{"id":70023,"date":"2023-11-14T20:30:18","date_gmt":"2023-11-14T19:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=70023"},"modified":"2023-11-20T14:36:02","modified_gmt":"2023-11-20T13:36:02","slug":"ukraine-hochkaraetige-diskussionsrunde-in-der-uni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/11\/14\/ukraine-hochkaraetige-diskussionsrunde-in-der-uni\/","title":{"rendered":"Ukraine: Hochkar\u00e4tige Diskussionsrunde f\u00e4llt aus"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_70025\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70025 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/MASZ_Fraktionsebene_DBT_0-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1753\" \/><span class=\"wp-caption-text\">MdB Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) &#8211; \u00a9 Thomas Trutschel\/photothek \/ Deutscher Bundestag<\/span><\/div>\n<p>Mehr zu den G\u00e4sten und zu den Hintergr\u00fcnden des Abends verr\u00e4t Moderatorin und Organisatorin der Veranstaltung, Prof. Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer (Lehrstuhl fu\u0308 r Neuere undNeueste Geschichte), im Interview:<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer, k\u00f6nnen Sie uns die drei G\u00e4ste kurz vorstellen, die am 21. November mit Ihnen auf dem Podium sitzen werden?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer: \u201eWir werden zwei sehr namhafte Historikerinnen und eine Politikerin zu Gast haben. Die erste ist Prof. Dr. Gelinada Grinchenko. Sie kommt von der Universit\u00e4t Charkiv im Osten der Ukraine. Derzeit lehrt und forscht sie als gefl\u00fcchtete Gast-Wissenschaftlerin an der Bergischen Universit\u00e4t und ist ausgewiesene Expertin f\u00fcr die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Ukraine. Au\u00dferdem d\u00fcrfen wir an diesem Abend Prof. Dr. Irina Sherbakova begr\u00fc\u00dfen. Sie ist Germanistin, Historikerin und im vergangenen Jahr als Mitbegr\u00fcnderin der Menschenrechtsorganisation \u201eMemorial\u201c mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Komplettiert wird die Runde von Dr. Marie Strack-Zimmermann, Mitglied des deutschen Bundestages und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses.\u201c<\/p>\n<p><strong>Seit dem russischen Angriffskrieg mussten viele Veranstaltungen, an denen ukrainische und russische G\u00e4ste teilnehmen sollen, abgesagt werden. Wie ist es Ihnen gelungen, dieses Podium f\u00fcr Wuppertal zu gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer: \u201eTats\u00e4chlich ist es so, dass das ukrainisch-russische Gespr\u00e4ch derzeit fast vollst\u00e4ndig zum Erliegen gekommen ist. Unser gro\u00dfer Dank geb\u00fchrt daher Prof. Grinchenko, dass sie sich zur Teilnahme an dieser Veranstaltung bereit erkl\u00e4rt hat. Ich glaube ihre Bereitschaft r\u00fchrt auch daher, dass wir mit Irina Sherbakova eine Gespr\u00e4chspartnerin f\u00fcr das Podium gewonnen haben, die langj\u00e4hrige Menschenrechtsaktivistin ist und selbst als Kritikerin der russischen Regierung ins Exil gehen musste, um nicht verhaftet zu werden. Dar\u00fcber hinaus sind beide seit einigen Jahren in ein Forschungsprojekt eingebunden, das wir hier an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal gemeinsam realisieren. Ich freue mich au\u00dferdem sehr, dass wir als dritte Gespr\u00e4chspartnerin eine der profiliertesten Verteidigungspolitikerinnen gewinnen konnten, sodass ich glaube, dass wir ein wirklich spannendes Podium auf die B\u00fchne bringen werden.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_70029\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 255px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70029 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/csm_toensmeyer_25ac7b0ba8.jpg\" alt=\"\" width=\"245\" height=\"378\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>Wuppertal ist ja einer der Orte in der Bundesrepublik, der f\u00fcr seine historische Besatzungs-forschung bekannt ist: Wor\u00fcber reden wir, wenn wir heute \u00fcber Besatzung reden?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer: \u201eDas erste, was man sich klarmachen muss, wenn wir heute \u00fcber russisch besetzte Territorien in der Ukraine reden, ist, dass dies etwa 17 Prozent des Gebiets der Ukraine betrifft. Im Vergleich \u2013 17 Prozent der Bundesrepublik entsprechen etwa der Fl\u00e4che der Bundesl\u00e4nder Baden-W\u00fcrttemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Aber nat\u00fcrlich geht es nicht nur um die territoriale Gr\u00f6\u00dfe. Wenn wir heute \u00fcber Besatzung reden, m\u00fcssen wir auch \u00fcber Besatzungsverbrechen reden. Wir reden au\u00dferdem \u00fcber viele Menschen, die von der russischen Besatzung betroffen und grunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrdet sind, Opfer von Verbrechen zu werden, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche.\u201c<\/p>\n<p><strong>Sie haben die historische Besatzung \u00fcber lange Jahre in einem internationalen Forschungs-verbund hier an der Universit\u00e4t erforscht. Wenn man bedenkt, dass gro\u00dfe Teile Europas,darunter auch die Ukraine, in den Jahren des Zweiten Weltkriegs deutsch besetzt waren, ist es dann nicht erstaunlich, dass es in der Bundesrepublik so wenig Wissen \u00fcber Besatzung gibt?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer: \u201cDieses Ph\u00e4nomen l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass den Deutschen hier die pers\u00f6nliche Erfahrung fehlt. Im Zweiten Weltkrieg sind Millionen von deutschen M\u00e4nnern einberufen worden, haben an den Fronten gestanden, viele sind gefallen. Krieg ist oder war eine zentrale deutsche Erfahrung \u2013 sowohl bei denen, die in den Krieg zogen, als auch bei den Daheimgebliebenen, die in Sorge um ihre Verwandten waren. In den ehemals besetzten L\u00e4ndern ist das anders. In vielen dieser Gebiete haben die eigentlichen Kampfhandlung eher kurz gedauert \u2013 in Polen beispielsweise wurde rund zwei Monate gek\u00e4mpft, die Besatzung im Anschluss dauerte aber sechs Jahre. Das hei\u00dft, die Erfahrung in vielen unserer europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4nder ist eine andere. Der Krieg war kurz und die Besetzung war lang. Das gilt besonders auch f\u00fcr die Ukraine, wo das Thema Besatzung im Schulunterricht besprochen wird. Das Wissen dar\u00fcber ist dort \u2013 nat\u00fcrlich auch durch pers\u00f6nliche Ber\u00fchrungspunkte z. B. durch Familienerz\u00e4hlungen \u2013 deutlich ausgepr\u00e4gter.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wir fragen Sie als\u00a0 Sie als Historikerin: Was k\u00f6nnen wir aus der Vergangenheit lernen, bzw. wof\u00fcr k\u00f6nnte uns historisches Wissen sensibilisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Tatjana T\u00f6nsmeyer: \u201eHistorisches Wissen kann uns f\u00fcr ganz unterschiedliche Zusammenh\u00e4nge sensibilisieren. In der gegenw\u00e4rtigen Situation zum Beispiel daf\u00fcr, dass Leid und Sterben der Zivilbev\u00f6lkerung mit der Besatzung nicht aufh\u00f6ren. Denken wir zum Beispiel an den Zweiten Weltkrieg: Die deutsche Besatzung Europas war insbesondere in Osteuropa enorm gewaltt\u00e4tig. Eine sehr hohe Zahl der Opfer in diesen L\u00e4ndern sind Besatzungsopfer, keine Opfer des unmittelbaren Kriegsgeschehens. Besatzung ist eine hochgradig asymmetrische Situation: Bewaffnete Besatzer auf der einen Seite, ausgestattet mit vielen Rechten und eine unbewaffnete Zivilbev\u00f6lkerung auf der anderen Seite, die vielfach vor allem aus Frauen, Kindern und Alten besteht. Diese sind den Besatzern ausgeliefert, das hei\u00dft die Gef\u00e4hrdungslagen, die sich daraus ergeben, sind vielf\u00e4ltig und greifen in den Alltag der Menschen massiv ein. All das widerspricht der allgemeinen Vorstellung davon, dass das Leid mit dem Ende des Krieges aufh\u00f6rt. Das ist, insbesondere, wenn man es mit Besatzern wie NS-Deutschland zu tun hat, nicht der Fall.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besatzungserfahrung damals und heute \u2013 das ist das Thema einer hochkar\u00e4tig besetzten Podiumsdiskussion, die am 21. November an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal stattfinden sollte. Die um 18 Uhr geplante Diskussionsrunde  in H\u00f6rsaal 33 (K.11.24) mit Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Prof. Dr. Gelinada Grinchenko und Prof. Dr. Irina Sherbakova muss aus Krankheitsgr\u00fcnden verschoben werden.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-70023","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-14 19:08:44","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70023"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70184,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70023\/revisions\/70184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}