{"id":69259,"date":"2023-10-24T12:11:48","date_gmt":"2023-10-24T10:11:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=69259"},"modified":"2023-10-24T12:11:48","modified_gmt":"2023-10-24T10:11:48","slug":"mit-der-lizenz-zum-hoeren-erste-radiosendung-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/10\/24\/mit-der-lizenz-zum-hoeren-erste-radiosendung-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Mit der Lizenz zum H\u00f6ren \u2013 erste Radiosendung in Deutschland"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_69263\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1654px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69263\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Tutsch-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"1644\" height=\"1145\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof Dr.-Ing. Dietmar Tutsch &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220;-Interview mit Prof. Dr. Dietmar Tutsch \u00fcber die Geburtsstunde des Deutschen Rundfunks 1923 unterhalten.<\/p>\n<p><strong> Thomas Alva Edison war damals bereits knapp 50 Jahre alt. Wie gelang es ihm, da erste brauchbare Tonaufzeichnungsverfahren zu entwickeln?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch: &#8222;Thomas Edison hatte die Idee, auf einer Walze Stanniolpapier aufzutragen. Dann hat er mit einer Nadel in dieses Papier mit einer Membran am anderen Ende und einem Trichter, eine Aufzeichnung machen k\u00f6nnen, indem diese akustischen Schwingungen der Sprache \u00fcber diese Nadel in mechanische Wellen \u00fcbertragen wurden, durch die Vertiefungen, die in der Folie entstanden. Das Abspielen geht dann in umgekehrter Richtung. Diese Vertiefungen bringen die Membran und die Nadel zum Schwingen und man h\u00f6rt es am Ende des Trichters.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>Die Erfindung des Mikrofons war dann der n\u00e4chste Schritt, um eine \u00dcbertragung zu erreichen. Da spielte die Entwicklung des Telefons auch eine wichtige Rolle, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch<strong>: &#8222;<\/strong>Ja, f\u00fcr das Telefon ben\u00f6tigt man nat\u00fcrlich erst einmal ein Mikrofon, um die Sprache entsprechend umsetzen zu k\u00f6nnen, denn ein Mikrophon transferiert Luftschwingungen, also Schall in elektrische Schwingungen im Gegensatz zu diesem Phonographen, den ich gerade nannte, wo es mechanische Schwingungen sind. Wir haben hier also elektrische Schwingungen, und das geschieht \u00fcber verschiedene Techniken, also zwei Varianten. Entweder die Membran erzeugt durch seine Bewegungen in einem sogenannten statischen magnetischen Feld einen Strom \u2013das nennt man Induktion und ist ein elektrotechnisches Prinzip- oder, die Membran ist Teil eines Plattenkondensators, und durch die Schwingungen \u00e4ndert sich dessen Kapazit\u00e4t und damit auch der Stromfluss. D.h. am Ende \u00fcbertr\u00e4gt man Schall in Strom\u00e4nderungen, flie\u00dfender Strom \u00e4ndert sich, und den kann man \u00fcber tausende Kilometer \u00fcbertragen, im Gegensatz zu normalem Schall, der nur wenige Meter weit kommt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_69266\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69266\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/radio-1954856_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"439\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Nostalgisches Rundfunkger\u00e4t &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p><strong>Und dann der Empfang. Da ist in der Geschichte Guglielmo Marconi zu nennen, der als Erfinder des Radios gilt und sich die kommerzielle Nutzung der elektromagnetischen Wellen f\u00fcr die \u00dcbertragung patentieren lie\u00df. Seinen Erfolg verdankte er auch dem deutsche Physiker Ferdinand Braun, mit dem er 1909 sogar den Nobelpreis f\u00fcr Physik erhielt. Wie funktionierte denn die \u00dcbertragung?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch: &#8222;Das Telefon ist ja noch leitungsgebunden, wir brauchen also ein Kabel. Bei elektromagnetischen Wellen hat man den Vorteil, sie breiten sich in Luft und sogar im Vakuum aus. Das sind gekoppelte, elektrische und magnetische Felder. Auch Licht geh\u00f6rt zu dieser Art der Felder, nur mit einem anderen Frequenzbereich, als die Radiowellen. Ein Frequenzbereich bedeutet, die Geschwindigkeit der Schwingungen ist anders. Bei den elektromagnetischen Wellen ist es nun so, dass ein zeitlich sich \u00e4ndernder Strom, der durch so ein Kabel flie\u00dft, ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Ein Kabel erzeugt nur ein schlechtes elektromagnetisches Feld, das man aber durch eine Antenne optimieren kann. Wenn man also mit einem Mikrophon Sprache in solch eine elektromagnetische Welle \u00fcbertr\u00e4gt, dann kann man diese \u00fcber das Vakuum oder die Luft ausbreiten. Bei niedrigen Frequenzen, wozu ja auch die Sprache geh\u00f6rt, ist das sehr stark ged\u00e4mpft, die Welle kommt nicht besonders weit. Der Trick dabei ist, man verwendet sehr hohe Frequenzen und die eigentliche Sprache wird dort in diese hohen Frequenzen integriert. Man spricht dann vom Aufmodulieren. Man kann sich das so vorstellen, dass sich die Intensit\u00e4t der Welle damit \u00e4ndert. Bei einer Schallwelle w\u00fcrde z. B. dann die Lautst\u00e4rke ge\u00e4ndert. Und bei einer elektromagnetischen Welle ist das eben die sogenannte Amplitude (Amplitude ist ein Begriff zur Beschreibung von Schwingungen, Anm. d. Red.), die ge\u00e4ndert wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong><strong>Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin, im Vox Haus. Auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorf\u00fchrungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt\u201c, waren die ersten S\u00e4tze, die Friedrich Georg Kn\u00f6pfke, damaliger Direktor der Funkstunde Berlin, an die Zuh\u00f6rer richtete. Um eine sogenannte \u201eH\u00f6r-Gew\u00e4hrung\u201c, also eine Lizenz, zu erhalten, mussten die Kunden aber ordentlich in die Tasche greifen. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch: &#8222;Wir m\u00fcssen bedenken, 1923 war die Zeit der Inflation, um nicht zu sagen, der Hyperinflation, wie man das nannte, und die Lizenz zum Radio h\u00f6ren kostete 780 Milliarden Papiermark. Zum Vergleich: ein Kilo Kohlr\u00fcben kostete damals 300 Millionen Papiermark, also schon relativ viel Geld. Man kann sagen, diese Lizenz war so etwas wie der Vorl\u00e4ufer der heutigen GEZ.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Danach ging die Entwicklung rasend schnell. Am 31. Januar 1925 konnte man bereits die erste Kurzwellenrundfunk\u00fcbertragung aus den USA in Deutschland h\u00f6ren. Und am 15.\u00a0November 1926 ordnete der Weltrundfunkverein erstmals weltweit die Rundfunkfrequenzen. Warum war das wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch: &#8222;Wie gesagt, in Deutschland konnte man das Radio aus den USA h\u00f6ren, d.h. die Reichweite von diesen Rundfunkwellen war und ist sehr gro\u00df. Daher mussten sich die L\u00e4nder untereinander absprechen, wer, welche Frequenzen nutzen darf, sonst \u00fcberlagern sich die einzelnen Radiosender. Das ist, wie bei einer gro\u00dfen Party, wo viele Leute sprechen und alles sich \u00fcberlagert. Man versteht hinterher nichts mehr. Deshalb diente dieser geordnete Frequenzbereich dazu, dass das Radio international h\u00f6rbar war. Alle Sender hatten einen exklusiven Frequenzbereich zugeordnet bekommen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_69269\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69269\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/radio-1682531_1280-1.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"467\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Heute nur noch Dekoration: Dieses alte Radio &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p><strong>Dann kam die Zeit der Kurzwellenversuche. Was ist der Unterschied zu Lang- und Mittelwellen?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch: &#8222;Kurzwellen haben durch ihren Frequenzbereich den Vorteil, dass die Wellen an der hochgelegenen Ionosph\u00e4re (Die Ionosph\u00e4re ist jener Teil der Atmosph\u00e4re eines Himmelsk\u00f6rpers, der gro\u00dfe Mengen von Ionen und freien Elektronen enth\u00e4lt. Anm. d. Red.) reflektiert werden und dar\u00fcber kann man dann die Erdkr\u00fcmmung \u00fcberwinden. D.h., man kommt von der einen H\u00e4lfte der Erde auf die andere H\u00e4lfte, im Gegensatz zu Lang- und Mittelwelle. Das sind n\u00e4mlich sogenannte Bodenwellen, die sich nur entlang des Erdbodens ausbreiten. Sie k\u00f6nnen zwar eine gewisse Erdkr\u00fcmmung \u00fcberwinden, aber die kommen dann nur wenige hundert oder tausend Kilometer weit.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Nach dem Krieg wurden die Frequenzen neu verhandelt, Deutschland als besetzte Nation bekam nur sehr schlechte Mittelwellenfrequenzen und nutzte fortan die Ultrakurzwelle (UKW).<\/strong><\/p>\n<p>Dr.\u00a0 Dietmar Tutsch: &#8222;Da die Mittelwelle mit der bereits erw\u00e4hnten Amplitudenmodulation sehr anf\u00e4llig f\u00fcr atmosph\u00e4rische St\u00f6rungen ist und man eine schlechte Tonqualit\u00e4t hat, nutzte man nach dem Krieg die Frequenzmodulation der Ultrakurzwelle, weil die eine gute Tonqualit\u00e4t hat, die auch noch heutigen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Und heute? Hat das Internet dem Radio den Rang abgelaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Dietmar Tutsch: &#8222;Ja, das kann man durchaus sagen. Also Streaming ist heute \u00fcberall zu finden, alle Sender bieten ihr Programm im Internet an und das Internet ist ja weltweit verf\u00fcgbar, wodurch Lang- Mittel- und Kurzwellen uninteressant geworden sind, auch wegen der schlechteren Tonqualit\u00e4t. Das Radio ist eigentlich nur noch interessant im UKW-Bereich. Da haben wir eine recht hohe Tonqualit\u00e4t, und der Vorteil hier ist, dass man lokale Sender f\u00fcr den mobilen Einsatz, d.h. im Auto oder auf der Baustelle verwenden kann. Insbesondere dort hat es noch seine Daseinsberechtigung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_69264\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 193px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-69264\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Tutsch-Pressefoto-2.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"266\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Ing. Dietmart Tutsch &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr.-Ing. Dietmar Tutsch<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing. Dietmar Tutsch leitet den Lehrstuhl f\u00fcr Automatisierungstechnik \/ Informatik in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 29. Oktober 1923 gilt als die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks.\u00a0 Drei Komponenten waren dazu n\u00f6tig, n\u00e4mlich die Tonaufnahme, die \u00dcbertragung und nat\u00fcrlich der Empfang. Das erste brauchbare Tonaufzeichnungsverfahren stammte von Thomas Alva Edison.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-69259","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-14 10:35:13","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69259"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69259\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69273,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69259\/revisions\/69273"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}