also ein Hauch von Abenteuer an, selbst wenn es sich vielleicht nur um zwei Delfine im Bereich der Fu\u00dffessel handelt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Tattoos haben eine lange Tradition. Die \u00e4lteste je gefundene \u00e4gyptische Mumie eines Mannes befindet sich im britischen Museum. Sie ist \u00fcber 5000 Jahre alt und erst jetzt hat man an ihm zwei Tiert\u00e4towierungen gefunden, also aus einer Zeit, in der nicht einmal die Hieroglyphenschrift voll ausgereift war. Der dargestellte Auerochse und das M\u00e4hnenschaf kannte man bereits aus der damaligen Kunst in Zusammenhang mit m\u00e4nnlicher Potenz. Ist das visuelle K\u00f6rperkunst in pr\u00e4historischer Zeit?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer: &#8222;Es w\u00e4re meinerseits Spekulation diese Frage zu beantworten. Interessant finde ich den Ausstellungsort. Das Britische Museum ist voll von Gegenst\u00e4nden, deren Provenienz umstritten sind, da sie vielfach zusammengetragen wurden, als sich die Europ\u00e4er auf ausschweifende Entdeckungsreisen begeben haben und in den entdeckten Regionen jeweils die irre Vorstellung hatten, einfach alles mitnehmen zu k\u00f6nnen, was sie dort vorgefunden haben. Hiermit \u00fcberschneidet sich die Legende, dass es vor allem der Kontakt der Schiffsbesatzung von James Cook zu den entdeckten indigenen V\u00f6lkern war, der in Europa zur Verbreitung erster T\u00e4towierungen f\u00fchrte. Wie sowohl die Mumie des British Museums als auch der allen gel\u00e4ufige \u201e\u00d6tzi\u201c mit seinen T\u00e4towierungen von ca. 3250 v.Chr. beweisen, gab es im europ\u00e4ischen Raum visuelle K\u00f6rperkunst, aber auch schon weit vorher. Vermutlich gab es auch in solchen Zeiten schon verschiedene, teils sicher rituelle, Gr\u00fcnde, sie zu tragen.<\/p>\n<div id=\"attachment_81583\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81583 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Tattoo-2-von-Jana-Fischer-1-rotated.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Tattoobeispiel von Jana Fischer \u00a9 Jana Fischer<\/span><\/div>\n<p>Im Fall von \u00d6tzi wird diskutiert, dass die Strichb\u00fcndel und kreuzf\u00f6rmigen Zeichen aus therapeutischen Gr\u00fcnden in die Haut eingebracht wurden und schmerzlindernd wirken sollten. Die entdeckten indigenen V\u00f6lker betreffend, besch\u00e4ftigten deren T\u00e4towierungen bereits im 19. Jahrhundert die Forschungsarbeit vieler Anthropologen und Ethnologen. Interessant sind hier sicher die Erkenntnisse zu den Unterschieden im K\u00f6rperverst\u00e4ndnis. In der christlichen Tradition galt der Leib zun\u00e4chst als unantastbar, seine dauerhafte Bemalung war nicht gestattet und f\u00fchrte zur \u201eEntweihung\u201c. Das hat sich aber ge\u00e4ndert, als ausgerechnet Pilgerst\u00e4tten und ihre T\u00e4towierstuben zur Verbreitung und Anerkennung von T\u00e4towierungen beitrugen. Es gibt inzwischen eine Reihe von spannenden Forschungsarbeiten, die solche Erkenntnisse in bemerkenswerter Ausf\u00fchrlichkeit zusammengetragen haben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>T\u00e4towierungen galten lange Zeit als nicht gesellschaftsf\u00e4hig, ihre Motive waren bis ins 18. Jahrhundert gepr\u00e4gt von S\u00fcdseemotiven durch Matrosen, religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeiten, Erinnerungs- und Identifikationszeichen oder Ausdruck politischer Ideologien. Sie fanden dann aber sowohl in der Literatur Europas Eingang, wie das Beispiel des ganzk\u00f6rpert\u00e4towierten S\u00fcdseeinsulaners Queequeg in dem Roman Moby Dick zeigt, als auch durch die japanische Kunst des 19. Jahrhunderts, beeinflusst von der Ukiyo-e-Kunst (der japanische Holzschnitt). Welchen Einfluss hatten sie dort?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer: &#8222;Die Zugeh\u00f6rigkeit zur Seefahrt best\u00e4tigt auch die erste T\u00e4towierung, die mir pers\u00f6nlich am nicht mehr lebenden Objekt begegnet ist. Das war ein Anker auf einem eingelegten Hautst\u00fcck im anatomischen Museum des Ospedale di San Giacomo in Rom. Dieser \u00dcberrest einer Biografie hat mich sehr fasziniert und anger\u00fchrt. Was die S\u00fcdseeinsulaner in der kanonisierten Weltliteratur angeht, finde ich auch einen Blick auf die anderweitigen gesellschaftlichen Auswirkungen des Exotismus interessant. Ganzk\u00f6rpert\u00e4towierte Menschen waren in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts beliebte \u201eAusstellungsst\u00fccke\u201c auf Jahrm\u00e4rkten. Und auch andere Gruppen von Menschen, die sich in irgendwelchen Merkmalen sichtbar von der durchschnittlichen Bev\u00f6lkerung unterschieden, wurden auf solche Weise zu Objekten verwandelt und damit entmenschlicht.<\/p>\n<p>Die Mechanismen mit denen wir Menschen auf Fremdheitserfahrungen reagieren, verweisen darauf, wie herausfordernd diese Aufgabe anscheinend ist und wie sehr sie uns mit unserer eigenen Identit\u00e4t bzw. Alterit\u00e4t konfrontiert. Der stete Wandel der Bewertung von T\u00e4towierungen ist an dieser Stelle ein gutes Beispiel f\u00fcr m\u00f6gliche Wahrnehmungsverschiebungen im Blick auf gesetzt erscheinende Bewertungsma\u00dfst\u00e4be. Bislang bleibt es aber lediglich eine Hoffnung, dass es eine Art Prozess der Zivilisation gibt, der schlie\u00dflich dazu f\u00fchrt, dass Andersartigkeit erstmal mit Akzeptanz begegnet wird.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_81584\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81584 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Tattoo-3-von-Jana-Fischer-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Tattoobeispiel von Jana Fischer \u00a9 Jana Fischer<\/span><\/div>\n<p><strong>Mit der Befreiung aus der Schmuddelecke von Hafenkneipen, Knast und Motorradgangs haben Tattoos alles Anr\u00fcchige verloren und sind vom Modetrend inzwischen zur technisch hochentwickelten Kunstform geworden. Literarische Tattoos finden sich u.a. auch auf Lady Gagas Oberarm. Dort hat sich die Popdiva einen Auszug aus Rainer Maria Rilkes \u201eBriefe an einen jungen Dichter\u201c stechen lassen. Welche Botschaften transportieren T\u00e4towierungen heute?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer: &#8222;Die Frage schlie\u00dft an die erste an, also an die Frage nach dem \u201eWarum\u201c. T\u00e4towierungen betreffen mit ihrer Lokalisierung in der Haut die Grenze zwischen dem Innenleben und der Au\u00dfenwelt, sie dienen als Mittler zwischen Privatheit und \u00d6ffentlichkeit. Die Haut kann sowohl als H\u00fclle oder Maske, aber auch im \u00fcbertragenen Sinne als \u201cSynonym f\u00fcr das Ich\u201d teilweise im wahrsten Sinne des Wortes \u201egelesen\u201c werden.<br \/>\nIm nord- und s\u00fcdamerikanischen Raum scheint das Ziel darin zu liegen sich f\u00fcr das jeweilige Geschlecht des Interesses attraktiver zu machen. Europ\u00e4ische oder Deutsche Menschen wollen laut Befragungen durch T\u00e4towierungen besonders ihre Individualit\u00e4t und Einzigartigkeit herausstreichen.<\/p>\n<p>Sieht man sich die T\u00e4towierungen von herausragenden Studios an, dann k\u00f6nnen hier Werke entstehen, die dazu geeignet sind, sowohl in Schrift- als auch in Bildform die Einzigartigkeit der Pers\u00f6nlichkeit des t\u00e4towierten Menschen abzubilden oder zu unterstreichen. Die Bildfindung durchl\u00e4uft dort einen langen individuellen Prozess. Der variantenreiche Inhalt der Botschaften h\u00e4ngt laut Untersuchungen sehr vom Alter derer ab, die ihre Haut bebildern. Wenn dies im \u00dcbergang zum Erwachsenwerden geschieht markiert die T\u00e4towierung h\u00e4ufig genau diese Schwelle und hat etwas mit Identit\u00e4tsfindung zu tun. Auch im sp\u00e4teren Verlauf des Lebens k\u00f6nnen T\u00e4towierungen auf bemerkenswerte \u00dcbergangsphasen hinweisen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Das englische Wort Tattoo kommt von dem tahitianischen Begriff \u201ete tatau\u201c und bedeutet \u201erichtig, kunstgerecht\u201c. In den letzten Jahren hat sich das T\u00e4towieren gesellschaftlich etabliert, Tattoostudios boomen und auch die Motive und Themen haben sich ver\u00e4ndert. Kunst am K\u00f6rper kennen wir bereits durch die Ganzk\u00f6rperbemalung. Welchen Stellenwert hat die Tattookunst heute?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer<strong>: &#8222;<\/strong>Bei dieser \u00dcberlegung finde ich die Anschlussfrage wichtig \u00fcber wessen Tattookunst man nachdenkt. Ein Freibadbesuch mag dazu verleiten, sich die Frage generell zu stellen. Ich selber habe mich mit dem Ph\u00e4nomen der T\u00e4towierung ab dem Zeitpunkt mehr besch\u00e4ftigt, als bei uns im Fach Kunst eine T\u00e4towiermaschine auftauchte und sich die Kunststudierenden gegenseitig oder eigenh\u00e4ndig t\u00e4towiert haben. Das haben nat\u00fcrlich nicht alle gemacht und es war nicht Teil der Praxisseminare, aber ich war v\u00f6llig fasziniert. Zum einen, weil die Qualit\u00e4t der Zeichnungen in einer Fakult\u00e4t f\u00fcr Design und Kunst naturgem\u00e4\u00df ziemlich hoch ist, zum anderen aber auch, weil es sich in der Regel nicht um riesige vollfl\u00e4chige Bilder gehandelt hat, sondern um kleine emblemartige Skizzen. Die Botschaften erschlie\u00dfen sich Au\u00dfenstehenden nicht zwangsl\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Warum sollte man sich einen Tetrapack t\u00e4towieren? Einen einzelnen Zahn? Ich wei\u00df das in vielen F\u00e4llen auch nicht. Interessant an diesem Ph\u00e4nomen ist jedoch, dass die Zeichnung auf dem eigenen K\u00f6rper zu den unmittelbarsten zeichnerischen Aneignungen geh\u00f6rt und es dar\u00fcber hinaus in der Regel nicht bei einem Bild geblieben ist. Der K\u00f6rper wird zum Skizzenbuch und tr\u00e4gt ab jetzt f\u00fcr immer die Erinnerung an unsere Fakult\u00e4t und das Kunststudium an der Bergischen Universit\u00e4t mit sich. Das fand ich nat\u00fcrlich sehr sch\u00f6n, wobei ich es mit der Hoffnung verkn\u00fcpfe, dass es sich mehrheitlich um sch\u00f6ne Erinnerungen handelt und nicht zu viele nachher zum Laser greifen m\u00fcssen. Wir haben die Welle dieser K\u00f6rperbilder jedenfalls zum Anlass genommen, eine ganze Serie von Einladungskarten damit zu gestalten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der T\u00e4towierer wird zum \u201eTattoo Artist\u201c, der Vorstadtladen zum \u201eStudio\u201c, die Bilder in der Haut werden modisch und zur Sammelleidenschaft. In der Gegenwart lassen sich Individuen verschiedenster sozialer und kultureller Herkunft sowie unterschiedlichsten Alters aus unterschiedlichsten Motivationen t\u00e4towieren. Welchen Einfluss hat diese Art von Kunst auf die Entwicklung unserer Gesellschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer: &#8222;Ich wei\u00df nicht, ob ich so weit gehen w\u00fcrde, der T\u00e4towierung eine gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft zuzuschreiben. Es gibt jedoch Kunstwerke, die das Medium Tattoo involvieren, denen ich eine weitreichende Wirkung zuschreiben w\u00fcrde. K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler haben teils, wie die Studierenden, T\u00e4towierungen und andere Eingriffe am eigenen K\u00f6rper vollzogen. Aber es gibt auch Arbeiten, die Zeichnungen auf Fremdk\u00f6rpern darstellen. Ein sehr drastisches Beispiel ist die Arbeit \u201e8-Foot Line Tattooed on Sic Remunerated People\u201c aus dem Jahr 1999. Der spanische K\u00fcnstler Santiago Sierra bot f\u00fcr die Erstellung des Werks Freiwilligen in Havanna eine Entlohnung von 30 US Dollar an, wenn sie sich eine horizontale Linie auf den R\u00fccken t\u00e4towieren lie\u00dfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_81586\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81586 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Tattoo-1-von-Jana-Fischer.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Tattoobeispiel von Jana Fischer \u00a9 Jana Fischer<\/span><\/div>\n<p>Um das Ergebnis als \u00e4sthetisches Ph\u00e4nomen ging es dabei nat\u00fcrlich nicht. Vielmehr fragt die Arbeit nach gesellschaftspolitischen Rollen. Es geht um den Akt eines Menschen, den eigenen K\u00f6rper gegen Entlohnung zur Verf\u00fcgung zu stellen und sei es f\u00fcr ein bleibendes Mal auf der Haut. Wenn man das weiterdenkt, kommt man schlussendlich zu Fragen an das gesamte Wertegef\u00fcge einer Gesellschaft, denn gerade Linien auf dem R\u00fccken sind bei weitem nicht das schlimmste, was manche Lohnerwerbsarbeiten auf K\u00f6rpern an Spuren hinterlassen.<br \/>\nEin anderer K\u00fcnstler, Wim Delvoye, ist ebenfalls sehr weit gegangen in seinen Arbeiten, indem er Hausschweine zum Tr\u00e4ger seiner T\u00e4towierungen gemacht hat. Den (ausgestopften) Ferkelk\u00f6rper von \u201eLouise\u201c hat er etwa mit dem bekannten Handtaschenornament von Louis-Vuitton-Taschen verziert. Die Fragen zum Markenfetisch, die hier aufgeworfen werden, weisen auch weit \u00fcber die \u00fcblichen K\u00f6rperbemalungen hinaus.&#8220;<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie sich ein Tattoo stechen lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Katja Pfeiffer: &#8222;Tats\u00e4chlich denke ich immer mal dar\u00fcber nach, was ich mir f\u00fcr ein Tattoo stechen lassen w\u00fcrde. Gar nicht um zur Tat zu schreiten, sondern um \u00fcber die Haltbarkeit von Motiven nachzudenken. Ich finde den Gedanken an die Finalit\u00e4t einer solchen Entscheidung spannend. Es sei denn, man entscheidet sich immer weiter zu machen. Aber selbst dann ist irgendwann die zur Verf\u00fcgung stehende eigene Hautfl\u00e4che belegt, und es gibt keine zweite Seite.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege dann, was mir zum jetzigen Zeitpunkt so viel bedeuten w\u00fcrde, dass ich es mir f\u00fcr meine restliche Lebensspanne anschauen m\u00f6chte. Bislang ist mir nichts begegnet, das diesem Anspruch standgehalten h\u00e4tte. Ich will mir einfach zu viele verschiedene Bilder anschauen. Mein Mann meinte, er w\u00fcrde sich m\u00f6glicherweise t\u00e4towieren lassen, dass er kein Marzipan mag und eine Allergie gegen Rotbarsch hat\u2026 damit er das sp\u00e4ter nicht von irgendwelchen Altenpflegerinnen und Altenpflegern in den Mund geschoben bekommt, wenn er es selber nicht mehr sagen kann. Dar\u00fcber habe ich sehr gelacht.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_81581\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81581 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Foto-Pfeiffer-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"266\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Katja Pfeiffer &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Katja Pfeiffer<\/h4>\n<p>Katja Pfeiffer, Jahrgang 1973, absolvierte ein Lehramtsstudium in Kunst und Erziehungswissenschaften an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf in den Klassen G\u00fcnther Uecker, Alfonso H\u00fcppi und Jan Dibbets sowie ein Lehramtsstudium der Geschichte an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t. Sie war Meistersch\u00fclerin bei Alfonso H\u00fcppi. Seit 2006 ist sie Professorin f\u00fcr Kunst mit dem Schwerpunkt k\u00fcnstlerische Praxis an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Menschen schm\u00fccken ihren K\u00f6rper mittlerweile mit mehr oder weniger geschmackvollen Tattoos. Auto Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit Katja Pfeiffer, Kunstprofessorin an der Bergischen Universit\u00e4t, \u00fcber die Geschichte der T\u00e4towierung unterhalten.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-81571","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 18:26:06","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81571"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81588,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81571\/revisions\/81588"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}