{"id":69717,"date":"2023-11-07T11:35:15","date_gmt":"2023-11-07T10:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=69717"},"modified":"2023-11-07T11:35:15","modified_gmt":"2023-11-07T10:35:15","slug":"hachiko-der-treueste-und-beruehmteste-hund-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/11\/07\/hachiko-der-treueste-und-beruehmteste-hund-der-welt\/","title":{"rendered":"Hachik\u014d, der treueste und ber\u00fchmteste Hund der Welt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_69725\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1982px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69725\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Baranzke_22.jpg\" alt=\"\" width=\"1972\" height=\"1266\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Theologin Dr. Heike Baranzke &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Der weltbekannte Hund wurde am 10.11.1923 geboren. Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der informativen Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220;-Interview mit der Theologin Dr. Heike Baranzke \u00fcber das ambivalente Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis aus Anlass des 100. Geburtstages eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Hundes unterhalten<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Hachik\u014d (die zus\u00e4tzliche Silbe \u00b4ko` bedeutet \u00b4kleiner Herr`) war der Name eines reinrassigen Akita-Hundes aus Japan, der zum Inbegriff der Treue wurde. Er wurde am 10.11.1923 geboren und geh\u00f6rte einem Universit\u00e4tsprofessor. Er begleitete diesen jeden Morgen zum Bahnhof und holte ihn auch dort am Abend wieder ab. Nachdem der Professor \u00fcberraschend verstarb, kam Hachik\u014d trotzdem bis zu seinem Lebensende jeden Tag zum Bahnhof, um Ausschau nach seinem Herrchen zu halten.<\/p>\n<p><strong>In Japan ist der Shintoismus weit verbreitet. <\/strong><strong>Die schintoistische Vorstellung vom Tod existiert parallel: Stirbt ein Mensch, bleibt seine Seele (&#8222;tama&#8220;) zwischen 33 und 49 Jahre auf der Erde und \u00fcbt weiter Einfluss auf die Lebenden aus, um danach in das Reich seiner eigenen Ahnen einzugehen. Er wird eins mit den Familien-&#8222;kami&#8220;, den g\u00f6ttlichen und \u00fcbernat\u00fcrlichen Wesen. Alle k\u00f6nnen im Shintoismus &#8222;kami&#8220; sein, auch Tiere. In der christlichen Religion haben Tiere aber einen anderen Stellenwert, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Heike Baranzke: &#8222;Anders als der Shintoismus z\u00e4hlt die christliche Religion, wie die j\u00fcdische und islamische, zu den Buchreligionen, die sich auf eine heilige Schrift beziehen. Dabei bildet die j\u00fcdische heilige Schrift das sogenannte Alte, oder wie wir heute im Bewusstsein der j\u00fcdisch-christlichen Verbundenheit sagen, Erste Testament, d.h. den ersten und umfangreicheren Teil der christlichen Bibel. Dieser beinhaltet auch den \u00fcberwiegenden Anteil der einflussreichen sch\u00f6pfungstheologischen Texte, die alles in der Welt, alle Pflanzen, Tiere und Menschen, auf einen guten Sch\u00f6pfergott zur\u00fcckf\u00fchren. Einige Sch\u00f6pfungstexte wie die bekannte Paradiesgeschichte und Psalm 104 sowie Verse aus Kohelet unterstreichen, dass Tiere und Menschen sogar als diejenigen Gesch\u00f6pfe gelten, denen gemeinsam ist, vom Atem des Sch\u00f6pfergottes belebt worden zu sein und im Leben gehalten werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Biblische Sch\u00f6pfungstexte und Shintoismus betonen offensichtlich beide eine besondere urspr\u00fcngliche N\u00e4he zwischen Menschen und Tieren. Ich bin keine Expertin f\u00fcr den japanischen Shintoismus, habe mich aber ein wenig schlau gemacht und sehe, dass der Shintoismus als eine Naturreligion gilt, die \u2013 auch darin den alten sch\u00f6pfungstheologischen Texten \u00e4hnlich \u2013 die Zeit der von der agrarischen Lebensform gepr\u00e4gten Naturverbundenheit spiegelt. Damit ist jedoch noch wenig dar\u00fcber ausgesagt, wie Menschen mit Tieren \u2013 und vor allem welchen Tieren \u2013 konkret umgegangen sind oder gar umgehen sollen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Hachik\u014d ist bis zu seinem Tod 1935 jeden Tag zum Bahnhof gelaufen, um auf sein Herrchen zu warten. Das zeugt von au\u00dfergew\u00f6hnlich viel Zuneigung und Empathie. Kommen Tiere eigentlich auch in den Himmel?<\/strong><\/p>\n<p>Heike Baranzke: &#8222;Da muss ich sofort zur\u00fcckfragen: Wof\u00fcr steht eigentlich der Himmel in dieser Frage? Im Englischen z. B. unterscheidet man \u201esky\u201c und \u201eheaven\u201c f\u00fcr den physischen und den symbolischen Himmel. Die Frage zielt offensichtlich auf eine symbolische Bedeutung des Himmels, auf einen imagin\u00e4ren Ort, an dem Menschen und ihre Haustiere auch nach dem Tod verbunden bleiben, also nicht durch den Tod getrennt werden.<br \/>\nOb Hachik\u014ds Verhalten von Treue zeugt, ist aus wissenschaftlicher Perspektive erst einmal ein Anthropomorphismus (Ein Anthropomorphismus ist die \u00dcbertragung menschlicher Eigenschaften an nicht menschliche Wesen, Anm. d. Red.).<\/p>\n<p>Wir schreiben das dem Tier zu, als sei es eine freie Charakterbildung des Hundes gewesen. Aber ist es nicht eher die Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr unsere, in der Gesellschaft aus vielerlei Gr\u00fcnden unbefriedigten Utopien und Sehns\u00fcchte? Sind die Tiere \u2013 und Hunde nehmen hier ja noch einmal eine besondere Rolle ein \u2013 im Prinzip das Reservoir, auf das wir all unsere Sehns\u00fcchte projizieren, insbesondere solche, deren Erf\u00fcllung wir Menschen einander allzu oft schuldig bleiben? Was erwarten wir denn sonst vom Himmel? Erst einmal ist festzustellen, dass Tiere, weil sie ja nicht \u00fcber die moralischen F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen, ihr Verhalten selber noch einmal zu bewerten, nicht zur ethischen Reflexion f\u00e4hig sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_69731\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69731\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Hatchiko-ausgestellt-im-Nationalmuseum-der-Naturwissenschaften-in-Tokio-CC-BY-SA-3.0-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Hachiko, ausgestellt im Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Tokio &#8211; \u00a9 CC BY \u2013 SA 3.0<\/span><\/div>\n<p>Sie k\u00f6nnen eigentlich nicht begr\u00fcnden, was gut und was b\u00f6se ist, sondern man k\u00f6nnte mit Konrad Lorenz, dem ber\u00fchmten Verhaltensforscher sagen: Tiere sind Gef\u00fchlsmenschen. Sie reagieren immer irgendwie spontan nach ihren Gef\u00fchlen und verstellen sich nicht, haben auch keinen Sensus f\u00fcr unsere sozialen Unterschiede und sozialen Bewertungen, die wir vornehmen und l\u00fcgen in diesem Sinne auch nicht. Das ist nat\u00fcrlich auch etwas, was wir Menschen uns voneinander w\u00fcnschen, dass wir uns auf Sympathie\u00e4u\u00dferungen verlassen k\u00f6nnen. Aber bei uns ist das eine freie Entscheidung, Tiere hingegen k\u00f6nnen sich nicht verstellen. Daher sind wir geneigt in ihnen den Himmel zu sehen, weil wir uns eigentlich voneinander auch ein unverstelltes und ein verl\u00e4ssliches Verhalten w\u00fcnschen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Hachik\u014d wurde in den ersten Jahren am Bahnhof geschlagen, beschmiert und stillschweigend geduldet, bis ein Bahnhofsvorsteher sich seiner annahm und ihm einen Ruheort einrichtete. Der Tierschutz hat eine lange Geschichte hinter sich, seit dem 17. Mai 2002 hat er in Deutschland sogar Verfassungsrang. <\/strong><strong>Am 10. Mai 2021 hat Gro\u00dfbritannien als eines der ersten europ\u00e4ischen L\u00e4nder Gef\u00fchle von Tieren sogar gesetzlich verankert. Tierethik geh\u00f6rt mittlerweile zum nahezu selbstverst\u00e4ndlichen Repertoire ethischer Grundentw\u00fcrfe. Was hat den Bedeutungswandel ausgel\u00f6st?<\/strong><\/p>\n<p>Heike Baranzke: &#8222;Das sind vielerlei Punkte, die das ausgel\u00f6st haben. Zum einen ist das ein sehr fundamentaler Wechsel im Weltbild, vor allem durch die Entwicklung der neuzeitlichen Naturwissenschaften in der fr\u00fchen Neuzeit. Dadurch erstarkte das empirische Empfinden von einer Jenseits- zu einer Diesseitsorientierung. Damit r\u00fcckt zugeich die Wahrnehmung, was uns in diesem irdischen Leben wichtig ist, n\u00e4mlich die Empfindungsf\u00e4higkeit und Leidensf\u00e4higkeit usw., mehr in den Vordergrund. Auch innerkonfessionelle Entwicklungen spielten eine Rolle. Vor allem im Protestantismus wandte man sich einer Verantwortungsethik zu, n\u00e4mlich der Auffassung, dass aufgrund der Erbs\u00fcndenlehre der Mensch verantwortlich sei f\u00fcr das Leiden in der Welt, und er nun auch Verantwortung tragen m\u00fcsse, dieses Leiden in der Welt zu vermindern.<\/p>\n<p>Diese protestantischen Impulse gingen davon aus, dass der Mensch dazu beitragen k\u00f6nne, das Wiederkommen Christi zu beschleunigen, wenn er ihm den Weg bereite, durch ein entsprechendes Handeln aus N\u00e4chstenliebe. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand so im Protestantismus daraus eine proto\u00f6kologische Diskussion. Es gab Tierschutz-, Tierrechts- und Tierseelendiskussionen und neben Suppenk\u00fcchen f\u00fcr Arme wurden im 19. Jahrhundert die ersten Tierschutzvereine gegr\u00fcndet, so dass der theologischen Diskussion tats\u00e4chlich Handlungsimpulse entsprangen. Die N\u00e4chstenliebe wurde auch auf Tiere ausgeweitet und dieser Schwung h\u00e4lt bis heute an, auch wenn die protestantischen Hintergr\u00fcnde kaum mehr bewusst sind.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu hatte die katholische Tradition vorher ein rein sch\u00f6pfungsspirituelles Verh\u00e4ltnis, \u00e4hnlich wie bis heute auch noch im Islam. Und ich vermute, dass das auch im Shintoismus vergleichbar ist. In den Gesch\u00f6pfen wurden zwar Spuren Gottes gesehen, aber es blieb eher eine theoretische Spiritualit\u00e4t. Was auch noch dazu kommt, sind nat\u00fcrlich soziale Bewegungen. Da gab es die Nutztiere auf der einen und die vom Adel get\u00e4tschelten Scho\u00dfh\u00fcndchen auf der anderen Seite. Das B\u00fcrgertum orientiere sich gerne am Adel und schaffte sich dann auch Haustiere als zweckfreie Spielgef\u00e4hrten an. Es gab sehr viele Einfl\u00fcsse, die man hier bedenken muss.<\/p>\n<div id=\"attachment_69732\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69732\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/japan-5430075_1280-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"334\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Hachiko-Denkmal am Bahnhof von Shibuya in Tokio (Japan) ist eine Touristen-Attraktion &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p><strong>Ein Jahr vor seinem Tod wurde dem Hund ein Denkmal am Bahnhof in Shibuya errichtet. Auch wir kennen Hundedenkm\u00e4ler. So gibt es in Solingen den sogenannten R\u00fcdenstein, der einen Hund ehrt, der der Sage nach das Leben des Jungherzogs Robert von Berg rettete, nachdem der vom Pferd gefallen war. Das sind Beispiele, die zeigen, wie verbunden sich Menschen mit Tieren f\u00fchlen. Sie sagen: \u201eTiere erleben unsere Sprachmelodie, die Art, wie wir uns bewegen und nat\u00fcrlich die Ger\u00fcche. Und daraufhin ist auch eine Kommunikation m\u00f6glich.\u201c Doch eine Seele hat man den Tieren lange Zeit abgesprochen. Hat sich das heute in der christlichen Theologie ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Heike Baranzke: &#8222;Man muss erst einmal sehen, wo das Seelenkonzept eigentlich herkommt. Das Seelenkonzept ist kein Konzept der hebr\u00e4ischen Religion gewesen, sondern es ist ein Konzept der griechischen Philosophie, vor allem der platonischen und aristotelischen Konzeption und hat dadurch auch die christliche Theologie beeinflusst. In diesem Sinne waren dann die Tiere eigentlich nie ohne Seele, weil die Seele zun\u00e4chst ein Lebensprinzip war. Der Mensch-Tier-Seelenunterschied wurde in der Fr\u00fchzeit der philosophischen Tradition darin gesehen, dass nur dem Menschen eine unverg\u00e4ngliche, eine unsterbliche Seele aufgrund seiner Vernunftf\u00e4higkeit zugesprochen wurde. Dass Tieren mit einer verg\u00e4nglichen Lebensseele auch die Empfindungsf\u00e4higkeit abgesprochen wurde, ist eine ganz sp\u00e4te philosophische Entwicklung des 17. Jahrhunderts durch den Philosophen Ren\u00e9 Descartes gewesen und hat etwas mit der Mechanisierung des Weltbildes in der fr\u00fchen Neuzeit zu tun.<\/p>\n<p>Die Verbundenheit, die der Mensch mit den Tieren sieht, ist nat\u00fcrlich die Lebendigkeit und die Empfindungsf\u00e4higkeit und die Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr vielerlei, was wir uns w\u00fcnschen oder eben nicht w\u00fcnschen, denn die Frage ist ja auch: Haben Ratten, Vogelspinnen oder Wespen auch eine Seele? Liegt uns daran, auch das zu thematisieren?<\/p>\n<p>Die Sage um den R\u00fcdenstein sagt ja auch etwas \u00fcber die enge Beziehung des Ritters zu seinem Pferd. Eine Entwicklung, die es auch im Schamanismus gibt, die im mongolischen Raum bei den Steppenv\u00f6lkern entstanden ist. Da hat das Pferd auch eine besondere Rolle. Also landschaftlich und geographisch bedingt, nicht nur als Fleischlieferant, sondern als Transporttier. Es wurde so hochgesch\u00e4tzt, dass, wenn dann der Ritter starb, oft auch das Pferd get\u00f6tet wurde, um es ihm im Jenseits mitzugeben. D. h. die enge Beziehung und die Hochachtung, die ein Tier erf\u00e4hrt, kann auch durchaus darin m\u00fcnden, dass es als Grabbeigabe get\u00f6tet wurde. Bei der Beurteilung alter Sagen und Legenden muss man immer wieder die Frage stellen: Was war denn das bedeutungsgebende Weltbild? Die Mensch-Tier-Beziehung ist immer ambivalent.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_69724\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 310px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69724 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1fd0e36a-0816-488c-8e87-d72bd06bd8e7.__CR06115302040_PT0_SX300_V1___.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Hachiko &#8211; Eine wunderbare Freundschaft&#8220; &#8211; Richard Gere &#8211; Joan Allen &#8211; Regie: Lasse Hallstr\u00f6m &#8211; DVD &#8211; 2009 &#8211; Studiocanal &#8211; ASIN: B08WV8HYY2<\/span><\/div>\n<p><strong>Am 8. M\u00e4rz 1935 wurde der Hund tot in einer Stra\u00dfe aufgefunden. Einen Tag sp\u00e4ter str\u00f6mten Tausende Menschen am Bahnhof Shibuya zusammen. Unz\u00e4hlige Blumen schm\u00fcckten den Platz, ein buddhistischer M\u00f6nch sprach ein Gebet f\u00fcr den Vierbeiner. Nach der Zeremonie wurde Hachikos K\u00f6rper pr\u00e4pariert und befindet sich heute im Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Tokio. Wie w\u00fcrden Sie denn aus ethischer Sicht unser Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis heute beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Heike Baranzke: &#8222;Ambivalent war es schon immer. Heute w\u00fcrde ich sagen, ist es noch extremer, weil wir Tiere ganz stark kategorisieren nach unserem Nutzen. Der Mensch ist das Tier, was evolutiv betrachtet, die vielf\u00e4ltigste Nutzungs- und Beziehungsformen zu anderen Tieren hervorgebracht hat, inklusive von ihrerseits h\u00f6chst ambivalenten sozialen und emotionalen Beziehungen. Wir wissen zwar, dass z. B. Ameisen, Blattl\u00e4use melken und gewisserma\u00dfen ihre eigene Viehwirtschaft betreiben, aber der Mensch hat doch in der Hinsicht ganz vieldeutige Beziehungen aufgetan. Das schl\u00e4gt sich dann in vielerlei Kategorisierungen nieder, wie Wildtiere, Haustiere, Nutztiere.<\/p>\n<p>Der Begriff Tier ist ja schon ein philosophischer Abstraktbegriff. Den Hund sehen wir als das erste domestizierte Tier, weil W\u00f6lfe und Menschen \u00e4hnliche Sozialstrukturen haben und auch die Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr das Kindchenschema teilen, wodurch sich ja auch kulturelle Erinnerungen in Legenden erhalten haben, dass W\u00f6lfe auch verlorengegangene Menschenkinder aufgezogen haben. Da denkt man an die Stadtgr\u00fcndung Roms mit Romulus und Remus. Oder die Geschichte des von W\u00f6lfen aufgezogenen Mogli in Rudyard Kiplings Dschungelbuch. Aber wie sieht es mit den Ratten, den Wespen und Hornissen aus?<\/p>\n<p>Was mich noch mehr bewegt und auch mit einem kritischen Blick auf diese sehr r\u00fchrende Geschichte mit Hachik\u014d einen realistischen Rahmen zeichnet, das ist, dass wir wohl in gleicher Weise manche Tiere nur noch ganz sentimental f\u00fcr die Befriedigung unserer emotionalen Bed\u00fcrfnisse vollkommen in die Familien integrieren und gar nicht mehr als einen Teil der Natur sehen. Das wirkt sich auf die einzelnen Tierarten auch sehr negativ aus, weil sie n\u00e4mlich alles andere als artgerecht behandelt werden und unter dieser Vermenschlichung auch extrem leiden. Und es zeigt auch, dass wir kein Naturverst\u00e4ndnis mehr haben.<\/p>\n<p>Sehr kontrovers wird auch das japanische Verh\u00e4ltnis zum Walfang diskutiert. Da werden aus Pseudogr\u00fcnden immer noch Delphine und Wale abgeschlachtet, obwohl sie heute gar keiner mehr essen mag und daf\u00fcr auch keine Notwendigkeit besteht. Oder die japanischen Tiercaf\u00e9s, die nur existieren, um ein sentimentales Streichelverh\u00e4ltnis zu Tieren herzustellen. Dort werden Tiere in absolut k\u00fcnstlichen Umgebungen gehalten und zwar nicht nur Hunde, Katzen und Meerschweinchen, sondern auch Igel und Eulen, die eigentlich nachtaktiv sind, oder gar Amphibien, die die menschliche Ber\u00fchrung als totalen Stress empfinden. Da bedarf es auch in Japan noch einiger Aufkl\u00e4rung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_69726\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 200px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69726\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Baranzke_22xxx.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"255\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Heike Baranzke &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Heike Baranzke<\/h4>\n<p>Dr. Heike Baranzke ist Lehrbeauftragte f\u00fcr Theologische Ethik der Katholischen Theologie in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hachik\u014d ist wohl der treueste und ber\u00fchmteste Hund der Welt. Er spielte sogar in Hollywood, der Filmhauptstadt der Welt, eine Hauptrolle. Dort wurde seine Lebensgeschichte 2009 als Partner von Weltstar Richard Gere verfilmt. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-69717","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-30 17:43:59","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69717"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69734,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69717\/revisions\/69734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}