{"id":71179,"date":"2023-12-22T09:10:26","date_gmt":"2023-12-22T08:10:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=71179"},"modified":"2023-12-24T10:13:14","modified_gmt":"2023-12-24T09:13:14","slug":"jagd-auf-waschbaeren-einfach-notwendig-oder-voellig-unnoetig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/12\/22\/jagd-auf-waschbaeren-einfach-notwendig-oder-voellig-unnoetig\/","title":{"rendered":"Jagd auf Waschb\u00e4ren: Einfach notwendig oder v\u00f6llig unn\u00f6tig?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_71351\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1111px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-71351\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/wildlife-3273640_1280-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1101\" height=\"766\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tags\u00fcber bekommt man einen Wasvhb\u00e4ren in freier Natur selten zu Gesicht &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Insbesondere die Frage nach der Sch\u00e4digung von Fauna und Flora durch den Waschb\u00e4ren und der damit m\u00f6glicherweise erforderlichen Bejagung entfachte eine sehr kontroverse Diskussion zwischen Tiersch\u00fctzern, Waschb\u00e4r-Bef\u00fcrwortern und der J\u00e4gerschaft.<\/p>\n<p>Ein genauerer Blick auf die rechtliche Einstufung des Waschb\u00e4ren, seiner Bejagung und insbesondere einer sinnvollen Reduktion der Best\u00e4nde soll Akzeptanz f\u00fcr eine friedliche Koexistenz schaffen.<\/p>\n<p>Der Waschb\u00e4r z\u00e4hlt zu den sogenannten invasiven Arten von Tieren, die von Menschen \u00fcber nat\u00fcrliche Ausbreitungsbarrieren hinweg verbreitet wurden. Diese Arten sind unionsrechtlich geregelt. Die offiziell als \u201eNeobiota\u201c bezeichneten Arten kommen urspr\u00fcnglich nicht in Mitteleuropa vor.<\/p>\n<p>Sie werden als \u201egebietsfremd\u201c oder \u201enichtheimisch\u201c bezeichnet. In der Regel werden Tiere oder Pflanzen absichtlich in die hiesige Umwelt eingebracht (beispielsweise im Jahr 1934 der Waschb\u00e4r in Mittelhessen), zum Teil jedoch ohne Absicht durch den Handels- und G\u00fcterverkehr als \u201eblinde Passagiere\u201c (Samen, Larven).<\/p>\n<p>Sowohl absichtlich wie nicht absichtlich w\u00e4ren sie nicht aus eigener Kraft in neue Areale vorgedrungen. Durch eine m\u00f6gliche Sch\u00e4digung der einheimischen Fauna und Flora hat die europ\u00e4ische Union verschiedene Bek\u00e4mpfungsstrategien und eine unterschiedliche Einteilung der invasiven Arten vorgenommen.<\/p>\n<p>In der Verordnung (EU) Nr. 1143\/2014 (im Folgenden IAS-VO f\u00fcr <strong>I<\/strong>nvasive <strong>A<\/strong>lien <strong>S<\/strong>pezies) sind alle als invasiv bekannten Arten aufgef\u00fchrt. Diese Auflistung wird regelm\u00e4\u00dfig fortgeschrieben. Insgesamt wird innerhalb der EU von ca. 12.000\u00a0gebietsfremden Arten gesprochen, etwa 15\u00a0% davon sind invasiv.<\/p>\n<div id=\"attachment_71249\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71249\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/e443c13e-4184-4bbb-b09b-c9e95e70bfbe-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"554\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ganz sch\u00f6n neugierig, dieser kleine Kerl.- \u00a9\u00a0 Dr. med. vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Innerhalb der Liste sind f\u00fcr Deutschland mindestens 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die die heimische Fauna oder Flora sch\u00e4digen oder sch\u00e4digen k\u00f6nnen. Im Jahr 2022 wurde die Auflistung zuletzt auf 88 invasive Tiere und Pflanzen erweitert, mindestens 46 von ihnen kommen wildlebend in Deutschland vor.<\/p>\n<p>Innerhalb der IAS-VO, dritte Fortschreibung mit Durchf\u00fchrungsverordnung (EU) Nr.\u00a02022\/1203, wird unterschieden zwischen invasiven Arten, die in einem fr\u00fchen Verbreitungsstadium vollst\u00e4ndig bek\u00e4mpft werden sollen. Bei Arten, die schon l\u00e4ngere Jahre verbreitet sind, gestaltet sich dies schwierig. Aus diesem Grunde muss eine Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit gewahrt werden, und die Verordnung sieht f\u00fcr diese F\u00e4lle Managementma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung vor.<\/p>\n<p>Der Waschb\u00e4r wird in der aktuellen Unionsliste invasiver Arten in Artikel 19 als \u201eetabliert\u201c gef\u00fchrt. Dies bedeutet, dass er zu Beginn seiner Ausbreitung in den 30er\u2011Jahren in Deutschland bejagt werden musste. Da er nunmehr aber als \u201eetabliert\u201c gilt, und eine Bejagung kein probates, d. h. geeignetes Mittel im Sinne der EU\u2011Verordnung ist, um eine Reduktion der Best\u00e4nde herbeizuf\u00fchren, m\u00fcssen andere Methoden zur Eind\u00e4mmung herangezogen werden.<\/p>\n<p>Diese gezielte Managementma\u00dfnahmen sind f\u00fcr jede invasive Art unterschiedlich, f\u00fcr den Waschb\u00e4ren legen diese die Naturschutzbeh\u00f6rde im Einvernehmen mit der Jagdbeh\u00f6rde fest.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Waschb\u00e4ren sind im Management- und Ma\u00dfnahmenblatt zur IAS-VO m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen genannt. Diese sind insbesondere Schutzma\u00dfnahmen, um das \u00dcberklettern an B\u00e4umen, Horsten oder H\u00f6hlen zu erschweren, in oder an denen schutzbed\u00fcrftige Arten br\u00fcten oder leben.<\/p>\n<div id=\"attachment_71250\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1290px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71250 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/nature-4669438_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"853\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Waschb\u00e4ren sind nachtaktiv und g\u00f6nnen sich tags\u00fcber in ihrer H\u00f6hle ein Schl\u00e4fchen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Auch die Einz\u00e4unung ist geeignet, in gef\u00e4hrdeten Gebieten, bspw. mit Bodenbr\u00fctern oder der Europ\u00e4ischen Sumpfschildkr\u00f6te, die Waschb\u00e4ren fernzuhalten. Stollen, in denen Flederm\u00e4use hausen, k\u00f6nnen gegen das Eindringen von Waschb\u00e4ren durch Gitter oder \u00e4hnliche Vergr\u00e4mungsmittel sicher gesch\u00fctzt werden. Gebiete, in denen Waschb\u00e4ren noch nicht leben, wie Inseln, m\u00fcssen besonders gesch\u00fctzt werden. Hier d\u00fcrfen Menschen nicht unbedacht Waschb\u00e4ren einschleppen.<\/p>\n<p>Die gezielte Bejagung des Waschb\u00e4ren zum Schutz gef\u00e4hrdeter Arten wird im Ma\u00dfnahmenplan zur Verordnung als nur m\u00f6glich und sinnvoll bezeichnet, z.\u00a0B. bei Gebieten mit Europ\u00e4ischer Sumpfschildkr\u00f6te oder bestandsbedrohten, am Boden oder in Kolonien br\u00fctenden V\u00f6geln, wenn besondere Rahmenbedingungen vorliegen. Denn h\u00e4ufig m\u00fcssen hierbei nicht nur der Waschb\u00e4r, sondern auch andere Pr\u00e4datoren (R\u00e4uber), insbesondere Rotfuchs, Mink und Marderhund, kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Die damalige hessische Landestierschutzbeauftragte, welche das hessische Ministerium in Tierschutzangelegenheiten ber\u00e4t, hat ebenfalls zur Thematik der Bejagung Stellung genommen (Dr. med. vet. Madeleine Martin): \u201eGerade bei schon weit verbreiteten Arten, wie bspw. dem Waschb\u00e4ren, ist die T\u00f6tung nicht zwingend erforderlich.\u201c<\/p>\n<p>Sie verweist auch auf die Stellungnahme der EU aus dem Jahre 2017 auf Nachfrage der hessischen Beh\u00f6rde hin, in der deutlich nicht-letale Ma\u00dfnahmen, wie bspw. die \u201ePille f\u00fcr den Waschb\u00e4ren\u201c oder die \u201eImmunokastration\u201c<strong>,<\/strong> zur Eind\u00e4mmung genutzt werden sollen (<a href=\"https:\/\/ighw-waschbaer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Position-zum-Managementplan.jpg\">https:\/\/ighw-waschbaer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Position-zum-Managementplan.jpg<\/a>).<\/p>\n<p>Als etablierte invasive Tierart muss der Waschb\u00e4r nicht mehr get\u00f6tet werden, so ist die derzeitige rechtliche Lage. Die Expertenmeinungen sind sich ebenfalls einig, dass Managementma\u00dfnahmen greifen m\u00fcssen, um eine Verminderung der Best\u00e4nde herbeizuf\u00fchren. Hierbei fallen immer wieder die Schlagworte Pille f\u00fcr den Waschb\u00e4ren, Immunokastration, Sterilisation.<\/p>\n<div id=\"attachment_71253\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71253\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/65fb8942-4ae1-4c1b-8013-1df26ff9da99-1.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"519\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vonwegen Feinde: Waschb\u00e4r und Igel verstehen sich bestens und teilen sogar das Fressen &#8211; \u00a9 Dr. med vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen dienen allesamt der Unfruchtbarmachung der F\u00e4hen. Im Zusammenhang mit den stetig zunehmenden Jahresjagdstrecken<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, der aber nicht sinkenden Anzahl von Waschb\u00e4ren, kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Bejagung nicht zur Dezimierung beitragen wird.<\/p>\n<p>Wie bereits dargestellt, k\u00f6nnen Waschb\u00e4ren die Populationsverluste durch eine vermehrte Fortpflanzungsrate ausgleichen. Dieses erfolgt dadurch, dass Waschb\u00e4ren eines Gebietes durch bestimmte Treffpunkte, wie zum Beispiel Hauptschlafpl\u00e4tze oder Kotpl\u00e4tze, miteinander in Kontakt stehen. \u00dcber Duftmarken erfolgt der Austausch sozialer, sexueller und nahrungs\u00f6kologischer Informationen.<\/p>\n<p>Dass nur deshalb die Unfruchtbarmachung durch Kastration oder Gabe von Hormonpr\u00e4paraten alleine zielf\u00fchrend sein wird, zeigt auch ein Projekt in Italien mit Nutrias. Einvernehmlich mit der EU-Kommission werden dort Nutrias fl\u00e4chendeckend kastriert<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Die Best\u00e4nde konnten auf bis zu 40\u00a0% ihrer urspr\u00fcnglichen Gr\u00f6\u00dfe reduzieren werden (<a href=\"https:\/\/www.nutria-info.com\/wissenswertes\/sterilisationsprojekt\/\">nutria-info.com<\/a>).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist ein Habitat, der nat\u00fcrliche Lebensraum der Tiere, limitiert. In Wald und Wiese mit freil\u00e4ufigen Fl\u00e4chen wird von 1-2 B\u00e4ren je Hektar ausgegangen, in der Stadt jedoch von 50-150 Tieren. Wird die Anzahl \u00fcberschritten, kommt es zu einem nat\u00fcrlichen R\u00fcckgang durch fehlende Nahrung und R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten. Die bei Waschb\u00e4ren vorkommende, aber f\u00fcr den Menschen v\u00f6llig ungef\u00e4hrliche Staupe und Parvovirose, reduzieren \u00fcbergro\u00dfe Best\u00e4nde ohnehin.<\/p>\n<p>Bei etablierten Tierarten ist eine Bejagung somit nur noch im Ausnahmefall notwendig. Hierin sind sich Regierung und Beh\u00f6rden einig. In Einzelfallen muss jedoch, bis Kastrationsmethoden greifen, im Bedarfsfall auf die Bejagung zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n<p>Die Ansitzjagd ist durch die Schonzeiten der F\u00e4hen reglementiert. Diese sind unter Schutz gestellt vom 01.03. bis 31.07. eines jeden Jahres. Jungtiere d\u00fcrfen ganzj\u00e4hrig bejagt werden. Nur dem wirklich erfahrenden J\u00e4ger gelingt jedoch die Differenzierung zwischen \u00e4lteren, m\u00e4nnlichen Jungtieren und der F\u00e4he.<\/p>\n<div id=\"attachment_71262\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71262 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mammal-1227460_1280-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"484\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Waschb\u00e4ren sind seit fast 100 Jahren in Deutschland heimisch &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Da in Bezug auf die Bejagung das Thema Ern\u00e4hrung des Waschb\u00e4rs bez\u00fcglich der Sch\u00e4den an der Fauna eine essentielle Rolle spielt, soll hier ein Exkurs deutlich machen, dass er zu Recht als etablierte invasive Art gilt. Der Waschb\u00e4r ist ein Sammler, kein J\u00e4ger! Sein Nahrungsspektrum erfasst \u00fcber 30\u00a0% Beeren und Fr\u00fcchte, im Vergleich dazu nur 6\u00a0% Fr\u00f6sche.<\/p>\n<p>Sehr schl\u00fcssig wurde das Nahrungsrepertoire auf der Website der Interessengemeinschaft Hessischer Wildtierpfleger (<a href=\"https:\/\/ighw-waschbaer.de\/\">https:\/\/ighw-waschbaer.de\/<\/a>) dargestellt. Diese Website ist dar\u00fcber hinaus mit zahlreichen lesenswerten und fundierten Ver\u00f6ffentlichungen ausgestattet, die f\u00fcr ein weiteres Eigenstudium empfehlenswert sind.<\/p>\n<p>\u201eIm Rahmen des <strong>\u201eProjekt Waschb\u00e4r\u201c ( <a href=\"http:\/\/www.projekt-waschbaer.de\">http:\/\/www.projekt-waschbaer.de ) <\/a><\/strong>wurden im M\u00fcritz-Nationalpark \u00fcber mehrere Jahre 982 Kotproben von Waschb\u00e4ren analysiert und folgende Nahrungskategorien und -anteile ermittelt:<\/p>\n<p>32 % pflanzliche Nahrung<\/p>\n<p>23 % Regenw\u00fcrmer<\/p>\n<p>16 % Schnecken<\/p>\n<p>07 % Insekten<\/p>\n<p>06 % Fische<\/p>\n<p>06 % Amphibien und Reptilien<\/p>\n<p>04 % Muscheln<\/p>\n<p>03 % V\u00f6gel und deren Gelege<\/p>\n<p>02 % S\u00e4ugetiere (zumeist M\u00e4use<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.projekt-waschbaer.de\/fileadmin\/user_upload\/Wildtierforschung_Waschbaer_Band5_final.pdf\">https:\/\/www.projekt-waschbaer.de\/fileadmin\/user_upload\/Wildtierforschung_Waschbaer_Band5_final.pdf<\/a><\/p>\n<p>Die Gewichtung des Deutschen Jagdverbandes verzerrt dieses Bild. Dieser gibt an: \u201eNach jahreszeitlichem Angebot haupts\u00e4chlich Schnecken, W\u00fcrmer, Fische, Fr\u00f6sche, V\u00f6gel, Eier aber auch zu ca. 1\/3 vegetarische Nahrung wie N\u00fcsse, Obst usw.\u201c.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jagdverband.de\/zahlen-fakten\/tiersteckbriefe\/waschbaer-procyon-lotor\">https:\/\/www.jagdverband.de\/zahlen-fakten\/tiersteckbriefe\/waschbaer-procyon-lotor<\/a><\/p>\n<p>Es wird einigen Mitmenschen sicherlich missfallen, aber die Erhebungen des \u201eProjektes Waschb\u00e4r\u201c decken sich mit eigenen Beobachtungen. So bevorzugt der Waschb\u00e4r bei einer Auswahl an pflanzlichen und tierischen Futtermitteln zuerst die pflanzlichen Produkte, wie N\u00fcsse, Sonnenblumenkerne und Fr\u00fcchte (Trauben, Bananen).<\/p>\n<div id=\"attachment_71255\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 659px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71255\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/b726654f-ff8f-4e18-b91a-348a89cf3fbc.jpg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"865\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vor dem Fressen wir sich noch schnell geputzt \u2013 \u00a9 Dr. med. vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Bei den tierischen Proteinen stehen ganz deutliche wirbellose Organismen im Vordergrund. Eine sehr sch\u00f6ne Abbildung zum <em>\u201egedeckten Tisch\u201c<\/em> des Waschb\u00e4ren findet sich im Buch \u201eDer Waschb\u00e4r\u201c von Ulf Hohmann und Ingo Bartussek (<a href=\"https:\/\/www.thalia.de\/shop\/home\/artikeldetails\/A1017901281\">https:\/\/www.thalia.de\/shop\/home\/artikeldetails\/A1017901281<\/a>).<\/p>\n<p>Dass der Waschb\u00e4r rechtlich einen ganz anderen Status als etablierte invasive Tierart innehat, zeigt auch die Reglementierung von Tieren und Pflanzen, die zwingend dezimiert werden m\u00fcssen. Diese sind im <strong>Artikel 16<\/strong> der IAS-VO aufgef\u00fchrt. Hierzu z\u00e4hlt beispielsweise die im Sommer 2023 in der Presse vielfach erw\u00e4hnte und hier exemplarisch genannte Asiatische Hornisse (<em>Vespa velutina nigrithorax<\/em>).<\/p>\n<p>Sie gilt zurzeit noch als <em>\u201eunbest\u00e4ndig\u201c<\/em> und muss bek\u00e4mpft werden, um die weitere Ausbreitung zu verlangsamen oder ganz zu unterbinden. Sie ist in Deutschland respektive der EU neu und noch nicht so weit verbreitet, richtet jedoch massive Sch\u00e4den an ungesch\u00fctzten Honigbienenv\u00f6lkern an, so dass eine Bek\u00e4mpfung aus kommerziellen Gr\u00fcnden unverzichtbar ist.<\/p>\n<p>Dass die Problematik der invasiven Pflanzen- und Tierarten sehr umfangreich und komplex ist, wird alleine durch die Tatsache deutlich, dass sich in den Bundesl\u00e4ndern die Umweltministerien exklusive in daf\u00fcr vorhandenen Referaten damit besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Das f\u00fcr Nordrhein-Westfalen zust\u00e4ndige Referat hat jedoch auf pers\u00f6nliche Nachfrage best\u00e4tigt, dass es sich bei dem Waschb\u00e4ren gem\u00e4\u00df gesetzlicher Grundlage und Erkenntnissen um eine etablierte, aber teils invasive Spezies handelt, bei der es punktuell \u2013 nicht in der Fl\u00e4che \u2013 zu Konflikten mit gef\u00e4hrdeten einheimischen Arten kommen kann. Ein aktueller Fall belegt dieses aus dem Raum Aachen f\u00fcr die Pr\u00e4dation von Gelbbauchunken.<\/p>\n<p>Fairerweise muss aber mit bedacht werden, dass solche einzelnen Konflikte ebenfalls bei h\u00e4ufigen heimischen Arten (Bsp. Rotfuchs) und seltenen heimischen Arten (Bsp. Uferschnepfe, Brachvogel, Kiebitz) vorkommen k\u00f6nnen. Auch hier werden die h\u00e4ufigen Arten bek\u00e4mpft (sch\u00e4rfere Bejagung des Rotfuchses in Gebieten mit abnehmender Brutpaarzahl bei Bodenbr\u00fctern).<\/p>\n<div id=\"attachment_71256\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 659px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71256\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/33cdd3cf-0af1-4148-807f-d7af876f3164-1.jpg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"865\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein niedlicher Waschb\u00e4r am abendlichen Buffet \u2013 \u00a9 Dr. med vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Schlussfolgernd ist festzustellen: Der Waschb\u00e4r geh\u00f6rt seit fast 100\u00a0Jahren zu Deutschland und ist damit vom Status zwar einen Neozoe, wie Halsbandsittich, Damhirsch, Mufflon, Bisam und Nutria, aber eben eine etablierte Art, die Mitteleuropa nicht mehr verlassen wird!<\/p>\n<p>W\u00e4re er 2016 nicht in die IAS-VO aufgenommen worden, w\u00fcrde er l\u00e4ngst als eingeb\u00fcrgertes, heimisches Tier gef\u00fchrt. Wie bei anderen Tierarten ist sein \u201eSiegeszug\u201c die Folge einer Ver\u00e4nderung des Landschaftsbildes, das nur durch den Menschen entstanden ist.<\/p>\n<p>Es liegt in der Verantwortung des Menschen, nun die Fakten zu akzeptieren und eine sinnvolle Form der Bestandsreglementierung (sofern \u00fcberhaupt erforderlich) zu w\u00e4hlen, n\u00e4mlich nur dann eine Entnahme, wenn anderer Alternativen wie Kastration und Wiederauswilderung nicht praktikabel bzw. zielf\u00fchrend sind.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche allen Lesern und Leserinnen ein gesegnetes, zufriedenes und frohes Weihnachtsfest und einen gesunden \u00dcbergang ins Jahr 2024.<\/p>\n<p>Bleiben Sie Waschb\u00e4r freundlich!<\/p>\n<p><strong>Ihre Dr. med. vet. Marita Langewische<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_71245\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 425px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71245\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Marita_Langewische-2-863x1024-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"415\" height=\"294\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. med. vet. Marita Langewische &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Link zum Artikel &#8222;Waschb\u00e4r &#8211; Plagegeist oder heimischer Geselle&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/10\/16\/waschbaer-plagegeist-oder-heimischer-geselle\/\">https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/10\/16\/waschbaer-plagegeist-oder-heimischer-geselle\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jahr 2021\/2022 = 201.975; <a href=\"https:\/\/www.jagdverband.de\/sites\/default\/files\/2023-02\/2023-02_Infografik_Jahresjagdstrecke_Waschbaer_2021_2022.jpg\">https:\/\/www.jagdverband.de\/sites\/default\/files\/2023-02\/2023-02_Infografik_Jahresjagdstrecke_Waschbaer_2021_2022.jpg<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Anmerkung: Sterilisation bezeichnet das Durchtrennen der Ei- oder Samenleiter; bei der Kastration werden die Eierst\u00f6cke und die Hoden entfernt. Das ist die Methode der Wahl, wird aber in der Presse f\u00e4lschlicherweise oftmals als Sterilisation bezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Waschb\u00e4r ist ein munterer, schmucker Bursche, welcher durch gro\u00dfe Regsamkeit und Beweglichkeit sehr erfreut\u201c (A. E. Brehm, Zoologe, 1829-1884). Eine Koexistenz \u201eWaschb\u00e4r \u2013 heimische Tierwelt\u201c ist m\u00f6glich. Dies ginge auch ohne Bejagung. Der Artikel \u201eWaschb\u00e4r \u2013 Plagegeist oder heimischer Geselle\u201c hat die Gem\u00fcter aufgew\u00fchlt. (Siehe Link unten)<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-71179","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weitblick"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-06 23:55:18","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71179"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71179\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71352,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71179\/revisions\/71352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}