{"id":71166,"date":"2023-12-12T05:36:45","date_gmt":"2023-12-12T04:36:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=71166"},"modified":"2023-12-21T13:52:57","modified_gmt":"2023-12-21T12:52:57","slug":"universitaets-archiv-das-langzeitgedaechtnis-einer-hochschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/12\/12\/universitaets-archiv-das-langzeitgedaechtnis-einer-hochschule\/","title":{"rendered":"Universit\u00e4ts-Archiv: Das Langzeitged\u00e4chtnis einer Hochschule"},"content":{"rendered":"<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_71171\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 870px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-71171\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/csm_Foto_Jesse_Presse_403de5c36c.jpg\" alt=\"\" width=\"860\" height=\"650\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Friederike Jesse, Leiterin des Univerist\u00e4ts-Archivs &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Erst dann k\u00f6nnen sie geziet genutzt, erforscht oder, beispielsweise in Ausstellungen, der interessierten \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert zu werden. L\u00e4nder, Kommunen, aber auch Unternehmen, Vereine und Privatleute bewahren in Archiven Wissen \u00fcber ihre Geschichte. Auch jede bundesdeutsche Universit\u00e4t verf\u00fcgt \u00fcber ein eigenes Archiv. An der Bergischen Universit\u00e4t ist die Wissenschaftlerin Dr. Friederike Jesse seit M\u00e4rz 2023 daf\u00fcr zust\u00e4ndig. Mit ihr hat sich Autor Uwe Blass im Rahmen beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten unterhalten.<\/p>\n<h4>Die Vielfalt von Akten<\/h4>\n<p>\u201eZum Archivbestand geh\u00f6rt alles, was einerseits f\u00fcr die Geschichte der Bergischen Universit\u00e4t relevant ist und andererseits bestimmten Sachverhalten Rechtssicherheit gibt\u201c, erkl\u00e4rt sie und verweist auf eine Vielzahl an Akteneing\u00e4ngen, die eine ungeheure Bandbreite pr\u00e4sentieren: von der Gr\u00fcndungsphase der einstmaligen Gesamthochschule \u00fcber Promotions- und Habilitationsverfahren bis hin zu Handakten leitender Verwaltungsmitarbeiter. Vieles sind sogenannte Massenakten.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eDazu geh\u00f6ren beispielsweise Studierendenakten\u201c, sagt Jesse. \u201eHier an der Uni ist es so, dass diese eine relativ lange Aufbewahrungszeit im Studierendensekretariat haben und dann erst ins Archiv gelangen. Wir haben also gerade die ersten Jahrg\u00e4nge aus den 1970er Jahren hier. Das ist eine unglaubliche Menge an scheinbar gleichf\u00f6rmigen Akten, die aber durchaus spannend sind, vor allem f\u00fcr die Anfangszeit, weil es interessant ist, wer sich eingeschrieben hat.\u201c<\/p>\n<h4>Ein sicherer Platz f\u00fcr den wissenschaftlichen Nachlass<\/h4>\n<p>Wohin mit den Unterlagen, wenn die Rente naht, fragen sich Mitarbeitende oft und w\u00e4hlen der Einfachheit halber meist den Papierkorb oder die gro\u00dfe blaue Tonne. Dabei gibt es f\u00fcr Einrichtungen und Gremien der Universit\u00e4t die Verpflichtung, bestimmte Unterlagen nach einer Aufbewahrungszeit dem Archiv anzubieten, berichtet Friederike Jesse. Das sei auch in entsprechenden Richtlinien formuliert, die aber nicht immer pr\u00e4sent seien.<\/p>\n<p>Daher informiere das Uniarchiv sowohl im Internet als auch bei Pr\u00e4senzveranstaltungen mit neuen Mitarbeitenden regelm\u00e4\u00dfig dar\u00fcber und allgemein \u00fcber die Aufgaben des Hochschularchivs. Auch das, was sich in einem langen Wissenschaftlerleben angesammelt hat, kann Eingang ins Hochschularchiv finden. \u201eWenn Professorinnen und Professoren oder auch Wissenschaftliche Mitarbeitende in den Ruhestand gehen, dann k\u00f6nnen sie ihren Nachlass dem Archiv anbieten\u201c, sagt Jesse.<\/p>\n<p>Manchmal gehe das von den noch aktiven Vorruhest\u00e4ndlern aus, manchmal erst viele Jahre sp\u00e4ter von den Angeh\u00f6rigen oder Nachlassverwaltern. \u201eAber auch wir k\u00f6nnen da aktiv werden\u201c, so Friederike Jesse weiter, \u201edenn das Archiv wird \u00fcber bevorstehende Emeritierungen informiert.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_50508\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-50508\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/02-Gausstrasse-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Seit dem Fr\u00fchjahr 2020 ziert die Skulptur &#8222;Zum Licht&#8220; des Bildhauers Tony Cragg den Campus Grifflenber g- \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ti-body\">\n<p>Zum Bestand der Bergischen Universit\u00e4t geh\u00f6ren auch diverse Sammlungen. So gibt es eine Kunstsammlung, die vom Uniarchiv verwaltet wird. \u201eEs wird aber auch vieles Weitere gesammelt, was in Zusammenhang mit der Geschichte der Universit\u00e4t steht\u201c f\u00fchrt Dr. Friederike Jesse weiter aus: \u201eIn unserer Sammlung finden sich auch Porzellan, Plakate und Flugbl\u00e4tter, Film- und Tondokumente sowie Modelle der Universit\u00e4t. Auch Mobiliar ist vorhanden, wie beispielsweise St\u00fchle, die aus der Erstausstattung der Universit\u00e4t stammen, oder aus bestimmten repr\u00e4sentativen R\u00e4umen wie dem ehemaligen Senatssaal. Aus der Maschinenbau- und Ingenieurschule haben wir ebenfalls Exponate, was einen Blick auf die Vorgeschichte der Bergischen Universit\u00e4t erm\u00f6glicht.\u201c<\/p>\n<p>Selbst Hinweisschilder finden sich in der Sammlung: Im Zuge der 50-Jahr-Feier wurde die Beschilderung der Hochschule durch ein Projekt mit Studierenden der Fakult\u00e4t f\u00fcr Design und Kunst komplett erneuert. Die Prototypen dieses Konzepts werden nun im Archiv verwahrt.<\/p>\n<h4>Die Kunstsammlung\u2026 befindet sich auch in Dienstzimmern<\/h4>\n<p>Die vom Uniarchiv verwaltete Kunstsammlung der Bergischen Universit\u00e4t umfasst aktuell circa 200 Exponate. Im Au\u00dfenbereich der Hochschule kann man gro\u00dfe Ausstellungsst\u00fccke sehen, wie die Skulptur \u201eZum Licht\u201c des Wuppertaler K\u00fcnstlers Tony Cragg, die vor dem Geb\u00e4ude VW installiert wurde, oder die Skulptur \u201eStart\u201c der K\u00fcnstlerin Beate Schiff, die am Haupteingang am Grifflenberg steht.<\/p>\n<p>Ein weiteres Highlight h\u00e4ngt im G\u00e4stehaus der Uni am Freudenberg: Das Gem\u00e4lde, \u201eKennedy vor Corham\u201c des K\u00fcnstlers Wolf Vostell ist eine Schenkung der Ehrenb\u00fcrger Gustav Adolf und Stella Baum. Dieses und auch andere Kunstwerke werden auch schon mal f\u00fcr Ausstellungszwecke verliehen. \u201eDie Kunstsammlung w\u00e4chst, wir bekommen immer wieder Angebote von K\u00fcnstlern oder K\u00fcnstlerinnen, die einen Bezug zur Uni haben.\u201c Jedes Jahr wird zudem der Stella-Baum-Kunstpreis verliehen, bei dem die Universit\u00e4t immer ein Kunstwerk der Preistr\u00e4ger*in erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die meisten Kunstwerke jedoch, und das ist schon etwas Besonderes, h\u00e4ngen in den B\u00fcror\u00e4umen der Besch\u00e4ftigten. Dazu Dr. Friedrike Jesse: \u201eDa wird dann ein Leihvertrag mit den jeweiligen Mitarbeitenden aufgesetzt, der besagt, dass die Bilder ausschlie\u00dflich in den B\u00fcrogeb\u00e4uden aufgeh\u00e4ngt werden d\u00fcrfen und nat\u00fcrlich pfleglich zu behandeln sind.\u201c<\/p>\n<h4>Das Universit\u00e4tsarchiv ist f\u00fcr alle nutzbar<\/h4>\n<p>Das Universit\u00e4tsarchiv kann jeder nutzen, der ein \u201eberechtigtes Interesse\u201c hat. Aber was hei\u00dft das eigentlich? \u201eDas hei\u00dft, dass jede Person, die ein berechtigtes Forschungsinteresse, beispielsweise im Bereich Familienforschung hat, an einem wissenschaftlichen Thema arbeiten m\u00f6chte oder sich mit bestimmten Punkten die Universit\u00e4t betreffend besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, die M\u00f6glichkeit hat, eine entsprechende Anfrage an das Archiv zu stellen. Wenn keine Gr\u00fcnde dagegensprechen, wie beispielsweise Sperrfristen, dann kann man hierherkommen, um die Dinge zu sichten\u201c, sagt Friederike Jesse.<\/p>\n<div id=\"attachment_71176\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1010px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-71176\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DSC_0306.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"665\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bergische Universit\u00e4t Campus Grifflenberg &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Archive leihen in der Regel nichts aus, daher muss man dort erscheinen, um sich die Dinge anzuschauen und Unterlagen eventuell abzufotografieren. Nutzende sind h\u00e4ufig Studierende sowie\u00a0 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bergischen Universit\u00e4t, au\u00dferdem Forscherinnen und Forscher anderer Hochschulen und Privatleute, die erfahren m\u00f6chten, ob jemand aus der Familie hier studiert hat.<\/p>\n<p>\u201eWenn jemand Akten eine Person betreffend haben m\u00f6chte, dann geht das nur mit Zustimmung der Person, wenn sie noch lebt, oder aber wenn das Todesdatum bereits zehn Jahre zur\u00fcckliegt. Generell ist Zugriff auf Archivgut nach einer Sperrfrist von in der Regel 30 Jahren m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Zuf\u00e4llige Funde<\/strong><\/h4>\n<p>Die f\u00fcr sie spannendste Archivalie kann Friederike Jesse nach knapp einem Jahr im Amt noch gar nicht benennen. Spannend sei jedenfalls die unglaubliche Vielfalt, die man hier habe. Und es passieren auch immer mal wieder Zuf\u00e4lle, die die studierte Arch\u00e4ologin in die hintersten Winkel des Brutalismusbaus f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u201eVor einiger Zeit gab es in den Hausmitteilungen einen Aufruf, Hilfestellung zu leisten, weil es einen Raum gab, der leerger\u00e4umt werden musste. Dort lagerten Unterlagen, die keiner mehr zuordnen konnte. Ich habe mich gemeldet, die Sachen gesichtet und teilweise direkt ins Archiv bringen lassen. So k\u00f6nnen wir in Ruhe schauen, was auf Dauer erhaltenswert ist.\u201c<\/p>\n<p>Das Universit\u00e4tsarchiv befindet sich auf dem Campus Freudenberg in Geb\u00e4ude FD und kann nach Terminvereinbarung unter <a href=\"archiv@uni-wuppertal.de\">archiv@uni-wuppertal.de<\/a> besucht werden.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_71172\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-71172\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/csm_Foto_Jesse_Presse_403de5c36c-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"294\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Friederike Jessen &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Friederike Jesse<\/h4>\n<p>Dr. Friederike Jesse war knapp 25 Jahre als Wissenschaftlerin in verschiedenen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef\u00f6rderten Drittmittelprojekten zur Arch\u00e4ologie Afrikas an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln t\u00e4tig und hat sich dabei auch schon mit digitaler Langzeitarchivierung besch\u00e4ftigt. Seit M\u00e4rz 2023 leitet sie das Universit\u00e4tsarchiv der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der Bergischen Universit\u00e4t:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.uni-wuppertal.de\">http:\/\/www.uni-wuppertal.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Archive sammeln, bewahren und erschlie\u00dfen eine F\u00fclle verschiedener Dokumente, Unterlagen und Objekte. Und alle, die schon einmal gesammelt haben \u2013 und wer hat das nicht\u2026 \u2013 wissen, wie wichtig das Archivieren ist. Durch genaue Beschreibung und vor allem sorgf\u00e4ltige Ablage lassen sich Objekte nicht nur klassifizieren, sondern auch wiederfinden.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-71166","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-14 03:47:58","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71166"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71177,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71166\/revisions\/71177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}