{"id":73758,"date":"2024-03-25T15:41:11","date_gmt":"2024-03-25T14:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=73758"},"modified":"2024-03-25T15:41:11","modified_gmt":"2024-03-25T14:41:11","slug":"pfarrer-johannes-nattland-auf-vielen-wegen-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/03\/25\/pfarrer-johannes-nattland-auf-vielen-wegen-unterwegs\/","title":{"rendered":"Pfarrer Johannes Nattland: Auf vielen Wegen unterwegs"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_73761\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1341px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73761 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Nattland-Kirche.jpg\" alt=\"\" width=\"1331\" height=\"1119\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der beliebte, r\u00fchrige Wuppertaler Pfarrer und Seelsorger Johannes Nattland &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Manche Protagonisten\u00a0kennt man gut, andere weniger. Ob bekannt oder weniger bekannt: Wer ihre Portraits liest, m\u00f6chte vermutlich die eine oder den anderen pers\u00f6nlich kennenlernen. Bisher hat Matthias Dohmen an gleicher Stelle Dorothea Brandt, Klaus Burandt, Christine Flunkert, Uwe Flunkert, Heidemarie Koch, Josa Oehme, Erika Schneider, Ingrid Schuh, Klaus Schumann und Michael Walter vorgestellt.<\/p>\n<p>Johannes Nattland ist ein vielseitig interessierter Zeitgenosse, der auf vielen gesellschaftlichen Feldern unterwegs ist. Geboren wurde er in Essen-Kettwig am 07. 09.1961 als dritter Sohn des Pfarrers Hans Nattland und seiner Frau Brunhild, geb. Freiin von Hurter. Aufgewachsen ab 1965 in Altenkirchen\/Westerwald, wo der Vater eine neue Pfarrer-Stelle angenommen hatte.<\/p>\n<p>Dort hat er das Westerwaldymnasium besucht mit Abschluss Abitur. Schon fr\u00fch interessiert er sich, angeregt durch Mutter und die Wuppertaler Gro\u00dfmutter von Hurter, f\u00fcr \u00f6kologischen Gartenbau und Umweltschutz und arbeitete als Sch\u00fcler zur Aufbesserung des Taschengelds auf einem \u00f6kologisch-biologisch bewirtschafteten Hof.<\/p>\n<h4>Zivildienst in der Evangelischen Studentengemeinde Bonn<\/h4>\n<p>Nach dem Abitur leistet er Zivildienst in der Evangelischen Studentengemeinde Bonn \u2013 eine Arbeit, die ihn sehr gepr\u00e4gt hat. Er geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndern eines Arbeitskreises mit dem Namen \u201eGespr\u00e4ch mit \u00dcberlebenden&#8220;. Die Teilnehmer f\u00fchrten zahlreiche Interviews mit \u00dcberlebenden des Holocaust. Diese Gespr\u00e4che wurden sogar sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Damit war es nur folgerichtig, auch die Orte des nationalsozialistischen Terrors zu besuchen, was die Gruppe Anfang der 1980er-Jahre mit Transportlieferungen nach Polen verband, wo aufgrund der sich entwickelnden Solidarnosc-Bewegung Kriegszustand herrschte. Auf den Transportreisen besuchten die ESG-Aktivisten viele Konzentrationslager \u2013 \u201ediese Besuche haben auf uns alle einen bleibenden und pr\u00e4genden Eindruck hinterlassen\u201c, sagt Johannes Nattland heute.<\/p>\n<div id=\"attachment_73762\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73762 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Nattland-Johannes.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"557\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00dcberall gern gesehen: Pfarrer Johannes Nattland &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Der Zivildienst war so pr\u00e4gend, dass sich sein Berufsziel von \u201eGartenarchitektur&#8220; oder \u201e\u00f6kologischer Gartenbau&#8220; hin zur evangelischen Theologie ver\u00e4nderte. Johannes Nattland begann sein Studium der Theologie im Wintersemester 1983 f\u00fcr vier Semester in Marburg. Es folgten zwei Semester in Basel und weitere Semester in Bochum. Im Juni 1986 zog er ins Haus seiner Gro\u00dfmutter von Hurter an den Westfalenweg am Rand des D\u00f6nbergs, da sie, Mitte 80, auf Hilfe und Unterst\u00fctzung angewiesen war.<\/p>\n<p>Durch die dann st\u00e4rker auch pflegerische Inanspruchnahme zog sich das Studium bis 1993 hin, wo er dann sein erstes theologisches Examen ablegte. Ab Herbst 1993 dann Vikar in Neviges, dort \u201ePastor im Sonderdienst\u201c. Dabei handelt es sich um ein Programm der Rheinischen Landeskirche: Weil es so viele Absolventinnen und Absolventen der Evangelischen Theologie gab, f\u00fcr die es gar keine regul\u00e4ren Pfarrstellen gab, wurden Sonderdienste eingerichtet, die spezielle Arbeitsgebiete abdeckten.<\/p>\n<p>Sein Schwerpunkt damals war die Begleitung von Kriegsfl\u00fcchtlingen aus Bosnien, die in Velbert-Neviges untergebracht war. Damit war verbunden der Aufbau eines Kreises von Ehrenamtlichen. Ein weiterer Schwerpunkt war ein Angebot in der Offenen Jugendarbeit, eine gro\u00dfangelegte \u00d6ffentlichkeitsaktion in einem gro\u00dfen Neubaugebiet und \u00fcberhaupt \u00d6ffentlichkeitsarbeit durch Erstellen des Gemeindebriefes, aber auch klassischere Gemeindeaufgaben wie Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht.<\/p>\n<h4>\u00dcber elf Jahre lang pflegte er seine Gro\u00dfmutter<\/h4>\n<p>Die Wohngemeinschaft mit der Gro\u00dfmutter, in der Johannes Nattland zunehmend in die Rolle des pflegenden Angeh\u00f6rigen eines sich dementiell ver\u00e4ndernden Menschen hineinwuchs, dauerte elfeinhalb Jahre. Die Oma starb im M\u00e4rz 1997. Das war eine f\u00fcr ihn sehr pr\u00e4gende Zeit, die viel abverlangte in der Kombination Haushalt sowie Betreuung und Pflege eines Menschen und parallel anf\u00e4nglich das Studium und dann der Berufst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Aber es war auch eine Zeit, in der er viel von ihr \u00fcber die Familie und in einem gewissen Sinn damit auch von der Stadtgeschichte erfuhr. Erz\u00e4hlungen, die sein Interesse an lokaler Geschichte f\u00f6rderte. Im Dezember 2002 wurde er in die ausgeschriebene 75prozentigen Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld West gew\u00e4hlt &#8211; hier f\u00fcr den Bereich N\u00fctzenberg und Eskesberg &#8211; mit dem kleinen Gemeindezentrum Stephanuskirche als Gemeinder\u00e4ume und Gottesdienstst\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das Gemeindezentrum Stephanuskirche wurde Ende April 2007 als gemeindlich genutztes Geb\u00e4ude aufgegeben und die Gemeindearbeit an der neuen, reformierten Kirche konzentriert. Die Pfarrstellen wurden in dem Zuge reduziert und die Gemeindebereiche neu aufgeteilt, so dass zu N\u00fctzenberg und Eskesberg zus\u00e4tzlich der Arrenberg zu dem von ihm seelsorglich zu betreuenden Gebiet hinzukam.<\/p>\n<div id=\"attachment_73763\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73763 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Nattland.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"486\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Pfarrer Johannes Nattland &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Weitere gemeindliche Schwerpunkte: die seelsorgliche und gottesdienstliche Betreuung des St\u00e4dtischen Altenpflegeheims Neviandtstra\u00dfe und der beiden Grundschulen K\u00f6nigsh\u00f6her Weg und Sophienschule\/N\u00fctzenberger Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Von 2007 bis 2011 war er neben dem Gemeindepfarramt Seelsorger am Station\u00e4ren Hospiz Wuppertal-Niederberg, dem Dr.-Werner-Jackst\u00e4dt-Haus. Seit 2011 ist er in einem Stellenumfang von 25 Prozent neben dem Gemeindepfarramt Pfarrer an der Citykirche Elberfeld\/Alte reformierte Kirche und insofern auch Nachfolger des legend\u00e4ren Risto Marttunen.<\/p>\n<p>\u00dcbergemeindliche T\u00e4tigkeiten \u00fcbt er seit vielen Jahren in Vorst\u00e4nden oder Kuratorien \u2013 meist im Auftrag des Kirchenkreises Wuppertal &#8211; in der Begegnungsst\u00e4tte Alte Synagoge, bei der Stiftung Evangelisches Vereinshaus, im F\u00f6rderverein des Hospizdienstes &#8222;Die Pusteblume&#8220;, der B\u00fcrgerstiftung f\u00fcr Kinder, der Stiftung \u201eBewahrung des reformierten und lutherischen Erbes\u201c (Historische Bibliothek) und der Projektgruppe Kemna aus.<\/p>\n<h4>Gro\u00dfes Interesse an Stadt- und Kirchengeschichte<\/h4>\n<p>Besondere Interessensgebiete sind die Stadtgeschichte Wuppertals (Architektur und\u00a0gesellschaftliche Entwicklung) und ihre Kirchengeschichte in Verbindung mit der Erforschung der Familiengeschichte, die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die damit verbundene Erinnerungskultur, der Denkmalschutz, Gartenbau und Gartengestaltung.<\/p>\n<p>Johannes Nattland ist in seinen vielf\u00e4ltigen historischen, \u00f6kologischen und theologischen Interessengebieten auch publizistisch unterwegs. So hat er in dem 2017 erschienen Buch \u201eEinsichten \u2013 Zur Szenografie des reformierten Protestantismus\u201c \u00fcber die 1858 in Dienst genommene Neue Kirche gearbeitet. Quintessenz: \u201eDie versammelte Gemeinde ist zueinander auf die Mitte des Kirchenraumes, den Abendmahlstisch mit dem Wort Gottes, konzentriert.<\/p>\n<p>Die Predigerin beziehungsweise der Prediger ist Teil der Gottesdienstbesucher und in gleicher N\u00e4he beziehungsweise gleichem Abstand zum Abendmahlstisch. Der so gestaltete Gottesdienstraum unterst\u00fctzt das Konzept des Gottesdienstes als gemeinschaftliches Erlebnis.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGr\u00fcne\u201c Themen begleiten ihn auch heute: \u201eDie Neue Kirche und der de Weerthsche Garten \u2013 Abbild des Paradieses\u201c lautet die \u00dcberschrift in seinem Beitrag f\u00fcr das B\u00fcchlein \u00fcber den De-Weerthschen Garten in der Reihe \u201eWuppertals gr\u00fcne Anlagen\u201c. Bis heute h\u00e4lt die Kirche\u201c, lautet Johannes Nattlands Res\u00fcmee, je nach ihrer Zeit \u201edie Erinnerung an das Paradies wach\u201c.<\/p>\n<p><strong>Dr. Matthias Dohmen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUpdate\u201c hei\u00dft unsere Serie, in der Dr. Matthias Dohmen, Journalist, Dozent und Historiker, Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Bergischen Land vorstellt. Mit alten und neuen Texten. Mit Fotos und Dokumenten. Menschen, die ihm etwas bedeuten. Diesmal steht Johannes Nattland im Fokus.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-73758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-21 10:12:47","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73758"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73769,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73758\/revisions\/73769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}