{"id":69996,"date":"2023-11-14T15:22:34","date_gmt":"2023-11-14T14:22:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=69996"},"modified":"2023-11-14T20:21:14","modified_gmt":"2023-11-14T19:21:14","slug":"luecken-des-wissens-ueber-mikroplastik-sind-enorm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/11\/14\/luecken-des-wissens-ueber-mikroplastik-sind-enorm\/","title":{"rendered":"L\u00fccken des Wissens \u00fcber Mikroplastik sind enorm"},"content":{"rendered":"<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_70000\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 658px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70000 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/csm_Pressefoto_Constapel_f590f1d30e.jpg\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"453\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Wissenschaftler Dr. Marc Constapel \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Mit der Nahrung gelangt das Mikroplastik in unseren K\u00f6rper. Es gibt Sch\u00e4tzungen, die davon ausgehen, dass wir pro Woche eine Menge von bis zu 5 Gramm aufnehmen, das entspricht etwa einer Checkkarte. Woher all dieser Kunststoff kommt, wo er sich ablagert, welche Gefahren er f\u00fcr Mensch, Tier und Umwelt birgt, wei\u00df Dr. Marc Constapel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Management chemischer Prozesse in der Industrie und Analytische Chemie an der Bergischen Universit\u00e4t. Mit ihm hat sich Autor Uwe Blass im Rahmen der Uni-Reihe \u201eTransfergeschichten\u201c unterhalten<\/p>\n<p>Plastik ist nicht gleich Plastik, wei\u00df der Umweltchemiker Marc Constapel, denn er bestehe aus unterschiedlichen Materialien, wie z. B. Polyethylen, Polypropylen, Polyvinylchlorid und Polyamid. Man spreche von mehr als zehn verschiedenen Kunststoffarten, die sowohl unterschiedlich in ihrer Beschaffenheit seien, als auch verschiedene Zusatzstoffe enthielten.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eDas Mikroplastik unterscheidet sich auch in der Form, d.h. wir finden Fasern, Folien, Bruchst\u00fccke, aber auch kleine K\u00fcgelchen, die schon von vornherein so hergestellt wurden\u201c, erkl\u00e4rt der Fachmann. Einer der oft diskutierten Zusatzstoffe in Kunststoffen seien dabei Flammschutzmittel, die sich nahezu in allen Elektroger\u00e4ten f\u00e4nden. \u201eKunststoffe in Autos und Flugzeugen, die sind alle mit Flammschutzmitteln versetzt. Da sprechen wir von Millionen Tonnen im Jahr.\u201c<\/p>\n<h4>Verschiedene Kunststoffarten und ihre Zusatzstoffe<\/h4>\n<p>Einige dieser Flammschutzmittel wurden inzwischen verboten, weil man nach jahrelanger Verwendung nachgewiesen hat, dass sie problematisch sind. Das \u00e4rgert den engagierten Wissenschaftler vor allem deshalb, da es Testverfahren gibt, die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig g\u00fcnstig sind und schon nach kurzer Zeit Ergebnisse liefern, die belegen k\u00f6nnen, ob ein Stoff persistent (langlebig), toxisch oder bioakkumulativ ist. \u201eStattdessen setzen wir jahrelang Chemikalien in gr\u00f6\u00dferen Mengen in die Umwelt, die dann wieder zur\u00fcckgerufen werden m\u00fcssen.\u201c Mittlerweile hat sich mit der EU-Chemikalienverordnung REACH die Situation diesbez\u00fcglich aber verbessert.<\/p>\n<h4>Plastik verrottet im Laufe von 400 Jahren<\/h4>\n<p>Mikroplastik entsteht zum gro\u00dfen Teil aus gr\u00f6\u00dferem sogenannten Makroplastik. Daher muss man Mikroplastik in Kontext der Plastikproblematik betrachten. \u201eIch bespreche mit meinen Studierenden zu Beginn der Vorlesung den Kreislauf der Plastikt\u00fcte, um die Umweltproblematik ganzheitlich zu verstehen\u201c, erkl\u00e4rt Constapel.<\/p>\n<div id=\"attachment_70001\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70001 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/csm_Mikroplastik_im_Meer_gemeinfrei__Soeren_Funk_e6a0b7bf9d.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Mikroplastik im Meer &#8211; \u00a9 S\u00f6ren Funk, gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Dazu zeichnet er einen Beutel mittig auf ein Blatt oder die Tafel und sagt: \u201eDie Plastikt\u00fcte f\u00e4llt ja nicht vom Himmel. Ich muss schauen, wo bekomme ich die Rohstoffe daf\u00fcr her, also Erd\u00f6l in den meisten F\u00e4llen. Damit f\u00e4ngt es schon an.\u201c Von der Rohstoffgewinnung \u00fcber die Herstellung, den Gebrauch, die Entsorgung und den gesellschaftlichen, gesetzlichen sowie wirtschaftlichen Einfl\u00fcssen auf die Thematik, entsteht so eine umfangreiche Grafik, die den Studierenden deutlich macht, wie komplex das Thema ist.<\/p>\n<p>\u201eMan geht davon aus, dass die g\u00e4ngigen Kunststoffe, die in die Umwelt gelangen, ungef\u00e4hr 400 Jahre brauchen, um zu verrotten\u201c, erkl\u00e4rt er und f\u00e4hrt fort, \u201emit der Zeit wird es u.a. infolge von Sonnenlicht oder mechanischer Einwirkung spr\u00f6de, br\u00fcchig und fragmentiert zu immer kleiner werdenden Plastikpartikeln.\u201c Diese Partikel finden sich dann in B\u00f6den, im Wasser und auch in der Luft. Sie lagern sich in Pflanzen an und kommen so auch in unsere Nahrungskette.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsse noch viel weiterdenken, erkl\u00e4rt er, denn nicht nur die Gr\u00f6\u00dfe der Mikroplastikpartikel variiere sehr, sie w\u00fcrden mit der Zeit auch noch kleiner. Man gelange dann in den Nanometerbereich. Diese Partikel sind in Umweltproben mit den derzeitigen Analysenmethoden kaum nachweisbar. \u201eWir wissen viel \u00fcber Mikroplastik auf verschiedenen Ebenen, beispielsweise die Mengen, die in die Umwelt gelangen, wo es vorkommt und zum Teil wie es sich auf \u00d6kosysteme auswirkt, aber die Wissensl\u00fccken sind trotzdem noch enorm.\u201c<\/p>\n<h4>Mikroplastik und unsere Gesundheit<\/h4>\n<p>Das Bundesministerium f\u00fcr Risikoforschung sagt derzeit, dass Mikroplastik die Gesundheit nicht gef\u00e4hrdet. \u201eDa ist auch was dran\u201c, erkl\u00e4rt Constapel, \u201edenn das Plastik ist ziemlich inert (chemisch reaktionstr\u00e4ge, Anm. d. Red.). Ein Chemiker w\u00fcrde sagen, es ist ein toter Hund. Aber man muss ber\u00fccksichtigen, dass darin auch h\u00e4ufig Zusatzstoffe enthalten sind, die wir schleichend zu uns nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Mikroplastik ist zudem ein Vehikel f\u00fcr andere Schadstoffe, die sich am Mikroplastik anreichern. \u201eSehr gro\u00dfe Mengen an Mikroplastik sind im Hausstaub. Wenn man sich in seinen eigenen vier W\u00e4nden umsieht, dann stellt man fest, wo \u00fcberall Plastik zu finden ist. Das wird z.T. abgerieben und zerbr\u00f6selt zu Mikroplastik\u201c.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne sich vorstellen, spekuliert er, wenn es in den menschlichen Kreislauf gerate und sich evtl. an Gelenken festsetze, es durch st\u00e4ndiges Scheuern auch zu Entz\u00fcndungen f\u00fchren k\u00f6nne. Dazu g\u00e4be es aber bisher keine Publikationen. Ein Forschungsteam hat k\u00fcrzlich durch Experimente mit M\u00e4usen herausgefunden, dass winzige Kunststoffpartikel in Gewebe und Organe eindringen und sogar ins Gehirn gelangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_70008\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70008 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/woman-8154620_1280-1.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Geht mit gutem Beispiel voran &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u201eDas finde ich alarmierend, alleine schon aus dem Grund, weil es da nicht hingeh\u00f6rt.\u201c Vor allem sind die kleinen Partikel (sogenanntes Nanoplastik) zellg\u00e4ngig, sie k\u00f6nnen an Stellen im K\u00f6rper migrieren, wo normalerweise Partikel nicht hinkommen. Lukas Kenner, Pathologe an der Medizinischen Universit\u00e4t Wien sagt: &#8222;Im Gehirn k\u00f6nnten Plastikpartikel das Risiko von Entz\u00fcndungen, neurologischen St\u00f6rungen oder sogar neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson erh\u00f6hen&#8220;.<\/p>\n<h4>Mikroplastik in der Umwelt<\/h4>\n<p>Mikroplastik ist als Umweltproblem noch gar nicht so lange bekannt. Eine Studie, die die j\u00e4hrliche Anzahl an Publikationen zum Thema Mikroplastik und Mikropellets von 1970 bis 2014 behandelt, zeigt, dass wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Mikroplastik bis ins Jahr 2007 nur sehr vereinzelt ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<p>\u201eDie wissenschaftliche Community hatte das Problem bis dahin einfach nicht auf dem Schirm, obwohl es vorher schon da war. Erst als man die Tragweite des Problems erkannt hatte, schnellte auch die Anzahl an Publikationen nach oben.\u201c Aber wie hoch ist nun eigentlich der Anteil an Mikroplastik in der Umwelt? \u201eMan wei\u00df, dass es gro\u00dfe \u00b4Plastikwirbel` in den Ozeanen gibt\u201c, beginnt Constapel.<\/p>\n<p>Der Wissenschaftler weiter: \u201eDas sind riesige Gebiete, manche so gro\u00df wie Europa. Dort gibt es kreisf\u00f6rmige Meeresstr\u00f6mungen, wo sich das Plastik ansammelt und \u00fcber Jahrzehnte zirkuliert. Wenn man in diesen Gew\u00e4ssern misst, findet man Plastikmassen, die sind sechs Mal h\u00f6her als die Menge an Plankton. Das hei\u00dft, dass man dort \u00d6kosysteme ver\u00e4ndert. Es kommen ganz neue Oberfl\u00e4chen und Transportvehikel ins Spiel, es laufen Prozesse ab, die vorher so nicht da waren. Beim Eissturmvogel, der die meiste Zeit \u00fcber dem offenen Meer verbringt, fand man bei einer Untersuchung im Schnitt mehr als 30 Plastikteile im Magen von toten Tieren. Dabei ist das Mikroplastik und Nanoplastik noch nicht einmal erfasst. Von mehr als 200 Tierarten ist bekannt, dass sie Plastik mit Nahrung verwechseln. An K\u00fcsten findet man inzwischen an einigen Str\u00e4nden im Sand Mikroplastikgehalte von bis zu drei Prozent.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Menge an Mikroplastik in der Umwelt in n\u00e4chster Zukunft kleiner wird, ist eher nicht zu erwarten. Dazu ist zu viel Makroplastik in der Umwelt und die j\u00e4hrliche globale Produktionsmenge an neuem Plastik, die \u00fcber die vergangenen Jahrzehnte exponentiell gestiegen ist, ist auf einem sehr hohen Niveau.<\/p>\n<h4>D\u00fcngemittel \u2013 belastete N\u00e4hrstofflieferanten f\u00fcr unsere B\u00f6den<\/h4>\n<p>\u201eD\u00fcngung ist n\u00f6tig\u201c, sagt der Umweltchemiker, \u201eweil die \u00c4cker, die seit Jahrzehnten einer Intensivlandwirtschaft unterliegen, total ausgezehrt sind. In den B\u00f6den ist kaum noch Organik enthalten und man kann die hohen Ertr\u00e4ge nur erzielen, indem man intensiv d\u00fcngt und mit diversen Pflanzenschutzmitteln arbeitet. Dem Boden tut das sehr gut, wenn ich Kl\u00e4rschlamm auftrage. Aber der Kl\u00e4rschlamm m\u00fcsste sauber sein.\u201c<\/p>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_70002\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70002 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/csm_Rest_eines_Vogelnests__ein_zerfasertes_Blumenband_wird_zu_Mikroplastik_29e0351d0f.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Rest eines Vogelnests, ein zerfasertes Blumenband wird zu Mikroplastik &#8211; \u00a9 CC BY-SA 4.0<\/span><\/div>\n<p>Das sei aber meist nicht der Fall, so dass der Kl\u00e4rschlamm verbrannt werden muss. Und selbst wenn die Grenzwerte f\u00fcr die Aufbringung von Kl\u00e4rschlamm eingehalten werden, kommen mit dem Kl\u00e4rschlamm erhebliche Mengen von Mikroplastik auf die Felder. Prof. Laforsch von der Universit\u00e4t Bayreuth geht davon aus, dass es in Deutschland keine Ackerfl\u00e4chen mehr ohne Mikroplastik im Boden gibt.<\/p>\n<p>Daher ist es auch nicht \u00fcberraschend, dass wir heute sogar Reifenabriebpartikel im Kopfsalat finden. \u201eDer Reifenabrieb wird tats\u00e4chlich als gr\u00f6\u00dfte Quelle an Land genannt. Forscher gehen aber davon aus, wenn man Stra\u00dfenreinigungsmaschinen \u00f6fter fahren lasse, dann k\u00f6nnte man etwa 80% des Mikroplastiks einsammeln. Also einfach kehren.\u201c<\/p>\n<h4>Alternative Hanf \u2013 ein nachwachsender Rohstoff <strong><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Auf der Suche nach Ersatzstoffen, die aus dem uns\u00e4glichen Dilemma f\u00fchren k\u00f6nnten, verweist Constapel auf die heute immer noch oft verp\u00f6nte Hanfpflanze als Alternative f\u00fcr synthetische Fasern. Deren Vorteile als Nutzpflanze kamen bereits im Mittelalter h\u00e4ufig zur Anwendung. \u201eHanf ist ein wunderbares Material. Die Hanffaser ist z.B. sehr viel rei\u00dffester als Baumwolle. Ich habe Hanf auch bei mir selber im Dach als Isoliermaterial eingebaut. Es ist sehr lange haltbar.\u201c<\/p>\n<p>Doch der Hanfanbau ist in Deutschland aufgrund seiner berauschenden Wirkung mit hohen H\u00fcrden verbunden. Dar\u00fcber m\u00fcsse man noch einmal nachdenken, fordert Constapel, denn \u201ees ist eine Pflanze, die ziemlich anspruchslos ist. Sie ist tief verwurzelt und kommt daher besser mit Trockenheit zurecht. \u00a0Zudem enth\u00e4lt sie von sich aus Biozide (Biozide dienen dazu, Schadorganismen zu t\u00f6ten oder abzuwehren, Anm. d. Red.) und muss so nicht gespritzt werden. Au\u00dferdem w\u00e4chst sie relativ schnell. Das ist ein supernachwachsender Rohstoff, der nicht nur f\u00fcr die Textilindustrie interessant ist.\u201c<\/p>\n<h4>Mikroplastik ist ein kollektives Problem<\/h4>\n<p>Zu Constapels Forschungsschwerpunkten in der Analytischen Chemie geh\u00f6rt die Entwicklung eines Verfahrens zur Analytik von Mikroplastik. Aber k\u00f6nnen die Erkenntnisse dieser Forschungen die Chancen des Umdenkens in der Chemischen Industrie im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte f\u00f6rdern? \u201eDas ist meiner Ansicht nach aufgrund der enormen Verbreitung von Kunststoffen ein kollektives Problem, dass auch ein kollektives Vorgehen ben\u00f6tigt\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>\u201eDa m\u00fcssen wir alle mit an einem Strang ziehen. Mein Wunsch w\u00e4re, dass man sich dem gemeinsam annimmt. Wir m\u00fcssen uns da neu erfinden.\u201c Die Analytik spielt aber schon eine Schl\u00fcsselrolle im Verst\u00e4ndnis der Mikroplastikproblematik. Sie ist aber leider auch sehr anspruchsvoll.<\/p>\n<p>\u201eIch mache schon seit \u00fcber 20 Jahren Analytik und ich kann sagen, dass die Mikroplastikanalytik vom Schwierigkeitsgrad her ganz oben steht. Es arbeiten viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran daran, aber es wird sicher noch einige Jahre dauern, bis wir genormte, also vergleichbare Verfahren entwickelt haben, die die Mikroplastikgehalte in der Umwelt einigerma\u00dfen gut erfassen. Bei der Analytik f\u00fcr Nanoplastik wird es wahrscheinlich noch l\u00e4nger dauern, wenn es in absehbarer Zeit \u00fcberhaupt gelingt, eine praktikable Routineanalytik zu etablieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_70012\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70012 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/tire-4414307_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"329\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Alte Reifen gelten auch Verursacher von Mikroplastik &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Darauf sollten wir jedoch nicht warten und Sofortma\u00dfnahmen ergreifen, die den Eintrag von weiterem Plastik bzw. Mikroplastik in die Umwelt effektiv senken. Sicher werden auch mittel- und langfristige Strategien erforderlich sein, um die Emissionen wirkungsvoll auf ein umweltvertr\u00e4gliches Ma\u00df zu reduzieren. Die Natur kommt uns dabei zur Hilfe, da Sie \u00fcber ein gro\u00dfes Selbstheilungspotential verf\u00fcgt. Wir m\u00fcssen aber in Zukunft sicherstellen, dass wir die Belastungsgrenzen nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<h4>Aufkl\u00e4rung ist das A und O<\/h4>\n<p>Das Problem Mikroplastik ist in der Umwelt allgegenw\u00e4rtig und kann nur auf lange Sicht behoben werden. Hinzu kommt, dass Mikroplastik ja auch \u00b4nur` eines von mehreren gravierenden Umweltproblemen ist. Die Umwelt stellt jedoch nicht weniger als unsere Lebensgrundlage dar, mit der wir sorgsam umgehen m\u00fcssen. Warum also nicht in der Schule m\u00f6glichst fr\u00fch ein Unterrichtsfach implementieren, in dem nachhaltige soziale Kompetenzen vermittelt werden.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr unser Dasein auf der Erde derzeit vielleicht wichtiger als der ein oder andere Fachunterricht. Wir m\u00fcssen gemeinschaftlich darauf achten, dass unsere Umwelt in Takt bleibt, damit auch unsere Kinder hier noch einen Planeten vorfinden, auf dem sie gut leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Daher gilt sein abschlie\u00dfender Apell uns allen: \u201eF\u00fcr mich ist es wichtig, dass diese Themen die geb\u00fchrende Beachtung bekommen. Unsere Aufmerksamkeit ist zu oft auf den Konsum gerichtet, die Umweltproblematik verdr\u00e4ngen wir gerne. Wir merken z.B. nicht unmittelbar den Insektenschwund und wundern uns, dass wir nicht mehr so viele V\u00f6gel zwitschern h\u00f6ren, wie fr\u00fcher. Aber das h\u00e4ngt alles zusammen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_70003\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 171px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-70003 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/csm_Pressefoto_Constapel_f590f1d30ecccc.jpg\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"229\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Marc Constapel \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Marc Constapel<\/h4>\n<p>Dr. Marc Constapel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Management chemischer Prozesse in der Industrie und Analytische Chemie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mikroplastik bezeichnet man laut Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) Plastikpartikel, die kleiner als f\u00fcnf Millimeter und gr\u00f6\u00dfer als ein Mikrometer sind. Wenn sie in die Umwelt gelangen, k\u00f6nnen sie meist nicht mehr entfernt werden.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-69996","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-12 14:30:14","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69996"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70016,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69996\/revisions\/70016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}