{"id":68900,"date":"2023-10-12T18:30:18","date_gmt":"2023-10-12T16:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=68900"},"modified":"2023-10-16T22:20:30","modified_gmt":"2023-10-16T20:20:30","slug":"aufreger-im-tal-zuviel-gemaecht-am-starken-geschlecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/10\/12\/aufreger-im-tal-zuviel-gemaecht-am-starken-geschlecht\/","title":{"rendered":"Aufreger im Tal: Zuviel Gem\u00e4cht am starken Geschlecht"},"content":{"rendered":"<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_68905\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 786px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-68905\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Foto-Lehmann-privat-2.jpg\" alt=\"\" width=\"776\" height=\"505\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Doris H. Lehmann ist gelernte Fotografin und studierte Kunstgeschichte, Klassische Arch\u00e4ologie, Provinzialr\u00f6mische Arch\u00e4ologie und Lateinische Philologie an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln. Seit 2018 lehrt sie an der Bergischen Uni &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>1901 aber, l\u00f6ste die m\u00e4nnliche Nacktheit am neuaufgestellten Jubil\u00e4umsbrunnen\/Neptunbrunnen im Zentrum von Elberfeld einen Sturm der Entr\u00fcstung bei Kirche und Gesellschaft aus, der so weit ging, dass man die Figuren sogar kastrierte.<\/p>\n<p>Die Kunstgeschichtlerin Doris Lehmann lehrt an der Bergischen Universit\u00e4t und kennt die turbulente Geschichte des denkmalgesch\u00fctzten Elberfelder Brunnens ganz genau. Mit ihr hat sich Autor Uwe Blass in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; \u00fcber das pikante, kulturelle Aufreger-Thema unterhalten.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p class=\"text\">Der Jubil\u00e4umsbrunnen\/Neptunbrunnen wurde 1901 eingeweiht. Im gr\u00fcnderzeitlichen Elberfeld schenkte der Versch\u00f6nerungsverein der Stadt Elberfeld diesen beeindruckenden Brunnen, der ein ber\u00fchmtes Vorbild hat.<br \/>\n\u201eDas Vorbild f\u00fcr den aus Anlass des 25j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Versch\u00f6nerungsvereins 1895 gestifteten Brunnens ist die von Francesco Antonio Giongo entworfene &#8222;Fontana del Nettuno&#8220;, die seit 1769 auf dem Domplatz in Trient steht\u201c, erkl\u00e4rt die Kunstdozentin.<\/p>\n<h4>Fontana del Nettuno aus Trient ist Vorbild f\u00fcr Elberfelder Brunnen<\/h4>\n<p class=\"text\">Dieser Neptunbrunnen war 1865\u201373 aufw\u00e4ndig von Andrea Malfatti, einem damals in Italien hoch gesch\u00e4tzten Bildhauer, restauriert worden. Als der Jubil\u00e4umsbrunnen im Zusammenhang mit der Errichtung des neuen Elberfelder Rathauses geplant wurde, bekr\u00f6nte den Brunnen in Trient noch die Originalfigur, die Stefano Salterio angefertigt hatte. Diese war wie der Neptun in Wuppertal aus Stein und wurde erst w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs von ihrem Platz entfernt.<\/p>\n<div id=\"attachment_68927\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-68927\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Achim-3-bru-2-2-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"926\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Jubil\u00e4umsbrunnen am Neumarkt &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p class=\"text\">Heute befindet sie sich im Trentiner Castel Thun. Den Brunnen ziert nun eine Bronzekopie.\u201c Au\u00dferdem besitze der italienische Neptun nur wenig \u00c4hnlichkeit mit der Wuppertaler Figur, erkl\u00e4rt Doris Lehmann. Das Vorbild sei deutlich schlanker und drehe sich elegant um seine K\u00f6rperachse. \u201eDer Jubil\u00e4umsbrunnen ist auch in anderen Teilen eine freie Kopie: Eine Zutat des D\u00fcsseldorfer Bildhauers sind die Gesichter, die in den Kartuschen am Brunnenschaft platziert sind. Die Haar- und Barttracht deuten darauf hin, dass hier Zeitgenossen verewigt wurden.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<h4 class=\"text\">Jubil\u00e4umsbrunnen in Wuppertal schuf Leo M\u00fcsch<\/h4>\n<p class=\"text\">Den Auftrag f\u00fcr den Elberfelder Brunnen erhielt der D\u00fcsseldorfer Bildhauer Leo M\u00fcsch (1846 \u2013 1911). \u201eEr stammte geb\u00fcrtig aus D\u00fcsseldorf und lernte Bildhauerei bei den dort ans\u00e4ssigen Akademieprofessoren Julius Bayerle und August Wittig\u201c, erz\u00e4hlt Lehmann.<\/p>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p class=\"text\">\u201eM\u00fcsch war zeitweise im Atelier des Dombildhauers Christian Mohr in K\u00f6ln t\u00e4tig und \u00fcbernahm verschiedene Auftr\u00e4ge im Rheinland. Bevor er den Jubil\u00e4umsbrunnen anfertigte, hatte er bereits f\u00fcr den Corneliusplatz in D\u00fcsseldorf einen Schalenbrunnen angefertigt und im damals noch eigenst\u00e4ndigen Cronenberg den Drei-Kaiser-Wasserturm mit Bildnismedaillons geschm\u00fcckt. Einige Wuppertaler kennen sicher auch das Grabmal, das er f\u00fcr den 1899 verstorbenen Oberb\u00fcrgermeister Elberfelds, Adolf Jaeger, geschaffen hat.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"text\">Ein Brunnen erz\u00e4hlt eine Geschichte<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p class=\"text\">Die Hauptfigur verk\u00f6rpere den r\u00f6mischen Gott Neptun, der in der Antike f\u00fcr flie\u00dfende Gew\u00e4sser zust\u00e4ndig war, sagt Lehmann und erkl\u00e4rt im weiteren die Bedeutung der gro\u00dfangelegten Plastik. \u201eNeptun war der Besch\u00fctzer der Quellen und damit auch unseres Brunnens. Erkennbar ist Neptun an seinem Dreizack und der muskul\u00f6sen und b\u00e4rtigen Aktgestalt.<\/p>\n<div id=\"attachment_68926\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68926\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Achim-Otto-Brunnen-2-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"934\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Neptun thront auf dem Jubil\u00e4umsbrunnen am Neumarkt &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p class=\"text\">Statt des typischen H\u00fcftmantels sind seine Lenden mit einem Netz umg\u00fcrtet, einem Hinweis auf das Gewerbe der Fischerei. Anders als seine Vorg\u00e4nger in Florenz, Bologna oder Rom, tr\u00e4gt unser Wuppertaler Neptun zudem eine Krone aus Schilf, ein altes Kennzeichen f\u00fcr Flussg\u00f6tter. Neptuns Erscheinung wird begleitet von seinem Gefolge. Dieses besteht aus Wesen, die seit dem Altertum ihm und dem Element Wasser zugeordnet wurden. Zu seinen F\u00fc\u00dfen erkennen wir Delfine, die antikisch gestaltet sind und seine Macht \u00fcber das Meer repr\u00e4sentieren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">Die Expertin f\u00fcr Kunstgeschichte und Arch\u00e4ologie weiter: &#8222;Die Brunnenarchitektur wird bev\u00f6lkert von mythischen Mischwesen mit Fischschw\u00e4nzen: Tritonen (Mischwesen mit menschlichem Oberk\u00f6rper und fischartigem Unterk\u00f6rper) blasen Muscheln, im Wasser der Brunnenschale tummeln sich Meereskentauren (Mischwesen aus Pferd und Mensch) und Nereiden (Nymphen des Meeres), die auf pferde- und pantherk\u00f6pfigen Hippokampen (Fabelwesen, vorne Pferd hinten Fisch) reiten. Sie veranschaulichen Lebenslust und Lebensfreude, die das Wasser hervorbringt. Der Standort nahe dem neuen Elberfelder Rathaus verweist aber auch darauf, dass Neptun in seiner Funktion als Herrscher die Wogen im Gemeinwesen zu gl\u00e4tten vermag.\u201c<\/p>\n<p class=\"text\">Die Architektur und die Figuren des Jubil\u00e4umsbrunnens bestehen aus rotem Mainsandstein, wei\u00df Lehmann, der aus dem Mainviereck stamme, wo seit dem Mittelalter in unterschiedlichen Steinbr\u00fcchen verschiedene Werksteinsorten abgebaut und \u00fcber den Main verschifft wurden. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts sei roter Mainsandstein im gesamten Deutschen Reich und auch \u00fcber dessen Grenzen hinaus ein beliebtes Material f\u00fcr repr\u00e4sentative Zwecke gewesen. Das k\u00f6nne man auch heute immer noch erkennen. \u201eWenn man mit offenen Augen durch das Rhein-Main-Gebiet f\u00e4hrt, entdeckt man bestimmt einige solcher Geb\u00e4ude.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_68911\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68911\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Jubilaeimsbrunnen-Detail-3-2.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"979\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jubil\u00e4umsbrunnen (Detail \u2013 Ein Tritone) &#8211; \u00a9 Foto: UniService Transfer<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<h4 class=\"text\">Aufstellung des Brunnens l\u00f6ste einen Sturm der Entr\u00fcstung aus<\/h4>\n<p class=\"text\">\u201eDie Brunnenfiguren waren damals provokant\u201c, beginnt Lehmann. \u201eUm 1900 war die k\u00fcnstlerische Freiheit in Deutschland sehr umstritten und noch nicht gesetzlich gesichert. Wilhelm II. versuchte damals die allgemeine &#8218;Unsittlichkeit&#8216; durch eine radikale Versch\u00e4rfung der ohnehin bestehenden Zensur zu beseitigen. Ausgehend von einem Prozess um einen straff\u00e4llig gewordenen Zuh\u00e4lter, zielte die vom Kaiser initiierte sogenannte &#8218;Lex Heinze&#8216; zun\u00e4chst auf strafrechtliche Grundlagen gegen Pornografie, Kuppelei und das Schamgef\u00fchl verletzende Theaterauff\u00fchrungen. Der geplante &#8218;Kunst- und Schaufensterparagraf&#8216; jedoch schloss sogar die Ausstellung von Darstellungen ein, die als &#8218;unz\u00fcchtig&#8216; aufgefasst werden konnten oder auch nur dazu geeignet waren, \u00c4rger &#8218;durch gr\u00f6bliche Verletzung&#8216; des Scham- und Sittlichkeitsgef\u00fchls zu erregen.\u201c<\/p>\n<p class=\"text\">Darunter fielen alle Aktdarstellungen und auch das Modellstehen als Beruf, weswegen 1900 Satirebl\u00e4tter die Venus von Milo und Darstellungen von Adam und Eva karikierten, die beispielsweise von Polizisten abgef\u00fchrt wurden. \u201eWir m\u00fcssen uns vor Augen f\u00fchren, dass Frauen in Deutschland noch keinen Badeanzug kannten, sondern Badekleider mit Beinkleid darunter trugen\u201c, erkl\u00e4rt die Kunstwissenschaftlerin.<\/p>\n<p class=\"text\">\u201eDer Anblick m\u00e4nnlicher Genitalien auf einem \u00f6ffentlichen Platz, auch wenn sie Bestandteile idealisierter Aktskulpturen waren, erregte dementsprechend Aufmerksamkeit. Ein Jahr zuvor hatte Wilhelm II. pers\u00f6nlich das Rathaus feierlich eingeweiht. Da waren die unbedeckten Bl\u00f6\u00dfen ein Schlag ins Gesicht der Sittenw\u00e4chter.\u201c<\/p>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<p class=\"text\">Die Zerst\u00f6rungswut entlud sich dementsprechend schnell. Dazu Lehmann: \u201eDer Brunnen wurde durch Vandalismus teilzerst\u00f6rt und zensiert. Unbekannte schlugen den Figuren die umstrittenen K\u00f6rperteile ab.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_68912\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68912\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Jubilaeimsbrunnen-Detail-6-2.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"872\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jubil\u00e4umsbrunnen (Detail &#8211; Meeresnymphe) &#8211; \u00a9 Foto: UniService Transfer<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<h4 class=\"text\"><strong>Akanthusbl\u00e4tter verh\u00fcllen die Scham<\/strong><\/h4>\n<p class=\"text\">Als Konsequenz gab es keine Einweihungsfeier und der K\u00fcnstler restaurierte die Brunnenfiguren, indem er die besch\u00e4digten Stellen mit Akanthusbl\u00e4ttern verdeckte. Doch damit nicht genug. \u201eDie Stadtverordnetenversammlung diskutierte, ob der Brunnen vollst\u00e4ndig entfernt, zensiert erhalten oder wiederhergestellt werden sollte. Letztlich entschied sie sich f\u00fcr den Kompromiss, die zensierte Fassung zu erhalten. Unser Neptun befand sich damit in guter Gesellschaft: Queen Victoria war so schockiert \u00fcber die Bl\u00f6\u00dfe von Michelangelos David, dass der von ihr 1857 dem Kunstgewerbemuseum in London gestiftete Gipsabguss mit einem eigens angefertigten &#8211; immerhin wieder abnehmbarem &#8211; Feigenblatt- verh\u00fcllt wurde.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"text\">100 Jahre sp\u00e4ter ist Kunst im \u00f6ffentlichen Raum immer noch gef\u00e4hrdet<\/h4>\n<p class=\"text\">Nach \u00fcber 100 Jahren haben sich die Gem\u00fcter in Bezug auf den Jubil\u00e4umsbrunnen beruhigt. Aber Kunst im \u00f6ffentlichen Raum ist auch heute immer wieder Opfer von Vandalismus. \u201eHeute werden die zum Teil verh\u00fcllten idealen Akte toleriert, eine Wiederherstellung des Originalzustands fordert niemand und w\u00fcrde sicher neue Entr\u00fcstung ausl\u00f6sen\u201c, sagt Lehmann, denn letztlich habe Vandalismus viele Gesichter.<\/p>\n<p class=\"text\">\u201eWenn das Brunnenbecken, wie vor kurzem, mit Farbe bespr\u00fcht, als Aschenbecher oder zur Entsorgung von Abfall verwendet wird, dann f\u00e4llt das ebenso unter Vandalismus wie die gro\u00dfen Mengen an Wasch- oder Sp\u00fclmittel, die anderenorts in Brunnen gef\u00fcllt werden. Das Ergebnis ist keine lustige Schaumparty, sondern gemeinsch\u00e4dliche Sachbesch\u00e4digung, da in einem solchen Fall nicht nur die Innenstadt gereinigt werden muss, sondern auch Tausende Liter Wasser und Leitungssysteme mit erheblichem Aufwand und entsprechenden Kosten gereinigt werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p class=\"text\">Soziale Kontrolle k\u00f6nne das zwar eind\u00e4mmen, aber nicht jedes Denkmal im \u00f6ffentlichen Raum sei 24 Stunden am Tag bewacht. Daher sei Aufkl\u00e4rung durch eine gute Kunstvermittlung wichtig, fordert Lehmann, damit offene Fragen gekl\u00e4rt, Bewusstsein geschaffen werde und daraus Wertsch\u00e4tzung und F\u00fcrsorge entst\u00fcnde. Das sch\u00fctze auf Dauer.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_68913\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68913\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Grabmal-von-Leo-Muesch-CC-BY-SA-4.0-2.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"743\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Grabmal von Adolf J\u00e4ger, gestaltet von Leo M\u00fcsch &#8211; \u00a9 Foto: CC BY-SA 4.0<\/span><\/div>\n<p class=\"text\">\u201eWir sollten uns aber nicht der Illusion hingeben, dass Vandalismus unser einziges Problem ist. Werke bildender Kunst im \u00f6ffentlichen Raum k\u00f6nnen auch heute noch heftige Diskussionen ausl\u00f6sen und Zensur wird von manchen f\u00fcr ein geeignetes Mittel gehalten, um Aktdarstellungen als unmoralisch aus unserem Leben zu verdr\u00e4ngen. Egal ob es sich um das Glied von M\u00fcschs Neptun oder Michelangelos David handelt oder um das breite Becken von Fritz Durings Primavera: Anders als Algorithmen sollten wir Kunst von Pornografie unterscheiden k\u00f6nnen. Wer erwartet, dass Kunst nur Wohlgef\u00fchle ausl\u00f6sen darf, hat kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die spezifischen Leistungen von Kunst entwickelt, um die seit Jahrhunderten gek\u00e4mpft worden ist. Egal ob man nachts heimlich auf ein Kunstwerk einschl\u00e4gt oder versucht es unbemerkt zu verstecken, beides ist von der Meinungsfreiheit nicht gedeckt, und wer eine Meinung und Haltung hat, kann offen daf\u00fcr einstehen, statt anonym die Freiheit der Kunst in Frage zu stellen.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"text\">Kunst h\u00e4lt den Geist auf Trab<\/h4>\n<p class=\"text\">Mittlerweile wurde der Jubil\u00e4umsbrunnen als herausragendes Beispiel f\u00fcr die Bildhauerkunst des Historismus in die Baudenkmalliste der Stadt Wuppertal eingetragen. \u00a0\u201eKunst im \u00f6ffentlichen Raum hat f\u00fcr mich einen sehr hohen Stellenwert\u201c, erkl\u00e4rt Lehmann zum Schluss. \u201eWir sind t\u00e4glich davon umgeben, ob wir sie bewusst wahrnehmen oder unterschwellig. Sie versch\u00f6nert unseren Alltag an so vielen Stellen und das tut uns gut, regt uns zum Nachdenken an und auch wenn es manchmal anstrengend ist, h\u00e4lt Kunst im \u00f6ffentlichen Raum den Geist unserer Gesellschaft auf Trab.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_68907\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 244px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68907\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Foto-Lehmann-privat-3.jpg\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"331\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Doris H. Lehmann &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Doris H. Lehmann<\/h4>\n<p>Dr. Doris H. Lehmann ist gelernte Fotografin und studierte Kunstgeschichte, Klassische Arch\u00e4ologie, Provinzialr\u00f6mische Arch\u00e4ologie und Lateinische Philologie an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln und wurde 2005 ebenda promoviert. 2018 habilitierte sie sich an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t Bonn mit einer Arbeit zu den Streitstrategien bildender K\u00fcnstler in der Neuzeit und ist seitdem Privatdozentin. Seit Oktober 2018 lehrt sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunstgeschichte an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2008 wurde Guillaume Bijls \u201eEin erfolgreicher Tag\u201c, jene kopf\u00fcber stehende Bronzefigur am Kasinokreisel in Elberfeld aufgestellt, die im Laufe der Jahre mehrmals besch\u00e4digt wurde. 1959 ereiferten sich B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger an Henry Moores \u201eSitzender\u201c, teerten und federten sie und bedauerten in einem zur\u00fcckgelassenen Brief, dass man besser aus der Figur 100 Bratpfannen gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-68900","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 21:20:06","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68900"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68900\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68928,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68900\/revisions\/68928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}