{"id":79641,"date":"2024-11-12T09:52:29","date_gmt":"2024-11-12T08:52:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=79641"},"modified":"2024-11-20T11:07:07","modified_gmt":"2024-11-20T10:07:07","slug":"so-stellen-sich-studentinnen-eine-geschlechtergerechte-stadt-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/11\/12\/so-stellen-sich-studentinnen-eine-geschlechtergerechte-stadt-vor\/","title":{"rendered":"So stellen sich Studentinnen eine geschlechtergerechte Stadt vor"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_79662\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1342px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79662 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Foto-Sandrock-Nill-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"1332\" height=\"886\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Studentinnen Anna Nill (l.) und Kira Sandrock &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Unter der Webseite \u201equeeringthecity.org\u201c sowie dem Instagram-Kanal &#8222;@queeringthecity_wuppertal&#8220; machen sie ihre Arbeit und ihre Projekte \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich. Sie studieren an der Bergischen Universit\u00e4t im Master und engagieren sich seit ein paar Jahren in Wuppertal f\u00fcr eine gendergerechte Stadt: Kira Sandrock und Anna Nill. Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Serie &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit den beiden Studentinnen unterhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Als erkl\u00e4rte Liebhaberinnen des kreativen Gestaltens spielt ihr Studienfach &#8222;Public Interest Design&#8220; dabei eine entscheidende Rolle. Damit setzen sie professionell Projekte in der Stadt um. \u201ePublic Interest Design ist ein interdisziplin\u00e4rer Master, der sich aus Studierenden aus den Gesellschaftswissenschaften und dem Design zusammensetzt\u201c, erkl\u00e4rt Sandrock, \u201ewir befassen uns mit Stadtentwicklung, mit Teilhabe, mit Transformation im Allgemeinen sowie mit gesellschaftlichen Problemstellungen, die wir dann bearbeiten.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Stadtkaleidoskop<\/strong><\/h4>\n<p>Im August 2023 pr\u00e4sentierten die beiden Studentinnen im Kulturzentrum &#8222;die b\u00f6rse&#8220; bereits ihren Wegweiser mit Orten, die f\u00fcr Frauen, Lesben, inter, trans, nichtbin\u00e4re oder agender Personen (FLINTA*) bedeutsam sind. Unter dem Titel &#8222;Stadtkaleidoskop&#8220; sensibilisiert die gedruckte Stadtkarte, die auch online vorliegt, f\u00fcr die Thematik der Geschlechterdiskriminierung.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eDa haben wir ein niederschwelliges, f\u00fcr alle zug\u00e4ngliches Verzeichnis mit Anlaufstellen erstellt, das sich an FLINTA*-Personen richtet, um ihnen mehr Sichtbarkeit zu geben\u201c, erkl\u00e4rt Sandrock und f\u00e4hrt fort: \u201eDas Stadtkaleidoskop \u00f6ffnet T\u00fcren zu Orten in Wuppertal, die Individualit\u00e4t feiern und Gemeinschaft st\u00e4rken. Das sind Beratungs- und Anlaufstellen, Netzwerke aber auch Bars, Caf\u00e9s, Clubs, Veranstaltungen und digitale Angebote. Wir m\u00f6chten die Orte in unserer Stadt hervorheben und Menschen dazu ermutigen, diese Orte zu entdecken\u201c.<\/p>\n<h4><strong>queeringthecity.org<\/strong><\/h4>\n<p>Die Internetseite <a href=\"http:\/\/www.queeringthecity.org\">www.queeringthecity.org<\/a> und der Instagram-Kanal &#8222;@queeringthecity_wuppertal&#8220; machen die Projekte sichtbar. So k\u00f6nnen sich Interessierte auch nachtr\u00e4glich mit den Inhalten besch\u00e4ftigen, selbst wenn sie an den Veranstaltungen nicht teilnehmen konnten.<\/p>\n<p>Zum Beispiel lassen sich die regelm\u00e4\u00dfig organisierten Stadtspazierg\u00e4nge nun eigenst\u00e4ndig durchf\u00fchren: Die Karte kann genutzt und an den Stationen passende Audios abgespielt werden. \u201eUnser Ziel ist es, die erarbeiteten Inhalte damit so zug\u00e4nglich wie m\u00f6glich zu machen\u201c, erkl\u00e4rt Anna Nill. So habe man nun im Netz alles Gesammelte auf einen Blick.<\/p>\n<h4><strong>Ausstellung \u201eGendergerechte Stadt\u201c am Laurentiusplatz<\/strong><\/h4>\n<p>Kira Sandrock und Anna Nill arbeiten emsig an ihren Projekten. \u201eNach der Ver\u00f6ffentlichung des Stadtkaleidoskops haben wir uns thematisch noch mehr mit dem Stadtraum befasst, um uns dann in &#8222;queeringthecity&#8220; mit verschiedenen Projektbausteinen mit der Frage einer geschlechtergerechten Stadt zu besch\u00e4ftigen,\u201c erkl\u00e4rt Anna Nill. Bereits im Fr\u00fchjahr pr\u00e4sentierten sie zum Weltfrauentag eine partizipative Ausstellung auf dem Laurentiusplatz.<\/p>\n<p>\u201eWir wollten uns mit dem Thema besch\u00e4ftigen, aber nichts den B\u00fcrger*innen \u00fcberst\u00fclpen, sondern mit ihnen ins Gespr\u00e4ch kommen und erst einmal fragen, wie die Personen, die in Wuppertal leben, die Stadt wahrnehmen\u201c, erz\u00e4hlt Anna Nill. \u201eUm das herauszufinden, haben wir diese partizipative Ausstellung entwickelt.\u201c<\/p>\n<p>Auf verschiedenen Infotafeln erfuhr man, an wen eigentlich im \u00f6ffentlichen Raum erinnert wird, bei Mitmachaktionen konnten Interessierte etwa auf einer Stadtkarte Punkte anbringen, die zeigten, an welchen Orten man sich wohlf\u00fchlen oder auch unbehaglich f\u00fchlen kann. Ein Briefkasten lud dazu ein, seine eigenen Geschichten und Erfahrungen, sowohl zu Diskriminierungs- als auch Empowermenterfahrungen im \u00f6ffentlichen Raum aufzuschreiben und den Veranstalterinnen zu \u00fcbergeben. \u201eDieser Briefkasten ist danach noch in einige Initiativen und Gruppen gewandert, wo noch mehr Leute ihre Geschichte aufschreiben konnten. Diese Geschichten haben wir dann mit in unsere Stadtspazierg\u00e4nge einflie\u00dfen lassen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_79663\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79663 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/QUEERING-THE-CITY-Veranstaltung-im-Kulturzentrum-LOCH.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"336\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Anna Nill (l.) und Kira Sandrock bei der Info-Veranstaltung im &#8222;LOCH&#8220; &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4><strong>Stadtspazierg\u00e4nge<\/strong><\/h4>\n<p>Die Stadtspazierg\u00e4nge sind ein weiteres Format, welches sich aus vergangenen Projekten entwickelt hat. \u201eWir haben Stadtf\u00fchrungen, also Stadtspazierg\u00e4nge entwickelt, die ungef\u00e4hr zwei Stunden dauern\u201c, berichtet Sandrock, \u201ewir starten am Laurentiusplatz und drehen eine Runde durch Wuppertal. Wir halten an elf Stellen, die f\u00fcr geschlechtergerechte Stadtgestaltung relevant sind und informieren dort zu verschiedenen Themen, wie die m\u00e4nnlich dominierte Erinnerungskultur, \u00c4ngste von FLINTA* in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen, Freizeitgestaltung, Care-Arbeit und Architektur. In diesen kostenlosen F\u00fchrungen greifen wir dann auch auf die Geschichten aus den Briefk\u00e4sten zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Workshop untersucht vermeintliche Genderprobleme in der Stadt<\/strong><\/h4>\n<p>Vor kurzem haben die beiden Organisatorinnen einen dreit\u00e4gigen Workshop durchgef\u00fchrt, in dem sie sich mit den Teilnehmenden intensiv mit der Stadt besch\u00e4ftigt haben. Dazu Anna Nill: \u201eIn einem Teil des Workshops sollten die Teilnehmenden noch einmal selber in die Stadt gehen, um machtkritisch Fotos von diskriminierenden Strukturen zu machen. Anhand dieser Eindr\u00fccke haben wir dann Probleme definiert und anschlie\u00dfend L\u00f6sungen entwickelt. Zum Abschluss wurden dann noch einzelne beispielhafte Ideen kreativ ausgearbeitet, die dann in der folgenden Veranstaltung im Kulturzentrum &#8222;LOCH&#8220; in einer Ausstellung gezeigt wurden.\u201c<\/p>\n<p>Ein Konzeptpapier mit Forderungen, die Wuppertal zu einer geschlechtergerechteren Stadt werden lassen, wurde am Veranstaltungsabend der Stabsstelle Gleichstellung und Antidiskriminierung \u00fcberreicht. Die Themen wurden in einer Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur, Forschung und Antidiskriminierungsarbeit vertieft. Gemeinsam wurde er\u00f6rtert, wie \u00f6ffentliche R\u00e4ume gestaltet sein m\u00fcssen, um Menschen aller Geschlechter Sicherheit, Zug\u00e4nglichkeit und Lebensqualit\u00e4t zu bieten.<\/p>\n<h4><strong>Wie sollte denn eine gendergerechte Stadt gestaltet sein?<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eEine gendergerechte Stadt muss sich auf jeden Fall mit den Bed\u00fcrfnissen aller Menschen auseinandersetzen, und zwar nicht nur die Bed\u00fcrfnisse mit einbeziehen, sondern auch den betroffenen Personen Gestaltungsmacht geben\u201c, sagt Kira Sandrock. \u201eEs ist ja immer noch so, dass die Stadtgestaltung und auch Entscheidungspositionen oft m\u00e4nnlich besetzt sind. Da kann man dann einen Gender-Mainstreaming-Ansatz dr\u00fcberlegen, der dann besagt, dass Geschlechterfragen immer mitgedacht werden m\u00fcssen, aber so einfach ist es nicht. Es muss auch Gestaltungsmacht umverteilt werden, sodass alle Bev\u00f6lkerungsgruppen die M\u00f6glichkeit haben, mitzuwirken. Das kann einerseits mit Menschen in Entscheidungspositionen passieren, aber eben auch durch Partizipationsm\u00f6glichkeiten.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_79668\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 609px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79668\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/woman-6961784_1280.png\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"374\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Frau &#8211; Divers &#8211; Mann &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Die Erinnerungskultur m\u00fcsse \u00fcberdacht werden, denn die sei sehr m\u00e4nnlich belegt und das zeige sich z. B. in Stra\u00dfennamen oder auch Denkm\u00e4lern. \u201eEs gibt tats\u00e4chlich in Wuppertal mehr Stra\u00dfen, die nach V\u00f6geln benannt sind, als Stra\u00dfen, die nach Frauen benannt sind\u201c, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p>Auch die Situation der \u00f6ffentlichen Toiletten m\u00fcsse ver\u00e4ndert werden, denn das schr\u00e4nke die Freiheit von FLINTA*-Personen extrem ein. Die Themen Sicherheit und Angst m\u00fcssten bearbeitet werden, um ein h\u00f6heres Sicherheitsgef\u00fchl in der Stadt zu schaffen und auch das Thema Freizeitangebote sei wichtig, denn selbst die seien meist m\u00e4nnlich konnotiert.<\/p>\n<p>Wichtig ist den Organisatorinnen vor allem die St\u00e4rkung der Sichtbarkeit des Themas und die Anregung zum Diskurs. \u201eEs gibt einige Diskriminierungen, die wir gar nicht wahrnehmen, weil wir in dieser Welt aufgewachsen sind\u201c,\u00a0 betont Kira Sandrock zum Schluss. \u201eDaf\u00fcr m\u00fcssen wir ein Bewusstsein schaffen, auch in den st\u00e4dtischen Strukturen. Aktuell ist im Stadtentwicklungskonzept noch gar nicht die Rede von geschlechtergerechter Planung oder von geschlechtergerechten Ma\u00dfnahmen. Das muss sich \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<h4><\/h4>\n<div id=\"attachment_79665\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 260px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-79665 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Foto-Sandrock-Nill-Pressefoto-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Anna Nill (l.) und Kira Sandrock &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Anna Nill &amp; Kira Sandrock<\/h4>\n<p>Anna Nill und Kira Sandrock studieren &#8222;Public Interest Design&#8220; im Master an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Gestaltung einer queer-feministischen Stadtkarte mit dem Namen \u201eStadtkaleidoskop\u201c haben die Studentinnen Kira Sandrock und Anna Nill nun das Projekt \u201equeering the city\u201c ins Leben gerufen, dass sich f\u00fcr eine inklusive und geschlechtergerechte Stadtgestaltung einsetzt, so wie sie sich diese vorstellen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-79641","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-21 23:50:11","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79641"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79669,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79641\/revisions\/79669"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}