{"id":59863,"date":"2023-01-18T13:13:30","date_gmt":"2023-01-18T12:13:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=59863"},"modified":"2023-01-18T13:13:30","modified_gmt":"2023-01-18T12:13:30","slug":"gaertners-goldwasser-ueber-die-nachhaltige-nutzung-von-urin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/01\/18\/gaertners-goldwasser-ueber-die-nachhaltige-nutzung-von-urin\/","title":{"rendered":"G\u00e4rtners Goldwasser &#8211;\u00a0 \u00fcber die nachhaltige Nutzung von Urin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_59867\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59867\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Kling_von_Sebastian_Jarych_2a-2-1024x739.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"739\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Hans-Willi Kling &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Wissenschaft und Forschung entdecken bis heute immer neue Vorteile der humanoiden K\u00f6rperfl\u00fcssigkeit. Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit dem\u00a0Chemiker Prof. Dr. Hans-Willi Kling \u00fcber den ganz besonderen D\u00fcnger Urin unterhalten.<\/p>\n<p>An der Bergischen Universit\u00e4t kennt sich der Chemiker Prof. Dr. Hans-Willi Kling, der die Fachgruppe Management chemischer Prozesse in der Industrie und Analytische Chemie leitet, mit den Vor- aber auch Nachteilen der menschlichen Ausscheidung aus.<\/p>\n<p>Unbestritten ist der potentielle Nutzen des Urins, denn \u201ewas wir ausscheiden, ist im Prinzip N\u00e4hrstoff f\u00fcr den Rest, d.h. wir gehen in eine Art Kreislauf hinein\u201c, sagt der Wissenschaftler. \u201eDas, was wir vornehmlich mit dem Urin ausscheiden ist der Harnstoff, Kohlens\u00e4urediamid kann man das auch bezeichnen, und das ist etwas, was \u00fcber Bakterien abgebaut werden kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Diese Bakterien sind im Boden drin. Sie setzen Ammoniumstickstoff frei, und die Pflanze kann den Ammoniumstickstoff wieder aufnehmen, kann die Proteine daraus synthetisieren. Damit ist der Kreislauf wieder geschlossen.\u201c\u00a0Die daraus entstehende hochwertige Nahrung k\u00f6nne verzehrt oder als Viehfutter gereicht werden. Fleischerzeugnisse so gef\u00fctterter Nutztiere st\u00fcnden dann wieder dem Menschen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h4>Des G\u00e4rtners Goldwasser ist nicht immer zu gebrauchen<\/h4>\n<p>Urin kam in fr\u00fcheren Zeiten h\u00e4ufig zum Einsatz. Man nutzte ihn zum D\u00fcngen, zum Gerben von Leder, zum Herstellen von Schie\u00dfpulver oder zum Gurgeln bei Halsschmerzen. Er ist in Salben enthalten und auch Mitbestandteil von Klebstoffen. G\u00e4rtner sprechen gar vom \u201eGoldwasser\u201c.<\/p>\n<p>Damit ist Urin der pr\u00e4destinierte Nachhaltigkeitsstoff. \u201eDer Harnstoff ist das eigentliche, was wir ausscheiden\u201c, erkl\u00e4rt Kling, \u201eein solcher Urin ist sicherlich nachhaltig zu verwenden. Gegurgelt hat man fr\u00fcher gerne mal, weil, wenn ich gesund bin, ist der Urin eigentlich keimfrei.\u201c In der Wundbehandlung verwand man ihn, um Keime herauszuwaschen, denn er war gesellschaftlich nicht so tabuisiert.<\/p>\n<p>\u201eHeute nutzt man das, was als Harnstoff bezeichnet wird, und das finden wir bei Kosmetika unter dem lateinischen Begriff Urea. Es beruhigt die Haut.\u201c Doch unser eigener K\u00f6rpersaft kann auch Nachteile mit sich f\u00fchren, denn die Ausscheidung von Harnstoff bedeutet auch die Ausscheidung von m\u00f6glichen Giftstoffen, die nicht metabolisiert, also vom eigenen K\u00f6rper abgebaut werden und so ungefiltert den K\u00f6rper verlassen, erkl\u00e4rt der Chemiker.<\/p>\n<div id=\"attachment_59870\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59870\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/treatment-plant-wastewater-ga9068812a_1920-2-1024x495.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"495\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine herk\u00f6mmliche Kl\u00e4ranlage &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Zu diesen Stoffen z\u00e4hlen vor allem Medikamente. \u201eDas ist in dem Moment ein Problem, wenn Personen relativ viele Medikamente zu sich nehmen m\u00fcssen, oder dauermedikamentiert werden. Wir finden in deren Ausscheidungen dann auch diese Medikamente als solche wieder, und die geh\u00f6ren eigentlich nicht in die Natur, besonders dann nicht, wenn sie nicht gut abbaubar sind, weil sie den nat\u00fcrlichen Kreislauf st\u00f6ren.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Urin wird intensiv in der Landwirtschaft genutzt. G\u00fclle oder Mist, auch als biologischer D\u00fcnger bezeichnet, verhilft zu guten Ernten, wenn man es richtigmacht. \u201eDas, was man nat\u00fcrlich beachten muss, ist, dass solche gro\u00dfen Stickstoffmengen z.B. nicht durch Regen direkt in die n\u00e4chsten Gew\u00e4sser gewaschen werden\u201c, erkl\u00e4rt Kling. \u201eFr\u00fcher wurde der Mist einfach direkt auf dem Boden verteilt, heute wird dieser Urin durch Schlitzd\u00fcsen landwirtschaftlicher Maschinen direkt in den Boden eingebracht.<\/p>\n<h4>D\u00fcngen ja \u2026 aber dann richtig<\/h4>\n<p>Damit wird er beim n\u00e4chsten Platzregen nicht ins Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser abgef\u00fchrt, denn dort macht er genau das Gleiche, was er auf dem Acker macht, er d\u00fcngt.\u201c Diese ungewollte Wasserstickstoffzufuhr f\u00fchre unweigerlich zur Eutrophierung (Anreicherung von N\u00e4hrstoffen in einem \u00d6kosystem, Anm. d. Red.), der Teich wachse zu, der Sauerstoff reduziere sich und das Gew\u00e4sser kippe um. Diese Erfahrungen habe man in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gemacht.<\/p>\n<p>Der Vorteil dieses nat\u00fcrlichen D\u00fcngers liegt f\u00fcr Kling auf der Hand: \u201eEr ist biologischer D\u00fcnger. Ich greife keine anderen Ressourcen an, sondern ich f\u00fchre das wieder konzentriert in den Kreislauf zur\u00fcck, was da auch wieder reingeh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Auf der Insel Gotland in Schweden, die gro\u00dfe Abwasserprobleme hat, gibt es ein interessantes Projekt, dass in der touristisch boomenden Haupturlaubszeit \u00fcber drei Jahre hinweg bis zu 70.000 Liter Urin aus Urinalen sammelt und mit einem speziellen Verfahren daraus getrocknete Pellets als D\u00fcnger herstellen will.<\/p>\n<p>Den Vorteil dieses Projektes sieht der Wissenschaftler vor allem in der Konsistenz des D\u00fcngers. \u201eDiese Pellets sind wesentlich einfacher handhabbar als gro\u00dfe Mengen von Urinl\u00f6sung. Wenn ich so etwas trockne, dann unterliegt es nicht der F\u00e4ulnis. Ich kann es besser lagern und ausbringen.\u201c<\/p>\n<h4>Neue Kl\u00e4ranlagen braucht das Land \u2026<\/h4>\n<p>Ein Abwassertrennverfahren von Urin wird in einigen L\u00e4ndern bereits durchgef\u00fchrt. In den Niederlanden gibt es wasserlose Urinale, die mit der Kl\u00e4ranlage im Keller verbunden sind und in einem Pariser \u00d6koviertel hat man bereits Trenntoiletten installiert. Biologen heben die Bedeutung unserer Ausscheidungen in Bezug auf N\u00e4hrstoffreichtum und industrielle Nutzbarkeit immer wieder hervor und sch\u00e4tzen gar, dass Menschen gen\u00fcgend Urin produzieren, um ein Viertel der derzeitigen Stickstoff- und Phosphord\u00fcnger weltweit zu ersetzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_59871\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59871\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/tractor-g6df7a64c6_1920-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Natur- und Kunstd\u00fcnger sind in der Landwirtwirtschaft Usus &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Und doch greift trotz eines so eindeutigen Nachhaltigkeitsarguments keiner so richtig zu. Kling wei\u00df warum: \u201eDas w\u00fcrde eine komplette Umkonstruktion unser Abwasseranlagen bedeuten. Hier in Wuppertal, mit dem Barmer Trennsystem sind wir ja schon relativ weit, wir verarbeiten Regen- und Abwasser getrennt\u201c, erl\u00e4utert er. \u201eDas Regenwasser wird dann den Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern zugef\u00fchrt und nur mein Abwasser wird entsprechend biologisch in der Kl\u00e4ranlage behandelt und gereinigt.\u201c<\/p>\n<p>Eine weitere Trennung unserer Ausscheidungen m\u00fcsse dann direkt beim Verbraucher durch eine dritte Leitung installiert werden. \u201eDas ist ein enormer Aufwand und w\u00fcrde bedeuten, dass alles, was wir jetzt als Infrastruktur haben, entsprechend umgebaut werden m\u00fcsste, weil der Eintrag in die Kl\u00e4ranlage sich nun einfach komplett ver\u00e4ndert. Und das wiederum w\u00e4re eine Investition von etwas gr\u00f6\u00dferem Aufwand, um es einmal ganz, ganz vorsichtig zu sagen.\u201c<\/p>\n<h4>Wie vermarktet man ein Tabuthema?<\/h4>\n<p>Unsere Ausscheidungen sind ein gesellschaftliches Tabuthema, oft auch mit Ekel verbunden. Um Urin aber tats\u00e4chlich auch nutzen zu k\u00f6nnen, bedarf es eines Umdenkens bez\u00fcglich der menschlichen Hygiene, fordern Biologen, denn wenn der Verbraucher das Produkt nicht akzeptiert, kann man es nicht vermarkten.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, das h\u00e4ngt einfach nur mit dem Kopf zusammen\u201c, sagt Kling spontan, \u201ewir akzeptieren es, dass ich Stallmist und G\u00fclle als Biod\u00fcnger aufbringe. Doch wo ist der gro\u00dfe Unterschied zwischen dem Urin einer Kuh und humanoidem Urin? Aus meiner Sicht als Chemiker ist das marginal. Es ist einfach ein ethisches Kopfproblem. Man akzeptiert, dass die Pflanze mit Biod\u00fcnger ged\u00fcngt worden ist und bezahlt sogar noch mehr daf\u00fcr. Aber in dem Moment, wo da auch menschliche Ausscheidungen dazu kommen, f\u00e4ngt es an ekelig oder anr\u00fcchig zu werden, und der Appetit l\u00e4sst dann doch nach.\u201c<\/p>\n<h4>Urin-Express in Zeiten des Klimawandels?<\/h4>\n<p>Die Methoden des Urin-Recyclings sind wichtig, weil weltweite Ressourcen zur Neige gehen. Das Mineral Phosphor dabei ist Bestandteil von D\u00fcnger, wird vom Menschen mit der Nahrung aufgenommen und ausgeschieden. Hiesige Kl\u00e4ranlagen arbeiten mit einem hohen Einsatz an Wasser. In der Schweiz wurde der sogenannte Urin-Express entwickelt, eine Urin-Aufbereitungsanlage auf R\u00e4dern.<\/p>\n<div id=\"attachment_59872\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59872\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/wheat-gf54a05b68_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wenn es um den Ertrag geht, greifen viele Landwirte der Natur mit D\u00fcnger unter die Arme &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Im Urin-Express produziert ein biologisches Verfahren den D\u00fcnger f\u00fcr Rasen, G\u00e4rten, Parks oder Gem\u00fcse. D\u00fcnger aus Pipi leistet damit einen wertvollen Beitrag f\u00fcr die Umwelt und k\u00f6nnte im Zuge des Klimawandels eine Alternative f\u00fcr eine nachhaltig arbeitende Industrie sein. \u201eDa spielt jetzt neben dem Element Stickstoff ein anderes Element eine wichtige Rolle, n\u00e4mlich Phosphor\u201c, erkl\u00e4rt Kling. \u201eStickstoff steht eigentlich in fast unbegrenzter Menge f\u00fcr uns zur Verf\u00fcgung. Das sieht beim Phosphor ganz anders aus.\u201c<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft arbeite augenblicklich gerne mit Kunstd\u00fcngern, deren wesentlicher Bestandteil neben dem Stickstoff das Element Phosphor ist, den der Mensch dringend brauche. \u201eUnsere Knochen und Z\u00e4hne brauchen Phosphate, aber leider sind die nat\u00fcrlich vorkommenden Ressourcen sehr, sehr endlich.\u201c Das habe auch die Politik bereits auf den Plan gerufen und es werde an Themen wie Phosphorrecycling aus Kl\u00e4ranlagen bereits rege geforscht. Phosphor befinde sich im Kl\u00e4rschlamm und es bed\u00fcrfe nun Verfahren, die ihn wieder daraus extrahieren und biologisch wieder zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnten, wei\u00df der Chemiker.<\/p>\n<h4>Kl\u00e4rschlamm immer noch Abfallprodukt<\/h4>\n<p>\u201eDas ist noch schwierig, denn Kl\u00e4rschlamm wird immer noch als Abfallprodukt bei der Reinigung des Wassers behandelt und meist verbrannt. Der Phosphor ist zwar in der Schlacke drin, aber nicht in einer Form, die ihn f\u00fcr die Pflanze verf\u00fcgbar macht. Somit ziehe ich Phosphor aus diesem Kreislauf heraus.\u201c Es stelle sich also die Frage, wie die gro\u00dfen Mengen an Phosphor aus dem Kl\u00e4rschlamm wieder herauszubekommen seien?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>Prof. Kling wei\u00df von Kl\u00e4ranlagen, die bereits ihren Kl\u00e4rschlamm einlagerten, weil deren Phosphatgehalt derma\u00dfen hoch ist, dass eine Verbrennung einer Vernichtung von dringend n\u00f6tigen Rohstoffen gleichk\u00e4me. \u201eEs gibt da Verfahren\u201c, erkl\u00e4rt er, \u201eund auch wir sind mit einem externen Partner daran beteiligt. Das ist alles nicht so einfach, der Teufel steckt auch bei diesen Forschungen im Detail. Es sind neue Technologien, die muss man entwickeln, erproben und dann auch Willens sein, solche Technologien einzuf\u00fchren!\u201c<\/p>\n<p>Die weltweite Nahrungsmittelproduktion h\u00e4ngt unmittelbar von Phosphor ab. Doch dieser wichtige Pflanzenn\u00e4hrstoff geht zunehmend aus den B\u00f6den verloren. Hauptursache ist die Bodenerosion. Afrika, Osteuropa und S\u00fcdamerika k\u00f6nnen diesen Verlust mit mineralischer D\u00fcngung nicht ersetzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_59873\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59873\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/cows-gd94ac95e0_1920-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Rinder sorgen f\u00fcr einen nat\u00fcrlichen D\u00fcngstoff &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>\u201eDie meisten unserer Abw\u00e4sser werden gekl\u00e4rt und damit h\u00e4tte ich dann \u00fcber den Kl\u00e4rschlamm die M\u00f6glichkeit Phosphor wieder einzubringen. Ich glaube, der Schl\u00fcssel liegt darin, dass man das, was im Moment als Abfall anf\u00e4llt, zuk\u00fcnftig als wertvolle Ressource betrachtet und sich Gedanken macht, wie man aus diesem Abfall wieder Wertstoffe generiert, um diese Kreisl\u00e4ufe komplett zu schlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<h4>D\u00fcngemittelverordnung verbietet Nutzung menschlicher Ausscheidungen<\/h4>\n<p>In Deutschland ist vieles per Gesetz geregelt. Daher gibt es auch eine sogenannte D\u00fcngemittelverordnung (D\u00fcMV), welche vorschreibt, wie auf deutschen Feldern ged\u00fcngt wird. Menschlicher Kot und Urin sind dort verboten, auch in kompostierbarer Form.<b> <\/b>Was dem Einsatz von D\u00fcngemitteln menschlichen Ursprungs im Weg steht, ist das Problem, dass sich im Kot auch Keime, Krankheitserreger, Arzneimittelr\u00fcckst\u00e4nde und Hormone befinden, und die d\u00fcrfen nicht in den Boden gelangen.<\/p>\n<p>Zwar gebe es bereits eine Risikoanalyse des Deutschen Instituts f\u00fcr Normung, wei\u00df Kling, nach der es technisch ausgereifte Verfahren gebe, die m\u00f6gliche Erreger beseitigten, aber der Weg bis zur Umsetzung werde ein langer sein. Das \u00f6kologische Potential ist jedenfalls hoch. Eine Kompostierung, die eher den Stoffkreislauf wieder schlie\u00dft, scheint heute effektiver zu sein als der Weg \u00fcber die Kl\u00e4ranlage. Ein auf drei Jahre angelegter Feldversuch des Brandenburger Unternehmens finizio legt in diesem Jahr erste Ergebnisse vor.<\/p>\n<h4>Schlie\u00dfen von Stoffkreisl\u00e4ufen ist das A und O<\/h4>\n<p>\u201eWir sind als reiches Industrieland sicherlich in der Lage, mit entsprechenden Kunstd\u00fcngern zu arbeiten. Wir k\u00f6nnen es uns leisten\u201c, konstatiert Kling und weist gleichzeitig darauf hin, dass diese Strategie aber endlich sei. \u201eDas, was wir uns auf lange Sicht nicht leisten k\u00f6nnen, ist die Art und Weise, wie wir es machen. Wir m\u00fcssen nachhaltiger werden und Gedanken, wie das Schlie\u00dfen von Stoffkreisl\u00e4ufen intensiver aufarbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Es werde immer alles nur unter einem wirtschaftlichen Aspekt betrachtet, aber dem Gedanken der Nachhaltigkeit m\u00fcsse mehr Gewicht zukommen. \u201eWenn man heute auf die B\u00f6den bei uns oder auch in Europa blickt, sehen wir, dass wir nat\u00fcrlich bei der Intensivlandwirtschaft d\u00fcngen m\u00fcssen. Die Anzahl der Personen, die ern\u00e4hrt werden m\u00fcssen, w\u00e4chst stetig, aber unsere Fl\u00e4che nimmt nicht zu. Daher muss ich pro Hektar mehr generieren.\u201c<\/p>\n<p>Der Klimawandel tue sein \u00dcbriges und das erlebten wir am eigenen Leibe. Trockene Sommer, das Waldsterben und unsere Wasserressourcen seien auch hier im Bergischen nicht endlos. \u201eWir haben zwar \u00fcberall unsere B\u00e4che, das war ja auch die Quelle der Bergischen Industrie, aber das wird in Zukunft nicht permanent so bleiben. Es gibt gro\u00dfe Landstriche, die dann erodieren und Probleme bekommen.\u201c<\/p>\n<p>1622 wurde der Dramatiker Jean-Baptiste Poquelin alias Moli\u00e8re in Paris geboren, der in seinen Werken die Schw\u00e4chen und Laster der Menschen stets humorvoll und kritisch beschrieb. Einer seine Kommentare hat auch in Zeiten des Klimawandels und der damit verbundenen Nachhaltigkeitsdebatte nichts an Aktualit\u00e4t verloren: \u201eWir sind nicht nur verantwortlich f\u00fcr das, was wir tun, sondern auch f\u00fcr das, was wir nicht tun.\u201c Daran hat sich auch nach 400 Jahren nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_59868\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 213px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59868\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Kling_von_Sebastian_Jarych_2a-3-817x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"254\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Hans-Willi Kling &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Hans-Willi Kling<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Hans-Willi Kling studierte an der Ruhr Universit\u00e4t Bochum und promovierte an der Bergischen Universit\u00e4t. Er bekleidete verschiedene Positionen in der freien Wirtschaft, er lehrte ab 2003 an die Bergische Universit\u00e4t parallel zu seiner Industriet\u00e4tigkeit und folgte 2010 dem Ruf auf den Lehrstuhl \u201eManagement chemischer Prozesse in der Industrie\u201c. 2012 folgte die Zusammenlegung mit der \u201eAnalytischen Chemie\u201c unter seiner Leitung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wichtig Urin ist, wissen wir schon seit den vergangenen Tagen des WDR-\u00dc-Wagens mit Carmen Thomas, als das Thema \u00b4Urin, ein ganz besonderer Saft` 1988 die Bev\u00f6lkerung in NRW begeisterte. Im Nachgang der Sendung entstand sogar ein Buch, welches sich zum Bestseller entwickelte. Seitdem wird der k\u00f6rpereigene Saft in der Gesellschaft anders wahrgenommen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-59863","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-25 07:47:41","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59863","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59863"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59863\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59877,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59863\/revisions\/59877"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}