{"id":75070,"date":"2024-06-04T13:07:29","date_gmt":"2024-06-04T11:07:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=75070"},"modified":"2024-06-06T10:18:00","modified_gmt":"2024-06-06T08:18:00","slug":"christian-v-grumbkow-sagt-nicht-nur-mit-bildern-seine-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/06\/04\/christian-v-grumbkow-sagt-nicht-nur-mit-bildern-seine-meinung\/","title":{"rendered":"Christian v. Grumbkow sagt nicht nur mit Bildern seine Meinung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_75122\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 970px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75122 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/428e33ae-e736-427c-b391-4eecac529ab2.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"808\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der erfolgreiche Maler Christian v. Grumbkow und seine Lebensgef\u00e4hrtin Daria Antsiferova bei der Vernissage seiner gro\u00dfen Ausstellung &#8222;Wasser &amp; Licht&#8220; im Conversationshaus auf Norderney &#8211; \u00a9 Martina Kast Media<\/span><\/div>\n<p><span data-contrast=\"auto\">In ihrem sehenswerten Portrait \u201eChristian v. Grumbkow \u2013 Wege zur Farbe\u201c hat die bekannte K\u00f6lner Filmemacherin Martina Kast das k\u00fcnstlerische Schaffen des ehemaligen Dozenten an der Folkwang-Kunsthochschule in Essen damals wie heute in den Fokus genommen.<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{}\">Die TV-Journalistin besuchte den Maler in seinem Atelier im Schlo\u00df L\u00fcntenbeck, begleitete ihn zu Austellungen \u2013 bis hin auf die Nordseeinsel Sylt, wo sie ein langes Interview mit Christian v. Grumbkow (77) f\u00fchrte. Der sehr informative und unterhaltsame Film ist \u00fcbrigens als DVD oder auf USB-Stick erh\u00e4ltlich.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Die STADTZEITUNG widmet dem renommierten, agilen Wuppertaler K\u00fcnstler eine dreiteilige Interview-Serie: \u201eCvG der Musiker\u201c \u2013 \u201eCvG der Maler\u201c \u2013 \u201eCvG die Pers\u00f6nlichkeit\u201c. Lesen Sie hier Teil 3: \u201eChristian von Grumbkow \u2013 Die verantwortungsbewusste Pers\u00f6nlichkeit&#8220;.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_75111\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75111 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/ece38b72-8109-4939-8d86-b1a8f635467e.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"425\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bei der Premiere des Films &#8222;Christian v. Grumbkow &#8211; Wege zur Farbe&#8220; in der &#8222;b\u00f6rse&#8220;: (v.l.) Lukas Hegemann (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer &#8222;b\u00f6rse&#8220;), Maler Christian von Grumbkow, Filmproduzentin Martina Kast und Ex-&#8222;Hoelderlin&#8220;-Schlagzeuger Michael Bruchmann &#8211; \u00a9 Martina Kast Media<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie sind ein K\u00fcnstler, der sich auch sehr sozial und gesellschaftlich engagiert, was ist da Ihr Antrieb?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;F\u00fcr mich ist es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, der Stadtgesellschaft etwas zur\u00fcckzugeben. Der Grund ist, dass meine Werke an so vielen exponierten Stellen wirken und weil ich in meinem Leben, meinem Werdegang so viel Gl\u00fcck gehabt habe und inzwischen von meiner k\u00fcnstlerischen Arbeit recht gut leben kann.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Mit der Aktion \u201eKunst kann helfen\u201c haben Sie und Ihre Mitstreiter erheblich dazu beigetragen, dass Fl\u00fcchtlingskinder in der Alten Feuerwache Deutschunterricht erhalten haben \u2013 ein wichtiger Schritt in Richtung Integration. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Die Idee kam 2015 bei einer Ausstellung im L\u00f6wenpalais in Berlin in der Zeit, als viele elternlose Fl\u00fcchtlingskinder aus Syrien nach Deutschland und einige Hundert nach Wuppertal gekommen sind. Bei der Vernissage war gerade ein Bild an eine Pforzheimer Sammlerin verkauft worden, als die auch anwesende und auch an dem Bild interessierte Wuppertaler Kinder\u00e4rztin Dr. Susanne Bellenbaum mich fragte, ob wir nicht f\u00fcr die u.a. von Ihr betreuten Syrischen Fl\u00fcchtlingskinder eine Aktion starten k\u00f6nnten, die Geld bringt. Ich habe dann \u00fcberlegt, was diese Kinder au\u00dfer der medizinischen Versorgung ben\u00f6tigen und kam darauf, dass diese Kinder unbedingt Deutschunterricht brauchen. Ich habe dann ein Foto der betreffenden Arbeit gemacht und mit der Erlaubnis der Besitzerin 200 Exemplare drucken lassen und jedes individuell \u00fcbermalt und \u00fcber die Galerie &#8218;Kunstkomplex&#8216; bei einer Ausstellung alle verkauft.<\/p>\n<div id=\"attachment_75078\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75078 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Loewenpalais-Berlin.-Rechts-das-Bild-fuer-die-Aktion-Fluechtlingskinder-2.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"424\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Bild rechts im L\u00f6wenpalais in Berlin wurde zur Vorlage f\u00fcr die Charity-Aktion &#8222;Kunst kann helfen&#8220; &#8211; \u00a9 CvG<\/span><\/div>\n<p>Es folgten dann noch zwei weitere, \u00e4hnlich geartete Aktionen. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich andere K\u00fcnstler aus Wuppertal, aber auch aus dem Ausland gebeten habe, meinen Druck zu \u00fcberarbeiten. Dabei entstanden fantastische Ergebnisse, die ebenfalls alle Liebhaber gefunden haben. Insgesamt kam ein stattlicher f\u00fcnfstelliger Betrag zusammen, der der Alten Feuerwache in Wuppertal zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Von dort aus wurde mit Fauzia Khadiri\u00a0 eine arabisch sprechende Deutschlehrerin gefunden und ca. zwei Jahre lang bezahlt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Was war im Zusammenhang mit dieser Aktion ihr beeindruckendstes Erlebnis?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Da waren mehrere begl\u00fcckende Momente. Einmal, dass so viele K\u00fcnstler und die Galerie unentgeltlich mitgemacht haben. Dass so viele Arbeiten f\u00fcr einen guten Zweck verkauft werden konnten und dass ich gl\u00fcckliche und dankbare Kindergesichter wahrnehmen konnte, als ich den Deutschunterricht in der Feuerwache besucht habe, als wir bei einem Beitrag f\u00fcr die WDR-Lokalzeit die Kinder in meinem Atelier zu Gast hatten und gemeinsam ein gro\u00dfes Bild gemalt haben.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_75080\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75080 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/WDR-TV-Dreh-in-meinem-Atelier-fuer-die-Kunst-kann-helfen-Aktion2305843009213771820.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"417\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christian von Grumbkow bei der Malaktion mit gefl\u00fcchteten Kindern, die von Redakteurin Annette Hager (r.) in einem Beitrag f\u00fcr die WDR-Sendung &#8222;Lokalzeit&#8220; vorgestellt wurde &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie haben auch dem Wuppertaler Charity-Verein \u201eWUPPERTAL HILFT!\u201c bei einem der letzten Benefiz-Festivals eines Ihrer Bilder f\u00fcr eine Versteigerungs-Aktion zur Verf\u00fcgung gestellt. F\u00fcr Sie ein Beweis f\u00fcr die Solidarit\u00e4t der Wuppertaler Kunst- und Kultur-Szene genre\u00fcbergreifend?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Ich halte nichts davon, sich als K\u00fcnstler abzuschotten. Ich wundere mich \u00fcber manche Kollegen und Kolleginnen, die die Chancen nicht ergreifen, in den Austausch zu gehen und \u00d6ffentlichkeit zuzulassen. Wer &#8211; bitte sch\u00f6n &#8211; soll sich denn f\u00fcr deren Kunst interessieren, wenn niemand diese wahrnehmen kann ? Und genre\u00fcbergreifend und selbstbewusst zusammenzuarbeiten ist doch das Beste \u00fcberhaupt!&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben sich auch f\u00fcr die BUGA 2031 in Wuppertal eingesetzt \u2013 was war da Ihr Beweggrund?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: &#8222;Ich habe viele BUGA-Gegner-Argumente gelesen und angeh\u00f6rt. Ich habe mich mit den f\u00fcr Wuppertal typischen Mopperen herzhaft auseinandergesetzt und zwar, weil ich mir aus erster Hand Infos beschafft habe, die nicht auf H\u00f6ren\/Sagen beruhten, sondern Fakten beinhalteten, die unserer Stadt mittelfristig ein gro\u00dfes St\u00fcck voran bringen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_75127\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75127 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_1859.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"452\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christian v. Grumbkow beim Malen in seinem Atelier &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p>War es in unserer Stadt nicht immer schon so, dass auch gegen erhebliche Widerst\u00e4nde, oft auch aus politischem Kalk\u00fcl oder ganz simple aus Angst vor etwas Neuem, gute Ideen zu scheitern drohten? Aber dann \u2013 wenn auch mit gro\u00dfem Kraftaufwand \u2013 haben sich die fortschrittlichen Stimmen meistens durchgesetzt. Ich habe \u00fcberall da, wo es mir m\u00f6glich war, die guten Argumente f\u00fcr eine BUGA 2031 vertreten. Interessant: Die meisten Gegner und auch ein Teil der Bef\u00fcrworter (wie auch ich) werden von der BUGA nicht mehr viel miterleben. Hier geht es aber vor allem um die n\u00e4chsten Generationen, die eine lebenswerte Stadt haben sollen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie machen sich auch k\u00fcnstlerisch f\u00fcr den Erhalt der Natur und die Rettung des Klimas stark. Stichwort Aktion \u201eDer Wald und der Sturm\u201c. Was kann eine solche Kampagne \u00fcberhaupt bewirken?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Ihre Frage hinterfragt, was Kunst \u00fcberhaupt bewirken kann? Nun, die Kunst ganz allgemein und in allen Spielarten, ist genau wie Religion\/Spiritualit\u00e4t, Geschichte\/Politik etwas durch und durch Lebensnotwendiges f\u00fcr uns Menschen. Auch wenn das mancher Zeitgenosse verneint, ist es dennoch so, dass in der westlichen Kultur diese Dinge eine Tradition und ein allgemein anerkanntes Selbstverst\u00e4ndnis haben. Bei unserem Ausstellungsprojekt \u201eDER WALD UND DER STURM\u201c konnten wir bei bisher sechs Ausstellungen feststellen, dass neben der k\u00fcnstlerisch-\u00e4sthetischen Wirkung auch eine starke Sensibilisierung f\u00fcr die Themen Klima \/ Waldsterben \/ Zukunft und Lebensqualit\u00e4t bei den Betrachtern festzustellen war.<\/p>\n<div id=\"attachment_75084\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75084 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Aubau-Kuenstlerforum-Bonn.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"466\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christian v. Grumbkow und Lebensgef\u00e4hrtin Daria Antsiferova bei Vorbereitungen zur Ausstellung &#8222;Der Wald und der Sturm&#8220; in Bonn &#8211; \u00a9 Martina Kast Media<\/span><\/div>\n<p>Z.B. auf vier meiner \u00dcbermalungen von Markus Bollens Gro\u00dffotos mit geborstenen B\u00e4umen sind auch die St\u00fcrme aufgelistet, die unsere Republik heimgesucht haben. Da waren und sind viele Betrachter sehr ber\u00fchrt von den dort aufgelisteten Tatsachen, wie viele Hektar Wald und wie viele Menschen da jeweils zu Schaden gekommen sind und wie die Zunahme der St\u00fcrme in den letzten Jahren B\u00e4nde spricht von der menschengemachten Tragik. Bewirkt wird durch so eine Kunstaktion Wachheit f\u00fcr die Wirklichkeit ! \u00dcbrigens wurde die letzte Ausstellung im K\u00fcnstlerforum Bonn auch durch zwei wissenschaftliche Vortr\u00e4ge zum Thema begleitet.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wenn man sich die vielen Pressemitteilungen anschaut, mit denen Ausstellungen und Kunstaktionen angek\u00fcndigt werden, kann man schon den Eindruck gewinnen, dass sich die Kunst- und Kultur-Szene immer mehr zum \u201eerhobenen Zeigefinder\u201c, zu moralischen Institution hochstilisiert. Da dreht sich fast alles nur noch um die Themen Klima und Frieden. Sicher wichtige Themen, aber werden da nicht unrealistische Erwartungen erzeugt und die Menschen \u00fcberfordert?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Ich finde es gut, wenn K\u00fcnstler sich auch mit diesen Themen befassen. Den \u201eerhobenen Zeigefinger\u201c finde ich pers\u00f6nlich eher hinderlich. Besser ist es Menschen in Kunstaktionen mit einzubeziehen, so dass eine Erlebnisqualit\u00e4t, eine seelische Ber\u00fchrung stattfindet. \u201eBelehrt\u201c werden wir schon genug von Besserwissern, Influencern oder auch manchen Politikern.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_75116\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75116 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_5985.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"423\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christian v. Grumbkow (2.v.r.) bei der Vernissage der Ausstellung &#8222;Der Wald und der Sturm&#8220; &#8211; im Hintergrund seine Arbeit &#8222;Astwerk&#8220; &#8211; rechts die Bilder stammen von Markus Bollen &#8211; \u00a9 Martina Kast Media<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Was kann Kunst \u00fcberhaupt leisten und was nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Kunst kann ganz viel leisten, wenn ihr genug Raum gegeben wird. In der Familie, in der KITA, der Schule, aber auch im Studium und nat\u00fcrlich auch parallel zum Berufsleben, weil es ein Urbed\u00fcrfnis der Menschheit ist. Unser Bildungssystem \u2013 eines der schlechtesten \u00fcberhaupt \u2013 trainiert leider eher angepasste Pragmatiker. Das was Kunst kann, n\u00e4mlich Wahrnehmungsschulung, Sensibilisierung der Sinne, Ausleben von Phantasien und unangepassten kreativen Impulsen, also eigentlich Tugenden, die wir im Zusammenleben in einer Demokratie dringend brauchen, um verantwortungsbewusstes Handeln und die Erziehung zur Freiheit zu unterst\u00fctzen. Nicht umsonst werden in totalit\u00e4ren Systemen K\u00fcnstler angefeindet und weggesperrt ! Das zeigt ja, wie wichtig Kunst eigentlich ist! Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass der t\u00e4gliche Umgang mit k\u00fcnstlerischen Prozessen \u2013 in meinem Fall der Umgang mit Farbe &#8211; eine harmonisierende, genauer gesagt, sogar eine therapeutische Wirkung hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie waren einmal in der ersten Reihe des ))freien netzwerk)) Kultur und hatten da eine tragende Rolle. Warum haben Sie sich da etwas zur\u00fcckgezogen?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Ich habe die Wahl f\u00fcr die urspr\u00fcnglich vorgesehenen zwei Jahre angenommen und so gut es ging mitgearbeitet. Dann habe ich satzungsgem\u00e4\u00df meinen Vorstandposten abgegeben. Auch aus privaten Gr\u00fcnden, weil meine Partnerin in S\u00fcddeutschland lebt und weil ich an vielen Kunstprojekten gearbeitet habe und zahlreiche, arbeitsintensive Ausstellungen anstanden. Ich bin aber immer noch Mitglied in dem Verein und arbeite mit, wenn es die Zeit erlaubt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_75108\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75108 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Ausstellung-CO-Operationen.-Hier-zu-sehen-der-Fotograf-Michael-Utz.-Hinten-Mitte-Dr.-Eurich-Barmenia-Versicherungen.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"460\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christian v. Grumbkow (r.) im Gespr\u00e4ch mit Barmenia-Vorstand Dr. Andreas Eurich bei der Vernissage einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Foto-K\u00fcnstler Michael Utz (M.) &#8211; \u00a9 Martina Kast Media<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sehen Sie sich als erfolgreicher K\u00fcnstler, der bestens in der Wuppertaler Gesellschaft und dar\u00fcber hinaus vernetzt ist, in der Verantwortung, den Kolleginnen und Kollegen, die nicht so im Rampenlicht stehen, mehr \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz und Geh\u00f6r zu verschaffen?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Ich sehe mich weniger als erfolgreichen K\u00fcnstler &#8211; wie definiert man Erfolg? Ich sehe mich als jemand, der mit k\u00fcnstlerischen Mitteln agiert. Der im \u00f6ffentlichen Raum, wie an den W\u00e4nden meiner Sammler und Kunden markante \u00c4u\u00dferungen hinterl\u00e4sst, die Sch\u00f6nheit und im besten Fall etwas Wahrhaftiges beinhalten und sichtbar machen. Ich habe gerne Kolleginnen und Kollegen mit einbezogen in meine Kunstprojekte. Z.B. bei Gruppen-Ausstellungen im Schloss L\u00fcntenbeck, bei der Charity-Aktion f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingskinder mit 70 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern, bei der Ausstellung in Vok Dams Atelierhaus ( u.a. mit Ekkehard Lowisch) und bei der Zusammenarbeit und zahllosen Ausstellungen mit den Malern Sebastian Spit, Helge Hommes, den Fotografen Michael Utz, Matthias Dunnemann, Markus Bollen und Jens Grossmann. Dabei sind eigentlich immer wunderbare Dinge passiert, die auch mich weiter gebracht haben.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_75089\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75089 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Das-Schloss-das-Licht-Ausstellung-mit-16-Positionen-in-Schloss-Luentenbeck-1.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"433\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christian von Grumbkow mit Kolleginnen und Kollegen bei einer gemeinsamen Ausstellung im Schlo\u00df L\u00fcntenbeck &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Welche moralische Unterst\u00fctzung haben Sie eigentlich selbst am Anfang Ihrer Karriere erhalten?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Meine Eltern haben mich anfangs, als Teenager, ermutigt zu musizieren und zu malen. Als ich dann Kunst studieren wollte, allerdings \u00fcberhaupt nicht mehr! Im Gegenteil: Da gab es t\u00e4glich Dramen, weil ich laut meinem Vater Offizier werden sollte. Mein Kunstlehrer Wilhelm Reichert hat mich sehr ermutigt, diesen Weg zu gehen und schlie\u00dflich hat Prof. Rudolf Schoofs an der GHS Wuppertal meinem k\u00fcnstlerischen Weg eine gute Ausrichtung gegeben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Bildende K\u00fcnstler sind in der Regel Einzelk\u00e4mpfer und leben in einer eigenen Blase. Warum f\u00e4llt vielen K\u00fcnstler Teamwork so schwer?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Ich kann nur Vermutungen anstellen: im Team k\u00fcnstlerisch zusammen zu arbeiten ist schwer, weil man ja ein St\u00fcck weit etwas von sich abgeben und etwas Neues zulassen muss. Das ist nicht jedem Menschen und schon gar nicht jeder K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit gegeben. Weil man als Kunstschaffender ja viele Jahre lang \u201esein eigenes Ding\u201c entwickelt hat. Aber aus meiner Erfahrung kann ich nur dazu ermutigen, so einen Schritt einmal zu probieren. Es entstehen neue, unerwartete Sichtweisen und Gesichtspunkte, das eigene Schaffen zu hinterfragen und so \u2013 allein oder im Team &#8211; auf neue Ideen zu kommen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_75120\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75120 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_6549.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"478\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Haben viele Jahre erfolgreich zusammengearbeitet: Christian v. Grumbkow und die K\u00fcnstlerin und Galeristin Brigitte Baumann, die gerade ihre WUBA-Galerie geschlossen hat &#8211; \u00a9 Claudia Hofmann<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Worauf sind Sie \u2013 losgel\u00f6st von ihrem Erfolg als K\u00fcnstler \u2013 besonders stolz?<\/strong><\/p>\n<p>Christian v. Grumbkow: &#8222;Dass ich trotz des momentan \u00e4u\u00dferst bedenklichen Zustands unserer gesellschaftlichen Realit\u00e4t und der durchaus bedrohlichen politischen Entwicklung \u2013 national wie international \u2013 meine positive Lebenshaltung und Kreativit\u00e4t beibehalten habe. Ich m\u00f6chte es einmal so ausdr\u00fccken wie Musiker Peter Gabriel 2002 in seinem Song &#8218;Darkness&#8216;: &#8218;I have my fears, but they do not have me&#8216; (Ich habe meine \u00c4ngste. Diese haben mich aber nicht!).&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das spannende, offene und ehrliche Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_75096\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 484px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-75096 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/PHOTO-2022-10-31-11-30-15-3.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"336\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Verstehen sich blendend: Christian von Grumbkow mit Tochter Anna (M.) und seiner Lebensgef\u00e4hrtin Daria Antsiferova &#8211; \u00a9 Michael Utz<\/span><\/div>\n<p><strong>Link zur Webseite von Christian v. Grumbkow:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.grumbkow-colors.de\">http:\/\/www.grumbkow-colors.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian von Grumbkow ist eine Pers\u00f6nlichkeit, die Strahlkraft weit \u00fcber Wuppertal hinaus besitzt. Seine Bilder werden weltweit gekauft. Der K\u00fcnstler kann sogar zwei erfolgreiche Karrieren vorweisen: Eine als Musiker, die andere als Maler. Und er ist eine Pers\u00f6nlichkeit, die sich nicht nur mit ihrer Kunst, sondern auch mit Worten und Taten ausdr\u00fcckt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-75070","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-24 12:16:55","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=75070"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75142,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75070\/revisions\/75142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=75070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=75070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=75070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}