{"id":77232,"date":"2024-08-19T17:24:34","date_gmt":"2024-08-19T15:24:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=77232"},"modified":"2024-08-23T12:15:01","modified_gmt":"2024-08-23T10:15:01","slug":"promenade-des-noerdlichen-wupperufers-wird-hans-singer-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/08\/19\/promenade-des-noerdlichen-wupperufers-wird-hans-singer-weg\/","title":{"rendered":"Promenade des n\u00f6rdlichen Wupperufers wird Hans-Singer-Weg"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_77234\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2372px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77234 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Frambach_MK5_0670.jpg\" alt=\"\" width=\"2362\" height=\"1697\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Hans Frambach, \u00d6konom an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Mathias Kehren<\/span><\/div>\n<p>In der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; erinnert Volkswirt Prof. Dr. Hans Frambach im Gespr\u00e4ch mit Autor Uwe Blass an Hans Wolfgang Singer, nach dem in diesen Tagen in Wuppertal ein Weg benannt wird.<\/p>\n<p><strong>In Fachkreisen ist Hans Wolfgang Singer hochgesch\u00e4tzt, vielen Wuppertalern war er dennoch nicht bekannt. Wer war dieser Mann?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Hans Wolfgang Singer wurde am 29.11.1910 in Elberfeld geboren und starb am 26.02.2006 in Brighton. Sein Vater Heinrich war ein in Elberfeld angesehener Arzt und Apotheker. Hans Singer studierte Volkswirtschaftslehre an der Universit\u00e4t Bonn u.a. bei Joseph Schumpeter und Arthur Spiethoff, emigrierte nach der Macht\u00fcbernahme der Nazis 1933 \u00fcber die T\u00fcrkei nach England. Auf Vermittlung von Schumpeter erhielt er ein Stipendiat an der Cambridge University, wo er 1936 zum Thema \u201eMaterials for the Study of Urban Ground Rent\u201c im unmittelbaren Umfeld von John Maynard Keynes (britischer \u00d6konom) promovierte.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Von 1936 bis 1938 wirkte er an einer umf\u00e4nglichen Pionierstudie \u00fcber Arbeitslosigkeit in Gro\u00dfbritannien mit. Die aus dieser Studie gezogenen Lehren und Erfahrungen sollten gro\u00dfen Einfluss auf seinen weiteren wissenschaftlichen Werdegang aus\u00fcben. Mit Kriegsbeginn wurde Singer, wie alle deutschen Immigranten, interniert, kam jedoch bereits nach sechs Wochen auf pers\u00f6nliche Intervention von John Maynard Keynes und Erzbischof William Temple frei. Er arbeitete in den folgenden Jahren als Dozent an der Universit\u00e4t Manchester, nach Kriegsende auch kurz im \u201eMinistry of Town and Country Planning\u201c und anschlie\u00dfend an der University of Glasgow. 1947 wechselte Hans Singer zu den Vereinten Nationen nach New York, um dort zun\u00e4chst beim Aufbau der Abteilung f\u00fcr wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten zu helfen.<\/p>\n<p>Aus einer zun\u00e4chst zweij\u00e4hrigen Vereinbarung wurden 22 Jahre, in denen Singer die UN federf\u00fchrend vertrat. Neben dieser seiner Hauptt\u00e4tigkeit unterrichtete er noch als Gastprofessor abendlich an der New York School for Social Research. 1969 verlie\u00df Hans Singer die UN, um als Professorial Fellow am 1966 gegr\u00fcndeten Institut of Development Studies (IDS) an der Universit\u00e4t von Sussex in Brighton zu wirken. Dort erfolgte 1975 auch seine Ernennung zum ordentlichen Professor. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1985 blieb Singer dem Institut Zeit seines Lebens verbunden, was eindr\u00fccklich die 97 B\u00fccher und Berichte sowie 61 weitere Berichte f\u00fcr die UN und 176 Aufs\u00e4tze belegen, die er dort ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<div id=\"attachment_77235\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 460px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77235 size-full\" title=\"Singer\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Hans-Singer.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"570\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der ber\u00fchmte \u00d6konom Hans Wolfgang Singer &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Singer hatte 1934 seine Verlobte Ilse Lina Praut auf dem Weg von Istanbul nach Cambridge in Hildesheim geheiratet. Die Ehe, aus der zwei S\u00f6hne hervorgingen, sollte 67 Jahre lang, bis zum Tod von Ilse Lina am 13.03.2001 bestehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Am heutigen Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium machte er sein Abitur und wanderte bereits 1933 im Alter von 22 Jahren aus. Warum?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Ja, Hans Singer machte 1929 am damaligen Humanistischen Gymnasium Elberfeld, dem heutigen Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium, sein Abitur und begann auf Dr\u00e4ngen des Vaters ein Medizinstudium an der Universit\u00e4t Bonn. Bereits im zweiten Semester wechselte er, angeregt durch Hinweise auf die Vorlesungen Joseph A. Schumpeters, zum Studium der Volkswirtschaftslehre, das er 1931 mit der Diplompr\u00fcfung abschloss. Im Anschluss beabsichtigte er \u00fcber st\u00e4dtischen Wohnungsbau und Grundst\u00fcckspreise zu promovieren.<\/p>\n<p>Mit der Macht\u00fcbernahme der Nazis 1933 \u00e4nderten sich jedoch die Lebensbedingungen f\u00fcr Juden in dramatischer Weise. Singers seit dem I. Weltkrieg kriegsversehrter Vater Heinrich wurde in einem dubiosen Gerichtsverfahren, das vom 18.-20. Juli 1933 in Elberfeld stattfand, zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt und starb am 17.12.1933 in der Haftanstalt M\u00fcnster. Hans Singer emigrierte noch im Sommer 1933 \u00fcber die Schweiz in die T\u00fcrkei. Er sollte aber im M\u00e4rz 1934 die T\u00fcrkei verlassen und in Cambridge (England) ein Stipendium wahrnehmen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Singer hat zeitlebens versucht, seinen Vater zu rehabilitieren. Ist ihm das gelungen?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Von 1949 bis 1966 hatten Hans Wolfgang Singer und sein Bruder Walter verschiedene Versuche einer juristischen Rehabilitierung des Vaters unternommen. Wenngleich vor Gericht kleine Teilerfolge erzielt werden konnten, blieb eine vollst\u00e4ndige Rehabilitierung aus. Als wohl gewichtigste Hinderungsgr\u00fcnde k\u00f6nnen das fast vollst\u00e4ndige Verschwinden der Justizakte und der zwischenzeitliche Tod des Hauptbelastungszeugen genannt werden. Viele Informationen haben sich nur m\u00fchsam aus z.B. Aktenfragmenten der Staatsanwaltschaft, Zeugenvernehmungen und anderen Quellen rekonstruieren lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_77236\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 712px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77236 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Singer-Queen.jpg\" alt=\"\" width=\"702\" height=\"419\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00d6konom Hans Wolfgang Singer bei der Ehrung durch Queen Elizabeth II im Jahr 1994\u00a0 &#8211; \u00a9 Uni Wuppertal<\/span><\/div>\n<p>Aus dem Briefwechsel zwischen Hans Singer und dem 2012 verstorbenen Wuppertaler Historiker, Schulleiter und Stadtverordneten Ulrich F\u00f6hse aus den 1980er Jahren wissen wir von Hans Singers Entt\u00e4uschung \u00fcber eine ausgebliebene zumindest politische und moralische Rehabilitation, die er angesichts seines Besuchs in Wuppertal im Jahr 1983 erwartet hatte. Die gute Nachricht: Zum Anlass der Einweihung des Hans-Singer-Weges am 21.08.2024 hat sich die Stadtspitze unter der Leitung von OB Schneidewind dazu entschlossen, diesen l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Akt der Rehabilitierung vorzunehmen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Singer wollte zun\u00e4chst in Bonn Medizin studieren, kam dort aber mit dem \u00f6sterreichischen National\u00f6konomen Prof. Joseph Schumpeter in Kontakt, nach dem an der Bergischen Universit\u00e4t die Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft benannt ist. Diese Begegnung \u00e4nderte seinen Werdegang nachhaltig. Wie?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Singers Interesse an der Medizin war wohl nie sonderlich ausgepr\u00e4gt gewesen. Er begann das Medizinstudium auf Wunsch seines Vaters, vielleicht auch vor dem Hintergrund, einmal die v\u00e4terliche Praxis \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen. Auch zeichnete Hans Singer stets ein sehr starkes Interesse an den gro\u00dfen gesellschaftlichen Fragen aus. Joseph Schumpeters Vorlesungen und seine mitrei\u00dfende Art der Wissensvermittlung waren zu seiner Zeit an der Universit\u00e4t Bonn nicht nur fakult\u00e4ts\u00fcbergreifend, sondern auch weit \u00fcber den Bonner Raum bekannt. Singer zeigte sich sofort begeistert, brach sein Medizinstudium gleich nach dem ersten Semester ab und wechselte zum Studium der Volkswirtschaftslehre.&#8220;<\/p>\n<p><strong>1969 \u00fcbernahm er eine Professur an der University of Sussex. Singer war sogar einmal hier an der Bergischen Universit\u00e4t, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Ja, das war im Jahr 1983. Der 1996 verstorbene Prof. Dr. Bernd Biervert, Volkswirt an der Universit\u00e4t Wuppertal, war Singer zuvor auf einer Konferenz begegnet und hatte ihn zu einem Vortrag an die Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft eingeladen. Mir selbst hatte Bernd Biervert Anfang der 1990er einige Male von dem Treffen erz\u00e4hlt, dem bewegenden Vortrag Singers vor Studierenden und von der Besichtigung der Orte seiner Kindheit und Jugend.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_77346\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 711px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77346 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/e30a02f3657ca252c7e4ec5fd81cbfb3.webp\" alt=\"\" width=\"701\" height=\"467\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wuppertals OB Dr. Uwe Schneidewind (l.) bei der Einweihung des Hans-Singer-Wegs an der Wupper &#8211; im Hintergrund die Infos-Tafel &#8211; \u00a9 Stadt Wuppertal<\/span><\/div>\n<p><strong>Singer wurde durch die Queen in den Adelsstand erhoben und erhielt Ehrendoktorw\u00fcrden von sieben Universit\u00e4ten. Seit 2004 war er auch Ehrenb\u00fcrger der Universit\u00e4t Freiburg. Zeitlebens lagen ihm die Probleme der Entwicklungsl\u00e4nder und der R\u00fcckgang der Handelsbeziehungen mit den Industrienationen am Herzen. Auf seine empfohlenen Ma\u00dfnahmen h\u00f6rte die Welt trotzdem lange nicht, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Hans Singer wurde 1994 von Queen Elisabeth II in den Adelsstand erhoben. Im Laufe der Jahre erhielt er sieben Ehrendoktortitel, 2004 von der Universit\u00e4t Freiburg. Im Mittelpunkt seiner Forschungen stand immer die Bek\u00e4mpfung von Armut und sozialer Benachteiligung. Singer vertrat dabei eindeutige Positionen, die auf Ver\u00e4nderung abzielten und damit nat\u00fcrlich vielerlei Widerst\u00e4nde erzeugten. Bereits nach dem Ende des II. Weltkriegs setzte sich Singer stark f\u00fcr das neue, durch Steuermittel finanzierte Sozialversicherungssystem, das sog. Beveridge-System, ein, und argumentierte zu dessen Umsetzung ganz in Keynesianischer Manier f\u00fcr eine massive Staatsverschuldung.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt war er ein \u00fcberzeugter Verfechter einer keynesianischen Nachfragepolitik zur Erzeugung von Wirtschaftswachstum und letztlich zum Abbau von Arbeitslosigkeit. Mit der bereits angesprochenen Prebisch-Singer-These stellte er sich gegen die Auffassung der orthodoxen Lehrmeinungen und rief damit den Widerstand ber\u00fchmter Verfechter der These des freien Welthandels hervor. Ein wissenschaftlicher Disput \u00fcber die Angemessenheit theoretischer Grundpositionen und deren empirischer Relevanz entbrannte und sollte \u00fcber Jahrzehnte anhalten. Es ist hier nicht der Rahmen, um darauf einzugehen.<\/p>\n<p>Vielleicht aber nur so viel: Hans Singer ist bei der ganzen Diskussion als Pionier und Mitgestalter der Entwicklungs\u00f6konomik hervorgetreten, der mit seinen Arbeiten \u00fcber Jahrzehnte hinweg auch die Entwicklungspolitik der Vereinten Nationen ma\u00dfgeblich mitbeeinflusst hatte. Dabei ber\u00fccksichtigte er stets die \u00c4nderungen der Rahmenbedingungen und passte seine Erkenntnisse den Ver\u00e4nderungen an. Insofern kann gesagt werden, dass er die \u201eGeschicke der Welt\u201c und der Entwicklungs\u00f6konomie im Besonderen im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten und Handlungsfelder durchaus mitbeeinflusst hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Hans Wolfgang Singer pr\u00e4gte viele der Ideen, die der Nahrungsmittelhilfe und der Gr\u00fcndung des Weltern\u00e4hrungsprogramms der Vereinten Nationen im Jahr 1963 zugrunde lagen. Welche z. B.?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Hans Wolfgang Singer war in vielen Organisationen der Vereinten Nationen t\u00e4tig und vertrat diese meist federf\u00fchrend. Um nur einige Beispiele zu nennen: dem UN Department of Economic and Social Affairs, der UN Industrial Development Organization, der UN International Children\u2019s Emergency Fund, dem UN World Food Programe, der UN Economic Commission for Africa, der International Labour Organization und Asian Development Bank.<\/p>\n<div id=\"attachment_77352\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77352 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/e260f7c19ea84ba58282ab41a134e187.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"671\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Auf der Info-Tafel kann sich jeder \u00fcber das Leben und Wirken von Hans Singer informieren &#8211; \u00a9 Stadt Wuppertal<\/span><\/div>\n<p>Sehr bekannt wurde etwa die im Auftrag der Internationalen Arbeitsorganisation durchgef\u00fchrte Mission to Kenya, die Hans Singer gemeinsam mit Richard Jolly Anfang der 1970er Jahre leitete. Auf diese Studie gehen die Grundz\u00fcge des sogenannten \u201eredistribution from growth\u201c-Ansatzes, also Umverteilung durch Wachstum, zur\u00fcck, wobei Singer dabei auch die Ber\u00fccksichtigung des informellen Sektors, vor allem aber die Beseitigung unter dem Existenzminimum liegender L\u00f6hne als zentral erachtete. Nicht zuletzt liegen in dieser Studie die Wurzeln des sp\u00e4teren \u201ebasic needs\u201c-Ansatz der Internationalen Arbeitsorganisation.<\/p>\n<p><strong>Zeitgenossen sagen \u00fcber ihn, dass er seine au\u00dfergew\u00f6hnliche Herzlichkeit, seine sanfte Art und sein menschliches Anliegen sein ganzes Leben lang bewahrte. Aber so richtig auss\u00f6hnen konnte er sich aufgrund seiner Biografie mit Deutschland nicht, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;\u00dcber seine Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Zuverl\u00e4ssigkeit und sein bescheidenes Auftreten ist in der Tat viel berichtet worden \u2013 das ist ein Faktum. Zur\u00fcckhaltender bin ich bez\u00fcglich des Punktes einer wirklichen Auss\u00f6hnung mit Deutschland, die wohl nicht endg\u00fcltig erfolgt ist. Zun\u00e4chst musste Singer als Jude in der Nazizeit aus Deutschland emigrieren, sein Vater starb unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden im Zuchthaus. W\u00e4hrend des II. Weltkriegs besch\u00e4ftigte Singer sich intensiv mit der deutschen Kriegswirtschaft und ver\u00f6ffentlichte dazu allein zw\u00f6lf Artikel im von John Maynard Keynes herausgegebenen \u201eEconomic Journal\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_77349\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-77349\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/71fceeac67f07ff482fbb60375a5ba66.webp\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"319\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das neue Stra\u00dfenschild in Wuppertal &#8211; \u00a9 Stadt Wuppertal<\/span><\/div>\n<p>Aus seiner Familie wurde berichtet, dass man nach der Emigration in der Familie nicht mehr deutsch gesprochen habe. Bei seinem einmaligen Besuch in Wuppertal 1983 wurden seine Erwartungen hinsichtlich einer zumindest politischen und moralischen Rehabilitation seines Vaters Heinrich Singer entt\u00e4uscht. Seine Besuche aber zu einem Kongress Anfang der 1990er Jahre an der Universit\u00e4t Hohenheim, Stuttgart und die Verleihung der Ehrendoktorw\u00fcrde 2004 aus Anlass des sechzigsten Jahrestages des 20. Juli 1944, gemeinsam mit Albert O. Hirschmann, durch die Wirtschafts- und verhaltenswissenschaftliche Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Freiburg waren schon Ereignisse, die ihn sicherlich sehr gefreut und bestimmt auch ein St\u00fcck weit mit Deutschland vers\u00f6hnt haben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Singer starb hochbetagt mit 95 Jahren in England. Die Stadt Wuppertal benennt nun in Elberfeld einen Weg nach ihm und Sie werden dort auch eine Rede halten. Wie werden Sie an ihn erinnern?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Es werden ganz gewiss einige Personen an Hans Wolfgang Singer erinnern. Als Mitglied der Schumpeter School of Business and Economics, Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal werde ich \u00fcber seinen Weg als Entwicklungs\u00f6konom und seine gro\u00dfen Leistungen auf dem Gebiet der Volkswirtschaftslehre berichten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wo kann man den Hans-Singer-Weg in Zukunft finden?<\/strong><\/p>\n<p>Hans Frambach: &#8222;Nat\u00fcrlich in Elberfeld, und zwar ist es der Fu\u00dfweg entlang der Wupper zwischen Moritzstra\u00dfe und Robert-Daum-Platz. Selbstverst\u00e4ndlich werden auch ein Stra\u00dfenschild und eine Gedenktafel angebracht.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_77237\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-77237\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Frambach_MK5_0670-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"312\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Hans Frambach &#8211; \u00a9 Mathias Kehren<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Hans Frambach<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Hans Frambach leitet den Arbeitsbereich Mikro\u00f6konomie und Geschichte des \u00f6konomischen Denkens in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft, Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Wolfgang Singer war ein Welt\u00f6konom, der sich zeitlebens in seinen Forschungen mit der Bek\u00e4mpfung von Armut und sozialer Benachteiligung besch\u00e4ftigte. 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Er starb 2006 in England. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-77232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-19 08:16:50","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77232"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77232\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77353,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77232\/revisions\/77353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}