{"id":59984,"date":"2023-01-27T10:05:54","date_gmt":"2023-01-27T09:05:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=59984"},"modified":"2023-01-29T14:17:15","modified_gmt":"2023-01-29T13:17:15","slug":"bluthochzeit-konflikt-zwischen-gefuehlen-und-vernunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/01\/27\/bluthochzeit-konflikt-zwischen-gefuehlen-und-vernunft\/","title":{"rendered":"Bluthochzeit: Konflikt zwischen Gef\u00fchlen und Vernunft"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_59987\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59987\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bluzhochzeit_SchSpW__c__Anna_Schwartz__6_-2-1024x701.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"701\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Ensemble des Drams &#8222;Bluthochzeit&#8220;: (vorne v.l.)\u00a0John Sander, Julia Meier, Silvia Munz\u00f3n L\u00f3pez, Stefan Walz. Hinten:\u00a0Maditha Dolle, Nora Krohm, Alexander Peiler, Rebekka Biener (im Hintergrund) &#8211; \u00a9 Anna Schwartz \/ Wuppertaler B\u00fchnen<\/span><\/div>\n<p>Inszeniert wird die &#8222;Bluthochzeit&#8220; von Peter Wallgram, f\u00fcr die Dramaturgie ist Barbara Noth verantwortlich. Lorcas Werke geh\u00f6ren zu den am h\u00e4ufigsten gespielten Dramen des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Schon dreimal verfilmt, war die andalusische Trag\u00f6die \u201eBluthochzeit\u201c bereits auf den Kinoleinw\u00e4nden zu sehen. Das Drama wurde 1933 in Madrid uraufgef\u00fchrt, durfte aber in Spaniens Franco-Diktatur nicht aufgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h4>Lorcas fr\u00fcheste Frauentrag\u00f6die<\/h4>\n<p>Es ist die fr\u00fchste von Lorcas Frauentrag\u00f6dien. Sie handelt von der Unterdr\u00fcckung der weiblichen Sexualit\u00e4t in einer von lebensfeindlichen Ehrbegriffen umstellten b\u00e4uerlichen-archaischen Welt. Es thematisiert den Konflikt zwischen Gef\u00fchlen und Vernunft in den Zw\u00e4ngen einer sittenstrengen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Geschichte entstammt einer echten Begebenheit in einem andalusischen Dorf des spanischen Hinterlandes, wo Menschen lebten wie vor Jahrhunderten und weder Kirche noch Staat etwas gegen die alten Sitten der Blutrache auszurichten vermochten.<\/p>\n<p>Eine \u00e4ltere, verbitterte Frau und Mutter (gespielt von Silvia M\u00fcnzen Lopez), die aus gutem Grund die Vergangenheit nicht vergessen kann, steht im Mittelpunkt. Nach traumatischen Ereignissen ha\u00dft sie alle Waffen und sei es ein noch so ein kleines Messer, was sie als Symbol von Gewalt und Tod sieht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_59994\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59994 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bluzhochzeit_SchSpW__c__Anna_Schwartz__5_-3-1024x708.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"708\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ensemble &#8222;Bluthochzeit&#8220;: (v.l.) Alexander Peiler, Nora Krohm, Rebekka Biener, Julia Meier, John Sander, Maditha Dolle, Luzia Oster- mann, Silvia Munz\u00f3n L\u00f3pez und \u00a0Stefan Walz &#8211; \u00a9 Ama Schwartz \/ Wuppertaler B\u00fchnen<\/span><\/div>\n<p>Ihr Sohn, ein junger Bauer (gespielt von John Sander) trifft Hochzeitsvorbereitungen. Die Mutter sieht die angestrebte Verbindung zu der jungen Braut aus der Familie F\u00e9lix mit gro\u00dfer Sorge. Ihren Mann und den \u00e4lteren Sohn hatte sie durch Blutrache genau dieser Familie verloren.<\/p>\n<p>Eine \u00fcberw\u00e4ltigende Last der Familiengeschichte. Der feindlichen Sippe geh\u00f6rt auch Leonardo (Alexander Peiler), ein fr\u00fcherer Verlobte der Braut (Julia Meier) an, der jetzt mit einer anderen Frau ungl\u00fccklich verheiratet ist und mit ihr ein Kind hat.<\/p>\n<h4>Ehe aus wirtschaftlicher Sicht n\u00fctzlich<\/h4>\n<p>Trotz dieser Vorgeschichte und aller Vorbehalte besucht die Mutter des Br\u00e4utigams den Familiensitz der Familie F\u00e9lix. Sie wolle dem Gl\u00fcck ihres Sohnes nicht im Wege stehen. Mit dem Vater der Braut wird sie sich einig, dass die Ehe aus wirtschaftlicher Sicht f\u00fcr beide Familien n\u00fctzlich ist.<\/p>\n<p>Als der fr\u00fchere Liebhaber Leonardo von der kommenden Hochzeit erf\u00e4hrt, ist er verbittert, auch weil er glaubt, seine Verbindung sei nur an seinen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen gescheitert.<\/p>\n<p>Leonardo ist immer noch von der Braut besessen und reitet oft mit seinem Pferd bei ihr vorbei und beobachtet sie heimlich aus der Ferne. Am Tag der Hochzeit beschlie\u00dft Leonardo, die Braut zu besuchen, um sie noch einmal zu sprechen.<\/p>\n<p>Anfangs scheint alles gut zu gehen. Es gibt gutes Essen, stimmungsvolle Musik, Tanz sowie vers\u00f6hnende Worte. Die Feier nimmt zun\u00e4chst einen guten Verlauf, bis die Braut und auch Leonardo pl\u00f6tzlich verschwunden und in mit dem Pferd in die W\u00e4lder auf und davon sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_59996\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59996 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bluzhochzeit_SchSpW__c__Anna_Schwartz__7_-2-1024x604.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"604\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Markante Szene aus Lorcas &#8222;Bluthochzeit&#8220;: \u00a0Silvia Munz\u00f3n L\u00f3pez mit John Sander. Im Hintergrund \u00a0Stefan Walz &#8211; \u00a9 Anna Schwartz \/ Wuppertaler B\u00fchnen<\/span><\/div>\n<p>Von seiner dominanten Mutter angetrieben, macht sich der betrogene Br\u00e4utigam mit Freunden auf\u00a0die Suche nach Leonardo und der Braut. Damit sind tragische Ereignisse vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Der Zuschauer erf\u00e4hrt in dem St\u00fcck nun die Symbolik des Dramas zum<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Thema \u201eBlut\u201c (span. Sangre), das f\u00fcr das Leben und zugleich f\u00fcr den tragischen Tod steht. Im Finale<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>des Schauspieles erlebt das Publikum, wie der Konflikt zwischen Gef\u00fchlen und Vernunft verarbeitet wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Hier kommt zum Tragen, was Federico Garcia Lorcas internationalen Ruhm begr\u00fcnden: Die Emotionalit\u00e4t seiner Stoffe, die Musikalit\u00e4t seiner Sprache und die Suggestionskraft seiner Stimmungen. Drei Akte mit einer Dauer von zusammen zwei Stunden und 10 Minuten hat die Vorf\u00fchrung im Barmer Engelsgarten.<\/p>\n<h4>Eine sehr gelungene Premiere<\/h4>\n<p>Die anschaulichen B\u00fchnenbilder und Kost\u00fcme von Miriam Grimm haben eine ganz eigene Pr\u00e4gung und zeigen in den drei Akten u.a. den \u00fcbergo\u00dfen offenen Kussmund, Orangenbl\u00fcten sowie den rustikalen Wohnraum des Br\u00e4utigams. Musikalische Einblendungen, f\u00fcr die Luzia Ostermann verantwortlich zeichnete, unterstreichen die Poesie der Texte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nach der sehr gelungenen Premiere steht Fedrig Garcia Lorcas B\u00fchnen-Klassiker im Theater am Engelsgarten noch Samstag (28.01) um 19.30 Uhr und am Donnerstag (09.02.) um 19.30 Uhr auf dem Programm.<\/p>\n<p><b>Text Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_59998\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59998 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bluzhochzeit_SchSpW__c__Anna_Schwartz__10_-2-1024x720.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"720\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Bluthochzeit&#8220; (v.l.): Luzia Ostermann, Rebekka Biener, Maditha Dolle, Nora Krohm und \u00a0Julia Meier &#8211; \u00a9 Anna Schwartz \/ Wuppertaler B\u00fchnen<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht immer waren alle so begeistert wie das Wuppertaler Premierenpublikum, wenn es um die Werke des Spaniers Federico Garcia Lorca ging. Der Autor wurde vielmehr wegen seiner kritischen und provokanten Darstellungen 1936 im spanischen B\u00fcrgerkrieg ermordet. Seine \u201eBluthochzeit\u201c hatte jetzt im Theater am Engelsgarten eine gelungene Premiere.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-59984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 04:43:03","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59984"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":60008,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59984\/revisions\/60008"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}