{"id":64641,"date":"2023-04-18T23:17:33","date_gmt":"2023-04-18T21:17:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=64641"},"modified":"2023-04-24T15:21:10","modified_gmt":"2023-04-24T13:21:10","slug":"schutz-vor-fake-news-jede-sprache-ist-irgendwo-manipulativ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/04\/18\/schutz-vor-fake-news-jede-sprache-ist-irgendwo-manipulativ\/","title":{"rendered":"Schutz vor Fake News: Jede Sprache ist irgendwo manipulativ"},"content":{"rendered":"<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div>\n<div id=\"attachment_64650\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64650 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Erlemann-2-1024x775.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"775\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Theologe Kurt Erlemann &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Autor Uwe Blass hat sich in der Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit dem spannenden Thema befasst. &#8218;Die Mondlandung gab es nicht`, \u00b4Elvis lebt` oder \u00b4Krebs l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich behandeln`, sind nur drei Beispiele von Falschmeldungen, die viele Menschen an der Wahrheit zweifeln lassen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nachrichten zum Kriegsgeschehen in der Ukraine k\u00f6nnen nicht auf ihren Wahrheitsgehalt \u00fcberpr\u00fcft werden, zur Coronapandemie hat es in den vergangenen Jahren unz\u00e4hlige Meldungen gegeben, die mehr verwirren als aufkl\u00e4ren. Die Bundesregierung hat f\u00fcr den Umgang mit Desinformationen sogar eine eigene Internetseite eingerichtet.<\/div>\n<p>Was k\u00f6nnen wir also noch glauben? Mit diesem Thema setzt sich eine Ringvorlesung der Bergischen Universit\u00e4t auseinander, die unter Leitung des Theologen Prof. Dr. Kurt Erlemann in der Citykirche Elberfeld organisiert wurde und in zehn Vortr\u00e4gen Verst\u00e4ndnishilfen anbietet.<\/p>\n<h4>Gibt es objektive Wahrheiten?<\/h4>\n<div class=\"ti-body\">\n<p>\u201eDas, was wir im Moment erleben, ist\u201c, sagt Kurt Erlemann, \u201edass wir glaubw\u00fcrdige und unglaubw\u00fcrdige Meldungen nicht mehr unterscheiden k\u00f6nnen!\u201c Verschw\u00f6rungstheorien und Kriegspropaganda seien f\u00fcr den Nutzer oft nicht mehr erkennbar, unseri\u00f6se Nachrichtenkan\u00e4le pushen zudem diese Informationen und es gehe in der Ringvorlesung darum, die Unterschiede der Berichterstattung aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eMit den Referent*innen wollen wir das herausarbeiten.\u201c Dazu komme die Frage nach dem grunds\u00e4tzlichen Wahrheitsgehalt einer Information. Erlemann macht es an einem einfachen Beispiel deutlich: \u201eNehmen wir einen Verkehrsunfall. Die Polizei kommt, befragt drei Zeugen zum Geschehen und bekommt drei unterschiedliche Versionen. Also Wahrheit ist immer auch etwas Subjektives, und die Frage ist: Was bedeutet das nun f\u00fcr den Erkenntnisgewinn, f\u00fcr die Vertrauensw\u00fcrdigkeit von Wahrheit, wenn wir wissen, sie ist immer perspektivisch. Sie ist nie in diesem Sinn objektiv, denn das kann sie nicht sein.\u201c<\/p>\n<h4>Inhalte verstehen lernen<\/h4>\n<p>Ziel dieser Vortragsreihe ist die St\u00e4rkung der Kompetenz von Studierenden und von Menschen im Berufsleben, kulturelle Inhalte zu verstehen und zu vermitteln. Dabei weist schon der Titel der Reihe auf das Problem hin. Was k\u00f6nnen wir noch glauben in Bezug auf faktuales und fiktionales Erz\u00e4hlen?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Welchen Wahrheitsgehalt hat Werbung, vertritt Journalismus, erhalten wir \u00fcber Social Media, propagiert Propaganda oder verneinen Fake News? Um dies zu erl\u00e4utern, w\u00e4hlte Erlemann eine interdisziplin\u00e4re Vorgehensweise und engagierte einen illustren Referentenkreis mit ausgewiesenen Fachleuten.<\/p>\n<p>\u201eWir haben Beitr\u00e4ge aus der Erz\u00e4hlforschung -also was ist z.B. der Wahrheitsanspruch einer Erz\u00e4hlung im Unterschied zu einem journalistischen Bericht?-, wir haben Rhetoriker, Kommunikationsdesigner, Philosophen, Linguisten, Diskursanalytiker, Unternehmensberater, Lehramtsausbilder, wir haben Fachleute aus Funk und Fernsehen, Journalisten sowie Politikberater an Bord. Das ganze Thema Wahrheit ist multiperspektivisch zu betrachten, und so gehen wir es auch an.\u201c<\/p>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<div id=\"attachment_64651\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 578px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64651\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Ringvorlesung-Fake-news-Plakat-725x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"568\" height=\"802\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Plakat zur Ringvorlesung &#8211; \u00a9\u00a0UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Unterschieden werden schriftliche Genres, die zeigten, dass M\u00e4rchen nicht gleich Pressemeldungen seien, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler. Es gehe um Manipulationen, deren Motive, M\u00f6glichkeiten und Formen beleuchtet w\u00fcrden, denn, so sagt er: \u201eJede Sprache ist irgendwo manipulativ, aber es gibt Grenzen des Seri\u00f6sen, und das gilt es herauszufinden.\u201c Alle Vortr\u00e4ge bieten Interaktion und arbeiten mit plausiblen Beispielen f\u00fcr die Zuh\u00f6rerschaft.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<h4>Eine verl\u00e4ssliche Wahrheit<\/h4>\n<p>Die Ringvorlesung will den Menschen eine Orientierungshilfe bei der Frage, was eine \u00b4verl\u00e4ssliche Wahrheit` ist, geben. Erlemann formuliert es so: \u201eVerl\u00e4sslich ist Wahrheit dann, wenn der Inhalt des Gesagten bzw. Geschriebenen \u00fcberpr\u00fcfbar ist, wenn seine Entstehung transparent ist und wenn seine Wirkung kongruent ist, das hei\u00dft: wenn sich das Gesagte oder Geschriebene nicht als Illusion oder schlichtweg als falsch herausstellt. Wahrheit im christlich-theologischen Sinne ist etwas, was verl\u00e4sslich ist, was in seiner Wirkung heilsam ist. Da hat man auch schon ein gutes Kriterium, um zwischen einer verl\u00e4sslichen Wahrheit und Propaganda zu unterscheiden, denn Propaganda dient nicht unbedingt einem heilsamen Zweck.\u201c<\/p>\n<h4>Zielgruppenansprache mit Wuppertaler Start-up<\/h4>\n<p>In Zeiten der Digitalisierung erreichen uns heute viele Nachrichten \u00fcber Social Media- Plattformen. Twitter, Tik Tok und Co. haben aber auch ihre T\u00fccken, verbreiten oftmals Unwahrheiten und heizen die Userstimmung dadurch auf.<\/p>\n<p>Unter dem Titel \u201eAlles, was im Internet steht, ist wahr\u201c berichtet z.B. Sophia Klewer, Mitarbeiterin im Wuppertaler Start-up-Unternehmen PREVENCY\u00ae GmbH, \u00fcber die Chancen und Risiken der sozialen Medien und deren Einfluss auf unser Verst\u00e4ndnis von Wahrheit. \u201eDurch Social Media erreicht man eine ganz andere Dimension von Kommunikation\u201c, erkl\u00e4rt Erlemann, \u201eund die ist nicht immer nur positiv.\u201c<\/p>\n<h4>Fake News erkennen<\/h4>\n<p>Ein anderer Vortrag besch\u00e4ftigt sich mit Fake News, die immer mehr Bedeutung auch im schulischen Unterricht einnehmen, die man aber erst einmal sprachlich erkennen muss. \u201eWenn man sich nur die Genderdebatte anschaut, wird uns ja von allen Seiten gezeigt, wie Sprache auch bestimmte Klischees, Wirklichkeiten, Bilder und Vorurteile transportiert, deren wir uns nicht immer bewusst sind. Das hat tats\u00e4chlich einen Einfluss auf unsere Sicht von Wirklichkeit, auf die Art und Weise, wie wir mit Sprache umgehen\u201c, sagt Erlemann.<\/p>\n<p>Eine besondere Anforderung komme dabei auf das Lehrpersonal an Schulen zu, deren wichtige Aufgabe darin bestehe, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in diese Richtung zu sensibilisieren, denn Verschw\u00f6rungstheorien bestimmten nicht selten auch den Diskurs in Schule und Unterricht.<\/p>\n<h4>Propaganda \u2013 eine manipulative Sprachnutzung<\/h4>\n<p>Auch das Thema Propaganda nimmt die Ringvorlesung auf. Gerade im Hinblick auf den Ukraine-Krieg ist es f\u00fcr Jung und Alt schwierig, Wahrheiten zu erkennen. Dr. Bernd Zywietz, Leiter des Bereichs Politischer Extremismus vom Verein Netzwerk Terrorismusforschung informiert \u00fcber die Geschichte des Begriffs und dessen Entwicklung bis zur heutigen Nutzung in den Sozialen Medien. Der Vortrag bietet u.a. auch Hilfestellungen, um mit manipulativer Sprache umzugehen.<\/p>\n<p>Den Auftakt der Ringvorlesung macht am 20. April der Publizist Prof. Dr. Volker Friedrich von der Hochschule Konstanz. \u201eEr ist Professor f\u00fcr Kommunikationsdesign und Rhetorik\u201c, erg\u00e4nzt Erlemann, \u201eund wird uns mit auf eine Reise nehmen, in der es um die Verh\u00e4ltnisbestimmung von Wahrheit und Rhetorik geht, auf eine Kriteriensuche, um zwischen berechtigtem Werben f\u00fcr \u00dcberzeugungen und populistischer \u00dcberredung unterscheiden zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Alle kostenfreien Veranstaltungen beginnen um 18:30 Uhr jeweils donnerstags in der CityKirche Elberfeld, Kirchplatz 2. Alle Termine unter <a href=\"https:\/\/hermeneutik.uni-wuppertal.de\/de\/ringvorlesung-fakten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/hermeneutik.uni-wuppertal.de\/de\/ringvorlesung-fakten\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"attachment_64652\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 187px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64652\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Erlemann-3-709x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"255\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Kurt Elemann &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<div class=\"textimage block buw-block\">\n<div class=\"ti-body\">\n<h4>\u00dcber Kurt Erlemann<\/h4>\n<p>Kurt Erlemann studierte Evangelische Theologie in M\u00fcnchen, Z\u00fcrich und Heidelberg. Er promovierte 1986 und arbeitete anschlie\u00dfend als Vikar der Badischen Landeskirche sowie als Schulpfarrer. Nach seiner Habilitation \u00fcbernahm er Lehrstuhlvertretungen in Hamburg und Koblenz. Seit 1996 leitet er den Lehrstuhl f\u00fcr Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Theologe Kurt Erlemann organisiert mit der uniweiten Projektgruppe \u201eAngewandte Hermeneutik\u201c und dem Zentrum f\u00fcr Weiterbildung der BUW die Ringvorlesung \u201eFakten. Propaganda. Fake News. 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