{"id":67670,"date":"2023-08-23T11:34:34","date_gmt":"2023-08-23T09:34:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=67670"},"modified":"2023-09-02T10:38:30","modified_gmt":"2023-09-02T08:38:30","slug":"kunst-foerderer-harald-nowoczin-81-gestorben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/08\/23\/kunst-foerderer-harald-nowoczin-81-gestorben\/","title":{"rendered":"Kunst-F\u00f6rderer Harald Nowoczin (81) gestorben"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_67673\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1551px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-67673\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Nowoczin0001-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1541\" height=\"1775\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der ehemalige BKG-Vorsitzende Haralds Nowoczin (81\u2020) &#8211; \u00a9 Matthias Dohmen<\/span><\/div>\n<p>Der Autor und Journalist Dr. Matthias Dohmen w\u00fcrdigte den Br\u00fcckenbauer und Impulsgeber in seinem 2018 erschienen Buch &#8222;M\u00e4nner im Tal&#8220;.<\/p>\n<p>Hier sein Portrait von Harald Nowoczin, das jetzt zu einem sehr pers\u00f6nlichen Nachruf wird:<\/p>\n<h2><b>Harald Nowoczin: &#8222;Kulturbr\u00fcckeningenieur&#8220;<\/b><\/h2>\n<p>Die K\u00fcnste, Sport, Politik und Bundeswehr, die Stadt Wuppertal und ausgedehnte Reisen: Das sind Stichworte f\u00fcr ein Portr\u00e4t des Harald Nowoczin, der am vorletzten Tag des Jahres 1941 in Westerholt zur Welt kam. Im Ruhrpott, denn Westerholt geh\u00f6rt zu Herten bei Recklinghausen, der Vater war Schie\u00dfmeister auf der Zeche, die Mutter Hausfrau. Zu der einzigen Schwester riss der Kontakt vor 30 Jahren ab.<\/p>\n<p>Er f\u00e4ngt klein an: Acht Jahre Volksschule, dann Kfz.-Schlosserlehre, danach f\u00fcr acht Jahre Zeitsoldat bei der Marine (1962 bis 1970). Abitur nachgeholt und Studium des Maschinenbaus, das er mit dem Diplom abschlie\u00dft, sowie sp\u00e4ter auf Lehramt Sekundarstufe II (P\u00e4dagogik, Kunstgeschichte).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Er ist Oberstudienrat, als er in Pension geht. Zuvor hat er als Ingenieur f\u00fcr bedeutende Unternehmen wie die Firma Babcock gearbeitet.<\/p>\n<p>Ein Leben, das ihm die vielf\u00e4ltigsten Impulse mitgegeben hat. Beispielsweise bei der Marine. Allein viereinhalb Jahre hat er Dienst auf Schulschiffen der Bundeswehr geleistet. \u201eMit ihnen war ich auf allen Kontinenten dieser Welt als Botschafter Deutschlands zu Gast.\u201c<\/p>\n<h4>Gast des ber\u00fchmten Juweliers Hans Stern<\/h4>\n<p>Der Krieg ist erst ein paar Jahre vorbei, und an bestimmten Ecken des Kontinents, etwa in der chilenischen Hafenstadt Puerto Montt, halten sich alte Nazis versteckt, die nachts um zw\u00f6lf die erste Strophe des Deutschlandliedes und das Horst-Wessel-Lied gr\u00f6hlen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber es finden sich dort auch Antifaschisten, Juden und Emigrierte. Wie der im Ruhrgebiet geborene Hans Stern, Juwelier und Seniorchef des drittgr\u00f6\u00dften Schmuckkonzerns der Welt, bei dem Nowoczin zu Gast war.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als die Nationalsozialisten das Elektrogesch\u00e4ft der Familie in Essen abfackelten, wandern die Sterns aus. Sein erstes\u00a0Juweliergesch\u00e4ft er\u00f6ffnet\u00a0Hans an den Docks von Rio de Janeiro, dort f\u00e4ngt er die Kreuzfahrtpassagiere auf ihrem Weg in die Stadt ab, wie sp\u00e4ter der \u201eMerian\u201c schreiben wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_67675\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 500px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-67675\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Nowoczin0001-3.jpg\" alt=\"\" width=\"490\" height=\"292\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Harald Nowoczin &#8211; \u00a9 Matthias Dohmen<\/span><\/div>\n<p>Mit offenen Augen und Ohren geht Harald Nowoczin durch die Welt und lernt viele wichtige Menschen und verschiedenste soziale Strukturen kennen.<\/p>\n<p>Gibt es einen Verein von Rang, in dem er nicht mindestens zeitweilig mitgemischt hat? Der Volksb\u00fchne stand er vor, die in ihren besten Zeiten, ausgangs des Jahrhunderts, weit \u00fcber 6.000 Mitglieder hatte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>An die Gauklerfeste erinnert er sich gern. Mit 50 Leuten habe er angefangen, ein paar Jahre sp\u00e4ter \u201eh\u00e4tte ich locker 5.000 Karten f\u00fcr einen Abend verkaufen k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>Vorsitzender der renommierten Bergischen Kunstgenossenschaft (BKG) wurde er 1997 und iwar es viele Jahre lang. Im selben Jahr w\u00e4hlte ihn die Jahreshauptversammlung zum Pr\u00e4sidenten des Allgemeinen Sportvereins Wuppertal, bekannter unter seinem K\u00fcrzel ASV \u2013 er blieb es 18 Jahre.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ein Vierteljahrhundert geh\u00f6rte er dem Vorstand des Stadtsportbundes an, hat quasi das TiC ma\u00dfgeblich mitgegr\u00fcndet und hatte \u2013 ein Ausflug in die Politik darf nicht fehlen \u2013 f\u00fcr f\u00fcnf Jahre im Rat der Stadt Sitz und Stimme.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zehn weitere Jahre wirkte er als sachkundiger B\u00fcrger im Kultur- und im Sportausschuss. F\u00fcr die ehrenamtlichen sportlichen T\u00e4tigkeiten wurde er von der Stadt Wuppertal als \u201eFunktion\u00e4r des Jahres\u201c ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Sportliche Meriten hat er auch: Er war deutscher Vizemeister im Hallenhandball, spielte Feldhandball, boxte, hat Gewichte gehoben und an mancher internationalen Begegnung teilgenommen.<\/p>\n<p>Was ihn im Jahr 2018 vor allem umtreibt, ist die \u201eKulturbr\u00fccke Wuppertal \u2013 Engels an der Wolga\u201c, deren 1. Vorsitzender er war und die er mit dem Konzerts\u00e4nger G\u00fcnter Lesche im Jahre 2009 aus der Taufe gehoben hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zu Russland hatte er eine besondere Affinit\u00e4t: Viele Jahren ist er Mitglied des Freundeskreises Wuppertal-Jekaterinburg gewesen.<\/p>\n<p>Die Stadt Engels (bis 1931 Pokrowsk) und das benachbarte Saratow bildeten das Zentrum der Wolgadeutschen, die einst von der Zarin Katharina der Gro\u00dfen ins Land geholt worden waren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Archiv der Wolgadeutschen lagern unglaubliche Sch\u00e4tze, die noch zu heben sind, von Notizen der Zarin \u00fcber Dokumente der vielf\u00e4ltigsten Art bis hin zu Zeugnissen der Sowjetherrschaft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Gerade in unruhigen Zeiten kommt dem kulturellen Austausch eine immense Bedeutung zu, um Menschen zusammenzuf\u00fchren, K\u00fcnstler in erster Linie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als besonderen Erfolg dieser grenz\u00fcberschreitenden Kulturverbindung hat der gelernte P\u00e4dagoge Nowoczin das Zustandekommen von mehreren Schulpartnerschaften zwischen beiden St\u00e4dten gesehen. 2017 war zuletzt eine Delegation aus Engels in der bergischen Metropole.<\/p>\n<p>Wie kommt man an so viele \u201eJobs\u201c? Beworben hat er sich nirgendwo, aber Nein sagen, nach einer Zeit des Nachdenkens, konnte er auch nicht. Wenn Esther, seine Frau, ihm gr\u00fcnes Licht gab, war er halt dabei.<\/p>\n<p>Er liebte es, im Team zu arbeiten und sch\u00e4tzte seine Mitarbeiter. Sie ihn offensichtlich auch. F\u00fcr seine verschiedenen Engagements wurde ihm 1996 das Verdienstkreuz am Bande verliehen. 2019 erhielt er aus der Hand von Isabel Pfeiffer-Poensgen, NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin, das Bundesverdienstkeuz. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Esther und Harald Nowoczin, Eltern einer Tochter, waren \u00fcber 50 Jahre verheiratet und haben mindestens die doppelte Zahl an L\u00e4ndern besucht. Ihren &#8222;Goldenen Hochzeitstag&#8220; haben sie, fern von allem Trubel, auf Mauritius genossen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Auf der ganzen Welt unterwegs<\/h4>\n<p>Rund um den Globus waren sie unterwegs, von den USA bis Indien, von Albanien bis zu den arabischen Emiraten, Afrika, Australien und, nat\u00fcrlich, kennen sie die gro\u00dfen St\u00e4dte und Landschaften Europas.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seine Leidenschaft: Lesen, Historisches. Keine Kriminalromane. Viel \u00fcber Kunst. Und Milit\u00e4rgeschichte. In seinem ger\u00e4umigen Arbeitszimmer stapelten sich B\u00fccher, Akten, Bilder und Mitbringsel aus aller Welt.<\/p>\n<p>Viele Jahre war Harald Nowoczin Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, kehrte der SPD aber den R\u00fccken, als er mit deren Kurs nicht mehr einverstanden war. Er hatte seine \u00dcberzeugungen und seine Pl\u00e4ne &#8211; bis zuletzt.<\/p>\n<p><strong>Dr. Matthias Dohmen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-66200\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/media_83058163.jpeg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"390\" \/><\/p>\n<h4>&#8222;M\u00e4nner im Tal&#8220;<\/h4>\n<p><strong>Dr. Matthias Dohmen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"\">Portr\u00e4ts<\/p>\n<p class=\"\">Weilerswist &#8211; Ralf Liebe &#8211; 2018<\/p>\n<p class=\"\">116 Seiten \u00a0&#8211; 14,00 \u20ac<\/p>\n<p class=\"\">ISBN 978-3-944566-83-2,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wuppertals Kunst-Szene trauert um Harald Nowoczin. Der langj\u00e4hrige 1. Vorsitzende der Bergischen Kunstgesnossenschaft (BKG) und Tr\u00e4ger des Bundesverdienstkreuzes ist im Alter von 81 Jahren gestorben.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-67670","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-12 23:18:29","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67670"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67948,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67670\/revisions\/67948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}