{"id":72270,"date":"2024-02-02T15:36:47","date_gmt":"2024-02-02T14:36:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=72270"},"modified":"2024-02-02T15:36:47","modified_gmt":"2024-02-02T14:36:47","slug":"prorektor-dr-michael-scheffel-tritt-in-den-ruhestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/02\/02\/prorektor-dr-michael-scheffel-tritt-in-den-ruhestand\/","title":{"rendered":"Prorektor Dr. Michael Scheffel tritt in den Ruhestand"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_72275\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 668px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-72275\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/csm_Abschiedsvorlesung_Prof.Scheffel_cd5d71dff0.jpg\" alt=\"\" width=\"658\" height=\"448\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Michael Scheffel bei einer Vorlesung in der Uni &#8211; \u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<p>Als Korektor war Prof. Dr. Michael Scheffel zust\u00e4ndig f\u00fcr das Ressort Forschung, Drittmittel und Graduiertenf\u00f6rderung. Im Interview spricht erl \u00fcber den Reiz unterschiedlicher Denkweisen sowie des pers\u00f6nlichen Kontakts und den Wert von \u00fcberschaubaren Strukturen.<\/p>\n<p><strong>Sie sind Germanist mit dem Schwerpunkt Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturgeschichte \u2013 ganz breit gefragt: Was fasziniert Sie an Literatur?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Literatur \u00f6ffnet uns ein Tor zu anderen Kulturen und Welten, seien es solche, die l\u00e4ngst vergangen und verloren sind, seien es solche, die es nie gegeben hat oder geben wird. Literatur entf\u00fchrt uns aus einem oft banalen Alltag, sie vermag uns mit der Sch\u00f6nheit einer \u00e4sthetischen Form zu tr\u00f6sten und sie erm\u00f6glicht, was im wirklichen Leben unm\u00f6glich ist: Scheinbar unmittelbar Zutritt zum Bewusstsein anderer und zum Denken, Tr\u00e4umen und F\u00fchlen Dritter zu erhalten. Mich interessieren aber nicht zuletzt auch immer wieder die vielen Geschichten, die erz\u00e4hlt werden und der Reichtum an Formen, in denen verschiedene Epochen und Kulturen alte Geschichten aufgreifen und neu gestalten. Mit Literatur verbinde ich letzten Endes sowohl die Geschichten von Abenteuern als auch die Abenteuer von Geschichten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich Ihr Forschungsinteresse im Laufe Ihrer akademischen Laufbahn entwickelt?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Mein Vater, selbst langj\u00e4hriger Redakteur der FAZ, zitierte gern den alten Spruch \u201eDer Journalist wei\u00df am Ende nichts \u00fcber alles, der Wissenschaftler alles \u00fcber nichts\u201c. Ich selbst habe einen Mittelweg probiert. In diesem Sinne habe ich meine Interessen einerseits m\u00f6glichst breit gehalten und auch f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Lese-Publikum zu arbeiten und schreiben versucht \u2013 etwa indem ich neben fr\u00fcheren literaturkritischen Arbeiten f\u00fcr Rundfunk und Presse und meiner nun fast drei\u00dfig Jahre w\u00e4hrenden T\u00e4tigkeit als Redakteur der Zeitschrift &#8218;Text + Kritik&#8216; zahlreiche Reclam-Ausgaben kanonischer literarischer Texte herausgegeben, das hei\u00dft mit Nachworten und Kommentaren versehen habe. Andererseits habe ich spezielle, schon fr\u00fch bestehende Forschungsinteressen \u00fcber die Jahre hinweg konsequent weiterverfolgt und vertieft.<\/p>\n<p>Das ist einerseits das Interesse f\u00fcr die Formen des Erz\u00e4hlens und in diesem Rahmen zum Teil sehr avancierte theoretische, aber auch historische Fragen und andererseits das Interesse f\u00fcr einzelne Autor*innen und auch die Art und Weise der Entstehung ihrer Werke. Im Rahmen unserer 2012 begonnenen Edition von Werken Arthur Schnitzlers kamen dann f\u00fcr mich neue editionsphilologische und technologische Themen im Blick auf die besonderen M\u00f6glichkeiten der Pr\u00e4sentation von Texten und ihrer Genese in einer innovativen, von Anfang an f\u00fcr das digitale Medium konzipierten Ausgabe hinzu. Mit dem Entwurf des Konzepts einer, wie ich es nenne, \u201agenetischen Narratologie\u2018 habe ich zuletzt meine Interessen f\u00fcr das Erz\u00e4hlen und die verzweigten Wege der sch\u00f6pferischen Einbildungskraft von herausragend kreativen Menschen zu verbinden versucht. Besonders dieses Forschungsfeld wird mich auch k\u00fcnftig besch\u00e4ftigen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Als Vorstandmitglied sind Sie auch in das Wuppertaler Zentrum f\u00fcr Erz\u00e4hlforschung, kurz ZEF, involviert, das Themen wie Sprache, Erz\u00e4hlen und Edition aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Nicht f\u00fcr jeden ist gleich greifbar, was an solch einem Zentrum passiert \u2013 warum ist die Arbeit des ZEF \u2013 fr\u00fcher wie heute \u2013 so bedeutsam?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Neben vielen anderen Effekten ist dieses 2007 gegr\u00fcndete Zentrum ein Treffpunkt f\u00fcr Vertreter*innen verschiedener Fachdisziplinen und eine Art Katalysator f\u00fcr Forschung und Lehre zu allen Aspekten des Erz\u00e4hlens aus unterschiedlichen methodologischen Perspektiven. Konkret \u00e4u\u00dfert sich das in \u00a0einer Vielfalt von Aktivit\u00e4ten. Dazu z\u00e4hlen etwa wissenschaftliche Vortragsreihen, Diskussionsforen, gemeinsame Publikationen und Forschungsprojekte, aber auch zum Beispiel eine speziell den wissenschaftlichen Nachwuchs adressierende \u201aAG Erz\u00e4hlforschung\u2018.<\/p>\n<div id=\"attachment_67381\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-67381\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bergische-Universitaet-SJ-2.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"226\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Bergische Universit\u00e4t:\u00a0 Viele Jahre die berufliche Heimat von Prof. Dr. Michael Scheffel &#8211; \u00a9<br \/>Foto: Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Auch das 2012 von uns gegr\u00fcndete und unterdessen international beachtete interdisziplin\u00e4re E-Journal &#8218;Diegesis&#8216; wird im Rahmen einer kollegialen Zusammenarbeit \u00fcber die Fachgrenzen hinweg von Mitgliedern des ZEF redaktionell betreut. In einer Zeit, in der \u201aSichtbarkeit\u2018 und \u201aResonanz\u2018 auch in der Wissenschaft eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zukommt, ist das ZEF gewisserma\u00dfen zum Leuchtturm im weiten Feld der internationalen Narrativforschung geworden. Das wiederum f\u00fchrt dazu, dass wir, bislang jedenfalls, immer wieder auch Promovierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wssenschaftler gewinnen konnten, die sich andernfalls wohl nicht f\u00fcr den Standort Wuppertal entschieden h\u00e4tten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>2002 sind Sie an die Bergische Uni gekommen, von 2008 bis 2022 waren Sie Prorektor f\u00fcr das damalige Ressort Forschung, Drittmittel und Graduiertenf\u00f6rderung, eine lange Zeit. Was hat Sie an der \u00dcbernahme des Amtes gereizt?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Vor dem Beginn meines eigentlichen Fachstudiums habe ich ein einj\u00e4hriges studium generale am Leibniz Kolleg in T\u00fcbingen absolviert. Dort habe ich Freundschaften zu Studierenden ganz unterschiedlicher F\u00e4cher geschlossen und deren unterschiedliche Denkweisen und Methoden kennen und sch\u00e4tzen gelernt. Mit anderen Worten: Ein gro\u00dfer Reiz war f\u00fcr mich die Perspektive des pers\u00f6nlichen Kontakts zu vielen Forschenden verschiedener Fachdisziplinen und des Austauschs, wobei die Bergische Universit\u00e4t ja ein ungew\u00f6hnlich breites Spektrum von F\u00e4chern beherbergt, also auch F\u00e4cher, die man sonst nur an einer Technischen Hochschule oder etwa einer Kunsthochschule findet. Diese Vielfalt mitsamt ihren jeweiligen disziplin\u00e4ren Voraussetzungen genauer kennen zu lernen und die Forschung der Kolleginnen und Kollegen in all diesen F\u00e4chern so weit als m\u00f6glich zu unterst\u00fctzen und auch nach au\u00dfen hin sichtbar zu machen, das hatte einen gro\u00dfen Reiz f\u00fcr mich. Und Spitzenforschung und die Erkundung von \u201aNeuem\u2018, sich m\u00f6glichst unvoreingenommen auf die Suche nach dem zu begeben, was der Fall ist oder auch sein k\u00f6nnte, das hat mich immer schon fasziniert.<\/p>\n<div id=\"attachment_45730\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45730\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/04-Hoersaal-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"434\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein H\u00f6rsaal der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; Arbeitsplatz von Dr. Michael Scheffel &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Ein weiterer Anreiz war, dass mir das Ansehen und das Bewusstsein f\u00fcr den Wert und die Bedeutung von Forschung an dieser noch jungen Universit\u00e4t seinerzeit, in der Breite jedenfalls, noch ausbauf\u00e4hig schien. Das Angebot von Lambert Koch, als f\u00fcr Forschung zust\u00e4ndiger Prorektor im Rektorat mitzuwirken, habe ich damals als Geschenk empfunden und ich habe meine Entscheidung nie bereut, auch wenn die Arbeitsbelastung insgesamt manchmal an meine pers\u00f6nlichen Leistungsgrenzen ging.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Nehmen Sie uns auszugsweise etwas mit: Was waren Ihre Aufgaben, welche Herausforderungen haben Sie auch pers\u00f6nlich gepr\u00e4gt? Auf welche Meilensteine f\u00fcr die Bergische Uni sind Sie gegebenenfalls besonders stolz?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Pr\u00e4gend f\u00fcr mich waren viele Dinge. Neben der reichhaltigen Gremien- und Planungsarbeit hervorzuheben sind hier sicher die mehr als zweihundert Berufungsverhandlungen, die ich zusammen mit unserem Kanzler gef\u00fchrt habe. Da lernt man die k\u00fcnftigen Kolleginnen und Kollegen, ihre Person, ihre akademische Herkunft, ihre jeweiligen Vorstellungen von Wissenschaft und all ihre Projekte in einer besonders intensiven Situation sehr gut kennen. Wir haben uns f\u00fcr diese Verhandlungen immer vergleichsweise viel Zeit genommen und ich glaube, wir haben mit der ernsthaften Form unseres Austauschs in manchen F\u00e4llen vor allem junge und vielversprechende Personen f\u00fcr unsere Universit\u00e4t gewinnen k\u00f6nnen, die sich auch f\u00fcr andere, im Einzelfall vielleicht besser ausgestattete Standorte h\u00e4tten entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meines Erachtens haben wir aber auch dazu beitragen k\u00f6nnen, das Selbstbewusstsein der Mitglieder unserer Universit\u00e4t als Forschende und den Stellenwert von Forschung in dieser Zeit erheblich zu steigern. Und auch wenn das allein gewiss nicht ausschlaggebend ist: Einen Fortschritt in dieser Richtung belegt die \u2013 im Vergleich zu anderen Universit\u00e4ten \u2013 weit \u00fcberdurchschnittliche Dynamik in der Entwicklung der Drittmittelzahlen in dem von uns zu verantwortenden Zeitraum.<\/p>\n<p>Einen gewissen Stolz empfinde ich im Blick auf die vielen Strukturen, die wir in dieser Zeit geschaffen haben, das hei\u00dft weniger die konkreten Strukturen wie zum Beispiel eine so und so aufgebaute Forschungsf\u00f6rderung, eine Forschungsdatenbank, ein Forschungsmagazin, die Interdiszplin\u00e4ren Zentren oder die verschiedenen Forschungsprofillinien als die Tatsache, dass \u00fcberhaupt \u00fcberschaubare Strukturen und Profile entwickelt wurden, die dann mit der Zeit nat\u00fcrlich auch immer wieder neu angepasst werden k\u00f6nnen und m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und auch auf die Art und Weise wie wir Ver\u00e4nderungen und eine gewisse Profilbildung und Sichtbarkeit nach Au\u00dfen erreicht haben, bin ich, wenn man das \u00fcberhaupt so sagen kann, in einem gewissen Ma\u00dfe stolz. Im Ergebnis, so glaube ich, haben wir einerseits schon gewisse Richtungen und Ziele vorgegeben, den einzelnen Forschenden andererseits aber immer auch alle Freiheiten gelassen. Diese Mischung von klaren Leitlinien, Anreizen und M\u00f6glichkeiten der freien Entfaltung war meiner Meinung nach ein wichtiger N\u00e4hrboden f\u00fcr viele positive Entwicklungen an unserer Universit\u00e4t, die sich, das darf man nicht vergessen, in der Zeit um die Jahrtausendwende in einer existenzgef\u00e4hrdenden Krise und einem Mediationsprozess mit ungewissem Ausgang befand.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie selbst Ihre Zeit an der Uni Wuppertal betiteln, wenn sie als Geschichte in einem Buch erscheinen w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Die Zeit an der Bergischen Universit\u00e4t ist f\u00fcr mich eine wichtige und pr\u00e4gende Zeit, aber sie ist doch auch nur ein Kapitel in meiner pers\u00f6nlichen Geschichte. Ich habe ja an verschiedenen Universit\u00e4ten im In- und Ausland studiert und immerhin rund zwanzig Jahre meiner akademischen Sozialisation an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen verbracht. Nach einem Kapitel \u201eLehrjahre an der Georgia Augusta\u201c w\u00fcrde im Buch meines Lebens in diesem Sinne also folgen: \u201eMeisterjahre mit offenem Horizont an der jungen Bergischen Universit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie ein solches Buch gerne schreiben, oder welche Projekte stehen demn\u00e4chst an?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Im Rahmen einer Kurzzeitdozentur war ich f\u00fcr einige Monate mal in Birmingham, das in verwandelter Form als \u201aRummidge\u2018 in David Lodges ber\u00fchmtem Roman &#8218;Changing Places&#8216; auftaucht, und ich war in unterschiedlichen Eigenschaften auch mit der Universit\u00e4t Hamburg verbunden, die mitsamt ihrem Personal der 1990er Jahre in nur unwesentlich verwandelter Form im Blickpunkt des Bestsellers &#8218;Der Campus&#8216; von Dietrich Schwanitz steht. Bei aller Freude am Erz\u00e4hlen und seinen verschiedenen Formen kann ich mir f\u00fcr mich selber aber nicht vorstellen, die Realit\u00e4t und das Leben an einer Universit\u00e4t so zu pointieren, dass daraus ein wirklich lesenswerter und m\u00f6glicherweise auch erfolgreicher Campus- oder Universit\u00e4tsroman entst\u00fcnde. Teils w\u00fcrde mir die Fantasie daf\u00fcr fehlen, teils wohl auch die notwendige Freude am Sarkasmus.<\/p>\n<div id=\"attachment_42035\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 659px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-42035\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/csm_Webseiten-Relaunch_de885d04b3-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"494\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ex-Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch war lange Kollege des scheidenden Prorektor Prof. Dr. Michael Scheffel\u00a0 &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Wenn ich etwas Pers\u00f6nliches schreiben w\u00fcrde, dann wohl eher eine Art intellektuelle Autobiografie, die auch die Geschichte meiner Familie und die geistigen Entwicklungen umfasste, die von einer scheinbar hochkultivierten und internationalen \u201aguten Gesellschaft\u2018 im Europa der Jahrhundertwende um 1900 zu den Katastrophen zweier Weltkriege und dem Holocaust f\u00fchren und die nach den Jahren des Eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung Deutschlands nun offenbar das Aufkommen eines neuen Nationalismus in Europa zur Folge haben.<\/p>\n<p>Von einer solchen vagen Idee mal abgesehen, habe ich viele konkrete Publikationsprojekte, die vor allem in weiteren literaturwissenschaftlichen Arbeiten bestehen. Von den Werken meiner Lieblingsautoren Theodor Fontane und vor allem Arthur Schnitzler abgesehen gibt es ja noch viel zu entdecken \u2013 und jede Studie zu einem literarischen Text ist f\u00fcr mich eine neue Art von intellektueller Herausforderung und am Ende pers\u00f6nlicher Bereicherung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Bleiben Sie der Uni auf bestimmte Weise verbunden?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Michael Scheffel: &#8222;Konkret gibt es noch das von der Union der Akademien gef\u00f6rderte und von der Cambridge University Library (CUL) gehostete Langzeitprojekt einer digitalen historisch-kritischen Edition der Werke Arthur Schnitzlers, das an der Bergischen Universit\u00e4t angesiedelt ist und das ich zusammen mit meinem Kollegen Wolfgang Lukas bis 2028 leiten werde; das hei\u00dft auch die bei uns angesiedelte Forschungsstelle mit ihren Mitarbeiterinnen. Au\u00dferdem werde ich wohl Mitglied in einigen Herausgebergremien und auch zum Beispiel dem \u201aZentrum f\u00fcr Erz\u00e4hlforschung\u2018 bleiben. Und zusammen mit meinem Kollegen Mat\u00edas Mart\u00ednez werde ich im Herbst 2025 eine gro\u00dfe internationale Tagung von Narratologinnen und Narratologen in Wuppertal organisieren. Es gibt also noch einige Projekte und Kooperationen mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich l\u00e4ngst auch befreundet bin und mit denen ich immer gern zusammengearbeitet habe und in etlichen F\u00e4llen auch noch zusammenarbeiten werde.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_72276\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 130px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-72276\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/csm_Abschiedsvorlesung_Prof.Scheffel_cd5d71dff0-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"181\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Michael Scheffel &#8211; \u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Michael Scheffel<\/h4>\n<p>Michael Scheffel, geboren 1958 in Frankfurt, studierte Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte an den Universit\u00e4ten T\u00fcbingen, Tours (Frankreich) und G\u00f6ttingen. 1995 habilitierte er sich dort zum Thema \u201eFormen selbstreflexiven Erz\u00e4hlens. Eine Typologie und sechs exemplarische Analysen\u201c. Er blieb zun\u00e4chst in verschiedenen Funktionen an der Uni G\u00f6ttingen, \u00fcbernahm international mehrere Lehrt\u00e4tigkeiten und kam 2002 schlie\u00dflich als Professor f\u00fcr Neuere deutsche Literaturgeschichte und Allgemeine Literaturwissenschaft an die Bergische Universit\u00e4t Wuppertal. Von 2008 bis 2022 war er hier Prorektor f\u00fcr Forschung, Drittmittel und Graduiertenf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Reihe \u201eNarratologia\u201c; Mitherausgeber der Reihe \u201eAllgemeine Literaturwissenschaft \u2013 Wuppertaler Schriften\u201c, der \u201eSchriftenreihe Literaturwissenschaft\u201c und von \u201eDiegesis. Interdisziplin\u00e4res E-Journal f\u00fcr Erz\u00e4hlforschung\/Inderdisciplinary E-Journal for Narrative Research\u201c.<\/p>\n<p>Seit 2012 leitet er zusammen mit Wolfgang Lukas die Wuppertaler Arbeitsstelle des in Kooperation mit der Universit\u00e4t Cambridge (UK), der Cambridge University Library und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach sowie mit dem Kompetenzzentrum f\u00fcr elektronische Erschlie\u00dfungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universit\u00e4t Trier durchgef\u00fchrten und im Akademienprogramm gef\u00f6rderten Forschungsprojekts \u201eArthur Schnitzler: Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931)\u201c (<a href=\"http:\/\/www.arthur-schnitzler.de\">www.arthur-schnitzler.de<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich habe meine Entscheidung nie bereut\u201c, sagt Prof. Dr. Michael Scheffel im Brustton der \u00dcberzeugung. 2002 kam der Literaturwissenschaftler als Professor an die Bergische Universit\u00e4t Wuppertal. 14 Jahre lang \u2013 von 2008 bis 2022 \u2013 war er im damaligen Rektorat unter Prof. Dr. Lambert T. Koch Prorektor. Jetzt wurde der Wissenschaftler in den Ruhestand verabschiedet.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-72270","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-24 12:13:22","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72270","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72270"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72270\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72282,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72270\/revisions\/72282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}