{"id":73032,"date":"2024-03-04T16:45:14","date_gmt":"2024-03-04T15:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=73032"},"modified":"2024-03-08T09:02:56","modified_gmt":"2024-03-08T08:02:56","slug":"die-pflegedienste-sind-finanziell-am-limit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/03\/04\/die-pflegedienste-sind-finanziell-am-limit\/","title":{"rendered":"Die Pflegedienste sind finanziell am Limit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_73036\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73036 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Runder-Tisch_Fotocredit-Pflege-Wessel-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ernste Gespr\u00e4ch am runden Tisch. In der Mitte Michale Wessel &#8211; \u00a9 Pflege Wessel<\/span><\/div>\n<p>Michael Wessel, Inhaber Pflege Wessel, hatte eingeladen \u2013 und diesmal kamen sie, die Mitbewerber. Sie alle warfen Konkurrenzdenken und Stolz \u00fcber Bord, zeigten stattdessen Einigkeit. Denn die privat gef\u00fchrten ambulanten Pflegedienste eint seit mehr als einem Jahr der Kampf ums gesch\u00e4ftliche \u00dcberleben. Und das nach teilweise 30 oder 40 Jahren Selbstst\u00e4ndigkeit. Der Tenor: Es geht nur gemeinsam. Und nur mit erheblichem Druck auf die Politik.<\/p>\n<p>23 Unternehmer aus Hessen, Aachen, M\u00fcnster sowie dem Wuppertaler und Mettmanner Gebiet sa\u00dfen an runden Tischen, dazu ein Vertreter des bpa, des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste. Der bpa ist einer der gro\u00dfen Verb\u00e4nde, z\u00e4hlt bundesweit rund 13 000 Mitglieder, etwa 2.300 allein in NRW.<\/p>\n<p>\u201eWo waren Sie, als wir im Sommer 2022 davor gewarnt haben, dass die Tarifpflicht Unternehmen in die Insolvenz treiben w\u00fcrde?\u201c, fragte Michael Wessel den bpa-Vertreter David Schulz. In die Insolvenz deshalb, weil der Deckel der Pflegegrade seitdem immer noch nicht angehoben wurde, wohl aber Einzelleistungen nun teurer sind.<\/p>\n<h4>Auf Kosten der Pflegebed\u00fcrftigen<\/h4>\n<p>Das geht auf Kosten der Pflegebed\u00fcrftigen, denn es k\u00f6nnen nun entweder weniger Leistungen erbracht werden, oder die Pflegedienste zahlen drauf. \u201eUnd das geschieht \u00fcberall\u201c, sagt Knut Damerow, Lebensplus GmbH in Aachen. \u201eWir machen unsere Arbeit mit Herzblut f\u00fcr die Pflegeempf\u00e4nger, wir k\u00f6nnen sie doch nicht allein lassen!\u201c<\/p>\n<p>Gemeinsam mit der Cura Ambulante Pflegedienste GmbH in Aachen hatten die Unternehmen am 21. Februar bereits einen Protesttag auf die Stra\u00dfe gebracht, der Runde Tisch in Wuppertal ist ein willkommenes Vernetzungstreffen. \u201eWir m\u00fcssen mehr werden und schnellstm\u00f6glich zum Landtag D\u00fcsseldorf und nach Berlin\u201c, so der Tenor der Anwesenden.<\/p>\n<p>Auch die Bev\u00f6lkerung m\u00fcsse wachger\u00fcttelt werden. Doch weder Pflegebed\u00fcrftige noch pflegende Angeh\u00f6rige seien auf die Stra\u00dfe zu bewegen. \u201eWenn sie nicht zu uns kommen k\u00f6nnen, gehen wir zu ihnen\u201c, sagt Norbert Vongehr, Cura Aachen. Mit ihrer Aktion, kurze Videos zu drehen, haben sie mitten ins Herz getroffen. \u201eWir haben Pflegebed\u00fcrftige gefragt, was sie tun werden, wenn demn\u00e4chst kein ambulanter Dienst mehr zu ihnen kommt. Die Antworten haben uns zum Weinen gebracht\u201c, so Vongehr.<\/p>\n<div id=\"attachment_73039\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-73039\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Runder-Tisch_Fotocredit_Pflege-Wessel-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1283\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Wessel (M.) richtet die Worte an seine Kolleginnen und Kollegen &#8211; \u00a9 Pflege Wessel<\/span><\/div>\n<p>Denn in den meisten F\u00e4llen haben diese Menschen keine Kinder oder Freunde, die ihre Pflege \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Also w\u00fcnschen sie sich einen schnellen Tod. \u201eWir haben jetzt schon Pflegeempf\u00e4nger, die auf das Waschen verzichten und stattdessen das Geld f\u00fcrs Essen brauchen.\u201c<\/p>\n<p>Alle Anwesenden erz\u00e4hlen das Gleiche: Dringend notwendige Leistungen der K\u00f6rperpflege werden nicht in Anspruch genommen, weil die Betroffenen das Pflegegeld f\u00fcr Nahrungsmittel ben\u00f6tigen. Ein erschreckendes Signal. \u201eDie Politik verfolgt offenbar nur ein Ziel: ambulante Pflegedienste abzuschaffen\u201c, so Damerow.<\/p>\n<p>\u201eWir stehen politisch vor dem Problem, dass in den restlichen anderthalb Jahren dieser Legislaturperiode niemand mehr das Thema aufgreift. Da wird sich im beginnenden Wahlkampf nur um sich selbst und den eigenen Postenerhalt gek\u00fcmmert\u201c, sagt Michael Wessel. \u201eUnd unternehmerisch vor dem Problem, dass die meisten von uns keine anderthalb Jahre mehr haben.\u201c<\/p>\n<p>Harte Worte, Pflege Wessel z\u00e4hlt mehr als 250 Mitarbeiter. Krankenkassen zahlen zum Teil erst nach Monaten, statt wie vertraglich vereinbart nach 14 Tagen \u2013 f\u00fcr alle Unternehmen eine nicht mehr zu stemmende finanzielle Belastung. \u201eWir mussten zw\u00f6lf Monate auf eine Zahlung vom LVR in H\u00f6he von 1,2 Millionen Euro warten\u201c, erg\u00e4nzt Wessel.<\/p>\n<h4>Frust h\u00e4ngt bleischwer im Raum<\/h4>\n<p>Frust h\u00e4ngt bleischwer im Raum, viele haben die Konsequenzen l\u00e4ngst zu Ende gedacht. Daraus erw\u00e4chst im Moment noch Tatendrang statt Resignation. Neben dem wichtigsten Punkt der Vernetzung mit zahlreichen weiteren Pflegediensten, hat die Runde einen Forderungskatalog erstellt, der an Landes- und Bundesregierung geschickt wird. Denn \u201eGeld ist genug da, es muss nur anders verteilt werden\u201c, so Wessel.<\/p>\n<p>Statt Steuergeld ins Ausland zu schicken, m\u00fcsse ein fester Zuschuss in die Pflegekasse gezahlt werden, um die Arbeit ambulanter Dienste ausk\u00f6mmlich zu refinanzieren. Zudem m\u00fcsse gelten: gleiche Arbeit, gleicher Verdienst. \u201eWenn ich Tarife zahle, brauche ich auch den Punktwert der Caritas\u201c, sagt Thomas Mosel, Comfort Pflege Ostviertel in M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Sprich, die Leistungen m\u00fcssen gleicherma\u00dfen verg\u00fctet werden. Und: Wer nicht selbst ausbildet, soll sich an den Kosten beteiligen. Denn ambulante Dienste zahlen bei Auszubildenden immense Summen drauf, dagegen bilden weder das Land noch die Personaldienstleister aus \u2013 die dann aber im Anschluss profitieren.<\/p>\n<p>\u201eZeitarbeit ist Ausbeutung. Den Pflegekr\u00e4ften g\u00f6nn\u2018 ich alles Geld der Welt, aber ich kann daf\u00fcr nicht an das Altersgeld meiner Patienten gehen\u201c, sagt Damerow. Viele weitere Forderungen stehen auf der Liste, doch dass dies zun\u00e4chst nichts \u00e4ndert, ist allen bewusst. \u201eEs geht nur auf der Stra\u00dfe \u2013 und allen muss das klar sein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es bleibt keine Zeit mehr \u2013 dar\u00fcber sind sich alle einig. Finanzielle Reserven sind oftmals aufgebraucht, Privatverm\u00f6gen wird zum Bezahlen der L\u00f6hne verwendet. Das Ende des eigenen Betriebs vor Augen, machen sich Unternehmer der Pflegebranche Luft beim Runden Tisch in Wuppertal.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-73032","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wirtschaft"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-24 12:15:46","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73032","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73032"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73032\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73041,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73032\/revisions\/73041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}