{"id":68150,"date":"2023-09-12T09:10:46","date_gmt":"2023-09-12T07:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=68150"},"modified":"2023-09-12T09:10:46","modified_gmt":"2023-09-12T07:10:46","slug":"virusinfektion-affenpocken-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/09\/12\/virusinfektion-affenpocken-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Virusinfektion &#8222;Affenpocken&#8220; in Deutschland"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_68152\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68152 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Foto-du-Prel-2.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"598\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Priv.-Doz. Dr. Jean Baptist du Prel, Epidemiologe an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Etwa 3.700 F\u00e4lle wurden seither dem Robert Koch Institut (RKI) gemeldet. Nach einem ersten Anstieg der Fallzahlen gingen diese im Herbst bereits wieder zur\u00fcck. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte eine Gesundheitsnotlage ausgerufen. Diese hatte sie im Mai diesen Jahres auf Grund der gesunkenen Fallzahlen wieder zur\u00fcckgenommen, mit dem Hinweis, dass aufgrund der Wichtigkeit weitere Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen ergriffen und intensive Forschung betrieben werden sollten.<\/p>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit Priv.-Doz. Dr. Jean Baptist du Prel \u00fcber die Gefahren einer Virusinfektion mit &#8222;Affenpocken&#8220; unterhalten.<\/p>\n<p>\u201eBei den Affenpocken, heute als Mpox bezeichnet, handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, d.h. die Erkrankung wird von Tieren auf den Menschen \u00fcbertragen. In diesem Fall sind es S\u00e4ugetiere, also Nagetiere, oder eben auch Affen.\u201c Daher komme auch der Name, erkl\u00e4rt der Fachmann. \u201eMpox steht f\u00fcr Monkeypox, also Affenpocken, aber man vermeidet heute diese Bezeichnung.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Das Virus wurde 1958 erstmalig in Affen entdeckt, mit den Ausbr\u00fcchen heute haben sie meist aber nichts zu tun. Die WHO entschied sich im November 22 f\u00fcr die Namens\u00e4nderung, da sie generell bei Krankheiten jegliche Hinweise auf L\u00e4nder, Regionen oder Tiere vermeiden will.<\/p>\n<h4>Lange Inkubationszeit<\/h4>\n<p>&#8222;Affenpocken&#8220; sind eine Verwandte der seit 40 Jahren ausgerotteten Pocken. Ihre Inkubationszeit ist sehr lang und Menschen sind auch schon vorher ansteckend. \u201eDas ist<b> <\/b>wie bei vielen anderen Infektionserkrankungen tats\u00e4chlich ein Problem\u201c, erkl\u00e4rt du Prel, \u201eweil man ein wenig im Dunkeln agiert, denn man sieht den Leuten vor Auftreten der ersten Krankheitssymptome nicht an, dass sie infiziert sind. Sie k\u00f6nnen aber schon ansteckend sein. Die Inkubationszeit betr\u00e4gt f\u00fcnf bis einundzwanzig Tage und das ist ein relativ langer Zeitraum.\u201c<\/p>\n<p>Erschwerend komme hinzu, dass es auch F\u00e4lle gebe, die nie die klassischen Krankheitssymptome entwickelten, aber trotzdem ansteckend seien, weil ein Teil bei engem Kontakt auch \u00fcber den Atemtrakt verbreitet werden kann. Typische Symptome einer Mpox-Infektion sind Bl\u00e4schen und Pusteln, die mit der Zeit verkrusten und abfallen, auch im Genital- und Analbereich.<\/p>\n<h4>Ansteckung \u00fcber Hautkontakt<\/h4>\n<p><b>\u201e<\/b>Der Haupt\u00fcbertragungsweg ist der enge Hautkontakt\u201c erl\u00e4utert du Prel, \u201einsbesondere diese klassischen Ausschl\u00e4ge haben die h\u00f6chsten Viruskonzentrationen. Eine klassische Situation entsteht beim Sexualkontakt, weil da eben der Hautkontakt besonders eng ist und auch im Genital- und Analbereich diese Ausschl\u00e4ge auftreten k\u00f6nnen. Da ist die Gefahr der Kontamination besonders hoch.\u201c<\/p>\n<p>Erschwerend komme hinzu, dass die Infektion nicht immer leicht zu erkennen sei. Da die Symptome variabel seien, k\u00f6nne Mpox auch mit Windpocken verwechselt werden. Und Scham spielt nat\u00fcrlich auch eine Rolle, wodurch Infizierte zu sp\u00e4t zum Arzt gehen und ggfls. bereits andere angesteckt haben.<\/p>\n<h4>Mehr M\u00e4nner als Frauen betroffen<\/h4>\n<p>In der Regel sind unter den Infizierten mehr M\u00e4nner als Frauen betroffen. Insbesondere unter M\u00e4nnern, die sexuelle Kontakte mit anderen M\u00e4nnern haben, werden die Infektionen h\u00e4ufiger beobachtet, sagt du Prel, wobei Mpox nicht ausdr\u00fccklich als Geschlechtskrankheit gewertet werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>&#8222;Klassischerweise wird Geschlechtskrankheit ja so definiert, dass die \u00dcbertragung durch Samenfl\u00fcssigkeit oder Vaginalsekret erfolgt. Aber das wei\u00df man bei Mpox noch nicht so genau. Hier ist es so, dass durch den Sexualkontakt eben vor allem dieser Hautkontakt die entscheidende Rolle spielt, insofern ist es keine Geschlechtserkrankung nach klassischer Definition.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_68154\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68154 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/csm_Pockenimpfung_a8487cf6bc-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"368\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Erste erfolgreiche Pockenimpfung Der Landarzt Edward Jenner infiziert am 14. Mai 1796 den Sohn seines G\u00e4rtners mit Kuhpocken, um ihn gegen Menschenpocken zu immunisieren &#8211; \u00a9 Foto: wikipedia \/ gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Der geschilderte \u00dcbertragungsmechanismus weise auch direkt auf die Schutzma\u00dfnahmen hin, die man ergreifen k\u00f6nne. \u201eMan sollte engen Hautkontakt vor allem dann vermeiden, wenn Personen einen Ausschlag haben, denn dann ist die Ansteckungsgefahr am gr\u00f6\u00dften. Es gibt aber auch die M\u00f6glichkeit, sich impfen zu lassen. Die STIKO (St\u00e4ndige Impfkommission Anm. d. Red.) hat eine Empfehlung einer Indikationsimpfung f\u00fcr Risikogruppen aufgestellt. Der Impfstoff hei\u00dft Imvanex. Das ist ein Pockenimpfstoff der dritten Generation, der f\u00fcr den Fall eines Ausbruchs mit 85%er Wahrscheinlichkeit sch\u00fctzt.\u201c<\/p>\n<h4>Gefahr gebannt?<\/h4>\n<p>Die WHO hat die ausgerufene Gesundheitsnotlage im Mai zur\u00fcckgenommen. Trotzdem betont die Direktorin der WHO-Abteilung f\u00fcr Epidemie- und Pandemievorbereitung, Sylvie Briand: \u201eDas Virus k\u00f6nnte sich ver\u00e4ndern, ansteckender werden oder eine anf\u00e4llige Bev\u00f6lkerungsgruppe infizieren, die bisher verschont geblieben ist\u201c, und meint damit Schwangere und Kleinkinder.<\/p>\n<p>Der Erreger geh\u00f6rt nach wie vor zu den drei gef\u00e4hrlichsten Virengruppen aus der Tierwelt. Daher empfehlen Experten auch die konsequente \u00dcberwachung. Rosamund Lewis, Affenpockenexpertin der WHO sagt sogar: \u201eWir k\u00f6nnten in drei Jahren eine Virusvariante haben, die deutlich weniger gut einzud\u00e4mmen ist \u2013 das ist ein echtes Risiko.\u201c<\/p>\n<p>Und auch du Prel erkl\u00e4rt abschlie\u00dfend: \u201eMarginal ist das Problem <b>nie <\/b>in Europa, es kann immer wieder ein neuer Ausbruch auftreten. Ich denke, \u00c4rzte sollten auch bei unklarem pocken\u00e4hnlichen Ausschlag immer an die Mpox-Viren denken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_68153\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 168px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68153 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Foto-du-Prel-3.jpg\" alt=\"\" width=\"158\" height=\"223\" \/><span class=\"wp-caption-text\">riv.-Doz. Dr. Jean Baptist du Prel &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Priv.-Doz. Dr. Jean Baptist du Prel<\/h4>\n<p>Jean-Baptist du Prel studierte Humanmedizin an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg, wo er 2000 auch promovierte, und Public Health an der Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum mit Lehrt\u00e4tigkeit in der Epidemiologie und medizinischen Biometrie an den Universit\u00e4ten Mainz und Ulm.<\/p>\n<p>Seit 2015 ist er Mitarbeiter in der wissenschaftlichen Leitung des Lehrstuhls f\u00fcr Arbeitswissenschaft an der Bergischen Universit\u00e4t, wo er u.a. Pr\u00e4ventivmedizin lehrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMan muss immer wachsam sein\u201c, sagt Priv.-Doz. Dr. Jean Baptist du Prel, Epidemiologe an der Bergischen Universit\u00e4t, denn \u201eman sieht den Leuten manchmal nicht an, dass sie infiziert sind.\u201c Erste F\u00e4lle von Affenpocken, die urspr\u00fcnglich 1970 in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, festgestellt wurden, konnten im Mai letzten Jahres in Deutschland identifiziert werden.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-68150","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-07 18:54:49","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68150"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68155,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68150\/revisions\/68155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}