{"id":69012,"date":"2023-10-16T10:45:54","date_gmt":"2023-10-16T08:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=69012"},"modified":"2023-10-22T12:42:43","modified_gmt":"2023-10-22T10:42:43","slug":"waschbaer-plagegeist-oder-heimischer-geselle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/10\/16\/waschbaer-plagegeist-oder-heimischer-geselle\/","title":{"rendered":"Waschb\u00e4r \u2013 Plagegeist oder heimischer Geselle?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_69015\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1290px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69015 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/raccoon-3956884_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"850\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Waschb\u00e4ren sind liebenswerte Tiere, aber immer noch vielen Menschen nicht willkommen sind, die sie nur f\u00fcr l\u00e4stige Eindringlinge halten, dabei sind sie seit \u00fcber 90 Jahren in Deutschland heimisch &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Sie tauchen mittlerweile \u00fcberall auf \u2013 die Waschb\u00e4ren. Mit ihrer Augenbinde sehen sie aus, wie die Panzerknacker aus den Comics unserer Kinderzeit. Sind sie in der Tat Einbrecher, denn im Zusammenhang mit dieser Tierart hei\u00dft es sofort \u201einvasiv\u201c?<\/p>\n<p>Als die Schwebebahn im August f\u00fcr mehrere Wochen stillstand, wurden Waschb\u00e4ren an den Schwebebahnstationen, u.a. an der Werther Br\u00fccke, an den Gleisen direkt im Tal gesichtet. Besorgte B\u00fcrger meldeten sich im Internet. Was soll gegen diese Tiere unternommen werden, sind sie gef\u00e4hrlich, wie gro\u00df ist der vermeintliche Schaden, den sie anrichten?<\/p>\n<h4>Wie \u201einvasiv\u201c sind die Waschb\u00e4ren?<\/h4>\n<p>Zahlreiche Artikel widmen sich der Herkunft, den Gewohnheit, den Nahrungsvorlieben und insbesondere der Sch\u00e4den, die Waschb\u00e4ren anrichten k\u00f6nnen. Sie besch\u00e4ftigen sich mit Sicherungsma\u00dfnahmen des Hauses, damit es sich die Waschb\u00e4ren nicht auf dem Dachboden gem\u00fctlich machen k\u00f6nnen. Auch die Bedeutung des Namens \u201eWaschb\u00e4r\u201c wird h\u00e4ufig thematisiert. Ich m\u00f6chte diese Aspekte nur streifen und die Waschb\u00e4ren als mittlerweile integriertes Tier in der europ\u00e4ischen Fauna beleuchten.<\/p>\n<div id=\"attachment_69016\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69016\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/wildlife-3273640_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"814\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tags\u00fcber sieht man Waschb\u00e4ren sehr selten &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Als im November 2022 auf unerkl\u00e4rliche Weise nachts am Baum Meisenkn\u00f6del verschwanden, konnte ich mir dieses Ph\u00e4nomen nicht erkl\u00e4ren. Schlie\u00dflich schliefen die V\u00f6gel nachts. Es war mir ein R\u00e4tsel, bis ich den ersten Waschb\u00e4ren in unserem Garten entdeckte. Auch mir schoss es zun\u00e4chst durch den Kopf: \u201eWoher kommt dieser invasive Waschb\u00e4r?\u201c<\/p>\n<p>Invasive Arten sind alle Tiere oder Pflanzen, die in Gebieten, in denen sie auftreten, normalerweise nicht vorkommen, somit nicht heimisch sind. Ein ganz klassisches Beispiel sind die Kaninchen in Australien. Sie kamen mit der \u201eFirst Fleet\u201c \u2013 den ersten Str\u00e4flingen aus Gro\u00dfbritannien \u2013 dorthin. Da die invasiven Arten keine nat\u00fcrlichen Feinde haben, vermehren sie sich rasch und k\u00f6nnen mitunter erhebliche Sch\u00e4den anrichten, indem sie einheimische Arten verdr\u00e4ngen, \u00f6konomische und gesundheitliche Folgekosten verursachen.<\/p>\n<p>Seine Heimat hat der Waschb\u00e4r in Nord- und Mittelamerika (S\u00fcdkanada, USA, Mexiko bis Costa Rica). Aufgrund seines durchaus begehrten Felles, war er bereits 1920 in deutschen Pelztierzuchtfarmen ein begehrtes Zuchttier. Waschb\u00e4ren sind sehr clever und konnten entwischen \u2013 damit begann die Eroberung des europ\u00e4ischen Kontinentes. Die deutsche Population geht jedoch eindeutig auf das 1934 in Nordhessen (Edersee) ausgewilderte P\u00e4rchen eines F\u00f6rsters zur\u00fcck.<\/p>\n<div id=\"attachment_69054\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-69054\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/e443c13e-4184-4bbb-b09b-c9e95e70bfbe-1.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"469\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ganz sch\u00f6n neugierig, dieser kleine Kerl.-\u00a9\u00a0 Dr. med. vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Die dichteste Besiedelung mit Waschb\u00e4ren verzeichnet derzeit das Bundesland Hessen.<\/p>\n<p>Sind die Kriterien einer invasiven Art beim Waschb\u00e4ren erf\u00fcllt? Sch\u00e4den in Fauna und Flora richtet er im klassischen Sinne nicht an. Verw\u00fcstungen werden nur dann in Haus und Hof angerichtet, wenn der Waschb\u00e4r keinen nat\u00fcrlichen Lebensraum im Wald findet und somit auf Stadtgebiete und Wohnungen ausweichen muss.<\/p>\n<p>Einen nat\u00fcrlichen Feind hat der Waschb\u00e4r, genau wie Dachs und Marderhund, im Uhu und nat\u00fcrlich durch den Stra\u00dfenverkehr und die ganzj\u00e4hrige Bejagung durch den Menschen. Um ein wirklich \u201eneues\u201c Tier handelt es sich auch nicht, da er mittlerweile seit gesicherten 90 Jahren durch deutsche W\u00e4lder streift. Trotzdem wurde er 2016 auf die EU-Liste der invasiven Tierarten aufgenommen.<\/p>\n<h4>Waschb\u00e4r &#8211; \u201eSchadb\u00e4r\u201c und Gourmet oder Gourmaud?<\/h4>\n<p>Wird von den durch Waschb\u00e4ren angerichteten Sch\u00e4den gesprochen, sind immer die Spuren gemeint, die sie in Wohngebieten hinterlassen. Auf ihrer Nahrungssuche pl\u00fcndern sie gerne M\u00fclltonnen, wie auch bei den Schwebebahnhaltestationen beobachtet wurde, oder sie nisten sich auf Dachb\u00f6den ein, um zu \u00fcberwintern oder ihre Nachkommen gro\u00dfzuziehen. Wie Sie sich vor nicht zahlenden Untermietern sch\u00fctzen k\u00f6nnen, finden Sie u.a. in zahlreichen Ratgebern um Haus und Garten<sup>1<\/sup>.<\/p>\n<p>Waschb\u00e4ren sind Allesfresser und ern\u00e4hren sich sehr ausgewogen. Sie lieben Insekten, W\u00fcrmer und Fr\u00f6sche oder kleine Echsen. Genauso gerne m\u00f6gen sie aber Beeren und N\u00fcsse. Grunds\u00e4tzlich essen sie sehr fetthaltig, um sich f\u00fcr den Winter ein Polster f\u00fcr die Winterruhe anzulegen. Als Lieblingsspeise auf dem europ\u00e4ischen Kontinent gilt der fettige Meisenkn\u00f6del.<\/p>\n<div id=\"attachment_69045\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 523px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69045\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/33cdd3cf-0af1-4148-807f-d7af876f3164.jpg\" alt=\"\" width=\"513\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein niedlicher Waschb\u00e4r am abendlichen Buffet &#8211; \u00a9 Dr. med vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Angeblich stehen auch Igel, Ratten und H\u00fchner auf dem Speiseplan. Da Igel und Waschb\u00e4ren in friedlichem Beisammensein ihre Nahrung aufnehmen und bisweilen sogar der Eindruck entsteht, dass der Igel gerne in Gesellschaft der Waschb\u00e4ren frisst (Fotomaterial bei der Autorin), halte ich das f\u00fcr ein Ger\u00fccht. Alle Igel versorgenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern kann ich deshalb beruhigen: Ihren stacheligen Pflegeg\u00e4sten wird kein St\u00e4chelchen gekr\u00fcmmt.<\/p>\n<p>In dichter besiedelten Wohngebieten steht die M\u00fclltonne als Nahrungsquelle bereit. Reste von Fastfood und Pizza werden nicht verschm\u00e4ht, stellen aber sicherlich keine gute Nahrungsquelle f\u00fcr den Waschb\u00e4ren da. In Wuppertal hat der Waschb\u00e4r sich im Tal an der Wupper angesiedelt und findet dort ein gutes Nahrungsangebot an kleinen Wassertieren.<\/p>\n<p>In die Stadt selber ist das schlaue Tier nur gekommen, weil die Schwebebahn eine verordnete Ruhepause eingelegt hat. Die Motorenger\u00e4usche halten den schreckhaften und vorsichtigen Waschb\u00e4ren n\u00e4mlich normalerweise von waghalsigen Unternehmungen ab.<\/p>\n<div id=\"attachment_69018\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 711px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69018\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/nature-4669438_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"701\" height=\"467\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Waschb\u00e4ren sind nachtaktiv und g\u00f6nnen sich tags\u00fcber in ihrer H\u00f6hle ein Schl\u00e4fchen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Eine tats\u00e4chliche Sch\u00e4tzung dar\u00fcber, welche Sch\u00e4den an der heimischen Fauna und Flora durch Waschb\u00e4ren verursacht werden, gibt es nicht. Die bef\u00fcrchteten Sch\u00e4den an Fauna oder Flora richtet er zumeist gar nicht an und ern\u00e4hrt sich \u00e4hnlich der Gewohnheiten des Dachses, der in Deutschland heimisch ist.<\/p>\n<p>Auch f\u00e4llt er keine B\u00e4ume wie der Biber. Dieser legt durch den Dammbau gro\u00dffl\u00e4chig Felder unter Wasser. Der Waschb\u00e4r hat sich an die hiesigen Bedingungen adaptiert und nutzt den Lebensraum genauso, wie es die als heimisch geltenden Biber, Dachse und Marderhunde tun.<\/p>\n<h4>Der unverstandene Waschb\u00e4r<\/h4>\n<p>Der Charakter und das Verhalten des Waschb\u00e4ren sind viel vielf\u00e4ltiger, als dies allgemein bekannt ist. Waschb\u00e4ren geh\u00f6ren innerhalb der \u00dcberfamilie der Hundeartigen zu den Kleinb\u00e4ren. In ihren Verhaltensweisen \u00e4hneln sie beiden Tierarten. F\u00fchlt der Waschb\u00e4r sich angegriffen, so fletscht er die Z\u00e4hne. Hat er Angst und will einen vermeintlichen Angreifer abwehren, macht er sich gro\u00df und stellt sich aufrecht auf die Hinterbeine.<\/p>\n<p>Erwachsene Waschb\u00e4ren k\u00f6nnen so eine Gr\u00f6\u00dfe von ca. 1,20 m erreichen. Gelegentlich wird auch in der direkten Konfrontation mit Artgenossen der \u201eKatzenbuckel\u201c gesehen. Er ist keinesfalls aggressiv und zieht sich bei Ger\u00e4uschen oder der Ann\u00e4herung von Mensch und Tier sofort zur\u00fcck. Mehrere Tiere weichen sogar gleichzeitig vor einer herannahenden Katze aus.<\/p>\n<div id=\"attachment_69050\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69050 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/65fb8942-4ae1-4c1b-8013-1df26ff9da99.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"438\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vonwegen Feinde: Waschb\u00e4r und Igel verstehen sich bestens und teilen sogar das Fressen &#8211; \u00a9 Dr. med vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>Angeblich streife der Waschb\u00e4r alleine. Ein Verbund einzelner Tiere sei selten anzutreffen. Diese Beobachtung kann ich g\u00e4nzlich aufgrund eigener Beobachtungen nicht teilen. Waschb\u00e4ren sind sehr gesellige und vertr\u00e4gliche Tiere. Sie treten mit mehreren Tieren gleichzeitig auf, dabei k\u00f6nnen Alttiere mit Jungtieren gemeinsam durch die pr\u00e4ferierten totholzreichen Laub- und Mischw\u00e4lder streifen.<\/p>\n<p>Kleinere Auseinandersetzungen um das beste Futter verlaufen ohne Blessuren. Auch verletzte oder gehandicapte Tiere werden nicht aus der Gruppe versto\u00dfen, was bei vielen anderen Tierarten \u00fcblich ist. Der Waschb\u00e4r ist somit ein \u00e4u\u00dferst empathisches Tier.<\/p>\n<p>Auch ist der Waschb\u00e4r kein hemmungsloser J\u00e4ger auf kleine Wasser- und Landtiere, wie Igel. F\u00fcr eine Schale mit Weintrauben l\u00e4sst er sofort jedes andere Futter stehen und genie\u00dft f\u00f6rmlich, wenn der s\u00fc\u00dfe Saft in seine Kehle l\u00e4uft. Dazu wird extra der Hals nach oben gestreckt, damit auch alles im Mund bleibt.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe und kleine Panzerknacker sind sehr intelligent. Sie erkunden ihre Umgebung und pr\u00e4gen sich Einzelheiten ein. Sie klettern gerne in das Katzenhaus oder spielen mit ihren Schwestern und Br\u00fcdern im Garten. Die Fensterscheibe zum Haus wird ertastet und schnell begriffen, dass die zweibeinigen Bewohner jenseits der Scheibe \u201eim K\u00e4fig hausen\u201c.<\/p>\n<p>Die Gesichter pr\u00e4gen sich die Tiere ein und reagieren nach kurzer Zeit \u00fcberhaupt nicht mehr scheu, sondern scheinen vielmehr durch Blickkontakt ein \u201eHallo\u201c sagen zu wollen. Einer direkten Begegnung weichen sie aber unmittelbar aus.<\/p>\n<div id=\"attachment_69019\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 708px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69019\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/mammal-1227460_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"698\" height=\"465\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein &#8222;Panzerknacker&#8220; auf der Pirsch &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Jungtiere sind wie kleine Kinder. Sie sind verspielt, m\u00fcssen alles anfassen und machen Unordnung, zerst\u00f6ren aber zumeist nichts. Die k\u00fcnstlichen Porzellanfr\u00f6sche in unserem Teich werden zwar herausgeangelt, aber bei den zahlreichen Spielversuchen sind sie nie zu Schaden gekommen.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h4>Stellen Waschb\u00e4ren eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung f\u00fcr Mensch und Tiere dar?<\/h4>\n<p>In der Presse wurde vielfach vor den Gefahren durch die \u00dcbertragung von W\u00fcrmern, also Endoparasiten, durch den Kot von Waschb\u00e4ren gewarnt. Gerade durch die Arbeit im Garten best\u00fcnde eine besondere Gefahr. Diese Sorge m\u00f6chte ich Ihnen jedoch weitgehend nehmen. Waschb\u00e4ren \u2013 das sagt schon der Name \u2013 sind \u00e4u\u00dferst reinliche Tiere. Sie legen an einem festen Ort eine gemeinsame Toilette, die sogenannte Latrine, an. \u00dcber diese Latrine kommunizieren die Waschb\u00e4ren untereinander.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen daran erkennen, wie gut oder schlecht das Nahrungsangebot und wie gro\u00df ihre Gemeinschaft ist. Sie erkennen auch, ob ihre Artgenossen gesund oder erkrankt sind. \u00dcber diese Latrine wird schlussendlich auch die Gr\u00f6\u00dfe ihrer Population gesteuert. Sind zu viele Tiere krank oder durch Gefahren des Stra\u00dfenverkehrs oder durch Bejagung ums Leben gekommen, so zeugen die Waschb\u00e4ren mehr Jungtiere beziehungsweise sie paaren sich zweimal, statt einmal j\u00e4hrlich.<\/p>\n<div id=\"attachment_69024\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69024\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/raccoons-4398911_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"466\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jung, niedlich und neugierig: Drei Waschb\u00e4ren-Junge &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Auch der Erreger der Tollwut konnte bislang noch nicht beim Waschb\u00e4ren nachgewiesen werden. Anders als der Fuchs, ist der Waschb\u00e4r kein Aasfresser und kann somit im Grunde genommen nicht mit dem Erreger der Tollwut in Ber\u00fchrung kommen und damit die Krankheit auf den Menschen oder andere Tiere (Hunde, Katzen) \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Sollte sich ein Waschb\u00e4r in einem Wohngebiet jedoch auff\u00e4llig verhalten, dabei auch \u00f6fter umknicken oder hinfallen, bei Ansprache \u00fcberhaupt nicht weglaufen und ein ungepflegtes Fell zeigen sowie unterern\u00e4hrt sein, k\u00f6nnen dieses eindeutige Hinweise auf eine Staupe-Erkrankung des Tieres sein.<\/p>\n<p>Die Viruserkrankung Staupe kommt bei allen hundeartigen Tieren vor und wird als Tr\u00f6pfcheninfektion durch verunreinigtes Futter oder Wasser \u00fcbertragen. F\u00fcr den Menschen ist sie g\u00e4nzlich ungef\u00e4hrlich. Sollten sie einem solchen Tier begegnen, bitte die untere Jagdbeh\u00f6rde beziehungsweise den Jagdaus\u00fcbungsberechtigten informieren. Diese werden notwendige Schritte zum Einfangen des Tieres veranlassen.<\/p>\n<h4>Regulation der Population \u2013 Pilotprojekt in Berlin<\/h4>\n<p>Waschb\u00e4ren d\u00fcrfen bejagt werden, Jungtiere ganzj\u00e4hrig und erwachsene Tiere vom 01.08. bis 28.02. Einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Absch\u00fcsse gibt die sogenannte Jagdstrecke (<a href=\"http:\/\/www.jagdverband.de\">www.jagdverband.de<\/a>; Deutscher Jagdverband, Handbuch 2023). Im Jagdjahr 2021\/2022 wurden 201.975 Waschb\u00e4ren im Bundesgebiet get\u00f6tet. Davon 33.268 in Hessen mit der h\u00f6chsten Dichte von Waschb\u00e4ren in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen wurden 25.124 Waschb\u00e4ren geschossen.<\/p>\n<p>Leider hilft die Bejagung nur bedingt bei der Reduktion der Population. Durch die gemeinsame Latrine k\u00f6nnen die Waschb\u00e4ren die Population steuern. Werden sie bejagt, werden mehr Nachkommen produziert. Eine wirksame Eind\u00e4mmung kann nur durch gezielte Kastrationsma\u00dfnahmen erwirkt werden. F\u00fchrend f\u00fcr dieses Vorhaben ist Berlin (<a href=\"http:\/\/www.hauptsache-waschbaer.de\">www.hauptsache-waschbaer.de<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_69055\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 561px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69055\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/b726654f-ff8f-4e18-b91a-348a89cf3fbc.jpg\" alt=\"\" width=\"551\" height=\"735\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vor dem Fressen wir sich noch schnell geputzt &#8211; \u00a9 Dr. med. vet. Frank Langewische<\/span><\/div>\n<p>In der Initiative <strong>\u201eHauptsache Waschb\u00e4r e.V.\u201c<\/strong> wird das Pilotprojekt Kastration von Waschb\u00e4ren vorangetrieben. Aus Hessen wurde bereits das Kastrationsmobil f\u00fcr die Kastration wildlebender Katzen ausgeliehen, um die Kastrationen durchzuf\u00fchren. Zeitgleich soll bewirkt werden, dass kastrierte Waschb\u00e4ren wieder ausgewildert werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Tier\u00e4rztliche Versorgung der liebenswerten Tiere sowie Aufkl\u00e4rung in Kitas und Schulen \u00fcber die fehlerhaften Informationen zu Waschb\u00e4ren geh\u00f6ren ebenfalls zur Aufgabe des Vereins. Die Initiative ist vorbildlich f\u00fcr das, was wir als B\u00fcrgerin und B\u00fcrger begreifen sollten:<strong> Der Waschb\u00e4r geh\u00f6rt als Wildtier mittlerweile zur heimischen Fauna!<\/strong><\/p>\n<h4>Pr\u00e4vention der Hausbesiedelung<\/h4>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann ich alle Vorsichtsma\u00dfnahmen betreffend einer Besiedelung des Wohnhauses und Grundst\u00fcckes unterst\u00fctzen: Regenrinnen mit Vorrichtungen gegen das Hinaufklettern versehen; B\u00e4ume und \u00c4ste in N\u00e4he des Daches kurz halten, so dass ein Hin\u00fcbersteigen auf das Dach unm\u00f6glich wird; M\u00fclltonnen in Garagen oder entsprechenden M\u00fclltonnenh\u00e4usern unterbringen; kein Futter f\u00fcr V\u00f6gel \u00fcber Nacht im Garten belassen; Fallobst aufsammeln usw.<\/p>\n<div id=\"attachment_62612\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 382px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62612\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Marita_Langewische-2-863x1024-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"264\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. med. vet. Marita Langewische &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Ansonsten gebe ich Ihnen die Empfehlung, die in Deutschland friedlich mit anderen Waldbewohnern lebenden Waschb\u00e4ren einfach in Ruhe zu lassen. Sie ziehen sich nach ihrem n\u00e4chtlichen Abendessen aus den M\u00fclltonnen der Stadt zur\u00fcck und verbringen den Tag schlafend in ihren H\u00f6hlen. Einmal eingefangene Waschb\u00e4ren d\u00fcrfen nach gesetzlichen Vorgaben nicht wieder ausgewildert werden. Die sp\u00e4rlich vorhandenen Auffangstationen sind \u00fcberf\u00fcllt und k\u00f6nnen kaum noch Tiere aufnehmen.<\/p>\n<p>Sollten Sie dennoch einem Waschb\u00e4ren begegnen, z\u00fccken Sie Ihr Handy. Sie werden lange Freude an dem freundlichen Gesicht des Waschb\u00e4ren haben.<\/p>\n<p>Bleiben Sie mit Ihren Haustieren gesund!<\/p>\n<p>Ihre (nun hessische)-Tier\u00e4rztin aus dem Tal<\/p>\n<p><strong>DR. MED. VET. MARITA LANGEWISCHE<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Lesen SIE auch den Fachartikel &#8222;The Raccoon (Procyon lotor) as a Neozoon in Europe&#8220; von Matthias Bernhard Stope:<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/journal\/animals\">https:\/\/www.mdpi.com\/journal\/animals<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waschb\u00e4ren haben den Ruf als Sch\u00e4dling, Zerst\u00f6rer, Krankmacher und Nutznie\u00dfer von M\u00fclltonnen und Eigenheimen. Ein Blick \u00fcber die Schulter zeigt den Waschb\u00e4ren jedoch als hoch intelligentes, freundliches und lernf\u00e4higes Tier, das sich seinen Platz in europ\u00e4ischen W\u00e4ldern verdient hat.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-69012","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weitblick"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-21 17:10:38","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69012"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69144,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69012\/revisions\/69144"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}