{"id":6493,"date":"2016-07-06T08:14:41","date_gmt":"2016-07-06T06:14:41","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/07\/06\/hand-auf-s-herz-ernst-andreas-ziegler-ein-marathonlaeufer-auch-in-sachen-bildung\/"},"modified":"2025-02-26T12:41:21","modified_gmt":"2025-02-26T11:41:21","slug":"hand-auf-s-herz-ernst-andreas-ziegler-ein-marathonlaeufer-auch-in-sachen-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/07\/06\/hand-auf-s-herz-ernst-andreas-ziegler-ein-marathonlaeufer-auch-in-sachen-bildung\/","title":{"rendered":"Ernst-Andreas Ziegler: Marathonl\u00e4ufer auch bei der Bildung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_44434\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-44434\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Bild2_Ernst-Andreas-Ziegler-Foto-Junior-Uni-Anna-Schwartz-2-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Junior Uni-Gr\u00fcnder Prof. Dr. Ernst-Andreas Ziegler &#8211; \u00a9 Anna Schwartz\/Junior Uni<\/span><\/div>\n<p>Die Erfolgsgeschichte Junior-Uni hat heute viele V\u00e4ter (und M\u00fctter). Doch bis zum Ziel war es wohl auch eine langer, manchmal beschwerlicher Hindernislauf. Peter Pionke unterhielt sich mit Ernst-Andreas Ziegler \u00fcber seinen \u201el\u00e4ngsten\u201c Marathonlauf und vieles mehr&#8230;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie k\u00f6nnten durch die Welt reisen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Doch Sie stehen immer noch mit beiden Beinen mitten im Berufsleben. Was treibt Sie an?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch bin ein Bewegungsmensch. Laufen im Gleichma\u00df macht den Kopf frei. Da kommen einem die besten Gedanken. Und lange Strecken sind weniger eine Sache f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe, die packt man mental. Schw\u00e4cheln oder auch mal Hinfallen sind normal. Wichtig sind das Wiederaufstehen und das Weitermachen! Ich bin als junger Mensch Journalist geworden, um die Welt ein St\u00fcckchen zu verbessern. Das versuche ich immer noch.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Ist die Arbeit mit und f\u00fcr Kinder und Jugendliche so eine Art Jungbrunnen f\u00fcr Sie?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch brauche keinen Jungbrunnen. Ich arbeite gern mit Menschen zusammen, die neugierig und kreativ sind und sich engagieren. Das ist v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Alter. An der Juni-Uni gibt es viele kluge Menschen, schon bei den Vierj\u00e4hrigen. Man kann Kindern nichts vormachen. Unsere jungen Studenten sind freundlich und wissensdurstig. Mein Alter oder meine Funktion interessieren sie kaum.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Welche Vision steckt hinter der Junior-Uni?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: Wuppertal und das Bergische Land waren einst die europ\u00e4ische Ideen-, Talent-, Produkt- und Entwicklungs-Schmiede. Das war ein St\u00fcck Notwehr. Sie mussten besser sein als andere. Den Bergischen wurde n\u00e4mlich nie etwas geschenkt. Auf diesem Fundament steht die Junior Uni. Um Stadt und Region Mut zur Zukunft zu machen, investieren Stiftungen, bedeutende Unternehmen und Einzelspender aus der Region in den gr\u00f6\u00dften Schatz, den die Bergischen haben- in Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Unsere Geldgeber wissen: jeder Euro, der f\u00fcr bessere Bildung ausgegeben wird, zahlt sich langfristig und nachhaltig aus. Er macht junge Menschen st\u00e4rker f\u00fcr den sp\u00e4teren Einstieg in Studium und Berufsausbildung, er\u00f6ffnet ihnen Perspektiven f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben, st\u00e4rkt damit auch die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft.2<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wo holen Sie die Kinder, die so vielen medialen Reizen ausgesetzt sind und deshalb kaum Zeit f\u00fcr zus\u00e4tzliches Lernen haben d\u00fcrften, denn eigentlich ab?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eWir sind so etwas wie eine Art Trainingszentrum f\u00fcr das Lernen, Experimentieren und Forschen mit Freude. Wer das von Klein auf kennengelernt hat, findet daf\u00fcr auch sp\u00e4ter freiwillig fast immer Zeit. So wie viele gern zum Fu\u00dfballtraining, zum Tanzen oder zum Musizieren gehen, machen immer mehr junge Menschen von vier Jahren bis zum Abitur den Besuch von Kursen an der Junior Juni zu ihrem Hobby.\u00a0Die allermeisten ersten Kontakte zu uns kn\u00fcpfen Eltern oder Gro\u00dfeltern. Doch von Anfang an versuchen wir, s\u00e4mtliche Talente zu f\u00f6rdern, ganz unabh\u00e4ngig vom Sozialstatus und Einkommen der Eltern. Unsere gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist dabei, sogar die leistungsf\u00e4higen und leistungswilligen Talente aus bildungsfernen Milieus zu erreichen, in denen Eltern ihre Kinder nicht f\u00f6rdern wollen oder f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Also fangen wir jeden Tag mit Kursen f\u00fcr geschlossene Kindergartengruppen an. Dort sind n\u00e4mlich 90 Prozent aller Kinder gut aufgehoben. Und die Erzieherinnen der jeweiligen Gruppe wissen doch ganz genau, welches Kind besonders aufgeweckt ist. Dumme Kinder gibt es \u00fcbrigens nicht. Niemand muss sie neugierig und wissensdurstig machen. Sie sind es von ganz allein. Vermeintlich dumm, doch den Ausdruck mag ich nicht, werden junge Menschen, wenn sie nicht von fr\u00fch an gef\u00f6rdert und gefordert werden und keine positiven Vorbilder erleben.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wie gro\u00df ist der Anteil der Kinder mit Migrations-Hintergrund?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eWir respektieren jeden jungen Menschen, unabh\u00e4ngig von seiner Herkunft, unabh\u00e4ngig vom Sozialstatus. Wir fragen nicht, wo bist Du geboren oder wo kommen Deine Eltern her? Wir sch\u00e4tzen, dass der Anteil unserer Studenten mit Migrations-Hintergrund bei fast einem Drittel liegt. Ungef\u00e4hr so viele wachsen n\u00e4mlich nach einer Studie zweisprachig auf, sprechen also mit den Eltern nicht Deutsch. Die eine H\u00e4lfte unserer Studenten kommt aus finanziell gut situierten Familien, die andere aus einkommensschwachen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Die Junioruni ist das neue Wahrzeichen von Wuppertal. Der Stolz einer ganzen Stadt und einer Region. Man gewinnt den Eindruck, alle gro\u00dfen Unternehmen h\u00e4tten von Anfang an als Geldgeber Schlange gestanden. War der Aufbau wirklich ein Kinderspiel?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eViele bedeutende Unternehmen helfen uns von Anfang an. Trotzdem war es kein Kinderspiel, es war ein hartes Ringen. Und es war kein Ein-Mann-Projekt, also keineswegs realisiert von mir, sondern es war ein Gemeinschaftswerk von vielen. Nur weil wir von der ersten Stunde an ganz hervorragende Mitstreiterinnen, Mitstreiter, Experten und Pers\u00f6nlichkeiten als Unterst\u00fctzer hatten, war das \u00fcberhaupt zu schaffen. Und dank der vielen leidenschaftlich engagierten Pers\u00f6nlichkeiten konnten wir gemeinsam jedem Geldgeber die Gewissheit vermitteln, dass wir solide wirtschaften und dass jeder einzelne gespendete Euro auch wirklich in Bildung f\u00fcr Kinder umgem\u00fcnzt wird.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Gab es bei der Realisierung des Neubaus an der Wupper nicht auch Schwierigkeiten mit der Politik?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch will das mal diplomatisch beantworten. Die Politik hatte uns anfangs wirklich euphorisch unterst\u00fctzt, sich dann jedoch in einer bestimmten Phase zur\u00fcckgezogen. Sie war n\u00e4mlich eine Zeit lang nicht damit einverstanden, dass wir an der Wupper einen eigenen Neubau planten, nachdem die Sanierung der dortigen Fabrikruine gescheitert war. Statt selbst zu bauen, sollten wir doch lieber \u2013 so damals die Stadt \u2013eine nicht mehr gebrauchte, st\u00e4dtische Immobilie nutzen. Das wollten wir aber nicht. Wir haben hinter verschlossenen T\u00fcren hart gerungen und uns zusammengerauft. Doch als die Sache und einiges mehr entschieden waren, hat die Stadt alles getan, um uns in jeder Weise wieder zu helfen. Also Ende gut, alles gut!\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Der Erfolg hat bekanntlich viele V\u00e4ter. Denn auch die Stadt verkauft inzwischen die Junior-Uni als einmaliges Wuppertaler Markenzeichen&#8230;\u201c<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eSie tut gut daran. Wir freuen uns sehr dar\u00fcber.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Nun steht und floriert die Junior-Uni und Sie haben als Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung nach wie vor besondere Verantwortung. Verdienen Sie sich damit auch eine goldene Nase?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eWas f\u00fcr eine Frage! Beileibe nicht! Ich mache das nach wie vor v\u00f6llig ehrenamtlich, f\u00fcr einen symbolischen Euro pro Jahr. Und was das operative Gesch\u00e4ft angeht, so hat sich vieles eingespielt, was mich enorm entlastet. Jetzt tragen viele Schultern mit.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Die Junior-Uni-Kurse sind immer schneller ausgebucht als der Schall. Wie kriegen Sie das hin?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIn den acht Jahren seit unserem Start haben wir mehr als 42.000 Kurspl\u00e4tze vergeben. Und in jedem Semester hatten wir unglaublich hohe zus\u00e4tzliche Wartelisten. Wir werden nach wie vor \u00fcberrannt. Unser Angebot ist eben sehr attraktiv und faszinierend f\u00fcr junge Menschen, fast auf dem Niveau einer echten Universit\u00e4t. Dies liegt auch an unserem wichtigsten Kooperationspartner, also der \u201egro\u00dfen\u201c Bergischen Universit\u00e4t, die uns, der \u201ekleinen\u201c, seit Anfang an grandios hilft. Und an der Zusammenarbeit mit nahezu allen Schulen und vielen Unternehmen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS. Worauf f\u00fchren Sie es zur\u00fcck, dass Ihre geniale Einrichtung noch nirgendwo kopiert wurde?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eDa gibt es wohl vier Gr\u00fcnde. Erstens: Im Bergischen Land hat das M\u00e4zenatentum eine gro\u00dfe Tradition. Zweitens: Wir in Wuppertal und in der Region haben den Strukturwandel noch nicht geschafft. Es bedurfte unbedingt eines auf den ersten Blick absurden, jedoch unbedingt notwendigen und neuen Mutmacherprojektes, als bundesweit interessantes Modell. Drittens: Sie brauchen \u00fcberall den richtigen Zeitpunkt mit den richtigen K\u00fcmmerern und Unterst\u00fctzern. Und viertens: Wir hatten zwar Anfragen und Rat erteilt, jedoch nicht die Zeit und Kraft, andere St\u00e4dte beim Aufbau einer Junior-Uni intensiver zu unterst\u00fctzen. Wir mussten uns erst einmal um unser Kerngesch\u00e4ft k\u00fcmmern.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie waren Lokalredakteur beim General-Anzeiger heute Westdeutsche Zeitung. Mit welchen Gef\u00fchlen verfolgen Sie heute den Weg der Print-Medien?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch bin nach wie vor ein leidenschaftlicher Journalist. Und ich bin nach wie vor ein Anh\u00e4nger der t\u00e4glichen Heimatzeitung, in Wuppertal also der WZ. Als \u00fcberzeugter Print-Medien-Leser lasse ich keine Zeitung aus, lese eben auch die Wuppertaler Rundschau und die Stadtzeitung.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Haben Printmedien aus Ihrer Sicht \u00fcberhaupt eine Zukunft?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201e Ja, ich bin zutiefst davon \u00fcberzeugt! Die Printmedien werden noch eine weitere Durststrecke durchstehen m\u00fcssen. Aber dann geht es ihnen wie den Buchhandlungen. Die waren doch auch schon totgesagt. Und jetzt gehen Sie mal in Wuppertal in jene Buchhandlungen, die \u00fcberlebt haben. Wer sich den Zeitl\u00e4ufen anpasst, beispielsweise die M\u00f6glichkeit schafft, online zu bestellen etc., der hat heute wieder gute Chancen. Ich lese jeden Tag in einem Buch. Und ich genie\u00dfe es, in einer Buchhandlung zu schm\u00f6kern, ein auch handwerklich gut gebundenes Buch in der Hand zu halten. Nur wenn ich das mal nicht vor Ort kann, bestelle ich ein neues Buch online und hole es am n\u00e4chsten Tag bei meinem Lieblingsbuchh\u00e4ndler von Mackensen ab. Klappt reibungslos. Und ich sage Ihnen, die lokalen Printmedien werden ebenso eine solche Wiedergeburt erleben. Je anonymer und globalisierter die Welt, umso wichtiger werden wieder die lokalen Printmedien.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wie wichtig ist Ihnen die Ehrendoktorw\u00fcrde, die Ihnen von der Uni der Partnerstadt Kosice verliehen wurde?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eDaf\u00fcr bin ich dankbar und darauf bin ich stolz. Und zwar nicht nur, weil auch ich ein St\u00fcck eitel bin und mich \u00fcber Anerkennung freue. Ich habe das auch als Aufwertung f\u00fcr unseren Berufsstand empfunden, dass eben auch mal ein Journalist so geehrt wird. Zugesprochen wurde mir dieser Titel \u2013 so Hans-Dietrich Genscher in seiner Laudatio \u2013 als politischer Br\u00fcckenbauer f\u00fcr Europa. Ich hatte als Wuppertaler Presseamtsleiter lange Jahre in politisch schwieriger Zeit die M\u00f6glichkeit, \u00fcber die St\u00e4dtepartnerschaften den Dialog zwischen einstigen Feinden zu st\u00e4rken. Und dabei Hans-Dietrich Genscher und Johannes Rau zu unterst\u00fctzen. Das war schicksalhaftes Gl\u00fcck. Ich habe als Kind den zweiten Weltkrieg erlebt. Schlimme Erinnerungen! Deshalb wei\u00df ich: Unser aller gr\u00f6\u00dftes Gut sind doch die 70 Jahre Frieden und das Zusammenwachsen der Europ\u00e4er. Umso trauriger bin ich \u00fcber den Brexit. Aber zur\u00fcck zu Genscher: Dass er wegen mir nach Kosice geflogen ist, hat diese Ehrung noch viel, viel mehr aufgewertet. \u201e<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Aber nicht genug dieser Ehre, Sie haben ja auch noch einen Professoren-Titel&#8230;<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eDen Professoren-Titel habe ich nicht ehrenhalber bekommen. Als Genscher damals in Kosice von Vertretern der Universit\u00e4t gefragt wurde, ob er sich vorstellen k\u00f6nne, dass ich als Kommunikator und Journalist an der Uni Kosice als Gast-Dozent Vorlesungen halten w\u00fcrde, hat er spontan geantwortet: Der macht das! Und ich habe selbstverst\u00e4ndlich zugesagt. Und jetzt mache ich das im 17. Jahr. Wie an allen Universit\u00e4ten in der EU kann auch in Kosice ein Dozent, der f\u00fcnf Jahre lang erfolgreich unterrichtet hat, auf Vorschlag seiner Fakult\u00e4t und mit Entscheidung des Senats zum Professor ernannt werden. Als ich gefragt wurde, ob ich mich um diesen Titel bewerben w\u00fcrde, habe ich diese Chance genutzt. Von 35 Senatsmitgliedern haben 33 f\u00fcr mich gestimmt. Auch daf\u00fcr bin ich sehr dankbar.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie stammen ja eigentlich aus Weimar. Was muss passieren, dass man wie Sie eine sehr emotionale N\u00e4he und Liebe zu seiner Wahlheimatstadt Wuppertal aufbaut?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch bin in Weimar geboren und in der Pfalz aufgewachsen. Nach Wuppertal kam ich wegen einer Stellenanzeige, mit der ein Lokalredakteur gesucht wurde. Ich habe diese Stadt als spr\u00f6de Geliebte kennengelernt . Anfangs fand ich Wuppertal gr\u00e4sslich und die Wuppertaler st\u00f6rrisch. Bis mir beim Bier ein Kollege sagte: \u201aDu darfst nicht darauf warten, dass die Wuppertaler auf Dich zukommen, Du musst schon selbst auf sie zugehen. Das habe ich getan, und die Reaktionen waren unglaublich. Seither bin ich in diese Stadt verliebt und ein leidenschaftlicher Wuppertaler. Die Stadt ist zu zwei Dritteln wundersch\u00f6n. Und trotzdem reden die Wuppertaler immer schlecht \u00fcber ihre Stadt. V\u00f6llig absurd!\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Eines Ihrer B\u00fccher, das Sie geschrieben haben, hei\u00dft \u201eAuf der Suche nach der Wuppertaler Seele\u201c (1996). Haben Sie die Seele eigentlich jemals gefunden?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch mache Ihnen einen Vorschlag: Empfehlen Sie Ihren Lesern,<br \/>\nzwei Wege durch die Stadt selbst zu finden. Der eine soll zu 90 Prozent durch Wald, Wiesen und Parkanlagen f\u00fchren. Beim zweiten Weg sollten Ihre Leser in erster Linie Treppen benutzen. Sie sollten sich Zeit nehmen und eine Kamera und ein Tagebuch mitf\u00fchren. Ich wette: Sie alle werden die Seele Wuppertals finden&#8230;\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Seit Ihrem letzten Buch bis heute klafft eine relativ gro\u00dfe sch\u00f6pferische L\u00fccke. Kann man daraus schlie\u00dfen, dass Sie gerade an Ihren Memoiren arbeiten?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eNein. Der Grund f\u00fcr Pause war die Junior-Uni. Sie k\u00f6nnen ein solches Projekt nicht mit links machen. Aber ich arbeite seit Jahren an einem Buch mit dem Arbeitstitel \u201ePolitik und Glaubw\u00fcrdigkeit\u201c. Die ersten 60 Seiten sind geschrieben. Ich hoffe, dass ich es endlich fertig kriege. Ich m\u00f6chte mit diesem Buch erreichen, dass sich m\u00f6glichst viele Menschen einmischen, sich politisch engagieren und Dinge ver\u00e4ndern. Das geht nicht vom Sofa oder von der Parkbank aus.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: So vital und dynamisch Sie sind, haben Sie doch ganz bestimmt noch ein gro\u00dfes Ziel vor Augen?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eZun\u00e4chst einmal haben wir mit den Gesellschaftern Vorsorge getroffen wie es mit der Junior-Uni weiter geht. Wir sind dank gro\u00dfartiger M\u00e4zene finanziell solide aufgestellt. Aber wir m\u00fcssen heute schon die Weichen stellen, dass wir ab 2018 gen\u00fcgend Geld haben, um den laufenden Betrieb zu sichern. An diesem Vorhaben will ich weiter mitwirken. Und falls irgendetwas mit mir passieren sollte, ist die Nachfolgeregelung l\u00e4ngst gekl\u00e4rt. Die Mannschaft \u2013 mit einer Mehrzahl Frauen &#8211; steht. Und pers\u00f6nlich: Mit meinem Leben bin ich sehr zufrieden Das Wichtigste sind mir Familie und Freunde. Solange ich kann, werde ich weiterhin regelm\u00e4\u00dfig lange Strecken laufen, am liebsten im Wald, gern bergauf bergab, locker im Spazierlauftempo. Ich habe auf einer Autofahrt im Radio mal Interviews mit Menschen geh\u00f6rt, denen mitgeteilt worden war, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben h\u00e4tten. Die Frage hie\u00df: Was werden Sie in der wenigen Zeit, die Ihnen noch bleibt, tun? Ich habe mir diese Fragen dann selbst gestellt. Meine pers\u00f6nliche Antwort: Ich w\u00fcrde genau das tun, was ich jetzt auch mache.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wenn Ihnen die ber\u00fchmte Fee 20 Millionen \u20ac in die Hand dr\u00fccken w\u00fcrde, die Sie zweckgebunden ausgeben m\u00fcssten, wie w\u00fcrden Sie dieses Geld investieren?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch w\u00fcrde Geld komplett in die Bildung von Kindern und Jugendlichen investieren.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Der WSV ist in die Regionalliga West aufgestiegen. Wird man Sie in der n\u00e4chsten Saison auch einmal im Stadion sehen?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eIch habe fr\u00fcher viele WSV-Spiele verfolgt. Dann habe ich den Verein etwas aus den Augen verloren. Aber vor einigen Wochen habe ich ein Pokalspiel des Wuppertaler SV bei den Sportfreunden D\u00f6nberg gesehen. Der WSV hat 7:0 gewonnen. Und ich war beeindruckt von den jungen Spielern. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mir das eine oder andere Spiel in der Regionalliga anschaue. Aber ich muss zugeben: Insgeheim bin ich Fan des 1. FC Kaiserlauten geblieben. Das war meine Fu\u00dfball-Jugendliebe. \u201e<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Welche Schlagzeile w\u00fcrden Sie denn gern \u00fcber sich lesen?<\/span><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler: \u201eEigentlich hatte ich schon Schlagzeilen genug. Doch wenn es sein muss, w\u00e4hle ich die: Er ist ein L\u00e4ufer, der Menschen mag und sich bem\u00fcht, die Welt ein wenig zu verbessern.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 12pt;\">VITA<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler wurde am 28.11.1938 in Weimar geboren. Er wuchs in der Pfalz auf. Dort erlernte er zun\u00e4chst den Beruf des Schriftsetzers. Anschlie\u00dfend machte er in der Redaktion der Pirmasenser Zeitung ein Volontariat. Er arbeitete als Redakteur und Reporter bei der Deutschen Presse-Agentur dpa und wurde schlie\u00dflich stellv. Lokalchef des Wuppertaler General-Anzeigers (heute Westdeutsche Zeitung). Anschlie\u00dfend baute Ernst-Andreas Ziegler bei den Wuppertaler Stadtwerken die Abteilung \u00d6ffentlichkeitsarbeit auf, um dann als Chefredakteur zu einer D\u00fcsseldorfer Nachrichten-Agentur zu wechseln. Hier erreichte ihn ein Anruf des damaligen Wuppertaler Oberstadtdirektors Rolf Krumsiek. Er bot ihm 1972 die Aufgabe des Presseamtsleiters an. Ziegler sagte zu und verantwortete 32 Jahre lang die Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Wuppertal. Von der Universit\u00e4t Kosice bekam Ziegler die Ehrendoktor-W\u00fcrde verliehen. Von 1999 bis 2004 hielt er dort als Dozent, seitdem als Honorarprofessor Vorlesungen \u00fcber \u201ePolitische Kommunikation &amp; Marketing\u201c. F\u00fcnf Jahre lang fungierte Ernst-Andreas Ziegler als ehrenamtlicher Chefberater des slowakischen Staatspr\u00e4sidenten f\u00fcr den deutschsprachigen Raum. Seit seinem Ausscheiden aus den Diensten der Stadt ist er beruflich bundesweit als Politik-, Kommunikations- und Unternehmensberater aktiv. Der mehrfache Buchautor gr\u00fcndete 2008 mit herausragenden Wuppertaler Pers\u00f6nlichkeiten die nur privat finanzierte Junior Uni. Er ist verheiratet mit einer \u00c4rztin, hat vier Kinder und drei Enkel. Seine Hobbies: Langstreckenlauf, Lesen, Natur und Menschen. Sein Lebensmotto: Nie aufgeben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist das Herz und die Seele der Junior-Uni &#8211; ein einmaliges Bildungsprojekt. Sein Durchhalteverm\u00f6gen als Marathonl\u00e4ufer kam Prof. Dr. h.c. 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