{"id":62252,"date":"2023-03-22T11:20:28","date_gmt":"2023-03-22T10:20:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=62252"},"modified":"2023-03-22T11:20:28","modified_gmt":"2023-03-22T10:20:28","slug":"biologin-gela-preisfeld-zoos-muessen-tiergerecht-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/03\/22\/biologin-gela-preisfeld-zoos-muessen-tiergerecht-sein\/","title":{"rendered":"Biologin Gela Preisfeld: Zoos m\u00fcssen tiergerecht sein"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_62259\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 868px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-62259\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/271124_wsw-sth-200527elefantenpatenschaft015-2-1024x788-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"858\" height=\"703\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Gr\u00fcner Zoo Wuppertal: Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz mit Elefantenkuh Sweni und deren Baby Tsavo &#8211; \u00a9 WSW<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen-Interview&#8220; mit der\u00a0Zoologin Prof. Dr. Gela Preisfeld \u00fcber den &#8222;Burgers` Zoo&#8220; im niederl\u00e4ndischen Arnheim unterhalten, der vor 100 Jahren seine Pforten \u00f6ffnete.<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie als Biologin von Zoologischen G\u00e4rten?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld<strong>: &#8222;<\/strong>Das ist nicht leicht zu beantworten und man muss da differenzieren zwischen modernen Zoos, die das Tierwohl im Auge behalten und tiergerechte Lebensr\u00e4ume sowie auch die Lebensgemeinschaft in einem Biotop darstellen m\u00f6chten und solchen, die meiner Meinung nach auch nicht Zoos hei\u00dfen d\u00fcrfen \u2013obwohl der Begriff nicht gesch\u00fctzt ist-, in denen die Tiere nur als Attraktion gehalten werden. Das erste begr\u00fc\u00dfe ich, das zweite lehne ich vollkommen ab.<\/p>\n<p>Ich halte eine ganze Menge von Zoos und zwar als Bildungseinrichtung, denn sie haben einen Bildungsauftrag und dem kommen die meisten in sehr vielf\u00e4ltiger Weise nach. Ich zitiere da immer gerne Konrad Lorenz, der sagt: \u00b4Man liebt nur, was man kennt und man sch\u00fctzt nur, was man liebt`. Das bedeutet, dass man die Tiere erst einmal kennenlernen muss, um sie lieben und somit ihre Schutzbed\u00fcrftigkeit erkennen zu k\u00f6nnen und dadurch wiederum Naturschutzgedanken entwickeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_62260\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-62260\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Prof.-Gela-Preisfeld-2F1A7264-2_2-2-1024x709.jpeg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"485\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Zoologin Prof. Dr. Gela Preisfeld- \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Es h\u00f6rt sich weise und einfach an, diese Gedanken und die Bereitschaft, etwas zu tun, in der Gesellschaft zu entwickeln, ist aber oft sehr schwierig. Zoos nehmen den Auftrag an, die Gesellschaft zu bilden und erreichen damit sehr viele Menschen. Es gehen mehr Menschen in den Zoo, als in irgendwelche anderen Bildungseinrichtungen, und das ist extrem wichtig. Dort bekommen sie Informationen \u00fcber die Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten des Natur- und Artenschutzes.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der &#8222;Burgers` Zoo&#8220; wirbt heute mit dem Slogan: Eine Weltreise an einem Tag. Was macht ihn so besonders?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld: <strong>&#8222;<\/strong>Ich war erst k\u00fcrzlich wieder dort und bin, wie immer, begeistert. Das Besondere sind die \u00d6kodisplays, (\u00d6kodisplays sind dem nat\u00fcrlichen Lebensraum entsprechend gestaltete Lebensr\u00e4ume, in denen Tiere oft in gro\u00dfer Freiheit, teils inmitten von Tausenden Pflanzen, leben. Besucher k\u00f6nnen dieses Habitat aus n\u00e4chster N\u00e4he erleben. Anm. d. Red.) die es in dem Zoo gibt. Sie zeigen Tiere, Pflanzen, nat\u00fcrlich auch Pilze, Mikroorganismen usw. im Zusammenleben, der nat\u00fcrlichen Welt ein St\u00fcck nachempfunden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>\u201eEntdecken Sie die Tiere in ihrem nat\u00fcrlichen Lebensraum\u201c, sagt der Zoo der Superlative. Ist es wirklich so, dass dieser Zoo den nat\u00fcrlichen Lebensraum von Tieren und Pflanzen perfekt nachbildet?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld:<strong> &#8222;<\/strong>Perfekt geht vielleicht nicht, aber er bildet den Lebensraum und damit das \u00d6kosystem so gut nach, wie es in einem limitierten Raum \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Man muss wissen, dass diese Displays wirklich sehr gro\u00df sind. Ich besuche als Zoologin nat\u00fcrlich sehr gerne Zoos und ich finde, es ist im &#8218;Burgers` Zoo&#8216; sehr gut gelungen. Ich konnte sehen, dass es den Organismen dort sehr gut geht. Das Sch\u00f6ne an diesen Lebensr\u00e4umen ist, dass man nicht nur ein isoliertes Tier sehen, sondern es in seiner Lebensgemeinschaft erfahren kann. Viele Tiere leben dort in Freiheit, weil das Areal gro\u00df genug ist und R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten gegeben sind. Es ist wirklich etwas Besonderes.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie die Lebensr\u00e4ume einmal beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld:\u00a0&#8222;Es gibt insgesamt sechs \u00d6kodisplays und einen freien Raum, den man als Park bezeichnet. Das ist der Teil, der am ehesten anderen Zoos entspricht. Dort findet man viele Affen, Elefanten usw. Dieser Park ist nicht auf einen Lebensraum ausgelegt, hier m\u00f6chte man die Tiere darstellen. Zu den Lebensr\u00e4umen geh\u00f6rt z.B. der Bereich Safari. Man findet dort Tiere und Pflanzen Ostafrikas, ein Bereich mit L\u00f6wen, Giraffen und Antilopen, die nat\u00fcrlich separiert sind, weil das zu gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte. Dann gibt es die W\u00fcste. Ausgew\u00e4hlt sind hier Areale aus Nordamerika und Nordmexiko. Ganz toll finde ich den Busch, der ist gerade wieder restauriert und weiterentwickelt worden. V\u00f6gel, Fische, Kaimane, Erdferkel findet man dort im tropischen Regenwald, der dort auch in der Nacht simuliert wird. Daf\u00fcr regnet es jede Nacht viele Stunden, daher ist die Luft sehr ges\u00e4ttigt mit Wasser und das merken sie als Besucher. Dort jagen auch die einen Tiere die anderen. Z.B. jagen die V\u00f6gel die Schmetterlinge, Insekten und kleine Fische usw. Dann gibt es das sogenannte Rimba, das sind die Waldgebiete S\u00fcdostasiens. Dort haben sie Tiger, Pythons und B\u00e4ren. Und meine Favoriten sind die Mangroven und der Bereich Ocean.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der Mangrovenwald z.B., in dem man auch Manatis bestaunen kann &#8211; die sogar in Gefangenschaft Nachwuchs bekommen haben &#8211; hat zudem auch ein Areal f\u00fcr Schmetterlinge. Das ist etwas Besonderes, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld: &#8222;Die Mangrovenregion geht in der Mangrove auch ein bisschen in den tropischen Regenwald und in den Trockenwald \u00fcber. Was einen sofort in diese tropische Stimmung versetzt, sind die wundersch\u00f6nen Schmetterlinge. Es gibt verschiedene Habitate zu entdecken. Im eher trockenen Bereich finden Sie die riesigen Blauen Morphos und die Bananenfalter, phantastische Tiere, die man \u00fcbrigens im September auch wieder hier im Botanischen Garten in einer Schmetterlingsausstellung bestaunen kann. Die Populationen sind dort sehr individuenreich. Wenn man aber gro\u00dfe Populationen dauerhaft hat, dann hat man das Problem mit den Futterpflanzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_62263\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-62263\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/bush-brug-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Regenwald in &#8222;Burger&#8217;s Zoo&#8220; in Arnheim (Niederland) &#8211; \u00a9 Burger&#8217;s Zoo &#8211;\u00a0<a href=\"http:\/\/www.burgerszoo.de\">http:\/\/www.burgerszoo.de<\/a><\/span><\/div>\n<p>Die Schmetterlinge legen ihre Eier auf die Pflanzen, die Larven entwickeln sich und fressen nat\u00fcrlich die Pflanzen. Wenn der Befra\u00df aber zu gro\u00df wird, dann reagieren die Pflanzen und entwickeln Stoffe, um die Tiere abzuwehren. Sie stellen zumeist ihr Wachstum ein. Da hat der &#8218;Burgers` Zoo&#8216; eine gute L\u00f6sung gefunden. Sie stellen die Futterpflanzen in riesigen K\u00fcbeln hin und tauschen sie nach einer Zeit aus, entfernen den Kot der Tiere mit der oberen Erdschicht und geben den Pflanzen Zeit zu regenerieren.<\/p>\n<p>In der Mangrove gibt es auch gro\u00dfe Tiere: die Seek\u00fche, die Manatis, meine ganz besonderen Favoriten, weil sie so anmutig durch das Wasser schwimmen und so friedlich lebende, ganz ruhige, sanfte Tiere sind, die mit unseren Elefanten verwandt sind. Das sieht man auch, wenn man es wei\u00df. Sie haben die gleichen, kleinen Augen, die Haut ist \u00e4hnlich, sie haben Tasthaare im Gesicht, was bei im Wasser lebenden S\u00e4ugetieren selten ist. Die Vorderbeine sind ja zu Flossen umgewandelt und man sieht am Rand noch die Reste der einstmaligen Zehen.<\/p>\n<p>Die Knochen der Elefanten sind im Laufe der Evolution leicht geworden, damit der K\u00f6rper das Gewicht tragen kann, bei den Seek\u00fchen ist es andersrum. Die Knochen sind schwerer geworden, damit sie besser absinken und am Meeresboden das Seegras fressen k\u00f6nnen. Auch die Winkerkrabben, die dort gez\u00fcchtet werden sowie die Schlammspringer m\u00f6chte ich noch nennen, faszinierende kleine Tiere, die man dort entdecken kann.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Eine weitere Attraktion ist &#8218;Burgers\u2019 Ocean&#8216;, ein tropisches Korallenriff in einem acht Millionen Liter Wasser fassenden Aquarium. Wichtigster Bestandteil des Aquariums ist das lebende Korallenriff in einem 750.000-Liter-Becken. Es ist das gr\u00f6\u00dfte lebende Korallenriff in Europa. Dabei kommt die Forschung nicht zu kurz. Das Wissen und Know-how f\u00fcr die Z\u00fcchtung von Korallen k\u00f6nnten in Zukunft f\u00fcr den Schutz von Korallenriffen in der Natur von gro\u00dfer Bedeutung sein. Das ist mehr als die reine Zurschaustellung wilder Tiere, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld<strong>: &#8222;<\/strong>Hier geht es auch ganz viel um Forschung, biologische, veterin\u00e4rmedizinische Forschung, aber auch um die Haltung der Tiere, z.B. F\u00fctterung. Was vertragen die Tiere, was brauchen sie? Das ist nat\u00fcrlich bei Korallenriffs besonders schwierig, denn wir wissen alle, wie sensibel Korallenriffs sind. Das gelingt denen in Arnheim unglaublich gut und ist in der Natur nicht sch\u00f6ner. Dort werden die Wechselwirkungen untersucht. Was bedeuten Lichteinfall, Str\u00f6mung und Wasserqualit\u00e4t, die wir immer mehr verschlechtern. Man erforscht dort Aspekte, die dann auch f\u00fcr die reale Welt von Bedeutung sind. Der Zoo arbeitet mit ganz vielen Unis und Forschungseinrichtungen zusammen.\u00a0Neben der Korallenzucht konnten dort auch Adlerrochen und Haie vermehrt, sowie sowohl Hart- als auch Weichkorallen gez\u00fcchtet werden. Es ist beeindruckend zu sehen und f\u00fcr die Forschung von gro\u00dfer Bedeutung.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_62264\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-62264\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/02-Elefanten-Pfleger-Gustav-Roeckener-mit-Leitkuh-Sabi-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"466\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Gr\u00fcne Zoo Wuppertal ist wegen seiner Elefantenzucht ber\u00fchmt. Elefantenpfleger Gustav Rockender mit Kuh Sabi &#8211; \u00a9A rchivfoto Monika Asmus<\/span><\/div>\n<p><strong>Auch die Zoos haben Tierschutz erst erlernen m\u00fcssen. Konnte man im Safariparkt der 60er Jahre noch mit dem Auto an den wilden Tieren vorbeifahren, kann man sie heute von Aussichtsplattformen und Br\u00fccken beobachten. Daf\u00fcr hat der Tierschutz lange k\u00e4mpfen m\u00fcssen, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld: &#8222;Ja, der Tierschutz musste k\u00e4mpfen. Aber es ist nicht nur der Tierschutz oder die Tiersch\u00fctzer, die das bewirkt haben. Auch in den Zoos selbst hat ein Umdenken stattgefunden. Es gibt einen europ\u00e4ischen, aber auch weltweiten Verband der Zoos, die sich selbst bestimmte Standards auferlegt haben. Auch denen ist klargeworden, dass das Tierwohl an erster Stelle stehen muss, auch wenn es einen Bildungsauftrag gibt, der an dieser Stelle jedoch nachgeordnet sein muss. Viele Menschen fordern die Abschaffung von Zoos, weil man dort Tiere nicht artgerecht halten kann. Das stimmt, man kann sie nicht artgerecht halten, dennoch stimme ich den Forderungen, zumindest bei den wissenschaftlich gef\u00fchrten Zoos, ganz und gar nicht zu.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde auch einen anderen Begriff verwenden. Artgerecht w\u00fcrde bedeuten, dass man die Tiere auch den ganz normalen Stressfaktoren, die drau\u00dfen sind, aussetzt, wie Fressfeinde, schlechte klimatische Bedingungen, Waldbr\u00e4nde, Trockenheit, Hunger und Durst. Das m\u00f6chte man nicht, weil man es bewusst keinem Tier zumuten kann. Daher sollte man in Bezug auf Zoos lieber von tiergerecht sprechen.<\/p>\n<p>Und das kann man sehr gut umsetzen, wenn ein vern\u00fcnftiges Konzept da ist. Wie bei diesen \u00d6kodisplays, wo man ganze \u00d6kosysteme naturnah darstellt und die Tiere in einigerma\u00dfen Freiheit leben. Wildf\u00e4nge, wie man sie fr\u00fcher f\u00fcr Zoos frequentiert hat, waren besonders schlimm. Heute tauscht man zoogeborener Tiere aus und konzentriert sich auf weniger Tierarten, daf\u00fcr mehr Lebensgemeinschaften mit naturnahen Bedingungen.<\/p>\n<p><strong>Der &#8222;Burger`s Zoo&#8220; erstreckt sich \u00fcber 45 Hektar Fl\u00e4che, der Park ist nach wie vor ein Familienbetrieb. Er bietet F\u00fchrungen, Lesungen, Unterricht und Praktika an, organisiert Ausstellungen, gibt alle zwei Monate ein Gratismagazin mit aktuellen Ereignissen und interessanten Hintergrundinformationen heraus und ist international vernetzt. Wie wichtig ist diese weltweite Zusammenarbeit?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld: &#8222;Enorm wichtig, wenn wir darauf schauen, dass immer mehr Lebensr\u00e4ume wegfallen. Weil die Menschen so eingreifende Wesen sind, kommt dem Biotop und Naturschutz eine gro\u00dfe Bedeutung zu. Das geht nur \u00fcber Grenzen hinweg.\u00a0 Die ganzen wissenschaftlich gef\u00fchrten Zoos sind in Erhaltungs- und Zuchtprogrammen vernetzt. Man spezialisiert sich auf bestimmte Tiere. In Wuppertal gibt es auch Zuchtprogramme, darunter eines f\u00fcr den Schneeleoparden oder Afrikanischen Elefanten.<\/p>\n<div id=\"attachment_62267\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 709px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-62267\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/01-Begleite-von-den-Pflegern-die-Elefantenherde-beim-taeglichen-Spaziergang-bekommen-Foto-von-Kristina-Malis-2-1024x538.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"367\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Pfleger mit der Elefanten-Herde im Gr\u00fcnen Zoo &#8211; \u00a9 Monika Asmus<\/span><\/div>\n<p>Damit es keine Inzuchten gibt, tauscht man sich \u00fcber das sogenannte European <em>Endangered Species<\/em> Programm (EEP) aus. Da gibt es harte Vorschriften, die man erf\u00fcllen muss. Der &#8218;Burgers` Zoo&#8216; hat z.B. 35 EEP-Arten und viele Arten, \u00fcber die ein Zuchtbuch gef\u00fchrt wird. Im Europ\u00e4ischen Zuchtbuchprogramm (ESB) sind die Auflagen weniger streng, sollte aber eine Art bedroht sein, kann sie sofort in ein EEP-Programm \u00fcberf\u00fchrt werden. Tritt das ein, hat man so direkt einen \u00dcberblick \u00fcber die genetische Vielfalt zur Erhaltung eines gro\u00dfen Genpools <em>ex-situ<\/em>, also au\u00dferhalb des nat\u00fcrlichen Lebensraumes.&#8220;<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Zoos also zur Erhaltung von Arten beitragen, oder wird damit das Artensterben nur um ein paar Jahre aufgehalten?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld<strong>: &#8222;<\/strong>Das Artensterben ist nur sehr schwer aufzuhalten, das muss man einfach sagen. Wirtschaftliche, politische Interessen oder menschliche N\u00f6te spielen einfach eine zu gro\u00dfe Rolle.. Dennoch sollten wir nicht aufh\u00f6ren, Strategien zu entwickeln und es gibt auch positive Beispiele, wie man dem entgegenwirken kann. Eine M\u00f6glichkeit ist, wenn man Arten mit einem gen\u00fcgend gro\u00dfen Genpool hat<em>,<\/em> diese wieder auszuwildern. Das ist sehr schwierig, es gab viele Fehlversuche, aber es gelingt immer h\u00e4ufiger, weil unser Wissen \u00fcber die Tierarten, deren Zusammenleben und den Wechselwirkungen in den Habitaten gewachsen ist.<\/p>\n<p>Man kennt vielleicht die Przewalski-Pferde, die man ausgewildert hat, oder auch Nerze, Luchse oder die Wisente bei uns, die ja sogar schon ausgestorben waren und deren Bestand aus zw\u00f6lf in Zoos lebenden Exemplaren wieder aufgebaut wurde. Heute sind wieder ca. 3.000 Wisente in freier Wildbahn, auch hier bei uns in Deutschland.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel sind die Goldenen L\u00f6wen\u00e4ffchen. Auch da gab es vor einiger Zeit nur noch 200 St\u00fcck weltweit. 1993 hat man die Erhaltungszucht angefangen. Heute gibt es wieder \u00fcber 1.000. Die sind nun vom Status \u00b4vom Aussterben bedroht` herunter gestuft worden auf `stark bedroht`.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Nordrhein-Westfalen hat auch einige Zoologische G\u00e4rten mit unterschiedlichen Konzepten und Schwerpunkten. Welchen Zoo w\u00fcrden sie mal wieder gerne besuchen?<\/strong><\/p>\n<p>Gela Preisfeld: &#8222;Ich gehe immer wieder gerne in unseren Gr\u00fcnen Zoo. Wir kooperieren ja auch, wir forschen gemeinsam an den afrikanischen Elefanten und betreuen gemeinsam eine Doktorarbeit. Wir arbeiten auch mit dem Zoo im Rahmen seines Bildungsauftrages zusammen. Es sind viele Bachelor- und Master-Thesen entstanden. Ich sch\u00e4tze den Zoo sehr und ich sch\u00e4tze auch die Haltung des Zoodirektors, Dr. Arne Lawrenz sehr, was die Ausrichtung des Zoos angeht. Tierwohl und wissenschaftliche Forschung, die den Wildtieren zugutekommt, stehen bei ihm ganz oben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_62265\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 189px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-62265\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Prof.-Gela-Preisfeld-2F1A7264-2_2.jpeg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"246\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Gela Pr3isfeld &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Gela Preisfeld<\/h4>\n<p>Professorin Dr. Gela Preisfeld studierte, promovierte und habilitierte an der Universit\u00e4t in Bielefeld. Nach kurzen Forschungsaufenthalten in Australien und einer Vertretung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt\/Main nahm sie 2006 den Ruf auf den Lehrstuhl Biologie und ihre Didaktik, Zoologie an der Bergischen Universit\u00e4t an.<\/p>\n<p><strong>Link zur Homepage von &#8222;Burger&#8217;s Zoo&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burgerszoo.de\">http:\/\/www.burgerszoo.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 31. M\u00e4rz 1913 hat der Niederl\u00e4nder Johan Burgers seine private Tiersammlung unter dem Namen &#8222;Fasanerie Buitenlust&#8220; in &#8217;s-Heerenberg in Gelderland zum ersten Mal dem Publikum zug\u00e4nglich. 1923 er\u00f6ffnete er unter dem Namen &#8222;Burgers` Zoo&#8220; in Arnheim seine Tore &#8211; damals eine Sensation.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-62252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 07:52:08","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62252"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62270,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62252\/revisions\/62270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}