{"id":79982,"date":"2024-11-29T06:50:01","date_gmt":"2024-11-29T05:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=79982"},"modified":"2024-11-29T06:50:01","modified_gmt":"2024-11-29T05:50:01","slug":"giacomo-puccini-die-gefuehlswelt-des-wirklichen-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/11\/29\/giacomo-puccini-die-gefuehlswelt-des-wirklichen-lebens\/","title":{"rendered":"Giacomo Puccini: Die Gef\u00fchlswelt des wirklichen Lebens"},"content":{"rendered":"<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_79985\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79985 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Pressefoto-Erlach.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"598\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Thomas Erlach, Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Didaktik der Musik an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p><strong>Mit welchen Kompositionen ging Giacomo Puccini\u00a0 in die Musikgeschichte ein?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Puccini ist heutzutage praktisch nur als Opernkomponist bekannt, vor allem durch seine besonders popul\u00e4ren B\u00fchnenwerke wie &#8218;Tosca&#8216;, &#8218;La Boh\u00e8me&#8216; oder &#8218;Madame Butterfly&#8216;. Dass er daneben auch Orchesterwerke, Kammermusik, Chorwerke und Lieder komponiert hat, interessiert eher Musikwissenschaftler und besonders begeisterte Fans.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Er gilt als Vertreter des Verismo. Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Der Begriff &#8218;Verismo&#8216; bezeichnet ein Streben nach gr\u00f6\u00dferer Wahrhaftigkeit auf der Opernb\u00fchne. Vor allem italienische Komponisten hatten ab 1890 eine Tendenz, die Gef\u00fchlswelt der einfachen Menschen, des \u201eVolkes\u201c, direkt und drastisch auf der B\u00fchne darzustellen. Das bedeutete eine Abkehr von Wagner\u2018schen tragischen Helden und G\u00f6ttern ebenso wie von Verdis Operngestalten aus der gehobenen Gesellschaft. In einer der ersten veristischen Opern, &#8218;Der Bajazzo&#8216; von Ruggero Leoncavallo, wird diese Konzeption zu Beginn von einer singenden Prolog-Figur erl\u00e4utert, die erkl\u00e4rt, nun ein Bild des wirklichen Lebens zeichnen zu wollen, mit Menschen \u201eaus Fleisch und Blut\u201c, die dem Publikum Identifikation erm\u00f6glichen. Puccini ist dieser Richtung \u00fcberwiegend gefolgt. In seinen Opern greifen beispielsweise keine \u00fcbermenschlichen M\u00e4chte in die Handlung ein. Er verarbeitet durchaus Stoffe aus der Vergangenheit (z. B. in &#8218;Tosca&#8216;), interessiert sich aber vor allem f\u00fcr ihre Beziehungsaspekte, also f\u00fcr die emotionale Seite der Geschichte, die allen Menschen zug\u00e4nglich ist.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>Bei der Urauff\u00fchrung von \u201eLa Boh\u00e8me\u201c am 1. Februar 1896 unter der Leitung von Arturo Toscanini gab es Pfiffe und Buhrufe. Die Presse schrieb u.a.: \u201eSo wird sie auch keine bedeutende Spur in der Operngeschichte hinterlassen.\u201c Knapp zwei Monate sp\u00e4ter hingegen feierte die gleiche Oper in Palermo einen Riesenerfolg. Wie ist das zu erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Die Reaktionen bei der Urauff\u00fchrung waren uneinheitlich. Puccini wurde nach jedem Akt mehrmals vor den Vorhang gerufen, das St\u00fcck fiel also nicht durch, aber es war auch kein spektakul\u00e4rer Spontanerfolg. M\u00f6glicherweise waren die Leute irritiert von dieser neuen Art von Musiktheater. Die Handlung ist nicht ganz stringent, dem Publikum wird eher eine Reihung verschiedener Szenen vorgestellt, die zudem mit dem Tod Mimis an Schwindsucht, also Tuberkulose, sehr traurig endet. Auch die Klangsprache ist neuartig \u2013 das ganze St\u00fcck ist in einer Art \u201eKonversationston\u201c gehalten, die Stimmungen und musikalischen Motive wechseln h\u00e4ufig und das Tempo der Dialoge ist oft relativ hoch. Die Aufnahme des St\u00fccks beim Publikum verbesserte sich dann schnell, aber Puccini hat die Urauff\u00fchrung auch sp\u00e4ter noch als Misserfolg angesehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Heute gilt \u201eLa Boh\u00e8me\u201c als sein Meisterwerk. Woran macht man das fest?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Da ist zun\u00e4chst die Handlung, die in einer WG von vier jungen K\u00fcnstlern in einer Dachgeschosswohnung in Paris beginnt. Sie sind zwar arm, aber selbstbestimmt, f\u00fchlen sich frei und gl\u00fccklich, auch wenn mangels Brennholz ein frisch geschriebenes Drama in den Ofen wandern muss. Problemlos werfen sie ihren Vermieter aus der Wohnung, ohne die Miete zu zahlen, und Rodolfo findet im eigenen Haus wie von selbst eine Partnerin, mit der er sofort ein wundersch\u00f6nes Liebesduett anstimmt \u2013 das weckt Sehns\u00fcchte in einer von vielen Zw\u00e4ngen und von materiellen G\u00fctern bestimmten Gesellschaft. Die weitere Entwicklung im St\u00fcck ist dann von Beziehungskonflikten gepr\u00e4gt, die jeder kennt, sowie am Ende vom tragischen Tod Mimis, der angesichts der Treue ihrer Freunde vielen im Publikum die Tr\u00e4nen in die Augen treibt. Puccini zeigt auf der B\u00fchne nur einzelne Situationen, w\u00e4hrend er die logischen Zusammenh\u00e4nge in die Pausen zwischen den Akten verlagert, d.h. wegl\u00e4sst.<\/p>\n<div id=\"attachment_79986\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 526px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79986 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/GiacomoPuccini-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"516\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der ber\u00fchmte italienische Komponist Giacomo Puccini &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Dadurch konnte er sich musikalisch auf das konzentrieren, was er am besten konnte: zwischenmenschliche Situationen vertonen. Rodolfo stellt sich Mimi bei der ersten Begegnung mit einer Melodie vor, die sie nach ihrer individuellen, anders klingenden Antwort anschlie\u00dfend \u00fcbernimmt \u2013 so entsteht das Liebesduett, mit dem der erste Akt schlie\u00dft. Der zweite Akt spielt an Heiligabend im Quartier Latin, es herrscht dort ein buntes Treiben, das Puccini mit einer Art musikalischer Collage darstellt. Und sein Orchester bietet schillernde Klangfarben in bunter Abwechslung. Traditionelle Arien gibt es stellenweise auch, aber geschickt eingewoben in die Handlung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Puccini wurde vor allem durch den Verleger Giulio Ricordi aufgebaut, der aber auch auf dessen Arbeit Einfluss nehmen wollte. So versuchte er z. B. in einem Brief ein entscheidendes Duett zwischen Tosca und Cavaradossi im dritten Akt der Oper Tosca zu verhindern, weil er \u201everheerende Folgen\u201c bef\u00fcrchtete. Was besorgte ihn denn so sehr?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;An und f\u00fcr sich hatte Puccini ein gutes Verh\u00e4ltnis zu seinem Verleger, der ihn als \u201eHauskomponisten\u201c finanzierte. Ricordi glaubte hier allerdings zu bemerken, dass Puccini f\u00fcr dieses Duett Musik verwendete, die er f\u00fcr eine fr\u00fchere Oper, &#8218;Edgar&#8216;, komponiert, aber dann doch gestrichen hat. Er hielt dieses Vorgehen Puccinis f\u00fcr unw\u00fcrdig und teilte ihm das brieflich in ziemlich schroffer Form mit. Puccini war davon v\u00f6llig \u00fcberrascht und antwortete am gleichen Tag, dass er anderer Ansicht sei. Die \u00dcbernahme werde niemand bemerken, diese Vorgehensweise betrachtete er als \u201earbeitssparendes Prinzip\u201c. Zudem betonte er, dass dieses Duett einen \u201efragmentarischen Charakter\u201c tragen m\u00fcsse, weil es kein gew\u00f6hnliches Liebesduett sei. Die Szene spielt sich n\u00e4mlich kurz vor der Hinrichtung Cavaradossis ab, von der er glaubt, dass sie nur zum Schein erfolgt, was aber nicht der Fall ist \u2013 eine ziemlich verr\u00fcckte Konstellation also. Damit war die Sache gekl\u00e4rt und das Duett blieb stehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die Urauff\u00fchrung 1900 in Rom wurde ein gro\u00dfer Erfolg, obwohl sie kurzzeitig unterbrochen wurde. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Das Publikum war an diesem Abend sehr nerv\u00f6s, weil es im Theater eine Bombendrohung gab, die sich aber als gegenstandslos herausstellte. Die K\u00f6nigin und mehrere Minister waren im Saal anwesend und es gab einen riesigen Besucherandrang auf die ausverkaufte Vorstellung. Da es dabei sehr lautstark zuging, lie\u00df der Dirigent Leopoldo Mungone die Vorstellung vor\u00fcbergehend unterbrechen, machte aber weiter, als sich alle beruhigt hatten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_79987\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 410px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79987 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Poster-von-Madame-Butterfly-von-Giacomo-Puccini-1914-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"289\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Poster von Madame Butterfly (1914) &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p><strong>1904 fand die Urauff\u00fchrung einer weiteren, sehr bekannten Oper \u201eMadame Butterfly\u201c statt und wurde zum Desaster. Was war passiert?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Das war Puccinis gr\u00f6\u00dfter k\u00fcnstlerischer Misserfolg im Leben. \u00dcber die genauen Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ablehnung der &#8218;Butterfly&#8216; bei der Urauff\u00fchrung l\u00e4sst sich nur spekulieren. Das Publikum der Mail\u00e4nder Skala galt damals als konservativ und besonders kritisch. Nach &#8218;Boh\u00e8me&#8216; und &#8218;Tosca&#8216; wurde das Thema der Oper m\u00f6glicherweise als zu exotisch, zu weit entfernt von der Lebensrealit\u00e4t empfunden: Ein amerikanischer Offizier heiratet bei einem Einsatz in Japan eine einheimische Geisha, Cho-Cho-San, genannt Butterfly, l\u00e4sst sie dann aber mit dem gemeinsamen Kind zur\u00fcck, um in Amerika sp\u00e4ter nochmals zu heiraten, anschlie\u00dfend zur\u00fcckzukommen und das Kind mitzunehmen, woraufhin Cho-Cho-San sich in ritueller Form selbst t\u00f6tet. In einer Zeit des Kolonialismus konnte das als Kritik wirken und provozieren. Ferner hatte diese erste Fassung der &#8218;Butterfly&#8216; nur zwei Akte, wobei vor allem der zweite sehr lang war. Die Tenorpartie ist zudem nicht so dominant wie sonst bei Puccini, und das Erscheinen des Kindes auf der B\u00fchne wurde als anst\u00f6\u00dfig empfunden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Warum wurde sie dennoch zu einer seiner meistgespielten Opern?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Sowohl der Exotismus wie die Handlung im Themenkreis des kulturellen Imperialismus erwiesen sich letztlich als interessant, auch f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen. Dabei sind die ostasiatisch klingenden Elemente in der Musik wie z. B. Pentatonik (Als Pentatonik oder F\u00fcnfton-Musik bezeichnet man Tonleitern und Tonsysteme, die aus f\u00fcnf verschiedenen T\u00f6nen bestehen, Anm. d. Red.) eher ein schm\u00fcckender Zusatz im Sinne eines Lokalkolorits. Hinzu kommt, dass Puccini die Oper sofort und dann noch mehrmals grundlegend umarbeitete. So wurde der lange zweite Akt geteilt. Inzwischen geht man an den Theatern allerdings dazu \u00fcber, wieder die urspr\u00fcngliche Fassung zu spielen, weil sie die pers\u00f6nliche Trag\u00f6die der Cho-Cho-San konzentrierter zum Ausdruck bringt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Im Unterschied zu Giuseppe Verdi oder Richard Wagner dominieren bei Puccini Frauen im Werktitel. Wie kommt das?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Auch wenn es schwierig ist, Parallelen zwischen Kunstwerken und K\u00fcnstlerbiographien zu ziehen: Man k\u00f6nnte meinen, dass Puccini Frauen mochte. Die Frauenfiguren in seinen Opern sind sehr differenziert gezeichnet und stehen dadurch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch wenn es bei den Handlungsmustern seiner Oper gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten gibt, ist doch jede dieser Frauen individuell gestaltet. Im Unterschied zu den (bei Puccini stets m\u00e4nnlichen) B\u00f6sewichten sind die weiblichen Hauptfiguren in der Regel anfangs von einer schlichten Herzensreinheit, wachsen dann aber im Laufe der Handlung zu enormer charakterlicher Gr\u00f6\u00dfe \u2013 das gilt f\u00fcr Mimi, f\u00fcr Tosca, f\u00fcr Minnie (in &#8218;Fanciulla del West&#8216;), f\u00fcr Butterfly, f\u00fcr Suor Angelica \u2013 nicht jedoch f\u00fcr Turandot, die aufgrund ihrer H\u00e4rte (sie l\u00e4sst alle an ihr interessierten M\u00e4nner hinrichten, die ihre R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen) wahrlich keine Sympathietr\u00e4gerin ist.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_79988\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 322px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79988 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/81gKXjbIlL._SY445_.jpg\" alt=\"\" width=\"312\" height=\"445\" \/><span class=\"wp-caption-text\">TOSCA &#8211; Oper von Giacomo Puccini &#8211; Mit Angela Gheorghiu &#8211; Jonas Kaufmann &#8211; Bryn Terfel &#8211; DVD &#8211; Warner Music Group Germany &#8211; ASIN B008K7RGA2<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p><strong>Puccini war ein Lebemann, liebte schnelle Fahrzeuge, wohnte zwischenzeitlich in einem Leuchtturm und qualmte wie ein Schlot. Dass er seine Langzeitgeliebte Elvira, mit der er bereits einen Sohn hatte, schlie\u00dflich doch heiratete, behagte seinem Verleger gar nicht und er sagte \u00fcber sie: \u201eSie saugt ihm Geist, Blut und Leben aus.\u201c Wie kam er darauf?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Puccini war das, was ein Psychologe einmal einen \u201eKrypto-Single\u201c genannt hat. Er war zwar mit Elvira verheiratet, lebte aber gleichzeitig so, als ob er allein w\u00e4re. Das galt sowohl f\u00fcr seine Arbeit wie f\u00fcr sein Privatleben \u2013 er war st\u00e4ndig unterwegs, traf Freunde, war viel allein, hatte zahlreiche Aff\u00e4ren, auch langj\u00e4hrige, mit anderen Frauen. Andererseits hing er zeitlebens sehr an Elvira, \u00fcber deren Schw\u00e4chen und Launen er sich gleichzeitig st\u00e4ndig beklagte. Da er zu Selbstzweifeln bis hin zu Depressionen neigte, kam f\u00fcr ihn eine Trennung niemals in Betracht. Man kann sich vorstellen, dass dies auch Energie absorbierte, die er nach Auffassung von Ricordi besser in seine Arbeit investiert h\u00e4tte.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Welche Oper von Puccini beeindruckt Sie denn am meisten?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Erlach: &#8222;Ich mag besonders die St\u00fccke, die nicht so h\u00e4ufig gespielt werden. Sehr interessant finde ich den dreiteiligen Zyklus &#8218;Il trittico&#8216;, der 1918 uraufgef\u00fchrt wurde. Die drei kurzen, einaktigen St\u00fccke (Il tabarro,\u00a0Suor Angelica\u00a0und\u00a0Gianni Schicchi) haben inhaltlich wenig miteinander zu tun und geh\u00f6ren auch verschiedenen Genres an, aber die Zusammenstellung ist reizvoll und zeigt eine damals sehr innovative Konzeption, die z. B. auch Paul Hindemith 1921 zu einer \u00e4hnlichen Komposition von drei Einaktern inspirierte. Die Klangsprache ist hier viel moderner als z. B. in &#8218;Boh\u00e8me&#8216;, wo das Orchester h\u00e4ufig die Melodien der S\u00e4nger verdoppelt und vieles auf Eing\u00e4ngigkeit ausgelegt ist. Auch &#8218;Turandot&#8216; fasziniert mich immer wieder wegen des herben Sujets, der Widerst\u00e4ndigkeit der Figuren und der stellenweise moderneren Klangsprache. Weiterhin finde ich (als Operetten-Fan) &#8218;La Rondine&#8216; (die Schwalbe) sehr ansprechend, ein leider sehr selten zu h\u00f6rendes St\u00fcck, das 1917 uraufgef\u00fchrt wurde, und sich an der Grenze zwischen Oper und Operette bewegt. Man h\u00f6rt, dass Puccini und Franz Leh\u00e1r sich gekannt und gesch\u00e4tzt haben, aber dass Puccini eben doch ein Opernkomponist war.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"attachment_79989\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-79989\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Pressefoto-Erlach-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"270\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Thomas Erlach &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<div class=\"ti-body\">\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Thomas Erlach<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Thomas Erlach ist seit 2014 Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Didaktik der Musik an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 100 Jahren, am 29. November 1924, starb der ber\u00fchmte italienische Komponist Giacomo Puccini in einer Klinik in Br\u00fcssel (Belgien) &#8211; wenige Tage nach einer Kehlkopfkrebs-Operation. Er wurde 65 Jahre alt. \u00dcber das Leben und Schaffen Puccinis hat sich Autor Uwe Blass im  Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; mit dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Erlach von der Bergischen Universit\u00e4t unterhalten. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-79982","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-14 03:46:09","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79982"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79982\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79990,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79982\/revisions\/79990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}