{"id":72380,"date":"2024-02-08T10:51:48","date_gmt":"2024-02-08T09:51:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=72380"},"modified":"2024-02-08T10:51:48","modified_gmt":"2024-02-08T09:51:48","slug":"voll-im-flow-beschaeftigte-profitieren-von-morgenroutine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/02\/08\/voll-im-flow-beschaeftigte-profitieren-von-morgenroutine\/","title":{"rendered":"Voll im Flow: Besch\u00e4ftigte profitieren von Morgenroutine"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_72383\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 925px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72383 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/woman-3053492_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"915\" height=\"645\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine kurze Meditation am Morgen kann den ganzen Arbeitstag leichter und ertr\u00e4glicher machen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p class=\"h3 news-teaser-text\">Die Ergebnisse haben die Forscherinnen und Forscher jetzt\u00a0 im Journal of Occupational Health Psychology ver\u00f6ffentlich. Konkret wollten die Wissenschaftler wissen, ob sich eine Morgenroutine \u2013 wie die Durchf\u00fchrung von Achtsamkeits\u00fcbungen \u2013 positiv auf den gesamten Tag von Besch\u00e4ftigten auswirken kann, auch wenn diese zwischen privatem und beruflichem Umfeld wechseln.<\/p>\n<p class=\"h3 news-teaser-text\">Dabei nahmen die Forschenden explizit kurze, sogenannte Mikrointerventionen, unter die Lupe, da diese f\u00fcr Arbeitnehmende am besten in den Tagesablauf integrierbar sind. \u201eAus fr\u00fcheren Forschungsarbeiten wissen wir von einer guten Wirksamkeit l\u00e4ngerer Achtsamkeitsinterventionen. Sie haben das Potenzial, das Wohlbefinden von Mitarbeitenden \u00fcber mehrere Wochen und Monate hinweg zu f\u00f6rdern\u201c, erkl\u00e4rt Studienleiter Prof. Dr. Stefan Diestel.<\/p>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p>Auch f\u00fcr k\u00fcrzere \u00dcbungseinheiten sind die unmittelbaren Folgen gut belegt, seien es sofortige positive Auswirkungen auf die Gelassenheit und die Schlafqualit\u00e4t oder der Abbau von Stress und Angst. Unklar war bislang jedoch, was \u00fcber die kurzfristigen Vorteile hinaus bleibt. \u201eAlso wollten wir wissen, welchen potenziellen Nutzen eine Morgenroutine auch f\u00fcr den Arbeitstag und mit R\u00fcckkehr nach Hause bis in den Abend hinein haben kann. Kurz gesagt: ob sich die wissenschaftlich bereits gut belegte positive Wirkung der Achtsamkeitsintervention \u00fcbertragen l\u00e4sst\u201c, so Studienautorin Charlotte Hohnemann.<\/p>\n<div id=\"attachment_72384\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72384 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/woman-4617219_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Meditation als Einstieg in den Arbeitstag &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Derartige \u00dcbertragungseffekte (auch als spill-over bezeichnet) von Gef\u00fchlen, Verhaltensweisen oder Informationen von einem Bereich auf einen unabh\u00e4ngigen anderen sind in der Psychologie und weiteren Fachgebieten ausreichend bekannt. Entsprechend nahmen die Wissenschaftler auch die Mechanismen ins Visier, die hinter der Wirkung der Meditation stecken und zu diesen \u00dcbertragungseffekte f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n<h4>M\u00fchelose Konzentration<\/h4>\n<p>Sie fanden heraus, dass sich der Zeitaufwand am Morgen lohnen kann: Ihre Ergebnisse best\u00e4tigten die meisten ihrer Annahmen und legen nahe, dass eine kurze Meditation am Morgen Besch\u00e4ftigte im Tagesverlauf bei der bewussten Steuerung von Verhalten, Emotionen und Gedanken unterst\u00fctzt. Als Folge daraus bringen sie das Wahrnehmen ihrer Arbeitsaufgaben in Einklang mit ihren eigenen Werten und Interessen, sodass sie in ein tiefes Flowerleben geraten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eEine \u00dcbereinstimmung externer Ziele mit pers\u00f6nlichen Werten und Interessen f\u00f6rdert das Flowerleben. Das ist erstrebenswert, denn es f\u00fchrt dazu, dass wir uns m\u00fchelos einer Aufgabe widmen k\u00f6nnen und in ihr aufgehen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Dieser angenehme Zustand steigert unser Wohlbefinden, das sich, wie wir herausgefunden haben, sogar mit nach Hause nehmen l\u00e4sst. Bei unseren Studienteilnehmenden \u00e4u\u00dferte sich das in einer wahrgenommenen Vitalit\u00e4t am Abend, die Ausdruck psychologischen und physiologischen Wohlbefindens ist. Erleben wir also mehr Flow auf der Arbeit, f\u00fchlen wir uns auch danach noch fitter\u201c, fasst Charlotte Hohnemann zusammen.<\/p>\n<div id=\"attachment_72385\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72385 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/male-5922911_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"706\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Konzentrationsn\u00fcbungen vor der Fahrt ins B\u00fcro &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p>Mit ihren Studienergebnissen tr\u00e4gt die Arbeitsgruppe nicht nur zum Ausbau der Achtsamkeitsforschung und einem tieferen Verst\u00e4ndnis von tagesspezifischen T\u00e4tigkeitsprozessen bei. Sie liefert Besch\u00e4ftigen und Organisationen ebenfalls wertvolle Erkenntnisse dar\u00fcber, wie eine wirksame Morgenroutine aussehen und so f\u00fcr mehr Wohlbefinden bei den Arbeitnehmenden sorgen k\u00f6nnte. Beispielsweise k\u00f6nnen Unternehmen durch das Bereitstellen von gef\u00fchrten Meditationen als Audiodateien, das Anbieten entsprechender Workshops oder der Einf\u00fchrung flexibler Arbeitszeiten einen wertvollen Beitrag leisten.<\/p>\n<h4>Mehr Hintergrund zur Studie: Selbstregulation vs. Selbstkontrolle<\/h4>\n<p>F\u00fcr die bisherige Achtsamkeitsforschung gelten die autonome Selbstregulation und die willentliche Selbstkontrolle als wichtige Erkl\u00e4rungsmechanismen, die die positiven Auswirkungen von entsprechenden \u00dcbungen auf das Wohlbefinden bestimmen k\u00f6nnen. Dabei beschreibt die autonome Selbstregulation, dass notwendige Handlungen zum Erreichen eines externen Ziels mit den inneren Werten einer Person \u00fcbereinstimmen \u2013 das Handeln f\u00e4llt leicht. Die willentliche Selbstkontrolle dagegen beschreibt einen psychologischen Kraftakt, der dann aktiviert wird, wenn eigene Werte zu Gunsten externer Ziele zur\u00fcckgestellt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u201eNehmen wir f\u00fcr den Arbeitsalltag das Beispiel, dass ich einer Kollegin bei der Bearbeitung einer Excel-Tabelle helfen soll. Ich kann diese Aufgabe als sehr monoton empfinden, weshalb ich mich eigentlich dagegen wehren w\u00fcrde, akzeptiere sie aber, da ich wei\u00df, dass sie getan werden muss. Oder aber ich sehe darin den positiven Aspekt, zum Beispiel, dass ich meiner Kollegin helfe, oder konzentriere mich g\u00e4nzlich auf die geforderte Sorgfalt. Meditation kann unterst\u00fctzen, diese unterschiedlichen Aspekte zu erkennen und f\u00fcr sich zu nutzen\u201c, so Charlotte Hohnemann.<\/p>\n<div id=\"attachment_72386\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72386 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/woman-2573216_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Regelm\u00e4\u00dfige Meditation macht das Arbeitsleben leichter &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Indem sie in ihrer Befragung Selbstregulation und Selbstkontrolle gleichzeitig ber\u00fccksichtigten, richteten die Forschenden aus Wuppertal ihren Fokus nun erstmals auch auf die Frage, ob beide Prozesse gleichbedeutend f\u00fcr die positiven Folgen einer Meditation sind oder ein Prozess dominiert. \u201eNur so konnten wir feststellen, ob die kurze Achtsamkeitsintervention die \u00dcbereinstimmung externer Ziele mit pers\u00f6nlichen Werten oder die Akzeptanz einer nicht vorhandenen \u00dcbereinstimmung f\u00f6rdert\u201c, beschreibt Diestel.<\/p>\n<h4>Tagebuchstudie liefert Daten<\/h4>\n<p>Zur Durchf\u00fchrung der Untersuchung wurden Teilnehmende f\u00fcr eine Tagebuchstudie gesucht. In die Ergebnisauswertung flossen schlie\u00dflich die Daten von 78 Personen ein. 72 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen, das durchschnittliche Alter betrug 33,7 Jahre. Die Befragten kamen aus unterschiedlichen beruflichen Kontexten, gehen in ihrem Arbeitsalltag also unterschiedlichen Aufgaben nach. Zehn Arbeitstage lang bekamen die Teilnehmenden dreimal t\u00e4glich einen Fragebogen zugeschickt.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte der Studie, an Tag sechs bis zehn, setzten zudem die Achtsamkeits\u00fcbungen ein: Jeden Morgen sollten die Teilnehmenden vor der Arbeit und zu Hause eine zehnmin\u00fctige, audio-gef\u00fchrte Meditation durchf\u00fchren. Sie wurden angewiesen, sich bequem hinzusetzen, sich auf den Atem zu fokussieren und Gedanken ohne jegliches Urteil zur Kenntnis zu nehmen. Au\u00dferdem wurden die Teilnehmenden motiviert, das Gef\u00fchl und ihre Einstellung am Morgen in den folgenden Arbeitstag zu integrieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p>Mit den t\u00e4glichen drei Online-Frageb\u00f6gen erhielten die Forschenden Erkenntnisse \u00fcber die f\u00fcr sie interessanten Themen und die M\u00f6glichkeit, Zusammenh\u00e4nge zu untersuchen. So wurden die Teilnehmenden gebeten, Aussagen zu jedem Bereich auf einer Zustimmungsskala zu bewerten: Achtsamkeitszustand am Morgen (z. B. \u201eMir fiel es leicht, mich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren\u201c), Selbstregulation und Selbstkontrolle w\u00e4hrend der Arbeit (z. B. \u201eIch habe mich heute voll und ganz mit dem identifizieren k\u00f6nnen, was ich bei der Arbeit getan habe\u201c), Flowerleben (z. B. \u201eHeute bei der Arbeit war ich v\u00f6llig in das vertieft, was ich gerade tat\u201c) sowie Vitalit\u00e4t am Abend (z.B. \u201eGerade f\u00fchle ich mich energiegeladen\u201c).<\/p>\n<div id=\"attachment_72387\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-72387 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/yoga-3053488_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Nach der morgendlichen Meditation kann der Arbeitstag beginnen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>\u201eAus den Antworten unserer Teilnehmenden k\u00f6nnen wir schlie\u00dfen, dass es einen dominanten Prozess gibt: Eine kurze Meditation am Morgen f\u00f6rdert die Selbstregulation und reduziert die Selbstkontrolle bei der Arbeit. Dadurch k\u00f6nnen die Besch\u00e4ftigten leichter in das Flowerleben kommen, was wiederum zu einer subjektiv wahrgenommenen Vitalit\u00e4t am Abend f\u00fchren kann\u201c, res\u00fcmiert Charlotte Hohnemann abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftige Forschung, empfehlen die Autorinnen und Autoren, sollte auf den vorliegenden Ergebnissen aufbauen und zus\u00e4tzliche Messverfahren, wie beispielsweise Fremdeinsch\u00e4tzungen oder die Messung k\u00f6rperlicher Merkmale, ber\u00fccksichtigen. Dar\u00fcber hinaus sei es sinnvoll, weitere Mechanismen und Rahmenbedingungen einzubeziehen, wie beispielsweise die Rolle von Stressbew\u00e4ltigung und Ressourcenaufbau oder der organisatorischen Einfl\u00fcsse im Unternehmen, um das Forschungsfeld zu vertiefen und ein umfassenderes Verst\u00e4ndnis der zugrunde liegenden Prozesse zu erlangen.<\/p>\n<p>Mehr zur wissenschaftlichen Fachpublikation, ver\u00f6ffentlicht im\u00a0Journal of Occupational Health Psychology, gibt es unter dem <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/ocp0000369\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DOI-Link<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kurze Meditation am Morgen kann den gesamten Arbeitstag von Besch\u00e4ftigten pr\u00e4gen und durch eine St\u00e4rkung der Selbstregulation noch am Abend das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Das haben Forschende vom Lehrstuhl f\u00fcr Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal und dem Trinity College Dublin in einer Studie herausgefunden.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-72380","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-12 14:14:47","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72380"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72380\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72388,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72380\/revisions\/72388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}