{"id":72824,"date":"2024-02-22T10:22:21","date_gmt":"2024-02-22T09:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=72824"},"modified":"2024-02-22T10:22:21","modified_gmt":"2024-02-22T09:22:21","slug":"jan-filipzik-unsere-letzten-tage-in-kuba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/02\/22\/jan-filipzik-unsere-letzten-tage-in-kuba\/","title":{"rendered":"Jan Filipzik: Unsere letzten Tage in Kuba"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_72829\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 970px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72829 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20240210_130728.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"714\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jan Filipzik mit einem weltbekannten Exportartikel Kubas: Dem Rum &#8222;Havanna Club&#8220; &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>F\u00fcr einen kurzen Augenblick habe ich vergessen, wo wir sind. Ich klappe meinen Laptop zu, stehe vom Tisch auf, schaue Lena verwirrt an und k\u00f6nnte noch nicht einmal sagen, in welchem Land wir uns gerade befinden, geschweige denn in welcher Stadt. Es ist das gleiche Gef\u00fchl, wie wenn man mitten in der Nacht orientierungslos aufwacht.<\/p>\n<p>Es dauert ein paar Sekunden, dann f\u00e4llt es mir ein: Kuba, Havanna, alles klar soweit. Es ist verr\u00fcckt, dass wir schon mehr als ein Jahr unterwegs sind und die vielen Erlebnisse, an die ich mich erinnere, auf dieser einen Reise passiert sind. Wenn ich zum Beispiel an Las Vegas oder Japan zur\u00fcckdenke, dann f\u00fchlt es sich an, als w\u00e4re das ein unabh\u00e4ngiger Urlaub gewesen. Unvorstellbar, dass all das Teile eines gro\u00dfen Ganzen sind.<\/p>\n<h4>In Lenas &amp; Jans Reiseblog \u201ereisen-ist.jetzt \u2013 Unterwegs ist da,\u00a0wo wir sind\u201c finden Sie noch viel mehr Fotos, Infos und Impressionen:<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/reisen-ist.jetzt\">https:\/\/reisen-ist.jetzt<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_72830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72830 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20240204_182009.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" \/><span class=\"wp-caption-text\">In diesem Ressort in Varadero verbingen Lena und Jan drei ruhige, entspannte Wochen &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Bevor wir uns von Havanna auf den Weg nach Varadero und damit zur letzten Station unserer Kuba-Reise machen, gibt es eine Begebenheit, die ich kurz erz\u00e4hlen m\u00f6chte. An einem Abend sitzen wir drau\u00dfen in einer kleinen Bar, direkt um die Ecke von unserem Casa Particular. Wir trinken etwas und warten auf unser Essen. An den Tischen um uns herum sind \u00fcberwiegend Einheimische, einer von ihnen hat eine kleine Bassbox herausgeholt und \u00fcbernimmt die Rolle des DJs.<\/p>\n<p>Als ich zur Bar gehe, um noch ein Bier zu bestellen, l\u00f6st sich ein Mann aus einer Gruppe und kommt auf mich zu. Er ist ziemlich betrunken und deutet auf mein Glas. Dann zeigt er auf den Mann mit der Bassbox. Das da, erkl\u00e4rt er in gebrochenem Englisch, sei sein allerbester Freund auf der Welt. Ob ich ihm vielleicht auch ein Bier kaufen k\u00f6nne? Es ist so unerwartet s\u00fc\u00df und selbstlos, dass ich nat\u00fcrlich nicht Nein sage.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter sind wir zur\u00fcck in Varadero, wo wir ganz am Anfang unseres insgesamt dreimonatigen Aufenthalts in Kuba schon einmal waren. Der Strand hier z\u00e4hlt zu den sch\u00f6nsten, die ich bislang gesehen habe \u2013 und weil wir noch einmal richtig ausspannen wollen, bevor die letzten Etappen unserer Weltreise anbrechen, haben wir uns diesmal f\u00fcr drei Wochen ein Zimmer in einem Resort genommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_72831\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72831 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20240211_072349.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"650\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lena Lichterbeck l\u00e4sst die Seele im tropischen Garten des Resorts baumeln &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Ein gro\u00dfer Vorteil dort ist definitiv das Essen. Die Auswahl ist gro\u00df und zu jeder Gelegenheit stellen wir uns riesige Teller mit Salat und Gem\u00fcse zusammen. So gesund haben wir ewig nicht mehr gegessen, auch wenn es zum Nachtisch oft noch ein St\u00fcck Kuchen gibt.<\/p>\n<p>Dabei entdecke ich ein mir bislang unbekanntes Ph\u00e4nomen: Futterneid, wenn mein Teller bereits voll ist und ich bei einem der G\u00e4ste etwas erblicke, das ich \u00fcbersehen habe und auch gerne gegessen h\u00e4tte. Schon lustig, wor\u00fcber man sich Gedanken machen kann.<\/p>\n<p>Nicht so gut ist, dass wir zu Beginn unseres Aufenthaltes das erste Mal auf unserer Weltreise ernsthaft krank werden. Ausgerechnet in Kuba, wo die medizinische Versorgung schlecht ist, haben wir uns eine Infektion mit einem Bakterium eingefangen, die sich schlie\u00dflich nur noch mit einem bestimmten Antibiotikum bek\u00e4mpfen l\u00e4sst.<\/p>\n<div id=\"attachment_72832\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72832 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20240206_134651.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jan Filipzik am traumhaften Strand von Varadero &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Doch wir haben Gl\u00fcck. Das Hotel hat eine kompetente \u00c4rztin, der es gelingt, f\u00fcr 100 Dollar das passende Medikament aufzutreiben. Das ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in einem Land, in dem f\u00fcr die meisten Menschen sogar einfache Dinge wie Paracetamol oder Ibuprofen nicht zu bekommen sind.<\/p>\n<p>Unser Medikament kostet umgerechnet vier Monatsgeh\u00e4lter eines kubanischen Lehrers oder Polizisten und die ganze Situation f\u00fchrt uns die Zwei Klassen-Gesellschaft noch einmal drastisch vor Augen. Wer Zugang zu ausl\u00e4ndischen Devisen hat, lebt besser und sicherer als der Rest der Bev\u00f6lkerung. Allerdings sind das, abgesehen von den Ausl\u00e4ndern, nur etwa zehn Prozent der Kubaner, und zwar \u00fcberwiegend diejenigen, die im Tourismus arbeiten.<\/p>\n<p>Dank des Antibiotikums geht es uns nach wenigen Tagen wieder gut und wir k\u00f6nnen die Zeit im Resort genie\u00dfen. Wir erfreuen uns an den Menschen, die sich ihre Cocktails in riesige Thermobecher und ihr Bier in 1,5 Liter gro\u00dfen Plastikflaschen f\u00fcllen lassen. Wir machen fast t\u00e4glich Sport und verbringen anschlie\u00dfend viel Zeit am Strand, wo an manchen Tagen unz\u00e4hlige der gef\u00e4hrlichen portugiesischen Galeeren angesp\u00fclt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_72833\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72833 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20231024_125711.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Kuba bietet wundersch\u00f6ne Landschaften &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Die Sonnenunterg\u00e4nge sind spektakul\u00e4r und das Meer sieht jeden Tag anders aus. Mal ist es st\u00fcrmisch und aufgew\u00fchlt, wei\u00dfe Gischt spritzt von hoch aufragenden Wellenk\u00e4mmen, dann wieder ist es spiegelglatt und so ruhig, als w\u00e4re es Teil einer Kulisse.<\/p>\n<p>Ein bisschen erinnert es mich dabei an den Film \u201eDie Truman Show\u201c, falls den noch jemand kennt. Ein paar Mal gehen auch kr\u00e4ftige Gewitter nieder, es wird deutlich k\u00fchler und w\u00e4hrend wir im Pullover im Foyer des Hotels Karten spielen, beobachten wir ein paar Unerschrockene, die die kurzen Regenpausen f\u00fcr ein Sonnenbad nutzen. Das K\u00e4lteempfinden ist eben sehr individuell.<\/p>\n<p>Weil wir die drei Wochen bewusst so geplant haben, dass wir komplett herunterfahren k\u00f6nnen, habe ich viel Zeit zum Nachdenken. Es ist das erste Mal auf der Weltreise, dass es absolut nichts zu tun gibt. Keine Pl\u00e4ne, die wir jetzt schon f\u00fcr Peru oder Kolumbien machen br\u00e4uchten.<\/p>\n<div id=\"attachment_72834\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72834 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20240219_200914.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"650\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Zur\u00fcck in Havanna, der Hauptstadt Kubas &#8211; \u00a9 reisen-ist-jetzt<\/span><\/div>\n<p>Keine Projekte. Und kein kommender Job f\u00fcr die Zeit nach der Reise, um den ich mich jetzt schon k\u00fcmmern k\u00f6nnte. Zun\u00e4chst versuche ich mich, auf diese Situation einzulassen \u2013 doch irgendwann sehe ich ein, dass dieser Zustand einfach nicht meinem Naturell entspricht. Ich merke, dass ich eine Perspektive brauche und wie sehr ich mich inzwischen darauf freue, wieder eine Aufgabe zu haben, n\u00fctzlich zu sein und einen Beitrag zu leisten.<\/p>\n<p>Denn das gibt mir Kraft und Energie. Unt\u00e4tig zu sein und ohne Ziele in den Tag hineinzuleben, f\u00fchlt sich f\u00fcr mich hingegen nicht gut an. Deshalb beginne ich, mich langsam auf die Zeit nach der R\u00fcckkehr vorzubereiten. Ich mache erste noch vorsichtige Pl\u00e4ne und merke, wie gut mir das tut.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bin ich froh, dass wir diesen Blog haben. Denn das Schreiben hat mir auf dieser Reise immer wieder geholfen, mir \u00fcber solche Dinge bewusst zu werden und ich habe viel \u00fcber mich gelernt.<\/p>\n<div id=\"attachment_72835\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72835 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20240220_092636.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"537\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein fahrender H\u00e4ndler bietet in Havanna seine Waren an &#8211; \u00a9 reisen-ist jetzt<\/span><\/div>\n<p>Schlie\u00dflich neigt sich Varadero dem Ende zu. Am vorletzten Tag lasse ich mir als kleines Andenken an die Zeit in Kuba noch schnell ein Tattoo stechen, dann sitzen wir auch schon wieder im Bus auf dem Weg zur\u00fcck nach Havanna. Dort bleiben wir drei N\u00e4chte, bevor wir nach Peru fliegen.<\/p>\n<p>Unsere Unterkunft liegt diesmal wieder mitten im Zentrum, direkt am Parque Cristo, wo den ganzen Tag \u00fcber Trubel herrscht. Kinder kreischen auf dem Weg zur Schule, ein H\u00e4ndler f\u00e4hrt mit einem alten Lkw vor und bietet seine Waren an, die Preise schreibt er vorher mit Kreide auf die Seitenwand des Fahrzeugs. Schnell hat sich eine Menschentraube gebildet, der L\u00e4rm von knatternden Autos und Musik schallt durch das offene Fenster in unser Zimmer.<\/p>\n<p>Mitten in der Nacht werden wir von einer lautstarken Auseinandersetzung geweckt. \u201eDas ist mir doch egal\u201c, schreit die Frau ihren Kontrahenten an und ich merke, dass mein Spanisch mittlerweile ganz passabel geworden ist. Kuba ist intensiv und sch\u00f6n, ist Leben und Leidenschaft. Es war die richtige Entscheidung, so lange hier zu bleiben.<\/p>\n<p><strong>Jan Filipzik <\/strong><\/p>\n<ol start=\"21\">\n<li>Februar 2024<\/li>\n<\/ol>\n<div id=\"attachment_72838\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72838 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/img_20231217_135403-min.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"418\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lena Lichterbeck und Jan Filipzik in Havanna &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<h4>In Lenas &amp; Jans Reiseblog \u201ereisen-ist.jetzt \u2013 Unterwegs ist da,\u00a0wo wir sind\u201c finden Sie noch viel mehr Fotos, Infos und Impressionen:<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/reisen-ist.jetzt\">https:\/\/reisen-ist.jetzt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind auf dem Weg, sich ihren grossen Traum zu erf\u00fcllen &#8211; die Unternehmensberaterin Lena Lichterbeck und der Berater Jan Filipzik, Ex-Chefredakteur des Wuppertaler Magazins &#8222;talw\u00e4rts&#8220;. Die beiden haben ihre gemeinsame Wohnung aufgegeben und sind unterwegs auf gro\u00dfer Weltreise. Dabei begleiten wir Lena und Jan. 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