{"id":6490,"date":"2016-07-06T07:00:48","date_gmt":"2016-07-06T05:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/07\/06\/dr-arne-lawrenz-kinder-glauben-doch-heute-die-kuehe-waeren-lila\/"},"modified":"2025-05-12T19:19:15","modified_gmt":"2025-05-12T17:19:15","slug":"dr-arne-lawrenz-kinder-glauben-doch-heute-die-kuehe-waeren-lila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/07\/06\/dr-arne-lawrenz-kinder-glauben-doch-heute-die-kuehe-waeren-lila\/","title":{"rendered":"Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Kinder glauben doch die K\u00fche w\u00e4ren lila&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_48461\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 912px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-48461\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Dr.-Arne-Lawrenz-Foto-Dirk-Sengotta-2.jpg\" alt=\"\" width=\"902\" height=\"635\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Arne Lawrenz, Tierarzt und Direktor des &#8222;Gr\u00fcnen Zoos&#8220; Wuppertal &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Dr. Arne Lawrenz schreckt auch vor unpopul\u00e4ren Entscheidungen nicht zur\u00fcck und hat eine klare Meinung, was mit \u00fcberz\u00e4hligen Tieren geschehen soll, die nicht mehr artgerecht gehalten werden k\u00f6nnen. Im Interview mit Peter Pionke macht er unmissverst\u00e4ndlich klar, wie er sich den Wuppertaler Zoo der Zukunft vorstellt oder was er vom neuen NRW-Tierschutzgesetz und von der der Gro\u00dfwildjagd h\u00e4lt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Was macht den Wuppertaler Zoo so attraktiv?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eWir sind einer der \u00e4ltesten Zoos Deutschlands und besonders die Topographie ist einzig- artig. Wir k\u00f6nnen durchaus von uns behaupten, dass wir mit unserem alten Baumbestand landschaftlich einer der sch\u00f6nsten Tierparks Europas sind. Wir verf\u00fcgen zudem \u00fcber eine einzigartige Katzenhaltung &#8211; mit der gr\u00f6\u00dften L\u00f6wenanlage Europas, einem attraktiven Tigergehege, dazu viele weitere, kleinere Katzenarten. Und nicht zu- letzt k\u00f6nnen wir stolz auf die beste Zuchtgruppe afrika- nischer Elefanten sein.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Welche Aufgabe hat ein Zoo heute, in einer Zeit, in der man sich in den modernen Medien die seltensten Tiere aus der N\u00e4he und sogar in 3D anschauen kann?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eAls wissenschaftlich gef\u00fchrter Zoo haben wie vier Standbeine. Fr\u00fcher waren wir eine reine Menagerie, zum Erholen und Belustigen. Heute gibt es auch noch viele Leute, die hierher kommen, um sich zu entspannen oder die tolle Landschaft f\u00fcr ihren Abendspa- ziergang zu nutzen. Enorm wichtig ist inzwischen der Bereich Forschung. Hier betreiben wir zum Beispiel Ba- sisforschung f\u00fcr den Erhalt von Tieren in der freien Wild- bahn. Natur- und Artenschutz ist ein weiterer wichtiger Baustein, da sind wir an \u00fcber 40 Erhaltungs-Programmen beteiligt. Wir unterst\u00fctzen z.B. Projekte in Afrika mit Geld und unserem Know-How. Das vierte und f\u00fcr mich wich- tigste Standbein ist Umwelt-Bildung. Der Mensch entfernt sich ja immer mehr von der Natur. Da herrscht vielfach so ein biologischer Analphabetismus. Kinder denken, die K\u00fche w\u00e4ren lila und der Elefant fliegt mit seinen Ohren. Wir wollen die Menschen f\u00fcr ihre Umwelt sensibilisieren. Das alles kann man bei uns dreidimensional erleben: riechen, begreifen, anfassen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Was erwidern Sie Zeitgenossen, die behaupten, ein Zoo sei heute gar nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eDamit m\u00fcssen wir uns auseinander- setzen, ganz klar. Deshalb wollen wir auch weg von den\u00a0alten Klischees, dass im Zoo Exotisches und Freakiges zu sehen ist. Wir m\u00fcssen den Menschen vielmehr die Natur n\u00e4her bringen, ihr Interesse f\u00fcr die Tiere und deren Lebensweise wecken.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_45587\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45587\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/271124_wsw-sth-200527elefantenpatenschaft015-2-1024x788.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"788\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz (l.) und WSW Vorstandsvorsitzender Markus Hilkenbach mit Elefantenkuh Sven und Baby Tsavo &#8211; \u00a9 Wuppertaler Stadtwerke WSW<\/span><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Gibt es Tierarten, von denen Sie sagen w\u00fcrden, dass diese auf keinen Fall im Zoo gehalten werden d\u00fcrfen?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eNat\u00fcrlich die gro\u00dfen Wale. Ansonsten kann man fast alle Tierarten im Zoo halten, man mu\u00df aber den biologischen Anforderungen gerecht werden.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Ein Zoo kann ja nicht von den Eintrittsgeldern leben, sondern ist auf Sponsoren angewiesen. Wie gro\u00df ist da die Gefahr der Einflussnahme?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eWir haben ja das Gl\u00fcck, dass wir ein st\u00e4dtischer Zoo sind und uns die Stadt Wuppertal am Leben erh\u00e4lt. Trotzdem brauchen wir auch Sponsoren, gerade wenn es um Investitionen geht. Solche Ma\u00df- nahmen werden dann in der Regel \u00fcber den Zooverein\u00a0abgewickelt. Das bedeutet, die Sponsoren spenden an den Zooverein und wir \u00fcber- legen dann gemeinsam, wo das Geld am sinnvollsten eingesetzt wird. Es kommt \u00e4u- \u00dfert selten vor, dass uns Sponsoren direkt zweckgebunden Geld zur Verf\u00fcgung stel- len. Aber auch da haben wir eine ganz klare Linie. Wenn einer k\u00e4me und w\u00fcrde uns 20 Millionen Euro f\u00fcr eine Nashorn- oder eine Giraffen-Anlage zur Verf\u00fcgung stellen, w\u00e4re meine Antwort unmissverst\u00e4ndlich: \u201aDie 20 Millionen nehme ich gerne, aber auf keinen Fall f\u00fcr Nash\u00f6rner oder Giraffen. Diese Tiere k\u00f6nnen wir hier nicht artgerecht halten.\u2018 Da w\u00e4re ich total konsequent. Also Einflussnah- me ist bei uns so gut wie unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Es gibt doch sicher auch \u201eschwarze Schafe\u201c unter den Zoos, wo die Tiere nicht artgerecht gehalten werden, schalten Sie sich dann im Sinne der Tiere ein?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich! Wir haben un- sere Verb\u00e4nde, in denen alle wissenschaftlich gef\u00fchrten Zoos in Europa organisiert sind. Wir \u00fcberpr\u00fcfen uns da gegenseitig, was die Haltungsbedingungen der Tiere an- geht. Und wenn dann ein Tierpark die Anforderungen nicht erf\u00fcllt, versuchen wir zun\u00e4chst, beratend und dis- ziplinierend einzuwirken. Und wenn auch das nicht hilft, wird der Zoo aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Das bedeutet, dass er keine Zuchttiere aus anderen Zoos mehr bekommt und auch viele Tiere, die nur eingestellt sind, wieder abgeben muss. Und das ist f\u00fcr den betroffenen Tierpark eine Katastrophe.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Gibt es Situationen, in denen der Tierarzt Dr. Lawrenz mit dem Zoodirektor Dr. Lawrenz in Konflikt ger\u00e4t?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eNein! Ich habe von vornherein klar- gestellt, dass f\u00fcr mich als Zoodirektor die Tiergesundheit und die artgerechte Haltung an erster Stelle stehen. Und wenn wir ein Tier auf lange Sicht nicht artgerecht halten k\u00f6nnten, dann m\u00fcssten wir uns von dem Tier trennen. Auch wenn das aus meiner Sicht als Zoodirektor nicht popul\u00e4r w\u00e4re. Aber in einem solchen Fall entscheide ich als Tierarzt mit Herz und Seele. Da sind meine Wurzeln.\u201c<br \/>\nlen w\u00fcrden?<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Auch Sie haben ja sicher eine Wunschliste. Wie w\u00fcrden Sie den Zoo &#8222;aufh\u00fcbschen&#8220;, wenn Sachzw\u00e4nge und Geld keine Rollen spielen w\u00fcrden?&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eWir haben einen riesigen Ideenkatalog. Wir sammeln ja immer noch Geld f\u00fcr die gro\u00dfe Ara- Freiflug-Anlage. Dann steht das Riesenprojekt, die Um- gestaltung der gro\u00dfen Zoo-S\u00e4le in den Fuhlrott-Campus an, in dem wir die Veterin\u00e4rmedizin und die Zooschule unterbringen wollen. Dort werden wir auch das \u00d6ko-Sys- tem Wupper anschaulich erkl\u00e4ren. Zweifellos eine gro\u00dfe Ma\u00dfnahme, die sehr viel Geld kosten wird. Dann soll der Eingangsbereich umstrukturiert werden, als attrak- tives, zeitgem\u00e4\u00dfes Entr\u00e9e. Hier wird u.a. eine afrikanische Sumpf-Landschaft mit einem Skywalk \u00fcber unseren Teichen entstehen. Wir tr\u00e4umen zudem davon, dort auch eine Zwergflusspferd-Anlage zu integrieren mit einer gro\u00dfen Scheibe nach au\u00dfen zur Hubertussallee, um den Zoo gleich attraktiv \u201aanzuteasern\u2018.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sind Sie mit dem neuen NRW-Tierschutzgesetz zufrieden?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eNicht 100 prozentig! Wenn man ein neues Tierschutzgesetz in Kraft setzt, dann soll die Ge- sundheit des Tieres im Vordergrund stehen. Wir haben aber einige Vogelarten, f\u00fcr die das neue Gesetz sogar ne- gative Folgen hat. Nehmen wir zum Beispiel die Pelikane, denen wir die Federn stutzen, damit sie nicht wegfliegen k\u00f6nnen. Ansonsten haben die Tiere die M\u00f6glichkeit, auf den gro\u00dfen Teichen v\u00f6llig frei herumzuschwimmen. Das Schneiden der Federn bereitet ihnen keinerlei Schmerzen, sondern ist vergleichbar mit dem Fingern\u00e4gel-Schneiden bei uns. Wenn man jetzt das neue Gesetz komplett um- setzt, dann d\u00fcrfen wir die Fl\u00fcgel nicht mehr beschneiden. Einzige Alternative: Ich muss die Pelikane einz\u00e4unen und somit laut Gesetz ihren Lebensraum einengen. Das kann doch niemand wollen. Wir hoffen da auf eine Sonderge- nehmigung. Einen Hund muss man ja auch im Wald an die Leine nehmen. Damit begrenze ich ihn ja auch.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Welche Gef\u00fchle haben Sie bei dem Gedanken, dass Jahr f\u00fcr Jahr 40 Millionen m\u00e4nnliche K\u00fcken wenige Mi- nuten nach ihrer Geburt \u201ageschreddert\u2018, sprich get\u00f6tet werden?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eDas ist ein ganz schwieriges Thema. Wir alle wollen Eier essen und H\u00e4hnchen haben, die gut schmecken und viel Fleisch ansetzen. Dann ist es leider\u00a0immer so bei Tierarten, bei denen wir nicht bestimmen k\u00f6nnen, ob M\u00e4nnchen oder Weibchen dabei herauskom- men, dass irgendwann \u00fcberz\u00e4hlige Tiere produziert wer- den. Auch bei uns im Zoo, wo wir ja auch z\u00fcchten, ist das der Fall &#8211; nat\u00fcrlich in viel kleinerem Rahmen. Zum Beispiel bei den Hirschen. Da brauche ich beispielsweise viele Weibchen, aber nur ein M\u00e4nnchen.\u00a0Das Geburtenverh\u00e4ltnis ist aber in der Regel 50:50. Also habe ich irgendwann zu viele M\u00e4nnchen. In der freien Natur w\u00fcrde der Vater die jungen M\u00e4nnchen dann mit Gewalt vertreiben. Das ist in einem Zoo-Gehege unm\u00f6glich. Also versuchen wir, \u00fcberz\u00e4hlige Tiere in anderen Zoos unterzubringen. Wenn uns das nicht gelingt, nehmen wir die \u00fcbersch\u00fcssigen Zootiere aus der Herde heraus, schlachten sie schmerzfrei, um sie anschlie\u00dfend an andere Tiere zu verf\u00fcttern. Das tun wir und dazu stehen wir auch.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: W\u00fcrden Sie auch \u2013 wie Ihr d\u00e4nischer Kollege \u2013 im Kopenhagener Zoo die Giraffe Marius \u2013 aus wissenschaftlichen Gr\u00fcnden vor Publikum t\u00f6ten und zerlegen lassen?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eIch selbst bin mit\u00a0dem Kollegen in Kopenhagen sehr gut\u00a0befreundet. Und die Geschichte ist ja<br \/>\nauch anders abgelaufen, als sie in der\u00a0\u00d6ffentlichkeit dargestellt wurde. Die\u00a0Giraffe war \u00fcberz\u00e4hlig und es konnte<br \/>\nauch kein seri\u00f6ser Abnehmer f\u00fcr sie\u00a0gefunden werden. Also hat man das Tier schmerzfrei geschlachtet. Und zwar im Stall und nicht etwa vor Publikum. Erst nachdem das Tier tot war, hat man es vor Besuchern, die eigens daf\u00fcr eine Schutzgeb\u00fchr bezahlt haben, hinter den Kulissen zerlegt. Ich halte das f\u00fcr wich- tig, denn der Mensch wei\u00df nicht mehr, wie ein solches Tier aufgebaut ist. Fr\u00fcher hat fast jeder einmal eine Haus- schlachtung miterlebt. Heute ist das Thema tabu. Wir wollen aufkl\u00e4ren und das tun wir auch mit einer trans- parenten Veterin\u00e4rmedizin. Warum nicht auch, wenn wir eine Obduktion machen, damit die Leute sehen, wie so ein Tier von innen aussieht? Wir operieren unsere Affen teilweise hinter einer Glasscheibe. Die Leute k\u00f6nnen zu- schauen und wir erkl\u00e4ren ihnen, was wir da gerade tun.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Also haben Sie kein Problem mit der der Vorgehens- weise Ihres Kopenhagener Kollegen?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eNein, habe ich nicht. Wir stehen dazu, dass auch wir \u00fcberz\u00e4hlige Tiere, in der Regel M\u00e4nnchen, die wir leider nicht vermitteln k\u00f6nnen, schmerzfrei und professionell schlachten und sie dann nach der Fleischbeschau durch unsere Zoo-Tier\u00e4rztin in der Decke, sprich als ganzes Tier mit Fell, an unsere Gro\u00dfkatzen verf\u00fcttern. Die amerikanischen Zoos geben ihren Gro\u00dfkatzen nur noch W\u00fcrste zu fressen, damit man blo\u00df nicht mehr wei\u00df, wo das Fleisch herkommt. Darin sind zwar alle N\u00e4hrstoffe und Mineralien enthalten, die die Tiere brauchen. Wir sind aber \u00fcberzeugt davon, dass eine nat\u00fcrliche F\u00fctterung ges\u00fcnder ist.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Im gleichen d\u00e4nischen Zoo wurde auch eine ganze L\u00f6wen-Familien get\u00f6tet, obwohl die Tiere gesund waren. Wie sehen Sie das?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eAuch das kann ich verstehen. Nach dem d\u00e4nischen Tierschutzgesetz d\u00fcrfen auch Tiere get\u00f6tet werden, die nicht verf\u00fcttert werden. Das ist bei uns noch nicht erlaubt. F\u00fcr mich geh\u00f6rt es aber zu einem or- dentlichen Populations-Management dazu, dass ich z.B. im Sinne einer gesunden Population eine \u00fcberz\u00e4hlige Katze aus der Gruppe herausnehme und diese \u2013 falls sie nicht vermittelbar ist &#8211; schmerzfrei t\u00f6ten kann. Das macjt niemand gerne! Ich bin ja nicht Tierarzt geworden, um Tiere zu schlachten. Aber in der freien Natur bekommt eine L\u00f6win viele Junge und die werdne auch nicht alle gro\u00df. Wir behelfen uns im Moment mit Verh\u00fctungsmitteln, aber das ist sicher nicht artgerecht. Und auch nicht gesund. So stellen wir bei den Weibchen ein geh\u00e4uftes Vorkommen an Geb\u00e4rmutter-Tumoren fest. Wir arbeiten daran, dass das entsprechende Gesetz ge\u00e4ndert wird.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wie stehen Sie zur Gro\u00dfwildjagd?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ich bin selbst kein J\u00e4ger. Und zur Jagd in Afrika habe ich ein gespaltenes Verh\u00e4ltnis. Ich pers\u00f6nlich kann sie nicht nachvollziehen und w\u00fcrde auch selbst nie jagen. Ich musste meine Meinung aber ein wenig revidieren. Ein Beispiel: Wir betreiben Schwarzfu\u00df-Katzen-Forschung in S\u00fcdafrika. Die Schwarzfu\u00df-Katzen leben in enem riesigen privaten Natonalpark, in dem es auch Springb\u00f6cke und Antilopen gibt, die hier ganz nat\u00fcrlich aufwachsen und sich vermehren. Und dann kommen ab und zu ein paar verr\u00fcckte &#8222;Hunter&#8220; aus Europa und den USA dorthin, um einen Springbock oder eine Antilope zu schie\u00dfen. Die zahlen daf\u00fcr dann so viel Geld, dass der Farmbesitzer den riesigen Park so nat\u00fcrlich erhalten kann wie er ist. Die Jagd hat also in diesem konkreten Fall einen durchaus postiven Aspekt. Gar nicht nachvollziehen kann ich dagegen die Gro\u00dfwildjagd auf Elefanten, Na\u00dfh\u00f6rner, L\u00f6wen und Tiger.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Kann man denn eigentlich gleichzeitig Zoodirektor und J\u00e4ger sein?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ja, das geht durchaus. Auch Tier\u00e4rzte sind h\u00e4ufig J\u00e4ger. Gerade in unseren Breitengraden gibt es keinen urspr\u00fcnglichen Lebensraum mehr. Zum Beispiel haben die Wildschweine keine nat\u00fcrlichen Feinde mehr und richten im Wald gro\u00dfe Sch\u00e4den an. Da muss der Mensch eingreifen. Mit dem NABU und den NRW-Partnerzoos sind wir ja jetzt dabei, den Menschen \u00fcber die nat\u00fcrliche R\u00fcckkehr des Wolfs aufzukl\u00e4ren. Die Menschen haben leider Angst vor diesen Tieren. Deswegen haben\u00a0wir die Aktion gestartet \u201eRotk\u00e4ppchen l\u00fcgt\u201c, um damit zu unterstreichen, dass der Wolf gar nicht b\u00f6se ist und in der Regel auch keine Menschen angreift.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Was tun Sie, um Ihren Zoo f\u00fcr die Smartphone-Generation attraktiv zu machen?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eWir wollen eine Streichel-Wiese er\u00f6ffnen, auf der die Kinder die Tiere streicheln und anfassen k\u00f6nnen. Im Campus werden wir auch Wassertiere wie den St\u00f6r oder Fluss- krebse, die aus der Wupper kommen, zum Anfassen pr\u00e4sentieren. Das alles soll begreifbarer und erlebbarer wer- den. Es wird auch eine Zoo-App und QR-Codes an den Gehegen geben, wo Kids zus\u00e4tzliche Infos in Wort und Bild \u00fcber die jeweiligen Tiere abrufen k\u00f6n- nen. Das Problem ist momentan noch, dass wir auf unserem Gel\u00e4nde kein freies W-Lan haben. Wir wollen aber am Eingang Docking-Stationen aufbauen, an denen man sich die ganzen Daten herunterladen kann. Und wir werden dann auch kleine Filme anbieten, in de- nen z.B. Operationen und Tiergeburten gezeigt werden.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie sind selbst ein Tierarzt mit exzellentem Ruf. Ihnen steht zudem mit Dr. Maya Kummrow eine sehr gute Zoo- Tier\u00e4rztin zur Seite. Wer entscheidet, wenn es um einen kniffligen Fall geht?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eGanz klar die Tier\u00e4rztin! Das haben wir ganz eindeutig so geregelt. Ich bin zwar bei vielen Operationen dabei, dann aber nur als ihr Assistent. Ich bin Tierarzt mit Leib und Seele. Aber als Direktor habe ich jetzt die M\u00f6glichkeit, mehr Einfluss zu nehmen und zu gestalten. Mir ist es ein gro\u00dfes Anliegen, den Bereich Veterin\u00e4rmedizin bei uns enorm ausbauen, deshalb ha- ben wir mit Dr. Maya Kummrow eine der besten Tier\u00e4rz- tinnen \u00fcberhaupt nach Wuppertal geholt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wo verbringen Sie Ihre Urlaube?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eIch reise gern zum Mountainbiken in die \u00f6sterreichischen Alpen. Aber ich fliege nat\u00fcrlich auch oft nach Afrika. Und dort spielen dann nat\u00fcrlich die Tiere eine gro\u00dfe Rolle.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Und welche Haustiere besitzen Sie selbst?<\/span><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz: \u201eIch halte mich ja den ganzen Tag \u00fcber im Zoo auf und bin abends oft erst sp\u00e4t zuhause. Dadurch habe ich zu wenig Zeit, um mich intensiv um Haustiere zu k\u00fcmmern. Deshalb beschr\u00e4nke ich mich zuhause auf die Haltung von Fischen und Reptilien &#8211; also im Prinzip Tiere, die auch mal ohne pers\u00f6nliche Ansprache auskommen.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Vielen Dank f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Vita<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz wurde 1964 in Berlin geboren. Dort studierte er an der Freien Universit\u00e4t (FU) Veterin\u00e4rmedizin. 1994 promovierte er. Anschlie\u00dfend praktizierte Dr. Lawrenz zun\u00e4chst in einer Kleintier-Praxis, anschlie\u00dfend in einer Pferdeklinik. Danach ging er f\u00fcr eineinhalb Jahre nach S\u00fcdafrika, um das dort das Verhalten der Schwarzfu\u00df-Katzen zu erforschen. 1998 wurde Dr. Arne Lawrenz Tierarzt des Wuppertaler Zoo. Seit dem 01. M\u00e4rz 2013 ist er Zoo-Direktor. Der renommierte Tiermediziner ist u.a. Leiter der \u201eDeutschen Gesellschaft f\u00fcr Zoo-Tier-,\u00a0Wildtier- und Exoten-Medizin\u201c.\u00a0Dr. Arne Lawrenz ist verheiratet. Ehefrau Bettina, ebenfalls Tier\u00e4rztin, arbeitet in der Forschung bei Bayer. Sohn Vito (17), der sozusagen im\u00a0Zoo gro\u00df geworden ist, m\u00f6chte auch Tierarzt werden.\u00a0Die Hobbys von Dr. Arne Lawrenz: Sportarten wie Mountainbiken und Joggen, Tierfotografie sowie reisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Arne Lawrenz kennt keine Kompromisse, wenn es um das Wohl seiner Tiere geht. Er ist engagierter Zoodirek- tor und leidenschaftlicher Tierarzt. 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