{"id":61092,"date":"2023-02-16T16:30:22","date_gmt":"2023-02-16T15:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=61092"},"modified":"2023-02-16T16:30:22","modified_gmt":"2023-02-16T15:30:22","slug":"karl-otto-muehl-35-regalmeter-leben-und-werk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/02\/16\/karl-otto-muehl-35-regalmeter-leben-und-werk\/","title":{"rendered":"Karl Otto M\u00fchl: 35 Regalmeter Leben und Werk"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_61094\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61094 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Pressefoto-Stadler-2-1024x721.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"721\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Uwe Stadler, Leiter der Universit\u00e4ts-Bibiliothek &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Der Schriftsteller Karl Otto M\u00fchl wurde am 16. Februar 1923 in N\u00fcrnberg geboren. 1929 zog er mit seiner Familie nach Wuppertal. Nach der Mittleren Reife an der Realschule absolvierte er eine kaufm\u00e4nnische Lehre.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Ab 1941 nahm er als Soldat der Wehrmacht am 2. Weltkrieg teil. In Nordafrika geriet er in britische Kriegsgefangenschaft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck in Wuppertal holte er am Carl-Duisberg-Gymnasium (1948) das Abitur nach. Seine schriftstellerischen Anf\u00e4nge reichen bis in die 1930er Jahre zur\u00fcck. Karl Otto M\u00fchl starb am 21.08.2020 in Wuppertal.<\/p>\n<p><b>Am 16. Februar w\u00e4re der Wuppertaler Dramatiker Karl Otto M\u00fchl 100 Jahre alt geworden. Sie haben ihn pers\u00f6nlich kennengelernt. Wie w\u00fcrden Sie ihn beschreiben?<\/b><\/p>\n<p>Uwe Stadler: &#8222;Ich habe Karl Otto M\u00fchl tats\u00e4chlich ein paar Mal getroffen, vor allem anl\u00e4sslich der Unterzeichnung des Depositalvertrages (Ein <i>Depositum<\/i> ist ein in einem Archiv hinterlegtes Archivgut, Anm. d. Red.), den M\u00fchl mit der Bergischen Universit\u00e4t geschlossen hat. Es geht also um die Hinterlegung des Nachlasses &#8211; Karl Otto M\u00fchl ist ja bereits ein Jahr nach der Unterzeichnung dieses Vertrages 2020 gestorben &#8211; der 2019 in Anwesenheit von Dr. Dagmar M\u00fchl-Friebel, seiner Frau und Herrn Prof. Dr. Michael Scheffel, des damaligen Prorektors, vereinbart wurde. Er war ein sehr starker, angenehmer Mensch mit einer pers\u00f6nlichen Verschmitztheit, sehr verbindlich im Gespr\u00e4ch, aber auch zur\u00fcckhaltend.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><b>M\u00fchl schrieb Theaterst\u00fccke Romane, Gedichte und H\u00f6rspiele. Seinen Nachlass \u00fcberlie\u00df er 2019 der Bergischen Universit\u00e4t. Wie umfangreich ist er?<\/b><\/p>\n<p>Uwe Stadler: &#8222;Der ganze Vor- und Nachlass, der uns in diesem Vertrag \u00fcbergeben wurde betr\u00e4gt z.B. 18 Meter Archivkarton mit Entw\u00fcrfen und Manuskripten seiner St\u00fccke und Romane, also ein sehr umf\u00e4nglicher Nachlass, den wir nat\u00fcrlich auch zu gegebener Zeit, zusammen mit den hiesigen Fachleuten aus der entsprechenden Fakult\u00e4t, bearbeiten werden. Zudem gibt es eine Korrespondenz mit Freunden, das d\u00fcrften etwa zwei Regalmeter sein, also sortierte Kartons, die sehr pers\u00f6nlich sind. Mit diesen pers\u00f6nlichen Archivalien muss man dementsprechend umsichtig umgehen, denn da gibt es Pers\u00f6nlichkeits- und Urheberrechte zu beachten. Dazu kommen noch ca. 10 Meter Monografien, die aus M\u00fchls eigener Privatbibliothek stammen, die er gelesen hat und aus denen er auch Material f\u00fcr seine eigenen Entw\u00fcrfe gefunden hat. Dann gibt es noch 7 K\u00e4sten mit Fotos. Also eine sch\u00f6ne und umfangreiche Sammlung in Summe, die zusammen bestimmt 30 bis 35 Regalmeter in der Bibliothek ausmacht.&#8220;<\/p>\n<p><b>Karl Otto M\u00fchl geriet im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft und schrieb damals seine ersten Theaterst\u00fccke. 1944 machte er in den USA die Bekanntschaft des ebenfalls kriegsgefangenen Schriftstellers Tankred Dorst, mit dem er ab 1947 Mitglied in der Wuppertaler K\u00fcnstlergruppe \u201eDer Turm\u201c war. D.h. so ein Nachlass ist sowohl f\u00fcr Literaturwissenschaftler als auch f\u00fcr Historiker interessant, oder?<\/b><\/p>\n<p>Uwe Stadler: &#8222;Das sehe ich genauso. Tats\u00e4chlich denke ich aber, in Bezug auf die Vorgeschichte zur \u00dcbergabe des Nachlasses, dass es in erster Linie darum gehen wird, dass sich die entsprechenden Fachleute aus den Philologien damit besch\u00e4ftigen werden. Die ersten Kontakte zu Karl Otto M\u00fchl wurden durch Prof. Dr. Andreas Meier hergestellt, der ihn schon l\u00e4nger kannte. Herr Scheffel als Fachmann f\u00fcr Editionswissenschaften, zusammen mit vielen anderen Professorinnen und Professoren an der hiesigen Universit\u00e4t, ist sicherlich auch ein ganz wichtiger erster Ansprechpartner. Wir werden zun\u00e4chst aus literaturwissenschaftlicher Sicht zusammen mit der Fakult\u00e4t das Thema angehen. Inwieweit es dann auch historische Relevanz hat, werden zuk\u00fcnftige Gespr\u00e4che kl\u00e4ren.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_61099\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 306px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61099 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/41d9BWphKNL._SX294_BO1204203200_.jpeg\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"499\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Nackte Hunde &#8211; Karl Otto M\u00fchl &#8211; Nordpark Verlag &#8211; Roman &#8211; 208 Seiten &#8211; Taschenbuch &#8211; ISBN-10: 3935421060 &#8211; ISBN-13: 978-3935421065<\/span><\/div>\n<p><b>Seinen Durchbruch hatte M\u00fchl erst sp\u00e4t. 1974 ver\u00f6ffentlichte er das Drama \u201eRheinpromenade\u201c, welches bundesweit inszeniert wurde. Wer wird denn eigentlich Zugang zu seinem Archiv haben?<\/b><\/p>\n<p>Uwe Stadler: &#8222;Das haben wir tats\u00e4chlich auch als Teil des Vertrages definiert. Da hei\u00dft es: \u00b4Der Vertragszweck dieses Depositums sieht u.a. vor, dass wir die Unterlagen als Bibliotheks- bzw. Archivgut \u00fcbernehmen und sie der \u00f6ffentlichen Nutzung zug\u00e4nglich machen werden. \u00b4 Das ist ein wichtiger Punkt, denn ich wei\u00df, sowohl von M\u00fchl selber, als auch von seiner Frau, dass es ein wichtiges Anliegen ist und war, die Unterlagen entsprechend auch der Allgemeinheit, insbesondere nat\u00fcrlich f\u00fcr Forschungszwecke, zur Verf\u00fcgung zu stellen. Ein wichtiger Bestandteil des Vertrages ist dar\u00fcber hinaus die freigegebene Erschlie\u00dfung der Unterlagen in Form von Digitalisierung und Verfilmung, d.h., wir k\u00f6nnen aus diesen Unterlagen Digitalisate erstellen, um dann, soweit es die rechtlichen M\u00f6glichkeiten zulassen, das Maximum der Zug\u00e4nglichkeit anzubieten.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wie oft kommt es vor, dass eine Universit\u00e4t einen Nachlass erh\u00e4lt und wie bereitet die Bibliothek so etwas f\u00fcr Nutzer auf?<\/b><\/p>\n<p>Uwe Stadler: &#8222;Das ist standortspezifisch sehr unterschiedlich. Es gibt Universit\u00e4ten und Bibliotheken, die spezialisierter auf Nachl\u00e4sse sind wie z.B. das Deutsche Literaturarchiv in Marbach (DLA), welches eine Standardstelle f\u00fcr den Nachweis u.a. deutschsprachiger Schriftstelliernnen und Schriftsteller ist. Dort sind auch schon einzelne St\u00fccke von Karl Otto M\u00fchl hinterlegt. Bei uns in Wuppertal kommt es nicht ganz so h\u00e4ufig vor. Wir hatten durch Ankauf von der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Nachlass des irischen Schriftstellers Walter M\u00e4cken erhalten, den wir bei uns im Magazin verwahren und f\u00fcr die Forschung zur Verf\u00fcgung stellen. Die Digitalisierung steht da noch aus. Ansonsten haben wir schon einige Gespr\u00e4che mit anderen Autoren gef\u00fchrt, die sich sehr interessiert gezeigt haben und vielleicht mit der Unibibliothek kooperieren.&#8220;<\/p>\n<p><b>M\u00fchl engagierte sich schriftstellerisch auch sozial. Er brachte am Bergischen Kolleg Jugendlichen in einer Schreibwerkstatt das Schreiben bei und organisierte mit anderen Beteiligten Lesungen in Wuppertaler Altenheimen. 2020 starb er. Wie erinnern wir uns an ihn?<\/b><\/p>\n<p>Uwe Stadler: &#8222;An eine sehr offene, an gesellschaftlichen und sozialen Dingen interessierte Pers\u00f6nlichkeit. Interessant ist tats\u00e4chlich, dass er als Wuppertaler Schriftsteller auch seinen Wuppertaler Verlagen immer stets verbunden geblieben ist. Fr\u00fcher hat er im Hammer Verlag, in den letzten Jahren auch im Nordpark Verlag, der von unserem fr\u00fcheren Bibliotheksmitarbeiter Alfred Miersch betrieben wird, ver\u00f6ffentlicht. Er hatte eine lokale aber auch regionale Ausstrahlung und wird sicherlich in sehr guter Erinnerung bleiben.&#8220;<\/p>\n<p><b>Uwe Blass<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_61096\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 171px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-61096\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Pressefoto-Stadler-3.jpg\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"224\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Uwe Stadler &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Uwe Stadler<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/h4>\n<p><b><\/b>Uwe Stadler leitet seit 2006 die Wuppertaler Unibibliothek. 1961 in F\u00fcrth geboren, studierte er Sozialwissenschaften mit politikwissenschaftlichem Schwerpunkt in Duisburg, war nach Diplom und Bibliotheksreferendariat in Bielefeld und K\u00f6ln als Bibliotheksrat an der Technischen Informationsbibliothek in Hannover t\u00e4tig und kam 1994 als Fachreferent f\u00fcr die erziehungs- und gesellschaftswissenschaftlichen F\u00e4cher nach Wuppertal. Wenig sp\u00e4ter wurde er Leiter des Dezernats f\u00fcr Digitale Bibliothek und Neue Medien. 2004 wurde Stadler stellvertretender Direktor der Universit\u00e4tsbibliothek.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220;-Interview hat sich Autor Uwe Blass mit Uni:-Bibliotheks-Direktor Uwe Stadtler \u00fcber den Nachlass des Wuppertaler Dramatikers Karl Otto M\u00fchl an der Bergischen Universit\u00e4t gesprochen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-61092","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-23 19:47:47","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61092","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61092"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61092\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61100,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61092\/revisions\/61100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61092"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61092"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61092"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}