{"id":80338,"date":"2024-12-13T13:52:07","date_gmt":"2024-12-13T12:52:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=80338"},"modified":"2024-12-13T21:09:37","modified_gmt":"2024-12-13T20:09:37","slug":"monte-rosa-die-erlebniswelt-dreier-skurriler-bergsteiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/12\/13\/monte-rosa-die-erlebniswelt-dreier-skurriler-bergsteiger\/","title":{"rendered":"\u201eMonte Rosa\u201c: Die Erlebniswelt dreier skurriler Bergsteiger"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_80345\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2569px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80345 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/cropped-SchSpW_MONTE_ROSA__c__Christoph_Sebastian_03-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2559\" height=\"1344\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Auf dem Weg zum Gipfel des &#8222;Monte Rosa&#8220;: (v.l.) Kevin Wilke, Stefan Walz und Alexander Peiler &#8211; \u00a9 Christoph Sebastian<\/span><\/div>\n<p>\u201eMonte Rosa\u201c ist der Name des gewaltigen Gebirgsstocks auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, auf dem sich allein 18 der 82 Viertausender-Gipfel befinden. Dieses Bergmassiv inspirierte die Librettisten und Dramatiker schon seit mehr als 100 Jahren mit ganz unterschiedlichen narrativen Herangehensweisen.<\/p>\n<p>Das 2021 uraufgef\u00fchrte Theaterst\u00fcck von Theresa Dopler arbeitet humorvoll die Beziehungen zwischen den Menschen vor dem Hintergrund einer Erlebniswelt dreier skurriler Bergsteiger auf, die in Dialogen von Alexander Pfeiler, Stefan Walz und Kevin Wilke drei Generationen verk\u00f6rpernd spezifisch in herausragender Manier dargestellt werden.<\/p>\n<h4>Mehrdeutige Szenen der Besteigung<\/h4>\n<p>Da stellt sich dem Betrachter gar nicht mehr die Frage, ob hier im von Dunstwolken umgebenen Hochgebirge nicht tats\u00e4chlich ein Abbild der Gesellschaft gezeigt wird, in der das \u00dcberleben des St\u00e4rkeren dominiert. Hier ist es die Traurigkeit unseres Leistungsdenkens, sinnbildlich in der Einsamkeit der Gipfelst\u00fcrmer.<\/p>\n<div id=\"attachment_80343\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80343 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/SchSpW_MONTE_ROSA__c__Christoph_Sebastian_06-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1648\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Imponiergehabe hoch oben in der imposanten Bergwelt &#8211; \u00a9 Christoph Sebastian<\/span><\/div>\n<p>&#8222;Monte Rosa&#8220; legt in einer seltsam verschobenen Welt des Hochgebirges die Absurdit\u00e4ten menschlichen Daseins frei. Drei M\u00e4nner befinden sich in dem Bergmassiv, unterwegs als vereinsamte, selbst optimierende Einzelk\u00e4mpfer, ihre Fragen reduzieren sich auf Route, Alter und Fitness.<\/p>\n<h4>Extremsport als Imponiergehabe<\/h4>\n<p>Das Ganze gipfelt in mehrdeutigen Entkleidungs- und Besteigungsszenen mit Imponiergehabe, die dann einer Fleischbeschauung gleichkommen. Jeder m\u00f6chte der Bessere und St\u00e4rkere sein. Imponiergehabe: \u201cErst letzte Woche war ich wieder am Matterhorn.&#8220;<\/p>\n<p>Der andere kontert: &#8222;Ich war erst gestern dort!\u201c Auf der Suche nach einem passenden Partner sich in Oberfl\u00e4chlichkeiten mit angeblichen Leistungen \u00fcberbietend, taxieren sie einander. Dabei werden ganz merkw\u00fcrdige Defizite in ethischen oder moralischen Bereichen aufgezeigt. Der Absturz eines Partners ist eine eher nebens\u00e4chliche Marginalie.<\/p>\n<div id=\"attachment_80344\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80344 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/SchSpW_MONTE_ROSA__c__Christoph_Sebastian_07-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das ist wirklich der Gipfel: Alexander Peiler und Stefan Walz wollen sich als Bergsteiger gegenseitig beweisen, welch tolle Typen sie sind &#8211; \u00a9 Christoph Sebastian<\/span><\/div>\n<p>Das ganze Denken der Bergsteiger kreist unabl\u00e4ssig und besessen um die Gipfelbesteigung. K\u00f6rperlich gest\u00e4hlt und bestens ausger\u00fcstet, bezwingen sie die erhabene Landschaft und f\u00fchlen sich hoch oben \u00fcber allem. Nichts ist von Bedeutung, mit Ausnahme \u00a0des Aufstiegs auf den n\u00e4chsten Gipfel, so als es gebe es kein Dasein abseits des Berges.\u201c Sp\u00fcrst Du auch so wenig?\u201c &#8211; &#8222;Ja, zum Gl\u00fcck\u201c.<\/p>\n<h4>Leistungsstarke Seilschaften gesucht<\/h4>\n<p>Eine leistungsstarke Seilschaft zu finden, ist das erkl\u00e4rte Ziel der Alpinisten, f\u00fcr die sich am Ende zum Selbstzweck verkommene Partnerschaften schnell und skrupellos wieder aufl\u00f6sen. &#8222;Warst Du schon einmal ungl\u00fccklich?\u201c fragt der Eine. Der Andere antwortet: \u201e Ja, aber immer nur f\u00fcr sehr kurze Momente, dann war ich jedes Mal schnell wieder gl\u00fccklich\u2026\u201c<\/p>\n<p>Ein verlorener Helm hat\u00a0Bedeutung in der Geschichte, in der Gesichter vergessen werden und man nicht wei\u00df, wie alt man ist. Ein innerer Konflikt wird deutlich: Sind wir \u00fcberhaupt \u201erichtige\u201c Bergsteiger? Der Berg wird br\u00fcchig, das Fundament l\u00f6st sich\u00a0mehr und mehr auf, der eindeutige\u00a0 und\u00a0 versteckte Hinweis auf eklatante Umweltprobleme.<\/p>\n<h4>Diesmal das Innenleben von Bergsteigern<\/h4>\n<p>Nachdem Teresa Dopler sich schon in ihren ersten drei Werken mit zeitgem\u00e4\u00dfen Themen wie dem Traum vom l\u00e4ndlichen Eigenheim und\u00a0 Beziehungen auf eine Kreuzfahrt besch\u00e4ftigt hat, landete sie auch diesmal einen Erfolg mit dem Innenleben von Bergsteigern.<\/p>\n<div id=\"attachment_80342\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80342 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/SchSpW_MONTE_ROSA__c__Christoph_Sebastian_05-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1764\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Oberfl\u00e4chliche Gespr\u00e4che w\u00e4hrend einer Rast: Die &#8222;Bergsteiger&#8220; Kevin Wilke (l.) und Alexander Peiler &#8211; \u00a9 Christoph Sebastian<\/span><\/div>\n<p>F\u00fcr den in Wuppertal lebenden und arbeitenden Tiroler Regisseur Peter Wallgram scheint das St\u00fcck geradezu\u00a0 auf den Leib geschneidert zu sein. Sein B\u00fchnenbild aus der Bergwelt kommt minimalistisch aber atmosph\u00e4risch eindrucksvoll r\u00fcber. Die Musik von Michael M\u00fchlhaus ist gelungen, wenn auch die akustisch trennenden Szenen-Elementen nicht f\u00fcr ger\u00e4uschempfindlichere Besucher gedacht zu sein scheinen.<\/p>\n<p>Das empfehlenswerte St\u00fcck \u201eMonte Rosa\u201c \u00a0steht bis zum 13. April 2025 noch insgesamt sechsmal auf dem Spielplan des Theaters am Engelsgarten, das mit dem angrenzenden neuen Engelszentrum sehr gewonnen hat.<\/p>\n<p><strong>Text: Siegfried J\u00e4hne\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der Wuppertaler B\u00fchnen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wuppertaler-buehnen.de\">http:\/\/www.wuppertaler-buehnen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie packt hei\u00dfe Themen der Gegenwart an. Klimawandel, Leistungsgesellschaft und Jugendwahn waren es diesmal, welche die Wienerin Teresa Dopler, Jahrgang 1990, in ihrem neuesten preisgekr\u00f6nten Theaterst\u00fcck \u201eMonte Rosa\u201c aufgriff. Das Schauspiel Wuppertal brachte es in der Inszenierung von Peter Wallgram jetzt auf die B\u00fchne des Barmer Theaters am Engelsgarten.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-80338","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-08 11:16:33","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80338"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80360,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80338\/revisions\/80360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}