{"id":81151,"date":"2025-01-26T17:06:31","date_gmt":"2025-01-26T16:06:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=81151"},"modified":"2025-01-27T17:06:57","modified_gmt":"2025-01-27T16:06:57","slug":"otto-intze-pionier-als-konstrukteur-vieler-talsperren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/01\/26\/otto-intze-pionier-als-konstrukteur-vieler-talsperren\/","title":{"rendered":"Otto Intze: Pionier als Konstrukteur vieler Talsperren"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_81154\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81154 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Achim-Otto-rons-2-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1697\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein landschaftliches Highlight und ein beliebtes Ausflugsziel. Ein Blick von der Staumauer auf die idyllische Ronsdorfer Talsperre &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff \u00fcber den Wasserbauer und Baukonstrukteur Otto Intze unterhalten, dessen Leistung f\u00fcr das Bergische Land bis heute beeindruckt.<\/p>\n<p>An der Bergischen Universit\u00e4t forscht und lehrt Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff auf dem Gebiet Wasserwirtschaft und Wasserbau. \u201eOtto Intze war einer der bekanntesten Wasserbauer, ein Ingenieur, der nicht nur technische Fragen innovativ l\u00f6sen konnte, sondern w\u00e4hrend einer wichtigen industriellen Entwicklungsphase Gesamtl\u00f6sungen f\u00fcr die dringend ben\u00f6tigte Wasserversorgung im Sommer entwickelte und den Beginn des Talsperrenbaus in ganz Preu\u00dfen mit initiierte.\u201c<\/p>\n<h4>Mit 26 Jahren bereits Professor in Aachen<\/h4>\n<p>Nach einem Ingenieurstudium in Hannover wurde Otto Intze mit gerade einmal 26 Jahren Gr\u00fcndungsprofessor f\u00fcr Baukonstruktion und Wasserbau an der neu eingerichteten K\u00f6niglich Rheinisch Westf\u00e4lischen Polytechnischen Schule in Aachen, dessen Rektor er auch sp\u00e4ter wurde. \u201eEr war f\u00fcr eine englische Firma in Russland und hatte dort eine Eisenbahnlinie gebaut\u201c, erz\u00e4hlt Schlenkhoff. \u201eDiese Eisenbahnen sind ja mit Dampflokomotiven unterwegs gewesen, und die brauchten Wasser.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Andreas Schlenkhoff weiter: &#8222;Und dieses Wasser war in den Wassert\u00fcrmen. Intze entwickelte ein Verfahren, Wassert\u00fcrme zu bauen, das viel g\u00fcnstiger war, als alles andere vorher, und das nennt man seitdem das Intze-Prinzip. Das Prinzip bezieht sich auf eine Bauweise des Beh\u00e4lterbaus f\u00fcr Wasserspeicher und den Stahlbau. Ab 1870 hat er sich dann sehr intensiv mit Baumaterialien besch\u00e4ftigt, also ein echter Baumeister.\u201c<\/p>\n<p>Er war aber nicht nur ein genialer Ingenieur und Probleml\u00f6ser, er besa\u00df zudem die Gabe, seine L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge auch klar zu kommunizieren, so dass er die Verantwortlichen in der Industrie begeistern und Kommunen und Regierung von der Tragf\u00e4higkeit seiner Ideen und Entw\u00fcrfe \u00fcberzeugen konnte.<\/p>\n<h4>Erste Talsperren in Belgien und Frankreich<\/h4>\n<p>Die Bauweisen der ersten Talsperren waren aus Belgien, Frankreich und England bekannt. Gesichert ist, dass Intze sich durch seine Reisen vor Ort umf\u00e4nglich informiert hatte und vorhandene Ideen verbesserte. Um diese Ideen im Preu\u00dfen der damaligen Zeit umsetzen zu k\u00f6nnen, hielt er viele Vortr\u00e4ge, die die Machbarkeit des Baus einer Talsperre unterstrichen.<\/p>\n<div id=\"attachment_81155\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 575px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81155\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Schlenkhoff-Presse.png\" alt=\"\" width=\"565\" height=\"393\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff, Leiter Lehr- und Forschungsgebiet Wasserwirtschaft und Wasserbau in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur und Bauingenieurwesen an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Michael Kaufmann<\/span><\/div>\n<p>\u201eHeute nennt man das vielleicht Flussgebietsmanagement. Damals fehlten sowohl hydrologische und wasserwirtschaftliche Grundlagedaten, als auch die technischen Bauverfahren. Die Grundlagedaten zur Wasserwirtschaft mussten im Zuge von Bereisungen und Messkampagnen erst noch erhoben werden\u201c, sagt Schlenkhoff. Talsperren-Mauern seien vor 1880 in Deutschland \u00fcberhaupt nicht gebaut worden und Intze brauchte nat\u00fcrlich auch Verb\u00fcndete. \u201eEiner dieser Verb\u00fcndeten war der Lenneper Bauunternehmer Albert Schmidt, der dann auch an anderen Bauunternehmungen beteiligt war, denn Intze hat zwar viel geplant, aber nur wenig gebaut.\u201c<\/p>\n<h4>Erste Trinkwassertalsperre Deutschlands<\/h4>\n<p>Zwischen 1889 bis 1891 entstand nach den Pl\u00e4nen Otto Intzes die Eschbachtalsperre in Remscheid als erste deutsche Trinkwassertalsperre \u00fcberhaupt. Ihr folgten nach dem gleichen Prinzip in der Zeit von 1896 bis 1914 die Bever-, Lingese-, Ronsdorfer-, Barmer-, Solinger, Neye- sowie die Brucher-Talperre. Aus Dankbarkeit \u00fcber diese kontinuierliche Wasserversorgung verliehen die Remscheider Otto Intze bereits 1893 die Ehrenb\u00fcrgerschaft. Erw\u00e4hnenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass der heutige Wupperverband und der Ruhrverband eigentlich auf seine Initiative und die seiner Mitstreiter entstanden sind.<\/p>\n<p>\u201eEs war ja nicht nur die Wasserversorgung f\u00fcr die metallverarbeitende Industrie, sondern auch f\u00fcr die Tuchmacher. Heute wei\u00df das keiner mehr, aber 1883 gab es verheerende Hochwasser, daneben aber immer wieder Phasen, wo es gar kein Wasser gab. Gefahren von Typhus und Cholera und anderen Krankheiten, die immer dann auftreten, wenn die Abwasserentsorgung und Trinkwassergewinnung nicht funktioniert\u201c stehen in diesem Zusammenhang, waren aber so noch nicht bekannt, erkl\u00e4rt der Fachmann.<\/p>\n<div id=\"attachment_81158\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81158 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Achim-Otto-rons-5-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1698\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Blick von der Staumauer der Ronsdorfer Talsperre &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>\u201eDie Mauern wurden als sogenannte Gewichtsmauern erbaut, d.h., der Wasserdruck kann alleine durch das Gewicht der Mauer in der Regel gehalten werden. Die Form der Mauer war dabei in der Lage leicht gekr\u00fcmmt und \u00fcber die H\u00f6he gerade so geformt, dass der Wasserdruck das Bauwerk nicht zum Kippen bringen konnte. Die Drucklinien liegen dabei immer innerhalb des Bauwerks, so dass keine Zugspannung auftritt. Dies ist f\u00fcr die Vermeidung von Rissbildung von besonderer Bedeutung. Zudem waren die einzelnen Mauersteine h\u00e4ndisch so gehauen, dass ein guter Verbund erreicht werden konnte und Otto Intze hatte wohl auch einen besonderen M\u00f6rtel genutzt, der fast wasserdicht war.&#8220;<\/p>\n<p>Der Wissenschaftler f\u00e4hrt fort: &#8222;Aus heutiger Sicht muss man allerdings sagen, dass Otto Intze damals eventuell auch etwas vergessen hat, und das ist der Druck aus Auftrieb, man nennt das den Sohlenwasserdruck, der dann das Gewicht der Talsperre um den Auftrieb reduziert. Das war wahrscheinlich nicht bekannt, oder Intze glaubte, dass die Mauer zum Untergrund tats\u00e4chlich dicht sei.\u201c<\/p>\n<p>In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, berichtet Schlenkhoff, habe man die Talsperrennormen novelliert und festgestellt, dass die Sicherheitsanspr\u00fcche den heutigen Normen nicht entsprechen, denn der Sohlenwasserdruck wurde bei den Intzetalsperren nicht ber\u00fccksichtigt. \u201eBis Ende der 90er Jahre wurden daraufhin alle Intzetalsperren aufw\u00e4ndig saniert.<\/p>\n<div id=\"attachment_81159\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 460px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81159 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Otto-Intze-Holzstich-nach-einer-Fotolithografie-von-1898-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"480\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Otto Intze, Holzstich nach einer Fotolithografie &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Die Eschbachtalsperre war die erste, die mit einem Verfahren aus Italien, begleitet von einem Wasserbauprofessor aus Aachen, grund\u00fcberholt wurde.\u201c Grunds\u00e4tzlich gelte, dass Talsperren auf der einen Seite sicherheitsrelevante Bauwerke mit einem hohen Schadenspotential im Versagensfalle seien, aber auf der anderen Seite immer gut ausgestattet, gut gewartet, kontrolliert und \u00fcberwacht w\u00fcrden.<\/p>\n<h4>Intzes Expertise war im ganzen Land gefragt<\/h4>\n<p>\u201eDie \u00dcberlegungen und Konzepte von Otto Intze waren sehr weitreichend und betrafen nicht nur den Bergischen Raum, sondern auch das Ruhrgebiet und zum Beispiel auch Oberschlesien\u201c, berichtet Andreas Schlenkhoff. \u201eEr war in ganz Preu\u00dfen ein gefragter Experte und genoss zudem sehr hohe Wertsch\u00e4tzung im Preu\u00dfischen Parlament. Wenn man Abwasser und Wassergewinnung nicht trennte, dann hatte man gro\u00dfe Probleme. Das war im Ruhrgebiet noch ausgepr\u00e4gter als im Bergischen Land.\u201c<\/p>\n<p>Nutzte man Brunnen beispielsweise in verschmutzter Flu\u00dfn\u00e4he, so waren diese oft ebenso verschmutzt und so verlagerte man Talsperrenreservoire au\u00dferhalb von Siedlungen, um die Wasserqualit\u00e4t zu verbessern. \u201eDie meisten Trinkwassertalsperren, die heute in Betrieb sind und wo direkt Trinkwasser genutzt wird, sind auch eingez\u00e4unt\u201c, sagt Andreas Schlenkhoff und nennt als Beispiele die Sengbachtalsperre oder die Herbringhauser Talsperre.<\/p>\n<p>\u201eDas gilt eingeschr\u00e4nkt auch f\u00fcr die Eschbachtalsperre, wo derzeit das zugeh\u00f6rige Wasserwerk nach den vielen trockenen Jahren wieder reaktiviert wird. Das urspr\u00fcngliche Wasseraufbereitungswerk wurde aufw\u00e4ndig saniert und geht wohl n\u00e4chstes Jahr wieder in Betrieb. Damals pumpte man das Wasser nach Remscheid, und das Prinzip ist auch heute noch so.\u201c<\/p>\n<h4>Talsperren fr\u00fcher und heute<\/h4>\n<p>\u201eDie eigentlichen Aufgaben einer Talsperre sind im Wesentlichen geblieben. Es geht hierbei um die Speicherung des Wassers, welches im Winter &#8218;ungenutzt&#8216; abflie\u00dft und dann f\u00fcr die trockenen Zeiten im Sommer gespeichert wird.\u201c Im Vergleich mit den viel kleineren M\u00fchlteichen konnte man mit den Talsperren nun auch planen. In den 1920er und 1930er Jahren setzte sich dann ein Wechsel hin zu Staud\u00e4mmen durch. Die M\u00f6hnetalsperre (1908-1913) und auch die Edertalsperre (1908-1914) waren sehr gro\u00dfe Bauwerke (nach dem Intze-Prinzip) und verschlangen riesige Mengen an Bruchsteinen, was mehr Personal und Kosten verursachte.<\/p>\n<div id=\"attachment_81162\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81162 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/01016930-01-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1772\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Spaziergang auf der Staumauer der Ronsdorfer Talsperre &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>Material und Ger\u00e4te hatten sich seit der Jahrhundertwende ver\u00e4ndert. Dazu1 Andreas Schlenkhoff: \u201eBeton lag in besserer Qualit\u00e4t vor, als zu Intzes Zeiten, man hatte dann auch Gro\u00dfger\u00e4te und vor allem maschinelle Bauverfahren entwickelt, die gro\u00dfe Mengen an Fels und Boden l\u00f6sen, transportieren und sachgerecht wieder einbauen konnten. Das machte Sch\u00fcttd\u00e4mme attraktiver.\u201c<\/p>\n<p>Moderne Talsperren werden als sogenannte &#8218;Multifunktionale Talsperren&#8216; betrieben. \u201eNeben der Trinkwasserversorgung stehen der Hochwasserschutz und die Sicherstellung eines \u00f6kologisch erforderlichen Mindestwasserabflusses in den Gew\u00e4ssern bei der Priorit\u00e4t oben an. Sp\u00e4ter kam dann auch die Freizeitnutzung dazu, die heute einen hohen Stellenwert hat, aber aus Sicht der Wasserwirtschaft, immer nachrangig bleiben muss.\u201c<\/p>\n<p>Die hohe Freizeitnutzung komme auch daher, dass das Bergische Land zwar nur wenige Seen habe, das Leben am Wasser f\u00fcr viele Menschen aber sehr attraktiv und anziehend sei. F\u00fcr die Zukunft gibt Andreas Schlenkhoff zu bedenken: \u201eAus meiner Sicht w\u00e4re es auch angemessen, wenn unsere Gesellschaft nicht nur \u00fcber die Anpassung der Nutzung und des Betriebs nachdenkt, sondern ganz im Sinne von Otto Intze \u00fcber weitere Optionen, um die Versorgungssicherheit auch f\u00fcr die kommenden hundert Jahre zu verbessern.\u201c<\/p>\n<h4>Talsperrenmeister sehen t\u00e4glich nach dem Rechten<\/h4>\n<p>Talsperren sind aufw\u00e4ndige Bauwerke, die einer st\u00e4ndigen Pr\u00fcfung und Wartung bed\u00fcrfen. Daher wird auch praktisch alles kontrolliert. \u201eTalsperren geh\u00f6ren vielleicht zu den am besten gewarteten, kontrollierten und \u00fcberwachten Bauwerken in Deutschland \u00fcberhaupt. Die Anforderungen an die Standhaftigkeit der Anlage, oder die Sicherheit gegen Versagen des Absperrbauwerks, sind seit jeher sehr hoch\u201c, sagt Schlenkhoff.<\/p>\n<div id=\"attachment_81161\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81161 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Ronsdorfer-Talsperre-Staumauer-1.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"733\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Staumauer der Ronsdorfer Talsperre &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Neben den DIN-Normen, die regelm\u00e4\u00dfig an den Stand der allgemein anerkannten Regeln der Technik angepasst werden, arbeiten auch die nationalen und internationalen Fachverb\u00e4nde kontinuierlich an Richtlinien, Bulletins, oder anderen Regularien, die die Bauwerkssicherheit und den Betrieb betreffen. Zudem stellen die Aufsichtsbeh\u00f6rden der Bezirksregierungen sicher, dass die Talsperrenbetreiber diese Regeln einhalten.<\/p>\n<p>\u201eEinmal im Jahr wird eine Talsperrenschau durchgef\u00fchrt. Alle f\u00fcnf und alle zehn Jahre wird eine vertiefte Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung vorgenommen. Diese Pr\u00fcfungen betreffen alle betrieblichen Einrichtungen, wie zum Beispiel die Funktionalit\u00e4t der Grundabl\u00e4sse, den Zustand der Messeinrichtungen oder auch Auff\u00e4lligkeiten wie Rissbildung, die regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber einen Kontrollgang im Inneren der Staumauer kontrolliert wird, Sickerwasser oder Verschiebungen und Verformungen.\u201c Talsperrenmeister f\u00fchren t\u00e4glich Rundg\u00e4nge durch und tragen ihre Feststellungen in ein Talsperrenbuch ein.<\/p>\n<h4>Talsperrenbau wird heute kritisch betrachtet<\/h4>\n<p>Wasser ist ein hohes Gut, aber Talsperrenbauten werden auch kritisch betrachtet. Sie sind mit erheblichen \u00f6kologischen Ver\u00e4nderungen und Beeintr\u00e4chtigungen von Natur und Landschaft verbunden. Langzeitfolgen f\u00fcr Gro\u00dfstaud\u00e4mme sind nicht vorhersehbar. Dazu der Forscher: \u201eKeine Ma\u00dfnahme, die vom Menschen gemacht wird, ist ohne Auswirkung auf die Umwelt. In Deutschland, w\u00fcrde ich provokant formulieren, gibt es fast keine Naturlandschaft, es ist alles Kulturlandschaft, es ist alles gestaltet. Wenn der Mensch ein Rapsfeld oder einen Fichtenwald von f\u00fcnf Kilometer L\u00e4nge und einem Kilometer Breite anlegt, ist das dann Natur? Sicher haben gro\u00dfe Bauwerke auch gro\u00dfe Eingriffe zur Folge. Aber wenn ich mir die Talsperren insgesamt von der Fl\u00e4che her ansehe und dann einmal alle vorhandenen Sportpl\u00e4tze oder Flugh\u00e4fen daneben aufz\u00e4hle, wenn ich Stra\u00dfen, Siedlungen oder unsere Landwirtschaft nehme, wo ist da der gr\u00f6\u00dfere Eingriff? Das hat alles Einfl\u00fcsse auf die Umwelt. Oder unsere Seen und Fl\u00fcsse: 2002 hat die EU eine Wasserrahmenrichtlinie verabschiedet mit enormen Zielen f\u00fcr einen guten \u00f6kologischen Zustand, das l\u00e4uft 2027 aus und ist bisher unerreicht.\u201c<\/p>\n<p>Egal was man baue, man m\u00fcsse die gegebenen Umweltrichtlinien mitnehmen, das sei ganz wichtig. Erst einmal sollten Eingriffe vermieden werden, wenn sie nicht unbedingt notwendig seien. \u201eAber, wenn ich erkenne, dass ich noch eine Talsperre bauen muss, z.B. im Ahrtal, dann muss ich mir \u00fcberlegen, ob es Alternativen gibt. Wenn es die nicht gibt, dann muss ich diesen Eingriff machen, sonst kann ich die Leute nicht sch\u00fctzen. Die Alternative w\u00e4re, alle Menschen dort umzusiedeln. Das muss man aber den Menschen erkl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>Es sei ein gro\u00dfes Problem, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler, die Gesellschaft davon zu \u00fcberzeugen, dass ein Eingriff mit besonderer Intensit\u00e4t, trotzdem in der Gesamtschau zu sehr hohem Nutzen f\u00fchre. Beim Hochwasser werde der Nutzen oft nicht gesehen, denn, wenn man Sch\u00e4den vermeide, k\u00f6nne man nicht sehen, dass die Sch\u00e4den gekommen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>\u201eWir sollten die Frage nach L\u00f6sungsoptionen stellen. Hochwasser oder Wasserknappheit ist in Deutschland keine \u00b4Gott-gegebene-Strafe` und wir sind auch dem Klimawandel nicht hilflos ausgeliefert\u201c, sagt Schlenkhoff, \u201ewir m\u00fcssen also \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur Anpassung nachdenken.\u201c Daher m\u00fcsse man den Nutzen immer wieder darstellen. \u201eIch habe einige Hochwasserr\u00fcckhaltebecken als Ingenieur mitgeplant und bin der Meinung, dass wir ein gutes Planfeststellungsverfahren haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_81165\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-81165\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Achim-Otto-rons-3-1-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1762\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Blick auf den idyllischen Ronsdorfer Stausee &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>Das ist ein \u00f6ffentliches Verfahren, mit dem man vielleicht nicht alle erreicht, aber die Interessierten und Betroffenen haben die M\u00f6glichkeit, sich zu beteiligen. Ich bef\u00fcrchte aber, dass das Vertrauen der Gesellschaft in Institutionen weiter schwindet. Und dass Expertenwissen, mit dem Intze seine Mitmenschen \u00fcberzeugte, im heutigen Dickicht von Informationen und Desinformationen im Wert verloren geht. Dies gilt leider auch f\u00fcr die Bedeutung der Ingenieure innerhalb der Universit\u00e4t, wenn es der Universit\u00e4t nicht gelingt, die Ingenieure in einer engen Verzahnung mit den Problemen und L\u00f6sungen in der Praxis zu verkn\u00fcpfen.\u201c<\/p>\n<h4>Planungszeiten liegen bei 10 bis 20 Jahren<\/h4>\n<p>\u201eWir sind ja gl\u00fccklich mit unserer Demokratie, aber das bedeutet auch, dass wir es nicht allen recht machen k\u00f6nnen\u201c, sagt Andreas Schlenkhoff, \u201ewenn man es allen recht machen will, dann tut man nichts. Wir haben uns Regeln gegeben, die uns sehr einschr\u00e4nken. Wir haben sehr hohe Verhinderungsh\u00fcrden aufgebaut. Bei Wasserbauten haben wir Planungszeiten von 10 bis 20 Jahren. Man muss immer sorgf\u00e4ltig abw\u00e4gen und dann muss aber eine Entscheidung (im Ermessen) getroffen werden. Und dann muss kommuniziert werden, dass das keine Willk\u00fcr ist, sondern f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes unausweichlich ist, das dies oder das gemacht wird. Ich mache jetzt 40 Jahre Hochwasserschutz und es gibt immer Leute, die es vermeintlich besser wissen, aber letztlich die Vorg\u00e4nge und den ben\u00f6tigten Hochwasserschutz verz\u00f6gern.\u201c<\/p>\n<p>Otto Intze hat ohne Zweifel Bedeutendes f\u00fcr den Talsperrenbau geleistet. \u201eSollte ein Kritiker eine bessere L\u00f6sung als Talsperren vorschlagen, dann w\u00e4ren Talsperren nat\u00fcrlich \u00fcberfl\u00fcssig\u201c, sagt Schlenkhoff zum Schluss, \u201edas sehe ich aber f\u00fcr die n\u00e4chsten hundert Jahre nicht!\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_81164\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-81164 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Schlenkhoff-Presse-Kopie.png\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"274\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Andreas Schlenkhoff &#8211; \u00a9 Michael Kaufmann<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff leitet das Lehr- und Forschungsgebiet Wasserwirtschaft und Wasserbau in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur und Bauingenieurwesen an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Bergischen Land keine einzige Talsperre. Lediglich M\u00fchlteiche speicherten in der Nacht Wasser, mit dem am Tage die Industrie arbeiten konnte. Eine Talsperre, wie wir sie heute kennen, galt unter Preu\u00dfens F\u00fchrung als unbaubar. Ein Ingenieur mit Vision \u00e4nderte diese Ansicht und gilt mit seinen Entw\u00fcrfen bis heute als Pionier: Otto Intze.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-81151","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-24 10:32:56","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81151"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81168,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81151\/revisions\/81168"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}