{"id":61300,"date":"2023-02-24T12:09:54","date_gmt":"2023-02-24T11:09:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=61300"},"modified":"2023-02-24T12:09:54","modified_gmt":"2023-02-24T11:09:54","slug":"parkinson-selbsthilfegruppe-niemand-wird-zurueckgelassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/02\/24\/parkinson-selbsthilfegruppe-niemand-wird-zurueckgelassen\/","title":{"rendered":"Parkinson-Selbsthilfegruppe: Niemand wird zur\u00fcckgelassen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_56646\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56646 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/3-2-1024x836.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"836\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Schaukelt die Sache gemeinsam: das Ehepaar Karin Krause und Uwe Brehm. Der 1959 geborene gelernte Elektroinstallateur f\u00fchrt seit 2016 die Gruppe &#8211; \u00a9 Tatiana Kreutzenbeck<\/span><\/div>\n<p>Der renommierte Journalist und \u00a0erfolgreiche Buchautor Dr. Matthias Dohmen hat f\u00fcr die STADTZEITUNG \u00fcber dieses aktuelle Thema ein Interview mit Uwe Brehm gef\u00fchrt, der die Parkinson Selbsthilfegruppe mit Unterst\u00fctzung seiner Ehefrau Karin Krause seit 2016 leitet.<\/p>\n<p><strong>DS: Wie ist die Gruppe aus dem Corona-Tief herausgekommen? Was hat sie in der Zeit unternommen? Hat sie Federn lassen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;In der Corona-Zeit hatten wir unsere Mitglieder aufgefordert, sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen, indem sie sich untereinander anrufen beziehungsweise sich mit der Gruppe zu einer Zoom-Sitzung treffen. Das hei\u00dft: Wir haben uns \u00f6fters per Video gesehen. Da haben wir nicht selten geh\u00f6rt: \u201eIch bin allein und komme \u00fcberhaupt<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>nicht mehr nach drau\u00dfen.\u201c Durch Briefe, Telefonate und Nachrichten \u00fcber Whatsapp haben wir zum Durchhalten und Aufmuntern animiert. In der Weihnachtszeit wurden P\u00e4ckchen verschickt und zu Ostern sogar ein pers\u00f6nlicher Gru\u00df vorbeigebracht.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Und trotzdem haben Sie Mitglieder verloren?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Eben nicht. Nein, wir haben den Bestand erhalten. Alle f\u00fchlten sich integriert.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Andere Selbsthilfegruppen und Vereine singen ein anderes Lied. Was haben Sie besser gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Ich muss dazu sagen, dass wir uns auf ein Helferteam st\u00fctzen konnten, das ein knappes Dutzend Menschen umfasst. Genau in dieser Zeit mussten wir unser &#8218;Vereinslokal&#8216; wechseln und haben im Gemeindezentrum Sonnborn eine neue Heimat gefunden. Hier und da wurde gem\u00e4kelt, der Weg sei jetzt zu weit, wir waren ja zuvor in der Kohlstra\u00dfe, aber \u00fcber die Bildung von Fahrgemeinschaften konnte vieles abgefangen werden. Wir machen \u00fcberdies unsere Mitglieder darauf aufmerksam, dass die Krankenkassen ihren Mitgliedern ab der Pflegestufe 1 einen Betrag von 125 Euro pro Monat gew\u00e4hren, mit dem drei Stunden Hilfe in der vielf\u00e4ltigsten Form finanziert werden kann. Die Summe kann man auch f\u00fcr eine sogenannte Alltagsbegleiterin verwenden, die ihre \u201eKunden\u201c auf dem Weg zum Treffen hin- und wieder zur\u00fcckbegleitet. Die Fahrtkosten m\u00fcssen privat getragen werden. Pfiffig: Zwei Parkinson-Betroffene \u201eteilen\u201c sich die Alltagsbegleiterin und damit auch die Kosten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_61310\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-61310\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/DSC_0121-2-1024x617.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"617\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Ehepaar Karin Kraus und Uwe Brehm reist auch privat gern: Hier mit Tochter Beatrice auf einer Kreuzfahrt im hohen Norden &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Und eine gro\u00dfe Fahrt gibt es 2023 auch wieder?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 &#8222;<\/span>Klar doch! Wir fahren nach Ruhpolding. Mit voraussichtlich 43 Personen. Mit allem Zipp und Zapp: Koffer, Klamotten, Spiele f\u00fcr die Zeit der Fahrt mit der Bahn und sp\u00e4ter dem Bus, Rollst\u00fchle und Rollatoren, das ist schon eine gro\u00dfe Aktion. F\u00fcr 2024 ist angedacht, dass wir nach Swinem\u00fcnde fahren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie lautet Ihr Motto?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Unser Motto lautet \u201eSpa\u00df und Freude in Dopaminform ohne Medikamente\u201c. Dopamin ist ein wichtiges Medikament bei Parkinson-Erkrankten. Aber wir sind ja keine \u00c4rzte, sondern eine Selbsthilfegruppe. Wir organisieren eben Spa\u00df und Freude ohne Nebenwirkungen. Da geschehen kleine Wunder: Ein Mann, der auf der Weintour \u2013 auch ein Highlight in den letzten Jahren \u2013 mit M\u00fche aus dem Bus geleitet wurde, ging nach zwei bis drei Stunden fr\u00f6hlichen Beisammenseins selbstt\u00e4tig in den Bus zur\u00fcck. Wunder k\u00f6nnen wir leider keine vollbringen, aber die Menschen in gute Stimmung zu versetzen, das gelingt uns schon.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Stichwort Stephan Bauer &#8211; was steckt dahinter?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0&#8222;S<\/span>o hei\u00dft unser n\u00e4chster Gast. Sein Programm steht unter dem Motto \u201eVor der Ehe wollt\u2018 ich ewig leben\u201c. Das wird am 19. M\u00e4rz sicher wieder ein volles Haus. Einzelheiten, Eintritt usw. kann man unserer Homepage <a href=\"http:\/\/www.wuppertal-parkinson.de\">www.wuppertal-parkinson.de<\/a> entnehmen. Ich gehe davon aus, dass die Stimmung so gut ist wie beim letzten Entertainer Martin Schopps oder bei Simon Krebs, der ebenfalls bei uns zu Gast war und der mit Mitsingliedern wie \u201eAber bitte mit Sahne\u201c begeistert hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Stichwort Weintour 2023, wohin geht es diesmal?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Sie f\u00fchrt uns Ende September\/Anfang Oktober f\u00fcr eine halbe Woche nach Bad M\u00fcnster am Stein. Bei diesen Touren im normalen Reisebus k\u00f6nnen keine Rollstuhlfahrer mit. Deswegen bieten wir Tagestouren im Umkreis an, weil dann der Bus zwar eine Rampe, aber leider keine Toilette an Bord hat. Ungl\u00fccklicherweise ist der Platz im Bus begrenzt, und nur ein Platz existiert f\u00fcr jemanden, der sich nicht \u2013 auch nicht mit Hilfe \u2013 aus seinem Rollstuhl herausbewegen kann.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_61312\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61312 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20220814_150858-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Am 10. Juni 2022 war der WDR zu Gast bei der Parkinsongruppe Wuppertal. Er machte f\u00fcr einen sp\u00e4ter ausgestrahlten Film Aufnahmen vom Treffen der Parkinson-Gruppe mit der Choreographin Bridget Petzold, der Frau des renommierten Filmproduzenten Frank Petzold, beim Workshop &#8222;Bewegen mit Musik&#8220; &#8212; \u00a9 Screenshot privat<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie hilft die Gruppe dem Einzelnen, der vielleicht gerade die niederschmetternde Diagnose Parkinson erhalten hat und Panik bekommt?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Das ist f\u00fcr jeden Betroffenen ein kritischer Moment. Der erste Kontakt erfolgt in den meistens F\u00e4llen telefonisch und wir kl\u00e4ren jeden, soweit n\u00f6tig, \u00fcber wichtige Punkte auf. Nicht selten kommt auch eine Gegenfrage: Haben Sie denn Ahnung, sind Sie selbst betroffen? Ich selbst habe ja nun kein Parkinson, aber seit 2016, seit ich die Gruppe leite, habe ich viel gelernt \u2013 auch \u00fcber zentrale Veranstaltungen der Deutschen Parkinson-Vereinigung, die auch zahlreiche Brosch\u00fcren zum Thema erarbeitet hat und eigene Zeitschriften vertreibt. Es gibt viele Vorteile, die man mit der Mitgliedschaft erwirbt. Ist also Interesse an unserer Gruppe vorhanden, laden wir zu einem ersten Kennenlernen bei einem der n\u00e4chsten Treffen ein.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Und dann geht\u00a0sicher das gro\u00dfe das Fragen los?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Richtig! Programm Selbsthilfe: Diejenigen, die an der Krankheit leiden &#8211; und das kann sehr unterschiedlich sein, da existieren tausend Facetten &#8211; reden dann bei unseren Treffen \u00fcber Medikamente und \u00c4rzte, Sportprogramme und Hilfsmittel.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Und das alles passiert im Stuhlkreis und in gro\u00dfer Runde?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;Eben nicht. Das haben wir einmal versucht und nie wieder. Ein Thema wie Tiefenhirnstimulation muss nicht unbedingt in gro\u00dfer Runde er\u00f6rtert werden. Bei uns hat sich der Achtertisch durchgesetzt, was aber nicht ausschlie\u00dft, dass der eine oder andere bei \u201edelikaten\u201c Fragen das Zweiergespr\u00e4ch vorzieht. Au\u00dferdem hat nicht jeder zur gleichen Zeit dasselbe Problem. Wir sind Ansprechpartner f\u00fcr alle Belange, gleichzeitig Vermittler und Bindeglied zwischen allen Gruppenmitgliedern. Es ist wichtig, dass jeder sich in seiner Krankheit aufgehoben f\u00fchlt und nicht allein dasteht&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Und was ist mit den Familie des Betroffenen?<\/strong><\/p>\n<p>Uwe Brehm: &#8222;An die denken wir auch. \u201eSpa\u00df, Freude, Infos und Unterst\u00fctzung\u201c gilt auch f\u00fcr das Umfeld desjenigen, der von Parkinson betroffen ist. Da k\u00f6nnen sich echte Dramen abspielen. Nicht selten berichten uns Angeh\u00f6rige davon, dass sie \u201enicht mehr k\u00f6nnen\u201c, dass sie eine Atempause brauchen, einmal Luft schnappen wollen. Da helfen wir mit unserem Netzwerk und schauen, welche Unterst\u00fctzung gebraucht wird. Wir sind schon so etwas wie eine gro\u00dfe Familie, wo der eine f\u00fcr den anderen da ist. Der Zusammenhalt und die Gemeinschaft untereinander in der Gruppe sind enorm.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das aufschlussreiche, informative und offene Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Dr. Matthias Dohme<\/strong>n<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Link zur Homepage der Parkinson-Selbsthilfegruppe Wuppertal:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wuppertal-parkinson.de\">http:\/\/www.wuppertal-parkinson.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontakt zu Uwe Brehm und Karin Krause:<\/strong><\/p>\n<p>Telefon: 0212-2218753<\/p>\n<p>E-mail: brehm@wuppertal-parkinson.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand wird zur\u00fcckgelassen! Das ist das Credo der Wuppertaler\u00a0Parkinson-Selbsthilfegruppe. F\u00fcr das Jahr 2023 sind wieder kleine und gro\u00dfe Aktionen geplant. Parkinson, die Erkrankung des zentralen Nervensystems und die damit verbundenen Folgen, stellen gro\u00dfe Herausforderungen an die  Betroffenen und deren Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-61300","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-11 01:40:58","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61300","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61300"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61317,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61300\/revisions\/61317"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}