{"id":77365,"date":"2024-08-25T18:21:01","date_gmt":"2024-08-25T16:21:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=77365"},"modified":"2024-08-30T09:40:25","modified_gmt":"2024-08-30T07:40:25","slug":"michael-wessel-wuerde-heute-keinen-pflegedienst-mehr-gruenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/08\/25\/michael-wessel-wuerde-heute-keinen-pflegedienst-mehr-gruenden\/","title":{"rendered":"Michael Wessel: W\u00fcrde heute keinen Pflegedienst mehr gr\u00fcnden"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_77370\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77370 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Pflege-am-Limit_PK-22.8.24_4_Credit-Pflege-Wessel-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1716\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Angeregte Diskussion bei der Pressekonfeenz in der Kunsthalle Wessel: (v.l.) Claudia Weber, Daniela Kebel, Michael Wessel und Timo Brandes &#8211; \u00a9 Pflege Wessel<\/span><\/div>\n<p>Die Branche, die rund die H\u00e4lfte aller Pflegebed\u00fcrftigen in Deutschland pflegt, f\u00fchlt vom Staat und von den Krankenkassen im Stich gelassen. \u201eIch w\u00fcrde heute keinen Ambulanten Pflegedienst mehr gr\u00fcnden, weil das Risiko viel zu gro\u00df ist\u201c. Klare Worte von Michael Wessel, der seit \u00fcber zwei Jahrzehnten einen von 73 Pflegediensten in Wuppertal erfolgreich f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Claudia Weber vom ambulanten Pflegedienst Cura in K\u00f6ln und Timo Brandes vom Pflegedienst Ostviertel M\u00fcnster \u00e4u\u00dferten auf einer Pressekonferenz der Kampagne \u201ePflege am Limit\u201c \u00e4hnlich. \u201eIn Teilbereichen der Pflege zahlen wir inzwischen sogar drauf. Wir berechnen bei jedem Patienten, ob er sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohnt. Anders geht es aber leider nicht. Schlimm, was aus der Pflege geworden ist\u201c, klagt die Unternehmerin, die ihren Betrieb am Rhein seit \u00fcber 20 Jahren f\u00fchrt.<\/p>\n<h4>Nur die h\u00f6chstwertige Leistung wird bezahlt<\/h4>\n<p>Das Sterben der vielen Pflegedienste geht selbstverst\u00e4ndlich zu Lasten der Pflegebed\u00fcrftigen, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden von den verbleibenden Pflegeunternehmen abgelehnt werden oder unter eingeschr\u00e4nkten Leistungen leiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein Blick auf den in diesen Zeiten grauen Alltag der ambulanten Pflegedienste: Pro Patient, der mehrere \u00e4rztlich verordnete Leistungen bei demselben Einsatz bekommt, kann nur die h\u00f6chstwertige abgerechnet werden. Alle weiteren Leistungen, die vorgeschriebener Weise erbracht werden m\u00fcssen, sind unfreiwillig kostenloser Service der Pflegedienste.<\/p>\n<div id=\"attachment_77373\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77373 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Pflege-am-Limit_PK-22.8.24_3_Credit-Pflege-Wessel-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1461\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bei derPressekonferenz in der Kunsthalle Wessel: Daniela Kebel, Pressereferentin von Pflege Wessel, Michael Wessel, Inhaber Pflege Wessel &#8211; \u00a9 Pflege Wessel<\/span><\/div>\n<p>2022 ist die Tarifpflicht f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte eingef\u00fchrt worden. Seither sind die Geh\u00e4lter st\u00e4ndig gestiegen, was unterm Strich zu 30 Prozent h\u00f6heren Lohnkasten f\u00fcr Pflegeunternehmen gef\u00fchrt hat. Die Berechnungsgrundlagen sind zum Teil \u00fcber 20 Jahre alt. \u201eWir sind fr\u00fcher mit einer Mischkalkulation beim Abrechnen der Leistungen gut \u00fcber die Runden gekommen. Diese Rechnung geht aber heute nicht mehr auf\u201c, Timo Brandes vom Pflegedienst Ostviertel M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Das Problem: Von den rund 30 Prozent h\u00f6heren Lohnkosten durch die Tarifpflicht k\u00f6nnen momentan nur bis zu 15 Prozent maximal refinanziert werden. Da klafft eine Riesen-Loch. Dabei steigt der Bedarf an ambulanter Pflege st\u00e4ndig. Der Markt wird also gr\u00f6\u00dfer, dennoch wird die Luft f\u00fcr die ambulanten Pflegedienste durch die engen Leitplanken, die Politik und Krankenkassen setzen, immer d\u00fcnner. Deshalb die Kampagne als &#8222;Wachr\u00fcttel-Aktion&#8220;.<\/p>\n<h4>Die Politik ist gefordert<\/h4>\n<p>Die Politik ist gefordert! Aber Brandbriefe an alle gesundheitlichen Sprecher in NRW und im Bund blieben ohne die erhoffte Resonanz. Dass der schriftliche \u201eHilferuf\u201c bei Bundekanzler Olaf Scholz bislang auf taube Ohren stie\u00df, d\u00fcrfte die wenigsten \u00fcberraschen.<\/p>\n<p>Auf Gesundheitsminister Karl Lauterbach scheint der Brandbrief zumindest ein wenig Eindruck gemacht zu haben. Immerhin soll er noch in diesem Jahr eine Pflegereform planen. \u201eVielleicht w\u00e4re es die beste L\u00f6sung, alles auf null zu stellen und die ganze Pflege noch einmal ganz neu zu regeln.\u201c Das Schlusswort von Michael Wessel.<\/p>\n<p><strong>Text Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_77372\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77372 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Pflege-am-Limit_PK-22.8.24_Credit-Pflege-Wessel-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1426\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Gruppenbild mit Dame: (v.l.) Timo Brandes, Michael Wessel, Claudia Weber und Florian Weber &#8211; \u00a9 Pflege Wessel<\/span><\/div>\n<h2>Die Forderungen der Kampagne \u201ePflege am Limit\u201c<\/h2>\n<p>Und das ist\u00a0 der Forderungs-Katalog an Staat und Krankenkassen, den die Mitglieder der Kampagne \u201ePflege am Limit\u201c zu Papier gebracht haben:<\/p>\n<h4>Deckel der Pflegegrade anheben<\/h4>\n<p>Die Deckelbetr\u00e4ge aller Pflegegrade (Die Red.: Es gibt insgesamt 5 Pflegegrade) m\u00fcssen dringend um mindestens 40 Prozent angehoben werden, um Patienten weiterhin ad\u00e4quat versorgen zu\u00a0 k\u00f6nnen. Die bisherige Anhebung ausschlie\u00dflich f\u00fcr Pflegesachleistungen bewirkt n\u00e4mlich nur eines: Pflegedienste erbringen in Summe weniger Leistungen f\u00fcr ihre Patienten, weil die Kostenobergrenze schneller erreicht ist. Dadurch steigt auch die Belastung der Pflegebed\u00fcrftigen: Entweder sie zahlen selbst einen Teil der Pflegeleistungen, sie verzichten auf Leistungen oder werden zu Sozialhilfeempf\u00e4ngern. Das kann von der Politik nicht gewollt sein.<\/p>\n<h4>Gleichstellung beim Pflegeunterst\u00fctzungs- und \u2013entlastungsgesetz (PUEG)<\/h4>\n<p>Private Pflegeunternehmen werden von der Bundesregierung in Bezug auf das Pflegeunterst\u00fctzungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) finanziell deutlich schlechter gestellt als vollstation\u00e4re Einrichtungen. Das PUEG sieht n\u00e4mlich f\u00fcr ambulant betreute Wohngemeinschaften keine Erh\u00f6hung der Leistungszuschl\u00e4ge vor, wodurch diese Wohnform von der Politik klar benachteiligt wird. \u201eDie Leistungszuschl\u00e4ge, die die Pflegeversicherung nach \u00a7 43c SGB XI f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige ab Pflegegrad 2 in vollstation\u00e4ren Pflegeeinrichtungen \u00fcbernimmt, werden erh\u00f6ht. Die H\u00f6he der monatlichen Zuschl\u00e4ge ist dabei abh\u00e4ngig von der Verweildauer der Pflegebed\u00fcrftigen in der vollstation\u00e4ren Pflege.\u201c (Quelle Bundesgesundheitsministerium). Wir fordern eine Gleichstellung der ambulant betreuten Wohngemeinschaften mit den vollstation\u00e4ren Pflegeeinrichtungen und somit die Erh\u00f6hung der Leistungszuschl\u00e4ge in derselben H\u00f6he.<\/p>\n<h4>Investitionspauschale deutlich anheben<\/h4>\n<p>Auch die Investitionspauschale ist in der jetzigen H\u00f6he nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Sie ist seit mehr als 20 Jahren nicht angehoben worden und liegt noch immer bei, 2,15 Euro pro Pflegestunde f\u00fcr Leistungen nach SGB XI. Ein realistischer Betrag liegt bei mindestens 6,45 Euro und muss k\u00fcnftig dynamisch an steigende Kosten und Inflation angepasst werden.<\/p>\n<h4>Reform der Ausbildungsumlage<\/h4>\n<p>Die Politik ist ebenfalls gefordert, die Ausbildungsumlage zu reformieren. Denn auch hier liegt eine klare finanzielle Benachteiligung der ambulanten Pflegedienste vor, die s\u00e4mtliche Kosten tragen. Um dies gerechter zu gestalten, sollten sich alle, die von ausgebildeten Pflegekr\u00e4ften profitieren, an den Kosten der Ausbildung beteiligen. Hier sind vor allem Personaldienstleister in die Pflicht zu nehmen.<\/p>\n<h4>Zahlungsmoral der Kassen und Sozialhilfetr\u00e4ger<\/h4>\n<p>Obwohl die Kassen einer gesetzlichen Zahlungspflicht unterliegen, halten sie diese kaum ein. Im Gegenteil: Unternehmen warten oft Monate lang auf die Erstattung der Kosten. Wir appellieren an die Politik, die Kassen anzuweisen, fristgerechte Zahlungen zu leisten. Die au\u00dfenstehenden Betr\u00e4ge k\u00f6nnen kaum kompensiert werden und gef\u00e4hrden die Versorgung der Patienten, die im schlimmsten Fall nicht mehr gew\u00e4hrleistet werden kann.<\/p>\n<h4>Deckelung der Personaldienstleister<\/h4>\n<p>Die Gleichstellung von Tariflohn in der Pflege und den L\u00f6hnen der Personaldienstleister m\u00fcssen gesetzlich verankert werden.<\/p>\n<h4>SCB V-Leistungen alle verg\u00fcten<\/h4>\n<p>Wir fordern dringend, s\u00e4mtliche Leistungen, die bei ein- und demselben Einsatz und Patienten nach SGB V erbracht werden, auch zu bezahlen. Aktuell kann lediglich die h\u00f6chstwertige Leistung abgerechnet werden, w\u00e4hrend alle weiteren, untergeordneten Leistungen zwar erbracht werden m\u00fcssen, aber de facto unbezahlte Service-Leistungen sind.<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der Kampagne \u201ePflege am Limit\u201c:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pflege-am-limit.de\">http:\/\/www.pflege-am-limit.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite von Pflege Wessel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pflege-wessel.de\">http:\/\/www.pflege-wessel.de<\/a><\/p>\n<h3>LESEN SIE auch das gro\u00dfe Interview: &#8222;Michael Wessel: Ohne Hilfe geht die Pflege am Stock&#8220;<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/04\/28\/michael-wessel-ohne-hilfe-geht-die-pflegebranche-am-stock\/\">https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/04\/28\/michael-wessel-ohne-hilfe-geht-die-pflegebranche-am-stock\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201ePflege am Limit!\u201c nennt sich die vom Wuppertaler Unternehmer Michael Wessel (Pflege Wessel) gegr\u00fcndete bundesweite Initiative. Der Slogan klingt wie ein Hilferuf und er ist auch einer. Denn viele privat gef\u00fchrte Ambulante Pflegedienste gehen mittlerweile buchst\u00e4blich \u201eam Stock\u201c. Allein 2023 mussten 800 Unternehmen Insolvenz anmelden. Tendenz steigend!<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-77365","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wirtschaft"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 11:59:10","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77365"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77365\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77376,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77365\/revisions\/77376"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}