{"id":75522,"date":"2024-06-07T08:40:37","date_gmt":"2024-06-07T06:40:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=75522"},"modified":"2024-06-12T17:00:20","modified_gmt":"2024-06-12T15:00:20","slug":"pfarrer-alberti-palliativmedizin-kann-das-sterben-erleichtern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/06\/07\/pfarrer-alberti-palliativmedizin-kann-das-sterben-erleichtern\/","title":{"rendered":"Pfarrer Alberti: Palliativmedizin kann das Sterben erleichtern"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_75528\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75528 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/20240604_190306-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der evangelische Seelsorger Mandred Alberti &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Bei den Durchsuchungen aind von Staatsanwaltschaft und Polizei zahlreiche Daten und Unterlagen sichergestellt worden. Nach erster \u00dcberpr\u00fcfung der aufgefundenen Beweismittel wurden sie am n\u00e4chsten Tag wieder entlassen. Ein dringender Tatverdacht gegen sie besteht derzeit nicht. Soweit die Erkl\u00e4rung von Staatsanwaltschaft und Polizei.<\/p>\n<p>Palliativmedizin, f\u00fcr viele ein schwieriges, emotionales Thema, das sich manchmal vielleicht zwangsl\u00e4ufig in einer ethischen und juristischen Grauzone bewegt. Ein Thema, das auch den evanglischen Pfarrer <strong>Manfred Alberti<\/strong> seit vielen Jahren begleitet. Er berichtet hier \u00fcber seine Erfahrungen.<\/p>\n<h4><strong>&#8222;Ich m\u00f6chte solange leben, solange ich einigerma\u00dfen gesund bin&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p>&#8222;Palliativmediziner in Wuppertal sollen Patienten falsch behandelt haben, so dass sie gestorben sind. \u00dcber eine solche Information kann man leicht stolpern. Ich habe keine n\u00e4heren Kenntnisse \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der staatsanwaltschaftlichen Aktionen.<\/p>\n<p>Palliativmediziner sind eine besondere Art vor \u00c4rzten: Ihre Aufgabe ist nicht die Heilung von kranken Patienten, sondern ihre Begleitung beim Sterben auf dem letzten St\u00fcck des Weges zum Tode hin. Jeder Mensch hat am Ende seines Lebens diesen Weg zu gehen. Und viele Menschen haben davor gro\u00dfe Angst.<\/p>\n<p>Hier wollen die Palliativmedizin und die Hospizbewegung helfen: Dieser letzte Lebensabschnitt soll so gut wie eben m\u00f6glich verlaufen, ziemlich schmerzfrei, um mit wachen Gedanken sich von den Angeh\u00f6rigen verabschieden und im R\u00fcckblick auf sein Leben zufrieden und ruhig einschlafen zu k\u00f6nnen. Damit das gelingen kann, haben Palliativmediziner nicht wie sonst fast alle \u00c4rzte die Aufgabe der Heilung von Krankheiten sondern die Aufgabe der Hilfe auf dem letzten Weg, z.B. durch Schmerz- und Beruhigungsmittel.<\/p>\n<p>Eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr ist aber, dass die schwerkranken Menschen sehr bewusst auf eventuell noch bestehende medizinische Heilungsm\u00f6glichkeiten verzichtet und sich f\u00fcr einen ruhigen, schnellen und m\u00f6glichst schmerzfreien Weg des Sterbens entschieden haben.<\/p>\n<h4>Mehr als 40 Jahre Seelsorger<\/h4>\n<p>In mehr als vierzig Jahren Seelsorge als evangelischer Pfarrer habe ich nie geh\u00f6rt, dass einer sagte, er wolle auf jeden Fall 100 Jahre alt werden, egal wie krank er sei. Nahezu immer sagen Menschen mit dem Blick auf ihre letzte Lebenszeit: &#8222;Ich m\u00f6chte gerne so lange leben, wie ich einigerma\u00dfen gesund bin. Wenn ich aber schwer krank bin, dann m\u00f6chte ich m\u00f6glichst schnell und m\u00f6glichst schmerzfrei sterben.&#8220;<\/p>\n<p>Diesen Wunsch will die Hospizbewegung erf\u00fcllen: durch station\u00e4re Hospize, wie in Wuppertal auf dem D\u00f6nberg oder durch begleitende ambulante Hospizversorgung f\u00fcr Patienten zuhause oder in Seniorenheimen (SAPV-Teams).<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass die Patienten selbst sich entschieden haben, diesen Weg so zu gehen, also bewusst auch auf kleine Heilungsm\u00f6glichkeiten zu verzichten. Vielleicht m\u00f6chten sie\u00a0keine weitere aufw\u00e4ndige Behandlung mehr durchleiden, vielleicht haben sie in hohem Alter bewusst mit ihrem Leben abgeschlossen und wollen nur noch ruhig einschlafen, vielleicht sehen sie keine Hoffnung auf ein einigerma\u00dfen ertr\u00e4gliches Leben mehr. Sie selbst m\u00fcssen diese Entscheidung treffen.<\/p>\n<div id=\"attachment_75535\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 248px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75535 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Umgebung07-9e07ac1f.webp\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"238\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wuppertaler Hospiz auf dem D\u00f6nberg &#8211; \u00a9 Christliches Hospiz auf dem D\u00f6nberg<\/span><\/div>\n<p>Dass eine solche Entscheidung nicht bei allen Angeh\u00f6rigen auf Zustimmung st\u00f6\u00dft, kann man sich leicht vorstellen. Abschied nehmen f\u00e4llt schwer und man m\u00f6chte das weit hinausschieben, Verlust\u00e4ngste k\u00f6nnen den Blick auf dieses zu Ende gehende Leben pr\u00e4gen, mit schlechtem Gewissen m\u00f6chte man gerne noch Schiefgegangenes korrigieren. Die Gr\u00fcnde k\u00f6nnen unendlich sein: Erbschaftsfragen, Geschwisterstreit, die eigene Angst vor dem Tod.<\/p>\n<p>Auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung um das selbstbestimmte Sterben spielt hier eine Rolle. Erst das Bundesverfassungsgericht musste 2020 entscheiden, dass jeder Mensch sein Recht auf seinen eigenen selbstbestimmten Tod hat und die Gesellschaft ihm das ohne diskriminierende Schwierigkeiten erf\u00fcllen muss. Doch die Politik hat sich bislang noch nicht auf einen Weg einigen k\u00f6nnen, wie dieses jedem Menschen zustehende Recht in Gesetze gegossen werden kann.<\/p>\n<h4>Der schwerkranke Mensch muss selbst entscheiden d\u00fcrfen<\/h4>\n<p>Zu gro\u00df sind die Widerst\u00e4nde, auch aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden der Gesundheitsindustrie, zu tief eingegraben in die Psyche ist die Meinung, dass der Mensch nicht \u00fcber sein eigenes Ende bestimmen d\u00fcrfe. Doch an die Stelle des fr\u00fcheren Glaubens an die alleinige Macht Gottes \u00fcber den Tod ist heute faktisch die Entscheidung der \u00c4rzte \u00fcber das Abstellen medizinischer Ger\u00e4te getreten.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft braucht die Erkenntnis, dass eine immer weitere Verl\u00e4ngerung des Lebens nicht immer im Interesse der Patienten steht: Der schwerkranke Mensch muss und darf selbst nach guter Beratung entscheiden, wie er den letzten Abschnitt seines Lebens bew\u00e4ltigen will.<\/p>\n<p>Dass dieser Abschnitt auf Wunsch des Patienten menschenw\u00fcrdig und m\u00f6glichst schmerzfrei gestaltet werden kann, ist der gro\u00dfe Verdienst der station\u00e4ren und ambulanten Hospizbewegung und der Palliativmedizin der letzten zwei Jahrzehnte. <strong>Ihr<\/strong> <strong>Manfred Alberti<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>p.s.: Wer das station\u00e4re Wuppertaler Hospiz auf dem D\u00f6nberg unterst\u00fctzen m\u00f6chte, das mit seinen zw\u00f6lf Pl\u00e4tzen fast nahtlos belegt ist und auch viele j\u00fcngere Patienten beherbergt, kann das mit einer Spende an den F\u00f6rderverein tun, der im Juni und Juli 2024 bei allen Spenden bis 2.000 \u20ac durch eine Verdoppelungsaktion der Bethe-Stiftung unterst\u00fctzt wird:<\/p>\n<p><strong>F\u00f6rderverein Hospiz D\u00f6nberg DE20 3305 0000 0000 8281 03, Stichwort Verdoppelungsaktion.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"elementToProof\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meldung sorgte f\u00fcr Aufsehen: Zwei Palliativmediziner aus Wuppertal sind vor\u00fcbergehend festgenommen worden. Den beiden \u00c4rzten wird in einer Strafanzeige vorgeworfen, Palliativpatienten nicht ordnungsgem\u00e4\u00df behandelt zu haben. In einigen F\u00e4llen soll durch die nicht ordnungsgem\u00e4\u00dfe Behandlung der Todeseintritt verursacht worden sein.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-75522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-21 18:15:55","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=75522"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75539,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75522\/revisions\/75539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=75522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=75522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=75522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}