{"id":67010,"date":"2023-07-21T15:14:36","date_gmt":"2023-07-21T13:14:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=67010"},"modified":"2023-07-21T15:14:36","modified_gmt":"2023-07-21T13:14:36","slug":"ausnahmezustand-in-barmen-nach-besetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/07\/21\/ausnahmezustand-in-barmen-nach-besetzung\/","title":{"rendered":"Ausnahmezustand in Barmen nach Besetzung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_67016\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 699px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-67016 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Michael-Okroy-2.jpg\" alt=\"\" width=\"689\" height=\"458\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Literatur- und Sozialwissenschaftler Michael Okroy &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p><b>Der politisch-milit\u00e4rische Konflikt um die Erf\u00fcllung der alliierten Reparationsforderungen nach dem Ersten Weltkrieg f\u00fchrte 1923 zur sogenannten Ruhrbesetzung. Wie kam es dazu?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg waren Deutschland von den alliierten Siegerm\u00e4chten durch den Friedensvertrag von Versailles (1919\/20) harte und als ungerecht empfundene Reparationsleistungen als Entsch\u00e4digung auferlegt worden. F\u00fcr die aus einer Revolution hervorgegangene demokratische Weimarer Republik bedeutete dies eine von Beginn an schwere Belastung. Dies nutzten die zahlreichen Feinde und Gegner der Republik, vor allem v\u00f6lkisch-nationale Kr\u00e4fte, zu hasserf\u00fcllten Angriffen auf das parlamentarische System und seine politischen Repr\u00e4sentanten.<\/p>\n<p>Als Anfang 1923 ein geringf\u00fcgiger Lieferr\u00fcckstand der Reparationen an Frankreich festgestellt wurde, bot dies den Anlass f\u00fcr die Besetzung des Ruhrgebiets durch franz\u00f6sische und belgische Milit\u00e4reinheiten. Die franz\u00f6sische Regierung unter Ministerpr\u00e4sident Poincar\u00e9 bestand aus wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Gr\u00fcnden aber auf einer vollst\u00e4ndigen Erf\u00fcllung der Reparationsleistungen. Deren Umfang war enorm. So musste Deutschland an Frankreich im Jahr 1922 als Entsch\u00e4digung 45.000 Tonnen Kohle und Koks liefern \u2013 pro Tag.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wie gingen die Alliierten denn vor?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Am 11. Januar 1923 r\u00fcckten f\u00fcnf franz\u00f6sische und belgische Divisionen mit etwa 60.000 Mann in das Ruhrrevier zwischen Duisburg und Dortmund und \u2013 in nord-s\u00fcdlicher Richtung &#8211; Dorsten und Hattingen ein. Die Milit\u00e4rverwaltung verh\u00e4ngte einen sofortigen Ausnahmezustand und l\u00f6ste die preu\u00dfische Schutzpolizei auf. Man besetzte u.a. Rath\u00e4user und Schulgeb\u00e4ude und erwartete wohl auch &#8211; wie z.B. in Essen-Bredeney \u2013 offiziell und \u00f6ffentlich am Rathausportal als \u201eG\u00e4ste\u201c empfangen zu werden &#8211; und nicht nur k\u00fchl und distanziert im Dienstzimmer des Stadtoberhaupts. Ein zentrales operatives Ziel der Besatzer war die Kooperation mit der Deutschen Reichsbahn. Sie sollte gepf\u00e4ndete Kohle nach Frankreich abtransportieren. Als sich diese durch passiven Widerstand verweigerte, \u00fcbernahm die franz\u00f6sische Milit\u00e4rverwaltung den Eisenbahnbetrieb in eigene Regie. Chaotische Verkehrsverh\u00e4ltnisse, Unf\u00e4lle, Personalengp\u00e4sse und Repressionen gegen streikende Reichsbahnangeh\u00f6rige und ihre Familien waren die Folge.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u00dcbrigens: Den Besatzungstruppen geh\u00f6rten auch zahlreiche Soldaten aus den afrikanischen Kolonien der Siegerm\u00e4chte Frankreich und Belgien an. Diese M\u00e4nner waren nicht selten einem offenen Rassismus der deutschen Bev\u00f6lkerung und schlimmen Verd\u00e4chtigungen ausgesetzt: ein N\u00e4hrboden f\u00fcr die damals im Zuge der alliierten &#8222;Rheinlandbesetzung&#8220; organisierte Kampagne gegen die &#8222;Schwarze Schmach&#8220;..<\/p>\n<p><b>Es gibt in der historischen Forschung die Ansicht, dass es dem franz\u00f6sischen Premier Poincar\u00e9 damals nicht nur um die Beibringung der Reparationsleistungen ging, sondern auch um eine Sonderstellung u.a. des Ruhrgebietes unter franz\u00f6sischem Einfluss. Kann man das belegen?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Raymond Poincar\u00e9, der zeitweilig auch die alliierte Reparations-Komission leitete, galt als Hardliner. Seine Politik der \u201eproduktiven Pf\u00e4nder\u201c aus dem Ruhrgebiet, d.h. Kohle, Koks, Stahl und Holz, sollte die Durchsetzung der Reparationsleistungen zugunsten Frankreichs erzwingen, zumal die durch den Krieg zerst\u00f6rte \u00f6konomische Infrastruktur, z.B. in Lothringen, dringend auf Kokskohle aus dem Revier angewiesen war.<\/p>\n<div id=\"attachment_67017\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 659px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-67017\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/cemetery-g289fa0094_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"432\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Kreuze erinnern an die Toten im 1. Weltkrieg &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Unbestritten ist aber auch, dass der Premier den Versailler Vertrag zugunsten Frankreichs ver\u00e4ndern, also die Westgrenze Deutschlands nach Osten verschieben und damit den \u00fcberm\u00e4chtigen und aggressiven Nachbarn nachhaltig schw\u00e4chen wollte. Die Ansicht, nach der Poincar\u00e9 eine Sonderstellung des Ruhrgebiets anstrebte, geht auf eine Publikation aus den 1960er Jahren zur\u00fcck und scheint heute, soweit ich das beurteilen kann, keine Rolle mehr zu spielen.<span class=\"Apple-converted-space\"> &#8222;<\/span><\/p>\n<p><b>England und die USA verurteilten die Besetzung. Warum?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Die Pl\u00e4ne der Alliierten f\u00fcr die Zukunft des besiegten Deutschlands waren sehr unterschiedlich. Beide lehnten die Besatzung ab. Gro\u00dfbritannien strebte eine Neuordnung des europ\u00e4ischen Kontinents im globalen Rahmen an. Darin sollte auch das bev\u00f6lkerungsreiche, wirtschaftsstarke und kulturell impulsgebende Deutschland einen Platz finden k\u00f6nnen. Die USA hatten den Versailler Vertrag nicht ratifiziert, sondern 1921 einen Separatfrieden mit Deutschland geschlossen, den \u201eBerliner Vertrag\u201c. Darin wurden u.a. die Reparationsleistungen nicht wie 1919 in Versailles einseitig gegen Deutschland festgesetzt, sondern einem bilateralen Schiedsgericht \u00fcberantwortet.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wie widersetzten sich die Menschen in den besetzten Gebieten?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Der Einmarsch der bis an die Z\u00e4hne bewaffneten franz\u00f6sischen und belgischen Einheiten in das Ruhrrevier l\u00f6ste in ganz Deutschland partei\u00fcbergreifend einen Sturm der Entr\u00fcstung aus \u2013 und zugleich eine Welle nationaler und nationalistischer Solidarit\u00e4tsbekundungen gegen den \u201eErzfeind\u201c Frankreich. Die Reichsregierung unter Kanzler Cuno reagierte auf die Besetzung, indem sie die Bev\u00f6lkerung zum \u201epassiven Widerstand\u201c aufforderte. Das wurde in gro\u00dfer Geschlossenheit auch aus \u00dcberzeugung befolgt, vor allem von den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Staats- und Kommunalbeh\u00f6rden, aber ebenso der organisierten sozialistischen Industriearbeiterschaft. Der Essener B\u00fcrgermeister Sch\u00e4fer verweigerte etwa die Beschlagnahme von PKWs durch die Besatzungsm\u00e4chte.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde er verhaftet und zu einer mehrmonatigen Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt. Reichsbahnangeh\u00f6rige \u00fcberf\u00fchrten \u00fcber 1.000 Lokomotiven und 30.000 G\u00fcterwagen in das unbesetzte Gebiet und entzogen sie damit den Besatzern. Kaufleute aus dem Ruhrgebiet beschlossen, keine Waren mehr an franz\u00f6sische Milit\u00e4r- und Zivilpersonal abzugeben, Handwerker verweigerten ihnen die geforderten Dienstleistungen. Die Besatzungsmacht antwortete darauf mit scharfen Repressalien, u.a. mit der Ausweisung und Abschiebung von rund 140.000 M\u00e4nnern, Frauen und Kinder in die unbesetzten Gebiete und der Einrichtung von Zollgrenzen und Personenkontrollen. Ein solcher Kontrollpunkt zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet war u.a. der Bahnhof Vohwinkel.&#8220;<\/p>\n<p><b>Welche Rolle spielte dabei das Wuppertal, das ja unbesetzt war?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Das grenznah zum besetzten Gebiet liegende Elberfeld spielte eine zentrale Rolle \u2013 und keine r\u00fchmliche! Von Anfang an waren die Grenzen zwischen passivem und aktivem Widerstand, zwischen berechtigter Wut und nationalistischem Ressentiment flie\u00dfend. Ruhrindustrielle wie Stinnes und Krupp, ebenso die Reichsbahn, f\u00f6rderten so etwa anfangs die nachhaltige St\u00f6rung der Eisenbahnstrecken im Ruhrgebiet durch gezielte Sabotage. Elberfeld, dass sich unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg zu einem wichtigen St\u00fctzpunkt der noch unbedeutenden, aber aufstrebenden nationalsozialistischen Bewegung entwickelt hatte, wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher gewaltt\u00e4tiger Sabotage- und Bespitzelungsaktionen, die sich gegen die Verkehrsinfrastruktur und gegen franz\u00f6sisches Personal richteten.<\/p>\n<div id=\"attachment_67019\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-67019\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/01001121-01.jpeg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"447\" \/><span class=\"wp-caption-text\">In der Historischen Stadthalle fand im Line 1923 die Trauerfeier f\u00fcr Albert Leo Schlageter statt &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>Ausgef\u00fchrt wurden sie von einem Kommando, das aus rechtsradikalen ehemaligen Freikorpsk\u00e4mpfern bestand. Zu diesen erkl\u00e4rten Republikgegnern und Demokratiefeinden z\u00e4hlten auch Erich Koch, Karl Kaufmann und Victor Lutze. Alle drei hatten Wurzeln im Wuppertal und bildeten den Kern der dortigen NS-Bewegung. Nur zehn Jahre sp\u00e4ter sa\u00dfen diese Rechtsterroristen an entscheidenden Machtpositionen des Nazi-Unrechtsstaats: als NSDAP-Gauleiter in Ostpreu\u00dfen, als \u201eReichsstatthalter\u201c in Hamburg und als Oberster F\u00fchrer der SA. Die schleichende Zerst\u00f6rung der Demokratie in Deutschland begann im Wuppertal bereits sehr fr\u00fch.<\/p>\n<p>Der \u201aprominenteste\u2018 Saboteur und Aktivist war Albert Leo Schlageter. Auch er erhielt seine Instruktionen aus Elberfeld, wo sich im Umfeld der Reichsbahndirektion am D\u00f6ppersberg ein so genannter \u201eAbwehrausschuss\u201c gegen die Ruhrbesetzung etabliert hatte. Wegen mehrerer Sprengstoffanschl\u00e4ge auf Br\u00fccken und Schienenstrecken wurde der Rechtsterrorist von den Franzosen verhaftet, zum Tod verurteilt und in D\u00fcsseldorf hingerichtet. Seine militanten Aktionen stie\u00dfen damals partei\u00fcbergreifend auf gro\u00dfe Zustimmung.<\/p>\n<p>Zeitweilig versuchte sogar die KPD, den rechten Saboteur f\u00fcr ihre Zwecke in Dienst zu nehmen. Die Trauerfeier f\u00fcr den von den Rechten zum \u201enationalen M\u00e4rtyrer\u201c verkl\u00e4rten Schlageter fand im Juni 1923 unter gro\u00dfer Anteilnahme der Bev\u00f6lkerung, der Politik und der Kirchen in der Stadthalle auf dem Johannisberg statt. Seinen Sarg bedeckte die insbesondere in v\u00f6lkisch-nationalen Kreisen beliebte und als politisches Statement benutzte ehemalige schwarz-wei\u00df-rote Reichskriegsflagge&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Am 12. Juli 1923 wurde auch Barmen vor\u00fcbergehend von einer franz\u00f6sischen Armee-Einheit besetzt. Elberfeld blieb unbehelligt. Warum?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Barmen und Elberfeld, damals ja noch eigenst\u00e4ndige Kommunen, lagen auf unbesetztem Gebiet. Nach Ausweis einer (mit aller quellenkritischen Skepsis zu lesenden) Chronik aus den 1950er Jahren r\u00fcckten in Barmen am fr\u00fchen Morgen des 12. Juli 1923, einem Donnerstag, mit \u201eschrillen Signalen franz\u00f6sischer Trompeten lange blaue Kolonnen durch die Stra\u00dfen [\u2026] und ratterten Panzerwagen \u00fcber das Pflaster\u201c.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>Das Rathaus wurde besetzt, ebenso Verwaltungs- und Bankgeb\u00e4ude. Man schloss das Postamt, sperrte die Barmer Bahnh\u00f6fe und entwaffnete die Schutzpolizisten. Der Grund war offenbar eine heftige Auseinandersetzung an der Ronsdorfer Grenze zwischen franz\u00f6sischem Milit\u00e4rpersonal und deutschen Zollbeamten. Im Zuge der Fahndung und der Verhaftung dieser Beamten drangen die Franzosen vor\u00fcbergehend \u2013 und irregul\u00e4rer Weise &#8211; auf unbesetztes Gebiet vor. Elberfeld stand dabei nicht im Fokus der Fahndung&#8220;<\/p>\n<p><b>Wie lange war die franz\u00f6sische Armee-Einheit im Tal, und was wei\u00df man \u00fcber die Zeit der Barmer Besetzung?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Bereits um die Mittagszeit des 12. Juli scheinen die franz\u00f6sischen Soldaten laut der genannten Quelle wieder aus Barmen in Richtung Ha\u00dflinghausen abgezogen zu sein. Vermutlich unter Zwang wurden dabei Angeh\u00f6rige der Schutzpolizei und der Direktor der Barmer Reichsbank offenbar mit abgef\u00fchrt. Nach einigen Tagen kehrten diese Beamten aber wieder zur\u00fcck nach Barmen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_67020\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 659px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-67020\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Rathaus-Barmen-Achim-Otto-b4.jpeg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"454\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Franzosen besetzten am 12. Juli 1923 auch das Barmer Rathaus &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>Im Juli 1925 verlie\u00dfen die letzten belgischen und franz\u00f6sischen Soldaten das Ruhrgebiet. Am 30. Juni 1930 wurden die letzten Gebiete des Rheinlands von den Alliierten ger\u00e4umt. Am 1. Juli 1930 feierte man in ganz Deutschland den \u201cTag der Befreiung des Rheinlands\u201d. Am selben Tag pflanzte der Barmer Versch\u00f6nerungsverein gegen\u00fcber dem Kriegerdenkmal f\u00fcr die Gefallenen von 1864 und 1866 die \u201cBefreiungseiche\u201d, die aber im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt wurde. Eine kleine wei\u00dfe Tafel am Fu\u00df des Baumes erkl\u00e4rte damals:<\/p>\n<p>\u201cGepflanzt wurde ich an jenem\u00a0Tag,<br \/>\nWo der Rhein ward frei und zu Ende die Schmach.<br \/>\nNun will ich hier wachsen, bl\u00fch\u2019n und gedeih\u2019n,<br \/>\nF\u00fcr die Mitwelt und Nachwelt ein Mahnzeichen sein.\u201c<\/p>\n<p><b>Wo kann man sich eigentlich als B\u00fcrger \u00fcber die Geschichte der Barmer Besetzung informieren?<\/b><\/p>\n<p>Michael Okroy: &#8222;Bis auf einen 1992 publizierten und sehr materialreichen Aufsatz des ehemaligen Wuppertaler Stadtarchivdirektors, Dr. Uwe Eckardt, ist das geschichtlich so bedeutende Jahr 1923 aus lokaler und regionaler Perspektive bis heute ziemlich unterbelichtet geblieben. Derzeit ist aber eine Ausstellung dazu in Vorbereitung, die ab November 2023 in Barmen besucht werden kann und auf die ich schon sehr neugierig bin. Allen, die sich speziell f\u00fcr die Besetzung Barmens am 12. Juli 1923 interessieren und dar\u00fcber mehr erfahren wollen, empfehle ich einen Besuch des Wuppertaler Stadtarchivs und die Lekt\u00fcre der damals erschienenen Tageszeitungen. Die Geschehnisse lassen sich mit diesen Quellen \u2013 aus zeitgen\u00f6ssischer Perspektive und auf ereignisgeschichtlicher Ebene &#8211; \u00fcberaus anschaulich rekonstruieren.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_67022\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 189px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-67022 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Michael-Okroy-3.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"238\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Okay &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Michael Okroy<\/h4>\n<p>Michael Okroy studierte Literatur- und Sozialwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal. Er arbeitet in der Verwaltung am Lehrstuhl f\u00fcr Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutsche Literaturgeschichte, als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter der Begegnungsst\u00e4tte Alte Synagoge Wuppertal und geh\u00f6rt dem Beirat der Abteilung Wuppertal des Bergischen Geschichtsvereins an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. Juli 1923 wurde die Stadt Barmen, heute Stadtteil von Wuppertal von einer fanz\u00f6sichen Armee-Einheit besetzt. In der beliebten Uni-die &#8222;Jahr100Wissen&#8220;-Interview hat sich Autor Uwe Blass mit dem Literatur- und Sozialwissenschaftler Michael Okroy \u00fcber das dramatische Ereignis unterhalten.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-67010","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-09 16:33:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67010"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67010\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67023,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67010\/revisions\/67023"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}