{"id":66534,"date":"2023-06-28T13:01:23","date_gmt":"2023-06-28T11:01:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=66534"},"modified":"2023-06-28T13:01:23","modified_gmt":"2023-06-28T11:01:23","slug":"arbeit-im-homeoffice-die-vor-und-die-nachteile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/06\/28\/arbeit-im-homeoffice-die-vor-und-die-nachteile\/","title":{"rendered":"Arbeit im Homeoffice: Die Vor- und die Nachteile"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_66537\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-66537\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Wieland-Presse-Sylvie-Doumet-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1837\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Rainer Wieland &#8211; Arbeits- und Organisationspsychologe der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 \u00a0Sylvie Doumet<\/span><\/div>\n<p>Jetzt, wo die Pandemie vorbei ist, gilt es jedoch, diesen vielfach aus Sorge vor Ansteckung neu gewonnenen Arbeitsbereich sinnvoll zu implementieren. Doch das ist sowohl f\u00fcr Arbeitgeber als auch f\u00fcr Arbeitnehmer gar nicht so einfach, wei\u00df der Arbeits- und Organisationspsychologe der Bergischen Universit\u00e4t, Prof. Dr. Rainer Wieland, der sich intensiv mit diesem Thema besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p>Die Mehrzahl der aktuellen HO-Studien basiert auf subjektiven Urteilen der Befragten zu den Auswirkungen der Arbeit im Homeoffice bzw. den Vor- und Nachteilen aus Sicht der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eAus Sicht der Besch\u00e4ftigten\u201c, erkl\u00e4rt der versierte Wissenschaftler, \u201ewar die Perspektive anfangs sehr positiv\u201c. Man habe das Gef\u00fchl gehabt, im Homeoffice selbst\u00e4ndiger arbeiten zu k\u00f6nnen. \u201eEs gab einige Hinweise darauf, dass das psychische Befinden, das Wohlergehen der Leute, besser war,\u201c, sagt Wieland, \u201edass sie weniger Fehlzeiten hatten, dass sie sich produktiver f\u00fchlten und auch zum Teil das Gef\u00fchl hatten, ihre Work-Live-Balance und Familienregulation besser auszutarieren.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Ebenso wurden die eingesparten Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz sehr positiv erlebt. Auch aus Arbeitgebersicht wurden eine Reihe von Vorteilen angenommen, wie z.B. die h\u00f6here Produktivit\u00e4t, die Fahrzeitersparnis oder die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. F\u00fchrungskr\u00e4fte bef\u00fcrchteten allerdings, dass sie zu wenig Kontrolle und keinen \u00dcberblick mehr \u00fcber die geleistete Arbeit haben. Die Arbeit im Homeoffice sei mittlerweile also durch einige Studien und Befragungen sehr positiv belegt, und doch fehlt dem Wuppertaler Fachmann ein wesentlicher Aspekt.<\/p>\n<h4><span class=\"Apple-converted-space\">Die Arbeit im Homeoffice ist immer nur so gut wie die Arbeit im Office<\/span><\/h4>\n<p>\u201eWas mir in der Diskussion fehlt, ist die Auseinandersetzung mit der Frage: wie soll die Schnittstelle zwischen der Arbeit im Office im Betrieb und Homeoffice gestaltet werden?\u201c, sagt Prof. Dr. Rainer Wieland. \u201eWenn, wie zu erwarten ist, Homeoffice in vielen Arbeitsbereichen in Zukunft zum Arbeitsalltag geh\u00f6ren wird, dann sollten wir uns verst\u00e4rkt um diese Schnittstelle k\u00fcmmern\u201c, erkl\u00e4rt er und sagt, \u201edie Arbeit im Homeoffice ist immer nur so gut wie die Arbeit im Office\u201c.<\/p>\n<p>Das bedeutet, je besser die Arbeit am Arbeitsplatz gestaltet ist, desto einfacher wird es im Homeoffice sein. Als Arbeitspsychologe definiert er dies so: \u201eIch sehe zwei Kernmerkmale. Wenn die realisiert sind, habe ich eher Arbeitsbedingungen, die nicht nur gut und produktiv sind, sondern auch gesund und f\u00f6rderlich f\u00fcr das Wohlbefinden. Das sind einmal die kognitiven Anforderungen. Das beinhaltet u.a.: Kann man die Arbeit selbst planen? Kann man sie selbst ausf\u00fchren und auch kontrollieren?\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_66544\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66544 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Homeoffice-Bild-gemeinfrei-Pixaby.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"467\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Mitarbeiter im Homeoffice &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Man spricht dabei in Fachkreisen von \u00b4vollst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit`, die dann funktioniere, wenn die Arbeitsaufgabe so zugeschnitten sei, dass man ein Produkt herstelle, dass relativ eigenst\u00e4ndig bearbeitet werden kann. Dazu ben\u00f6tigen Besch\u00e4ftigte auch hinreichende Spielr\u00e4ume f\u00fcr eigene Entscheidungen. R\u00fcckfragen, die den Arbeitsablauf hemmen und oft mit unfreiwilligen Wartezeiten verbunden sind, fallen so weg.<\/p>\n<p>\u201eEine weitere, f\u00fcr eine erfolgreiche Aufgabenbew\u00e4ltigung und im Kontext des Themas Homeoffice sehr wesentliche Bedingung betrifft Arbeitsst\u00f6rungen oder Regulationsbehinderungen\u201c, f\u00e4hrt Wieland fort. Das betreffe unerw\u00fcnschte Unterbrechungen, mangelnde R\u00fcckmeldungen \u00fcber Arbeitsergebnisse sowie intransparente Aufgaben, die den Besch\u00e4ftigten kein eindeutiges Vorgehen erlaubten.<\/p>\n<p>\u201eWir wissen aus unseren Projekten in Unternehmen, dass gerade Arbeitsunterbrechungen extrem stressig und mit Fehlzeiten und gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen verbunden sind. Arbeitsunterbrechungen treten im Homeoffice weniger auf, weil nicht st\u00e4ndig irgendwelche Leute dazwischenfunken.\u201c St\u00f6rungen sind im eigenen Haushalt zwar auch vorhanden, z.B. durch Kinder, sie seien aber leichter zu handhaben, da sie von den Betroffenen \u2013 anders als im Betrieb \u2013 aktiv vermieden werden k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Drei Tage im Homeoffice &#8211; zwei Tage im B\u00fcro<\/h4>\n<p>Die Aufgabenbew\u00e4ltigung im Homeoffice scheint nach aktuellen arbeitspsychologischen Befunden besser zu gelingen als die Arbeit im betrieblichen Office. \u201eDies betrifft z. B. das Autonomieerleben, die Flexibilit\u00e4t, den Handlungsspielraum bei der Aufgabenbew\u00e4ltigung, sowie die Arbeitszufriedenheit. Problematisch ist allerdings der fehlende face-to-face Austausch mit Kolleg*innen und F\u00fchrungskr\u00e4ften. Drei Tage in der Woche im Homeoffice und zwei im betrieblichen Office werden deshalb als optimale Verteilung angesehen.\u201cIn der Zusammenfassung k\u00f6nne man sagen, und das sei auch empirisch belegt:<\/p>\n<p>\u201eDie Art der T\u00e4tigkeit \u2013 anspruchsvoll, komplex versus einfach, monoton und viel versus wenig T\u00e4tigkeitsspielraum bei der Aufgabenbearbeitung &#8211; hat deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit: Je gr\u00f6\u00dfer der inhaltliche und zeitliche Handlungsspielraum ist, so zeigen Studien zur Teleheimarbeit, desto h\u00f6her ausgepr\u00e4gt sind das Wohlbefinden und die Gesundheit der im Homeoffice Arbeitenden.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_66546\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66546 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/home-office-g03146652a_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"466\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Homeoffice &#8211; \u00a9 Pixabay \/ Vinzent Weinbeer<\/span><\/div>\n<p>Prof. Wieland betont dazu auch die Perspektive der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und sagt: \u201eGesundheit bedeutet dabei nicht Abwesenheit von Krankheit, sondern psychisches, k\u00f6rperliches und soziales Wohlbefinden.\u201c<\/p>\n<h4>Homeoffice ist arbeitsrechtlich nicht eindeutig definiert<\/h4>\n<p>Eine gesetzliche Definition des Begriffes Homeoffice gibt es bisher noch nicht. Allgemein versteht man darunter das gelegentliche oder st\u00e4ndige Arbeiten in den privaten R\u00e4umlichkeiten des Arbeitnehmers. Letztlich ist Homeoffice ein Fall der Telearbeit. \u201eDie Haltung der Arbeitgeber zum Thema Homeoffice ist nicht eindeutig\u201c, erkl\u00e4rt er, \u201ezu viele arbeitsrechtliche und \u00f6konomische Vorbehalte verhindern hier eine verbindliche klare Linie. Arbeitgeber vermeiden das Wort Homeoffice oft, indem sie argumentieren, dass man Homeoffice nicht klar definieren kann\u201c, denn das sei eigentlich mobile Arbeit, welche die Leute ja auch im Zug, am Strand usw. erledigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wird Homeoffice als ein Fall von Telearbeit gefasst, \u201edann m\u00fcsste der Arbeitgeber die Ausstattung des Homeofficearbeitsplatzes \u00fcbernehmen sowie sich um Arbeits- und Gesundheitsschutzbelange k\u00fcmmern\u201c. Letzteres sei nat\u00fcrlich schwierig, denn man k\u00f6nne nicht einfach in die Wohnungen gehen, ohne dass die Arbeitnehmer es erlauben.<\/p>\n<p>Zudem lasse sich die gesetzlich vorgeschriebene Gef\u00e4hrdungsbeurteilung psychischer Belastung nicht ohne Weiteres auf den Bereich Homeoffice \u00fcbertragen. Viele Betriebe haben allerdings inzwischen betriebsinterne Vereinbarungen f\u00fcr die Arbeit im Homeoffice getroffen und statten ihre Besch\u00e4ftigten mit den notwendigen Arbeitsmitteln wie z.B. Laptop etc. aus.<\/p>\n<h4>Arbeitsplatzausstattung wichtig?<\/h4>\n<p>Ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz zu Hause kann teuer werden. Doch wie ma\u00dfgeblich ist eine perfekte, ergonomische Ausstattung? \u201eIch bin inzwischen der Meinung, die Ergonomie des B\u00fcrostuhls ist eher zweitrangig. Ob auf einem Hocker, einem Ball oder einem vern\u00fcnftigen B\u00fcrostuhl\u201c, sagt Prof. Wieland, \u201edie Hauptursachen f\u00fcr R\u00fcckenbeschwerden liegen nicht im k\u00f6rperlichen Bereich, sondern sind vor allem psychisch bedingt.\u201c<\/p>\n<p>Selbst Mediziner best\u00e4tigen, dass sich in ca. 96% der Beschwerdef\u00e4lle keine organische Ursache feststellen lasse und man eher von psychischen Belastungen als Ursache ausgehen kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Dazu f\u00fchrt der Wissenschaftler eine eigene Studie zur betrieblichen Gesundheitsf\u00f6rderung an, die mit M\u00fcllwerkern, also mit Entsorgungsbetrieben auf der einen und mit Mitarbeitenden von Finanz\u00e4mtern in NRW auf der anderen Seite durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>\u201eSowohl in den Finanz\u00e4mtern als auch den Entsorgungsbetrieben waren es fast 70% der Besch\u00e4ftigten, die \u00fcber R\u00fcckenschmerzen klagten, die einen verrichten dabei k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeiten, die anderen f\u00fchrten eine sitzende T\u00e4tigkeit aus.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_66547\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 711px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66547 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/employees-2452807_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"701\" height=\"467\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Arbeit im Homeoffice &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>F\u00fcr die Gesundheit der Besch\u00e4ftigten entscheidend sind also offenbar die Qualit\u00e4t der Arbeit bzw. ihre psychisch wirksamen Merkmale wie Autonomie, Entscheidungsspielraum, sinnhafte Aufgaben und m\u00f6glichst wenig Arbeitsunterbrechungen bzw. Regulationsbehinderungen. Die High-Tech-Ausstattung eines B\u00fcro-Arbeitsplatzes bewertet der Arbeitspsychologe daher in Ihrem Beitrag f\u00fcr die Gesundheit der Besch\u00e4ftigten gegen\u00fcber der Qualit\u00e4t der Arbeit als eher gering.<\/p>\n<h4>Selbstregulation und soziale Isolierung am Homeofficearbeitsplatz<\/h4>\n<p>In der Verkn\u00fcpfung von Arbeitst\u00e4tigkeiten mit dem privaten Lebensraum entstehen gleichzeitig neue Anforderungen an die eigene Selbstdisziplin bzw. Selbstregulation. \u201eWir wissen aus einer Reihe von Studien, dass die Besch\u00e4ftigten im Homeoffice mit einer Reihe von Zusatzanforderungen und -belastungen konfrontiert sind.\u201c<\/p>\n<p>So sind es, wie Prof. Wieland es formuliert, Rollen-, Ziel- und Zeitkonflikte aufgrund notwendiger \u00b4Familienregulation`, Work-Life-Balance Konflikte und damit verbundene Defizite der inneren (mentalen) Abgrenzung bzw. Distanzierung von den Arbeitsinhalten in der arbeitsfreien Zeit, die neben der Erledigung der Arbeitsaufgaben, zus\u00e4tzliche Anforderungen an die Selbstregulation stellen. \u201eAuch leisten Homeoffice-Arbeitnehmer im Durchschnitt einen h\u00f6heren Arbeitseinsatz, wobei das Ausma\u00df der Mehrarbeit umso gr\u00f6\u00dfer war, je h\u00e4ufiger im Homeoffice gearbeitet wurde.\u201c<\/p>\n<p>Ob die Arbeit im Homeoffice gelingt, ist jedoch nicht nur Privatsache. \u201eWenn wir eine Unternehmenskultur haben, die nicht darauf ausgerichtet ist, m\u00f6glichst lange und viel zu arbeiten, dann wird es f\u00fcr mich einfacher, zu einer bestimmten Uhrzeit aufzuh\u00f6ren\u201c, sagt Wieland, \u201eaber, wenn ich das Gef\u00fchl habe, da ist ein extremer Leistungsdruck, sieht das anders aus. Nat\u00fcrlich spielt auch die Pers\u00f6nlichkeit eine Rolle; manche k\u00f6nnen sich besser abgrenzen als andere, besser nach der Arbeit abschalten als andere.\u201c<\/p>\n<h4>Abschalten von der Arbeit ist ein Problem<\/h4>\n<p>Zu dieser Distanzierungsf\u00e4higkeit gebe es auch viele Forschungen. Generell sei das Abschalten von der Arbeit f\u00fcr viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Problem, welches aber durch Homeoffice oft noch verst\u00e4rkt werde, betont Wieland.<\/p>\n<p>Hinzu zu den erh\u00f6hten Anforderungen an die Selbstregulation kommt noch die soziale Isolation. \u201eMan ist in vielen Belangen auf sich allein gestellt und muss mit m\u00f6glichem \u00c4rger, z.B. mit seiner F\u00fchrungskraft oder Schwierigkeiten bei der Aufgabenerledigung selbst klarkommen. Die Arbeit im Homeoffice geht h\u00e4ufig \u2013 vor allem wenn sie \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume erfolgt -, mit dem Verlust der sozialen Kontakte einher.\u201c<\/p>\n<p>Da sei wieder diese Schnittstelle von Unternehmen und Homeoffice, setzt Wieland an. \u201eMan muss das ernst nehmen, und gezielt zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten zur Kommunikation mit Kolleg*innen schaffen. Im Betrieb hat man in der Regel die M\u00f6glichkeit, miteinander zu sprechen. F\u00fcr die Arbeit Im Homeoffice k\u00f6nnte man feste Zeiten daf\u00fcr ein planen, \u00b4offiziell zu chatten`, so wird soziale, kollegiale Kommunikation strukturell verankert und von der Unternehmensleitung wertgesch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n<h4>Ohne Wertsch\u00e4tzung keine Wertsch\u00f6pfung<\/h4>\n<p>Wertsch\u00e4tzung und Anerkennung sind wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Arbeit, die in jedem Unternehmen bedeutsam seien, best\u00e4tigt der Forscher und sagt: \u201eEs gibt ja den sch\u00f6nen Spruch \u00b4Ohne Wertsch\u00e4tzung keine Wertsch\u00f6pfung`. Nun stellt sich f\u00fcr mich die Frage: Woraus resultiert Wertsch\u00e4tzung?\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_66548\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66548 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/make-a-phone-call-5190643_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"466\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Arbeiten in heimischer Atmosph\u00e4re &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Reicht es aus, fragt sich der Arbeitspsychologe, dem ein oder anderen Mitarbeitenden gelegentlich auf die Schulter zu klopfen oder zu sagen, das hast Du prima gemacht? \u201eAus arbeitspsychologischer Perspektive ist eine Wertsch\u00e4tzung, die sich darin \u00e4u\u00dfert, dass ich als F\u00fchrungskraft meinen Mitarbeitenden verantwortungsvolle Aufgaben zuweise, deutlich nachhaltiger \u2013 und wohl auch wertsch\u00e4tzender &#8211; als nur ein Schulterklopfen. Damit sind wir wieder beim Thema der psychologischen Arbeitsgestaltung.\u201c<\/p>\n<p>Verantwortung k\u00f6nnen die Mitarbeitenden dann \u00fcbernehmen, wenn man ihnen vollst\u00e4ndige T\u00e4tigkeiten zuweise. Planen, Ausf\u00fchren und Kontrollieren sowie ausreichende Entscheidungsm\u00f6glichkeiten liegen dann in einer Hand. \u201eDamit signalisiere ich als F\u00fchrungskraft: \u00b4Ich gebe Dir anspruchsvolle Aufgaben und traue Dir zu, dass Du diese auch erfolgreich erledigst. ` Man k\u00f6nnte dies auch als wertsch\u00e4tzenden, aufgaben- und mitarbeiterorientierten F\u00fchrungsstil bezeichnen\u201c. Gerade f\u00fcr die Arbeit im Homeoffice sei diese Form der F\u00fchrung sehr wirksam, betont der Wissenschaftler.<\/p>\n<h4>Homeoffice &#8211; ein Arbeitsplatz der Zukunft?<\/h4>\n<p>F\u00fcr Prof. Dr. Rainer Wieland stellt sich die Frage: \u201eWas ben\u00f6tigen wir f\u00fcr eine zukunftsorientierte, menschengerechte und zugleich wirtschaftliche Gestaltung der Arbeit im Homeoffice?\u201c Einfache Antworten werde es wohl nicht geben, da mit der Auslagerung der Arbeit ins Homeoffice zahlreiche Ver\u00e4nderungen einhergehen, die auch einen unternehmens\u00fcbergreifenden, gesellschaftlichen Diskurs erfordern.<\/p>\n<p>\u201eSo gibt es z.B. Ideen\u201c, sagt er, \u201eu.a. auch von Gewerkschaften, die f\u00fcr neue Wohnbauprogramme pl\u00e4dieren, die auch direkt homeoffice-f\u00e4hig sind, also ein kleines Zimmer extra haben.\u201c Das Nachdenken und Reflektieren \u00fcber das Thema Homeoffice sei dringend notwendig. Dabei sollte die Arbeit im Homeoffice nicht isoliert betrachtet werden, sondern vielmehr im Kontext der Frage, was wir in Zukunft dringlicher brauchen: Weniger Arbeit oder bessere, menschengerechtere Arbeit?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Gestaltung von Arbeit wird ein zentrales, gesellschaftliches Thema in der digitalisierten Welt von morgen sein. Dabei wird es nicht ausreichen, von technischen Machbarkeiten auszugehen, und die Bed\u00fcrfnisse, Eigenschaften und F\u00e4higkeiten des Menschen zu vernachl\u00e4ssigen. \u201eDas, was Menschen bewegt, die grundlegenden psychischen und sozialen Mechanismen, die bei uns allen wirksam sind, haben sich seit Jahrhunderten nicht ver\u00e4ndert. Deshalb kann die Psychologie der Arbeit f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gestaltung der Arbeit auch einen wertvollen Beitrag leisten.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_66541\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 167px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66541 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Wieland-Presse-Sylvie-Doumet-3.jpg\" alt=\"\" width=\"157\" height=\"245\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Rainer Wieland &#8211; \u00a9 Sylvie Doumet<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Rainer Wieland<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Rainer Wieland (em.) leitete von 1993 bis 1017 das Fach Arbeits- und Organisationspsychologie in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft in der Schumpeter School of Business and Economics an der Bergischen Universit\u00e4t. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Wuppertaler Instituts f\u00fcr Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP) und leitet den Weiterbildungsstudiengang \u201eArbeits- und Organisationspsychologie\u201c der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema &#8222;Arbeit im Homeoffice&#8220; hat in den letzten Jahren als Folge der COVID-19-Pandemie einen regelrechten Boom ausgel\u00f6st. Die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen, die im Homeoffice (HO) arbeiten, ist ebenso rasant gestiegen, wie die Anzahl der Studien dazu.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-66534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 04:42:01","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66534"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66551,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66534\/revisions\/66551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}