{"id":65694,"date":"2023-05-29T13:46:32","date_gmt":"2023-05-29T11:46:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=65694"},"modified":"2023-07-03T16:38:35","modified_gmt":"2023-07-03T14:38:35","slug":"bambi-war-vom-autor-nie-als-kinderbuch-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/05\/29\/bambi-war-vom-autor-nie-als-kinderbuch-gedacht\/","title":{"rendered":"\u201eBambi&#8220; war vom Autor nie als Kinderbuch gedacht"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_65699\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-65699\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Prof._Lukas-2-1024x684.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Wolfgang Lukas, Inhaber des \u00a0Lehrstuhl f\u00fcr Neuere deutsche Literaturgeschichte und Editionswissenschaft- \u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich in aderbeliebte Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wussen.Interview&#8220; mit Prof. Dr. Wolfgang Lukas, Inhaber des \u00a0Lehrstuhl f\u00fcr Neuere deutsche Literaturgeschichte und Editionswissenschaft an der Bergischen Universit\u00e4t, \u00fcber Felix Saltens Roman unterhalten.<\/p>\n<p><strong>Jeder kennt die Walt Disney-Verfilmung &#8222;Bambi&#8220;, wobei der Roman definitiv kein Kinderbuch ist. Warum nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Wolfgang Lukas: &#8222;Man muss sagen, dass \u00b4Bambi` auch niemals als Kinderbuch gedacht war. Der Untertitel lautet ja \u201eTierroman\u201c, und unter dieser Rubrik wurde es seinerzeit auch im B\u00f6rsenblatt annonciert. Die Geschichte ist nicht nur die Geschichte eines Rehkitzes, sondern es geht von der Geburt bis knapp an den Tod. Allein das ist schon untypisch f\u00fcr Kinderliteratur.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcssen wir deutlich unterscheiden, reden wir vom Buch oder vom Film? Auch wenn wir \u00fcber das Buch sprechen, haben wir nat\u00fcrlich prim\u00e4r immer den Film im Kopf. Die Gefahr ist dabei, dass man das Buch projektiv mit der Brille des gesehenen Filmes liest. Was hat also Disney gemacht?<\/p>\n<p>Wer den Film gesehen hat, kann verstehen, warum er als Meisterwerk des Animationsfilmes ger\u00fchmt wird. Die Kampfszenen in Technicolor sind sensationell und umwerfend gemacht, aber Disney hat den Stoff auch verkitscht. Sie haben das Missverst\u00e4ndnis einer Kindergeschichte nahegelegt, denn der Film beginnt schon mit einer Verniedlichung, die wir so im Buch nicht haben. Zudem muss man auch sagen, die Werte und Normen, also was man als kindgerecht empfindet, sind nicht statisch, sondern dem historischen Wandel unterworfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_65703\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 360px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65703 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/61qwECGQaL-674x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"532\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Bambi: Eine Lebensgeschichte aus dem Wald&#8220; &#8211; Felix Salten &#8211; Verlag epubli &#8211; 184 Seiten &#8211; ISBN-10: 3752992379 &#8211; ISBN-13: 978-3752992373<\/span><\/div>\n<p>Da hat sich bis in unsere Zeit massiv viel ge\u00e4ndert. Wir sind heute in einer Epoche, in der wir hypersensibilisiert sind gegen\u00fcber Gewalt. Unsere Position ist, Gewalt hat in Kinderliteratur nichts zu suchen. Wir sind ja schon so weit zu sagen, die Grimm\u2019schen M\u00e4rchen sind nichts f\u00fcr Kinder. Das ist aber historisches Neuland. Das haben fr\u00fchere Epochen niemals so gesehen. Heute gibt es auch schon Zensurma\u00dfnahmen bei Kinderbuchklassikern, wo man versucht, Gewaltszenen zu mildern, weil man sie als nicht mehr zutr\u00e4glich f\u00fcr Kinder empfindet. Das ist aber unsere Zeit, die das so definiert.&#8220;<\/p>\n<p><b>Bambis Romanvorbild ist ein \u00f6sterreichisches Hirschkalb aus den Donau-Auen bei Stockerau, 20 Kilometer n\u00f6rdlich von Wien, wo der Autor sein Jagdrevier hatte. Er selber sagt: \u201eIch wollte meine Leser von dem Irrtum befreien, die Natur sei ein sonniges Paradies.\u201c Es geht ihm um die Frage: Wem geh\u00f6rt der Wald? Kann er das beantworten?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Wolfgang Lukas: &#8222;Die Frage nach dem Besitz des Waldes kann man vielleicht so beantworten, dass er den Tieren zeitweise geh\u00f6rt, solange der Mensch drau\u00dfen ist. Die Tiere sind nicht alleinige Eigent\u00fcmer des Waldes, weil der Mensch ihn jederzeit betreten kann. Das macht Salten klar. Ist der Mensch au\u00dferhalb des Waldes, kann es harmonische, idyllische Momente geben, aber die sind nie garantiert und gelten nicht f\u00fcr immer. Der Mensch kann jederzeit mit seinem zerst\u00f6rerischen Potential eindringen. Man lebt also in einer st\u00e4ndigen Bedrohung.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><b>Der korrekte Titel des Romans lautet: \u201eBambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde\u201c, die sich aber bei genauem Hinsehen als eine Metapher auf den ersten Weltkrieg entpuppt. Woran erkennt man das?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Wolfgang Lukas: &#8222;Da w\u00e4re ich vorsichtig und kann mich dieser Interpretation nicht anschlie\u00dfen. Das kommt vielleicht durch den Film. Wenn man die Schlussszene anschaut; zuerst diese Hundemeute, die die Partnerin von Bambi bedroht und die er erfolgreich mit letzter Kraft verscheucht, gefolgt von diesem gigantischen, toll gemachten Waldbrand. 1942 hat man diesen Brand, der ja wirklich einem Weltenbrand \u00e4hnlich kommt, nat\u00fcrlich auf den Zweiten Weltkrieg bezogen. Also Disneys Version des Romans mit Anspielung auf den Zweiten Weltkrieg. Aber, dass das Buch auf den Ersten Weltkrieg anspielt, das sehe ich nicht so. Es kommt zwar Gewalt darin vor, also J\u00e4ger dringen ein und t\u00f6ten, am Ende wird ein Wilderer offensichtlich vom F\u00f6rster erschossen, aber das ist zu wenig spezifisch und anders, als Disney das gemacht hat.Ich denke, es ist eher eine desillusionierende Sicht auf die Menschen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich liegt die Botschaft weniger im politischen Bereich als vielmehr im anthropologischen. Und zwar als eine Botschaft, die man heute kritisch sehen muss, ohne das Buch abzuwerten. Die Botschaft \u00fcbermittelt ein extrem patriarchalisches Gesellschaftsbild. Sie transportiert eine \u00fcberdeutliche Geschlechterhierarchie. Wir erleben die Welt im Wald aufgeteilt in zwei R\u00e4ume, topographisch gibt es da den Graben, den Bambi erst im Erwachsenenalter \u00fcberschreiten darf. Jenseits des Grabens wohnen die M\u00e4nner, die die K\u00f6nige oder F\u00fcrsten sind \u2013 einer davon ist am Ende tats\u00e4chlich Bambis Vater \u2013, im anderen Bereich wohnen die Frauen und die Kinder. Salten hat hier schon eine ganz klare Trennung vollzogen. Sobald man als m\u00e4nnliches Rehkitz erwachsen wird, verl\u00e4sst man diesen Raum.<\/p>\n<div id=\"attachment_65704\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 360px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65704 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/718FtJTEeML._SL1200_-722x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"496\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Bambi&#8220; &#8211; der Kinofilm &#8211; Studio: Walt Disney &#8211; ASIN: B079PHKJLS<\/span><\/div>\n<p>Und er zeigt, dass sich der Held hier zweimal des Weiblichen entledigen muss, und beides wird als Akt der Befreiung und als Voraussetzung f\u00fcr die Mannwerdung geschildert. Bambi verliert die Mutter und sp\u00e4ter, als erwachsener Hirsch, verl\u00e4sst er die Freundin Faline. \u201eSie konnte er haben, so oft er wollte\u201c, hei\u00dft es dann im Buch, also Frauen hat man da einfach, die M\u00e4nner bestimmen alles, sie sind selbstherrlich. Wir erleben hier aus der Sicht Bambis den faszinierenden Blick auf stolze M\u00e4nnlichkeit.<\/p>\n<p>Das Unnahbare, dieses Stolze, vor dem man Angst haben muss, das ist die Botschaft.Am Ende sagt Bambi sogar: \u201eIch muss allein sein.\u201c So sehr er Faline auch liebt, er kehrt nicht zu ihr zur\u00fcck. Was wir hier geboten bekommen, ist eine desillusionierende, pessimistische und zugleich sehr patriarchalische Anthropologie. Die Existenz des solit\u00e4ren, ohne Familie als Anhang lebenden Mannes, das wird bei Disney vollkommen familienideologisch verkitscht, denn Bambi ist dann der brave Familienvater mit den Kleinen. Diese Verherrlichung des solit\u00e4r lebenden Mannes, der sich vom Weiblichen befreien muss, damit er \u201aMann\u2018 werden kann, das hat sogar eine gewisse N\u00e4he zum Faschismus.&#8220;<\/p>\n<p><b>Der amerikanische Zeichentrickfilm spielte \u00fcber 47 Mio. Dollar ein. Unter den 100 Top B\u00f6sewichten\/Filmschurken steht auf Platz 20 \u201eMan\u201c, der Bambis Mutter erschoss. Er liegt damit noch vor dem Terminator, Dracula oder Joker. 71 qu\u00e4lende Sekunden vergehen im Film, bis Bambis Vater best\u00e4tigt, was alle Zuschauer seit dem Fallen des Schusses bef\u00fcrchteten: \u201eYour mother can\u2019t be with you anymore \u2026\u201c (Deine Mutter kann nicht mehr bei Dir sein). Diese Emotionalit\u00e4t ist aber auch im Buch zu sp\u00fcren, oder?<\/b><\/p>\n<p>Dr, Wolfgang Lukas: &#8222;Jein, was im Buch emotional stark zu sp\u00fcren ist, das ist die Bedrohung. Die Angst und die Erfahrung der \u00dcberw\u00e4ltigung. Nat\u00fcrlich hat das auch eine Gef\u00fchlskomponente. Aber in Bezug auf den Verlust der Mutter sage ich nein, denn das wird nur mit einem d\u00fcrren Satz notiert. \u201eBambi sah seine Mutter niemals wieder\u201c. Das war`s.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_65706\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 408px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65706\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/deer-48419_1280-1024x936.png\" alt=\"\" width=\"398\" height=\"364\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bambi &#8211; \u00a9 Pixabay \/ CIKER-Free-Vector-Omages<\/span><\/div>\n<p><b>Salten hatte mit Billy Wilder in Wien bereits Drehb\u00fccher geschrieben und kam \u00fcber ihn in Kontakt mit Walt Disney, dem der st\u00e4ndig klamme Autor die Rechte f\u00fcr knapp 1.000 US-Dollar \u00fcberlie\u00df. Obwohl man meist nur diesen einen Roman von ihm kennt, war Felix Salten europaweit ein bekannter Journalist und Theaterkritiker seiner Zeit, der bis zu seinem 42. Lebensjahr eigentlich ganz anders hie\u00df. Was wei\u00df man von ihm?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Wolfgang Lukas: &#8222;Man wei\u00df schon sehr viel \u00fcber ihn, obwohl es eine ausgewiesene Salten-Forschung immer noch nicht gibt. Die ist noch zu leisten. Das sieht man u.a. daran, dass ich in der zweiten Kindler-Auflage ein anderes Sterbedatum gefunden habe, n\u00e4mlich 1947. Heute kann man bei Wikipedia nachlesen, dass er 1945 verstorben ist. Sein eigentlicher Name war Siegmund Salzman, aus einer ungarisch-j\u00fcdischen Familie, die relativ fr\u00fch nach Wien gezogen ist. Er geh\u00f6rte nicht zum Gro\u00dfb\u00fcrgertum, so wie seine Kollegen Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler.<\/p>\n<p>Er hat die Schule abgebrochen und sich dann aber zum sehr begabten Feuilletonisten und Kritiker entwickelt. Er war auch f\u00fcr das Burgtheater t\u00e4tig. In der beginnenden Epoche des Naturalismus und des \u201aJungen Wien\u2018 war er einer von denen, die dabei waren, vielleicht nicht in der ersten Liga, aber dennoch ein Autor, der noch zu entdecken ist. Er hat Zeitromane, Gesellschaftsromane geschrieben, die mit Vorliebe in der Wiener Aristokratie spielen. Er kannte auch Erzherzog Leopold und hatte dadurch auch Hintergrundwissen, dass er in seinen Geschichten verarbeitete, die in Wien gut ankamen. Er hat au\u00dferdem historische Novellen geschrieben, Essays zur Kulturgeschichte \u00d6sterreichs oder auch Drehb\u00fccher f\u00fcr den Film.<\/p>\n<p><b>Dass er auch ein Meister der erotischen Literatur war, hat man erst sp\u00e4ter herausgefunden. \u201eAlbertine\u201c ist eine Novelle, die in seinem Nachlass gefunden wurde. Der Schriftsteller Oswald Wiener sagt \u00fcber einen anderen Roman, den man ihm zuschreibt, er sei \u201eder wohl einzige deutsche pornographische Roman von Weltrang\u201c. Um welches Werk handelt es sich dabei?<\/b><\/p>\n<p><b>Dr. Wolfgang Lukas<\/b>: &#8222;Es handelt sich zweifellos um \u00b4Josefine Mutzenbacher oder die Geschichte einer Wienerischen Dirne` von 1906, den pornographischen Roman, der mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihm stammt. Ich w\u00fcrde aber nicht sagen, dass das der einzige deutschsprachige Pornoroman von Weltrang ist, denn es gibt andere, wenn auch nicht viele. Pornographie ist zu einem gewissen Teil Schemaliteratur, d.h. hier gibt es erz\u00e4hlerische Versatzst\u00fccke, die typisch sind. Das beginnt in der Sp\u00e4taufkl\u00e4rung, wo das Modell des Entwicklungsromans erfunden wird. Und diese pornographischen Entwicklungsromane setzen eigentlich immer mit der Geschlechtsreife mit 14, 15 oder 16 Jahren ein und erz\u00e4hlen dann unter Umst\u00e4nden bis ins h\u00f6here Alter. Das Besondere an Saltens Roman ist, dass er ab dem 7. Lebensjahr ansetzt und mit dem 14. Lebensjahr aufh\u00f6rt.<\/p>\n<div id=\"attachment_65708\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 619px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65708 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/deer-2463062_1280-1024x831.jpg\" alt=\"\" width=\"609\" height=\"494\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Rehkitz &#8211; \u00a9 Pixabay \/ Rital<\/span><\/div>\n<p>Damit weicht er sehr stark ab vom traditionellen Pornoroman, und \u2013 ohne es zu bewerten \u2013 uns st\u00f6\u00dft das heute auf. Ich habe dazu einmal ein Seminar gemacht, also \u00fcber erotische und pornographische Romane von der Aufkl\u00e4rung bis zu Felix Salten, wo wir studieren konnten, in welchem Ausma\u00df sich die Sexualnormen auch historisch gewandelt haben. Hier werden Dinge erz\u00e4hlt, die f\u00fcr uns skandal\u00f6s sind, dass also ein sieben oder acht Jahre altes M\u00e4dchen Sex hat. Das ist Kinderpornographie, und die ist f\u00fcr uns sehr viel schockierender, als das f\u00fcr die damalige Zeit war.<\/p>\n<p>Damals kannte man Kinderbordelle auf dem Kudamm in Berlin, und in Wien gab es die auch. Das war sicher unb\u00fcrgerliches Milieu, das ist ja logisch, aber es war nicht in der Weise tabuisiert, wie es heute ist, das muss man sich klarmachen. Das Problem dabei ist heute, dass wir Dinge, die fremdartig sind und unseren Normen zuwiderlaufen, nicht mehr wahrnehmen k\u00f6nnen bzw. wollen. Salten hat vielleicht auch Mut gehabt, denn er hat das damals so erlebt, er wusste, dass ist auch unsere soziale Realit\u00e4t um 1900, und dann hat er das thematisiert.&#8220;<\/p>\n<p><b>Bambi wurde in \u00fcber 30 Sprachen \u00fcbersetzt und auch als Fortsetzung unter dem Titel \u201eBambis Kinder: Eine Familie im Walde\u201c 1940 ver\u00f6ffentlicht. Konnte die Fortsetzung an den Anfangserfolg ankn\u00fcpfen?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Wolfgang Lukas: &#8222;Nein, das konnte sie definitiv nicht, man kennt diese Titel auch \u00fcberhaupt nicht. Er hatte auch vorher schon Tierromane geschrieben und war auch in den 1920er Jahren damit erfolgreich. Aber wie gesagt, man wei\u00df vieles noch nicht, das ist ein noch offenes Forschungsfeld. Viele B\u00fccher sind auch sp\u00e4ter nie mehr aufgelegt worden, man braucht also die Erstauflagen. Interessant bei \u00b4Bambi` ist die Tatsache, dass man eine neuere Taschenbuchausgabe im Antiquariat f\u00fcr drei Euro bekommt, f\u00fcr die Erstausgabe aber \u00fcber 2.000 Euro berappen muss. Daran sieht man auch den Kultstatus dieses Buches, welcher jedoch ohne den Film nicht denkbar w\u00e4re.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_65701\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 220px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-65701\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Prof._Lukas-3-741x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"290\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Wolfgang Lukas &#8211; \u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Wolfgang Lukas<\/h4>\n<p>Wolfgang Lukas studierte Germanistik und Romanistik an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen und promovierte ebenda. Er habilitierte sich an der Universit\u00e4t Passau. Nach akademischen Zwischenstationen in Kiel und Z\u00fcrich \u00fcbernahm er 2006 den Lehrstuhl f\u00fcr Neuere deutsche Literaturgeschichte und Editionswissenschaft an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &#8222;Neue Freie Press&#8220; in Wien ver\u00f6ffentlichte 1923 die Geschichte \u00fcber ein Rehkitz als Fortsetzungsroman. Die Vorlage f\u00fcr den weltber\u00fchmten Walt-Disney-Film &#8222;Bambi&#8220;. Was viele \u00fcberraschen wird: Der Roman des Schriftstellers Felix Salten war kein Kinderbuch.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-65694","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-06 06:46:50","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65694","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65694"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65694\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65710,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65694\/revisions\/65710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65694"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65694"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65694"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}