{"id":77802,"date":"2024-09-09T16:16:44","date_gmt":"2024-09-09T14:16:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=77802"},"modified":"2024-09-09T16:16:44","modified_gmt":"2024-09-09T14:16:44","slug":"die-wissenschaft-nimmt-den-tatort-unter-die-lupe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/09\/09\/die-wissenschaft-nimmt-den-tatort-unter-die-lupe\/","title":{"rendered":"Die Wissenschaft nimmt den &#8222;Tatort&#8220; unter die Lupe"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_77807\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77807 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Leocardia-Hirtes-2022-189-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1873\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Wahl-Wuppertaler Harald Krassnitzer verk\u00f6rpert im Wiener &#8222;Tatort&#8220; den Kommissar Moritz Eisner &#8211; \u00a9 Leocarda Hirtes<\/span><\/div>\n<p>Mit mehr als 1.000 in Deutschland produzierten Folgen ist die &#8222;Tatort&#8220;-Krimi-Reihe in der ARD eine der wichtigsten Institutionen des deutschen Fernsehens \u2013<\/p>\n<h4>Was haben Sie sich dabei gedacht?<\/h4>\n<p>An der Wuppertaler Universit\u00e4t konzentrieren sich die Forschenden unter der Leitung von Soziologieprofessorin Ludgera Vogt darauf, den Entwicklungs- und Gestaltungsprozess der Figuren zu rekonstruieren. Dabei erfassen sie die Perspektive der Produzierenden: Was sind die Ideen, was soll bei den Zuschauenden bewirkt werden und wo liegen Probleme? \u201eDer Start in die Datenerhebung ist im ersten Projektjahr bereits hervorragend gelungen\u201c, berichtet Ludgera Vogt. In bislang 24 qualitativen Interviews haben Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Redaktion, Drehbuch, Regie, Produktion und Darstellung ausf\u00fchrlich von ihren T\u00e4tigkeiten erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>\u201eSie er\u00f6ffnen teils atemberaubende Einblicke in den Maschinenraum des noch immer erfolgreichsten fiktionalen Unterhaltungsformats in Deutschland\u201c, f\u00e4hrt Vogt fort.<\/p>\n<p>Die Interviews zeigten, dass sich der Weg zu einer neuen Tatort-Reihe wie auch zu einer einzelnen Folge als ein komplexer Aushandlungsprozess zwischen vielen Akteuren \u00a0gestaltet \u2013 ein Prozess, der Unw\u00e4gbarkeiten berge. So k\u00f6nne es vorkommen, dass ein schon abgesegnetes Drehbuch ohne R\u00fccksprache mit dem Autoren im Produktionsprozess noch so abge\u00e4ndert wird, dass die \u201eBotschaft\u201c des Films deutlich ver\u00e4ndert wird. \u201eOder, dass Schauspielerinnen und Schauspieler \u00a0unmittelbar vor Drehbeginn einer neuen Reihe mitteilen, dass sie das entwickelte Figurenkonzept nun doch nicht so spielen wollen und mit Androhung des Ausstiegs gravierende \u00c4nderungen einfordern\u201c, gibt Ludgera Vogt Einblicke in erste Erkenntnisse.<\/p>\n<h4>Verschiedene Perspektiven zusammenf\u00fchren<\/h4>\n<p>Sp\u00e4ter ist geplant, neben der Produktionsperspektive auch die Wahrnehmung von Zuschauenden zu erfassen. Das geschieht in Gruppendiskussionen. Bereits jetzt werden die Wuppertaler Ergebnisse fortlaufend verflochten mit medienwissenschaftlichen Analysen zahlreicher Tatort-Folgen der Universit\u00e4t Marburg.<\/p>\n<p>Dort untersuchen die Expertinnen und Experten anhand einer Auswahl mehrerer hundert Folgen, wie die Figuren konstruiert sind: etwa wie sie ihre beruflichen und privaten Rollen interpretieren, wie sie sozial konturiert sind \u2013 beispielsweise in Bezug auf Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung und Milieuzugeh\u00f6rigkeit \u2013, und ob es in ihrer Rolle Hinweise auf den gesellschaftlichen Kontext gibt, in dem sie entstanden sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_77808\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 889px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77808 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ausschnitt_Plakat.jpg\" alt=\"\" width=\"879\" height=\"665\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus dem Plakat des Forschungsprojektes &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Das Gesamtziel besteht darin, in wissenschaftlichen Publikationen eine Typologie der deutschen Tatort-Kommissarinnen und Tatort-Kommissare vorzulegen und so ein umfassendes Bild ihrer Entwicklung \u00fcber die Jahrzehnte hinweg zu zeichnen. \u201eBei so einem erfolgreichen TV-Format lohnt sich das genaue Hinschauen \u2013 es erreicht schlie\u00dflich seit Jahrzehnten zahlreiche Menschen: Da ist es wichtig zu wissen, welche Bilder \u2013 auch des Staates \u2013 hierbei vermittelt werden, und spannend zu sehen, ob Wirkung und urspr\u00fcngliche \u00dcberlegungen auf Seite der Machenden zusammenpassen\u201c, schlie\u00dft Ludgera Vogt.<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt wird mit rund 650.000 Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der Bergischen Universit\u00e4t:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.uni-wuppertal.de\">http:\/\/www.uni-wuppertal.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Projekt \u201eTatort-Kommissarinnen und Tatort-Kommissare im Wandel\u201c deuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Figuren als \u201eSymptome und Symbole eines gesellschaftlichen wie politischen Wandels und vor allem als symbolisch verdichtete Repr\u00e4sentanten des Staates\u201c. Um dieser Annahme auf den Grund zu gehen, betrachten sie den Tatort aus medienwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-77802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-09 19:17:11","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77802"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77809,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77802\/revisions\/77809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}