{"id":77394,"date":"2024-08-24T18:14:56","date_gmt":"2024-08-24T16:14:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=77394"},"modified":"2024-09-06T12:27:19","modified_gmt":"2024-09-06T10:27:19","slug":"igor-albanese-trueffeln-die-schaetze-seiner-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/08\/24\/igor-albanese-trueffeln-die-schaetze-seiner-heimat\/","title":{"rendered":"Igor Albanese: Tr\u00fcffeln &#8211; die Sch\u00e4tze seiner Heimat"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_77407\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77407 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Giancarlo-Zigante-Igor-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1657\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Igor Albanene (r.) genie\u00dft das Treffen mit Gastronom Giancarlo Zigante. Vor ihnen stehen frische Tr\u00fcffeln &#8211; \u00a9 albanese-music<\/span><\/div>\n<p>Eines schl\u00e4gt f\u00fcr seine Wahlheimat Bottrop und das Ruhrgebiet, das andere f\u00fcr die Adria-Halbinsel Istrien, wo er geboren wurde. Die mit einer Fl\u00e4che 3.500 Quadratkilometern gr\u00f6\u00dfte Halbinsel an der n\u00f6rdlichen Adria liegt zwischen dem Golf von Triest und der Kvarner-Bucht vor Rijeka. Der gr\u00f6\u00dfere Teil Istriens geh\u00f6rt politisch zu Kroatien, ein wesentlich kleinerer zu Slowenien.<\/p>\n<p>Mehrmals im Jahr besucht Igor Albanese seine alte Heimat, dessen bester Botschafter er inzwischen ist. Wenn Sie m\u00f6gen, nimmt er Sie in seiner Serie <strong>\u201eIgors Istrien\u201c<\/strong> mit auf eine faszinierende, spannende Reise, liefert Ihnen frei Haus Geheimtipps aus erster Hand und macht Ihnen ganz sicher ein wenig Appetit darauf, die wundersch\u00f6ne Halbinsel einmal selbst zu besuchen.<\/p>\n<p><strong>Lesen Sie hier die 3. Folge:<\/strong><\/p>\n<p><strong>DAS WEISSE GOLD ISTRIENS <\/strong><\/p>\n<p>Ich habe in meinem Leben schon viele Tr\u00fcffel gesehen, gegessen und gefunden \u2013 denn die besten wei\u00dfen Tr\u00fcffeln wachsen in meiner Heimat Istrien an der Adria. Es ist f\u00fcr mich dennoch ein besonderes Erlebnis, ein Ritterschlag, Bepo S\u0107ulac zu treffen, einen der alten Gro\u00dfmeister der Tr\u00fcffelsuche. Gemeinsam mit dessen Hunden unternehmen wir einen Spaziergang durch den Motovun-Wald.<\/p>\n<div id=\"attachment_76283\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 585px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76283 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/cropped-Igor-Istrien-1-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"575\" height=\"303\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 albanese-music<\/span><\/div>\n<h4><strong>TR\u00dcFFEL <\/strong><\/h4>\n<p>Eine Pilzart, die ausschlie\u00dflich in unber\u00fchrter Natur in Symbiose mit bestimmten Baumarten w\u00e4chst. Sie ist in einer Tiefe von f\u00fcnf bis \u00fcber 50 Zentimeter unter der Erdoberfl\u00e4che zu finden. Es gibt in Istrien wei\u00dfe und schwarze Tr\u00fcffeln. Die Wei\u00dfe Tr\u00fcffel gilt als das teuerste Nahrungsmittel der Welt. Die Zeit der wei\u00dfen Tr\u00fcffel ist nur von kurzer Dauer: Von Anfang Oktober bis kurz nach Weihnachten. Der \u201eTr\u00fcffelpapst\u201c Ralf Bos betont: \u201eDie Tr\u00fcffel, die in der kulinarischen Bundesliga mitspielen, m\u00fcssen aus der richtigen Gegend stammen.\u201c<\/p>\n<p>Die richtige Gegend f\u00fcr die k\u00f6nigliche Wei\u00dfe Tr\u00fcffel (lat. Tuber Magnatum Pico) sind die Regionen um das St\u00e4dtchen Alba in Piemont und um die Tr\u00fcffelhochburg Livade in Istrien. Tr\u00fcffeln sind reich an Kalium, Phosphor, Schwefel Magnesium, Eisen und Kalzium. Durch die synergetische Wirkung dieser Elemente sind sie extrem nahrhaft. Seit der Antike werden Tr\u00fcffeln auch als Aphrodisiakum gesch\u00e4tzt. Aphrodisierend ist zweifellos auch ihr Preis \u2013 im Dezember 2017 erreichten sie Spitzenwerte von \u00fcber 6.500 Euro pro Kilogramm.<\/p>\n<p>Der r\u00f6mischer Kaiser Nero nannte sie \u201eDIE NAHRUNG DER G\u00d6TTER\u201c<\/p>\n<p>Die von Nebelschwaden umwehten mittelalterlichen D\u00f6rfer auf den H\u00fcgeln und die gelbroten Bl\u00e4tter, die den Waldboden bedecken, bieten eine magische Kulisse. Die verborgenen T\u00e4ler und verschlungenen Pfade entlang des Flusses Mirna sind das ideale Terrain f\u00fcr die Wei\u00dfe Tr\u00fcffel. Der bereits weit \u00fcber achtzigj\u00e4hrige Tr\u00fcffelsucher Bepo S\u0107ulac hat mich zu einem Spaziergang durch diese Tr\u00fcffelw\u00e4lder mitgenommen. Mein Gesch\u00e4ftspartner, der Tr\u00fcffelbaron Giancarlo Zigante, hat ihn darum gebeten, denn ich m\u00f6chte mehr \u00fcber die Tr\u00fcffeln in Istrien erfahren.<\/p>\n<p>Und wer k\u00f6nnte mir mehr \u00fcber Tr\u00fcffeln erz\u00e4hlen als Bepo S\u0107ulac, einer der alten Gro\u00dfmeister der Tr\u00fcffelsuche? Ich f\u00fchle mich geehrt, ihn zu treffen. In Livade, der Tr\u00fcffelhochburg Istriens, parken wir den Wagen vor dem ber\u00fchmten Tr\u00fcffelspezialit\u00e4tenrestaurant Zigante. Von da aus geht es einen schmalen Weg entlang in den Wald hinein. Bepos Gang ist aufrecht, und seine Erinnerungen halten mich gefangen. Seine Hunde begleiten uns, heute ausnahmsweise nicht im Dienst.<\/p>\n<div id=\"attachment_77408\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77408 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/IMG_0215-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1523\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Igor Albanese (r.) mit Bepo S\u0107ulac, der seit vielen Jahren als Tr\u00fcffelsucher erfolgreich unterwegs ist &#8211; \u00a9 albanese-music<\/span><\/div>\n<h4>RESPEKT VOR DER NATUR<\/h4>\n<p>\u201eDie Tr\u00fcffelsuche beginnt in der Regel fr\u00fch am Morgen oder am sp\u00e4ten Abend, wenn die Feuchtigkeit die D\u00fcfte im Boden verst\u00e4rkt und so das Auffinden erleichtert\u201c, f\u00e4ngt er an. \u201eDoch es gibt keine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Tr\u00fcffelsuche. Jeder Sucher hat seine eigenen Weisheiten. Nicht nach Vollmond, sagte mein Vater, da findest du keine einzige Knolle. Eins ist aber sicher: Erst wenn sie der Frost tiefer in den Boden getrieben hat, entwickeln sie ihr volles Aroma. Wenn danach der Boden bricht und zusammenf\u00e4llt, ist die Ernte gut &#8211; Ohne Frost keine Tr\u00fcffeln.\u201c<\/p>\n<p>Seine Hunde laufen still in alle Richtungen und beschn\u00fcffeln die feuchte Erde. \u201eSpeta Luna, speta!\u201d, ruft Bepo im istrisch-italienischen Dialekt und l\u00e4uft der kleinen H\u00fcndin hinterher. Luna, die nur Italienisch versteht, zeigt brav die getr\u00fcffelte Erde mit der Schnauze an und kassiert ein Hundebonbon, von denen Bepo immer welche in seinen Taschen tr\u00e4gt: \u201eSie hat richtig gerochen und daf\u00fcr bekommt sie eine Belohnung. Doch leider war jemand vor uns da.\u201c<\/p>\n<p>Dabei schaut er traurig auf die zerr\u00fcttete Erde und beugt sich hinunter. Er bedeckt die Stelle mit Laub, um den Kreislauf der Natur wieder ins Lot zu bringen. \u201eWenn du die Fundstelle so respektlos hinterl\u00e4sst, wachsen die Tr\u00fcffeln hier nie wieder. Zu meiner Zeit gab es in dieser Gegend insgesamt nur vier Tr\u00fcffelsucher. In ganz Istrien waren es 25. Heute sind es \u00fcber 1.500 registrierte Sucher. Viele von ihnen respektieren diese Erde leider nicht.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_77409\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-77409\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/DSC_0207-00-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1700\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Tr\u00fcffelsucher mit seinen Hunden in den W\u00e4ldern Istriens bei der Arbeit &#8211; (c) fotoprizma.com<\/span><\/div>\n<p>Der Respekt vor der Natur ist im Tr\u00fcffelhandwerk eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und ein Muss. Wie auch die Goldgr\u00e4ber halten die Sucherfamilien ihre Fundstellen seit Generationen geheim.<\/p>\n<h4>DIE GR\u00d6SSTE TR\u00dcFFEL DER WELT<\/h4>\n<p>\u201e1999 fand Giancarlo Zigante hier, in diesem Wald, die gr\u00f6\u00dfte Wei\u00dfe Tr\u00fcffel der Welt\u201c, erz\u00e4hlt Bepo stolz weiter. \u201e1.311 Gramm hat sie gewogen. Damit steht er im Guinnessbuch der Rekorde. Und anstatt die Knolle f\u00fcr damals etwa 10.000 DM zu verkaufen, bereitete er ein gigantisches Tr\u00fcffel-R\u00fchrei f\u00fcr das ganze Dorf zu.\u201c<\/p>\n<p>Wir laufen weiter. Vor uns, zwischen bewaldeten Fl\u00e4chen, \u00fcberall tiefe Stille. \u201e\u010cekaj Jenny, \u010dekaj!\u201c Bepos Rufe, diesmal auf Kroatisch, unterbrechen die Stille. Jenny, die nur Kroatisch versteht, w\u00fchlt in der Erde. Sie findet ein kleines Kn\u00f6llchen und zieht sich vornehm zur\u00fcck, um Bepo Platz zu machen. Behutsam holt er die Tr\u00fcffel aus der Erde heraus, um das filigrane Wurzelgewebe im Boden nicht zu zerst\u00f6ren. Auch f\u00fcr Jenny hat er ein Hundebonbon parat. \u201eSind das alles weibliche Hunde?\u201c, frage ich. \u201eFast ausschlie\u00dflich weiblich\u201c, antwortet Bepo.<\/p>\n<p>\u201eDie Tr\u00fcffeln sind auch f\u00fcr sie ein Aphrodisiakum. Das Erste, was so ein Tr\u00fcffelhund in seinem Leben gerochen hat, ist der Tr\u00fcffelgeruch, denn die Brustwarzen der Hundemutter werden mit dem Tr\u00fcffel-\u00d6l eingerieben, der erste Spielball ebenso.\u201c W\u00e4hrend wir weiterlaufen, doziert Bepo: \u201eErst nachdem sie v\u00f6llig ausgereift sind, k\u00f6nnen die Tr\u00fcffeln erschnuppert werden. Es kann passieren, dass du vormittags ergebnislos an der Stelle vorbeil\u00e4ufst und am Nachmittag findest du dann an derselben Stelle mehrere gro\u00dfe Tr\u00fcffeln.\u201c<\/p>\n<h4>TR\u00dcFFELHUNDE GEH\u00d6REN ZUR FAMILIE<\/h4>\n<p>Ist das mit den Schweinen nur eine Legende?\u00a0 \u201eNa ja, in Istrien schon. Schweine kannst du nicht erziehen. Au\u00dferdem fressen sie die Tr\u00fcffeln. Hunde fressen die Tr\u00fcffeln meistens nicht, und sie w\u00fchlen nicht so rabiat in der Erde, wie es die Schweine tun. Hunde sind au\u00dferdem stolz, wenn sie einen Fund anzeigen k\u00f6nnen. Mein alter Hund fand eine Wei\u00dfe Tr\u00fcffel von 800 Gramm, legte sich vor Freude auf den R\u00fccken und reckte alle vier Beine in die Luft. Die Tr\u00fcffel habe ich damals gegen einen Ochsen getauscht.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_77410\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77410 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/DSC_3463-00-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1696\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ende einer erfolgreichen Suche: Gefundene Tr\u00fcffeln &#8211; \u00a9 albanese-music<\/span><\/div>\n<p>Er schaut liebevoll seine vierbeinigen Freunde an. \u201eUnd obwohl sie manchmal eine Tr\u00fcffel mit den Z\u00e4hnen angebissen und einen m\u00f6glichen Schaden von einigen 100 Euro angerichtet haben, muss ich sie belohnen. Wenn sie keine Belohnung bekommen, zeigen sie mir nichts mehr.\u201c\u00a0 \u201eWie viel kostet so ein Tr\u00fcffelhund?\u201c, frage ich.<\/p>\n<p>\u201eReinrassige Tr\u00fcffelhunde gibt es nicht. Das sind meistens Mischlinge und sie sind wertvoll. Der Preis f\u00e4ngt bei 1.500 Euro an und kann bis weit \u00fcber 20.000 \u20ac steigen. Doch ein guter Hund kann die Investition in zwei Wochen rechtfertigen\u201c, erkl\u00e4rt Bepo. Seine Hunde w\u00fcrde er f\u00fcr kein Geld der Welt verkaufen. Sie sind Teil der Familie.<\/p>\n<h4>HEU, WEIN UND TR\u00dcFFELN<\/h4>\n<p>Bepo fing mit 15 Jahren an zu suchen. Seine Eltern waren damals w\u00fctend, weil das ganze Dorf nach Tr\u00fcffel stank. Er lief jeden Tag 50 bis 60 Kilometer, schlief drei N\u00e4chte im Heu. Von sieben Kilogramm Tr\u00fcffeln, die er gefunden hatte, waren drei Kilogramm sein eigener Proviant. Er a\u00df sie pur oder in der Pfanne auf dem Lagerfeuer gebraten. Und immer hatte er drei bis vier Liter Wein dabei. \u201eMein damaliger Hund trug die leere Flasche vom Feld mit nach Hause und brachte eine volle zur\u00fcck\u201c, erinnert er sich. \u201eDer Hund verstand zuerst nur Italienisch und musste nach dem Krieg, als Istrien ein Teil Jugoslawiens wurde, Kroatisch lernen.\u201c<\/p>\n<p>Unter einer Pappel in der N\u00e4he hat er einmal sechs drei Kilo schwere St\u00fccke gefunden, erz\u00e4hlt er weiter. Sie waren so verfault, dass der Hund nicht weiter graben wollte. Danach gab es 23 Jahre unter diesem Baum keine einzige Tr\u00fcffel mehr. Der Baum gab den Tr\u00fcffeln die Kraft. Die 18 Kilo haben sowohl den Baum als auch die Tr\u00fcffeln v\u00f6llig ersch\u00f6pft.<\/p>\n<div id=\"attachment_77414\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-77414\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/DSC_0175-00-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1700\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tr\u00fcffelsuchhunde sind sehr wertvolle Tiere. Sie kosten zwischen 1.500 und 30.000 Euro &#8211; (c) fotoprizma.com<\/span><\/div>\n<p>Ob Bepo schon versucht hat, Tr\u00fcffeln zu z\u00fcchten, interessiert mich. \u201eDas geht leider kaum\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eDoch einmal fand ich am Anfang der Saison eine von 500 Gramm. Ich habe sie wieder eingegraben, und nach sechs Wochen war sie 800 Gramm schwer.\u201c Ende November sind die Wei\u00dfen Tr\u00fcffeln am besten. Je wei\u00dfer die Haut und dunkler das Fleisch, desto besser ist die Tr\u00fcffel.<\/p>\n<p>\u201eZu Titos Zeiten wussten die Bauern nicht, wie wertvoll die Tr\u00fcffeln sind. Damals haben wir sie haupts\u00e4chlich nach Italien geschmuggelt. Das war nicht einfach, denn sie riechen so intensiv.\u201c Er schwelgt in Erinnerungen. \u201eWir haben sie in ein Tuch eingewickelt und in eine Plastikt\u00fcte gelegt, die T\u00fcte wieder in ein Tuch gewickelt und das Tuch mit Benzin begossen. Das Ganze haben wir dann in Autoreifen versteckt und so sind wir \u00fcber die Grenze gefahren. Die Grenzpolizisten von damals waren hart. Ihre Hunde auch, aber wir konnten ihre Nasen \u00fcberlisten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie meisten verkaufen wir auch heute noch nach Italien. Offiziell selbstverst\u00e4ndlich\u201c, schmunzelt er. \u201eIn Alba k\u00f6nnten sie ohne istrische Tr\u00fcffeln den Laden schlie\u00dfen. Das ist in der Tr\u00fcffelszene eine bekannte Tatsache.\u201c Der Spaziergang ist langsam zu Ende und wir kehren zur\u00fcck zum Restaurant Zigante, wo wir zu Mittag essen wollen. Auf dem Parkplatz sind einige Sportwagen aus Italien geparkt.<\/p>\n<h4>DIE VERSUCHUNG TR\u00dcFFEL<\/h4>\n<p>\u201eGibt es hier auch Schlangen?\u201c, will ich noch wissen. \u201eSelbstverst\u00e4ndlich, aber die sammle ich nicht\u201c, antwortet Bepo wie selbstverst\u00e4ndlich, w\u00e4hrend er mit einem kleinen Besen seine Stiefel s\u00e4ubert. Meine Stiefel sind bereits sauber, und ich betrachte die zwei neuen Auszeichnungen am Eingang des Restaurants Zigante: MasterCard \u201eWorld Priceless\u201c und die neuen Michelin Guide Auszeichnungen. Und ich freue mich darauf.<\/p>\n<div id=\"attachment_77411\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2205px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77411 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/DSC_8949-01.jpg\" alt=\"\" width=\"2195\" height=\"1453\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tr\u00fcffeln &#8211; das wei\u00dfe Gold Istriens &#8211; \u00a9 albanese-music<\/span><\/div>\n<p>Im Restaurant ist es angenehm voll. \u017darko, mein Lieblingskellner, begr\u00fc\u00dft uns mit Handschlag. \u017darko, der seit \u00fcber zwei Jahrzehnten in diesem Gourmettempel serviert, ist eigentlich Tierarzt, doch die Tr\u00fcffeln halten ihn hier gefangen. Er bringt uns zum Tisch und ich genie\u00dfe die D\u00fcfte. Der Geruch von Tr\u00fcffeln erinnert an den Geruch von reifem Knoblauch, frisch gem\u00e4htem Gras, Laub oder Moos \u2013 doch sie schmecken wesentlich milder, als der Geruch es vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<h4>WIE DAS PARF\u00dcM EINER FRAU<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend wir auf das Essen warten, m\u00f6chte ich noch mehr erfahren: \u201eWie erkenne ich eine verdorbene Tr\u00fcffel?\u201c \u2013 \u201eAm Geruch\u201c, meint Bepo, \u201eund eine verdorbene Tr\u00fcffel ist einfach nicht mehr fest.\u201c Und wie lagert er die Tr\u00fcffeln? \u201eIch wickle sie in ein Papiertuch und lege sie ins Eier Fach in den K\u00fchlschrank. Das Tr\u00fcffelaroma erobert auch die Eier, und am n\u00e4chsten Tag mache ich mir ein leckeres R\u00fchrei.\u201c<\/p>\n<p>Bepo lacht pl\u00f6tzlich. \u201eEin Chinese hat seinem Chef in China Wei\u00dfe Tr\u00fcffeln aus Istrien geschenkt und als \u201aWei\u00dfes Gold\u2018 gepriesen. Sein Chef hat die Tr\u00fcffeln wie Gold in den Tresor eingelagert. Die \u00dcberraschung war gro\u00df, als er nach einigen Wochen den Tresor wieder \u00f6ffnete.\u201c Die Geschichte heitert uns auf.<\/p>\n<p>\u201eWie bereitest du sie am liebsten zu?\u201c \u2013 \u201eNa ja, Tr\u00fcffeln sind wie das Parf\u00fcm bei einer Frau.\u201c W\u00e4hrend wir mit einem Glas Malvasia ansto\u00dfen, redet Bepo wie ein Verliebter. \u201eSobald die Tr\u00fcffel das Essen \u201aber\u00fchrt\u2018, veredelt sie es. Je einfacher das Gericht, desto besser kommt das Tr\u00fcffelaroma zur Geltung.\u201c Geheimnisvoll, fast magisch \u2013 denke ich und genie\u00dfe das hervorragende Rinderfilet mit Wei\u00dfen Tr\u00fcffeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_77413\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77413 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/DSC_8852-00-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1695\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die wohl wertvollsten Lebensmittel der Welt: Wei\u00dfe Tr\u00fcffeln &#8211; \u00a9 albanese-music<\/span><\/div>\n<p>Beim Abschied vor dem Restaurant Zigante umarmen wir uns, wie alte Freunde und Bepo wechselt auf die andere Stra\u00dfenseite, wo vor einer einfachen istrischen Konoba ein ebenso alter Herr an seinem Weinglas nippt. Zu ihm angekommen, dreht sich Bepo zu mir: \u201eDas da ist mein alter Freund, der Ex-Polizist, der mir damals, zu Titos Zeiten, gnadenlos auf den Fersen war\u201c.<\/p>\n<p>Er klopft seinen alten Widersacher auf die Schulter: \u201eEin harter Knochen\u201c.\u00a0 Die zwei alten M\u00e4nner, die Geschichte Istriens mitgeschrieben haben, sto\u00dfen ihre Weingl\u00e4ser zusammen und verlieren sich lachend gemeinsam \u00fcber die alten Zeiten\u2026<\/p>\n<h4>Wissenswertes \u00fcber Tr\u00fcffeln<\/h4>\n<p>Baronin Barbara von H\u00fctterott, die am Anfang des 20. Jahrhunderts das Tr\u00fcffelgesch\u00e4ft in Istrien aufbaute, erkundigte sich bereits damals, ob es m\u00f6glich sei, eine Lebensversicherungs-Police auch f\u00fcr Tr\u00fcffelhunde abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>1999 fand Giancarlo Zigante die gr\u00f6\u00dfte wei\u00dfe Tr\u00fcffel der Welt \u2013 1.311 Gramm \u2013 und steht damit im Guinnessbuch der Rekorde. Die Tr\u00fcffel im Wert von damals \u00fcber 10.000 DM hat er nicht verkauft, sondern in einem ebenso Guinness-Buch gewinnverd\u00e4chtigen gro\u00dfen Omelett mit der Dorfgemeinschaft verzehrt.<\/p>\n<p><strong>IGOR ALBANESE<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Link zu Webseite von IGOR ALBANESE:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.albanes-music.de\">http:\/\/www.albanes-music.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Demn\u00e4chst lesen SIE an gleicher Stelle die 4. Folge der\u00a0 Serie &#8222;Igors Istrien&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist ein begnadeter Musiker, Musik-Produzent, Konzertveranstalter, Networker, Autor und Tr\u00fcffel-Experte.\u00a0Viele Jahre f\u00fchrte er erfolgreich das Szene-Restaurant \u201eLeonardo\u201c, in dem sich die Gesellschaft der Ruhr-Metropole Essen zum Speisen und zum Plaudern traf. Igor Albanese ist ein Kommunikator, in dessen Brust zwei Herzen schlagen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-77394","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lifestyle"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 11:58:24","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77394"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77394\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77418,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77394\/revisions\/77418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}