{"id":73096,"date":"2024-03-04T19:04:15","date_gmt":"2024-03-04T18:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=73096"},"modified":"2024-03-04T19:04:15","modified_gmt":"2024-03-04T18:04:15","slug":"bauen-mit-stahl-ist-wirtschaftlich-flexibel-und-nachhaltig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/03\/04\/bauen-mit-stahl-ist-wirtschaftlich-flexibel-und-nachhaltig\/","title":{"rendered":"Bauen mit Stahl ist wirtschaftlich, flexibel und nachhaltig"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_73098\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73098 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Foto-Naujoks.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"705\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Bernd Naujoks &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>\u201e<\/strong>Beachtenswerten Stahlbau machen wir hier in der Region schon seit mehr als 150 Jahren\u201c, sagt Professor Bernd Naujoks vom Lehrgebiet Stahlbau und Verbundkonstruktionen an der Bergischen Universit\u00e4t. Stahl sei zwar ein teurer Werkstoff, aber vor allem im Br\u00fcckenbau f\u00fcr manche Spannweiten unverzichtbar.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang m\u00fcsse man unweigerlich \u00fcber die M\u00fcngstener Br\u00fccke sprechen, dem Stahlwunderwerk des Bergischen Landes, welches sich mit den ber\u00fchmten Bauwerken des Franzosen Gustave Eiffel, dessen 100. Todestag sich gerade j\u00e4hrte, durchaus messen k\u00f6nne.<\/p>\n<h4>Die M\u00fcngstener Br\u00fccke<\/h4>\n<p>Die h\u00f6chste Eisenbahnbr\u00fccke Deutschlands, die M\u00fcngstener Br\u00fccke, wurde zwischen 1895 und 1897 fertiggestellt und ist bis heute ein Touristenmagnet. Mit 5.000 Tonnen Stahl und 950.000 verbauten Nieten ist die Bogenbr\u00fccke aber auch reparaturanf\u00e4llig, denn Stahl korrodiert mit der Zeit. Je nach Umgebung muss man da alle 30 Jahre ran. Die Br\u00fccke wurde vor ein paar Jahren komplett sandgestrahlt und erhielt einen dreischichtigen Korrosionsschutz f\u00fcr mehr als 30 Millionen Euro.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Das sind aufw\u00e4ndige und vor allem teure Instandhaltungskosten. Das sieht der erfahrene Ingenieur anders und sagt: \u201eAndersherum wird ein Schuh draus, denn im Vergleich zu einem Neubau, ist das ein Schn\u00e4ppchen.\u201c<\/p>\n<p>Sicher m\u00fcsse man jederzeit an die Kosten denken, aber im Vergleich zu Spannbetonbr\u00fccken, die knapp 50 Jahre halten w\u00fcrden und nicht ann\u00e4hernd die Aufgaben von Stahlbr\u00fccken leisten k\u00f6nnten, sei der Korrosionsschutz von Stahltr\u00e4gern eine sehr nachhaltige Ma\u00dfnahme. \u201eAu\u00dferdem ist das auch der Trend, den wir momentan haben. Wir hegen und pflegen unsere Bestandsbauten besser, und da geh\u00f6rt der Korrosionsschutz einfach dazu.\u201c<\/p>\n<h4>Wuppertals st\u00e4hlerne Br\u00fccken<\/h4>\n<p>\u00dcber die Wupper im Stadtgebiet s\u00e4umen \u00fcber 90 Br\u00fccken den Fluss. Ein Gro\u00dfteil dieser Br\u00fccken ist aus Metall und Stahl und entstand im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Ob nun die Weltausstellung 1889 eine Initialz\u00fcndung f\u00fcr das Bergische Land gewesen sei, ist sich Naujoks nicht sicher.<\/p>\n<div id=\"attachment_73100\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73100 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Muengstener_Bruecke-Stefan-Kemmerling-Kemmi.1CCBY-SA-3.0-de.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die M\u00fcngstener Br\u00fccke &#8211; \u00a9 Stephan Kemmerling CCBY-SA 30<\/span><\/div>\n<p>Der Wissenschaftler sagt: \u201eGanz offensichtlich ist jedenfalls, dass wir hier sehr viel metallverarbeitende Industrie hatten. Das pr\u00e4gt nat\u00fcrlich auch die Landschaft, und man kommt viel schneller auf den Werkstoff Stahl. Es sind ja auch sehr intelligente Tragwerke, und es herrschte hier keine Scheu, zu einem ganz fr\u00fchen Zeitpunkt, diesen Werkstoff einzusetzen.\u201c<\/p>\n<h4>Messehallen ohne Stahlbau undenkbar<\/h4>\n<p>Auch heute geh\u00f6rt Stahl zu einem festen Bestandteil in der Bauindustrie. Bernd Naujoks sagt, dass er im schweren Anlagenbau f\u00fcr Industriebauten ebenso eingesetzt werde, wie bei nahezu allen Hallenkonstruktionen. \u201eWeitgespannte Hallenkonstruktionen und auch Messehallen w\u00e4ren ohne Stahlbau nicht denkbar\u201c, erkl\u00e4rt er und f\u00fchrt als Beispiel die Messehallen in Stuttgart an.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt wundersch\u00f6ne Stadien und Sportarenen mit phantastischen Stahld\u00e4chern\u201c, berichtet er begeistert, aber auch im Kleinen habe Stahl an profanen Parkhaus- und Gewerbebauten seinen Anteil.<\/p>\n<div id=\"attachment_73106\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73106 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Achim-Otto-s-1-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"421\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Schwebebahn, Wuppertals Wahrzeichen &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>\u00dcberzeugt ist er von den Vorteilen dieses weltweit reichhaltig vorkommenden Baumaterials. \u201eEs ist vor allem die hohe Leistungsf\u00e4higkeit, denn wir k\u00f6nnen auf engem Raum sehr hohe Kr\u00e4fte durch Schraub- oder Schwei\u00dfverbindungen \u00fcbertragen. Das macht diesen Werkstoff so interessant. Trotz des teilweise teuren Materials k\u00f6nnen wir sehr schlanke, materialarme, leichte Konstruktionen realisieren.\u201c<\/p>\n<h4>Stahl-Verbund-Konstruktionen &#8211; und der leidige Brandschutz<\/h4>\n<p>Aber auch Stahl-Verbund-Konstruktionen sind heute obligatorisch. \u201eIm Hochbau in Deutschland\u201c, erkl\u00e4rt der Fachmann, \u201eist ein Parkhaus in Verbundbauweise quasi Standard.\u201c Ebenso h\u00e4tten sich die Verbundbr\u00fccken von den Haltungskosten her als sehr wirtschaftlich erwiesen. Spannbeton sei hierzulande immer noch g\u00fcnstig, habe aber mit knapp 50 Jahren eine k\u00fcrzere Lebensdauer als reine Stahlkonstruktionen.<\/p>\n<p>Eine Herausforderung im Baugewerbe sind vor allem die immer strikter werdenden beh\u00f6rdlichen Vorschriften. Dazu geh\u00f6rt auch der Brandschutz, denn Stahl verliert bei hohen Temperaturen schnell seine Festigkeit. Dazu Bernd Naujoks: \u201eEs gibt durchaus intelligente Brandschutzl\u00f6sungen, wie z. B. beim D\u00fcsseldorfer Stadttor. Da ist der Stahlbau sichtbar. Man h\u00e4tte ihn auch komplett verkleiden k\u00f6nnen, aber meinem fr\u00fcheren Kollegen Prof. Wolfram Klingsch ist ein gutes Brandschutzkonzept in dieser sichtbaren Konstruktion gelungen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_73101\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73101 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wupperbruecke-Kabelstrasse-CC-BY-SA-3.0.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"389\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Wupperbr\u00fccke Kabelstra\u00dfe &#8211; \u00a9 CCB-SA 3.0<\/span><\/div>\n<p>Jedoch gibt er zu bedenken, ob unsere Brandschutzma\u00dfnahmen noch im realistischen Verh\u00e4ltnis stehen und sagt: \u201eWenn ich sehe, dass hier irgendwelche H\u00f6rs\u00e4le wegen Brandschutzauflagen gesperrt werden, ohne dass wir jemals damit Probleme hatten, muss man dar\u00fcber sicher einmal nachdenken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wuppertals Stahlkonstruktion als Vorbild<\/strong><\/p>\n<p>Bernd Naujoks Arbeitsplatz liegt am Haspel, quasi direkt an Wuppertals gr\u00f6\u00dfter Stahlkonstruktion, der Schwebebahn. Deren Ger\u00fcst besteht aus zahlreichen Bauteilen, die als Unikat nur genau an dieser einen Stelle verwendet werden konnten. Bis heute haben solche Konstruktionen einen Einfluss auf die moderne Lehre und Ausbildung zuk\u00fcnftiger Ingenieure.<\/p>\n<p>\u201eDas erw\u00e4hne ich auch immer in meinen Vorlesungen\u201c, erkl\u00e4rt er abschlie\u00dfend. \u201eWenn man einmal genau schaut, dann erkennt man eine modulare Bauweise und ein durchaus intelligentes Tragsystem, was man auf den ersten Blick gar nicht so sieht. Das zentriert die Lasten sehr geschickt und hat auch heute noch absoluten Vorbildcharakter.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_73099\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73099 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Foto-Naujoks-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"287\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr.-Ing. Bernd Naujoks<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr.-Ing. Bernd Naujoks<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing. Bernd Naujoks leitet das Lehr- und Forschungsgebiet Stahlbau und Verbundkonstruktionen in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur und Bauingenieurwesen der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bauen mit Stahl ist wirtschaftlich, langlebig, flexibel und nachhaltig. Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit Ingenieur Bernd Naujoks \u00fcber die Vorz\u00fcge des Stahls unterhalten, eines unverzichtbaren Baustoffs der nordrhein-westf\u00e4lischen Industrie.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-73096","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-14 10:34:50","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73096","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73096"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73096\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73107,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73096\/revisions\/73107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}