{"id":65850,"date":"2023-06-06T10:45:55","date_gmt":"2023-06-06T08:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=65850"},"modified":"2023-06-09T13:34:23","modified_gmt":"2023-06-09T11:34:23","slug":"papiertheater-in-remscheid-zu-hause-weltweit-zu-gast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/06\/06\/papiertheater-in-remscheid-zu-hause-weltweit-zu-gast\/","title":{"rendered":"Papiertheater: In Remscheid zu Hause &#8211; weltweit zu Gast"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_65853\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65853 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Ehepaar-Haase-2-1024x745.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"745\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Martin und Sieglinde Haase, die Betreiber des Remscheider Papiertheaters &#8211; \u00a9 Haases Papiertheater<\/span><\/div>\n<p>Im Interview mit der STADTZEITUNG gew\u00e4hren Martin und Sieglinde Haase einen Blick hinter die Kulissen ihres au\u00dfergew\u00f6hnlichen Theaters.<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sind Sie dazu gekommen, ein Papiertheater aufzubauen \u2013 Otto Normalverbraucher wei\u00df ja schon mit dem Begriff nichts anzufangen?<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde Haase: &#8222;Wir haben 1997 in einem privaten Spielzeugmuseum am Bodensee ein historisches Papiertheater entdeckt und waren begeistert, als wir begriffen, dass es sich nicht um ein Spielzeug, sondern um ein richtiges Theater aus dem 19. Jahrhundert handelte \u2013 wenn auch in sehr kleinem Ma\u00dfstab. Da Martin bereits Laienspieltheatererfahrung hatte und auch ein begeisterter Modellbauer war, sah er darin eine ideale Synthese aus beiden Bereichen. Au\u00dferdem merkten wir, dass sich beim Papiertheater alle M\u00f6glichkeiten bieten, sich kreativ zu entfalten. Zun\u00e4chst spielten wir Papiertheater nur im privaten Rahmen, aber als wir merkten, wie begeistert die Reaktionen des Publikums waren, wurden wir ermutigt, auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zu spielen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_65854\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 552px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65854\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Haases-Papiertheaterauftritt-in-Barcelona-2-727x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"542\" height=\"763\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Plakat des Gastspieles in Barcelona (Spanien) &#8211; \u00a9 Haases Papiertheater<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wer besucht Sie hier in Remscheid an der Grenze zu Wuppertal? Wo kommen die G\u00e4ste her?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Haase: &#8222;Da der \u201eRemscheider General-Anzeiger\u201c h\u00e4ufig \u00fcber unsere Aktivit\u00e4ten berichtet, kommen die meisten Besucher aus Remscheid. Viele G\u00e4ste kommen mehrmals wieder und bringen weitere Zuschauer mit, Freunde oder Kollegen mit \u2013 das klassische (Schneeballsystem. So kommen auch Besucher aus Wuppertal und Solingen. Nach der Anerkennung als Kulturerbe berichteten auch \u00fcberregionale Zeitungen \u00fcber uns. Ich nenne jetzt mal den \u201eK\u00f6lner Stadtanzeiger\u201c, \u201eDie Zeit\u201c, die \u201eS\u00fcddeutsche Zeitung\u201c, aber auch die WDR-Lokalzeit und Radio RSG. Wir hatten mittlerweile auch G\u00e4ste aus verschiedenen St\u00e4dten Deutschlands. K\u00fcrzlich kam eine Berlinerin zu uns, die eigens f\u00fcr das Papiertheater anreiste.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Kulturerbe: Meinen Sie das Unesco-Verzeichnis?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Haase: &#8222;Das meine ich. Auf Initiative von Sieglinde Haase hat die Deutsche Unesco-Kommission das Papiertheater am 19. M\u00e4rz 2021 zum Immateriellen Kulturerbe erkl\u00e4rt und in das entsprechende bundesdeutsche Verzeichnis aufgenommen. Die Bewerbung hat sie mit Mitstreitern aus der Papiertheaterszene verfasst und im Oktober 2019 eingereicht. Es handelte sich um ein umfangreiches Bewerbungsverfahren mit vielen Fragen und Themenbereichen. Dazu hat sie zwei Begleitschreiben von sachkundigen und unabh\u00e4ngigen Gutachtern beif\u00fcgen k\u00f6nnen. Die Anerkennung ist eine ganz besondere Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr diese wunderbare Kulturform und f\u00fcr alle Menschen in Deutschland, die das Papiertheater aus\u00fcben und weiterentwickeln.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_65855\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65855 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Theaterraum-Haases-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Spielst\u00e4tte von Haases Papiertheater mit der B\u00fchne &#8211; \u00a9 Haases Papiertheater<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie kommt man auf das einzelne St\u00fcck \u2013 Sie bedienen ja ein breites Spektrum an Themen?<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde Haase: &#8222;Angefangen haben wir mit traditionellen Papiertheaterst\u00fccken, wie dem \u201eGestiefelten Kater\u201c oder \u201eH\u00e4nsel und Gretel\u201c. Danach folgten eigene Bearbeitungen nach gr\u00f6\u00dferen Vorlagen wie Jule Vernes \u201eReise um die Erde in 80 Tagen\u201c. Ansonsten machen wir alles, was uns interessiert, zun\u00e4chst einmal ohne R\u00fccksicht auf den Publikumsgeschmack. Dann haben wir aber auch gemerkt, woran das Publikum hier im Bergischen besonders interessiert ist: n\u00e4mlich an Geschichten \u00fcber unsere Region. Gleichzeitig nutzen wir die M\u00f6glichkeit, auf dem gr\u00f6\u00dften internationalen Papiertheatertreffen in Preetz bei Kiel aufzutreten. Dort versuchen wir, mit besonderen Inszenierungen das Interesse des internationalen Publikums zu wecken.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es noch mehr Papiertheater in Deutschland, und sind sie miteinander vernetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Haase: &#8222;Es gibt noch weitere B\u00fchnen, wobei sie aber nur selten \u00fcber ein eigenes Theater vielleicht sogar mit angeschlossenem Museum verf\u00fcgen. Mit den anderen B\u00fchnen treffen wir uns anl\u00e4sslich verschiedener Festivals. Die meisten Spieler kennen wir auch pers\u00f6nlich. Es gibt einen Papiertheaterverein, in dem Sieglinde mehrere Jahre die Vorsitzende war.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_65856\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65856 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sherlock-Holmes-auf-der-Papiertheaterbuehne-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Detektiv Sherlock Holmes auf der B\u00fchne des Papiertheaters &#8211; \u00a9 Haases Papiertheater<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Man kennt Ihr Papiertheater auch im Ausland: Wo waren Sie schon, und wo geht es demn\u00e4chst hin?<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde Haase: &#8222;Durch das internationale Festival bekamen wir pers\u00f6nliche Kontakte zu Spielern aus aller Welt, und daraus ergaben sich unsere Gastspiele im Ausland. In England waren wir schon zweimal (in London, Leicester, Ramsgate und Slough). Dort haben wir die englische Fassung unserer St\u00fccke gespielt. Wir waren auch schon auf Festivals in Holland, \u00d6sterreich und der Schweiz. Die Kontakte zu einem katalanischen Papiertheatersammler brachte uns auf die Idee, das St\u00fcck \u201eSieben Br\u00fccken\u201c in verschiedenen Sprachfassungen zu produzieren. Mittlerweile gibt es eine griechische, italienische, ukrainische, franz\u00f6sische, d\u00e4nische, katalanische, t\u00fcrkische und selbstverst\u00e4ndlich auch eine deutsche Fassung. Die B\u00fchne und s\u00e4mtliche Dekorationen passen in einen Koffer. Die Premiere des Reisetheaters fand gerade mit gro\u00dfem Erfolg in Barcelona statt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Zuschauerinnen und Zuschauer sind Ihnen die liebsten?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Haase: &#8222;Uns ist jede und jeder willkommen. Das Medium eignet sich f\u00fcr alle Menschen ab vier Jahren. Am liebsten sind uns Zuschauer, die neugierig, offen und begeisterungsf\u00e4hig sind und die sich auf ein nostalgisch anmutendes Vergn\u00fcgen einlassen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_65857\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65857 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Die-Muenstener-Bruecke-im-Papiertheater-2-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die M\u00fcngstener Br\u00fccke als Kulisse des Papiertheaters &#8211; \u00a9 Haases Papiertheater<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Kann man Ihre R\u00e4umlichkeiten barrierefrei nutzen?<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde Haase: Ja, zwei Stufen k\u00f6nnen mit einer mobilen Rampe \u00fcberbr\u00fcckt werden, sodass auch schon Rollstuhlfahrer bei uns im Theater waren. Die Toilette und ein Teil des Museums sind allerdings nicht barrierefrei. Auch unser kultiges Theater im Stil der 1950er-Jahre unter dem Dach ist leider nicht barrierefrei.<\/p>\n<p><strong>DS: Kultiges Theater im Stil der 1950er-Jahre?<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde Haase: Tats\u00e4chlich, auf unserem Dachboden gibt es einen zweiten Theaterraum. Er ist zwar recht klein und bietet Platz f\u00fcr nur acht Besucher, daf\u00fcr ist er sehr gem\u00fctlich und im Stil der 50er Jahre eingerichtet. Der absolute Blickfang ist eine wundersch\u00f6ne Bar in T\u00fctenform sowie Nierentischchen mit Cocktailsesseln.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte DR: MATTHIAS DOHMEN<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie kommen gerade aus Barcelona, und ihre B\u00fchne geh\u00f6rt zum Kulturerbe der Unesco. Das Themenspektrum des Papiertheaters reicht vom M\u00e4rchen \u00fcber Jules Vernes \u201eIn 80 Tagen um die Welt\u201c bis zur Wupper. Und alles passt in einen gro\u00dfen Koffer, mit dem das Ehepaar Haase auch auf Tournee geht. Der Schwerpunkt liegt aber bei den \u201eHeimspielen\u201c in Remscheid.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-65850","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 07:47:21","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65850"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65850\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65859,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65850\/revisions\/65859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}