{"id":69150,"date":"2023-10-17T19:01:39","date_gmt":"2023-10-17T17:01:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=69150"},"modified":"2023-10-17T19:01:39","modified_gmt":"2023-10-17T17:01:39","slug":"erster-kuenstlicher-sternenhimmel-erstrahlte-in-jena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/10\/17\/erster-kuenstlicher-sternenhimmel-erstrahlte-in-jena\/","title":{"rendered":"Erster k\u00fcnstlicher Sternenhimmel erstrahlte in Jena"},"content":{"rendered":"<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_69154\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1673px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69154 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Engert-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"1663\" height=\"1134\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Sabrina Engert, Wissenschaftliche Hilfskraft in der Wissenschafts- und Technikgeschichte der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220;-Interview mit Sabrina Engert, Wissenschaftliche Hilfskraft in der Wissenschafts- und Technikgeschichte der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischn Universit\u00e4t unterhalten.<\/p>\n<p><strong> 1923 gab es in Jena das erste Planetarium. Was war denn die bahnbrechende Idee dabei?<\/strong><\/p>\n<p>Sabrina Engert:&#8220; Zun\u00e4chst einmal zu den Umst\u00e4nden, weshalb man diese Arbeit begonnen hatte: Es gab ja schon l\u00e4nger mechanische Planetarien, aber die konnten eben nur eingeschr\u00e4nkt die Dimensionen des Sonnensystems vermitteln. Selbst mechanische Planetarien, die einen ganzen Raum f\u00fcllten, konnten nur schwer einen naturgetreuen Eindruck des Universums vermitteln.<\/p>\n<p>Dazu ein Beispiel: Wenn die Erde so gro\u00df wie ein Bonbon w\u00e4re und wir ma\u00dfstabgetreu die Entfernung zur Sonne darstellen wollten, dann bef\u00e4nde sich die Sonne in ungef\u00e4hr 180 Metern Entfernung. Nehmen wir den gleichen Ma\u00dfstab dann f\u00fcr den \u00e4u\u00dfersten Planeten, Neptun, der in ca. 4.687.000.000 Kilometern Entfernung zur Erde steht, w\u00e4re Neptun ca. 5,7 Kilometer entfernt.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Das bedeutet das 31,88-fache von der Entfernung, die Sonne und Erde zueinander haben und zeigt damit die Schwierigkeit, ein ma\u00dfstabgetreues Modell allein vom Sonnensystem darzustellen. Also gab Oskar von Miller, Leiter des Deutschen Museums in M\u00fcnchen, die Idee damals bei Carl-Zeiss, der Firma, die sich vor allem mit der Optik besch\u00e4ftigt hat, in Auftrag. Er hatte schon die Idee eines Projektionsplanetariums, um eben diese Grenzen zu \u00fcberwinden, brauchte aber Hilfe. Im Jahr 1919 wurde deshalb die Idee von Dr. Walter Bauersfeld, Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung von Carl-Zeiss, vorgetragen. Dazu sollten kleine Projektoren die Sterne und Planeten an eine kugelf\u00f6rmige Wand projizieren, um den Himmel sozusagen \u201enachzuahmen\u201c.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Am 21.10.1923 wurde zur Vorbereitung des ersten deutschen Planetariums in M\u00fcnchen mit einer nie dagewesenen Projektion der erste k\u00fcnstliche Sternenhimmel vor Ort vorgef\u00fchrt. Damit begann die Erfolgsgeschichte des Projektionsplanetariums, welches 1925 seinen Regelbetrieb aufnahm. Was kann man denn in so einer Projektion z.B. zeigen?<\/strong><\/p>\n<p>Sabrina Engert: &#8222;Man k\u00f6nnte fast sagen, dass die Erfolgsgeschichte schon im Fr\u00fchjahr 1923 begann, als eine erste Vorf\u00fchrung der neuen Technik in einer provisorischen Kuppel auf dem Firmendach von Carl-Zeiss in Jena stattfand. Die Nachricht \u00fcber die neue Sensation verbreitete sich schnell. So entschloss sich auch der damalige Barmer Oberb\u00fcrgermeister Dr. Paul Hartmann dazu, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. Er nannte es bei seiner Rede zur Er\u00f6ffnung des Barmer Planetariums, ein \u201eWunderwerk deutscher Technik\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_69156\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69156\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Planetarium_Jena_Presse05_Credit_W_Don_Eck-1-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1706\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Zeiss-Planetarium in Jena\u00a0 &#8211; \u00a9 W. Don Eck<\/span><\/div>\n<p>Die Projektionen heute k\u00f6nnen Unglaubliches zeigen. Virtuell k\u00f6nnen Besucherinnen und Besucher eines Planetariums durch ganze Galaxien reisen und unsere Milchstra\u00dfe verlassen. Sie k\u00f6nnen verschiedene Sternbilder sehen und jeden Planeten unseres Sonnensystems bequem von einem Stuhl aus bestaunen. Aber auch die ersten Projektionsapparate zeigten erstaunliche Bilder von Sternen, der Milchstra\u00dfe und verschiedenen Sternenbildern.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die Firma Zeiss aus Jena erhielt den Auftrag zum Bau des Kopernikanischen Planetariums in M\u00fcnchen. Manchmal spricht man aber auch von ptolem\u00e4ischen Planetarien. Worin besteht der Unterschied?<\/strong><\/p>\n<p>Sabrina Engert<strong>:<\/strong> &#8222;Im Wesentlichen markieren diese Bezeichnungen, von welchem \u201eStandpunkt\u201c aus das Weltall betrachtet wird. Kopernikanische Planetarien verdanken ihren Namen der Idee des heliozentrischen Weltbildes, also der Idee, dass nicht die Erde im Mittelpunkt des Universums steht, sondern die Sonne. Betrete ich ein kopernikanisches Planetarium, sehe ich genau das, n\u00e4mlich die Sonne und die Planeten in elliptischen Bahnen um sie herum. Ein riesiges Kopernikanisches Planetarium gibt es im Deutschen Museum in M\u00fcnchen. Da sehe ich die Sonne im Mittelpunkt und alle Planeten kreisen darum. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass ein ptolem\u00e4isches Planetarium die Erde im Zentrum hat. Da geht es wieder um den Standpunkt, von dem ich das betrachte. Sitze oder liege ich allerdings in einem Stuhl und schaue von meinem Standpunkt aus nach oben auf die Kuppel, dann sehe ich das Universum sozusagen von der Erde aus. Es ist ganz wichtig zu betonen, dass die heutigen optischen Planetarien zwar als ptolem\u00e4isch bezeichnet werden, weil wir sozusagen von der Erde aus alles sehen, aber optische Planetarien folgen auf jeden Fall den wissenschaftlichen Standards und damit der heliozentrischen Lehre. Synonyme f\u00fcr die Einteilung in kopernikanisch und ptolem\u00e4isch sind also heliozentrisch und geozentrisch.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_69157\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69157\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Planetarium_Jena_Presse09_Credit_Jens_Hauspurg-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"820\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Sternehimmel im Planetarium Jena &#8211; \u00a9 Jens Hauspurg<\/span><\/div>\n<p><strong>Wie viele Sterne kann denn so ein Projektor darstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Sabrina Engert: &#8222;Das Planetarium in Bochum z. B. verf\u00fcgt \u00fcber das Modell Universairum IX und spricht von 9.000 Sternen, die der Projektor auf die Kuppel wirft. Neben den Sternen zeigen die Projektoren aber auch noch die Milchstra\u00dfe, Nebel, Galaxien, Planeten und usw.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Nach der Vollendung wurde das Ger\u00e4t 1925 dauerhaft im Deutschen Museum in M\u00fcnchen als Modell I montiert. Mittlerweile ist man bei Modell IX angekommen. Im Zuge der Digitalisierung kann man heute mit Faseroptik den Nachthimmel geradezu perfekt abbilden. F\u00fcr Wuppertaler ist das Zeiss Planetarium Bochum am ehesten zu erreichen. Waren Sie mal dort?<\/strong><\/p>\n<p>Sabrina Engert: &#8222;Ja, sehr oft. Ich habe sogar manche Shows mehrmals gesehen, einfach, weil es so viel zu lernen gibt und man au\u00dferhalb der Milchstra\u00dfe auch die Ausma\u00dfe des Universums sieht. Ein Programm nennt sich z. B. \u00b4Vom Urknall bis zum Menschen` und es ist sehr interessant, weil man visuell sehen kann, wie sich die Menschen entwickelt haben. Es gibt sogar Astronomieshows f\u00fcr Kinder. Zu empfehlen ist u.a. auch das Programm \u201eFaszinierendes Weltall\u201c. \u00dcbrigens gibt es auch seit ein paar Jahren das Galileum in Solingen, eine Sternwarte, die jetzt ein Planetarium ist und ein umfangreiches Veranstaltungsangebot bietet.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_69155\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 181px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69155 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Engert-Pressefoto-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"228\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Sabrina Engert &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<\/div>\n<h4>\u00dcber Sabrina Engert<\/h4>\n<div class=\"ti-body\">\n<p>Sabrina Engert arbeitet als Wissenschaftliche Hilfskraft in der Wissenschafts- und Technikgeschichte der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste k\u00fcnstliche Sternenhimmel \u00fcberhaupt erstrahlte 1923 in Jena. Zehn Jahre vergingen von der Idee bis zum Bau. Dort hatten Mechaniker, Ingenieure, Astronomen und Physiker an einem besonderen Ger\u00e4t gearbeitet, mit dem der Fixsternhimmel gezeigt werden konnte.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-69150","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 21:19:33","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69150"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69162,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69150\/revisions\/69162"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}