{"id":61922,"date":"2023-03-14T17:12:35","date_gmt":"2023-03-14T16:12:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=61922"},"modified":"2023-03-14T17:12:35","modified_gmt":"2023-03-14T16:12:35","slug":"das-ist-die-frage-wann-ist-der-mann-ein-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/03\/14\/das-ist-die-frage-wann-ist-der-mann-ein-mann\/","title":{"rendered":"Das ist die Frage: &#8222;Wann ist der Mann ein Mann?&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_61926\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-61926\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Voss-Presse-2-1024x725.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"725\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Germanist Dr. Torsten Vo\u00df &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>M\u00e4nnlichkeitsforschung oder auch Men`s Studies entwarfen das Konzept der hegemonialen M\u00e4nnlichkeit, welches Mitte der 1980er Jahre entwickelt wurde. An der Bergischen Universit\u00e4t besch\u00e4ftigt sich der Germanist Dr. Torsten Vo\u00df mit diesem Forschungsbereich. Mit ihm hat sich Autor Uwe Blass unterhalten.<\/p>\n<p>Auf die eingangs gestellte Songfrage angesprochen sagt der Forscher spontan: \u201eNiemals!\u201c Warum das so ist, was sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert hat oder warum diese Forschung noch so jung ist, schildert der versierte Wissenschaftler und beginnt doch mit ersten schriftlichen Erkenntnissen, die bereits im 19. Jahrhundert festgehalten wurden.<\/p>\n<h4>Die Eigenschaften eines Helden sind der Beginn<\/h4>\n<p>\u201eEigentlich beginnt die M\u00e4nnlichkeitsforschung schon im 19. Jahrhundert mit dem Engl\u00e4nder Thomas Carlyle, der 1840 ein Buch mit dem Titel \u00b4On Heroes, Hero Worship, and the Heroic in History` geschrieben hat\u201c, erkl\u00e4rt Vo\u00df. Es sei eine Arbeit, die darstelle, welche Eigenschaften ein Held haben m\u00fcsse.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Da gebe es zum ersten Mal Kategorien f\u00fcr Heldentum und M\u00e4nnlichkeit. \u201eDas ist keine ideologiekritische Arbeit, sondern es ist ein noch aus dem Geiste des Romantizismus und Historismus geborener Essay, der versucht, mit Figuren aus der Heldengeschichte, aus der Mythologie, aber auch aus der Politikgeschichte, Beispiele f\u00fcr m\u00e4nnlich heroisches, besonders exponiertes Verhalten zu zeigen.\u201c<\/p>\n<p>Ansonsten entstehe die M\u00e4nnlichkeitsforschung eigentlich immer schon implizit indirekt mit der Frauenforschung und dem Konstruktivismus. Die Frauenforschung sei zu Beginn ein Politikum gewesen, welches sich aus dem Feminismus entwickelt habe und auf die ungerechte Verteilung der Geschlechter in F\u00fchrungspositionen sowie in sozialen, politischen und wirtschaftlichen Stellungen hinwies.<\/p>\n<p>Damit wurde der Konstruktcharakter vom Geschlecht relativ fr\u00fch beleuchtet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u201eUnd wenn man das bei der Frau macht, kann man das genauso gut nat\u00fcrlich auch beim sogenannten m\u00e4nnlichen Geschlecht machen\u201c, sagt der Wissenschaftler. Wichtige Grundlagen der M\u00e4nnlichkeitsforschung kommen aus den Vereinigten Staaten und erreichen Deutschland erst in den 1980er\/1990er Jahren.<\/p>\n<h4>Frauenforschung bedingt M\u00e4nnlichkeitsforschung<\/h4>\n<p><b>\u201e<\/b>Die Frauenforschung war in ihren Anf\u00e4ngen nicht unbedingt rein epistemologisch orientiert, sie folgte nicht nur einem Erkenntnisinteresse\u201c, erkl\u00e4rt Vo\u00df, \u201esondern war in erster Linie ein politisches, ein soziales Anliegen, um auf Missst\u00e4nde aufmerksam zu machen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_61930\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-61930\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/man-845847_1280-1024x686.webp\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"686\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wann ist der Mann ein Mann? &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Die M\u00e4nnlichkeitsforschung habe aber nat\u00fcrlich einige Begrifflichkeiten aus der Frauenforschung \u00fcbernommen. \u201eDie gro\u00dfe Differenz zwischen sozialem Geschlecht und biologischem Geschlecht, zwischen Sex und Gender, hat die amerikanische Philosophin Judith Butler sehr fr\u00fch schon in den USA sehr deutlich gemacht, und das ist in die M\u00e4nnlichkeitsforschung sowohl in den USA als auch in Deutschland \u00fcbergeflossen.\u201c<\/p>\n<p>Im Unterschied zur Frauenforschung konnte sich die M\u00e4nnlichkeitsforschung jedoch schon immer eher auf rein wissenschaftstheoretische Zusammenh\u00e4nge konzentrieren und musste nicht so sehr in diese Vork\u00e4mpferstellung gehen, wie es im Feminismus der Fall war.<\/p>\n<h4>Konkurrenzdruck evoziert Platzhirschverhalten<\/h4>\n<p>Ein Aufsatz mit dem Titel \u00b4Ans\u00e4tze zu einer neuen Soziologie der M\u00e4nnlichkeit` der Autoren Carrigan, Connell und Lee hatte 1985 gro\u00dfen Einfluss auf die Theorieentwicklung der M\u00e4nnlichkeitsforschung. Dabei geht es u.a. um die F\u00fchrungsrollen der M\u00e4nner, in denen sie h\u00e4ufig nicht nur Frauen, sondern auch Geschlechtsgenossen unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ganz platt und populistisch ausgedr\u00fcckt erst einmal dieses einfache Platzhirschverhalten\u201c, sagt Vo\u00df und stellt gleichzeitig die These auf, dass daf\u00fcr auch ganz einfach neoliberale Wirtschaftsstrukturen verantwortlich seien, die daf\u00fcr sorgten, dass ein st\u00e4rkerer Konkurrenzkampf entstehe, den er auch in der Wissenschaft sehe.<\/p>\n<p>\u201eMan versucht, karrierebedingt, Konkurrentinnen und Konkurrenten nat\u00fcrlich auch zu \u00fcbertreffen und kleinzuhalten, d.h. nicht zu Wort kommen zu lassen, die eigene Position st\u00e4rker zu betonen, als sie eigentlich ist, den Diskurs zu verweigern, um sich prominenter zu positionieren. Und daf\u00fcr sind nicht nur Geschlechterattribute oder Geschlechterkonstrukte verantwortlich, sondern eine allgemeine neoliberale, vom Konkurrenzdruck ausgerichtete Wirtschafts- und Sozialstruktur, die sich zurzeit durch alle T\u00e4tigkeitsbereiche zieht und sich mit den Attributen der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Effizienzoptimierung zu schm\u00fccken wei\u00df. Subkutan spielen auch immer wieder gendercodierte Vorstellungen in dieses Denken und Verhalten mit hinein.\u201c<\/p>\n<h4>M\u00e4nnliche Lebenswelten damals<\/h4>\n<p>In der Forschung liest man oft von \u00b4m\u00e4nnlichen Lebenswelten`. Aber wie sehen die aus? \u201eAufgrund der Durchmischung der Geschlechter und der Arbeitsbereiche gibt es die ja gar nicht mehr\u201c, erkl\u00e4rt Vo\u00df.<\/p>\n<p>\u201eMan muss da zwischen historischen M\u00e4nnlichkeitswelten und aktuellen M\u00e4nnlichkeitswelten differenzieren. Typische m\u00e4nnliche Lebenswelten waren fr\u00fcher nat\u00fcrlich das Milit\u00e4r, die Kaserne, die Kneipe bzw. der Stammtisch, der Sportplatz, das Bordell oder das Spielkasino. Dort, wo der Mann seinen Mann stehen konnte, wo er \u201aWer-Sein&#8216; konnte, wie es der australische Philosoph und M\u00e4nnlichkeitsforscher Michael Eldred treffend formuliert hat.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_61932\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-61932\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/man-g087a4c061_1920-1024x649.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"649\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wann ist der Mann ein Mann? &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Daf\u00fcr gebe es wunderbare literarische Beispiele, die man auch \u00b4Kasernenliteratur` oder \u00b4Bordellliteratur` nenne und zu deren Vertretern z.B. Joseph Roth, Alexander Lernet-Holenia oder Ernst von Salomon geh\u00f6ren. Selbst R\u00e4ume wurden gegendert, also m\u00e4nnlich oder weiblich besetzt. Ein typisches Beispiel daf\u00fcr sei das Herrenzimmer. \u201eNach dem Dinner sitzt man dort und trinkt seinen Brandy, w\u00e4hrend fr\u00fcher die Damen im Salon ihren Mokka verkosteten. Mit der zunehmenden Durchmischung allerdings ist da dann auch mit der Zeit ein Fluidum zu registrieren.\u201c<\/p>\n<h4>Men`s Studies oder Masculinities<\/h4>\n<p>Schon der Name \u201eMen`s Studies\u201c ist umstritten. Der britische Soziologe und Mitbegr\u00fcnder der M\u00e4nnerforschung, Jeff Hearn, schlug z.B. \u201aThe<br \/>\nCritique of Men\u2018 als Fachbezeichnung vor. \u201e\u00b4The critic of men` ist sehr umst\u00e4ndlich\u201c sagt Vo\u00df, \u201eich finde ein Schlagwort interessanter. Men`s Studies lehne ich selber ab, weil es meines Erachtens zu stark auf den Mann ausgerichtet ist, auch wenn es eine Pluralform ist. Ich w\u00e4hle in meinen eigenen Arbeiten immer Masculinities, also M\u00e4nnlichkeiten, und orientiere mich dabei bewusst an einer neutralgehaltenen Pluralformel.\u201c<\/p>\n<p>Masculinities zeigt den Mann in allen Facetten. Den Mann als Vater, Sohn, Soldaten, Arbeiter, Liebhaber, Objekt und Subjekt. Den Mann als diverses Wesen. Den Mann als Konstruktion. \u201eBei \u00b4the critic of men` schwingt immer gleich auch ein wissenschaftsfernes, ideologiekritisches, politisches Interesse mit, und ich bef\u00fcrchte immer wieder -und das ist auch der Vorwurf, der uns Genderforscherinnen und &#8211; forschern immer gemacht wird-, wir w\u00fcrden unsere eigenen Befindlichkeiten, unsere eigenen Interessen und sexuelle Disposition zum Gegenstand der Forschung machen. Die Pluralformel in Masculinities zeigt \u00fcberdies sehr sch\u00f6n, dass es den Mann als Mann gar nicht gibt, sondern verschiedene Verst\u00e4ndnisse von M\u00e4nnlichkeiten, die sich immer wieder neu entfalten, behaupten, performieren und neu konstruieren.\u201c<\/p>\n<h4>Kommt M\u00e4nnerforschung aus der Schwulenszene?<\/h4>\n<p>1975 fand im Berliner Schwulenzentrum das erste bundesweite M\u00e4nnergruppen-Treffen mit ca. 100 Anwesenden statt. Da dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob die deutsche M\u00e4nnerforschung also aus der Schwulenszene kommt.<\/p>\n<p>\u201eJain w\u00fcrde ich sagen. Da diese M\u00e4nnlichkeitsforschung, diese Masculinities nicht unbedingt nur ideologiekritisch sein wollte\u201c, erkl\u00e4rt Vo\u00df. In der Schwulenszene gehe es auch ganz stark um Emanzipationsbestreben und nicht nur in erster Linie um einen erkenntnistheoretischen Beweggrund.<\/p>\n<p>Da habe man eine Parallele zum fr\u00fchen Feminismus, wo man allgemein auf der Ebene des einfachen menschlichen Zusammenlebens auf Missst\u00e4nde und Unterdr\u00fcckung aufmerksam machen wolle. \u201eDas ist zwar auch Thema der Wissenschaften, aber man hat da eine \u00e4hnliche Problematik mit skizziert, die wir auch beim fr\u00fchen Feminismus hatten. Dann steht das Politikum vor dem Erkenntnisinteresse.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_61931\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-61931\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/man-g0c25d97a8_1920-1024x695.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"695\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wann ist der Mann ein Mann? &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Seit 1983 treffen sich einmal im Jahr um den Feiertag \u00b4Christi Himmelfahrt\u2018 geschlechtssensibilisierte M\u00e4nner in Eigenregie zum \u201aBundesweiten M\u00e4nnertreffen\u2018. In Anlehnung des traditionellen Vatertages werden bei diesen Treffen jedoch andere Inhalte besetzt, sie zeigen Str\u00f6mungen und Entwicklungen der M\u00e4nnerbewegungsszene.<\/p>\n<p>Themen beim ersten Treffen waren damals u.a. M\u00e4nnerpolitik, K\u00f6rpererfahrung, Unterschied zwischen Orgasmus und Samenerguss. \u00dcberhaupt stand das Thema \u201asexuelle Orientierung\u2018 mehrere Jahre lang in der Rangliste der Diskussionen an erster Stelle. \u201eIn der Literaturwissenschaft spielt es in der Adoleszenzliteratur sowie in Kinder- und Jugendromanen immer noch eine immens gro\u00dfe Rolle\u201c, sagt der Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Fragen nach der Geschlechtigkeit, der sexuellen Orientierung oder erste homoerotische Erfahrungen eines ansonsten eher als heterosexuell eingestuften Jungen w\u00fcrden da in wunderbaren Texten behandelt. \u201eAu\u00dferdem spielt so etwas wie sexuelle Orientierung nat\u00fcrlich immer noch eine gro\u00dfe Rolle, weil es catchy (eing\u00e4ngig) ist, und damit kann man unheimlich viele Rezipient*innen erreichen.\u201c<\/p>\n<h4>M\u00e4nner und Vaterschaft<\/h4>\n<p>Ein weiterer Bereich der M\u00e4nnlichkeitsforschung besch\u00e4ftigt sich auch mit dem Thema Vaterschaft. Galt das Windeln wechseln fr\u00fcher als No-Go, ist es heute f\u00fcr junge V\u00e4ter ganz selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>\u201eDas liegt daran, dass die Selbstbehauptung, oder wie man sich sozial verortet, wenn es um Wahrnehmung geht, nicht mehr prim\u00e4r \u00fcber das Geschlecht abl\u00e4uft, sondern auch \u00fcber F\u00e4higkeiten.\u201c<\/p>\n<p>Die T\u00e4tigkeitsfelder von M\u00e4nnern, Frauen und Diversen seien nicht mehr so festgeschrieben, weil man sich nicht mehr \u00fcber ein typisches m\u00e4nnliches oder weibliches T\u00e4tigkeitsfeld definiere. Es bestehe eine gro\u00dfe Differenz zwischen Vaterfiguren beispielsweise in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, die noch sehr stark \u00fcber die Au\u00dfenwirkung in Berufen und Verhaltensweisen auf der einen und \u00fcber das Verhalten in privaten Lebenszusammenh\u00e4ngen auf der anderen Seite beschr\u00e4nkt war. \u201eModerne Eltern erziehen heute anders und legen nicht mehr so viel Wert auf diese bin\u00e4ren Differenzen.\u201c<\/p>\n<h4>Wann ist der Mann ein Mann?<\/h4>\n<p>Das Bild des Mannes hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Den Mann als Mann hat es also nie gegeben und dennoch versuchen uns Songs, Filme und Literatur mit bekannten M\u00e4nnlichkeitsbildern immer wieder vorzugaukeln, wie sie sein sollten.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt nicht den Mann\u201c, fasst Vo\u00df zusammen, \u201eda kann uns der Begriff der Masculinities weiterhelfen. Es<b> <\/b>gibt verschiedene m\u00e4nnliche Verhaltensformen. Sitze ich am Stammtisch, bin ich in der Kaserne, bin ich in der Studentenverbindung, sitze ich in der Fakult\u00e4tskonferenz usw., ich switsche also situativ bedingt zwischen verschiedenen M\u00e4nnlichkeiten und dementsprechenden Verhaltensweisen hin und her.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_61938\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-61938\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/man-gbcfc7db03_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wann ist ein Mann ein Mann? &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Man sei auch im Beruf mitunter anders Mann als etwa zu Hause oder gar auf dem Opernball. \u201eDieses situative Wechseln zwischen den M\u00e4nnlichkeiten ist immer auch wieder eine Melange aus Fremderwartung und Selbstverst\u00e4ndnis.\u201c\u00b4<\/p>\n<h4>Erz\u00e4hlung &#8222;Der preu\u00dfische Offizier&#8220;von D.H. Lawrence<\/h4>\n<p>Literarisch k\u00f6nne man dies besonders eindrucksvoll in der Erz\u00e4hlung \u00b4Der preu\u00dfische Offizier` von D.H. Lawrence lesen, in der ein preu\u00dfischer Hauptmann pl\u00f6tzlich erkenne, dass er sich in seinen F\u00e4hnrich verliebt habe. \u201eDieses Tabu lebt er aus, indem er den F\u00e4hnrich qu\u00e4lt, eine in der damaligen preu\u00dfischen Armee, mit ihrem Kadavergehorsam durchaus g\u00e4ngige Verhaltens-, Kommunikations- und Bestrafungspraxis w\u00e4hlt, um auf diese Art und Weise seinen Trieb zu kanalisieren.\u201c<\/p>\n<p>Diese Geschichte zeige sehr plastisch dieses Missverh\u00e4ltnis von Selbstverst\u00e4ndnis und Fremderwartung, welches eben auch auf solchen Konflikten beruhe und zeige, dass es nicht die M\u00e4nnlichkeit, sondern nur verschiedene M\u00e4nnlichkeiten gebe.<\/p>\n<p>Selbst heute scheine es f\u00fcr viele M\u00e4nner schwierig zu sein, mit ihren diversen Rollen umzugehen. Schw\u00e4che zu zeigen, sei bis heute in vielen Bereichen unm\u00f6glich. \u201eIch kenne Kollegen aus der Schweiz, die in der industriellen Forschung arbeiten. Outing w\u00e4re da kein Problem, aber Schw\u00e4che zu zeigen, nach dem Motto, ich kann das heute nicht, wird auch heute nicht gerne gesehen. Man darf es also nicht nur nicht sagen, sondern man darf sich auch nicht so verhalten. Dieser Druck ist zwar geschlechterunabh\u00e4ngig, wirkt sich aber unterschiedlich aus, weil M\u00e4nner oder M\u00e4nnerrollen anders auf diesen Druck reagieren.\u201c<\/p>\n<p>Der Literaturwissenschaft kommt dabei die Aufgabe zu, dieses an literarisch \u00e4sthetischen Inszenierungsformen zu rekonstruieren, nachzuweisen und zu zeigen, wie Geschlecht inszeniert und performiert wird.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_61928\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 185px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61928\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Voss-Presse-3.jpg\" alt=\"\" width=\"175\" height=\"239\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Torsten Vo\u00df &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber PD Dr. Torsten Vo\u00df<\/h4>\n<p>PD Dr. Torsten Vo\u00df ist Lehrbeauftragter im Teilfach Neuere deutsche Literatur in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wann ist der Mann ein Mann?&#8220; fragt Gesangs-Star Herbert Gr\u00f6nemeyer 1984 in seinem ber\u00fchmten Hit-Song &#8222;M\u00e4nner&#8220; und listet eine ganze Reihe an Attributen auf, die gerne dem starken Geschlecht zugesprochen werden. Aber ist das wirklich so? Dieser Frage geht Autor Uwe Blass in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; nach.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-61922","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-11 01:36:08","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61922"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61922\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61939,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61922\/revisions\/61939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}