{"id":66281,"date":"2023-06-18T09:03:06","date_gmt":"2023-06-18T07:03:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=66281"},"modified":"2023-06-19T12:46:30","modified_gmt":"2023-06-19T10:46:30","slug":"michael-walter-der-pfarrer-der-eigene-lieder-schreibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/06\/18\/michael-walter-der-pfarrer-der-eigene-lieder-schreibt\/","title":{"rendered":"Michael Walter: Der Pfarrer, der eigene Lieder schreibt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_66287\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66287 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/IMG_20221231_185025624_HDR-2-1024x1008.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"1008\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Walter, der Pfarrer, der Zigarrenkistengitarren baut, Lieder komponiert und Kinderb\u00fccher schreibt \u00a0&#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>So hat es jedenfalls eine Leserin und alte Freundin des Autors formuliert. \u2013 Bisher erschienen: Klaus Schumann.<\/p>\n<p>Michael Walter \u2013 Pfarrer im Ruhestand, S\u00e4nger und Songwriter, schreibt seit kurzem auch B\u00fccher f\u00fcr Kinder, die er selbst illustriert. Er wohnt in Cronenberg und baut Zigarrenkistengitarren.<\/p>\n<h4>Er baut Zigarrenkistengitarren<\/h4>\n<p>CBG ist nicht die Abk\u00fcrzung f\u00fcr ein neues Gymnasium im Tal, sondern steht f\u00fcr Cigar Box Guitar \u2013 Zigarrenkistengitarre. Die zu bauen ist ein skurriles Hobby \u2013 und f\u00fcr den Wuppertaler Michael Walter zugleich Therapie gegen die Multiple Sklerose.<\/p>\n<p>2012 stie\u00df er im Internet auf das Thema \u2013 und es hat ihn gleich gepackt. Zehn CBGs baut er jetzt Jahr f\u00fcr Jahr, verschenkt und verkauft sie. Michael Walter (Jahrgang 1958) studierte in Bochum und Wuppertal Theologie und arbeitete als Vikar in Neuss und als Hilfsprediger in Kornelim\u00fcnster bei Aachen, bevor er 1987 eine Pfarrstelle in der Elberfelder S\u00fcdstadt antrat. Als er 39 wurde, verk\u00fcndete ihm der Arzt die MS-Diagnose. Trotz der multiplen Sklerose arbeitete er noch acht Jahre, bis die Kirche ihn 2005 in den Ruhestand verabschiedete. In seinem Fall eher in eine Art Unruhestand, den des Zigarrenkistengitarrenbauers.<\/p>\n<p>Michael Walter: \u201eEs existieren keine Regeln. Die aus den USA stammende Grundidee lautet: Ich baue mir aus dem, was ich auf meiner Farm finde, meine Gitarre.&#8220; Also etwa aus einer Zigarrenkiste, einem Besenstil und einem Draht. Es darf auch eine Weinkiste oder eine Blechdose sein. Nur Platz braucht man, um den \u201eHals&#8220; durchzuziehen. Fantasie ist gefragt.<\/p>\n<p>Es gibt sogar ein internationales CBG-Manifest, nachzulesen auf <a href=\"http:\/\/www.cigarboxguitar.com\/\">www.cigarboxguitar.com<\/a>, eine spezielle Facebook-Gruppe mit etwa 200 Mitgliedern in Deutschland \u2013 und im Herbst das erste nationale Festival im hessischen Ebersbach. Doch das soll nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass es sich um ein klassisches Selfmade-Instrument handelt. Michael Walter, dem der Arzt seine anspruchsvolle Bastelt\u00e4tigkeit quasi als Ergotherapie anrechnet, geht f\u00fcr gew\u00f6hnlich in einen Baumarkt.<\/p>\n<div id=\"attachment_66288\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-66288\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/IMG_20221230_152704278_HDR-2-869x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"825\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Walter nimmt auch im Rollstuhl voll am Leben teil &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Dort kauft er sich Dachlatten aus Leimholz (vier mal zweieinhalb Zentimeter \u2013 in den USA verwendet man meist Roteiche) und gew\u00f6hnliche Schrauben als Steg und Br\u00fccke, geht dann in den Musikalienhandel, wo es Saiten und Stimmmechaniken gibt, und abschlie\u00dfend in einen Ein-Euro-Laden, der Abfluss-Siebe verkauft, mit denen der Gitarrenbauer die Schalll\u00f6cher abdeckt. Fertig ist die Kiste \u2013 und sieht wirklich professionell aus. Walter kommt zugute, dass sein Vater Schlosser war und dessen private Werkbank im Keller stand.<\/p>\n<p>Acht bis 15 Stunden Arbeit stecken in einer Zigarrenkistengitarre. Und dann kommt der spannende Augenblick: Wenn das Ger\u00e4t den Tontest nicht besteht, werden der Apparat wieder auseinander- und die einzelnen Komponenten neu verbaut. Kommt auch vor. Schlie\u00dflich ist jedes Instrument eine individuelle Anfertigung.<\/p>\n<p>Zwar hat Michael Walter schon als Sch\u00fcler gern gesungen und im Vikariat die Chorarbeit kennengelernt, doch Musikunterricht hatte er kaum. Zu Hause stand auch kein Instrument, sieht man von seiner fr\u00fch erworbenen \u201enormalen&#8220; Gitarre ab. Aber einer seiner Schulfreunde wurde Musiklehrer, und Walter selbst hat in der Elberfelder S\u00fcdstadtgemeinde mit einer Band gearbeitet. Im Herbst 2015 hatte er einen \u00f6ffentlichen Auftritt auf einer Fotoausstellung. Gesang und Gitarre. Zigarrenkistengitarre.<\/p>\n<div id=\"attachment_66289\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-66289\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/IMG_20230513_115318265-2-1024x283.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"193\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine Zigarrenkisten-Gitarre Marke Eigenbau &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Er w\u00fcnscht sich einen weiteren Musikanten, mit dem er in Zukunft zusammen spielen kann \u2013 Geschlecht und Alter spielen keine Rolle. Das Instrument wird gestellt &#8230;<\/p>\n<p>Der Beitrag erschien im M\u00e4nnerbuch \u00a02016<\/p>\n<p>Zigarrenkistengitarren baut Michael Walter auch heute noch. Daneben schreibt er eigene Songs und \u2026 Texte f\u00fcr Kinder. Dazu hat ihn sein Enkel angeregt.<\/p>\n<p><strong>Text: Dr. Matthias Dohmen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen an dieser Stelle zwei theologische Texte von Michael Walter, die sehr anschaulich geschrieben sind.<\/p>\n<h4>Das Fundament unseres Glaubens<\/h4>\n<p>Das also ist das Fundament unseres Glaubens, die Grundlage: gerade das, das Schwerste, das Unverst\u00e4ndlichste.<\/p>\n<p>Da ist einer gestorben: Jesus, ein Mann, der Gott ganz nah war, ein guter Mann, ein Freund der Armen, die Hilfe der Schwachen und Hoffnungsloser: Ja, wenn das die Grundlage des Glaubens w\u00e4re: \u201eJesus war ein guter Mann, lasst uns werden wie er war!\u201c Das w\u00e4re einfacher.<\/p>\n<p>Aber nein : Ausgerechnet die Auferstehung muss Paulus als Fundament des Glaubens nennen. Dass ein Toter wieder lebendig wird &#8211; so dr\u00fccken <i>es <\/i>manche aus .<\/p>\n<p>Wenn wir miteinander im Konfirmandenunterricht das Glaubensbekenntnis besprachen , dann war der Punkt der Auferstehung einer von denen, die nur sehr bedingt Zustimmung fanden. Es ist ja auch zu unglaubhaft: Wir sind doch naturwissenschaftlich auf dem Laufenden und wissen: Tot ist tot! Und Erkl\u00e4rungsversuche , dass Jesus nur scheintot gewesen sei , \u00fcberzeugen auch nicht recht .<\/p>\n<p>Schon die ersten Zweifler und die Gegner der Christen reagierten auf die Nachricht von der Auferstehung mit dem Vorwurf: \u201eAch, ihr habt ihn aus dem Grab gestohlen.\u201c Das ist so ein Problem mit der Auferstehung Christi: es hapert an handfesten Beweisen, die Indizien sind schwach: Das Grab soll leer gewesen sein &#8211; daf\u00fcr gibt es viele<b> <\/b>Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten und gesehen haben wir &#8211; es auch nicht! Und ein wei\u00df gekleideter J\u00fcngling &#8211; Gottesbote &#8211; Engel, soll gesagt haben , \u201eEr ist auferstanden er ist nicht hier!\u201c<\/p>\n<p>Na ja, ob das \u00fcberzeugen kann?<\/p>\n<p>Die Frage nach dem historischen Tatsachen der Auferstehung scheint mir nicht der richtige Weg zu sein, sich diesem Ereignis angemessen zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Wenn wir uns den Text des Paulus ansehen, dann bemerken wir: Er versucht gar nicht, von historischen Fakten, von nackten Tatsachen zu reden! Vor Jahren noch &#8211; ich wei\u00df nicht, wie der Streit heute steht &#8211; fragten einige noch: H\u00e4tte man die Auferstehung fotografieren k\u00f6nnen? Ich wei\u00df es nicht &#8211; ich glaube es nicht &#8211; und es interessiert mich auch nicht.<\/p>\n<p>Den Paulus interessiert das auch nicht. Er sagt nicht: Also so und so hat Gott Christus auferweckt &#8211; wie das ging, erz\u00e4hlt die Bibel nicht, versucht es auch nicht zu beschreiben. Paulus sagt auch nicht: Folgende Beweise habe ich in der Hand. Paulus argumentiert anders:<\/p>\n<p>Er sagt:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span> &#8211; Es gibt folgende Menschen, denen Jesus erschienen ist. &#8211; Es gibt folgende Menschen, die eine Erfahrung gemacht haben. &#8211; Es gibt Menschen, deren Leben hat Jesus umgekrempelt hat und zu denen geh\u00f6re ich auch. Und dann z\u00e4hlt er die Zeugen auf, Menschen, die bekennen, was Christus nach seinem Tod mit ihnen getan hat.<\/p>\n<p>Kein Foto der Auferstehung, keine Vermutungen, keine Anleitung zur Auferweckung. Nur das Zeugnis, das Bekenntnis, das Reden von Menschen, an dass wir uns halten k\u00f6nnen. Da m\u00fcsste vielleicht ein Staatsanwalt sagen: Alles parteiische Zeugen. alle miteinander voreingenommen, als Aussage nicht zu gebrauchen. Doch mehr und Besseres gibt es nicht. Wir haben nur das eine Zeugnis: \u201eDer Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!\u201c<\/p>\n<p>Zu meiner \u00dcberraschung fand ich in meiner Schreibtischschublade einige Zeitungsausschnitte. Sie m\u00fcssen schon recht alt sein, das Papier ist vergilbt. Die Ausschnitte stammen aus einer Zeitung mit dem Titel \u201eDie \u201eZeitlose\u201c oder so \u00e4hnlich &#8211; es ist schwer zu lesen. Es handelt sich wohl um Teile der Osterausgabe. Und die \u00dcberschrift des Artikels lautet : <i>\u201eMenschen, <\/i>dies <i>erlebt <\/i><i>haben.<\/i><\/p>\n<div id=\"attachment_66290\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 712px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-66290\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/IMG_20230407_103958340-1024x993.jpg\" alt=\"\" width=\"702\" height=\"681\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Kinderbuch, das Michael Walter geschrieben und Illustriert hat &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><strong>Exklusivinterviews in drei Teilen\u201c. Ich lese Ihnen einiges vor:<\/strong><\/p>\n<h4>Teil 1: Petrus<\/h4>\n<p><strong>Unser Redakteur: Nun, Petrus, mit ihnen haben wir sozusagen einen Mann der ersten Stunde vor uns. Wie ging das denn vonstatten mit der Auferstehung? Sie waren ja fast dabei.<\/strong><\/p>\n<p>Petrus: Ich muss Sie sofort berichtigen. Dabei war gar keiner. Am n\u00e4chsten dran waren wohl die Frauen, die das Grab besuchten am Morgen des dritten Tages. Und die erz\u00e4hlten uns dann, dass einer ihnen gesagt h\u00e4tte, Jesus auferstanden und das Grab sei leer.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Hat Sie dieser Bericht \u00fcberzeugt?<\/strong><\/p>\n<p>Petrus: Ganz und gar nicht; die Frauen waren ja v\u00f6llig durcheinander &#8211; wer wei\u00df, was die gesehen haben, dachte ich. Nur dass der Leichnam des Herrn weg war, hat uns noch trauriger und verwirrter gemacht in diesen Tagen. Wir sind dann alle zur\u00fcck nach Galil\u00e4a, in unsere Heimat gegangen. Wir wussten ja nicht wohin sonst.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Ja, war die Auferstehung Jesu Christi kein freudiges Ereignis?<\/strong><\/p>\n<p>Petrus : Wir waren verunsichert. Wir alle die noch \u00fcbrig waren. Besonders ich. Ich wusste auch nicht mehr was ich glauben sollte; besonders nachdem ich den Herrn verraten hatte.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Wieso? Judas war doch der Verr\u00e4ter?<\/strong><\/p>\n<p>Petrus: Ich habe den Herrn sicher genauso verraten wie Judas. Sie kennen doch die Geschichte, damals kurz nach der Gefangennahme Jesu. Ich wurde erkannt als Galil\u00e4er und als sein Freund. Und dreimal habe ich gesagt: Ich kenne diesen verdammten Jesus nicht!!<\/p>\n<p>In dieser Nacht bin ich zusammengebrochen. Da war mein Leben eigentlich zu Ende. Ich war am Boden zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Aber die Auferstehung &#8211; Sie haben sie doch gesehen?<\/strong><\/p>\n<p>Petrus: Ich habe die Auferstehung nicht gesehen. Ich habe meinen Herren gesehen. Und das war schlimm genug. Alle Freude und alle Angst der Welt kamen da zusammen.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Schnell, erz\u00e4hlen Sie.<\/strong><\/p>\n<p>Petrus: Das will ich ja, aber Sie unterbrechen mich ja dauernd. Also, wir hatten uns getroffen in Kapernaum \u2014 in der Gegend wohnen wir alle. Und wir sa\u00dfen in meinem Haus \u2014 tr\u00fcbsinnig, ohne zu reden. Ich f\u00fchlte mich besonders elend \u2014 keinem hatte ich von meinem Verrat erz\u00e4hlt und dann war er auf einmal da.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Wie denn, wie sah er denn aus?<\/strong><\/p>\n<p>Petrus: Und dann war er auf einmal da. Ich erschrak und zitterte: Was wird er mit mir tun, wie wird er mich behandeln wo ich ihn doch erleugnet hatte? Doch er sagte nur zu mir: \u201eGeh hinaus in alle Welt und predige das Evangelium jedem Lebewesen, damit die Menschen glauben und zu Gott dem Vater finden.\u201c Kein Wort des Vorwurfs, sondern nur ein neuer Auftrag. Und ich f\u00fchlte mich wie damals, als er mir bei der ersten Begegnung die Hand auf die Schulter legte und sagte: \u201eKomm mit, mein Freund, ich will dich zu einem Menschenfischer machen.\u201c Und so f\u00fchlte ich mich: aufgerichtet, lebendig, getr\u00f6stet und stark, und der Herr ging jetzt an meiner Seite wie damals in Galil\u00e4a, als er predigte und so auch in meinem weiteren Leben.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Aber einen Beweis f\u00fcr diese Geschichte haben Sie nicht?<\/strong><\/p>\n<p><b>Petrus:<\/b><b> <\/b>Ich bin vom Fischer zum Menschenfischer f\u00fcr das Reich Gottes geworden und vom feigen Verr\u00e4ter zum Apostel Christi. Das kann ich Ihnen erz\u00e4hlen, das k\u00f6nnen sie sehen, das k\u00f6nnen sie \u00fcberpr\u00fcfen. Mehr nich.<\/p>\n<h4>Teil 2: Jakobus<\/h4>\n<p><strong>Redakteur: Herr Jakobus, sie als Bruder Jesu m\u00fcssen ihm doch besonders nah gewesen sen. Was k\u00f6nnen Sie zur Aufkl\u00e4rung des Ph\u00e4nomens der Auferstehung beitragen?<\/strong><\/p>\n<p>Jakobus: In der Zeit, auf die es ankommt, habe ich meinen Bruder kaum gesehen. Wissen sie damals, als er unsere Familie uns und meine Mutter Maria verlie\u00df, da hat ihn keiner verstanden. Predigen wollte er &#8211; er der Sohn eines Handwerkers. Wir sind immer einfache Leute geblieben. Und jetzt einer, der durchs Land zog mit einer Hand voll von dubiosen Freundin. Also \u2014 das hatte unserer Familie gerade noch gefehlt.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Was hat das denn mit der Auferstehung zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Jakobus: Nun warten Sie doch mal ab. Das kommt noch. Also: wir alle &#8211; ich besonders &#8211; wir hatten und ziemlich distanziert von Jesus. Ja ich hielt ihn f\u00fcr ein bisschen verr\u00fcckt. Wie er \u00fcber das Gesetz und unsere heilige Schrift sprach &#8211; was ich dar\u00fcber h\u00f6rte, verschlug mir die Sprache. Ich begann fast, ihn zu hassen. Und dann sein Tod &#8211; am Kreuz &#8211; diese Schande. Im Ort<i> <\/i>wussten es alle in kurzer Zeit. Da war ich fertig mit Jesus.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Und die Auferstehung?<\/strong><\/p>\n<p>Jakobus: 10 Jahre sp\u00e4ter war ich Mit-Leiter der Gemeinde in Jerusalem. Da staunen Sie, was? Und dieser Umschwung, diese Entwicklung ist das, was ich zum Thema Auferstehung beitragen kann.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Wie kam es denn, dass sie zu einem \u00fcberzeugten Anh\u00e4nger ihres Bruders &#8211; ihres verstorbenen Bruders &#8211; wurden?<\/strong><\/p>\n<p>Jakobus: Er hat mich \u00fcberzeugt &#8211; er selbst. Auf einmal da war es da &#8211; wie fr\u00fcher, als unser Vater noch lebte und wir miteinander in der Werkstatt arbeiteten. \u201eWillst du mich weiter verachten? Willst du dich weiter f\u00fcr mich sch\u00e4men?\u201c Ja, und dann bin ich zu meinen j\u00fcdischen Landsleuten gegangen und habe ihnen gesagt, dass Jesus wohl mehr mit Gott zu tun gehabt h\u00e4tte, als wir alle geglaubt haben.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Und in welcher Gestalt ist ihnen Jesus denn begegnet?<\/strong><\/p>\n<p>Jakobus:<b> <\/b>Als mein Bruder, <b>wie<\/b><b> <\/b>denn sonst?<\/p>\n<h4>Teil 3: Paulus<\/h4>\n<p>Paulus von Tarsus. Im Rahmen unserer Reihe: \u201eMenschen die&#8217;s erlebt haben\u201c m\u00f6chten wir einige Fragen an Sie stellen. Sie haben einen Stapel Manuskripte mitgebracht, da sind Sie ja gut vorbereitet. Also, die erste Frage: War das Grab Jesu leer am Ostermorgen?<\/p>\n<p>Paulus: Was? Wie? Also &#8211; offen gestanden \u2014 diese Frage habe ich mir noch nie<b> <\/b>gestellt. Das Grab leer &#8230; &#8211; ich wei\u00df es nicht. Fragen Sie mal Petrus, der m\u00fcsste mehr wissen als ich. Ich bin ja erst einige Zeit nach dem Tod des Herren sein Nachfolger geworden.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Also, Sie haben Jesus zu Lebzeiten nie gesehen?<\/strong><\/p>\n<p>Paulus: Richtig, vor seinem Tod und seiner Auferstehung habe ich Jesus nie gesehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Redakteur: Aber sp\u00e4ter?<\/strong><\/p>\n<p>Paulus: Na klar. Sonst w\u00e4re ich nie Apostel geworden. Alle Apostel haben den auferstandenen Herrn gesehen, ich auch!<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Wie haben Sie Jesus denn erkannt, als er ihnen erschienen, wenn Sie ihn nie zuvor gesehen hatten?<\/strong><\/p>\n<p>Paulus: Sie kennen doch meinen Lebenslauf: Dass ich Pharis\u00e4er war wie nur irgend einer. Dass ich Gott zu gefallen suchte durch Erf\u00fcllung aller Gebote des j\u00fcdischen Gesetzes. Ich hasste die J\u00fcnger Jesu, die sich nicht k\u00fcmmerten um Gesetze und Gebote und Sabbate. &#8211; Ihre geheimen Treffen, ihre gemeinsamen Mahlzeiten, all das verabscheue ich zutiefst. Es war mir zutiefst unheimlich.<\/p>\n<p>Alles, was die Tradition unseres Volkes in Jahrhunderten an Gutem hervorgebracht hatte, das fegten sie mit dem Wort \u201eLiebe\u201c beiseite. Also habe ich sie<i> <\/i>verfolgtundverhaftet unddenBeh\u00f6rden \u00fcbergeben.Ich kanntesiegut,meine Gegner.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Und wie habensienunJesuserkannt?<\/strong><\/p>\n<p>Paulus: Ja, eben daran an all dem, was ich hasste: Als er mir gegen\u00fcbertrat \u2014 da war da alles, was ich verabscheute: Diese Liebe, Freiheit, Weltoffenheit. Aber all das so \u00fcberw\u00e4ltigend, dass ich keinen Widerstand leisten konnte. Mein ganzes Glaubensgeb\u00e4ude st\u00fcrzte ein wie ein Kartenhaus. Nicht mehr sich selber beweisen m\u00fcssen vor Gott, sondern allein auf Gottes Gnade zu vertrauen, das war das Neue, das Revolution\u00e4re, das Jesus mir vermittelt hat. Und so zog ich in die Welt &#8211; ich, der ehemalige Jude, zu den mir einst so verhassten Heiden. Und ich erz\u00e4hlte von dem, was mir begegnet ist: von Christus, dem lebendigen Herrn.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: In welcher Form lebt Jesus denn?<\/strong><\/p>\n<p>Paulus: Wollen Sie wissen, wieeraussieht-oder was?Jesusistlebendig, indem erwirksam ist. Und dass er wirksamist, daf\u00fcr gibtesviele Zeugen. Viele Menschen hatJesusindie Welt geschickt,umvonGottes Gnade zuberichten; sie alle haben denHerrngesehen, und bei allen hat er irgendwie das Leben ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Werden denn auch weiterhin Menschen Jesus sehen?<\/strong><\/p>\n<p>Paulus:Sehen -was hei\u00dftsehen?Jesus begegnet jedem anders.Was mir und den anderen Apostel des Herr widerfahren ist,das ist nicht ohne weiteres \u00fcbertragbar. Vielleicht begegnet Jesus den anderen Generationen ganz anders.Wer wei\u00df? Vielleicht spielt die Gemeinschaft der Gemeindeeinevielgr\u00f6\u00dfere Rolle?VielleichterlebenandereMenschen JesuKraft im gemeinsamenKampf f\u00fcr eine gottgef\u00e4llige Sache?Jesus sucht sichschon seinen Weg zu den Menschen, da habe ich keine Sorgen.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Noch eine letzte Frage Paulus. Was halten sie von dem Satz: \u201eDie Auferstehung ist eine geschichtliche Tatsache!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Paulus: Eine Tatsache n\u00fctzt Ihnen gar nichts, wenn sie nicht ihr Leben ver\u00e4ndert. Wenn Jesus Sie gepackt hat, dann wissen Sie, was Sache &#8211; \u00e4h, eine Tatsache ist &#8211; vorher nicht.<\/p>\n<p><strong>Redakteur: Paulus von Tarsus, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p>Soweit die Zeitungsinterviews. \u201eEine Tatsache n\u00fctzt Ihnen gar nichts, wenn sie nicht Ihr Leben ver\u00e4ndert\u201c, sagte Paulus.<\/p>\n<p>So ist das mit Ostern, mit der Nachricht Auferstehung Jesu Christi. Also blo\u00dfes Faktum ist nichts greifbar, ist alles unserer Geschichte und unserem Verstehen entzogen. Was wir haben, sind Zeugnisse von Menschen, Erlebnisse und Aussagen, die aus dem Glauben heraus gemacht wurden und werden.<\/p>\n<p>Alte und neue. Dieses Paulus von seiner gro\u00dfen Lebenswende und seinem folgenden Dienst f\u00fcr den Herrn Jesus Christus. Auch bei uns k\u00f6nnten wir Zeugnisse finden \u00fcber die \u00c4nderung des Lebens durch den Auferstandenen. Zeugnisse des Neuanfangs und der Hoffnung, Berichte \u00fcber die Befreiung von einer gro\u00dfen Last. Aus aller Welt stehen Zeugen auf und berichten, wie ihnen die Auferstehung Jesu Christi Mut gemacht hat, selbst aufzustehen und einzustehen f\u00fcreinander und f\u00fcr das Leben aus Gottes Hand. Sind das nicht auch Tatsachen? An Menschen wurde etwas getan, das haben sie erfahren. Ist die Auferstehung nicht Wirklichkeit? lhre Wirkungen jedenfalls werden bezeugt, und wir k\u00f6nnen Sie sehen und erleben.<\/p>\n<p>Das ist unsere Hoffnung, unser Wunsch, unsere Sehnsucht: Dass Jesus Christus sich als wirksam erweist, indem er uns und die Welt ver\u00e4ndert, neu macht, \u00e4hnlich, wie die ersten Zeugen das erlebt haben. Und uns neu macht durch seine lebendige, lebenschaffende Kraft, durch seine Auferstehung. Das ist unsere Hoffnung, dass alle Welt begreift und mit uns einen stimmt in den Ruf: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes &#8230; <b>M. W.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-66200\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/media_83058163.jpeg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"390\" \/><\/p>\n<h4>&#8222;M\u00e4nner im Tal&#8220;<\/h4>\n<p><strong>Dr. Matthias Dohmen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"\">Portr\u00e4ts<\/p>\n<p class=\"\">Weilerswist &#8211; Ralf Liebe &#8211; 2018<\/p>\n<p class=\"\">116 Seiten \u00a0&#8211; 14,00 \u20ac<\/p>\n<p class=\"\">ISBN 978-3-944566-83-2,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUpdate\u201c hei\u00dft die neue Serie der STADTZEITUNG. Der Journalist, Dozent und Historiker Dr. Matthias Dohmen stellt Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Bergischen Land vor. Mit alten und neuen Texten. Mit Fotos und Dokumenten. Menschen, die ihm etwas bedeuten. Manche kennt man gut, andere weniger. Aber wer ihre Texte liest, m\u00f6chte sie vermutlich alle pers\u00f6nlich kennenlernen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-66281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-17 00:42:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66281"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66316,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66281\/revisions\/66316"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}