{"id":80904,"date":"2025-01-17T18:06:22","date_gmt":"2025-01-17T17:06:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=80904"},"modified":"2025-02-08T10:04:43","modified_gmt":"2025-02-08T09:04:43","slug":"helge-lindh-steigt-als-titelverteidiger-in-den-ring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/01\/17\/helge-lindh-steigt-als-titelverteidiger-in-den-ring\/","title":{"rendered":"Helge Lindh steigt als &#8222;Titelverteidiger&#8220; in den Ring"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_80919\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-80919\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Helge-Lindh-Pressefoto-C-Photothek-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (48) k\u00e4mpft im Wahlkreis Wuppertal I um seine Wiederwahl &#8211; \u00a9 Photothek<\/span><\/div>\n<p>Bei der Wahl 2021 hatte Helge Lindh (48) seinen Wahlkreis mit 37,3 Prozent der Stimmen gegen die CDU-Kandidatin Caroline L\u00fcnenschloss (22 %) klar gewonnen. Der SPD-Politiker ist in der aktuellen Legislaturperiode Mitglied im Ausschuss f\u00fcr Inneres und Heimat sowie im Ausschuss f\u00fcr Kultur und Medien.<\/p>\n<p>Mit Thomas Haldenwang (64) bekommt Helge Lindh jetzt einen prominenten Herausforderer. Der Ex-Verfassungssch\u00fctzer kam allerdings alles andere als ger\u00e4uschlos an seine Kandidatur. Zun\u00e4chst war n\u00e4mlich Derya Altunok (34), stellv. CDU-Kreisverbandsvorsitzende und Chefin der Frauen-Union Wuppertal, als Bundestagskandidatin auserkoren worden.<\/p>\n<p>Doch dann pl\u00f6tzlich tauchte Thomas Haldenwang auf der Wuppertaler Polit-B\u00fchne auf. Am Ende stand &#8211; begleitet von schrillen Misst\u00f6nen &#8211; eine Kampfabstimmung zwischen Thomas Haldenwang und Derya Altunok. Diese endete 82:32 f\u00fcr den erfahrenen Spitzenbeamten. F\u00fcr die m\u00e4chtigen K\u00f6pfe in der Wuppertaler CDU ist Haldenwang ein gro\u00dfer Hoffnungstr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Kontrahent Helge Lindh wird das vermutlich anders sehen. Die Entscheidung liegt jetzt bei den W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern, denen wir der Reihe nach die Wuppertaler Bundestagskandidaten vorstellen.<\/p>\n<p>Erster Interviewpartner ist Helge Lindh.\u00a0Mit ihm haben wir uns \u00fcber das Ende der Ampel-Koalition, den laufenden Wahlkampf und \u00fcber seine Pl\u00e4ne und Ziele unterhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_80923\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1316px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-80923\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Pressefoto-Melnyk_Lindh-3.jpg\" alt=\"\" width=\"1306\" height=\"692\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh (r.) mit Andrij Melnyk, ehemaliger ukrainischer Botschafter in Deutschland \u2013 \u00a9 B\u00fcro MdB Lindh<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie fit f\u00fchlen Sie sich f\u00fcr die hei\u00dfe Wahlkampfphase?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich f\u00fchle mich absolut fit, voller Leidenschaft und Begeisterung f\u00fcr meine Aufgabe, die ich liebe. Und zugleich voller Ernsthaftigkeit, denn die Lage der Demokratie in Deutschland und weltweit sowie die F\u00fclle von Krisen und Sorgen, mit der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sich herumschlagen, gebieten Ernst und Demut. Vor allem aber gilt: Das Leben der Menschen h\u00e4lt nicht inne, weil wir ein paar Wochen \u201eWahlkampf\u201c zu zelebrieren meinen. Hei\u00dfe Wahlkampfphase ist f\u00fcr mich jeder Tag als Abgeordneter. Gegenstand dieses t\u00e4glichen Wahlkampfes ist und bleibt harte, hingebungsvolle Arbeit. Das bin ich den Menschen schuldig. Ich will und werde ihnen keinen Helge Lindh versprechen oder darstellen, der nicht der Helge Lindh der t\u00e4glichen politischen Wahlkreisarbeit ist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Kurz, aber heftig \u2013 oder h\u00e4tten Sie sich lieber einen l\u00e4ngeren Wahlkampf als rund 50 Tage gew\u00fcnscht?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Kurz und heftig oder lang und lau \u2013 mir steht nicht zu, \u00fcber die jeweiligen Konditionen eines Wahlkampfes zu lamentieren. Die intensive \u00f6ffentliche Phase mit Plakatierung und Podien beispielweise ist ja immer mit gewissen Variationen \u00e4hnlich lang, Vorlauf, Vorbereitung und alles Drumherum sind allerdings dieses Mal viel verdichteter, k\u00fcrzer und besonders. Die Gr\u00fcnde, warum es so kam, sind allen bekannt. Viel mehr Bewusstsein, dass eine Koalition eine Koalition ist, in der man zusammenzuarbeiten hat, eine Verantwortungsgemeinschaft, in der nicht die eigene Profilierung auf Kosten der anderen leitendes Prinzip ist, h\u00e4tte daf\u00fcr gesorgt, dass die Regierung die Legislatur regul\u00e4r beendet h\u00e4tte. Dieses Gegeneinander und die mangelnde Bereitschaft, Entscheidungen auch gemeinsam zu vertreten, sind ein Ausdruck von Verantwortungslosigkeit, \u00fcber die ich mich immer noch aufrege. Angesichts dessen habe ich erst recht nicht mir Zeitpunkt und L\u00e4nge eines Wahlkampfes zu w\u00fcnschen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie gro\u00df ist Ihre Sorge, dass es ein knochenharter, sogar schmutziger Wahlkampf wird?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Das tagt\u00e4gliche politische Gesch\u00e4ft ist aufgrund anderer Kommunikationspraktiken, des Siegeszuges des Populismus, der Tendenz zur Polarisierung und der Bedeutung von digitalen Plattformen in den letzten Jahren ohnehin knochenhart und sehr h\u00e4ufig schmutzig. Harter Streit, Polemik, Debattenlust sind notwendig und machen die Lebendigkeit einer Demokratie aus. Ich pflege dies bekanntlich auch im Deutschen Bundestag. Aber leider sind pers\u00f6nliche Anfeindungen, Enthemmungen und Beleidigungen zunehmend zur Gewohnheit geworden. Als neue falsche Normalit\u00e4t greifen einerseits Hassrede und dumpfe Wut, andererseits die Unlust, zu argumentieren und die Argumente wie auch Meinungen anderer auszuhalten, um sich. Das h\u00e4ngt neben der inhaltlichen Dimension auch damit zusammen, dass wir allzu lange im politischen Diskurs die emotionale Dimension vernachl\u00e4ssigt und \u00fcbersehen haben, dass Menschen auch emotionale Wesen sind, die Empathie und Beachtung brauchen. Dieses Vakuum ist dann in Formen brutaler Hyperemotionalisierung umgeschlagen. Zudem hat der Versuch von strategischer Wahlbeeinflussung aus dem Ausland nachweislich deutlich zugenommen. In Anbetracht derartiger Entwicklungen im politischen Alltag und in Anbetracht der Wahlk\u00e4mpfe der letzten Jahre auch au\u00dferhalb Deutschlands, nimmt es nicht wunder, wenn auch dieser Wahlkampf wom\u00f6glich schmutzig und roh wird.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53158\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53158 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Helge_Lindh_0633-2-1024x770-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"546\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Gut beh\u00fctet: Des SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh &#8211; \u00a9 Christoph Busse<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Welchen Anteil an dieser Entwicklung haben die etablierten Parteien der Mitte?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Das entbindet uns im \u00dcbrigen nicht von der unangenehmen, unbequemen Frage, inwiefern die uns berechtigterweise mehr oder weniger ersch\u00fctternde Erfolgsstory des populistischen Kults der St\u00e4rke von Trump &amp; Co. auch mit unserer eigenen Schw\u00e4che zusammenh\u00e4ngt. Allerdings sind die Wirkungen des Aggregatzustandes \u201eWahlkampf\u201c schillernd und in verschiedenen Richtungen eigent\u00fcmlich. So erleben wir doch gerade wundersame Wandlungen und Teilwandlungen. Kanzlerkandidaten geben sich pl\u00f6tzlich v\u00f6llig oder wenigstens teilweise deutlich anders als im Normalbetrieb oder wechseln cham\u00e4leonhaft je nach Publikum und Wetterlage das Profil. \u00dcber Knochenh\u00e4rte sollten wir in der Politik uns jedenfalls nicht beschweren. Es gibt so viele Leute, die echt knochenharte Jobs und knochenharte Arbeitsbedingungen ertragen m\u00fcssen und sich antun. Da sind wir immer noch sehr privilegiert.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Von der gro\u00dfen Aufholjagd, von der Olaf Scholz immer gesprochen hat, ist bislang rein gar nichts zu sp\u00fcren. Wie hoch sch\u00e4tzen Sie als MdB und Wahlk\u00e4mpfer die Chance noch ein, dass Ihr Parteifreund doch noch Bundeskanzler bleibt?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Wahlprognosen sind \u2013 wir alle waren live dabei \u2013 zunehmend unsicher geworden, Wahlentscheidungen werden oft recht kurzfristig gef\u00e4llt, bei verschiedenen Wahlen kam es in wenigen Wochen zu au\u00dferordentlicher Dynamik. Ich werde keine Sch\u00e4tzungen vornehmen, mit welcher Wahrscheinlichkeit Olaf Scholz Kanzler bleibt. Er hat selbst entschieden, dass er unbedingt weitermachen will und stellt sich aus dieser tiefen \u00dcberzeugung heraus dem Votum der Bev\u00f6lkerung. Aus nicht minder gro\u00dfer \u00dcberzeugung konzentriere ich mich komplett auf meine Stadt und meinen Wahlkreis. Zeit, die ich mit Spekulationen \u00fcber Wahlchancen und Aussichten auf die Kanzlerschaft verbringe, fehlt mir f\u00fcr die praktische Arbeit.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_57121\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2253px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-57121\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/DSC_2230a-kl-2.jpg\" alt=\"\" width=\"2243\" height=\"1622\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh (l.) bei einer Karnevalsveranstaltung mit Lore Duwe, Heiner Fragemann und Dr. Stefan K\u00fchn &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Heutzutage als Politiker unterwegs zu sein, ist ja nicht unbedingt vergn\u00fcgungssteuerpflichtig. Man ist Anfeindungen und Beleidigungen ausgesetzt wie noch nie. Sie selbst erhielten vor kurzem einen Drohbrief. Haben Sie ein Rezept, so etwas mental wegzustecken und Ihren eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter zu gehen?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich m\u00f6chte niemandem besserwisserisch Ratschl\u00e4ge erteilen, wie mit solchen Drohszenarien umzugehen sei. Das w\u00e4re anma\u00dfend. Daher m\u00f6chte ich auch nicht von einem Rezept sprechen. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Personen des \u00f6ffentlichen Lebens oder auch ehrenamtlich Aktive derartige Hassst\u00fcrme und Beschimpfungen nicht mehr ertragen, aufgeben, sich zur\u00fcckziehen. Leider ein schrecklicher Erfolg der Einsch\u00fcchterer. Ich pers\u00f6nlich habe Techniken entwickelt, die dauernden Anfeindungen, Herabw\u00fcrdigungen und Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen nicht zu sehr an mich heranzulassen und den Hass in Ansporn und Motivation zu verwandeln. Ich schenke den Hatern und Extremisten nicht meine Angst, nicht mein Schweigen. Aufgeben ist keine Option. Ganz bewusst gehe ich offensiv damit um, was neben den Sicherheitsbeh\u00f6rden auch eine Form von Schutz durch \u00d6ffentlichkeit darstellt. Ich bleibe klar und laut. Trotzdem l\u00e4uft die Angst immer wieder mit und taucht unwillk\u00fcrlich auf. Wenn ich etwa durch die Stadt laufe und pl\u00f6tzlich der Gedanke auftaucht, jemand k\u00f6nnte ernst machen mit dem Hass. Wenn ich daran denke, wie ich letztlich durch meine Arbeit meine Mitarbeitenden Gefahren aussetze. Wenn in Momenten der Ruhe und Stille ohne Vorwarnung diese unvorstellbar widerlichen Textfetzen und Bilder aufflackern.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie als Art \u201ePlatzhirsch\u201c bekommen mit Ex-Verfassungsschutz-Pr\u00e4sident Thomas Haldenwang einen prominenten Herausforderer, wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die Parteispitze der Union hatte zun\u00e4chst eine junge Kandidatin, Frau Altunok, zur designierten Kandidatin erkl\u00e4rt, dann mit einem Male Herrn Haldenwang, mittlerweile im Ruhestand als vormaliger Pr\u00e4sident des Verfassungsschutzes, als Kandidaten verk\u00fcndet, die Kandidatin nahm sich aus dem Rennen bzw. wurde aus dem Rennen genommen, sie trat dann doch an, letztlich wurde er nominiert. Mit dieser ganzen Kandidatur und den etwaigen Intentionen dahinter kann sich die CDU besch\u00e4ftigen und auch die \u00d6ffentlichkeit, was ja auch bundesweit geschehen ist. Meine Aufgabe ist das nicht. Ich mache meine Arbeit nicht von den Kandidaturen und Kalk\u00fclen anderer abh\u00e4ngig. Die Stadt Wuppertal und ich \u2013 wir geh\u00f6ren zusammen. Das passt einfach. Gesucht und gefunden. Ich trete nicht gegen jemanden, sondern f\u00fcr etwas an.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_80390\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80390 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/1313_Helge_Lindh-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh bei der Vorstellung des tempor\u00e4ren Kunstwerks &#8222;Google Tree&#8220; am Haspel &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie sind seit fast acht Jahren Bundestagsabgeordneter und damit schon ein erfahrener Polit-Profi. Haldenwang ist dagegen eher ein Sp\u00e4teinsteiger. Wie wollen Sie diesen Vorteil nutzen?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Politik, auch wenn sie oft so inszeniert und verstanden wird, ist kein Spiel, sie ist kein Lieferdienst, sie ist letztlich auch keine Casting-Show, ohne damit Casting-Shows verurteilen zu wollen, im Gegenteil. Viele Menschen lieben sie \u2013 aus guten und sehr respektablen Gr\u00fcnden. Bundestagsdebatten und Polit-Talks \u00fcben im Vergleich dazu aktuell weniger Anziehungskraft aus. Abgeordnetenarbeit ist jedoch etwas v\u00f6llig anderes und sollte es auch sein. Die T\u00e4tigkeit eines Abgeordneten ist aus meiner Sicht eine ganz besondere, sie steht und f\u00e4llt mit den Hingabe f\u00fcr den Wahlkreis. Erfahrung ist kein Selbstzweck, sondern erwachsen aus jahrelangem Einsatz vor Ort zuhause und in Verhandlungsrunden, Gremien, Netzwerken, dem Plenum und Aussch\u00fcssen in Berlin. Meine Pflicht ist, an beiden Ort mein Bestes zu geben und zu schauen, dass auch diese beiden Welten sich befruchten. Die Vorteile, die aus der Praxis im Umgang mit Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit einerseits und aus der Ein\u00fcbung in die Entwicklung und Pr\u00fcfung von Gesetzestexten, Antr\u00e4gen, F\u00f6rderprogrammen andererseits erwachsen, gilt es daf\u00fcr zu nutzen, dass eine Art Schnellspur, im \u00fcbertragenen Sinne so etwas wie der Beaming-Teleporter bei Star Trek, zwischen Wuppertal und Berlin besteht, und damit dann, mit dem Know-how und den aufgebauten Strukturen, der bestm\u00f6gliche Bundestagsabgeordnete f\u00fcr die eigene Stadt zu sein.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie gelten in Wuppertal als K\u00fcmmerer, sind in der Gesellschaft breit vernetzt, engagieren sich sozial und kulturell, sind oft vor Ort, verbringen die Heiligabende regelm\u00e4\u00dfig in der Historischen Stadthalle bei der Weihnachtsfeier der Einsamen und Bed\u00fcrftigen. Welche Rolle spielt f\u00fcr Sie als MdB die h\u00e4ufige Pr\u00e4senz im Heimat-Wahlkreis?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;B\u00fcrgern\u00e4he und Pr\u00e4senz sind f\u00fcr mich die Essenz meiner Arbeit. Daf\u00fcr bin ich da, Wuppertal habe ich zu dienen. Punkt. N\u00e4he ist unverzichtbar und macht mein Tun aus. Und das ist auch kein Frondienst, sondern ein wahres Privileg, ein Geschenk. Wer hat schon die M\u00f6glichkeit, das zu tun, war er oder sie liebt, und dabei so viele Leute in ganz unterschiedlichen Lebenswelten, Arbeitsbereichen, Schichten kennenzulernen. Das ist eine unfassbare Bereicherung. \u00dcber Politik hei\u00df es ja oft \u201edie da oben\u201c. Leider haben wir zu dem Bild auch teilweise stark beigetragen. Die Ironie ist: Der Beruf ist, wie ich ihn jedenfalls auffasse, die M\u00f6glichkeit, Menschen in ihrer Vielfalt und Einzigartigkeit begegnen zu d\u00fcrfen, Einblick in das Streben so vieler nach ihrem Gl\u00fcck zu gewinnen und zu versuchen, dabei zu unterst\u00fctzen und Hindernisse abzubauen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_50938\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1413px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-50938\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/0a8bba30-c6d7-4bc1-9485-a3874bd46fc5.jpg\" alt=\"\" width=\"1403\" height=\"985\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh (M.) Yevgen und Irina Besedin (v.r.) &#8211; Gr\u00fcnder des Charity-Vereins &#8222;Stand with UA&#8220;\u00a0 &#8211; und ukrainischen Fl\u00fcchtlingen &#8211; \u00a9 Stand with UA<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Gibt es \u00fcberhaupt so etwas wie Gl\u00fccksgef\u00fchle in der Politik?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ein Verhandlungserfolg bei einem Gesetzgebungsverfahren ist eine tolle Erfahrung und auch nicht zu untersch\u00e4tzen, absolute Professionalit\u00e4t ist gefordert, zumal Gesetze und Regularien ma\u00dfgeblich die Arbeits- und Lebenswirklichkeit beeinflussen. Doch noch viel erf\u00fcllender und begl\u00fcckender ist es, konkret geholfen zu haben oder ein lokales Projekt mit auf den Weg bringen und anschieben bzw. absichern zu k\u00f6nnen oder f\u00fcr Wuppertal ein Vorhaben, sei es riesig oder auch klein, mittels der Kapazit\u00e4ten im Bundestag m\u00f6glich zu machen. Wir sollten unsere Wichtigkeit als Politiker nicht \u00fcbersch\u00e4tzen, dennoch m\u00fcssen wir uns klarmachen: Unsere Handlungen, Entscheidungen, Beschl\u00fcsse haben zum Teil existentielle Auswirkungen auf das Leben von Menschen \u2013 im Guten wie im Schlechten. Jede Minute Pr\u00e4senz, jede heilsame Begegnung vor Ort jenseits des Universums von Sitzungen und Aussch\u00fcssen erinnert mich daran.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Hands aufs Herz! W\u00e4re Derya Altunok, stellv. Kreisverbandsvorsitzende der CDU und Vorsitzende der Wuppertaler Frauen-Union, die lange als Bundestagskandidatin f\u00fcr den Wahlkreis Wuppertal I ausgeguckt war, als Gegnerin nicht sogar gef\u00e4hrlicher gewesen &#8211; sie ist jung, unverbraucht, hochmotiviert, gut in der Stadt vernetzt und sie ist eine Frau?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Im Grunde k\u00f6nnte ich auf meine Antwort oben verweisen. Sich mit etwaigen Pr\u00e4ferenzen bei Kandidaturen anderer Parteien zu besch\u00e4ftigen, ist vergeudete Zeit. Es liegt ohnehin nicht ich meiner Hand. Ich definiere mich nicht \u00fcber politische Mitbewerberinnen oder Mitbewerber, sondern \u00fcber das, wof\u00fcr ich stehe und was ich ganz praktisch mache. Es ist sicherlich ein spannendes Strategiespiel, dar\u00fcber zu sinnieren, wer wo infolge welcher Parameter und Kriterien die besten Erfolgschancen bei der Wahlbev\u00f6lkerung haben k\u00f6nnte und mit welchen Personalien man am meisten Aufmerksamkeit erzeugen k\u00f6nnte. Am Ende f\u00fchrt das aber in eine Sackgasse. N\u00e4mlich in die Sackgasse eines rein instrumentellen Politikverst\u00e4ndnisses, bei dem die Menschen, die w\u00e4hlen, zur Rechengr\u00f6\u00dfe werden, zu Spielsteinen f\u00fcr taktische oder strategische Z\u00fcge und zudem Stimmungen zur Ma\u00dfgabe von Haltungen und \u00dcberzeugungen geraten. Wahlkampf im engeren Sinne ist keine Leistung als solche, auf die wir stolz sein oder f\u00fcr die wir Beifall erwarten sollten. Der Ernstfall ist der Tag nach der Wahl, dann geht die eigentliche Arbeit erst recht los.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Mit welchen Kernthemen ziehen Sie in den Wahlkampf?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die gr\u00f6\u00dfte Ehre f\u00fcr mich ist, Wuppertal als direkt gew\u00e4hlter Abgeordneter im Parlament vertreten zu d\u00fcrfen. Das Mandat bedeutet eine immense Verantwortung, der ich mir zutiefst bewusst bin. Dieser Verantwortung gerecht zu werden ist der Auftrag. Diesen Auftrag nehme ich verdammt ernst. Ich gebe 100 Prozent f\u00fcr Wuppertal und bin f\u00fcr die Wuppertalerinnen und Wuppertaler da. Hartn\u00e4ckig und unerm\u00fcdlich versuche ich, als K\u00fcmmerer und Macher konkret das Beste herauszuholen und fortw\u00e4hrend in Berlin f\u00fcr meine Stadt zu mobilisieren, gleichzeitig die Wuppertal-Tauglichkeit von Gesetzen und Erlassen zu pr\u00fcfen und umgekehrt Wuppertaler Ideen und Konzepte in die Hauptstadt zu tragen. Deshalb erz\u00e4hle ich dort unentwegt von meiner Stadt, hiesigen Problemen und Entwicklungen, lade Leute aus der Praxis der Wuppertaler Verwaltung, Zivilgesellschaft, Kulturszene und sozialen Tr\u00e4ger als Sachkundige und Sachverst\u00e4ndige nach Berlin und habe seit Jahren einen Beirat von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern aus unterschiedlichen Berufen, Stadtteilen und Altersgruppen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_80799\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80799 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/PHOTO-2025-01-11-23-39-fff.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"673\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh mit Der SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken bei einer Wahlkampfveranstaltung in der &#8222;F\u00e4rberei&#8220; &#8211; \u00a9 Lore Duwe<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Was genau motiviert Sie und treibt Sie an?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Dies alles tue ich im entschiedenen Kampf f\u00fcr demokratische Werte. Klar und laut mache ich die Klappe gegen die Feinde der Demokratie auf. Gegen\u00fcber Menschenverachtung und Gewalt kann und will ich nicht schweigen. In Bundestagsreden ist die harte Verteidigung und Weiterentwicklung der Demokratie f\u00fcr mich zentral, wie viele wissen. Dieses Gesamtpaket ist das Einzige, was ich verspreche. Das aber mit aller Konsequenz. In Bezug auf einzelne Forderungen und Ank\u00fcndigungen des Wahlprogramms Versprechungen zu machen w\u00e4re unseri\u00f6s. Allzu oft erlebten wir, dass Versprechungen der Umsetzung bei bestimmten Gesetzgebungen gemacht und dann zur Frustration der Menschen nicht gehalten wurden. Seri\u00f6s ist es, f\u00fcr die formulierten Forderungen und Vorhaben in etwaigen Koalitionsverhandlungen sowie der Regierungsarbeit zu k\u00e4mpfen und transparent dar\u00fcber bzw. \u00fcber geschlossene Kompromisse wie auch \u00fcber Misserfolge Rechenschaft abzulegen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben Ihr Ohr immer nah an den Menschen in Ihrem Wahlkreis. Mit welchen Gef\u00fchlen schauen diese in die Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler in der Mitte der Gesellschaft haben Abstiegs\u00e4ngste oder sind schon finanziell und beruflich massiv unter Druck. Lebenshaltungskosten und Steuern belasten erheblich. Dort besteht dringend Handlungsbedarf. Viele in unserer Stadt bewegen sich nur knapp \u00fcber der Armutsgrenze und sind permanent in Sorge, \u00fcberhaupt irgendwie durch den Alltag zu kommen. Das sind existentielle N\u00f6te. F\u00fcr die Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit und mit hohen H\u00fcrden f\u00fcr den Ersten Arbeitsmarkt ist der Wuppertaler Weg des Zusammenwirkens von Jobcenter, sozialer Tr\u00e4gern und lokalen Unternehmen die einzige Perspektive, einer Situation von Ohnmacht und Aussichtslosigkeit zu entkommen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Z\u00fcge kommen zu sp\u00e4t oder fahren gar nicht, Stra\u00dfen und Br\u00fccken sind kaputt. In den Schulen werden defekte Toiletten beklagt, au\u00dferdem br\u00f6ckelt dort h\u00e4ufig der Putz von Decken und W\u00e4nden. Welche Initiativen wollen Sie anschieben, um diese elementaren Missst\u00e4nde zu beheben?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die Frage von Investitionen in die \u00f6ffentliche Infrastruktur wie auch in die Zukunft von Unternehmen f\u00fcr Deutschland ist \u00fcberlebenswichtig. Sowohl Gewerkschaften als auch Unternehmensverb\u00e4nde mahnen einen Investitionsbedarf im hohen dreistelligen Milliardenbereich an. Phantasielose K\u00fcrzungen und Streichungen und rigorose Schuldenbremsen sind gerade nicht das Gebot der Zeit. Wuppertal muss endlich raus aus der Vergeblichkeitsfalle der Altschulden, eine Verfassungs\u00e4nderung mit Zweidrittelmehrheit im Bundestag ist der Schl\u00fcssel daf\u00fcr. Mittelst\u00e4ndische Firmen aus dem Bergischen Land mit hohem \u00f6rtlichen Verantwortungs-bewu\u00dftsein, gerade auch im industriellen Segment, sind mit der Krise und zum Teil \u00fcberbordenden Regularien und Vorschriften konfrontiert, w\u00e4hrend internationale Gro\u00dfunternehmen ohne lokale Verankerung intensiv Steuervermeidung oder Steuerflucht betreiben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Nicht wenige in unserer Gesellschaft und auch in der Politik sehen unsere Demokratie in Gefahr. Ist das auch Ihre Einsch\u00e4tzung?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Rechtspopulismus und Rechtsextremismus reiten in Deutschland und in ganz Europa auf einer gewaltigen Erfolgswelle, Musk und Zuckerberg ebnen einer komplett enthemmten politischen \u00d6ffentlichkeit auf ihren Plattformen den Weg. Die Demokratie steht auf dem Spiel, wobei die Gegner der Demokratie von sich behaupten, die einzigen und wahren Demokraten zu sein. Aus meiner Sicht ist die Idee der EINEN Gesellschaft aktueller denn je. Gerade jetzt ist es gefragt, an dieser Gemeinschaft zu arbeiten und Politik nicht mit dem Bedienen von einzelnen Klientelgruppen und Partikularinteressen zu verwechseln, ohne das Gemeinwesen im Blick zu haben. Als Politiker habe ich mich mit aller Kraft f\u00fcr diese Einheit bei aller Verschiedenheit der Meinungen und Milieus einzusetzen und eben nicht der Versuchung zu erliegen, die eine Gruppe gegen die andere wohlfeil auszuspielen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_80920\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80920 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/PHOTO-220-55-21.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"693\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh (r.) mit Lore Duwe und Wuppertals Oberb\u00fcrgermeister Dr. Uwe Schneidewind beim Abschiedskonzert der Wuppertaler Mundartgruppe &#8222;Strieksp\u00f6en&#8220; auf dem Laurentiusplatz &#8211; \u00a9 Lore Duwe<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Egal, was Sie jetzt versprechen, Sie werden immer wieder die Frage beantworten m\u00fcssen: Warum habt Ihr das in den letzten drei Jahren nicht gemacht? Was entgegnen Sie diesen Leuten?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die Frage resultiert einerseits aus dem von uns im politischen Betrieb auch selbst gesch\u00fcrten Missverst\u00e4ndnis, Politik w\u00e4re so etwas wie ein Lieferdienst. Das gilt ebenso f\u00fcr die Methode gro\u00dfspuriger Versprechen, denen dann nicht minder gro\u00dfe Entt\u00e4uschungen folgten. Politische Ergebnisse sind aber keine Lieferungen auf Bestellungen, sondern Resultate von Aushandlungen und Kompromisse. Andererseits hat die Koalition in den letzten Jahre erhebliche Teile des Koalitionsvertrages abgearbeitet und immens wichtige Rettungspakete geschn\u00fcrt, f\u00fcr die sie sich nicht sch\u00e4men muss. Sch\u00e4men muss sie sich aber f\u00fcr die h\u00e4ufig maximal suboptimale, in meiner Familie w\u00fcrde man sagen: grottige, Au\u00dfenkommunikation und schlechte Selbstdarstellung und das demonstrative Gegeneinander, wo eine Verantwortungsgemeinschaft nach innen und au\u00dfen erforderlich gewesen w\u00e4re. Hinzu kommen nat\u00fcrlich auch Vorhaben, die infolge der Auseinandersetzungen in der Koalition oder aufgrund des Platzens der Regierung gescheitert sind. Insofern ist die Nachfrage, warum das nicht in den letzten drei Jahren erledigt wurde, vollkommen berechtigt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Was kritisieren Sie noch an der Arbeit der Ampel-Koalition?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Chancen wurden vertan, weil Misstrauen herrschte, Strategie vor Pragmatismus ging und immer kompliziertere Pakete zwischen zusammenhanglosen Sachfragen gepackt wurden. Abgesehen davon ist es unbedingt sinnvoll, in Programmen \u00fcber das bisher Versuchte und auch mutma\u00dflich f\u00fcr eine Koalition Realistische, \u00fcber den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauszudenken. Visionen einer besseren Gesellschaft und Mut zur Kreativit\u00e4t sind ohnehin Mangelware. Politisch pflegen wir oft so viel Bedenkentr\u00e4gerei und so wenig Risikobereitschaft, dass wir Menschen umso mehr Risiken aussetzen. Sozusagen politische Unt\u00e4tigkeit aus Angst vor T\u00e4tigkeit, vor den Risiken, das wom\u00f6glich Falsche zu tun und daf\u00fcr Verantwortung tragen zu m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Falls Sie wiedergew\u00e4hlt werden: Was d\u00fcrfen die Wuppertaler B\u00fcrger und die B\u00fcrger der Bergischen Region von dem MdB Helge Lindh in den n\u00e4chsten vier Jahren erwarten?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Sie d\u00fcrfen 100 Prozent Helge f\u00fcr Wuppertal und Umgebung erwarten. Ich f\u00fchle mich eins mit meiner Stadt. Auf ihre schroffe Sch\u00f6nheit lasse ich nichts kommen, ohne vorhandene Defizite und Problemlagen zu romantisieren oder gar ignorieren. Gerade weil es die Stadt finanziell schwer hat und immer noch mitten im Strukturwandel steckt, verdient sie, dass ich nicht aufh\u00f6ren werde, wie ein Terrier bestehende Projekte und Initiativen zu st\u00e4rken, verteidigen und zu sichern und zugleich neue M\u00f6glichkeiten zu erschlie\u00dfen. Stillstand ist nicht. Dienst nach Vorschrift auch nicht. Der \u201eWuppertal-Check\u201c ist ein Muss, also die Frage der Wirkung von Gesetzen, Verordnungen und Beschl\u00fcssen mitten im Leben an der Basis. Allzu oft ergehen wir uns in Gesetzgebung, fragen aber nicht danach, ob sie \u00fcberhaupt umgesetzt wird, umgesetzt werden kann und in der Praxis Sinn macht.<\/p>\n<p>Die Menschen d\u00fcrfen auch Nahbarkeit erwarten. Ganz viele Personen, aber auch Vereine und Unternehmen wenden sich an mich mit ihren Einzelf\u00e4llen. Genauso soll es sein. Das gro\u00dfe Ganze ist nichts wert, wenn nicht im vermeintlich Kleinen nach L\u00f6sungen gesucht wird. Dort liegt der eigentliche Schl\u00fcssel, und dort muss sich erweisen, wie sinnvoll und konstruktiv unsere Arbeit als Berufspolitiker ist.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_76655\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1973px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-76655\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gwg_pina.bausch.gallery_1_13x20cm.jpg\" alt=\"\" width=\"1963\" height=\"1396\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Beim erfolgreichen Street Art-Projekt &#8222;Urban Art&#8220;: (v.l.) Helge Lindh, Valentina Manojlov (Initiatorin), Oliver Wichelhaus, Silvia Wichelhaus, Daniel K\u00f6ster und Lea Micus. Auf dem Bild zu sehen sind oben (v.l.) Julie Robertson (K\u00fcnstlerin), Eric Robertson &#8211; \u00a9 gwg<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Was geben den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger im Tal Helge Lindh in seinem Job als Politiker mit auf den Weg?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Von Wuppertalerinnen und Wuppertalern habe ich unendlich viel gelernt, ich staune immer noch jeden Tag, was Leute auf die Beine stellen und welche Hindernisse sie \u00fcberwinden und was sie in ihren Lebensgeschichten meistern. Wer keine Menschen mag, sollte keine Politik machen. Der Bev\u00f6lkerung habe ich alles zu verdanken, sie ist mein Arbeitgeber, ohne sie w\u00e4re ich nicht, was ich jetzt bin und sein darf. Die Nordbahntrasse ist ein wunderbares Beispiel f\u00fcr solche Leistungsf\u00e4higkeit der Wuppertaler B\u00fcrgerschaft, das scheinbar Unm\u00f6gliche wurde Realit\u00e4t, Zivilgesellschaft, Unternehmen und Sponsoren sowie der Soziale Arbeitsmarkt mit einem Fokus auf die Pflege des Gemeinwesens und des \u00f6ffentlichen Raums haben das verwirklicht. Die Nordbahntrasse ist so etwas wie \u201eDemokratie auf F\u00fc\u00dfen\u201c, dort gehen und radeln Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, begleitet von faszinierenden Einblicken in das st\u00e4dtische Leben, Natur, Architektur der vielen Stadtteile. Die Menschen k\u00f6nnen erwarten, dass ich nicht aufh\u00f6re, auf Mut statt Angst zu setzen. Das setzt voraus, \u00c4ngste und N\u00f6te ernst zu nehmen und nicht zu denunzieren. Die Kunst ist, diese \u00c4ngste nicht zu befeuern und zu bedienen, sondern an ihrer \u00dcberwindung hart zu arbeiten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Klingt alles sehr h\u00fcbsch, aber was versprechen Sie den Wuppertalerinnen und Wuppertalern konkret im Falle Ihrer Wiederwahl?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger d\u00fcrfen und m\u00fcssen von mir erwarten, dass ich mich nicht von Ver\u00e4chtern der Freiheit und Gerechtigkeit einsch\u00fcchtern lasse und dass ich mich au\u00dferdem weiter intensiv mit der \u201eKrise der Repr\u00e4sentation\u201c befassen werde. Was meine ich damit? Der Parlamentarismus und unser politisches System sind in einer Vertrauenskrise. Es geht nicht darum, das Parlament zu schw\u00e4chen, sondern darum, mehr und bessere B\u00fcrgerbeteiligung aufzubauen. Deshalb habe ich jahrelang hartn\u00e4ckig f\u00fcr den sogenannten \u201eB\u00fcrgerrat\u201c des Bundestages in Berlin gestritten, deshalb habe ich seit 2021 meinen Beirat in Wuppertal installiert, der mir neue Perspektiven auf die Folgen politischer Entscheidungen er\u00f6ffnete. Darauf aufbauend plane ich eine noch weitere und gr\u00f6\u00dfere Beteiligungsform, Arbeitstitel \u201eHelges B\u00fcrgerversammlung\u201c, zu etablieren. Ich habe mal gesagt, dass ich nicht Interessen vertrete, sondern Menschen. Dabei bleibe ich.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_80939\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80939 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2023-01-27-portrait-im-reichstagsgeb-ude-photo-of-helge-lindh-by-fionn-grosse-12h-44min-52s-109947-1980x1320-1-1024x683-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh, der um seinen Sitz im Parlament gegen Herausforderer Thomas Haldenwang k\u00e4mpft &#8211; \u00a9 Team Helge Lindh<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: W\u00fcrden Sie bei einer Niederlage gegen Thomas Haldenwang der Berufspolitik den R\u00fccken kehren oder einen neuen Anlauf nehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich will und werde weiterhin Abgeordneter aus, in und f\u00fcr Wuppertal sein. Mit Erw\u00e4gungen \u00e0 la \u201eWas wird aus mir\u201c besch\u00e4ftige ich mich nicht. Meine Verpflichtung ist es, mich f\u00fcr die Berufswelt, den Alltag, die Freizeit und insgesamt auch die Lebensqualit\u00e4t der Heimat von Abertausenden von Menschen anzustrengen und zu beweisen, dass das Vertrauen, das sie mir geschenkt haben und schenken, berechtigt war. Meine eigene berufliche Zukunft und Existenz sind demgegen\u00fcber irrelevant.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das offene, interessante und informative Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte PETER PIONKE<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er hat nicht nur einen Koffer in Berlin, sondern auch ein B\u00fcro und einen Platz im Bundestag. Seit gut sieben Jahren ist Helge Lindh MdB &#8211; und das m\u00f6chte der Wuppertaler SPD-Politiker auch gerne bleiben. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar 2025 tritt er im Wahlkreis Wuppertal I gegen den Ex-Pr\u00e4sidenten des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Thomas Haldenwang an, der f\u00fcr die Wuppertaler CDU in den Ring steigt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-80904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-20 10:20:58","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80904"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80904\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81507,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80904\/revisions\/81507"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}