{"id":76321,"date":"2024-07-08T11:53:21","date_gmt":"2024-07-08T09:53:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=76321"},"modified":"2024-07-08T11:53:21","modified_gmt":"2024-07-08T09:53:21","slug":"genehmigungsverfahren-logik-versus-pragmatismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/07\/08\/genehmigungsverfahren-logik-versus-pragmatismus\/","title":{"rendered":"Genehmigungsverfahren: Logik versus Pragmatismus"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_76327\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1341px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76327 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Radounikili-Siems-Fezazi-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"1331\" height=\"950\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Professorin Dr.-Ing. Tanja Siems (M.) leitet den Lehrstuhl f\u00fcr St\u00e4dtebau an der Bergischen Universit\u00e4t. Links Architektin Alexia Radounikli, rechts Dipl.-Ing. Mohamed Fezazi &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Ob Neubau, Dachausbau, eine zus\u00e4tzliche Garage oder die Nutzungs\u00e4nderung eines Geb\u00e4udes, alles bedarf eines Genehmigungsverfahrens. Viele Planende und Bauende, aber auch B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die ein solches Unterfangen f\u00fcr Privat- oder Gewerbegeb\u00e4ude starten, geraten in b\u00fcrokratische M\u00fchlen, bei denen nicht selten Projekte zum Stillstand kommen. Immer neue Richtlinien, die manchmal nicht mehr nachzuvollziehen sind, erschweren die Arbeit.<\/p>\n<p>Wenn bspw. eine Stadt oder eine Gemeinde etwas bauen will, dann muss sie den Auftrag in der Regel deutschlandweit \u00f6ffentlich ausschreiben. Wenn die Planungsleistungen von Architekten, Ingenieuren und Technikern jeweils allerdings einen Schwellenwert von 215.000 Euro \u00fcberschreiten, muss sogar europaweit ausgeschrieben werden, was die Bundesregierung bef\u00fcrwortet. Das bedeutet aber einen entschiedenen Mehraufwand sowie wesentliche Mehrkosten f\u00fcr die Auftraggeber.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Professorin Tanja Siems vom Lehrstuhl St\u00e4dtebau sagt: \u201eFunktionierende urbane Gef\u00fcge bestehen immer aus einem ausgewogenen Miteinander, von kultureller Lebendigkeit, einem bewussten Umgang mit der direkten Umwelt und seinen Ressourcen sowie sozialer Gerechtigkeit und \u00f6konomischem Wohlstand.\u201c Da stellt sich die Frage, ob europaweit ausgeschriebene Bauvorhaben dieser Idee nicht im Wege stehen.<\/p>\n<p>Tanja Siems hat dazu eine ganz klare Meinung: \u201eEin italienisches B\u00fcro z. B. w\u00fcrde sich bei diesem Volumen erst gar nicht darauf bewerben, sie m\u00fcssten ja sofort eine Zweigstelle in Deutschland einrichten und alles f\u00fcr den Bauprozess Notwendige mitbringen. Das w\u00e4re viel zu kostenaufw\u00e4ndig und rentiert sich wirtschaftlich nicht. Anders sieht es vielleicht mit einer Kooperation aus\u201c, f\u00e4hrt die Stadtplanerin fort.<\/p>\n<div id=\"attachment_76333\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76333 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/building-3390318_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bis die Bauarbeiter loslegen k\u00f6nnen, vergeht oft viel zu viel Zeit &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>\u201eWir haben ein st\u00e4dtebauliches und infrastrukturelles Projekt f\u00fcr Br\u00fcssel entwickelt, bei dem wir mit Kollegeninnen und Kollegen aus verschiedensten Disziplinen von fr\u00fcher zusammengearbeitet haben. Sie haben uns angesprochen, da unser B\u00fcro die Expertise in den Disziplinen Architektur, St\u00e4dtebau und Verkehrsdesign innehat, die sie in Br\u00fcssel f\u00fcr die Ausschreibung brauchten. Das geht aber nur mit totalem Vertrauen. Man w\u00fcrde bei solchen Ausschreibungen nie mit einem Partner, mit dem man noch nicht vorher intensiv zusammengearbeitet h\u00e4tte, kooperieren. Und das h\u00e4ngt nicht vom Budget ab.\u201c Solche Ausschreibungen, wie sie sich die Bundesregierung w\u00fcnscht, scheinen also reines Wunschdenken zu sein.<\/p>\n<h4>Europaweite Ausschreibungen meist in Landessprache<\/h4>\n<p>Mohamed Fezazi, Mitarbeiter am Lehrstuhl, nennt ein Beispiel, das zeigt, wie das Prozedere in europ\u00e4ischen Architekturwettbewerben l\u00e4uft. \u201eBei den europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerben gibt es Reglements die vorsehen, dass die Entw\u00fcrfe nur in der Landessprache eingereicht werden k\u00f6nnen. D. h., wenn ein deutsches B\u00fcro bei einem finnischen Wettbewerb mitmachen m\u00f6chte, ist man meist schlecht aufgestellt. So lange diese H\u00fcrden bestehen, spricht man eigentlich nur von einer Fassade.\u201c<\/p>\n<p>Zwar schreibe Deutschland viel in Englisch aus, erg\u00e4nzt Tanja Siems, aber dann brauche man Gesch\u00e4ftspartner, welche die Sprache besonders in der technischen Ausf\u00fchrung beherrschen. \u201eZudem muss man sagen, dass eher Gro\u00dfb\u00fcros dazu in der Lage sind, solche umfangreichen Projekte zu stemmen. Kleinere Architekturb\u00fcros trauen sich das in einem anderen europ\u00e4ischen Land meist nicht zu, weil es vom Arbeitsaufwand nicht zu stemmen ist.\u201c Und das zeige dann auch schon ein sehr starkes Ungleichgewicht zwischen den gro\u00dfen und den kleinen Unternehmen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-76331\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-Ausschnitt-Bauantraege.jpg\" alt=\"\" width=\"461\" height=\"387\" \/><\/p>\n<h4>Gro\u00dfe Agenturen genie\u00dfen Vorteile, wenn es schnell gehen muss<\/h4>\n<p>F\u00fcr regionale Unternehmen sind aufw\u00e4ndige EU-Ausschreibungen ein Riesenproblem und sie verlieren dadurch viele Auftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand. Ein aktuelles Beispiel, wie schleppend der Wiederaufbau nach der Flutkatastrohe im Ahrtal vorangehe, sagt Mohamed Fezazi, zeige sich in der Gemeinde Ahrweiler. \u201eSie bekommen gro\u00dfe Probleme, wenn sie bestimmte Leistungen mit viel Aufwand ausschreiben m\u00fcssen, denn es ist ein unglaublicher b\u00fcrokratischer Aufwand, und Bauzeiten werden extrem verl\u00e4ngert. Das ist ein organisatorisches Problem, was sich aber wirtschaftlich auf die B\u00fcros ausweitet.\u201c<\/p>\n<p>Meist erhielten die gro\u00dfen B\u00fcros direkt die Auftr\u00e4ge, weil sie \u00e4hnliche Projekte schon durchgef\u00fchrt h\u00e4tten, erkl\u00e4rt Tanja Siems. \u201eDa haben junge, planende und ausf\u00fchrende B\u00fcros gar keine Chance, es sei denn, sie k\u00f6nnen bereits durch Netzwerke ein gr\u00f6\u00dferes Portfolio pr\u00e4sentieren.\u201c<\/p>\n<h4>Italien und Frankreich zeigen, was in Deutschland nicht geht<\/h4>\n<p>In Italien wurde nach dem Einsturz der Morandi-Br\u00fccke in Genua 2018 die neue San-Giorgio-Br\u00fccke an gleicher Stelle binnen zwei Jahren fertiggestellt. Die Br\u00fccke Rahmede in L\u00fcdenscheid wurde 2021 gesperrt, 2023 gesprengt und wird erst voraussichtlich 2026 fertig. Lange Genehmigungsverfahren f\u00fchren zus\u00e4tzlich auch dazu, dass hiesige Unternehmen im Ausland bauen.<\/p>\n<div id=\"attachment_76334\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76334 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/construction-site-285645_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bauvorhaben werden oft durch \u00fcberlange Genehmigungsverfahren ausgebremst &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Die Wuppertaler Firma Vorwerk baut z. B. ein zweites Thermomix-Werk in Frankreich und spricht deutlich von den g\u00fcnstigen Bedingungen f\u00fcr die Industrie in Frankreich. So schw\u00e4chen abwandernde Industrien aber auch unsere St\u00e4dte. \u201eWas allen im Baugewerbe momentan das Genick bricht, sind die Energiepreise\u201c, sagt Radounikli, \u201esie sind der gr\u00f6\u00dfte Kostenfaktor, weshalb deutsche Standorte, die eigentlich international t\u00e4tig sind, Minuszahlen schreiben.\u201c<\/p>\n<h4>Genehmigungsverfahren dauern im Schnitt ein halbes Jahr zu lang<\/h4>\n<p>Der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) hat 250 Verfahren aus 27 Branchen der letzten f\u00fcnf Jahre untersucht und sagt: \u201ePlanungs- und Genehmigungsverfahren dauern im Schnitt ein halbes Jahr zu lang.\u201c Beh\u00f6rden sind permanent \u00fcberlastet und werden von der Industrie als nicht leistungsf\u00e4hig eingesch\u00e4tzt. Beispiel Poststra\u00dfe in Wuppertal: Die Hauptachse vom Bahnhof aus ist eine Zumutung f\u00fcr alle Besucher der Stadt und wird erst Ende 2024 baufertig. Dabei scheinen die notwendigen Schritte doch klar: Standardisierte Verfahren f\u00fcr mehr Rechtssicherheit, bessere Personalausstattung der Beh\u00f6rden und Gerichte und eine \u00c4nderung verschiedener europ\u00e4ischer Umweltrichtlinien- und -verordnungen.<\/p>\n<p>Was den Laien verzweifeln l\u00e4sst, sehen Fachleute gelassener. \u201eDas Problem ist, man sieht zu viele dieser wartenden Situationen und wei\u00df, wo es hakt\u201c, erkl\u00e4rt Alexia Radounikli. \u201eWenn man am Ende des Studiums diese Branche betritt, wei\u00df man, dass dieser Zustand ein dauerhafter Zustand ist und man erlebt ihn als Normalit\u00e4t. D.h., dieses Entsetzen, was eigentlich eine nat\u00fcrliche Reaktion sein sollte, empfinden Fachleute nicht.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_76335\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76335 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/mountains-1033979_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Beim Br\u00fcckbau vergehen von der Planung bis zur Fertigstellung nicht selten mehr als zehn Jahre &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Mohamed Fezazi stellt in diesem Zusammenhang eher Fragen wie: \u201eWarum gibt es im Bauamt nicht Experten f\u00fcr Gewerbebauten und Experten f\u00fcr Wohnbauten? Warum gilt das vereinfachte Bauverfahren nicht f\u00fcr mehr Geb\u00e4udeklassen? Warum gibt es keinen Fallmanager f\u00fcr bessere Abl\u00e4ufe in der Genehmigungsphase? Warum muss bei ganz normalen F\u00e4llen sofort ein Brandschutzsachverst\u00e4ndiger her, und warum m\u00fcssen all diese Fragen an ganz vielen Stellen in der Verwaltung immer hin und herwandern bis sie genehmigt werden k\u00f6nnen?\u201c F\u00fcr ihn steht fest: \u201eDiese ganzen Verfahren k\u00f6nnten schneller abgewickelt werden.\u201c<\/p>\n<h4>Nutzungs\u00e4nderungsantrag braucht keinen Architekten<\/h4>\n<p>Im deutschen Antragsdschungel lassen sich einzelne Formbl\u00e4tter nicht mehr unterscheiden. \u201eZ. B. ist das Formular eines Nutzungs\u00e4nderungsantrags exakt das gleiche, wie ein Bauantrag\u201c, sagt Alexia Radounikli. Der sei in den meisten Kommunen identisch und Nutzer fragten sich, warum man f\u00fcr einen \u00c4nderungsantrag unbedingt einen Architekten beauftragen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Es gehe nicht um eine neue Substanz, denn das Geb\u00e4ude sei ja bereits baulich erfasst und daher k\u00f6nne eine Pr\u00fcfung durch das Bauamt erfolgen. \u201eEs muss lediglich die neue Nutzung \u00fcberpr\u00fcft werden. Das ist eine organisatorische Pr\u00fcfung und die k\u00f6nnte deutlich beschleunigt werden\u201c, sagt die Architektin.<\/p>\n<div id=\"attachment_76336\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76336 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/drum-mixer-95209_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Viel zu oft stehen die Baumaschinen still &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<h4>Bauen muss neu gedacht werden<\/h4>\n<p>Das Handelsblatt sprach im Mai 2023 von zunehmenden Problemen im Bausektor. Die gro\u00dfen Wohnungsverb\u00e4nde sahen den Neubau in Deutschland sogar vor dem Kollaps. Tanja Siems hat unter dem Titel &#8218;Stadt vermitteln \u2013 Methoden und Werkzeuge f\u00fcr gemeinschaftliches Planen&#8216; ein Buch herausgebracht, in dem sie neue Wege aufzeigt. \u201eInnerhalb st\u00e4dtebaulicher Planungsprozesse ist das Netzwerken ein wichtiger Bestandteil. Dabei muss man Strategien und Konzeptideen bis hin zu Strukturen und Material neu denken sowie Initiativen und Akteure fr\u00fchzeitig involvieren\u201c, fordert sie daher. Man m\u00fcsse zu jeder Zeit offen sein f\u00fcr einen intensiven Austausch mit Fachleuten und den Akteuren der Stadt. Das flexible Denken aller Beteiligten m\u00fcsse gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Tanja Siems: \u201eMan braucht Gleichgesinnte. Bei unserem multidisziplin\u00e4ren Projekt in Br\u00fcssel war es sehr hilfreich, dass wir durch unsere vermittelnden Methoden innerhalb des Planungsprozesses von Anfang an die Verkehrsingenieure, die Landschaftsarchitekten und Sicherheitstechniker auf unserer Seite hatten. Wenn die Hauptperson, die die Verantwortung hat, flexibel denkt und offen arbeitet, ist es gar kein Problem komplexe Systeme umzusetzen. Zum aktuellen und brisanten Thema KI, wenn in Zukunft innerhalb von Planungs- und Bauprozessen k\u00fcnstliche Intelligenz einsetzt wird, brauchen wir fortw\u00e4hrend stets noch den individuellen Menschen als Entscheidungstr\u00e4ger. Erfahrene Architekt*innen und Planende haben immer ein Empfinden daf\u00fcr, ob etwas funktioniert oder nicht.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_76337\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76337 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/excavator-1174428_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bauherrn brauchen jede Menge Geduld bis die Bagger endlich zum Einsatz kommen k\u00f6nnen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<h4>Genehmigungsverfahren hinken der Zeit hinterher<\/h4>\n<p>Lange Genehmigungsverfahren schaden auch dem Klimawandel, denn f\u00fcr eine wirkungsvolle Klimawende braucht man auch ausgebaute Bahntrassen, modernisierte Stra\u00dfen f\u00fcr E-Autos und funktionst\u00fcchtige Br\u00fccken. Von der Idee bis zum Bau dieser Infrastrukturprojekte vergehen mit den derzeitigen Regularien oft mehr als 10 Jahre.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, best\u00e4tigt Tanja Siems, \u201eaber das liegt daran, dass man auf den alten Prinzipien baut. Ein Beispiel dazu ist die E-Mobilit\u00e4t; man br\u00e4uchte eine ganz andere Infrastruktur, da m\u00fcsste sich die ganze Stadt in k\u00fcrzester Zeit baulich ver\u00e4ndern. Es gibt viele gute und konstruktive Ideen, die aber h\u00e4ufig auch gestoppt werden, weil sich Systeme zu langsam ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>Genehmigungsverfahren seien zudem nur ein Teilaspekt ganz vieler Faktoren, die unseren Lebensraum bestimmten, erkl\u00e4rt Mohamed Fezazi, denn im Gespr\u00e4ch mit jungen Studierenden k\u00e4men auch immer wieder neue Ideen zustande, die eine L\u00f6sung alter Probleme mit sich br\u00e4chten. \u201eDie Studierenden haben ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie sich so etwas weiterentwickeln kann. Eine Stadt ist ein hochkomplexes Thema.\u201c<\/p>\n<p>Am Ende jeden Semesters l\u00e4dt Tanja Siems daher immer wieder Fachleute und Laien ein und gibt den Studierenden die M\u00f6glichkeit, Ihre Ergebnisse zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_76338\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76338 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/nature-3286466_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Baubranche machen nicht nur die hohen Energiekosten zu schaffen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<h4>Informelle Planung ist kreativer Prozess ohne Grenzen<\/h4>\n<p>\u201eBaurechtlich gibt es immer eine formelle Planung, die \u00fcberschaubar ist und erkl\u00e4rt, wo was wie stehen darf. Demgegen\u00fcber steht aber die informelle Planung\u201c sagt Alexia Radounikli, \u201eund da haben wir fast v\u00f6llige Freiheit und k\u00f6nnen gestalten. Das ist der Motor, der kreative Prozess, dem keine Grenzen gesetzt sind. Alles, was in diese informellen Planungen aus B\u00fcrgerinitiativen, Workshops und Veranstaltungsformaten hineinspielt, muss die gleiche Ernsthaftigkeit haben wie die formelle Planung\u201c. \u201eIn der Zeit, in der man etwas entwickelt, entsteht ja schon etwas\u201c, f\u00fcgt Tanja Siems hinzu. \u201eDas muss ich genauso wichtig nehmen wie das Produkt am Ende. Kleinteilig und flexibel denken, damit ich es auch ver\u00e4ndern kann.\u201c<\/p>\n<p>St\u00e4dtebauliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Zukunft gibt es genug, es gehe nicht mehr nur um den Masterplan, der unbedingt umgesetzt werden m\u00fcsse, erkl\u00e4rt die St\u00e4dtebauerin abschlie\u00dfend. Viele kleine Schritte dazwischen seien wichtig und das sei es, was sie ihren Studierenden auf ihrem Weg in die Berufst\u00e4tigkeit zeige. Am Anfang aller Projekte steht immer die Kreativit\u00e4t an erster Stelle. Gute Strategien und Konzepte m\u00fcssen aber auch erkannt werden, damit veraltete Regeln ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_76329\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 310px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-76329 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Radounikili-Siems-Fezazi-Pressefoto-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"145\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Alexia Radounikli, Prof. Dr.-Ing. Tanja Siems und Dipl.-Ing. Mohamed Fezazi (v.l.) &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Tanja Siems, Alexia Radouniki und Mohamed Fezazi<\/h4>\n<p>Professorin Dr.-Ing Tanja Siems leitet den Lehrstuhl f\u00fcr St\u00e4dtebau an der Bergischen Universit\u00e4t.<br \/>\nAlexia Radounikli (M.SC) promoviert am Lehrstuhl f\u00fcr St\u00e4dtebau.<\/p>\n<p>Dipl.-Ing. Mohamed Fezazi ist Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl f\u00fcr St\u00e4dtebau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sind Verwaltungsabl\u00e4ufe bei Genehmigungsverfahren im Baugewerbe so langwierig? Diese Frage haben sich schon viele gestellt. Autor Uwe Blass geht dieser spannenden Frage in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; auf den Grund. Den fundierten Hintergrund liefern ihm Professorin Tanja Siems und ihr Team, die Architektin Alexia Radounikli und der Architekt Mohamed Fezazi vom Lehrstuhl f\u00fcr St\u00e4dtebau der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-76321","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 21:19:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76321"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76340,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76321\/revisions\/76340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}