{"id":64700,"date":"2024-06-02T05:43:26","date_gmt":"2024-06-02T03:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=64700"},"modified":"2025-05-31T12:29:04","modified_gmt":"2025-05-31T10:29:04","slug":"oliver-fleischer-gefragt-als-tv-star-und-sargtraeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2024\/06\/02\/oliver-fleischer-gefragt-als-tv-star-und-sargtraeger\/","title":{"rendered":"Oliver Fleischer: Gefragt als Schauspieler &#038; Sargtr\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_64709\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-64709\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/OB22_OFleischer_0406_LRCD-73-2-1024x715.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"715\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Strahlt Zufriedenheit und Gelassenheit aus: Der Schauspieler Oliver Fleischer &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p>Oliver Fleischer ist kein Typ von der Stange. Er entstammt nicht einer K\u00fcnstler-Familie, die ihm den Weg auf die Theaterb\u00fchne auf vor die TV- und Kino-Kameras leicht h\u00e4tte ebnen k\u00f6nnen. Seine Eltern sind Beamte, die es lieber gesehen h\u00e4tten, dass ihr Sohnemann einen &#8222;anst\u00e4ndigen&#8220; Beruf ergreift.<\/p>\n<p>Oliver Fleischer wuchs in Bottrop, im tiefsten Ruhrpott auf, weit weg von den Medien- und Kultur-Metropolen M\u00fcnchen, Hamburg oder Berlin. Er konzentrierte sich zun\u00e4chst auf seine Sportarten Handball und American Football, die er durchaus mit Achtungserfolgen aktiv betrieb. Seinen gro\u00dfen Traum, Schauspieler zu werden, verlor er aber nie aus den Augen. Als sich die erste Chance bot, griff er mit beiden H\u00e4nden zu.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Im Rahmen unserer Interview-Reihe &#8222;HAND AUFS HERZ&#8220; haben wir uns mit dem erfolgreichen, sympathischen Schauspieler \u00fcber sein Leben, seine Karriere, seinen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Nebenjob Sargtr\u00e4ger und vieles mehr unterhalten.<\/p>\n<p><b>DS: Fassettenreicher und bunter kann eine Vita kaum sein. Sie waren S\u00e4nger einer Metal-Band. Wie hiess die Combo und welchen Bezug haben Sie heute noch zur Musik?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Die Band hatte gar keinen Namen. Wir haben einfach in einem Bottroper Bunker sehr laut Musik gemacht. Ich liebe Musik nach wie vor. Ich spiele seit eineinhalb Jahren am Jugendtheater Bonn im Kindermusical &#8218;Jim Knopf und Lukas der Lokomotivf\u00fchrer&#8216; mit. Da singe und spiele ich den Lukas. Das mache ich meiner Tochter Matilda (10) zuliebe. Sie hat mich gefragt, ob ich nicht auch einmal in einem St\u00fcck, das ihr gef\u00e4llt, mitspielen k\u00f6nnte. Als dann die Anfrage kam, habe ich sofort zugesagt.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sie waren auch einmal Verteidiger in einem American Football-Team. An Ihnen gab es doch sicher kein Vorbeikommen?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Leider doch! Meine Gegenspieler waren ja auch keine kleinen Heringe, sondern richtig kr\u00e4ftige Kerle. Vorher habe ich bis zu meinem 18. Lebensjahr in der Handball-Jugendmannschaft des VfB Bottrop Kreisl\u00e4ufer gespielt.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Und wie sind Sie dann deim American Football gelandet &#8211; also vom Handball beim Pigskin?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer (lacht): &#8222;Durch den Film &#8222;Sie nannten ihn M\u00fccke&#8220; mit Bud Spencer. Diese witzige Kom\u00f6die hat mich inspiriert. Ich musste dann aber feststellen, dass der American Football auf der Leinwand mit dem Spiel in der Realit\u00e4t nichts zu tun hat. Ich war gut acht Jahre als American Football-Crack aktiv und habe f\u00fcr Bochum und Berlin in der 2. Bundesliga gespielt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_64710\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-64710\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/OB22_OFleischer_0406_LRCD-134-2-1024x528.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"528\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Oliver Fleischer: Liebt Comedy und Kom\u00f6dien, ist aber auch privat ein sehr humorvoller Mensch &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie kommt man als Spro\u00df einer Beamtenfamilie auf die Theaterb\u00fchne oder vor die TV-Kamera?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Das fragen sich meine Eltern immer noch. Die Schauspielerei war eigentlich seit jeher mein Ziel. Aber das war in einer Stadt wie Bottrop sehr weit weg. Ich wollte aber auf keinen Fall, wie einige in meiner Familie, ein Leben lang den W\u00fcnschen und Tr\u00e4umen erfolglos hinterherlaufen, um dann am Ende sagen zu m\u00fcssen: Ach, h\u00e4tte ich mal! Deshalb kam irgendwann der Punkt, an dem ich f\u00fcr mich entschieden habe: Ich mache es jetzt einfach, ich habe nichts zu verlieren. Und dann gab es zum Gl\u00fcck Leute, die gesagt haben: &#8218;Mensch, Du hast echt Talent, Du packst das&#8216;. Das hat mich best\u00e4rkt, meinen Weg weiter zu gehen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sie sind kein Autodidakt, sondern haben professionellen Schauspielunterricht bei Friedrich-Wilhelm Junge und J\u00f6rg Mihan genossen. Warum war Ihnen eine fundierte Ausbildung wichtig?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Irgendwie bin ich doch ein St\u00fcck weit Autodidakt. Denn ich habe meine Schauspielausbildung vorzeitig abgebrochen, weil das das Angebot bekam, eine Theaterrolle zu \u00fcbernehmen. Und da konnte ich nicht widerstehen. Ich bin dann doch zum Autodidakt geworden und habe bei der Arbeit gelernt. Als ich dann in M\u00fcnchen engagiert war, kamen Leute von der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung &#8211; K\u00fcnstlervermittlung) im Theater vorbei, fanden meine Arbeit gut und so habe ich dann mein G\u00fctesiegel bekommen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sie sollen sich auf die Anzeige &#8222;M\u00e4nnlicher Schauspieler f\u00fcr Zweimannst\u00fcck &#8218;Mein Fleisch &#8211; mein Bett&#8216; gesucht&#8220; beworben haben. Stimmt die Geschichte?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Genau so war das. Ich bin in die Ernst-Busch-Schauspielschule gegangen, um mir dort ein Anmeldeformular abzuholen. Und dort am Schwarzen Brett hing die besagte Anzeige. Das St\u00fcck spielte in einem Boxring und war eine ganz sch\u00f6n abgedrehte Nummer. Mein Schauspiel-Partner war ein Dozent der Ernst-Busch-Schauspielschule.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Einem breiten Publikum sind Sie durch Comedy-Rollen wie in &#8222;Pastewka&#8220; mit Anke Engelke und Bastian Pastrewka und als Partner von Oliver Pocher im Kinofilm &#8222;Vollidiot&#8220; bekannt geworden. Sie haben aber immer Wert darauf gelegt, auch ernste Rollen zu spielen, warum?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Weil ich nicht auf ein Genre festgelegt werden wollte. Dieser Beruf bietet einem eine wundersch\u00f6ne, spannende Bandbreite. Ich bin immer noch dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, neben Olli Pocher die Hauptrolle in &#8222;Vollidiot&#8220; zu spielen. Durch diesen Kino-Erfolg konnte ich auf gro\u00dfer B\u00fchne auf mich aufmerksam machen. Ich mag Comedy und Kom\u00f6die total gerne, weil nichts schwieriger ist, als die Leute zum Lachen zu bringen. Es kommt dabei auf das richtige Timing an. Die gr\u00f6\u00dften Kom\u00f6dianten sind im normalen Leben ernsthafte Menschen gewesen, die f\u00fcr ihren Job hart gearbeitet haben. In jeder Kom\u00f6die liegt schlie\u00dflich immer auch eine gewisse Tragik. Die Schadenfreude spielt da eine gro\u00dfe Rolle.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_64711\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64711\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/OB22_OFleischer_0406_LRCD-54-2.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"753\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Oliver Fleischer \u00fcberzeugt durch seine Vielseitigkeit &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie wertvoll sind heutzutage die Referenzen, dass Sie auch in klassischen Rollen als &#8222;Mephisto&#8220; (Urfaust) oder als K\u00f6nig Theseus (Shakespeares &#8222;Der Sommernachtstraum&#8220;) auf der Theaterb\u00fchen voll \u00fcberzeugt haben?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer. &#8222;Nat\u00fcrlich bin ich froh dar\u00fcber, dass ich damit die M\u00f6glichkeit hatte, meine darstellerische Bandbreite zu pr\u00e4sentieren. So konnte ich beweisen, dass ich mehr kann, als nur den lustigen, dicken Kumpel-Typen darzustellen. Aber ob das nun Referenzen sind, die ausreichen, um Charakter-Regisseure dazu zu bringen, mich jetzt f\u00fcr klassische Theater-Rollen anzufragen, kann ich nicht beurteilen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: In Ihrer ellenlangen Filmografie fehlt kaum eine popul\u00e4re TV-Serie: &#8222;Tatort&#8220;, &#8222;Ein Fall f\u00fcr zwei&#8220;, &#8222;Wilsberg&#8220;, &#8222;Der letzte Bulle&#8220;, &#8222;Notruf Hafenkante&#8220;, &#8222;In aller Freundschaft&#8220; &#8211; um nur ein paar zu nennen, dazu kommen Kino- und Fernsehfilme. Worauf sind Sie besonders stolz?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Stolz bin darauf, dass ich \u00fcber all die Jahre noch in meinem Beruf arbeiten darf und dass ich mich ein St\u00fcck weit in der Branche etablieren konnte. Ich liebe meinen Beruf und er macht mir jede Menge Spa\u00df. Und das jeden Tag.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sie haben dreimal den Deutschen Comedy-Preis und zweimal den Deutschen Fernsehpreis gewonnen, wie wichtig sind Ihnen diese Auszeichnungen?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ganz ehrlich: Diese Auszeichnungen machen mich stolz und ich freue mich wahnsinnig dar\u00fcber. Es waren vier Preise f\u00fcr &#8222;Danni Lowinski&#8220; als beste Serie und eine f\u00fcr &#8222;Beste Schwestern&#8220;. Hinter jeder Serie steht ja immer ein komplettes Team. Ich bin nun einmal ein Teamplayer. Ich freue mich deshalb mit der ganzen Mannschaft, als h\u00e4tten wir eine Meisterschaft gewonnen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Gibt es ein Film-Genre, das Sie noch nicht bedient haben? <\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ich habe bisher noch nicht in einem Tanz- oder Musikfilm mitgewirkt und ich stand erst zweimal in einem Historienfilm vor der Kamera. Beide Male habe ich den NS-Verbrecher Hermann G\u00f6ring gespielt, einmal in einer niederl\u00e4ndischen TV-Serie und einmal in einem Film, der noch dieses Jahr in die Kinos kommt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_64712\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64712\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Oliver-Fleischer-2-796x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"836\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Oliver Fleischer ist ein sympathischer Typ, doch er kann auf der B\u00fchne oder vor der Kamera auch Fieslinge und zwielichtige Gesellen \u00fcberzeugend darstellen &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Gibt es f\u00fcr Sie so etwas wie ein Traumrolle, die Sie gerne einmal spielen w\u00fcrden?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ich bin ein gro\u00dfer Fan von Peter Ustinow und fand ihn in dem Film-Klassiker &#8222;Quo vadis&#8220; als Kaiser Nero sagenhaft gut. Diese Rolle reizt mich sehr, daf\u00fcr w\u00fcrde ich sogar Leier spielen lernen.&#8220; (lacht)<\/p>\n<p><b>DS: Sie haben nicht gerade eine Figur wie eines Ballett-T\u00e4nzers. Bedeutet das, dass Sie sich, so wie Sie sind, wohl in Ihrer Haut f\u00fchlen oder haben Sie den Kampf gegen Kalorien und Pfunde ganz einfach aufgegeben?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Der Kampf habe ich nicht aufgegeben. Ich f\u00fchle mich tats\u00e4chlich nicht immer wohl in meiner Haut, aber immerhin zu 90 Prozent. Ich denke, so f\u00fchlen sich die meisten. Aber ich weiss auch, dass ich etwas tun muss. Im Vergleich zu Zeiten, in denen ich als Danni Lowinski vor der Kamera stand, habe ich schlie\u00dflich 40 Kilo abgenommen. Ich habe meine Ern\u00e4hrung umgestellt, treibe auch wieder regelm\u00e4\u00dfig Sport. Ich achte jetzt mehr auf meine Gesundheit als fr\u00fcher. Schon allein, weil ich meiner Tochter Matilda und meiner Lebensgef\u00e4hrtin Julia noch lange erhalten bleiben m\u00f6chte.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Woran lag es denn \u00fcberhaupt, dass die Waage nicht Ihr bester Freund war?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Nach dem Sport habe ich \u00f6fter die Kontrolle verloren und mich falsch ern\u00e4hrt. Ich bin ein Genussmensch und liebe das Leben. Lecker essen, guten Wein oder ein k\u00fchles Bierchen trinken. Und auch die Stadionwurst in der Veltins-Arena bei einem Spiel meines Lieblingsvereins FC Schalke 04 habe ich mir gerne geg\u00f6nnt. Au\u00dferdem feiere ich gern mit Freunden. Ich bin halt ein Kind des Ruhrpotts. Ich musste erst lernen, das alles in Ma\u00dfen zu geschehen hat. Schlie\u00dflich brauche ich auch auf der B\u00fchne eine gewisse Fitness, um genug Luft zu haben, zum Herumspringen, Singen, Tanzen und Sprechen\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Sie haben einen Nebenjob, der &#8211; gelinde gesagt &#8211; nicht ganz allt\u00e4glich ist. Sie arbeiten als Sargtr\u00e4ger. Das sind in Regel alte M\u00e4nner, die sich damit ihre Rente aufbessern. Wie kommen Sie an diesen ungew\u00f6hnlicen Job?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ganz einfach: Ich habe mit meiner Ex-Frau in Haan gewohnt. Als dort eines Tages ein Sargtr\u00e4ger gesucht wurde, hat man mich angesprochen. Da habe ich mir gesagt: &#8218;Okay, da mache ich mal mit&#8216;. Und jetzt bin ich seit einigen Jahren dabei.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was verdient man denn eigentlich so als Sargtr\u00e4ger?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ich bekomme rund 30 Euro pro Stunde wie jeder andere auch. L\u00e4nger als 60 Minuten dauert eine Beerdigung in der Regel auch nicht. Ich kriege da auch keinen Promi-Zuschlag. Will ich auch gar nicht. Ganz ehrlich: Der Job als Sargtr\u00e4ger hat mir in Zeiten der Covid-19-Pandemie, als ich kein Theater spielen konnte und TV-Produktionen auf Sparflamme liefen, das Leben finanziell erheblich erleichtert.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie kann man sich als Normalsterblicher den Arbeitsablauf eines Sargtr\u00e4gers vorstellen?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Wir Sargtr\u00e4ger m\u00fcssen jeweils eine Viertelstunde vor der Beerdigung vor Ort sein. Wir sind zu viert und tragen alle einen dunklen Anzug, ein wei\u00dfes Hemd und eine schwarze Krawatte. In Sonderf\u00e4llen haben wir auch einmnal einen Hut oder Zylinder auf, die dann aber gestellt werden. Wir schauen wir uns Gegebenheiten an und stimmen uns mit dem Bestatter ab. Die Trauerfeier dauert in der Regel 25 Minuten. Danach tragen wir den Sarg oder die Urne aus der Trauerhalle. Anschlie\u00dfend schreiten wir &#8211; gefolgt von der Trauergemeinde &#8211; w\u00fcrdevollen Schrittes zum vorbereiteten Grab. Mittlerweile bin ich in Wuppertal, Haan, Solingen, Meerbusch und auch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Kamp-Lintfort im Einsatz.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_64713\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64713 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/OB22_OFleischer_0406_LRCD-106-2-1024x636.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"636\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Es gibt kaum eine erfolgreiche TV-Serie, in der Oliver Fleischer noch keinen Auftritt hatte &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wirkt sich diese N\u00e4he zum Tod auf irgendeine Weise auf Ihr Leben aus?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Man bekommt hautnah die Trauer der Menschen mit, das perlt nicht so einfach an einem ab. Einiges bleibt im Hinterkopf h\u00e4ngen. Ich pers\u00f6nlich habe durch diesen Job die Angst und die Reserviertheit vor dem Tod verloren. Mir ist voll und ganz bewusst, dass das Leben endlich ist. Es kann leider jeden erwischen. Der Tod ist nicht fair, vor dem Tod sind wir alle gleich &#8211; ob arm oder reich, jung oder alt. Einfach dankbar f\u00fcr jeden Tag sein\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Sind Sie denn auf dem Friedhof schon um Autogramme oder Selfies gebeten worden?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Nein, das bin ich noch nicht. Das liegt einmal daran, dass die Menschen bei einer Trauerfeier in ihrer eigene Welt sind und keinen Blick f\u00fcr andere Dinge haben. Der zweite Grund: Die Leute kennen mich zwar irgendwoher, k\u00f6nnen mich aber in dem Moment nicht zuordnen. Beim Stichwort Schauspieler f\u00e4llt es Ihnen dann meistens ein. Abgesehen davon w\u00fcrde ich aus Piet\u00e4tsgr\u00fcnden im Rahmen einer Trauerfeier keine Autogramme schreiben oder Selfies mit mir machen lassen. Es kommt aber vor, dass mich Bestatter fragen: &#8218;Sie kommen mir so bekannt vor. Sie sind nicht Schauspieler?'&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Inwieweit hat der brutale russische Angriffskrieg auf die Ukraine Ihre Sichtweise oder Gef\u00fchlslage ver\u00e4ndert?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Mir ist klar geworden, dass wir uns so sicher, wie wir uns immer gef\u00fchlt haben, nie wieder werden f\u00fchlen k\u00f6nnen. Der letzte Krieg war 1945 zu ende. Meine Eltern sind schon Nachkriegskinder. Wir alle sind im Frieden gro\u00df geworden. Es zeigt sich, wie wertvoll Frieden ist und auch wie wertvoll unsere Demokratie ist, wir nehmen sie leider als Selbstverst\u00e4ndlichkeit wahr. Wir mussten nie daf\u00fcr k\u00e4mpfen, wie jetzt die vielen bemitleidenswerten Menschen in der Ukraine.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was machen Sie, wenn Sie nicht auf B\u00fchne oder vor der Kamera stehen und auch keine S\u00e4rge zu Grabe tragen?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Dann verbringe ich sehr gerne Zeit mit meiner Partnerin Julia, meiner Tochter Matilda, mit meinen Freunden, besuche Fu\u00dfballspiele des FC Schalke 04, dessen Fan ich von Kindesbeinen an bin. Ich gehe auch gern einmal segeln. Und ich koche leidenschaftlich. Genossen habe ich es sehr, dass ich w\u00e4hrend der Corona-Pandemie eine Online-Weinprobe moderieren durfte. Ich konnte mir dabei ein wenig Wein-Wissen erschnuppern. Das war sehr interessant und hat mir viel Spa\u00df gemacht. Auf den Punkt gebracht: Ich geniesse einfach das Leben, ich arbeite sehr gerne und versuche aus jedem Tag den besten zu machen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_64714\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64714\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/OB22_OFleischer_0205_Fin07-2-720x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"926\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Im Gerbst ist Oliver Fleischer als Hermann G\u00f6ring auf der Kino-Leinwand zu sehen &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Sie leben inzwischen in M\u00fcnster. Was hat Sie in diese sch\u00f6ne Stadt verschlagen?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ganze einfach die Liebe. Meine Partnerin Julia, eine Diplom-Sozialp\u00e4dagogin, lebt und arbeitet dort. Deshalb bin ich sehr gerne nach M\u00fcnster gezogen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was k\u00f6nnen Ihre Fans als N\u00e4chstes von Ihnen erwarten?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Wahrscheinlich im Herbst kommt der Film &#8222;F\u00fchrer und Verf\u00fchrer&#8220; in die Kinos, in dem ich den NS-Bonzen Hermann G\u00f6ring darstelle. Drehort war Bratislava, Hauptstadt der Slowakei. Und dann bin ich ab Mai in der beliebten ARD-Heimat-Serie &#8222;Daheim in den Bergen&#8220; zu sehen. Da spiele ich einen Koch.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wenn jetzt die ber\u00fchmte Fee um die Ecke k\u00e4me und Sie h\u00e4tten einen Wunsch frei, was w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen?<\/b><\/p>\n<p>Oliver Fleischer: &#8222;Ich h\u00e4tte einen ganz einfachen Wunsch und zwar: Zufriedenheit! Zufriedenheit in allen Belangen. Wenn man mit seiner Gesundheit, mit seiner finanziellen Situation, mit seinem Leben, mit seinem Privatleben, mit seinem Beruf zufrieden ist und sich auch zufrieden f\u00fchlt, ist doch alles perfekt. Mehr braucht man nicht. Und wenn man nicht zufrieden ist, muss man versuchen, das zu \u00e4ndern.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das offene, interessante und informative Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte PETER PIONKE<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Vita Oliver Fleischer<\/h4>\n<p>Oliver Fleischer wurde am 29. Mai 1974 in Bottrop geboren. Er stammt aus einer Beamtenfamilie. Er spielte bis zu seinem 18. Lebensjahr beim VfB Bottrop Handball und war zeitweise S\u00e4nger in einer Heavy Metal-Band.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend spielte er acht Jahre American Football in der 2. Bundesliga in Bochum und Berlin. In der Bundeshauptstadt begann er auch eine Schauspiel-Ausbildung bei Friedrich-Wilhelm Junge und J\u00f6rg Mihan, die er aber nicht abschlo\u00df, weil ihm ein interessantes Theater-Engagement angeboten wurde.<\/p>\n<p>Klassische Rollen spielte er u.a. in &#8222;Urfaust&#8220; (Mephisto) im Staatstheater Dresden und in William Shakespeares &#8222;Ein Sommernachtstraum&#8220; (K\u00f6nig Theseus) an den Kammerspielen Bochum.<\/p>\n<p>Seit 2003 ist Oliver Fleischer auch regelm\u00e4ssig auf der Kinoleinwand und im Fernsehen present. 2004 drehte er seinen ersten Kino-Film: &#8222;Die Zeit nach der Trauer&#8220; (Regie: Beate Fichtner-Neumann). Einer breiten \u00d6ffentlichkeit wurde er als Partner von Comedian Oliver Pocher in der Kino-Kom\u00f6die &#8222;Vollidiot&#8220; (2007) bekannt.<\/p>\n<p>Er \u00fcberzeugte auch in dem Comedy-Format &#8222;Pastewka&#8220; an der Seite von Anke Engelke und Bastian Pastewka.<\/p>\n<div id=\"attachment_64718\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64718 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/OB22_OFleischer_0406_LRCD-54.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"403\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Oliver Fleischer &#8211; \u00a9 Oliver Betke<\/span><\/div>\n<p>Oliver Fleischer erhielt dreimal den Deutschen Comedy-Preis und einmal den Deutschen Fernseh-Preis f\u00fcr &#8222;Danni Lowinski&#8220; (Sat 1 &#8211; 5 Staffeln &#8211; 65 Episoden) als beste TV-Serie. Hier spielte er die Figur Nils Polga. Au\u00dferdem erhielt er den Deutschen Fernseh-Preis f\u00fcr seine Mitwirkung in der RTL-Serie &#8222;Beste Schwestern&#8220; (2018 &#8211; 2019).<\/p>\n<p><strong>Ausschnitt aus seiner umfangreichen Filmografie:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Adelheid und ihre M\u00f6rder&#8220; (ARD-TV-Serie) &#8211; &#8222;Vollidiot&#8220; (Kino-Film) &#8211; &#8222;SOKO K\u00f6ln&#8220; (ZDF-TV-Serie) &#8211; &#8222;Ein Fall f\u00fcr zwei&#8220; (ZDF-TV-Serie u.a. mit Claus-Theo G\u00e4rtner) &#8211; &#8222;Kommissar Stolberg&#8220; (ZDF-TV-Serie u.a. mit Rudolf Kowalski) &#8211; &#8222;Flirtcamp&#8220; (TV-Film u.a. mit Kai Wiesinger) &#8211; &#8222;Die Superbullen&#8220; (Kino-Film u.a. mit Tom Gerhardt u. Axel Stein) &#8211; &#8222;Mein Song f\u00fcr Dich&#8220; (Kino-Film u.a. mit Jeanette Biedermann) &#8211; &#8222;Kein Sex ist auch keine L\u00f6sung&#8220; (Kino-Film u.a. mit Corinna Harfouch u. Armin Rohde) &#8211; &#8222;Tatort &#8211; Das Wunder von Wolbeck&#8220; (ARD-TV-Serie mit u.a. Axel Prahl u. Jan-Josef Liefers) &#8211; &#8222;Notruf Hafenkante&#8220; (ZDF-TV-Serie) &#8211; Inga Lindstr\u00f6m&#8220; (ZDF-TV-Reihe) &#8211; &#8222;Das beste St\u00fcck vom Braten&#8220; (TV-Film mit u.a. mit Herbert Knaup u. Martin Brambach) &#8211; &#8222;Wilsberg&#8220; (ZDF-TV-Serie u.a. mit Leonard Lansink) &#8211; &#8222;Heldt&#8220; (ZDF-TV-Serie u.a. mit Janine Kunze u. Kai Schumann) &#8211; &#8222;Falk&#8220; (ARD-TV-Serie u.a. mit Peter Prager) &#8211; &#8222;Luther&#8220; (ZDF-TV-Serie u.a. mit Joachim Kr\u00f3l) &#8211; &#8222;Danni Lowinski&#8220; (Sat 1-TV-Serie u.a. mit Annette Frier) &#8211; &#8222;Der letzte Bulle&#8220; (Sat 1-TV-Serie mit Henning Baum) &#8211; &#8222;Beste Schwestern&#8220; (RTL-TV-Serie u.a. mit Mirja Boes) &#8211; &#8222;In aller Freundschaft&#8220; (ARD-TV-Serie) &#8211; &#8222;Gro\u00dfstadtrevier&#8220; (ARD-TV-Serie) &#8211; &#8222;Daheim in den Bergen&#8220; (ARD-TV-Serie).<\/p>\n<p>Oliver Fleischer hat einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Nebenjob: Er ist Sargtr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Er hat eine zehnj\u00e4hrige Tochter aus 1. Ehe (Matilda). Er wohnt mit seiner Lebengef\u00e4hrtin Julia, einer Diplom-Sozialp\u00e4dagogin, in M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Seine Hobbys: Segeln, Kochen, seine Freizeit mit Tochter Matilda, Partnerin Julia oder Freunden verbringen, Spiele des Fu\u00dfball Bundesligisten FC Schalke 04 besuchen, dessen Fan er von Kindesbeinen an ist.<\/p>\n<p><strong>Link zur Homepage von Oliver Fleischer:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oliver-fleischer.de\">http:\/\/www.oliver-fleischer.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist ein echter Pfundskerl, der mit beiden Beinen im Leben steht. Nicht selten verk\u00f6rpert Oliver Fleischer (48) in Kino- und TV-Filmen den netten Kumpel von nebenan. Doch er kann auch anders. Seine schauspielerische Bandbreite ist enorm. Das hat er oft genug bewiesen. Und er hat ein Alleinstellungsmerkmal: Oliver Fleischer ist mit Sicherheit Deutschlands bekanntester Sargtr\u00e4ger.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-64700","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-09 06:58:45","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64700"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84364,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64700\/revisions\/84364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}