{"id":80116,"date":"2024-12-04T12:14:31","date_gmt":"2024-12-04T11:14:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=80116"},"modified":"2024-12-04T12:14:31","modified_gmt":"2024-12-04T11:14:31","slug":"kommissbrot-der-zwerg-zyklop-aus-hannover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/12\/04\/kommissbrot-der-zwerg-zyklop-aus-hannover\/","title":{"rendered":"&#8222;Kommissbrot&#8220; \u2013 Der Zwerg-Zyklop aus Hannover"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_80124\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 809px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80124 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Janoske-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"799\" height=\"525\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr.-Ing. Uwe Janoske, Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Str\u00f6mungsmechanik an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p><strong>Der Hanomag 2\/10 gilt als Meilenstein der Autogeschichte. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Der Hanomag hatte als erstes Serienfahrzeug einen Mittelmotor, der in den 1930er Jahren sp\u00e4ter bei Rennwagen verwendet wurde. Au\u00dferdem zeichnete sich der Hanomag durch seine Pontonkarosserie aus, d.h. eine durchgehende Linie ohne aufgesetzte Kotfl\u00fcgel oder Trittbretter, die ebenfalls erstmalig in einem Serienfahrzeug zu sehen war und erst wieder in den 1940er Jahren in den USA zum Einsatz kam. Damit hatte der Hanomag bereits sehr fr\u00fch eine Vorreiterrolle in der Automobilentwicklung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Es war 1925 erst der zweite Wagen, der in Flie\u00dfbandfertigung komplett in Deutschland entwickelt wurde und dar\u00fcber hinaus ein sehr gro\u00dfer Erfolg. &#8222;Zwei Kilo Blech, ein Kilo Lack &#8211; fertig ist der Hanomag&#8220;. Nach drei Jahren und fast 16.000 Wagen wurde die Produktion jedoch eingestellt. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Bereits damals hatte der Hanomag mit Konkurrenz zu k\u00e4mpfen. Der 1924 in Serie gegangene Opel \u201eLaubfrosch\u201c als auch der Dixi 3\/15 (sp\u00e4ter BMW 3\/15) waren von der Konzeption einem \u201erichtigen\u201c Fahrzeug n\u00e4her, da der Hanomag recht spartanisch ausgestattet war. Ein Einzylindermotor, der im Leerlauf zu h\u00fcpfenden Schwingungen f\u00fchrte und nur einer T\u00fcre, die aus Steifigkeitsgr\u00fcnden erforderlich war, w\u00e4ren sicherlich nicht heutiger Standard. Deshalb wurde 1928 die Produktion nach 15775 Exemplaren eingestellt.<b>&#8222;<\/b><\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>Das Modell erhielt schnell den Namen &#8222;Kommissbrot&#8220;. <\/strong><strong>Wie kamen die Leute darauf?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Das &#8218;Kommissbrot&#8216; war ein einfaches Brot, das kastenf\u00f6rmig aussieht. Durch die durchgehende Linie des Fahrzeugs ohne aufgesetzte Kotfl\u00fcgel, erinnerte diese an einen Kasten, so dass der Name &#8218;Kommissbrot&#8216; f\u00fcr den Hanomag verwendet wurde.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Das &#8222;Kommissbrot&#8220; war gar nicht einfach zu starten und erforderte Feingef\u00fchl. Woran lag das?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Der Hanomag wird durch einen 502 cm\u00b3 Einzylindermotor angetrieben. Sein Start erfolgt \u00fcber eine Kette und nicht wie \u00fcblicherweise durch eine Kurbel. Dabei kann es vorkommen, dass es beim Start einen heftigen R\u00fcckschlag gibt, den der Fahrer zu sp\u00fcren bekommt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Im Leerlauf f\u00fchlte man sich darin wie auf einem Trampolin. Aus welchem Grund?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske<strong>: &#8222;<\/strong>Bedingt durch die Schwingungen des Einzylinder-Motors, wurden diese direkt auf das Fahrzeug \u00fcbertragen und die Blattfedern zu Schwingungen angeregt. Dadurch kam es zum \u201eH\u00fcpfen\u201c des Fahrzeugs.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_80125\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1290px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80125 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Hanomag_Kommissbrot-CC-BY-2.5-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"902\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Hanomag 2\/10 \u2013 vom Volksmund &#8222;Kommissbrot&#8220; genannt\u00a0 &#8211; wurde nur 15.775 Mal gebaut &#8211; \u00a9 CC BY 2.5 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><strong>Seine Karosserieform ohne ausladende Kotfl\u00fcgel und Trittbretter machte ihn zum Pionier der Pontonform. Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Pontonform bedeutet, dass die Karosserie durchgehend glatt ist und ohne aufgesetzte Kotfl\u00fcgel besteht. Bei gleichen Au\u00dfenabmessungen des Fahrzeugs war mehr Platz dadurch im ohnehin nicht \u00fcppigen Innenraum verf\u00fcgbar.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der Hanomag 2\/10 hatte nur einen Scheinwerfer und auch nur eine T\u00fcr. War das \u00fcberhaupt erlaubt?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Ein Scheinwerfer war offiziell bis 1931 erlaubt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Zum Problem konnten die massiven Holzspeichenr\u00e4der werden, die feucht gehalten werden mussten. Was passierte denn, wenn man das nicht tat?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Das Holz wurde spr\u00f6de, wenn dies nicht gew\u00e4ssert wurde. Deshalb musste man an hei\u00dfen Tagen die Speicherr\u00e4der w\u00e4ssern, damit Sch\u00e4den und Br\u00fcche durch spr\u00f6de und damit weniger elastische Speichen entstanden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Hanomag in Hannover war aber noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts aktiv. Was produzierten sie?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Janoske: &#8222;Die Hannoversche Maschinenbau AG auch Hanomag genannt war ein bedeutender Fahrzeughersteller von PKW vor dem zweiten Weltkrieg. Danach wurden Nutzkraftwagen der Marken Hanomag und Hanomag-Hentschel gefertigt, bis schlie\u00dflich in den 70er Jahren eine Eingliederung in den Mercedes-Benz Konzern erfolgte.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_80126\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-80126 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Janoske-Pressefoto-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"270\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr.-Ing. Uwe Janoske &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr.-Ing. Uwe Janoske<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing. Uwe Janoske leitet den Lehrstuhl f\u00fcr Str\u00f6mungsmechanik in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Maschinenbau und Sicherheitstechnik an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. Dezember 1924 wurde der Hanomag 2\/10 auf der Automobilausstellung in Berlin pr\u00e4sentiert. Eine Sensation. \u00dcber bahnbrechende Ereignis und den Meilenstein der Automobilgeschichte hat sich Autor Uwe Blass mit Prof. Dr.-Ing. Uwe Janoske in der beliebten Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; unterhalten. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-80116","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-23 17:32:29","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80116","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80116"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80127,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80116\/revisions\/80127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}