{"id":62620,"date":"2023-04-07T14:53:00","date_gmt":"2023-04-07T12:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=62620"},"modified":"2023-04-07T14:54:17","modified_gmt":"2023-04-07T12:54:17","slug":"lena-lichterbeck-laos-und-indien-zwischen-den-extremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/04\/07\/lena-lichterbeck-laos-und-indien-zwischen-den-extremen\/","title":{"rendered":"Lena Lichterbeck: Laos und Indien &#8211; zwischen den Extremen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_62624\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-62624\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230317_193556-1024x713.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"713\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lena und Jan gut gelaunt unterwegs im &#8222;Liegebus&#8220; &#8211; \u00a9 reisen-ist,jetzt<\/span><\/div>\n<p>Erinnerst Du Dich, wann Du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan hast? Eine spannende Frage, oder? Genau das sind doch die Momente, in denen man etwas \u00fcber sich selbst lernt, vielleicht sogar eine neue Seite an sich entdeckt und am Ende pers\u00f6nlich w\u00e4chst; sich weiterentwickelt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Alltag zu Hause gab es f\u00fcr mich ehrlicherweise eher selten die Situation, etwas wirklich Neues auszuprobieren, aber hier auf Reisen geh\u00f6rt es schon fast zwangsl\u00e4ufig dazu:.<\/p>\n<h4>In Lenas &amp; Jans Reiseblog \u201ereisen-ist.jetzt \u2013 Unterwegs ist da,\u00a0wo wir sind\u201c finden Sie noch viel mehr Fotos, Infos und Impressionen:<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/reisen-ist.jetzt\">https:\/\/reisen-ist.jetzt<\/a><\/p>\n<p>Sei es das erste Mal selbst Roller zu fahren, Worte in einer v\u00f6llig neuen Sprache zu lernen, neue, mir unbekannte Speisen zu probieren oder das erste Mal in einem Nachtbus \u2013 liegend auf einer Matratze \u2013 zu fahren und zu versuchen zu schlafen, w\u00e4hrend dieser bedrohlich schwankend \u00fcber holprige Stra\u00dfen f\u00e4hrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_62625\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-62625\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230318_074149-2-1024x747.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"747\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber trotzdem ganz sch\u00f6n gem\u00fctlich: Der Liegebus \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Auf der einen Seite sind diese neuen Erfahrungen wunderbar und bereichernd, auf der anderen Seite kann es aber auch anstrengend werden, wenn es zu viele neue Eindr\u00fccke und Erlebnisse auf einmal sind.<\/p>\n<p>Nachdem wir Laos von Nord nach S\u00fcd durchquert haben, ist es daher f\u00fcr uns wichtig ein wenig auszuspannen und eine kleine Erholungsphase vom Reisen einzulegen \u2013 sozusagen Urlaub vom Reisen.<\/p>\n<p>Diese Pause verbringen wir ganz im S\u00fcden, an der Grenze zu Kambodscha, auf der kleinen Insel Don Det. Gelegen in einem Flussdelta des Mekong, umgeben von unz\u00e4hligen kleinen und gr\u00f6\u00dferen, gr\u00fcn bewachsenen Inseln, von denen nur ein paar wenige wirklich bewohnt sind. Sie werden auch die 4.000 Islands genannt, obwohl ich nicht glaube, dass sie jemals jemand wirklich gez\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p>Insgesamt neun N\u00e4chte verbringen wir in einem kleinen Homestay bei der lieben Gastgeberin Oi und ihrer Familie. Unser Zuhause f\u00fcr diese Zeit ist eine kleine, niedliche Holzh\u00fctte mit Veranda.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_62634\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62634 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230321_165914-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Auf der Insel Don Det in einem Flussdelta des Mekong &#8211; \u00a9 reisen-ist-jetzt<\/span><\/div>\n<p>Dass es nur einen Deckenventilator gibt, erweist sich bei 40 Grad im Schatten dabei leider als echte Herausforderung. Das ist auch der Grund, weshalb wir die meisten der hei\u00dfen Tage pendelnd zwischen unserer Terrasse und dem direkt am Mekong gelegen Restaurant von Ois Familie verbringen, ohne mehr von der Insel zu erkunden.<\/p>\n<p>Wenig spektakul\u00e4r, aber definitiv entschleunigend, auch wenn die Hitze wirklich grenzwertig und es in manchen Momenten kaum m\u00f6glich ist, einen klaren Gedanken zu fassen.<\/p>\n<p>In diesem Setting tauchen wir \u00fcber die Zeit auch immer mehr in den Mikrokosmos dieser kleinen Familie ein, die unsere Unterkunft und das h\u00fcbsche Restaurant (ich w\u00fcrde sagen, das am besten besuchte der gesamten Insel) liebevoll und mit vollem Einsatz betreiben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir dort fr\u00fchst\u00fccken, am Mittag ein bisschen an unseren Laptops arbeiten, nachmittags ein k\u00fchles Bier mit Blick auf den Fluss trinken und dort auch unser Abendessen inklusive anschlie\u00dfender Cocktails zu uns nehmen, schwirrt die gesamte Familie flei\u00dfig und ununterbrochen um uns und die anderen G\u00e4ste herum.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die gesamte Familie bedeutet dabei, Oi als Inhaberin, aber auch ihre vier Kinder im Alter von etwa drei bis zw\u00f6lf Jahren. Die drei gr\u00f6\u00dferen Geschwister arbeiten dabei voll mit, von morgens bis abends, nehmen Bestellungen auf, servieren Essen und Getr\u00e4nke und r\u00e4umen Geschirr ab.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-62627\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230331_132824-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><\/p>\n<p>Ob sie im Hintergrund nicht auch beim Kochen helfen, vermag ich nicht genau zu sagen, aber wundern w\u00fcrde es mich nicht, denn sonst w\u00e4re die Masse an Bestellungen eigentlich nicht zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Es macht mich sehr nachdenklich zu sehen, dass keines der Kinder in die Schule geht und diese vier, f\u00fcnf Bungalows plus Restaurant ihr ganzes Leben inklusive ihrer Zukunft zu sein scheinen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Vieles, was wir in Deutschland als selbstverst\u00e4ndlich ansehen, ist es f\u00fcr so viele Menschen in anderen Teilen der Welt einfach nicht und hier wird es einem gnadenlos vor Augen gef\u00fchrt. F\u00fcr die Kleinste der vier Kinder, ist das Restaurant noch ein Abenteuerspielplatz.<\/p>\n<p>Sie ist immer mitten im Geschehen, auf dem Tresen, wo abgerechnet und bezahlt wird, zwischen den Tischen und uns G\u00e4sten oder mit ihrem Plastik-Rennwagen am Eingang auf und ab fahrend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_62628\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 561px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62628\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230331_134914-768x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"551\" height=\"734\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Malerisch und bizarr zugleich: Ein indischer Friedhof &#8211; \u00a9 reisen-ist -jetzt<\/span><\/div>\n<p>Auf der einen Seite hat sie wahnsinnig viele Freiheiten und w\u00e4chst mit einer bemerkenswerten Offenheit fremden Menschen gegen\u00fcber auf, aber auf der anderen Seite, muss sie sich auch viel mit sich selbst besch\u00e4ftigen, denn niemand aus ihrer Familie hat wirklich Zeit f\u00fcr sie, w\u00e4hrend der Restaurantbetrieb l\u00e4uft \u2013 also 16 Stunden am Tag.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wie sehr die Kleine es genie\u00dft, wenn ihre Mutter dann doch einmal Zeit f\u00fcr sie hat, kann ich an einem Freitagabend gegen halb zehn sehen als es endlich etwas ruhiger wird: Das kleine M\u00e4dchen lacht und bl\u00fcht auf, wie an keinem der anderen Tage.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Hintergrund l\u00e4uft ein Lied von Bruno Mars und sie tanzt strahlend dazu; freut sich offensichtlich \u00fcber die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Mutter, der sie immer wieder ins Gesicht fasst. Beinahe so, als k\u00f6nne sie ihr Gl\u00fcck kaum fassen und m\u00fcsse sich so der Anwesenheit ihrer Mutter versichern.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese Szene ber\u00fchrt mich, macht mich gleichzeitig traurig und ich werde in Zukunft bestimmt noch oft daran und an das kleine M\u00e4dchen denken.<\/p>\n<div id=\"attachment_62629\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62629 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230403_153222-1024x662.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"662\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lena Lichterbeck kauft frisches Obst am Strand &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Und dann hei\u00dft es auch schon wieder Abschied nehmen von Ois Familie, die wir sehr liebgewonnen haben in der Zeit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wir umarmen uns bei der Verabschiedung, w\u00fcnschen uns gegenseitig alles Gute und machen uns auf nach Bangalore in S\u00fcdindien. Das bedeutet, dass wir drei Tage unterwegs sind: Von Don Det mit der F\u00e4hre aufs Festland, mit dem Minivan mehrere Stunden zur\u00fcck nach Pakse, weiter mit dem Reisebus, kurzzeitig zu Fu\u00df durch einen verlie\u00dfartigen Tunnel, \u00fcber die thail\u00e4ndische Grenze nach Ubon Rhatchathani, wo wir eine Nacht verbringen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seitdem wir aus dem Minivan und in den Reisebus umgestiegen sind, haben wir keine Touristen mehr gesehen und Englisch spricht hier auch niemand. So versuchen wir unser Abendessen mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen zu bestellen, was damit endet, dass wir entmutigt einen Fisch-Burger bei McDonalds und am n\u00e4chsten Vormittag unser Fr\u00fchst\u00fcck in einer Pizzeria essen \u2013 beides eher ungew\u00f6hnlich f\u00fcr uns, aber in diesem Fall die einzige Chance, die wir haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_62630\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62630 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230402_165453-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Typisch f\u00fcr indische St\u00e4dte: Tuktuks und Motorr\u00e4der &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Ungef\u00e4hr so geht es auch weiter als wir mit dem Minivan in den Nachbarort fahren, von dem abends unser Nachtbus nach Bangkok abf\u00e4hrt: Niemand spricht Englisch, aber zum Gl\u00fcck hat der Besitzer einer kleinen Gark\u00fcche eine \u00dcbersetzungs-App und bereitet uns, nach einigen gegenseitig eingetippten Nachrichten, gebratenen Reis mit Gem\u00fcse und Ei zu, wor\u00fcber wir sehr, sehr froh sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Denn ehrlicherweise haben wir uns schon Kekse oder Chips vom Kiosk zum Abendbrot essen sehen. Genau hier merken wir, wie abh\u00e4ngig wir doch von unserem funktionierenden Smartphone sind. F\u00fcr die zwei Tage Aufenthalt in Thailand haben wir keine lokale Sim-Karte und sind somit offline, was gleichbedeutend mit aufgeschmissen ist, wenn kein Englisch gesprochen wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Leicht geschafft fallen wir danach in unsere Nachtbus-Sitze und werden in acht Stunden nach Bangkok gebracht; Ankunft 3:30 Uhr am Morgen, weiter mit dem Taxi zum Flughafen, wo wir nochmals mehr als acht Stunden Aufenthalt haben, bevor am Mittag \u2013 endlich \u2013 unser Flug nach Indien geht.<\/p>\n<div id=\"attachment_62631\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62631 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230401_134626-1024x639.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"639\" \/><span class=\"wp-caption-text\">An die indischen Speisekarte mussten sich Lena und Jan erst gew\u00f6hnen &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>\u00dcberm\u00fcdet und etwas angespannt nach dieser Tour, setzen wir weitere dreieinhalb Stunden sp\u00e4ter am Flughafen in Bangalore auf. Vielleicht nicht die beste Gem\u00fctslage und Voraussetzung, um sich in eine indische Metropole mit \u00fcber 13 Millionen Menschen zu st\u00fcrzen, aber nun einmal alternativlos in diesem Moment.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Unser Taxi f\u00e4hrt uns in die Stadt und mit jedem Kilometer nimmt der Verkehr zu und entwickelt sich zu dem l\u00e4rmenden Chaos, das ich in dieser Form bisher nur aus Filmen und Videos kenne.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nicht zu vergleichen mit irgendeinem der anderen asiatischen L\u00e4nder, in denen wir schon waren. Mehrere Male denke ich, dass ein Unfall gleich unvermeidbar ist, aber auf wundersame Weise finden doch alle Autos, Motorr\u00e4der, LKWs, K\u00fche, Fu\u00dfg\u00e4nger und Hunde irgendwie ihren Weg \u2013 erstere unter lautstarkem Einsatz ihrer Hupen.<\/p>\n<p>Und dieser L\u00e4rm verl\u00e4sst uns auch nicht mehr, sondern wird unser verl\u00e4sslicher Begleiter, der daf\u00fcr sorgt, dass ich unterbewusst kontinuierlich im Alarm-Modus bin.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_62632\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62632 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230322_154656-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine Idylle unter Palmen &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Ganz egal, wie sehr ich dachte, dass ich auf Indien vorbereitet bin, \u00fcberfordern mich dieser L\u00e4rm, Dreck und Gestank, das hektische Treiben, der gnadenlose Verkehr, die Armut oder auch zu sehen, dass ein Mann auf dem Grab seiner Frau schl\u00e4ft und es scheinbar zu seinem zu Hause gemacht hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es ist in jeder Weise das absolute Kontrastprogramm zu dem doch eher ruhigen Laos, das wir gerade erst hinter uns gelassen haben. Hinzu kommt das unangenehme Gef\u00fchl, wie ein Tier im Zoo von allen Seiten angestarrt zu werden, auch wenn wir ausnahmslos freundliche Worte und interessierte Fragen als Antwort auf unser Gr\u00fc\u00dfen erhalten \u2013 als nahezu einzige Touristen weit und breit, fallen wir eben auf; das verstehe ich und doch f\u00fchlt es sich komisch an.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck bereitet uns der Besitzer unserer Unterkunft an diesem Abend einen wirklich tollen Empfang, indem er uns auf einen warmen, s\u00fc\u00dfen Chai-Tee einl\u00e4dt, viel von Indien und dessen Kultur erz\u00e4hlt und uns bei der Auswahl der richtigen Speisen in seinem angrenzenden Restaurant ber\u00e4t.<\/p>\n<div id=\"attachment_62633\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62633 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230331_132640-2-1024x626.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"626\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tuktuks sind beliebte Fortbewegungsmittel in Indien &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Dennoch bin ich froh, dass es am n\u00e4chsten Tag abends mit dem Nachtbus weiter nach Trivandrum geht, denn ich verspreche mir davon weniger L\u00e4rm, mehr andere Reisende und die M\u00f6glichkeit, ein wenig zur Ruhe zu kommen nach den letzten durchaus nervenaufreibenden Tagen.<\/p>\n<p>Ob diese Hoffnung in Indien nun als naiv zu bezeichnen w\u00e4re oder nicht, kann ich gar nicht genau sagen, nur so viel: Sie erf\u00fcllt sich definitiv nicht. W\u00e4hrend die Fahrt mit dem Nachtbus, auf einer \u00fcberraschend bequemen Matratze, fast schon angenehm ist, erreichen wir nun einmal ungewaschen und klebrig unser Ziel am n\u00e4chsten Vormittag und freuen uns riesig auf eine Dusche und ein sauberes Bett.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Entsprechend gro\u00df ist die Entt\u00e4uschung als wir nach einem schwei\u00dftreibenden Marsch durch die Stadt feststellen, dass unser Guesthouse \u00fcberbucht ist. Spontan buchen wir also ein Zimmer in einem nahegelegenen Hotel und sind bereit daf\u00fcr auch ein paar Euro mehr als urspr\u00fcnglich geplant auszugeben, schlie\u00dflich m\u00f6chten wir nun einfach ankommen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_62626\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62626 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230331_194229-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Autoverkehr in Indien: Ein Bild, das wohl Verkehrsplaner und Klimaaktivisten gleichermassen verzweifeln l\u00e4sst &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<p>Ich k\u00fcrze an dieser Stelle ein wenig ab: Mehrere Stunden und zwei Zimmerwechsel sp\u00e4ter \u2013 bedingt durch eine fehlende Dusche sowie Kakerlaken- und Schimmel-Befall \u2013 haben wir immerhin ein sauberes Bett und (k)eine Dusche, was hei\u00dft, dass wir uns damit arrangieren, hei\u00dfes Wasser in einen Bottich laufen zu lassen und mit einem Messbecher \u00fcber uns zu gie\u00dfen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Den Umstand, dass Wasser aus der Nachbarwand runter auf unseren Boden l\u00e4uft, direkt vor unserem Fenster die Reklame des Hotels h\u00e4ngt, wodurch wir kein Tageslicht haben und etwa 15 Tauben gurrend und scharrend hinter dieser Reklame direkt vor unserem Fenster nisten, nehmen wir an diesem Punkt kommentarlos hin \u2013 noch ein Zimmerwechsel, kommt f\u00fcr uns einfach nicht in Frage.<\/p>\n<p>Klar, am Ende ist das alles kein wirkliches Drama und w\u00fcrde uns normalerweise auch nicht sonderlich stressen, aber nach den vorherigen Tagen, ist es in Summe doch ein bisschen viel keinen R\u00fcckzugsort zu haben, an dem man die vielen Eindr\u00fccke verarbeiten und etwas zur Ruhe kommen kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_62635\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 561px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62635\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230323_164216-768x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"551\" height=\"735\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lena Lichterbeck schreibt ihren Reisebericht &#8211; \u00a9 reisen-ist jetzt<\/span><\/div>\n<p>F\u00fcr mich ist es vielleicht sogar etwas zu viel: Denn am n\u00e4chsten Tag treffen mich der L\u00e4rm und die Intensit\u00e4t Indiens mit voller Wucht als ich aus der T\u00fcr trete. Ich will \u00fcberall, nur gerade nicht dort sein. Das Mittagessen in einem vollkommen \u00fcberf\u00fcllten Restaurant, bei dem im Minutentakt irgendwelche unbekannten Speisen auf das Bananenblatt vor mir geschaufelt werden, die ich dann \u2013 traditionell indisch \u2013 mit den Fingern versuche in meinen Mund zu bef\u00f6rdern, macht das Ganze nicht besser.<\/p>\n<p>Auch wenn zwei sehr nette Polizisten an unserem Tisch versuchen, uns sowohl die Speisen als auch die Reihenfolge, in der man sie isst, zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Mir einzugestehen, dass ich ganz einfach einen Kulturschock habe, f\u00e4llt mir zun\u00e4chst schwer, macht es aber am Ende sogar sehr viel leichter damit umzugehen als ich bereit bin diesen Fakt zu akzeptieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter \u2013 den wir am Kovalam Beach verbringen und alles etwas sacken lassen k\u00f6nnen \u2013 sieht die Welt zum Gl\u00fcck schon anders aus und ich fange wieder an die positiven und interessanten Seiten des Landes zu sehen. Ich bin also guter Dinge, dass das mit diesem Indien und mir doch noch was werden kann.<\/p>\n<p><strong>Lena Lichterbeck<\/strong><\/p>\n<p>5. April 2023<\/p>\n<div id=\"attachment_62636\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62636 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/img_20230327_164345-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Bier als k\u00fchle Erfrischung schmeckt immer: Prost Lena &amp; Jan &#8211; \u00a9 reisen-ist.jetzt<\/span><\/div>\n<h4>In Lenas &amp; Jans Reiseblog \u201ereisen-ist.jetzt \u2013 Unterwegs ist da,\u00a0wo wir sind\u201c finden Sie noch viel mehr Fotos, Infos und Impressionen:<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/reisen-ist.jetzt\">https:\/\/reisen-ist.jetzt<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind auf dem Weg, sich ihren grossen Traum zu erf\u00fcllen &#8211; die Unternehmensberaterin Lena Lichterbeck und der Berater Jan Filipzik, Ex-Chefredakteur des Wuppertaler Magazins &#8222;talw\u00e4rts&#8220;. Die beiden haben ihre gemeinsame Wohnung aufgegeben und sind unterwegs auf gro\u00dfer Weltreise. Dabei begleiten wir Lena und Jan. Gehen SIE mit auf gro\u00dfe Reise &#8211; wenn SIE m\u00f6gen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-62620","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lifestyle"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-11 01:39:07","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62620","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62620"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62620\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62642,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62620\/revisions\/62642"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62620"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62620"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}