{"id":70812,"date":"2023-12-16T11:02:01","date_gmt":"2023-12-16T10:02:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=70812"},"modified":"2023-12-20T08:43:13","modified_gmt":"2023-12-20T07:43:13","slug":"kunstkalender-mit-gesichtern-die-geschichten-erzaehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/12\/16\/kunstkalender-mit-gesichtern-die-geschichten-erzaehlen\/","title":{"rendered":"Kunstkalender mit Gesichtern, die Geschichten erz\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_70816\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70816 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_1797-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1649\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Wessel und Fotografin Anna Schwartz mit dem Gro\u00df-Portrait einer an Demenz erkrankten Protagonistin &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p>Michael Wessel, Inhaber von Pflege Wessel, erkl\u00e4rte bei der Ausstellungser\u00f6ffnung: \u201eMit diesem Kunstkalender geht f\u00fcr uns ein lang geplantes Projekt in Erf\u00fcllung, Demenz und Kunst miteinander zu verbinden. Der Kalender soll Auftakt zu einer Kunstreihe sein, die wir mit immer neuen Ideen bereichern wollen.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcber zehn Jahre lang hat Anna Schwartz in den Wessel-Pflege-Wohngemeinschaften Demenzkranke begleitet und ihre Gesichter fotografiert, in denen das lange Leben und die schwere Krankheit unverwischbare Spuren hinterlassen haben \u2013 ehrlich, authentisch, ungeschminkt.<\/p>\n<p>Das beeindruckende Ergebnis sind Fotos, die ber\u00fchren, zum Teil traurig stimmen, aber auch einen Hauch Hoffnung verspr\u00fchen \u2013 wie das zufriedene L\u00e4cheln einer Seniorin, die Miene einer wei\u00dfhaarigen, hochbetagten Frau, die gerade gen\u00fcsslich eine Zigarette raucht oder der verschmitzte Gesichtsausdruck eines Seniors, der zu philosophieren scheint.<\/p>\n<div id=\"attachment_70829\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-70829\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_1791-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Wessel erkl\u00e4rt bei der Ausstellungs-Er\u00f6ffnung die Hintergr\u00fcnde des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kunstkalender-Projektes. Rechts: Wessel-Pressesprecherin Daniela Kebel &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p>Anna Schwartz hat mit ihren Fotos Kunstwerke geschaffen. Und f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der Protagonisten &#8211; von denen einige als G\u00e4ste bei der Ausstellung dabei waren &#8211; \u00e4sthetische, bleibende Erinnerungen an einen geliebten, wertvollen Menschen.<\/p>\n<p>Wir haben uns \u00fcber den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kunstkalender und dessen Botschaft mit Michael Wessel unterhalten:<\/p>\n<p><strong>DS: \u201eKunst und\u00a0 Demenz \u2013 ein emotionales Thema\u201c. Wie ist das zu verstehen?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eIch glaube, dass Kunst entsteht, wenn man das Leben von Menschen in Bilder umsetzt. Dann ergibt sich daraus von jedem Einzelnen eine Art Skulptur, die eine gro\u00dfe Faszination ausstrahlt. Ich bin \u00fcberzeugt davon, dass jeder Mensch ein Kunstwerk ist. Und wenn es einem dann noch verg\u00f6nnt ist, 90 Jahre alt zu werden, dann ist dieser Mensch ein ganz besonderes Kunstwerk, in dessen Gesicht sich all die Facetten seines Lebens widerspiegeln.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_70819\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70819 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_1801.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Rauchen &#8211; vermutlich der einzige Genuss, der dieser alten, kranken Frau bis zum Schlu\u00df geblieben ist &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wollen Sie das Thema Demenz mit Ihrem Kalender, der die markanten Gesichter an Demenz erkrankter Menschen zeigt, auf k\u00fcnstlerische Weise mehr ins Blickfeld der Gesellschaft r\u00fccken?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eIn der Gesellschaft gibt es inzwischen schon ein St\u00fcck weit Akzeptanz f\u00fcr Menschen, die an Demenz leiden. Die Forschung, die Entwicklung sowie Unterbringungs- und Versorgungsm\u00f6glichkeiten sind bereits sehr vielschichtig. Nichtsdestotrotz stimmen die Lebensordnungen der Betroffenen mit unseren nicht mehr \u00fcberein. Das darf uns aber nicht erschrecken. Es wichtig, dass wir verstehen, dass Demenz kein schreckliches Lebens-Ereignis ist. F\u00fcr die Betroffenen und deren Angeh\u00f6rigen ist die Diagnose zweifellos zun\u00e4chst einmal ein Schock. Viele verdr\u00e4ngen die ersten Anzeichen, zum Beispiel, dass sie sehr viele Dinge vergessen, sehr lange. Sie trauen sich nicht zum Arzt, weil sie Angst vor der Diagnose und der Wahrheit haben und m\u00fcssen oft intensiv von der Familie oder Freunden \u00fcberredet werden, \u00e4rztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie verhalten sich Gesellschaft, Familie und Freunde im Falle einer Demenz-Diagnose denn richtig?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eWir m\u00fcssen akzeptieren, dass ein Mensch mit Demenz in einer anderen Ordnung, quasi in einer anderen Welt, lebt. Am besten ist es, wenn wir ihm in seiner Welt begegnen. Ein Beispiel: Wenn eine Betroffene oder ein Betroffener uns nicht mehr als Tochter oder Sohn erkennt und uns mit einem falschen Namen anspricht, dann sollten wir darauf eingehen, auch wenn es noch so schwer f\u00e4llt. Der gr\u00f6\u00dfte Fehler ist jedenfalls, den Betroffenen in einem solchen Fall zu korrigieren.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_70818\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70818 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_1787.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"439\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Wessel im Gespr\u00e4ch mit interessierten Ausstellungs-Besucherinnen &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Was kann Kunst im Zusammenhang mit Demenz im besten Fall bewirken?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eKunst und Kultur genie\u00dfen in der Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Viele Leute haben gro\u00dfes Interesse an Kunst-Ausstellungen. Im Kopf werden Eindr\u00fccke transportiert. Auf diesem Wege kann die Gesellschaft \u00fcber die Kunst auch f\u00fcr das Thema Demenz noch mehr sensibilisiert werden. Noch wichtiger ist der Ansatz Kunst f\u00fcr die Betroffenen selbst. Sie nehmen die Kamera wahr, sp\u00fcren, dass sie in Szene gesetzt und fotografiert werden. Das gibt ihnen ein positives Gef\u00fchl: \u201aIch bin ja wichtig, ich stehe im Mittelpunkt\u2018. Da spielt es keine Rolle, dass sie eigentlich gar nicht genau mitbekommen, was eigentlich mit ihnen geschieht. Die Kunst ist f\u00fcr die Betroffenen viel wichtiger als f\u00fcr uns. Wir m\u00fcssen einfach weiter denken: Man k\u00f6nnte doch selbst eine Foto-Aktion mit dem Betroffenen starten oder mit ihm zusammen malen und anschlie\u00dfend eine Ausstellung mit Bildern organisieren, die der an Demenz Erkrankte selbst gemalt hat. Solche Skizzen und Zeichnungen von Betroffenen gibt es doch schon. Keine Frage: Kunst verbindet extrem.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wo finden Sie die Protagonisten ihrer beeindruckenden Foto-Reihe?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eWir haben viele Einrichtungen f\u00fcr Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Also gibt es auch viele Protagonisten unter den Bewohnern. Wir machen auch keine Vorauswahl nach dem Motto: Wer hat das markanteste Gesicht oder die tiefsten Falten. Wir lichten jeden Betroffenen ab, f\u00fcr den wir das Einverst\u00e4ndnis zum Fotografieren bekommen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie handhaben Sie das sensible Thema Pers\u00f6nlichkeitsrecht?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eFast alle an Demenz erkrankten Bewohner haben einen Vormund, mit diesem stimmen wir uns im Einzelfall ab und holen so die Fotografier-Genehmigung ein.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_70820\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70820 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_1805.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"324\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Stie\u00df auf viel Interesse &#8211; die au\u00dfergew\u00f6hnliche Ausstellung in der Kunsthalle Wessel &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Welche Rolle spielt Weihnachten in Ihre Pflege-Einrichtungen?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eWeihnachten stellt in unserer christliche Wertevorstellung etwas ganz Besonderes dar. Das wird Ihnen unser Pflegepersonal best\u00e4tigen. Und auch f\u00fcr unsere Bewohner ist Weihnachten ein ganz besonderes Fest. Sie geh\u00f6ren ja noch zu der Generation, in der Weihnachten ein gro\u00dfes Gemeinschaftsfest war und sich die ganze Familie rund um den Tannenbaum versammelte. Unsere Pflegekr\u00e4fte sind jetzt praktisch der Familienersatz. Das Miteinander, das Fest vorzubereiten, gemeinsam zu basteln, Pl\u00e4tzchen zu backen, den Christbaum zu schm\u00fccken, das erzeugt bei unseren Bewohnern eine ganz besondere Stimmung und ein Gef\u00fchl von Zuhause. Alle sind hochmotiviert. Und die typische Ger\u00fcche zu Weihnachten nehmen \u00a0Menschen mit Demenz besonders intensiv wahr.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Und wie erleben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres mobilen Pflegedienstes, die ihre Patienten zuhause in ihren Wohnungen besuchen, die Weihnachtszeit?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eUnsere Pflegerinnen und Pfleger bekommen von den betreuten Menschen oft kleine Geschenke aus Dankbarkeit und Anerkennung f\u00fcr den guten Service und die tolle Unterst\u00fctzung. Sie sind immer freundlich und zuverl\u00e4ssig, haben ein offenes Ohr f\u00fcr alle Probleme und kommen auch bei Wind und Wetter.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welchen Stellenwert hat das Weihnachtsfest f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eMit zunehmenden Alter einen immer gr\u00f6\u00dferen. Ich werde jetzt 57. Fr\u00fcher als Student war mir Weihnachten ziemlich egal. Da habe ich auch immer an den Feiertagen im Krankenhaus gearbeitet. Meine Einstellung hat sich im Laufe der Jahrzehnte total ge\u00e4ndert. Ich ertappe mich oft selbst bei dem Gedanken, dass ich eigentlich noch so viel sehen, erleben oder auch nachholen m\u00f6chte. Ich bin mit dem Leben noch lange nicht fertig. Aber die Zeit rast. Und deshalb ist ein solch emotionales Fest wie Weihnachten f\u00fcr mich mittlerweile sehr wichtig. Zumal ich drei Tage vorher auch noch Geburtstag habe. Das zusammen genie\u00dfe ich sehr.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was w\u00fcnschen Sie sich pers\u00f6nlich zu Weihnachten?<\/strong><\/p>\n<p>Michael Wessel: \u201eDie n\u00e4chsten 100 Jahre gesund zu bleiben!\u201c<\/p>\n<p><strong>Text Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-70822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_1796.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"287\" \/><\/p>\n<h4>Kunstkalender kann bestellt werden<\/h4>\n<p>Der Kunstkalender kann bei der Pressestelle per E-Mail \u00fcber <a href=\"mailto:presse@pflege-wessel.de\">presse@pflege-wessel.de<\/a> bestellt werden. Er wird zum Selbstkostenpreis von 35 Euro verkauft. Beispielsweise als aussergew\u00f6hnliches Weihnachtsgeschenk.<\/p>\n<p>Ein ausf\u00fchrliches Portrait \u00fcber die Fotografin und K\u00fcnstlerin Anna Schwartz lesen Sie in K\u00fcrze an gleicher Stelle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesichter, die Geschichten erz\u00e4hlen! Bei der Vernissage der Ausstellung \u201eKunst und Demenz \u2013 ein emotionales Thema\u201c wurde jetzt in der Kunsthalle Wessel ein ganz besonders beeindruckender Kunstkalender vorgestellt. Er zeigt die Schwarz-Wei\u00df-Portraits von an Demenz erkrankter Frauen und M\u00e4nner &#8211; respektvoll und gef\u00fchlvoll in Szene gesetzt von der Wuppertaler Fotografin und K\u00fcnstlerin Anna Schwartz.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-70812","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 21:20:07","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70812","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70812"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70812\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71178,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70812\/revisions\/71178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70812"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}